Einzelbild herunterladen

gestern die Reichskriegsflagge, nachdem deutsche Truppen in heißen Kämpfen den Durchbruch durch die Bunkerlinien der Sowjets auf dem Westufer des Dnjepr erzwungen haben und in die Vorstädte eingedrungen sind. Damit wird auch von Westen her der Druck auf die eingeschlossenen Sowjet­armeen verstärkt. Kiew, die älteste Stadt Rußlands, aber nach dreihundert Jahren litauischer und pol­nischer Herrschaft erst seit 1686 wieder in russischer Hand, ist mit 747 000 Einwohnern knapp vor dem schon genannten Charkow die größte Stadt der Ukraine und ihr wirtschaftlicher und kultureller Mit­telpunkt.

Auf Kiew waren gebannt alle Blicke aus London und Washington gerichtet. Moskau beruhigte die besorgten Gemüter der Verbündeten mit glänzen­den Schilderungen von der Widerstandskraft der zu einer modernen Festung großen Stils ausge­bauten Stadt. Man dachte immer nur an einen deutschen Frontalangriff von Westen her und glaubte gegen einen solchen durch starke Bunker­linien im Vorfeld der Festung Kiew sich hinreichend gesichert zu haben. Aber die deutsche Heeresleitung griff nach Höherem. In beispiellos kühner Konzep­tion setzte sie zu weitausholender Umfassungsope­ration von Norden und Süden her an, damit auch das Moment der Ueberraschung für sich nützend. Denn während die Sowjets sich gegen einen An­griff von Westen her rüsteten und die deutschen Vorstöße gegen Desna und Dnjepr allzulange nur als Versuche werteten, Raum zu gewinnen, schloß sich für sie im Osten der Ring. Sie wurden im Rücken gepackt und von den deutschen Streitkräften mit verkehrter Front im Kessel von Kiew festgehal­ten. Ein strategischer Plan von größter Kühnheit konnte verwirklicht werden, weil zu seiner Durch­führung der Angriffsschwung deutscher Soldaten, ihre nimmermüde Zähigkeit und Hingabe bereit standen. Führung und Truppe haben wiederum Größtes vollbracht und die Weite des russischen Raumes mit all den kaum vorstellbaren Schwierig­keiten des Geländes bezwungen. Ein glorreicher Sieg ist erfochten.

Die Sondermeldungen von den erfolgreichen Kämpfen um Kiew macht den lächerlichen Lügen Moskaus und Londons ein Ende, ebenso wie der gestrige Wehrmachtbericht mit dem britischen Propagandamärchen von den Millionen-Verlusten der deutschen Ostheere gründlich aufräumt. Die von der feindlichen Propaganda zu höchst durchsichtigen Zwecken ausgestreuten Zahlen waren schon deshalb völlig aus der Luft gegriffen, weil die deutsche Wehrmacht in allen Schlachten des Ostfeldzuges als Sieger das Schlachtfeld behauptet hat, der Feind also niemals in der Lage gewesen ist, die deutschen Verluste konkret festzustellen. Die vagen Behaup­tungen der feindlichen Propaganda sind nun durch die genauen Feststellungen des Oberkommandos der Wehrmacht gründlich widerlegt. Gemessen an den gewaltigen Erfolgen der deutschen Waffen sind die Verluste auch in den schweren Kämpfen dieses Ost­feldzuges gering, so schmerzlich auch das deutsche Volk das Opfer empfindet, das es bringen mußte, um die Gefahr des Bolschewismus von Europas Grenzen zu bannen und so sehr sein inniges Mit­gefühl allen denen gilt, die einen ihrer Lieben auf den Schlachtfeldern des Ostens hergeben mußten. Aus ihrem schweren Opfer wuchs der deutsche Sieg, der uns den Rücken frei macht für die Entscheidung dieses Krieges um deutsche Freiheit und die Zukunft unserer Kinder.

