ssr. 224 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzetaer für Gberhe^en)
2O./2L September 1941
»Sayev-Arzneimittel entstehen in systematischer Wissenschaft» lieber Arbeit. Die Herstellung
wird dauernd sorgfältigst überwacht. Das -3oyei--Kreuz bürgt dafür, daß bei der Herstellung von -Arzneimitteln das
Z**EpS Höchstmaß an Verantwortung BAYER) beachtet wird.
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die Stufen mit ein paar raschen Sätzen und stieß die Tür zu Hellwangs Arbeitszimmer auf. Nichts..
Sie preßte fast enttäuscht die Lippen zusammen. „Hallo", rief Hellwang herauf .„sind Sie's?" Sie sckaltete auch in seinem Zimmer die Beleuchtung an und sah sich mißtrauisch um. .^Jawohl, Herr Doktor — ich werde bei der Gelegenheit gleich die Fenster schließen." Und plötzlich fiel ihr Blick auf die Photographie, die dort mitten auf dem Schreibtisch lag. Es gab gar keinen Zweifel: Für Hellwang bestimmt und von Kathi vor wenigen Minuten auf diesen Platz gelegt! Sie hatte das Geräusch also doch nicht nur in ihrer Einbildung gehört ...
Was aber wäre geschehen, wenn er das Bild gefunden hätte? Sie grub die spitz gefeilten Nägel in die Ballen. Das war also das Ergebnis der Unterredung, die Hellwang heute mit diesem gemeinen Frauenzimmer gehabt hatte! Sie biß sich in die Faust, ihre Lippen waren blaß geworden. Was für eine unverzeiliche Dummheit, daß sie nicht darauf gedrungen und darauf bestanden hatte, Kachi müsse hinausgeworfen werden —, daß sie Hellwang nicht schärfer vor die Entscheidung gestellt hatte, entweder Kathi zu entlassen oder sie würde selber gehen! Heute wäre die Gelegenheit günstig gewesen, heute war er ja schon fast bereit gewesen, Kathi den Laufpaß zu geben ... Das war jetzt versäumt. Unter keinen Umständen durfte sie es versuchen, einen neuen Angriff überstürzt und allzubald zu wiederholen. Aber was konnte inzwischen nicht alles geschehen? Dieses Frauenzimmer war ein gefährlicher Gegner. Welch ein raffinierter, heimtückischer Einfall, dieser hier mit der Photographie ...!
„Sie haben sich da oben wohl häuslich niedergelassen?" rief Hellwang herauf. Fräulein Zögling riß sich zusammen.
„Oh, ich hebe nur ein paar Blätter auf, die der Luftzug vom Schreibtisch geweht hat." — Sie riß das Bild an sich und stellte es an seinem alten Platz über den Büchern wieder auf. Dann schloß sie das Fenster und löschte das Licht. Ein Nachtfalter, der von der Helligkeit angelockt in das Zimmer getaumelt war, trommelte verzweifelt gegen dis Fensterscheiben. (Fortsetzung folgt.)
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in offenen Särgen bestattet liegen.
(Nachdruck verboten.)
& Fortsetzung.
U-Il, oug uie yceue uuuj vici uh —7— - k.in sollte, so wie sie schon Luisas Platz einnahm, rmn er ihr aus seinem Buch vorlas?
-olch lang damit auf, ins Kinderzimmer hineinzuschauen, sich, l Sie drehte das Licht im Treppenhauje an, nahm
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auch das Holz, das in den Wänden arbeitet." Fräulein Zögling blieb beunruhigt: „Vielleicht ist aber auch eins von den Kindern aufgewacht Entschuldigen Sie mich bitte für einen Moment, ich will doch lieber einmal nachsehen." — Sie erhob sich und ging ins Haus. Sie hatte einen ganz bestimmten Verdacht und hielt sich nicht eine Sekunde
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den Tisch.
„Achtunddreißia Jahre .. " wiederholte er, „wissen Sie, man müßte weiser und vernünftiger sein, wenn mau sie voll gelebt hätte. Nein, nein, man darf die ersten zwanzig Jahre gut abstreichen und nächstens ruhig den achtzehnten wirklichen Geburtstag feiern ..."
