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InLustnalisierungsprozeß wahrend des Krieges ein­gesetzt, und diese Staaten dachten natürlich gar nicht daran, ihre Industrien wieder abzubauen.

In dieser veränderten Welt fiel den Köpfen der verantwortlichen Männer nichts anderes ein, als alle Lasten auf die Schultern des geschlagenen Deutschlands und seiner Bundesgenossen zu wälzen. Die Bereinigten Staaten, die ja, wie sie stolz betonten, den Ausschlag bei der Kriegsentschei­dung gegeben hatten, zogen sich zwar verärgert aus Europa zurück, als Herr Wilson schmählich Schiff­bruch gelitten hatte, aber sie dachten gar nicht daran, gegen den Wahnsinn der Reparationen aufzutreten. Im Gegenteil, immer wieder waren es Amerikaner, die entscheidend dabei mitwirkten. Man braucht nur an den Dawesplan und an den Doungplan zu denken. Richt weniger als 132 Milliarden RM. bzw. 116 sollte das verarmte deutsche Volk danach auf­bringen. W i e der Transfer dieser riesigen Summen vorgenommen werden sollte, darüber zerbrach man sich herzlich wenig den Kopf. Es brauchte Jahre, bis man endlich einsah, daß ein Volk letzten Endes nur mit den Erträgen seiner Arbeit zahlen kann.

Und wenn diese Erkenntnis sich so langsam Kahn brach, so trifft die Schuld wiederum in der Haupt­sache Amerika. Die ungeheure Kreditinfla- tion der Nachkriegszeit in Deutschland ging von Amerika aus. Rund 25 Milliarden RM. pumpte man in das verarmte Deutschland. Es gab ja gar keine bessere Kapitalsanlage. Denn während damals in der Schweiz Zinssätze von 1 v. H. für Auslands­gelder gezahlt wurden, bekam man in Deutschland 6, 7, 8 und noch mehr Prozent. Deutschland hat von diesen geborgten Geldern etwa 11 Milliarden RM. zur Bezahlung der Reparationen verwandt.

Ms sich dann schließlich dieses System aus die Dauer als unhaltbar erwies, kam der große Zusam- 'MLNlbruch. Die überstürzte Zurückziehung der amerikanischen Kredite war die jcigentliche Ursache des Zusammenbruchs im Jahre 1930 nach der Scheinblüte der sogenannten Welt­wirtschaft, die 1929 ihre Hochkonjunktur erreicht hatte. Damals sank der Bestand der Reichsbank von über 3 Milliarden RM. am 30. Juni 1930 aus 367 Millionen RM. am 30. Juni 1933. Die Konkurs- anträae schnellten von 1373 im Mai 1931 auf 1972 ihn Oktober 1931 heraus. Die hirnverbrannte Tri­but p o li t i k war die eigentliche Ursache dafür, daß der Welthandel nach dem Weltkrieg zusammen- brach. Von 284 Milliarden RM. im Jahre 1929 sank der Wert des Welthandels auf 100 Milliarden RM. im Jahre 1933 und 96 Milliarden RM. im Jahre 1934 ab. Man wird kaum behaupten können, daß imagistische" Methoden die Ursache dafür gewesen seien, denn der Nationalsozialismus hat ja erst 1933 die Macht übernommen und hat in den ersten Jah­ren auf dem Gebiete des Außenhandels kaum etwas geändert. Nein, es waren die amerikani- ifchen Methoden, die zum Zusammenbruch sührten. Auch das Hoover-Moratorium hat nichts daran geändert.