*

In England hatten sich in den letzten Tagen die Stimmen gemehrt, die die militärische Lage der Sowjets ernst beurteilten und sogar schon die Frage ventilierten, ob angesichts dessen eine Hilfeleistung Englands und der USA. für den sowjetischen Ver­bündeten überhaupt noch einen Sinn habe. Sehen wir einmal von der gern geübten Gepflogenheit der britischen Propaganda ab, in kritischen Augen­blicken einen betonten Pessimismus zur Schau zu tragen, um nachher sich damit in die Brust zu wer­fen, daß es doch nicht annähernd so schlimm ge­kommen sei, wie man befürchtet habe, so steckt hin­ter den Zweifeln an der Möglichkeit einer wirk­samen Hilfe für die Sowjets einmal die Ueberle- gung, daß alles, was man den Sowjets zukommen läßt, sei es nun aus englischen Mitteln, fei es an amerikanischem Kriegsmaterial, der eigenen Ver­teidigungskraft auf der britischen Insel oder in Afrika abgeht. Zum andern ist der Weg für den Transport solchen Kriegsmaterials, ob über Wladi­wostok und die transsibirische Bahn oder über die Häsen des Persischen Golfs und die transiranische Bahn, so lang und so voller Schwierigkeiten, daß es immerhin zweifelhaft erscheint, ob diese Art des

Erfindungen.

Von Bruno H. Bürgel.

Alle Erfindungen, so sagt einmal der Philosoph Ri e tz s ch e, sind erfüllte Sehnsüchte. Am deutlich­sten wird uns das, wenn wir an die Kunst des menschlichen Fluges denken. Seit grauen Zeiten, seit den Tagen des primitiven Urmenschen, wird bei Betrachtung des Vogels, der sich in die Lüfte erhob, um einem Angriff zu entfliehen ober um neue Nahrungsquellen aufzufuchen, und pfeilschnell daoonschoß, sich der Wunsch geregt habsn, das auch zu können, und wir wissen ja, daß selbst im Alter­tum schon naive und völlia unzulängliche Versuche gemacht wurden, mit künstlichem Flügel es dem Vogel gleich zu tun. Der Mensch, der den ersten Pfeil abschoß, tat einen gewaltigen Schritt vor­wärts auf der Siegesbahn, die den Erdbewohner zum Heri-n und Bezwinger feiner Mitgeschöpfe machte, *benn er vergrößerte den Machtbereich des Armes. Zwar wissen wir, bah auch die großen menschenähnlichen Affen Steine, Baumäste usw. schleudern, und sicher hat der Mensch der Frühzeit das auch getan, aber Pfeil und Bogen sind die erste wirkliche Fernwaffe-, zum erstenmal wird auf künstlichem Wege eine Entfernung überbrückt, ein Tier erlegt, das die Hand nicht zu greifen vermochte. Wer von uns vermag noch äu ermessen, wie er­staunlich sich die erste Beherrschung des Feuers auswirkte! Sehr wahrscheinlich war die Feuerbe­wahrung anfangs so etwas wie eine religiöse Hand­lung, den Aeltesten, den Priestern und Weisen der Jägerstämme vorbehalten- man hat in Höhlen, die nachweislich vor hunderttausend Jahren bewohnt waren, Andeutungen eines Feuerkultes gefunden-, der Gedanke desewigen Feuers", derheiligen Flamme", ist sicher ururalt! Licht und Wärme gab die Flamme; sie gestattete, Naturgefebenheiten, wie Nacht und Kälte, zu überwinden, die Nahrung schmackhafter zu machen, mancherlei Arbeiten besser zu verrichten, ganz abgesehen davon, daß der Feuer- vrand alles Getier abhielt, das gefährlich und un­willkommen war. Jedes Tier fürchtete dieses raun» derbare Etwas, Feuer genannt, der Mensch allein verstand, es zu beherrschen, und hier schon wurde er zum kleinen Gott der Erde!

Ein großer Teil aller unferer Erfindungen schasst

Bolschewistische Saboteure über Bulgarien abgesprungen.

Sofia, 19. Sept. (DNB.) Der Chef der bul­garischen Polizei hat festgestellt, daß in der Nacht zum 14. September ein fremdes Flugzeug Dörfer in der Nähe von Dodritsch (Suodobrudscha) überflogen und Fallschirme abgeworfen hat. Die Stelle wurde umzingelt, wo sich die mit den Fallschirmen abgesprungenen Personen verborgen hatten und die Fallschirmspringer nach einem Feuergefecht getötet. Dabei wurden ein Leutnant der Garnison von Dodritsch und der Polizeichef des Bezirks getötet, ein Soldat, zwei Polizisten und zwei Zivilpersonen verwundet.