Das Fräulein verschränkte die Arme unter dem Kopf. Ihre Bluse spannte sich über den Brüsten. „Nach dieser Berechnung wäre ich also gerade zehn Jahre alt geworden", sagte sie mit einem kleinen Kichern. Kathi schoß die Galle ins Blut. Es zuckte ihr in den Fingern, den Briefbeschwerer zu packen und dem koketten Luder aufs Hirnkaftl zu menen. Sie hörte nicht hin, was Hellwang weiter sagte. Sie sah nur, daß das Fräulein ein wenig ungeduldig mit den Beinen zappelte, so daß ihre Knie unter dem Rock zum Vorschein kamen. Wenn Hellwang es nicht bemerkte, so bemerkte es Kathi um so deutlicher, und ihr wurde himmelangst. Vorläufig redete er ja noch sozusagen nur theoretisch davon, wie alt er sich in Wirklichkeit fühle — so um zwanzig herum. Aber wie lange noch? Solch sternenklare, laue Sommernächte hatten es in ft
gerade so aus, als ob sie den Apfel schon gepflückt hätte und nur noch auf den günstigen Augenblick wartete, wo er Appetit bekam und hineinbiß.
Kathi schob sich lautlos vom Fensterbrett fort. Das reglose Lauschen war beschwerlich, es konnte sie auch ein Niesreiz ankommen oder der Grimm so sehr übermannen, daß sie bei dem Getändel da unten die Beherrschung verlor und der Neuen da unten doch noch einen harten Gegenstand auf die Reize ihrer Figur warf. Während sie zur Tür schlich, bemerkte sie plötzlich auf dem Bücherbord, wo Hellwangs Reiseandenken standen — tunesische beilförmige Fächer, altrömische Oellämpchen und syrische Krüge — -im mattblinkenden Silberrahmen Luisas Bild. Es lächelte auf sie nieder und — blinzelte ihr zu ... Fast hätte sie sich durch einen Aufschrei verraten. Jesses naa! So sah ihr die Gnädige in diesem Augenblick gewiß auch von oben zu. Oder ... wollte die Gnädige ihr etwa ein Zeichen geben? Das Blut strömte zu ihrem Herzen zurück. Und einer raschen Eingebung folgend, überwand Kathi ihren Schrecken und ihre Scheu, nahm das Bild vom Bord herab und legte es mitten auf Hellwangs Schreibtisch. Das sollte ihm zu denken geben!
Unten hob Fräulein Zögling aufmerksam das Gesicht.
„Kam das Geräusch soeben nicht aus Ihrem Zimmer?"
Hellwang schüttelte den Kopf: „Ich hörte nichts." „Merkwürdig", murmelte sie, „mir war es so, als ob im Hause eine Tür gegangen sei . .."
„Vielleicht spukt Kathi da noch herum", meinte er, „ober manchmal ist es an solchen warmen Tagen
Blutvergiftung
hnn nicht nur bei großen, sondern schon bei ganz geringfügig erscheinenden Wunden durch Jnser- Lon entstehen und die bekannten schwernnegen- ten Folgen nach sich ziehen. Deshalb soll man mch kleine Verletzungen, wie sie so häufig tm Haushalt, im Beruf oder beim Sport durch Schnitte, Stiche, Risse, Bisse und dergleichen verursacht werden, nicht unbeachtet lassen, sondern fe sofort mit der bewährten Sepso-Tinktur des- iirfizieren. Sepso-Tinktur, die wie Jod-Tinktur iesinfiziert und genau so angewandt wird, tötet iie in die Wunde eindringenden Bakterien und rerhinöert Entzündungen. Sie erhalten das Präparat in allen Apotheken und Drogerien zu riedrigen Preisen in Flaschen verschiedener Kröße sowie in Tupfröhrchen zu RM. — ,49, die lequem mitzuführen und besonders auch für die Hausapotheke zu empfehlen sind.
Kiew, die „Mutter aller Stähle Rußlands"
„Der Feind schenkt uns nichts."