Und nach 1930, wie war es da? England entzog sich den Folgen des Zusammenbruches der Repa­rationspolitik dadurch, daß es den Goldstan­dard im September 1931 aufgab. So schaffte es sich gewaltige Preisvorteile für feine Ausfuhr. Die Vereinigten Staaten aber folgten der eng- ilifchen Währungsabwertuna, um sich auf diese Art die gleichen Vorteile zu schassen. Denn die Ver­einigten Staaten waren zum größten Gläubiger- land der Welt emporgestiegen, zu dem Lande, in dem alles Gold der Welt zusammenströmte. Statt aber die Konsequenzen daraus zu ziehen und eine 'P-assive Handelsbilanz hinzunehmen, richtete Ame­rika sein ganzes Streben nach wie vor auf die Er- Oetung größter Ausfuh rüberschüsse. Die­ser Widersinn ist oft genug und von den verschieden­sten Seiten als eine der Hauptursachen für den Abstieg des Welthandels gekennzeichnet worden. Selbst Herr Roosevelt müßte das wissen. Das neu­reiche Amerika wollte in seiner Gier immer mehu an sich raffen. Statt die Einfuhr zu erleichtern, umgab man sich mit einer Schutzzollmauer von der­artiger Höhe, daß sie für viele Waren einfach pro« hibitiv wirkte. Die Hullsche Handelspolitik mit der starren Anwendung des Grundsatzes der Meist­begünstigung und der Diffamierung aller zweiseiti­gen Tauschabkommen trug das ihrige bej, eine Ge­sundung des Welthandels zu verhindern.

Man macht gern Deutschland den Vorwurf, daß es den Anfang mit diesen zweiseitigen Handelsmethoden gemacht habe. Besonders rn den USA. gilt das als Glaubenssatz. Dabei könnte man auch dort sehr wohl wissen, daß das Lrste Verrechnungsabkommen nicht von Deutschland

ausging, sondern ihm von den Nlederlan- den aufgezwungen wurde, die in erster Linie ihre Zinsen haben wollten. Da Deutschland diese nicht transferieren konnte, so beschlagnahmten die Hollander einfach einen Teil der Erlöse Deutsch­lands aus seiner Ausfuhr nach Holland, ohne Rück­sicht darauf, daß Deutschland nun naturgemäß nicht mehr so viele holländische Waren kaufen konnte wie früher. Ebenso ist es mit den Kontingentierun- gen. Die ersten Einfuhrtontingente hat Frank­reich eingeführt, nicht Deutschland. Amerika aber hetzte seit 1933 überall zum Boykott gegen Deutsch­land. Dies um so heftiger, je mehr sich im Laufe der Zeit zeigte, daß Deutschland aus den ihm auf- gezwungenen Methoden etwas völlig Neuartiges machte. Nun begann das Gekeife in der ganzen Welt über die angeblichennazistischen" Methoden, die den Welthandel ruinierten. Wie falsch und un­berechtigt auch das ist, geht daraus hervor, daß Deutschland 1913 zwar 13,1 v. H. der gesamten Weltausfuhr bestritt, 1933 aber nur 10,2 v. H. und 1938 10,1 v. H. Dieses Deutschland, dem die ameri­

kanischen Kriegshetzer nachsagen, daß es alle an­deren Völker vom Weltmarkt zu verdrängen suche, hat also 1938 noch nicht einmal den Anteil an der Weltausfuhr erreicht, den es vor dem Weltkrieg besaß.

Das find die Tatsachen. Herr Roosevelt und seine Leute können sie zwar verdrehen, aber nicht aus der Welt schaffen. Nicht Deutschland hat den Welthandel in ein Chaos verwandelt, sondern die englisch-jüdische Plutokratie, die bereit war, einen Weltkrieg vom Zaune zu brechen, um ihre Herr­schaft über das Gold, die Rohstoffschätze und den Handel der ganzen Welt aufrechtzuerhalte. Das ist die wahre Ursache für die Zerrüttung des Welthandels. Wenn Herr Roosevelt meinen sollte, daß er berufen sei, diese imperialistische Weltwirt­schaft der Plutokratie zu retten, dann wollen wir das nicht bestreiten. Wir wagen aber zu bestreiten, daß das amerikanische Volk ein Interesse daran haben kann, sein Blut zu vergießen, um den Geld­sack fetter Juden, überheblicher Lords und hab­gieriger Wallstreet-Kapitalisten zu retten.

Tagung des Führerkorps im Gau Hessen-Mau.

Eine Vortragsveranstaltung des Gauleiters.