Das mit dem Fallschirm abgeworfene Material bestand aus Spreng st off, Höllenmaschinen, Maschinengewehren, automatischen Gewehren, Re­volvern, Patronen, Lebensmitteln, Kleidung, klei­nen Rundfunksendern, Instruktionen für Sabotage­handlungen, Karten, Skizzen, Geld in bulgarischer und fremder Währung, gefälschten bulgarischen Per­

sonalausweisen. Aus den Fabrikmarken und der Beschaffenheit des Materials ist einwandfrei fest- gestellt, das es sowjetischer Herkunft war. In der Mitteilung heißt es weiter, daß im letzten Monat an her Hüfte des Schwarzen Mee­res einige Personen feftgenommen wurden, die von einem U-Boot aus der Sowjetunion herange­bracht und in Gummibooten an Land gesetzt wor­den waren, um Sabotageakte zu verüben. Dabei wurden Waffen und Materialien gefunden, die denen glichen, die mit den Fallschirmen abge­worfen worden find. Alle diese Personen waren nach Bulgarien gekommen, um Sabotageakte zu verüben. Sie sollten Verkehrsmittel zerstören, Ge­treidevorräte anzünden, Dörfer in Brand stecken. Die bulgarische Regierung hat durch Vermittlung der Sowjetgesandtschaft bie Sowjetregierung hier­auf aufmerksam gemacht und Protest eingelegt.

Wer regiert in Argentinien?

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Es ist hinreichend bekannt, daß Roosevelt die iberoamerikanischen Staaten in unerhörter Weise bevormundet und daß seine ganze Politik darauf ausgeht, diese Länder zu wirtschaftlichen Kolonien der Vereinigten Staaten zu machen. Dabei scheut die Politik der USA. durchaus nicht die krummen Wege ober die schlechten Mittel der Fälschungen und des Betrugs, die wir jüngst in Bolivien an dem Fall Belmonte kennengelernt haben. Nun ist Bolivien ein kleines Land und man sollte an­nehmen, daß das viel größere Argentinien dem Dollar-Jmperialismus einen selbständigen Willen gegenüberstellen könnte. Die maßgebende Rolle in Argentinien hat sich aber ein parlamen­tarischer Ausschuß, der T a b o r d a - A u s s ch u ß, angemaßt, der seinerseits von dem berüchtigten nordamerikanischen Dies-Ausschuß mit Geld und Hetzmaterial versorgt wird. Die argentinische Re­gierung scheint gegenüber diesen von Roosevelt be­stochenen parlamentarischen Gruppen ohnmächtig zu sein.

Dieser Ausschuß gab die Veranlassung zu der wider­rechtlichen Untersuchung des amtlichen deutschen Ku­riergepäcks, er hat deutsche Schulen verfolgt und deutsche .Vereine in Buenos Aires ohne jeden

Grund verdächtigt. Das Deutschtum spielt in Ar­gentinien eine angesehene Rolle, es hat viel zur Entwicklung des Landes beigetragen. Der deutsche Botschafter von T h e r m a n n hat sich in den acht Jahren seiner Tätigkeit um die freundlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern anerkannte Verdienste erworben. Trotzdem wird der Botschaf­ter und wird das Deutschtum täglich durch den Ta- borda-Ausschuß verdächtigt und beschimpft oder zum Gegenstand parlamentarischer Hetzkampagnen gemacht. Wenn nichts anderes hilft, muß das Schlagwort von derfünften Kolonne" herhalten, um Vorwände für die Verfolgungen der Deutschen in Argentinien zu schaffen, wie es auch anderwärts geschehen ist und wie es in Iran sogar zur Be­setzung eines neutralen Staates geführt hat.

Jedermann in Argentinien, der nicht mit dem Bolschewismus und dem Dollar-Imperialismus sympathisiert, jeder Argentinier, der seine eigene Meinung gegenüber der nordamerikanischen Kriegs­hetze bewahrt, wird diffamiert und geschädigt. Das sind die Methoden Roosevelts und seiner Traban­ten. Es ist ohne weiteres klar, daß dieser Zustand nicht ohne Rückwirkungen auf die Beziehungen zwischen Deutschland und Argentinien bleiben kann.