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Vornan von Horst Hiernach
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Wieder ist ein Minenfeld vor ihnen. Schnell vorbei. Aber dahinter der Draht! Sonderbar knistert er und versengt das Heidekraut dort, wo er den Boden berührt. Zwei Mann der Gruppe bleiben in diesem Draht hängen. Er ist mit elektrischer Hochspannung geladen. Einer der Männer ist sofort tot. 2(6er der MG.-Schütze der Gruppe klebt mit seinem MG. an dem tödlichen Draht. Er schreit auf und ruft laut um Hilfe. Unteroffizier Bade hört den Hilfeschrei trotz des starken feindlichen Feuers. Er ruft ein ermutigendes Wort hinüber: ,Jch komme! Ich helfe dir!" Dann ist er heran, und ohne sich um die Gefahr zu kümmern, reißt er seinen MG.-
_____ . , , ohne sich i die" Gefahr zu kümmern, reißt er seinen Äd Schützen los. Als er ihn nun weiter herausziehen will, wird vom Bunker vor ihnen eine der großen 40X4-cm-Minen neben ihnen abgezogen. Der Kom» panieführer wird verletzt, und der Luftdruck wirft den Unteroffizier und seinen MG.-Schützen erneut in den tödlichen Draht. Der MG.-Schütze ist sofort
rächte es zu seiner Hauptstadt. Durch glückliche undelsverträge mit Byzanz, die Oleg schloß und die gor erneuerte, hob sich noch die Bedeutung und tr Reichtum Kiews. Igors Witwe Olga nahm das
den hier 660 Meter breiten Dnjepr aus betrachtet, einen überwältigenden Anblick. Sie baut sich fast ganz auf den steilen Hügeln des rechten Dnjepr- ufers auf, während das linke Ufer flaches Wiesengelände bildet, und ist durch tiefe Täler in drei deutlich voneinander getrennte Stadtteile geschieden. Im Zentrum und im Nordwesten Alt-Kiew mit der größten Kirche der Stadt, der 1020—1037 vom Großfürsten Jaroslaw erbauten Sophienkathedrale mit ihrer hohen vergoldeten Hauptkuppel und den 14 ebenfalls vergoldeten Nebenkuppeln. Aeußerlich ist sie wie die meisten Kirchen Kiews in späterer Zeit, besonders im 17. Jahrhundert, stark verbaut, aber das Innere mit Mosaiken aus dem 11. Jahrhundert und dem Grabmal Jaroslaws ist unversehrt, ein wenig an die Markuskirche von Venedig erinnernd. Nordöstlich zieht sich in der schmalen Ebene zwischen den steilen Hügeln und dem Fluß die eigentliche Handelsstadt Petrowskij (früher Po- dol) hin, wo an Markttagen die kleidsamen und farbenfreudigen Trachten der kleinrussischen Landbevölkerung auftauchen und wo früher alljährlich im Februar die sog. Kontraktmesse, die größte Zuckermesse Rußlands, abgehalten wurde. Liefert doch die fruchtbare „schwarze Erde" der Ukraine 83 v. H. der gesamten Zuckerrübenernte Rußlands.
tot.
Die Kompanie muß sich zurückziehen. Unteroffi- ier Bade ist nicht dabei, er wird für tot gehalten. Aber abends kommt er zur Stellung der Kompanie, die einige hundert Meter zurück sich eingegraben hat, zurückgekrochen. Er war nur mit einem Bein in den Draht gefallen und dadurch rechtsseitig gelähmt. Trotz der Lähmung hat er sich durch Minenfelder und den anderen Stolperdraht, der inzwischen auch mit Hochspannung geladen ist, mühevoll durch starken feindlichen Beschuß Meter um Meter zurückgezogen. Verwundet, aber doch gerettet. Der Arzt kann ihm versichern, daß die Lähmung nur zeitweise anhalten, dann ganz verschwinden wird.
*
Ein Tag von vielen aus diesem Erleben, aber bestimmt einer der schwersten, weil er uns unerwartet vor eine ausgebaute Feindstellung führte, die mit den raffiniertesten Hilfsmitteln der Technik in ihrem Vorfeld systematisch und für uns unsichtbar verseucht war, als besondere Zugabe Überlagert von den Einschlägen zweier schwerer Batterien, deren Feuer von irgendwoher mit direkter Beobachtung geleitet wurde. Als der 216 enb dieses 10. August sich schirmend über unsere bis dahin erreichten Waldstellungen herabsenkte, dankte wohl jeder, der noch unoerwundet lebte, seinem Herrgott für dieses große Geschenk.
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zwang uns wieder zurück. Also zurück zu den alten Stellungen.
