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Oer kleinste Kalender.

Wenn auch die heutige Kalenderkunst auf bedeu» tender Höhe steht und die Kalender, die der deut" sche Verlagsbuchhandel auch für dieses Jahr wie­der herausgebracht hat, von größter Mannigfaltig­keit und Schönheit find, so haben unsere Vorelterm doch ihre Nachfahren darin in einer Hinsicht über­troffen: sie brachten so kleine Kalender heraus, datzi sie zu den kleinsten Büchern überhaupt gehören.. Eine solche winzige Spielerei wird in einer Anzelgc: vom Jahre 1817 angekündigt, die imGrundge« scheuten Antiquarius" erschien. Die Leipziger Buch" Handlung von Th. Seeger kündigte zum Pre»m von 36 Kreu.zern einenAlmanach für das^ 3Q9r 1818" mit sechs Vignetten an. Von dem Duchlem heißt es:Dieser außerordentlich kleine AlmanaM ist mit einer Stahlfeder auf Kreide gezeichnet uns» enthält außer den Namenstagen das Alter den größten und der bedeutendsten Regenten." Dan« folgt die Angabe, daß der Almanach, in das heutig« Maß umgerechnet, 14:11 mm groß ist undungf" achtet auf jeder Seite 16 Zeilen stehen, fo mL®"1 Schrift deutlich zu lesen.

Oberhessischer Kunstverein.

Ausstellung Karl Truppe.

In den Bildberichten von der letzten Großen Deut­schen Kunstausstellung (1940) in München war unter anderem, vielen gewiß um des ungewöhnlichen Mo­tivs willen noch erinnerlich, auch das große Ge­mäldeSein und Vergehen" (junges Mädchen und alte Frau) von Karl Truppe in zahlreichen Blät­tern zu sehen. Das Bild ist seinerzeit vom Führer als Geburtstagsgabe für Gauleiter Adolf Wagner in München gekauft worden. Truppe, 1887 in Kärn­ten geboren, im Weltkriege österreichischer Offizier und Kriegsberichter, jetzt in Dresden ansässig, hat eine Kollektivausstellung veranstaltet, die gegenwär­tig durch deutsche Städte reist und nun von Göttin­gen auch zu uns gekommen ist. Von den ursprüng­lich 60 großen Bildern dieser Ausstellung sind in Dresden bereits 40 verkauft worden, so daß der hier vorliegende Katalog nur noch 18 Oelgemälde auf- weist; dazu eine Reihe von Zeichnungen. Die Aus- stellung wurde am Sonntag im Turmhaus am Brandplatz eröffnet und wird für drei Wochen hier zu fehen fein.

An der Rückwand des Raumes hängt an repräsen­tativer Stelle dieMadonna im Gebirge", Wieder­aufnahme eines alten biblischen Motivs in süddeut­scher Landschaft. Eine Gruppe von Bildnissen Hannele",Selbstporträt 1914",Lachendes Mäd­chen",Mädchen mit Buch" bewahrt neben feinen koloristischen Werten den Reiz des Intimen und Momentanen, den Augenblickseindruck etwa einer Kopfwendung, eines Augenaufschlages, eines Lächelns, den blickverschleiernden Fall lockerer Haar­strähnen über ein erhobenes Mädchengesicht, den lebendigen Ausdruck des Schauens und großäugigen Staunens im Porträt eines kleinen Kindes.

Die für unser Gefühl malerisch apartesten und pikantesten Werte der Ausstellung vereinigen sich in einer Reihe von Stilleben, deren beste an eine er­lesene Tradition (Charles Schuch) anzuknüpfen scheinen und einer vielfach schal und reizlos gewor­denen Gattung von Bildern neuen, lebendigen In­halt geben. Neben den großen Blumenstücken mit der subtil und doch nicht ängstlich gemalten, quellen­den Fülle von Nelken und Stiefmütterchen finden