Nachschubs für die Kriegsentscheidung im Osten noch von irgendwelchem Einfluß werden kann. Trotz­dem haben Roosevelt und Churchill auf ihrem At­lantiktreffen am 14. August die Herstellung einer gemeinsamen Front mit den Sowjets im mittleren Osten und die Sicherung eines Nachschubweges für so wesentlich gehalten, daß sie für diesen Zweck die Vergewaltigung der Neutralität eines schwachen Landes wie Iran als Preis nicht zu hoch fanden. Ein Vorwand war bald gefunden, mochte er auch noch so fadenscheinig fein. Denn niemand in der Welt wird ernsthaft glauben, daß einige Hundert deutsche Ingenieure und Wissenschaftler, die der Schah von Iran al^ Mitarbeiter an seinem Werk eines wirtschaftlichen und kulturellen Aufbaus ins Land kommen ließ, nun plötzlich zu einer Gefahr für die iranische Souveränität geworden wären. England und Moskau in der Rolle der Hüter der Unabhängigkeit eines kleinen Staates sind zudem bei früheren Gelegenheiten so gründlich diskreditiert, daß eine Verschleierung der schon zehn Tage nach der Atlantikkonferenz gegen Iran gestarteten Aktion kläglich mißlingen mußte. Iran erlebte nun das gleiche Schicksal so vieler kleiner Länder, die die britische Politik wie eine Spinne in ihr Netz zog und die im Kern nicht fest genug waren, um es sich zuzutrauen, das britische Gewebe mit Waffengewalt zu zerreißen. Als am 25. August britische und sow­jetische Truppen von Südwesten und Norden her die Grenzen Irans überschritten, befahl der Schah Riza Khan Pahlawi zwar seinen Truppen, bewaff­neten Widerstand zu leisten, aber angesichts ihrer gewaltigen Unterlegenheit (die Friedensstärke der iranischen Armee beträgt kaum 31 000 Mann) mußte ein solcher Widerstand praktisch bedeutungslos fein. Zudem scheint die britische Politik von langer Hand ihre Fsthler ausgestreckt zu haben, um den Schah

mit Hilfe einer innerpolitischen Opposition unter Druck zu setzen, falls er den britischen Plänen Schwierigkeiten machen sollte. Schon zwei Tage später trat das iranische Kabinett zurück und eine neue iranische Regierung gab den Befehl zur Ein­stellung des Widerstandes. Wenn sie freilich ge­glaubt hatte, durch diese Konzession Dem Lande Die Schrecken einer Besetzung durch fremde Truppen ersparen zu können, so sah sie sich bald bitter ge­täuscht. Briten und Sowjets marschierten weiter, wobei letztere ähnlich wie seinerzeit in den bal­tischen Ländern den von ihnen besetzten Teilen Irans die Segnungen des Bolschewismus unmittel­bar zuteil werden ließen. Wo Sowjettruppen ein- rücften, wurde das Rätesystem eingeführt, das seine Herrschaft nach gewohnter Weise mit Verhaftungen, Massenhinrichtungen und Dermägenskonfiskationen von den Sowjets mißliebigen iranischen Notabeln antrat. Selbst vor der Hauptstadt Teheran haben Briten und Sowjets nicht Halt gemacht und damit den Schah zur Abdankung gezwungen.

Wenn die britische Propaganda ausstreut, das Volk habe sich gegen den Schah und seine Will­kürherrschaft erhoben, um aus britischen Händen demokratische Institutionen zu empfangen, so heißt das die Wahrheit auf den Kopf stellen. Mögen auch die Reformen Riza Khan Pahlawis manche ehr­geizigen Politiker des alten Systems in ihrem Betätigungsdrang gehemmt haben und mögen sie auch recht autokratische Züge getragen haben, so waren sie doch auf das Wohl des Landes und die Stärkung feiner so mühsam erworbenen Unab­hängigkeit gerichtet. Das hatte d-as ironische Volk im großen ganzen auch sehr wohl begriffen und die Berichte von Aufständen in manchen Teilen des Landes ließen deutlich erkennen, daß sie antibri­tischen und antisowjetischen Charakter trugen. Aber

Oie Verlustzahlen.