Rechts hatte inzwischen die 9. Kompanie angegriffen, war gegen Mittag schnell mit den ersten Teilen in die tiefgestaffelten Feldbefestigungen ein- gedrungen. Unter ihnen der Kompanieführer und der Führer der ersten Gruppe, Unteroffizier Bade. Mit sicherem Blick hatten unsere Jungen die Ge- fahren im Bunkeroorfeld erkannt, die schweren Minen, die durch Zugleinen aus den Bunkern heraus zur Entladung gebracht werden konnten, vorsichtig umgangen und hatten den Stolperdraht hinter jedem Minenfeld glücklich überquert, allerdings ohne Kenntnis davon, daß gerade dieser Draht besonders gefährlich war: er war durch Hochspannung elektrisch geladen. Jedenfalls waren die Infanteristen nach Ueberquerung mehrerer Minenfelder und Drahthindernisse schnell bis zu den ersten feindlichen Feldstellungen oorgebrungen und an die Bunker, die Feuer und Verderben spien, heran- gekrochen. Unteroffizier Bade selbst gelang es, zwei der Bunker zu sprengen, während seine Gruppe mehrere Feldstellungen nahm.
von Polen. Allerdings konnte dieser Kosakenstaat, umgeben von einer Welt von Feinden, sich nicht lange halten, und so unterstellte Chmelnizkij das Land dem Moskauer Zaren, woraus sich rasch eine russische Herrschaft entwickelte, die nicht minder drük« kend war als die polnische. Während des Nordischen Krieges versuchte die Ukraine noch einmal unter dem Kosakenhetman Mazeppa im Bündnis mit Karl XII. von Schweden die russische Herrschaft abzuschütteln. Die Schlacht von Poltawa machte diesen Träumen ein Ende. Im Gegenteil verlor nun die Ukraine rasch den letzten Rest ihrer bisher immer noch bewahrten Selbständigkeit und wurde unter Katharina der Großen einfach eine russische Provinz.
Don der Mitte des 19. Jahrhunderts an wurden die Ukrainer sich ihrer nationalen Eigenart wieder stärker bewußt, und seitdem ist der Traum von der Wiederherstellung des alten Reiches von Kiew nicht mehr zur Ruhe gekommen. Zu Anfang des Jahres 1918 schien er seiner Verwirklichung nahe, als Kiew seine Loslösung won der Sowjettegierung aussprach und zu seinem Schutz gegen die Bolschewisten im März deutsche und österreichische Truppen ins Land rief. Als diese jedoch im Dezember 1918 abziehen mußten, war die Ukraine wiederum den Bolschewisten preisgegeben. Weder der General Denikin noch die Polen, die beide vorübergehend Kiew besetzten, konnten es auf die Dauer halten. So harrt nun nach mehr als zwanzigjähriger bolschewistischer Leidenszeit, aber nach siebenhundert- jähriger Bedrückung die Ukraine endlich ihrer Befreiung.
Diese lange Zeit der Bedrückung und die vielen Kriege und Aufstände tragen auch bie~ Schuld daran, daß sich in Kiew nicht so viele frühe Baudenkmäler in ihrer ursprünglichen Form erhalten haben, wie man seinem ehrwürdigen Alter nach erwarten sollte. Dennoch bietet die Stadt auch heute noch, wenn man sie z. B. von der Kettenbrücke über
fn Kathi verließ gerade die Küche und wollte in ihr |f Gießen Wimmer hinaufgehen, als Hellwang mit der Flasche unterm Arm aus dem Keller kam. Sie wünschte i|m eine gute Nacht und wunderte sich ein wenig, bi er sonst nicht die Gewohnheit hatte, ohne beson- b ren Anlaß und allein einer Flasche den Hals zu stechen. Allein? Ihr Argwohn wurde plötzlich wach, früher, da hatten sie manchmal an solch warmen Lommerabenden draußen auf der Terrasse em Glas geleert und bis in die tiefe Nacht hinein ge- söwatzt, die Gnädige und er. War es etwa schon so aeit, daß die Neue auch hier an Luisas Stelle ruk-
jijon im frühen Mittelalter einer der wichtigsten Handelsplätze und eine begehrenswerte Beute. So stmächtigten sich denn auch die beiden Waräaer Votuifei Lskold und Dir aus dem Gefolge Ruriks im Jahre i guten4 p4 des Ortes und gründeten hier einen eigenen bveu- (taat. Oleg, der für Ruriks unmündigen Sohn tilgen le Herrschaft führte, eroberte aber 882 Kiew und QUlcf), qE r ' ■ ' ' " ~ "• tjfa'