sich mit empfindlichem Blick und kultiviertem G« schmack zusammengestellte Gruppen an sich höchst. materieller und alltäglicher Dinge. Es handelt sich hier aber nicht um die fragwürdige Anziehungskraft dieser Dinge an sich, wie beispielsweise eines halb­gefüllten Geleeglases, sondern um die malerisch*' Funktion solcher Bildbestandteile im Ganzen, in die­sem Falle um den Widerschein des auf Glas und Inhalt fallenden Lichtes. Von äußerst gewählter Zu« sammenstelluna und Gegenwirkung einzelner, kleiner Farbwerte fino ferner etwa die Stilleben mit den« Tauben und mit den Eiern bestimmt,' wo man hir spielenden Lichter auf den Krügen im Hintergrund! beachten wird. Und auch dasBauernfrühstück" if; eine nicht nur im unmittelbaren und landläufigen: Sinne delikate und rare Sache.

Die Kollektion der Oelgemälde wird durch ein* Serie von (z. T. farbigen) Zeichnungen ergänzt,, unter denen einige Köpfe und figürliche Blattet' durch die Unmittelbarkeit des Skizzenhaften und 3nf provisatorischen, die davon ausgeht, den Blick aus sich lenken und feschalten. Hans Thyriot.

itt:

oche für Kunst und Literatur.

Aus her Stadt Gießen.

Spiel der Sonne.

Es läßt sich allerdings nicht jeden Tag beob­achten, denn dafür find die Tage im allgemeinen noch zu winterlich. Aber gelegentlich, wenn alle Voraussetzungen für ein glanzvolles Erscheinen der Sonne zutreffen, dann zeigt fkh jenes reizvolle Spiel. Und dann hat es beinahe den Anschein, als geschähe ein Wunder. Mitten in der grauen Ein­tönigkeit des Februartaaes beainnt mit einem Male das Himmelsgewölbe zu leuchten. Es wird heller und heller, und schließlich sieht man nur noch ein einziges strahlendes Licht, das alles mit einem Glanze überflutet. Es ist, als wenn auf einer bis dahin verdunkelten Bühne plvtzlich der Horizont aufgehellt wird und eine blendende Farbigkeit der Lichter die Szene belebt.

Gewöhnlich geschieht es um die Mittagsstunde. Von der Wolkendecke, die kurz vorher noch den gan­zen Himmel überzog, sind nur einige weiße Schleier zurückgeblieben, die sich in fließender Bewegung vor dem Sonnenlicht auflösen. In hellem Blau er«

VerdunkelungszeU

.17. Februar von 18.38 bis 8.35 Uhr.

glänzt das Fi:rmament, die Luft ist erfüllt von einer seltenen Klarheit, und wo die Sonnenstrah­len auffallen, da herrscht ein einziges Blitzen und Funkeln. Unter soviel himmlischer Gunstbezeugung verwandelt sich auch die Staat. Sie dehnt und reckt sich sozusagen, und alles, was sich auf der Straße zeigt, erscheint in dem hellen Lichte neu belebt.

Ein prächtiger Taa", sagen dann wohl die Passanten und nicken sich vergnügt zu. Ihr Gang wird aufrechter und elastischer, mitunter bleiben sie auch ein Weilchen stehen, um Den wärmenden Son­nengruß auf der Wange zu spüren. Eine Regung der Dankbarkeit gegen das lang entbehrte liebe Himmelslicht ist in ihnen, das tändlerisch blitzende Reflexe auf den Asphalt wirft. Die Schaufenster erweisen sofort wieder eine stärkere Anziehungs­kraft, von den Dachgesimsen schilpen vergnügt die Spatzen, und selbst das Läuten der Elektrischen klingt um einige Grade munterer als sonst. Es scheint ein befreites Aufatmen überall spürbar fein.

Leider dauert das beglückende (Spiet der Sonne meist nicht sehr lange. Wenn die Nachmittagsstun- den heranrücken, dann verschwimmt gewöhnlich der Horizont, und nach kurzer Zeit bildet sich wieder jene Wolkendecke, die das graue Licht der Eintönig­keit spendet. Wir sind eben noch im Februar. Aber gerade die Seltenheit, mit der die Zauberin Mit­tagssonne ihr Spiel treibt, birgt den besonderen Reiz dieser Erscheinung, die im letzten Stadium des Winters die frohe Hoffnung auf den Früh­ling weckt. H.W.Sch.