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Der Wehrmachtbericht vom 19. September oer. offentlicht im Anschluß an die Siegesmeldung von der Einschließung Kiews die Verlustzahlen: die der Sowjets und unsere eigenen. Mehr als 1,8 Millio­nen Sowjetsoldaten sind gefangen, die Zahl der Toten ist erfahrungsgemäß hoher, wobei wir nur daran erinnern, daß bei den Kämpfen ostwärts Welikije Luki nach dem Wehrmachtbericht vom 27. August, der bei diesem Einzelfall das Verhältnis von (Befangenen und Toten genau feststellte. 30 00 0 Gefangene in unsere Hand fielen, während mehr als 40 000 Tote gezählt wur- den. Dann folgt die Korrektur der tollen englischen Meldungen über unsere eigenen Verluste, die von London mit 1,5 bis 2 Millionen Mann angegeben werden. Die im Wehrmachtbericht gesondert ange­führten Zahlen des Heeres (einschließlich der und der Luftwaffe ziehen wir zusammen und oer- gleichen sie mit den Verlustzahlen des Abschlußbe­richts vom 2. Juli 1940 über den Westfeldzug:

im Osten 1941 im Westen 194"

Tote 85 896 27 074

Verwundete 296 670 111 034

Vermißte 20 299 18 334

Insgesamt 402 865 156 492

Dagegen betrugen unsere Verluste im Welt­krieg im Jahr 19 14 im Westen: 638 000 Mann, darunter 85 000 Gefallene, und beim An. griff auf Verdun im Jahr 1 91 6 310000, darunter 41 000 Gefallene.

der Schah stand den britischen Planen auf völlige Unterwerfung des Landes im Wege. Deshalb mußte er beseitigt werden. Auch der Kronprinz, der seinem Vater auf dem Thron gefolgt ist, scheint den Briten nicht genehm zu sein. Die Londoner Presse orakelt deshalb bereits schon, daß dieReformpartei", also die Kostgänger Englands, auch mit dem neuen Schah kaum werde Zusammenarbeiten können, so­fern er nicht mit dem bisherigen Kurs vollständig breche. Seine Erklärung, daß er als konstitutioneller Monarch zu regieren gedenke, genügt den Briten anscheinend nicht. Sie können eine starke Staats­gewalt in dem Lande nicht gebrauchet; das sie als Etappe für ihre gemeinsame Front mit den Sow­jets ausersehen haben. Wie in Aegypten und im Irak so müssen nun auch in Iran innerpolitische Gegensätze, von den Briten eifrig geschürt, dazu dienen, ein ohnmächtiges Land der britischen Herr­schaft auszuliefern.

Daß praktisch Iran zu einem britisch-sowjetischen Kondominium wird, mag den Briten wenig lieb fein, denn an ihm konnten sich leicht die alten Interessengegensätze wieder entzünden, die erst vor dem Weltkrieg dem Einkreisungsplan gegen Deutsch­land zuliebe mühsam geglättet worden waren. Eng­land hat vorerst einmal die Hand auf die Oelquellen Südpersiens gelegt und damit den größten wirt­schaftlichen Reichtum des Landes für sich mit Be­schlag belegt. Aber die Eilfertigkeit, mit der die politischen Emissäre Moskaus, die die Sowjettrup­pen auf ihrem Einmarsch in die nördlichen Pro­vinzen Irans begleiteten, dort das Rätesystem mit allen seinen furchtbaren Begleiterscheinungen des Terrors und der Tyrannei einführten, läßt darauf schließen, daß die Sowjets sich hier häuslich ein» zurichten gedenken. Was in den baltischen Ländern schreckenerregende Wirklichkeit geworden war, was Moskau mit Finnland und- den Balkanvölkern vor hatte, das wird nun Iran zu spüren bekommen: die Ausrottung der Intelligenz einer kleinen Na­tion mit Stumpf und Stiel, die wirtschaftliche Ver­elendung und kulturelle Zersetzung eines Volkes, das in den letzten zwei Jahrzehnten einen ver­heißungsvollen Aufstieg aus dem Schlendrian einer altüberkommenen Günstlingswirtschaft erlebt hatte. Die jeder Moral bare Verantwortungslosigkeit/ der angelsächsischen Plutokratie diesseits und jenseits des Atlantik hat dem Bolschewismus zu diesemSieg" den Steigbügel gehalten, um des einzigen Zieles willen, gegen Deutschland eine neue Front aufzu­richten. Wir sahen, daß man selbst in London be­trächtliche Zweifel hegt, ob von hier aus noch die Entscheidung im Osten zu beeinflussen sein wird. Aber es ist für die Briten wieder einmal eine Hoffnung, durch das Mittel der Kriegsverlängerung und Kriegsausweitung das Schicksal, das der bri­tischen Insel droht, von ihr abzuwenden. Auch diese Hoffnung wird trügen, wie alle früheren trogen.