NSG. Auf einer von Gauleiter und Reichsstatt­halter Sprenger einberufenen Tagung des Führerkorps der Partei im Gau Heffen- Naffau sprach Reichshauptstellenleiter Dr. Kurz vom Hauptamt für Technik Berlin über die politi­schen Auswirkungen technischen Fortschrittes. An Beispielen der gegenwärtigen Auseinandersetzung zwischen den Achsenmächten und England zeigte er die Zusammenhänge in den großen politischen Ent- wicklungslinien einerseits und der Technik als Ge­stalterin des Lebens andererseits in fesselnder Dar­legung auf. Englands wichtigstes Machtmittel war bisher das Schiff, auf das sich seine ganze Politik stützte. Mit der Schaffung des modernen Flugzeuges waren sowohl das Transport- p'roblem als auch die Probleme der bewaffneten Auseinandersetzungen zu Raumaufgaben geworden. Heute ist das Meer nicht mehr die schützende Fläche um die Insel England. Es gibt kein Land in Europa, das derartig luftempfindlich ist wie Eng­land. In seiner Gliederung und in seinem industriel- len Aufbau, in der Führung seiner Transportwege und erst recht in der Anlage seiner Umschlagsein­richtungen hat es die Möglichkeiten von Angriffen aus dem Raum völlig außer Acht gelassen. Es kann heute seinen Einwohnern nicht einmal mehr die nackte Lebensmöglichkeit sichern, well der überwie­gende Teil selbst des einfachsten Verbrauches über die See kommen muß, die aber jetzt nicht mehr vom physikalischen GerätSchiff" sondern vom physikalischen KampfmittelFlugzeug" beherrscht wird. Das Fundament, auf dem allein die englische Empire-Idee möglich war, ist durch eine technische Entwicklung und deren politische Folgen zusammen-

vorzunehmen.

Oie Lustverteidigung Syriens.

Beirut, 20. Mai. (Europapreß.) Der fran­zösische Staatssekretär für die Luftfahrt, General B e r g e r et, ist auf dem Luftwege in Beirut eingetroffen. Er wurde bei seiner Landung von Oberkommissar General D e n tz und dem Kom­mandanten der französischen Luftstreitkräfte in der Levante Jannekeyn, sowie den Vertretern der Zivil- und Militärbehörden in Syrien empfangen. General Bergeret wird an Ort und Stelle nach den Direktiven der Regierung und in Verbindung mit dem Oberkommissar die Anwendung der Maßnah­men für die Luftverteidigung gegen die briti­schen Luftangriffe in der Levante prüfen. In Aleppo wurden am Montag Luftschutz- Übungen veranstaltet. Eine Anzahl von Hotels in dieser Stadt wurden requiriert Zwei englische Flugzeuge vom Muster Hurricane griffen am Diens­tagvormittag die Anlagen des Flugplatzes M i z z e bei Damaskus mit Maschinengewehren an.

Englische Umtriebe in Syrien.

Beirut, 20. Mai. (Europapreß.) Die Bereim- gungArabische Nationalgarde" verteilt in Syrien Flugblätter, in denen die Schuld Englands an den Pranger gestellt wird. Darin wird England u. a. auch der Vorwurf gemacht, daß es bewußt durch feine Agenten Getreide und andere Lebensmittel

gebrochen. Was immer die ackerbautreibenden und seßhaften Völker an Kulturen aufgebaut haben, wurde vom englischen Volk stets mißbraucht und zumeist zerstört. Wenn daher Deutschland heute mit seiner Luftwaffe überall dort zum Vernichtungs­schlag antritt, wo es das britische Weltreich zu treffen vermag, so erfüllt es damit eine geschicht­liche Mission.

Für den verhinderten Staatssekretär Neumann (Reichswirtschaftsministerium) machte der Präsident des Landesarbeitsamtes Hessen Kretschmann Ausführungen über die Auskämmaktion in den Betrieben durch Kommissionen, in denen alle beteiligten Stellen vereinigt find. Während bis­her eine bezirksweise Prüfung der einzelnen Unter­nehmen durchgeführt wurde, werden künfttg für die wichttgsten Berufsgruppen beruflich geglie­derte Kommissionen gebildet, die über das ganze Landesarbeitsamtsgebiet ihre Arbeit erstrecken. Die erreichten Zahlen seien verhältnismäßig günstig. Präsident Kretschmann richtete an die Betriebsführer den Appell, bei Bedarf an Spitzenkräften in erster Linie den eigenen Betrieb selbst durchzukämmen so­wie ihre 'Betriebsorganisation ständig nachzuprüfen.