Oie großen Kundgebungen der Partei.

Nach dem starken Auftakt der Versammlungs­welle der Partei im Kreise Wetterau am Freitag­abend brachten der Samstagabend und der Nach­mittag und Abend des gestrigen Sonntags in rund hundert Orten des Kreises Wetterau weitere ein­drucksvolle Kundgebungen unserer Volksgemein­schaft. In allen Orten waren die Männer und Frauen, die jungen Burschen und Mädels in so großer Zahl dem Rufe der Partei gefolgt, daß wohl überall von überfüllten Versammlungen gesprochen werden kann. Es ist bei der Fülle der Versamm­lungen und der gleichen Ausrichtung-des Themas der Kundgebungen leider nicht möglich, über den Verlauf im einzelnen zu berichten. Als Gesamtein­druck aller Kundgebungen kann aber mitgeteilt wer­den, daß die Ausführungen der Redner überall star­ken Eindruck machten und alle Volksgenossen in ihrem ohnehin unveränderlichen Willen, stets und überall alle Kräfte für den vollen deutschen Sieg einzusetzen, erneut bestärkten. Allenthalben offen­barte sich überzeugend die unlösliche Verbundenheit aller Volksgenossen mit unserem Führer und seinem Werk, insbesondere auch letzt im Kriege. So fan­den denn die Redner in sämtlichen Kundgebungen stärkste Zustimmung.

Orkszell für den 18. Februar.

Sonnenaufgang 8.37 Uhr, Sonnenuntergang 18.41 Uhr. Mondaufgang 1.52 Uhr, Monduntergang 11.47 Uhr. Letztes Viertel 20.07 Uhr. _________

Gießener:

Morgenfeier im Stadttheater.

Die unter der Schirmherrschaft des Herrn Ober­bürgermeisters stehende Gießener Woche für Kunst und Literatur 19 41Meister deutschen Humors" wurde gestern mit der 6.Mor- aenveranstaltung des Stadttheaters eröffnet. Die Ouvertüre zul)onna Diana" von E. N. von R e z - n i c c t, unter Kapellmeister Söllners Führung vom Städtischen Orchester vorgetragen, leitete die Feierstunde ein: die schnellen, preziösen, hüpfenden Rhythmen der beschwingten Musik leiteten über zur Ansprache von Oberbürgermeister Ritter, der mit einem Gruß an die Erschienenen die schon traditio­nell gewordene Kunstwoche eröffnete und u. a. etwa folgendes ausführte:

Für die Veranstaltung sei mit Liebe und Sorg­falt ein reichhaltiges Programm gewählt worden, um dessen Ausgestaltung sich insbesondere Intendant H. W. K l e i n, Pg. Schemel (KdF.) und Regie- rungsvat Dr. Henning als Leiter des Goethe- Bundes verdient gemacht hätten. Dichter und Den­ker seien auch heute wieder aufgerufen, das deutsche Volk zu begeistern; als Beispiele seien nur Heinrich Anacker, der Schöpfer des Frankreichliedes, Hein­rich Lerfch (Ich glaub an Deutschland wie an Gott...") und E. G. Kolbenheyer genannt. Wir haben hier in Gießen das Recht, eine solche Feier­stunde zu veranstalten, denn die kulturelle Regsamkeit der Gießener Bevölkerung sei traditionell bewährt. Keine Zeit hohe so viel Verständnis für kulturelle Dinge bewiesen wie der Nationalsozialismus; an der Kunst nehmen heute alle Schichten des Volkes teil. Der NSG.Kraft durch Freude", dem Konzert­verein, dem Goethe-Bunde, auch dem Städtischen Orchester und dem Theater habe er, Oberbürger­meister Ritter, namens der Bevölkerung heute Dank und Anerkennung auszusprechen. Die erzielten Erfolge verpflichteten zur ßeiftungsfteigerung. Die Höhe der Kultur, deren bildende und erzieherische Werte heute besonders geschätzt werden müßten, sei ein Prüf­stein für die innere Kraft einer Nation. Mit Freude und Stolz blicken wir heute auf die Entwicklung der letzten acht Fahre zurück. Die Neugeburt deut­schen Wesens gebe uns Kraft im härtesten Lebens­kämpfe der Nation. Der Glaube an unsere Zukunft, die Treue zum Führer und die Gewißheit des Sie­ges feien uns Bürgschaft und Verpflichtung; die tiefe Bereitschaft zu jedem Opfer wurde besiegelt mit dem Gruß an den Führer, in den die mit gro­ßem Beifall aufgenommene Ansprache ausklang.