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Christentum an, das bald weite Verbreitung im jmjen Lande fand. Doch blieb Olgas Sohn Swja- uslaw, der die Grenzen des Reiches nach Süd- lnftr. ' vesten und Osten hin erweiterte, noch Heide. Unter — ” inen Söhnen entbrannte ein Streit um das Erbe, js dem der jüngste, Wladimir der Heilige, 980 als (ieger hervorging. Er ließ 988 sich und sein ganzes ;olk taufen, vermählte sich mit Anna, der Schwester ' s byzantinischen Kaisers, und machte Kiew zum ) eines vom Patriarchen von Konstantinopel ge- ~ ich fein Sohn Jaroslaw fernen Brüdern kämpfen,
In den „Bremer Nachrichten" schreibt der mentskommandeur Oberst B a d i n s k i einleitende Worte zu einem PK. - Bericht. Eine schwere Kampftage wird geschildert. Den Regimentskommandeur drängt es sichtlich, der Heimat zusammen mit dem PK.-Mcmn diesen Kampf vorstellbar zu machen. Er schreibt:
Durch weite Wälder, durch Hitze und Staub auf unglaublich schlechten Wegen sind wir durch Litauen und Lettland, den schnellen Panzern folgend, den zurückgelassenen Kameraden enteilt; die sphinx- hafte Landschaft des endlosen sowjetrussischen Raumes hat un_ verschluckt, wir stehen am Südrand gewaltiger Waldgebiete, den „Heiligen Wäldern des Zaren", um Leningrad.
Die Zunge klebt am Gaumen, der Stahlhelm drückt, die Knobelbecher kneifen im mahlenden Sande, die Pferde schwitzen, blähen die Nüstern, zittern in den Knien, bleiben stehen, zum Umfallen müde. Wasser, Ruhe, Schlaf sind die Forderungen der Stunde; doch die Führung kann sie uns jetzt nicht geben, denn ganz nahe im dichten Buschwald sitzt der Feind, er muß angegriffen und vertrieben werden, er darf sich nicht sestsetzen und eingraben. Und so ist es geschehen. Angriff und wieder Angriff riß uns vor durch Tag uno Nacht und Nacht Und Tag vier Wochen hindurch in zähem, erbittertem Ringen, in fortgesetzten Waldkämpfen. Heber 50 Kilometer sind wir nach Nordosten vorgestoßen, vor uns hertreibend einen Feind, der sich wahrhaft zähe und verbissen wehrte, verschlagen, unsichtbar mit der Entschlossenheit des Verzweifelten. Er machte Gegenstöße mit Handgranaten, Phosphor- und Benzinflaschen, mit Flammenwerfertanks und Hinterhalten asiatischer Prägung. Er schenkte uns nichts. Die Beobachter der Artillerie sahen nichts. Die große Schwesterwaffe, sie kann nicht so helfen, wie sie es gern möchte. Die ganze Last des Kampfes trägt wieder einmal der Infanterist mit seinem Gewehr, MG., seiner' Handgranate und seinen Granatwerfer. In diesem kräfte- und nervenverzehrenden Kampf Mann gegen Mann muß er sich förmlich von 100 zu 100 Meter mühsam selbst den Weg bahnen.
Eine schwere Arbeit ohne Ruhe und Schlaf, doch in ihrer Selbstverständlichkeit von jedem einzelnen getragen mit dem Gefühl des eisernen „Muß" und dem Bewußtsein des Seins oder Nicytseins am
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Ende dieses gewaltigen Ringens zweier Welten, die zum Kampf auf Leben und Tod angetreten find. Was sich in diesen Waldkämpfen an einem besonders schweren Kampftqge, dem 10. August, abgespielt hat, soll nun der Feldwebel Weber, der als Kriegsberichterstatter und Zugführer zum Regiment versetzt wurde, in seiner Gefechtsskizze „Ich komme, ich helfe dir" erzählen:
Wieder war das III. Bataillon an der Spitze des Regiments zum 2lngriff angetreten. Die Regimenter der Division sollten an drei verschiedenen Stellen vorstvßen, um den Schwerpunkt bei der schwächsten feindlichen Widerstandslinie herauszufinden. Es galt, ein nach der Aufklärung stark befestigtes Höhengelände, das eine wichtige Straßenqueroerbindung des Feindes beherrschte, zu gewinnen.