Der Gaubeauftragte für «Kohlenfragen, Dr. Wagner, berichtete über den Stand der Kcchlen- befchafftmg und erörterte die Probleme, die sowohl auf dem Gebiete des Transportwesens als auch der Förderung durch den Krieg aufgetreten fvrtb. Er schilderte im besonderen die Maßnahmen zur Sicher­stellung der industriellen Kohlenversorgung und wies bei Behandlung des Hausbrandproblems auf, die dringende Notwendigkeit hin, weitere Einsparungen

habe auf kaufen lassen, um die Schwierigkeiten in Syrien ms Unermeßliche zu steigern.

Frankreich durchschaut Englands Spiel in Syrien.

V i ch y , 20. Mai. (Europapreß.) Die Tatsache, daß englische Flugzeuge über den syrischen Städten Flugblätter abgeworfen haben, in denen die syrische Bevölkerung aufgefordert wurde, sich der de-Gaulle-Bewegung anzuschliehen, hat in der Form eines von den Morgenblättern veröffentlichten französischen Kommentars eine so­fortige Antwort gefunden. Darin heißt es u. a., man habe jetzt den Beweis dafür, daß eines der Ziele der englischen Politik darin bestehe, Syrien vom französischen Mutterlande abzutren­nen. England sei es auch gewesen, das versucht habe, den größten Teil des französischen Kolonial­reiches von Frankreich abspenstig zu machen. Falsche Nachrichten und bedeutende Geldmittel seien für diese Versuche eingesetzt worden, die neben gewissen Erfolgen auch zu glatten Mißerfolgen in anderen Gebieten, wie in Kamerun, Dschibuti und Dakar, geführt hätten.

Frankreich betrache es als eine Ehre, dort energisch Widerstand geleistet zu haben.

wo es ihm möglich gewesen sei. Aber jetzt sei |lu? Frankreich zweifellos die Stunde gekommen, sich besonders in Afrika wieder in den restlosen Besitz seines Imperiums zu setzen. Ein Punkt müsse besonders geklärt werden, nämlich der, daß das Problem der de-Gaulle-Bewegung eine An« gelegenheit fei, die ausschließlich zwischen Frankreich und dem Abtrünnigen zu behandeln sei. Frankreich könne es nicht gestatten, daß eine ausländische Macht sich dazwischenstelle, um es daran zu hindern. Um nur vom Tschad-Gebiet oder Gabun oder allge­mein von ganz Aequatorialafrika zu sprechen, so handele es sich dabei um Provinzen des französi* sehen Imperiums, über die d i e französische Souveränität in vollem Maße wieder h e r g e st e l l t werden müsse.

Schließung aller britischen Konsulate.

Vichy, 21. Mai. (Europapreß.) In einem amt­lichen Kommunique wird die Schließung aller britischen Konsulate in Syrien mit- geteilt. Zur Begründung dieser Maßnahme wird ausgesührt, daß sich die französische Regierung auf Grund der wiederholten Bombardierungen syrischer Flugplätze durch die britische Luftwaffe entschlossen habe, jederweiteren Tätigkeit aller in der Levante befindlichen britischen Konsulate e i xt Ende zu machen. Von diesem Entschluß wurden sämtliche im Levante-Gebiet und in Syrien befind­lichen britischen Staatsangehörigen am 19. Mai be­nachrichtigt. Die britischen Konstlln verlassen, wie aus der offiziellen französischen Mitteilung hervor­geht, das Levante-Gebiet mit ihrem Personal im Lause der nächsten Woche.

Britische Truppenverstärkungen in Transjordanien.

Beirut, 21. Mai. (Europapreß.) In einer Be­sprechung zwischen dem Emir Abdullah von Transjordanien und dem britischen Oberkommissar in Jerusalem wurde die Entsendung weiterer briti­scher Truppen nach Transjordanien beschlossen. Die Engländer ziehen ihre Streitkräfte in der Gegend von Nablus zusammen, wo sich Ueberfäüe größeren Stils ereignet haben.