*

Es folgte dann die Uraufführung des Marionetten- fpielesTerzinen an die Nacht" von Max Som« mereil. Der Frankfurter Dichter und Literarhisto­riker, dessen RomanDer Lampenschirm aus den drei Taschentüchern" im vorigen Jahre erschien, schrieb mit der kleinen Szenenfolge ein romantisches Nocturno im Spitzweg-Stil, spielend in einem nächt­lichen Kleinbürgergarten bei Mondschein. Die Be­zeichnung als Marionettenspiel hebt die leicht grotesken Vorgänge in die Sphäre des Unwirk­lichen; Figuren und Worte scheinen gelenkt und gesprochen von einer spielerischen Phantasie, die es der Laune und dem Temperament des Zuschauers überläßt, sich unbeschwert daran au amüsieren oder die tiefere Bedeutung, womöglich sogar Sinnbildlich­keit der Erscheinungen aufzuspüren.

Der Dichter, vom Geist getrieben, schwingt sich aus seiner Kammer in den Garten hinab, um in Terzinen ein Gedicht an die Nacht zu schreiben. Unter den Sternen wandelnd, wird er durch weib­liche Wäschestücke, die zum Trocknen aufgehängt sind, aus der Fassung gebracht, verlängert er ahnungslos die Schäferstunde eines nachbarlichen Liebespaares, indem er dem kleinbürgerlichen Galan den Rückweg durch den Garten abschneidet. Der Polizist Nickel verdächtigt den unschuldigen Poeten, ihn gänzlich mißverstehend, des Birnendiebstahls, indes der wahre Dieb, während der Polizist den Liebhaber arretiert, von der jungen Frau um seine Beute gebracht wird. Der Dichter jedoch vollendet, von der Geistererscheinung der ins Bettuch gehüll­ten Frau gewaltig beflügelt, trotz närrischen Be­gegnungen mit einem aufgestörten Kettenhunde, einer nicht vorhandenen Nachtigall und schimpfend aus dem Schlaf geschreckten Kleinbürgern sein Ge­dicht und beschließt es, vor dem Vorhang an die Zuschauer gewendet, mit den Worten: wenig zu sagen, doch viel zu klagen hat der moderne Dichter.

Vor einem Szenenbilde, mit dessen Gestaltung

sich Herr Löffler phantasievoll in den Stil des Werkchens versetzt hatte, ließ Herr Reuter als Spielleiter das mondbeschienene Abenteuer in einer zwielichtigen Stimmung vor sich gehen, in der sich traumhaft Unwirkliches mit trockner Realität mischte. In Herrn Caninenberg, dessen ent­rückte Phantasien ein geistesabwesend-schwärmeri­sches Poetentum bezeichneten, und in Herrn Gei­ger, der die gemütlich-amtseifrige Beschränktheit der Obrigkeit vertrat, standen sich in - grotesker Uebersteigerung die Repräsentanten reiner Idee und höchst irdischer Nüchternheit gegenüber. Herr Koh- lermann, ein rothaariger Dieb, Herr Bernd und Hannelore Hinkel, das zärtlich-erheiterte Paar, rundeten den fröhlichen Reigen, dem das wohlbefetzte Haus angeregt Beifall spendete.

»Humor und Poesie

in der deutschen Graphik."