Dr. Fr. W. Lange.

unfern Sinnesapparaten gewissermaßen Stelzen. Pfeil und Bogen verlängerten den Arm, das Fernrohr und das Mikroskop vergrößern die Reichweite unseres Auges, das Telephon den Machtbereich unserer Stimme, unseres Oyres, Hebel Vorrichtungen und ähnliche Instrumente er­möglichen Kraftleistungen, denen wir sonst nicht ge­wachsen wären. Aber schon frühzeitig, wenn auch zunächst mit primitiven Mitteln, entsteht im Men­schen der Wunsch, Raum und Zeit zu über­winden. Der erste Reiter, der auf seinem Tier davonjagt, in kürzerer Zeit als sonst üblich die Ent-: fernungcn durchmißt und Zeit spart, ist der Vor­läufer aller hierhergehörenden Mittel, und als der Mensch der Frühe, wie cs heute noch bei einigen Naturvölkern üblich ist, durch Hornsignale, Trom­melsignale, durch Feuerbrände auf weithin sicht­baren Anhöhen Zeichen und Nachrichten in die Feme sendet, ist der Wea betreten, der später zum Telegraphen, zum Telephon, zur drahtlosen Tele­graphie führt. All diese Erfindungen, denen sich vor allem Eisenbahn, Dampfschiff, Kraftfahrzeug, Flug- zeug zugesellen, sind Raumüberwinder und Zeit- sparer. Ins geradezu Phantastische wächst sich diese Gruppe von Erfindungen aus, als es gelingt, Zeit sozusagen fe st zuhalten, Dinge, Geschehnisse, die verfänglich sind, aufzubewahren, nicht körperlich greifbar zwar, aber doch in Bild und Ton. Vergeh sen wir nicht, daß die ersten Erzeugnisse dieser Art anfangs für ganz unmöglich, für Betrug erklärt wurden. Die ersten Photographien hielten auch kluge Leute für Malereien besonderer Art; als Edison den ersten Phonographen vorführte, er­klärte man ihn für einen betrügerischen Bauchred­ner. Unsere Urgroßväter würden, sähen sie in einem modernen Kino auf der weißen Leinwand Men­schen, die schon verstorben sind, handelnd einher­wandeln, hörten sie sie fingen und reden, an Zau­berei glauben. Vergessen wir doch nicht, daß die ersten, kümmerlichen Photographien vor noch nicht ganz hundert Jahren gemacht wurden, daß man (eit sechzig Jahren die menschliche Stimme festhal- ten kann, Daß wir feit vierzig Jahren erst das Kino besitzen.

Diese Erfindungsgruppen Haden eine kaum über- sehbare Wirkung auf die geistige und seelische Um­stellung der Menschheit. Das beginnt schon in jenen fernen Tagen, da man zum erstenmal durch Schriftzeichen wichtige Ereigniste festhält, und

wächst ins Große und Breite, als (mögen auch einige kleinere Vorläufer da und dort aufgetreten sein) um 1436 Gutenberg die Buchdruckerkunst erfindet, das Schrifttum erst langsam, später schnell ins Volk bringt, allerlei Flugblätter, später Kalen­der, Zeitungen, Bücher Blicke in die Welt tun lassen, die Gedanken großer Männer den Massen zugäng­lich machen, den Geist beflügeln, schulen, die Her­zen öffnen. Als die Bilderzeit entsteht, die Photo­graphie als Dokument der Wahrheit hinzukommt, Telegraph und Telephon schnell aus fernsten Zo­nen berichten, schließlich in unseren Tagen Kine­rn atograph, Rundfunk, Fernseher eingesetzt werden, ist eine Welt aus den Angeln gehoben, ist eine völlige geizige Umstellung der Menschheit in allen Zonen erreicht. Gewiß, man hat Darauf hinge- roiefen, daß mit der Massenbildung, mit der lieber» flutung der Menschen mit allzu vielen, oft seichten Neuigkeiten, auch seelische Werte zugrundegingen und eine eintönige Uniformierung der Seelen er­zeugt wurde. Das ist sicher nicht ganz von der Hand zu weisen, aber ohne allen Zweifel ist dennoch, aufs Ganze gesehen, der Nutzen unendlich größer als der Schaden.