*

Aus Ankara erfährtPopolo di Roma", daß auf Abdullah ein Anschlag verübt worden ist. Emir Abdullah hat den beritischen Behörden den Führer der aufständischen Araber aus Palästina, Abu D o r r a ausgeliefert, der von den Engländern so­fort hingerichtet worden ist.

Oie Spannungen in Aegypten nehmen zu.

Beirut, 21. Mai. (Europapreß.) Aus Kairs wird berichtet, daß die Verhaftungen in Aegypten andauern. Nicht weniger als 150 ägyptische Offiziere sollen sich bereits in britischer Hast befinden. In aller Oeffentlichkeit wird von der Wafd-Partei die Frage nach der Recht­mäßigkeit der britifchen Verhaftungen erörtert' und verneint. Die Spannung in Aegypten nimmt zu. In Beirut glaubt man, daß es unter Umstän­den dort zu größeren Unruhen kommen könnte.

Oie deutsch-türkischen Beziehungen.

Ankara, 20. Mai. (DNB.) In der Zeitung Akscham" schreibt der Abgeordnete Sadak, daß die politische Linie der Türkei bedingt fei durch ihre eigenen nationalen Verteidigungsinteressen und durch den Wunsch, außerhalb des Krieges zu bleiben. Der rasche Verlauf des BalkanfeDzuges habe dieser türkischen Auffassung recht gegeben. Deutschland habe in 18 Monaten Kriegführung be­wiesen, daß es nach einem neuen militärischen Plan handele, der den einzigen Zweck habe, England zu treffen. Die Beurteilung der türkischen Polittk durch den Führer sei ein Beweis für die realistische Den- kungsweise Deutschlands über die Türkei. Gewiffe ausländische Zeitungen hätten von deutschen An­griffszielen gesprochen, z. B. gegen die Meerengen. Diese Märchen seien jedoch anderswo enfftanden als in Berlin.

Kleine politische Nachrichten.

Auf Einladung des Reichsarbeitsministers Seldte besuchte Reichsorganisationsleiter Dr. Ley in Magdeburg die für den Wohnungs- und Sied­lungsbau wichtigsten Stellen, das Franz-Seldte- Institut der Deutschen Akademie und das Gau­heimstättenamt. Der Präsident der Deutschen Aka­demie für Bauforschung, Professor Dr. Stegemann, zeigte die Forschungsergebnisse des Instituts in

MNaim lmPelZ.

Boman von Elisabeth jjolt

63. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

Was nachher noch gesprochen wurde, verstand Gerda nicht, sie sah nur, daß Alwine Pola mit aus­gebreiteten Armen den Rückweg abschnitt.Pola komm, wir fahren hinunter. Wir bestellen Cham­pagner, zwei Flaschen, guten französischen Cham­pagner, dann feiern wir einmal wieder wie in alten Zeiten, komm Pola!"

Geh voraus", verlangte die Luckner,ich komme Mit Leiermann nach." Gerda horchte plötzlich auf. Hat das jetzt die Luckner gesagt? Hat dieses ble­cherne Gemurmel, diesen völlig stimmlos vorge­brachten Satz wirklich Pola Luckner gesprochen? Hören die andern das nicht? Und sehen sie nicht, wie müde, wie abgekämpft, wie fertig Pola ist?

Aus dem engen Seitenarm des Korridors kam ie'm Schrei, ein kurzer, jäh abbrechender Schrei so unglaublich schrill und hoch wie der Ton, mit dem eine überspannte Geigensaite zerreißt, daß Gerda entsetzt zusammenfuhr.

In diesem Augenblick fiel die Luckner um. Ohne einen Laut, beinahe ohne Bewegung brach sie in sich selber nieder, als hätte der spitze Schrei die Sehnen ihrer Kniegelenke durchschnitten, sie gab den Ausblick frei auf die offene Gittertür vor dem leeren Liftschacht, an der wie ein aufgebäumtes, sprungbereites Tier Alwines dunkler Zobel hing.