Im Anschluß an die Morgenfeier wurde im Theater-Foyer eine neue Ausstellung des Oberhes- fischen Kunstvereins eröffnet: Poesie und Hu­mor in der deutschen Graphik. Aus 70 Blättern ein unerschöpfliches Thema. Beide (Ele­mente, das Poetische und das Humorvolle, kommen darin zur Geltung, hier das eine, hier das andere überwiegend, dort beide sich durchdringend; die ver­schiedensten Temperamente und Sehweisen sind zu erleben. Die Empfindung des Beschauers kann eine S Ausdrucks-Skala vom leisen Lächeln bis zum itzenden Gelächter durchlaufen.

Professor Klaus Richter greift in feinen Kalt­nadelarbeiten zumDon Quijote" ein roeltliterari- fches Thema auf, das die Illustratoren immer wieder an gezogen hat; die Abenteuer des berühmten Ritters und seines Knechtes Sancho Pansa liefern ja unend­lichen Stoff. Professor I. L. Gampp und Dom­browski, der schon in der letzten Ausstellung ver­treten mar, führen die feste, geschlossene Form des Holzschnitts auch ins kleine Format der intim^llu» strativen Schilderung ein. Wikhelm Martin Buschs Federzeichnungen (Auf der Promenade",Das Ge­ständnis") bestechen durch die Präzision und Ele­ganz des locker und sicher gefügten Strichs, lieber

Mit bekannter Tatfreudigkeit, die unsere Gießener Polizei von jeher bei der Durchführung ihrer Auf­gaben auszeichnet, ging sie am Wochenende und mit Teiloeranstaltungen auch noch am gestrigen Sonntag an die Erfüllung ihres großen Einsatzes für das Kriegs-Winterhilfswerk anläßlich desTages der Deutschen Polizei". Sie fand dabei während der ganzen Sammlungsaktion bei allen Volksge­nossen offene Herzen und nicht minder offene Geld-- beutel, so daß man wohl heute schon sagen kann, daß das Ergebnis dieserPolizeiunternehmung" ein sehr zufriedenstellendes sein wird.

Nach umfangreichen Vorbereitungen unter Lei­tung des stellv. Polizeidirektors, Major und Kom­mandeur der Schutzpolizei Hellwege Emden begann der großeFeldzug" auf die Geldtaschen der Volksgenossen am Samstag früh mit allen guten Aussichten. Der Lautsprecherwagen der Polizei mar ab 7 Uhr für ein großes Wecken mit flotter Marschmusik eingesetzt und brachte mit feinen schnei­digen Weisen Überall die von der Polizei erhoffte Aufmerksamkeit. Zu gleicher Zeit begann auf allen Straßen und Platzen die Sammlung durch die Polizeibeamten mit dem Verkauf der schonen und stabilen Abzeichen, die einem wichtigen Aufgaben­gebiet der Polizei entsprechend nachgebildet waren, nämlich als Verkehrsabzeichen. Allenthalben konnte man die Feststellung machen, daß die Abzeichen gerne und fast durchweg in mehrfacher Stückzahl gekauft mürben, so daß der Absatz der sammelnden Beamten in sehr flottem Tempo vor sich ging. Eine weitere Steigerung erfuhr dieses Tempo im Laufe der Mittags- und Nachmittagsstunden, als nun­mehr neben den Polizeibeamten und Polizeirefer- viften noch die verschiedenen anderen Zweige, des Polizeidienstes in die Sammelaktion mit eingriffen, wie ff, Technische Nothilfe, die Feuerlöschpolizei, ferner das NSKK. und vor allem auch zahlreiche Jungens von der HI., die allesamt unermüdlich mit den Sammelbüchsen klappernd und mit heiterem

Wichelm B us ch ist wohl in diesem Zusammenhang kein Wort mehr zu verlieren; die Bilder zuMax und Moritz" werden, wenn das ThemaHumor in der Graphik" auftaucht, vermutlich auch dem Laie» zuerst einfallen. Hans Fischers getönte Feder­zeichnungen (Einsamkeit",Am Fenster") bewegen den Beschauer durch ihre zarte, lyrische Stimmung. Derber in der Drastik der Situation wie in der Technik wirken Paul Webers BlätterDer Zei­tungsleser" undSwinegel und Haas". Eine skur­rile Phantasie, an Kubin erinnernd, spiegelt sich in den Federzeichnungen von C. W. Rauh (Zwei­kampf",Hänsel und Gretel").