Während ich um 4 Uhr meinen Zug aus unserer Feldwachaufstelluna herauszog, um mich in die Marschfolge des Bataillons einzugliedern, zogen über uns die deutschen Bomber nach vorn. Staffelweise sahen wir sie ihre Zentnerlasten über den Feindstellungen abwerfen. Vorsichtig, unter. Sicherungen nach allen Seiten und doch schnell ging der Marsch vorwärts. Bald war der Ausgangspunkt erreicht, wo wir die Roten aus den ersten Feldstellungen werfen wollten. Aber der Feind hatte bereits abgebaut. War ihm der Eindruck von den deutschen Bombern so in die Glieder gefahren, hatte er unseren Angriff erkannt? Wir stießen weiter vor. Mitten durch den Wald, der hier und da durch Sumpfstrecken unterbrochen war. Zehn, zwölf Kilometer kämmten wir mit der blanken Waffe in der Hand den Wald durch, bis sich vor uns die Bäume lichteten, die Dächer von L. auftauchten. Und da waren die roten Feldstellungen, Bunker an Bunker, dazwischen Laufgräben und anscheinend auch Geschützstellungen.
Die Bolschewiken müssen durch unser unvermutet schnelles Auftauchen lebhaft überrascht worden sein, denn zunächst rührte sich dort gar nichts. Dann aber ratterten die MG.s los, heulten die Granaten heran, zwangen uns in die spärlichen Deckungen des hier lichten Waldes. Während ich mit meinem Zug als Spähtrupp nach links zog, um eine Umgehung des Dorfes zu erkunden, ging rechts von uns Feuerzauber los. Eine unbemerkte Annäherung war links nicht möglich. Weite offene Flächen wurden durch die roten Feldstellungen beherrscht, lebhaftes Feuer
Im Südosten liegt der interessanteste Teil Kiews, die Höhlenstadt mit dem Lawra-Kloster, dem bis zur bolfchewifttfchen Revolution angesehensten Kloster Rußlands, das jährlich Hunderttausende von Pilgern noch Kiew zog. Als sein Stifter gilt der Russe Hilarion, der vor seiner Berufung zum Metropoliten von Kiew im 11. Jahrhundert als Einsiedler in einer selbstgegrabenen Höhle am Dnjepr lebte. Die Höhlen der erften Mönche, schmale, in den Lehmboden gegrabene, später durch Mauerwerk gestützte Gänge von etwa zwei Meter Höhe und kleinen rechteckigen Räumen als Zellen gehören zu den eigenartigsten Sehenswürdigkeiten des alten Rußland, ebenso die Begräbnisnischen, in denen über 80 russische Heilige mumienhaft einbalsamiert
e schall r$tändlicht n Preislage jmisse. blick in du rescheheni rtesWis^ rielfäW . Verlang’। obeheftedn n Leben’l r Verlag Blde
utz-d-b»1 s 28. SeP* ,9.80»
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sich hinauszubeugen. Das leiseste Kratzen am Fen- Kathi wußte das nur zu gut. Und die Neue sah sterbrett, das Klirren eines Knopfes konnte sie ver- " t't*'***
raten. Und wenn es auch dunkel war, so finster war es nicht, daß nicht im matten Kerzenschimmer von unten oder im Laternenlicht von rechts ihr Gesicht zu erkennen sein würde. Dennoch schob sie die Nase vorsichtig über die Fensterbrüstung.
Die Neue lag halb ausgestreckt neben Hellwang im Sessel, und er sah einen halben Schritt von ihr entfernt quer auf der Beinstütze des anderen Liege- ftuhls. Er hatte die Ellenbogen auf die Knie gesetzt und spielte mit seinem Glase.
„Achtunddreißig ..." hörte Kachi ihn sagen, „das ist mehr als die Hälfte eines Menschenlebens; aber wieoiele Jahre davon lebt man denn eigentlich bewußt? Doch höchstens zwanzig oder noch weniger. Nein, das Leben beginnt nicht mit der Geburt, es beginnt da, wo uns der Wunsch erfaßt, seine Oberfläche anzukratzen, um zu sehen, was dahinter steckt." „Ach ..." sagte die Neue und verdrehte die Augen.