Alwine selber war weg. Sie lag vier und ein halbes Stockwerk tiefer auf dem Dach des Fahr­stuhls und nahm mit einem langen Atemzug, der zu keinem rechten Ende mehr gedieh, von dieser Welt Abschied.---

Um drei Uhr nachts klopften sie an Gredlers Zimmertür. Der Pianist ftiea langsam und schlaf­trunken die Treppe hinunter (er ging zu Fuß, denn der Lift war nach der Katastrophe sofort gesperrt worden), um in der Hotelkanzlei alles zu bestätigen, was Dr. Kempf und Kammersänger Kleisel schon vorher übereinstimmend ausgesagt hatten. Es war AN Unfall, Frau von Pachoven, infolge ihres ^ep

^Fortsetzung folgte

Kommissar Schweiger ergrimmte. Das sei schlech­terdings unmöglich! Nur drei oder vier Kriminal­beamte des inneren Dienstes wüßten davon, daß die Untersuchung eine gewisse überseeische Spur ver­folge.

Der Polizeirat lenkte ein wozu sich noch strei­ten? Er redete von etwas anderem.Was war denn da neulich mit der Luckner los? Vor ein paar Monaten hat irgend etwas in der Zeitung gestan­den ich hab's vergessen sie hat in der Schweiz einen Unfall,gehabt, ober so etwas. Erinnern Sie sich?"

Schweiger erinnerte sich. Nein, nicht die Luckner hatte den Unfall erlitten, sondern ihre beste Freun­din, die Witwe des Hamburger Großindustriellen Pachoven. Die war sozusagen vor Polas Augen in einen Liftschacht gestürzt.

Der andere blätterte im Akt nach rückwärts.Da schau her! Wir haben ja sogar ein Protokoll mit ihr ausgenommen! Sie war an diesem Abend, als die Luckner ihren echten Schmuck zuletzt getragen hat, auch unter den Gästen? Enorm reich was?"

Natürlich, das Motorenwerk Kempf-Pachoven sei ein gewaltiges Unternehmen."

So, so", sagte der Polizeirat zerstreut.Wem gehört das Werk eigentlich?"

Er hörte, daß offiziell Dr. Clemens Kempf dafür zeichne. Angeblich besitze er 75 vom Hundert der Aktien. Aber wie sich das mit der Pachoven verhielt, das wußte Schweiger nicht. Jedenfalls tauchte un­mittelbar nach dem Unglücksfall eine gierige Ver­wandtenschar auf, die nichts Eiligeres zu tun hatte, als allen erreichbaren Besitz der Verstorbenen ihren großartigen Schmuck, die berühmte Miniatu- renfammlung, die Pelze, Möbel, Teppiche kurz­um, alles zu verauktionieren.Haben Sie es nicht in der Zeitung gelesen?" erfunbyte sich ber Kom­missar.Die Luckner ist ja wegen dieser Versteige­rung extra nach Hamburg gefahren, sie soll da einen Zobelmantel aus dem Nachlaß gekauft haben."

brochenen Lorgnons beinahe blind, glaubte den Fahrstuhl wegen der aufstehenden Gittertür noch oben und trat durch die offene Tür in den spie­gelnden leeren Schacht hinaus. Denn, leider, hatte inzwischen einer den Fahrstuhl wieder nach ab­wärts geholt, und weil die Tür im vierten Stock nicht mehr richttg funktionierte, war dies auch mög­lich gewesen, obwohl sie nicht ordnungsgemäß ge­schlossen war.

Gredler deutete durch ausdrucksvolles Verstum­men und eine ergebungsvolle Geste an, daß die bedauernswerte Frau einzig und allein als Opfer ihrer Kurzsichtigkeit zugrunde gegangen mar.

Die Aussage Fritz Gredlers schloß das Protokoll über die Ursache des Unfalls ab. Behördlicherseits" wurde die Leiche zur Beerdigung freigegeben.

11. Kapitel.

Der Sommer war vorüber, es war September geworden, und eine klare Herbstsonne schien in das Büro auf der Polizei.Schweiger", sagte Polizeiral Mühsam zu dem Kommissar,Schweiger, ist in der Sache Luckner gar nichts mehr erhoben worden?"