In Gulbranssons unverkäuflichen Feder­zeichnungen (Sprüche und Wahrheiten") verbinde» sich auf eine schlechterdings unnachahmliche und über­wältigende Weise souveräner Humor und souveräne zeichnerische Kunst des genialen Norwegers. Eine» höchst pikanten Kontrast dazu bildet, gleich nebenan. Grundners witzige Miniatur zu KellersDrei gerechten Kammachern". Eine groteske Phantasie, manchmal schon an der Grenze des Makabren und Schauerlichen, offenbart sich in den Blättern des Zeichners Otto Nückel (Lustige Witwe", Scheuende Pferde"). Hanna Nagel, die eben­falls schon auf der vorigen Ausstellung vertrete» war, erreicht mit vorwiegend graphischen Mittel» nahezu malerische Wirkungen in den Blätter» Spielerei" undDas gelbe Buch". Fritz Fischec zeigt sehr reizende Illustrationen winzigen For­mates zu E. A. Poe, Keller und Hauff. Rokokohaft zarte und subtile Radierungen zuCandide" sieht man von Professor Paul S ch e u r i ch. Hans Meid« ist als hervorragender Illustrator aus vielen erlese­nen Proben seit langem bekannt und braucht kaum, noch gerühmt zu werden; in feinen Jllustratione» zu Schäferliedern aus zwei Jahrhunderten wird man die kongeniale Weiterführung des graphisch, illustrativen Stiles von Slevogt empfinden. Mit weichem Bleistift hält Erwin F r e y t a g, etwa mifl den Skizzen vom Kinderspielplatz, plastische Moment, bilder des Alltages von unmittelbarer Lebensfrisch« fest. Gerstenbrand mit demWiener Kaffee, haus" und der hier schon vorgestettte A. Paul Kel­ler mit seinen satirischen Blättern (Der Dick, fettige";Bürokratius") mögen den Ueberblick be­schließen. Die ausgezeichnete Sammlung sei zi> regem Besuche und eingehender Betrachtung empe fohlen. Hans Thyriot.

Scherzwort die Abzeichen anbietend tätia mären* Vielfach waren die Schachteln mit den Abzeichen im Handumdrehen ausverkauft, und immer wieder war sofort neuerStoff" zur Stelle. So ging ber Absatz der Abzeichen bis zum Samstag abend über, all in unermüdlichem Sammeleifer und in an. dauernd vorhandener Aufnahmebereitschaft vor sich.

Neben dem Abzeichenverkauf wurden von der Polizei noch zahlreiche ©onberoeranftaltuncjen durch, geführt, uni damit die Gebefreudigkeit weiter cknzu» regen und das Ergebnis der Sammlung noch M steigern. So konnten auf dem KreuzplatzBomben auf England" losgelösten werden, indem derBom° benroerfer" nach einer Opfergabe in die Sammel­büchse die von ihm gewünschte Anzahl Spenden» nägel in eine auf eine Holztafel gezeichnete Eng» la,rd-Karte oder in eine der englischen Städte, bis auf der Karte bezeichnet waren, einschlagen konnte Das Gleiche galt für die ebenfalls auf der Tafel! rund um England herum stehenden englischem Kriegsschiffe. Von diesemBombenwerfen" wurde; eifrig Gebrauch gemacht. Nicht minder lebhaft mar der Betrieb, auch noch am gestrigen Sonntag nodj" mittag, an dem Schießstand, den die Polizei im dem früheren Schulzeschen Laden am Kreuzplatz/' Ecke Seltersweg hergerichtet hatte. Ein Kradschützen« zug der Polizei zeigte am Samstagnachmittag an: mehreren Stellen der Stadt den hohen Stand feiner dienstlichen Ausbildung, während gleichzeitig bei: den außerordentlich zahlreichen Zuschauern die: Sammelbüchsen eifrig und überall mit Erfolg her» rumgereicht wurden. Dieser Kradzug machte bann, auch noch einige Propagandafahrten durch die Stadt. Der Musikzug der SA.-Standarte 116 unter Lei" hing des Musikzugführers Herrmann erfreut!; am Samstagnachmittig mit einem Konzert auf beim Kreuzplatz, dem gleichfalls eine große Menschen« > menge voll Interesse beiwohnte. Die NSKK.-Motov standarte 147 Gießen hatte vor ihrem Heim am: Selterstor eine kleine Ausstellung von Verkehrs«

Unsere Polizei Hilst -em Kriegs-WHW.

lieber 25 600 RM. in Gießen.