Hellwang trank aus seinem Glase und setzte es auf
Kathi eilte beunruhigt nach oben und klopfte an 3-äuIein Zöglings Tür. Um eine Ausrede wegen btr Störung wäre sie nicht verlegen gewesen. Aber \v erhielt keine Antwort. Sekundenlang stand |te - e erstarrt Ihre Phantasie begann auf Touren ii laufen und gaukelte ihr Bilder vor. bei denen ihr schwül wurde. Sie tastete nach dem Lichtschal- ir Das Treppenhaus sank in tiefe, undurchdrmg- lihe Finsternis. Kachi streifte die Schuhe von den ilä^en und schlich auf Strümpfen zu Hellwangs ü-beits;immer Langsam und geräuschlos druckte sie
Klinke nieder Wenn die Fenster offen waren.-'
Fenster waren weit geöffnet Ein scharfer ihftgug strömte ihr entgegen. Irgendwo im Home muhte eine Tür ins Freie offen stehen. Wenn die ufschlug, gab es einen Krach, der sie verraten mußte. - - sch,ah di- Tür rasch zu. Bon einer weit ent° ernten Straßenlaterne fiel em schwacher Lichtschem ;ti5 Zimmer, der gerade noch die Gegenstände un- liiutHd) erkennen ließ. Kathi verhielt atemlos und duschte. Sie hörte Hellwangs Stimme. Der Tisch, ir dem die beiden unten saßen, befand fi<9 ajraoe tierfjaib des linken Fensters. Es war gefährlich.
onutag- lo [0311 aulcht. H Tarne t ,
1- sich V rechten Metropoliten. Au, U. melf, Weise mußte lange mit i«flnik \ ---r-r--
■V Durch die fruchtbare wolhynische und podolische ^■v Ebene sind unsere Truppen bis dicht vor Kiew vor- cebrungeq, die „Mutter aller Städte Rußlands", je schon Jahrhunderte vor Moskau die Hauptstadt cnes wesentlich von Kleinrussen besiedelten Reiches MK rar, dessen Grenzen trotz aller politischen herein- wJR teitlichung immer unsichtbar durch die Geschichte üußlands gegeistert haben und sich heute wieder gütlicher denn je abzeichnen.
iehende- Der Ueberlieferung nach wurde Kiew von den Jwl tret sagenhaften Brüdern Kij, Schtschek und Choriw LkarnZ jnon im 5. Jahrhundert gegründet. Durch seine 0,1 ^lustige Lage am rechten Steilufer des Dnjepr, in WU tnem überaus fruchtbaren Lande, da, wo sich die infteßpjV raltcn Handelsstraßen von der Ostsee nach dem r schwarzen Meer und von Persien und Arabien Ing. umfcr nach Westeuropa kreuizem war es jedenfalls
.feoor er die Alleinherrschaft errang. Unter Wladi- ” :ir und Jaroslaw erlebte das Kierver Reich seine iw, eügL Blüte. Jaroslaw ließ das erste russische Ge- Fräulcii Wbuch, die Rußkaja Prawda, zusammenstellen und Witwe, pünbete zahlreiche Städte, Kirchen und Schulen.
Nach Jaroslaws Tode 1054 zerfiel durch die fort« setzten Teilungen unter feinen Söhnen und Enkeln .>« Macht des Reiches von Kiew. Die ständigen Birat Fehden der Teilfürsten trieb viele Bürger zur Aussonderung nach Nowgorod, Wladimir, Halitsch und »deren Städten. So war d.as Südreich dem Ein- jill der Tartaren zu Anfang des 13. Jahrhunderts »nmächtig preisgegeben. 1240 wurde Kiew von ”<itu, dem Enkel Dschingis Chans, erobert und voll- fändig zerstört, 1299 verlegte der Metropolit feinen Citz nach Wladimir. Erst Gedimin, der Großfürst i»n Litauen, vertrieb 1320 die Tataren, verleibte »er dafür die Ukraine, das „Grenzland", mit Kiew b. in litauischen Staat ein, an dessen Stelle später birch die litauisch-polnische Union Polen trat. Doch rmies Polen sich als viel zu schwach, um die Ukrai- r>r gegen die ständigen Raubzüge der Krimtataren (1 schützen. Sv entstand als Selbstschutz von Bauern inb Jägern die militärische Organisation der Ko- > ken, ursprünglich eine Art kriegerischer Orden, aus t m sich jedoch bald das selbständige Staatswesen ixr Saporoger entwickelte, die unter ihrem selbst gestählten Hetman ihre Waffen nicht nur gegen die Tataren, sondern auch gegen die polnischen Best ücker wandten. Unter dem Hetman Bogdan tzmelnizkij, dem in Kiew ein Denkmal errichtet ist, ikämpste die Ukraine 1648 ihre Unabhängigkeit