Daß die Erfindungen ganz allgemein die Welt wandelten, daß sie nirgends nur Gutes, sondern vielfach auch Unerfreuliches mit sich brachten, läßt sich kaum bestreiten. Mit der Erfindung der Dampfmaschine, mit der Entwicklung der ganzen Technik, der Industrie, mit dem Heraufkom- men des Maschinenzeitalters versinkt vieles in der Welt, und alte Werte kommen auße.r Kurs. Die geänderten Wirtschaftsformen ändern auch die Men- fchen, das Tempo im Säkulum der rasenden Mo­toren zerstört die Spinnstubenpoesie, die unzweifel­bar viele alte und ehrwürdige Schönheit und Weis­heit barg. Nichts in der Welt ist umsonst, immer müssen wir etwas zahlen, etwas hergeben, wenn wir etwas gewinnen wollen; je sozialer wir denken lernen, je mehr der Gesetzgeber dem Erfinder zu Hilfe kommt, desto reicher wird die Technik auch jene Kreise machen, die sie einst verarmen ließ.

Es wird von manchen Seiten behauptet, daß das Zeitalter der großen. Der umstürzenden Erfindungen vorbei ist, und daß es gut fei, denn die Menschheit habe diese mächtige Lawine alles über den Haufen rennender Neuerungen noch gar nicht verdaut, die soziale und politische Unruhe in aller Welt sei die Folge davon. Ohne Zweifel liegt Wahrheit in die­

ser Bemerkung, aber die Menschheit, so scheint mir, schickt sich eben an, im Buch der Erfindungen eine neue Seite aufzuschlagen, ein neue Kapitel zu be­ginnen, ein Kapitel, das nicht nur augenblicklich für uns Deutsche wichtig ist, sondern alle Forscher und Erfinder auf den Plan ruft. Man kann es etwa so ausdrücken: Von den äußeren Kräften der Natur wenden wir uns den inneren zu! Wir haben erkannt, daß alle Dinge der Welt sich im Grunde aus den gleichen Bausteinen zusammensetzen. Wie ein Baumeister aus einem mächtigen Berg von Mauersteinen sowohl eine Kirche als auch ein Theater, ein Krankenhaus wie ein Museum schaffen Fann, schafft die Natur alles aus denselben Grund­steinen der Materie, und wir wissen, daß man unter gewissen Umständen den einen Stoff in den anderen verwandeln kann. Hier sieht der Mensch eine neue Aufgabe, neue lockende Ziele, ein Schatzgräber, der auf neuen Wegen den Stein der Weisen sucht, der frei und glücklich macht.

Oie gerechte Strafe.

Als Langfinger übelfter Sorte, der sich aber lei­der nur ganz selten einmal erwischen ließ, war der Kopenhagener PolizeiHerr" Olaf Sörensen be­kannt. Eines Mittags hatte sich Olaf eine vollbesetzte Straßenbahn als Tätigkeitsfeld ausgesucht und ich geschickt neben einen Mann gedrängt, an des en Rock sich die Brusttasche verdächtig bauschte. Aha, dachte sich der entzückte Taschendieb, hier sitzt eine prall gefüllte Brieftasche ... Aber wenn er sich noch nie geirrt hatte, hier tat er es, und zwar gründlich. Denn der Fahrgast hatte gerade ein Meer­schweinchens das er als Tierliebhaber hielt, zum Tierarzt gebracht und es untersuchen lassen. Damit es hn Gedränge nicht gedrückt werde, hatte er es in seiner Brusttasche verstaut. Kaum war die Hand des Diebes in bie Innentasche geglitten, als er sic auch schon mit einem Schmerzensruf herauszog und dos Meerschweinchen dazu, das sich an feinem Daumen festgebissen hatte. Der Tierbesitzer schlug natürlich sofort Krach und ließ den Gauner an der nächsten Haltestelle festnehmen. Statt um feine Geldtasche erleichtert morden zu sein, bekam der Meerschweinchenbesitzer sogar noch eine Prämie für die Entlarvung des gemeingefährlichen Verbrechers.