Der andere suchte die Protokolle über den Fall zusammen. Nein, da war nichts Neues. Man hatte alles in allem einundzwanzig Personen vernommen, die Photos von vier ober fünf Männern, bei benen eine entfernte Möglichkeit ber Täterschaft bestand, an die Polizeidirektion Neuyork City geschickt und sehr vorsichtig gefaßt negativen Bescheid bekom­men. Denn die Neuyorker Polizei hatte selber kein Bild Peter Schiffs und war sich ihrer Sache also durchaus nicht sicher.

Der Polizeirat nahm den Akt, er las die letzten Blätter, und der Mißerfolg juckte wie eine alte Brandblase.

Wissen Sie, was ich mir schon gedacht habe?" bemerkte er plötzlich aus tiefen Gedanken heraus.

Mir ist eingefallen, ob unser Verdacht nicht viel­leicht verraten worden ist."

Welcher Verdacht?" fragte der andere konster­niert.

Ich meine na also, Schweiger, wir haben doch von allem Anfang an nach einem bestimmten Mann gesucht. Nach dem Amerikaner. Halten Sie es für möglich, daß der Kerl davon Wind gekriegt hat und jetzt vorsichtig im Hintergrund bleibt

Dieses Mal hatte man einen anstrengenden Som­mer hinter sich im Hau e Luckner. Pola war die ganze Zeit über von einer gesteigerten Lebendigkeit, die ihre Umgebung wahrscheinlich auch sie fel= .her zutiefst erschöpfte. Zweimol sang sie in Salz-,

bürg. So gut wie schon lange nicht mehr. Dann war sie zehn Tage lang mit Birinsky in Karlsbad, ließ den Baron aber schließlich allein und ging für eine Woche zu Dr. Kempf in die Steiermark. Gerda begleitete sie. Kempf besaß da in einer abseitigen Gegend des Murtales, bei Mötsch, ein Jagdhaus, wo er ständig Gäste hatte. Dort hat sich Pola weit besser unterhalten als in Karlsbad.

Jetzt im Herbst ist sie wieder in Wien, auch ihre" Getreuen treffen so allmählich wieder ein.

Professor Brix hat auf seinem kleinen Besitz am Traunsee sechs friedliche Wochen angelnd und nichts­tuend verbracht. Er ist frisch und gebräunt und macht seinen ersten Besuch im Hause Luckner.

In der Halle trifft er Fritz Gredler, den er gleich mit der Frage überfällt:Wie ist Pola?"

Sie dürften Sie etwas verändert finden seit dem Frühfornrner", sagte Gredler vorsichtig,sie wechselt wieder einmal die Haut."

Ungenießbar?"

Nicht einmal das, Pola ist jetzt sehr fleißig sehr konzentriert sehr hart ganz auf sich selbst eingestellt, wissen Sie."

lieber Gredlers brünettes Gesicht huscht ein Grin­sen.Es kommen keine anonymen Blumengaben mehr, die schöne Frau vermeidet die geheimnisvollen Ausgänge, und irgendwo sitzt ein Liebhaber und kommt sich geprellt vor."

Brix war erleichtert. Wenn er etwas haßte, so waren es PolasSeitensprünge".Wer war's eigentlich? Ich nehm- an, Ihr seid schließlich drauf- gekommen."

Nein", sagte Gredler,man ist nicht darauf­gekommen, niemand ist drausgekommen. Der Mann, der ein paar Monate lang Polas Gleichgewicht er­schütterte, hielt sich konsequent im Dunkel. Entweder ist er sehr diskret ober reich verheiratet."

Dann erzählte er, Birinsky lebe gerade jetzt in einer selten großzügigen Zeit, er habe feiner Freun- bin ein großes Armband geschenkt und allerhand Rechnungen bezahlt ber Korrepetitor unterbrach sich, weil ihm etwas Bemerkenswertes einfiA Wissen Sie schon, Professor, Pola hat den Zobel­mantel der Pachoven gekauft?"

Brix wußte es nicht nie kümmerte er sich um solche Dinge.