Gießener Konzertring.

Konzert des Strotz-Qnartetts.

Vor einigen Jahren hatte Prof. Stroh mit einem Diolinabend die Aufmerksamkeit der Gieße­ner Hörer auf sich gelenkt. Diesmal kehrte er als Primgeiger eines Streichquartetts wieder. Im Laufe der Jahre hatten wir Gelegenheit, die verschieden­sten Quartettoereinigungen hier zu hären. Stets be­stätigte sich die Tatsache, daß jedes Quartett mit der Dauer seines Bestehens und Zusammenspielens immer mehr ein eigenes Gepräge sowohl hinsichtlich der Auffassung, der musikalischen Bedingungen wie der Gestaltung des Programms gewann.

Das Stroh-Quartett ist ein verhältnis­mäßig junger Klangkörper, der sich aber gleich am ersten hiesigen Abend mit einer Auswahl der be­deutendsten Werke oorstellte. Das bestätigt einen starken musikalischen Willen seiner Mitglieder eben­so wie ein Verantwortungsbewußtsein den Hörern gegenüber. Hinsichtlich seiner geigerischen Fähig­keiten erscheint Wilhelm Stroh für diese schwer­wiegende Aufgabe prädestiniert. Auch die anderen Glieder der Vereinigung (Richard Heber, 2. Vio­line; Valentin Haertl, Viola; Rudolf Metz- macher, Cello) sind leistungsfähige Musiker und tüchtige Könner ihres Faches. Die Bratsche ist be­sonders vollklingend und sonor in den tieferen Lagen; der Cellist, als das klangliche Fundament, verfügt über einen sehr modulationsfähigen Ton und eine Vogenführung, die selbst bei der Entfaltung der Pianissimotechnik keinerlei Hemmnisse kennt; das bestätigten die Tremoloübergänge im Kopfsatz des Schubert-Quartetts aufs deutlichste.

Im Zusammenspiel entfaltete das Quartett sehr anziehende Pianissimo-Wirkungen; ganz besonders im Andante des Schubert-Quartetts und im Beet- b o v e n - Adagio. Ebenso ist es fähig, aus diesen feinsten Tongraden sich zu orchestralen Aufklängen zu entwickeln, am überzeugendsten im Alleqretto des e-mott-Quartetts und im Kopfsatz des gleichen Werkes bei den Synkopenstellen, Ja, bisweilen konnte man diesen Krescendowirkungen ein über­raschendes Maß zusprechen.

Angesichts der hohen gestellten Aufgaben und im

Hinblick auf das Alter der Vereinigung mußten die Leistungen den Hörern unbedingte Anerkennung abgewinnen. Am stärksten und ausgereifteften er­klang Beethove ns e-moll-Quartettop. 59 Nr. 2 mit den drängenden Spannungen feines Ein­gangssatzes, seinen abgestuften dynamischen Kon­trasten. Dafür sprach auch das Adagio bei tiefster Versunkenheit mit der breitströmenden Kcmtilene und den abgewogenen thematischen Stimmen. Die Gegensätze zwischen Allegretto und Trio-Teil traten klanglich wie auch in der Temponahme deutlich her­vor. Anfängliche Schwankungen beim Beginn des russischen Themas waren im späteren Verlauf des Satzes überwunden. Das Finale wurde energievoll angepackt mit der ihm zustehenden rhythmischen Akzentuierung und sorgfältigem Eingehen auf iüe einzelnen sich ablösenden Motive. Direkt grandios war die letzte Wiederkehr des Hauptthemas' vor der stürmenden Koda.

Mochte hier die festgefügte Struktur bei Beet­hoven dem Ganzen besonderen Halt geben, jo über» wog bei Schubert das klanglich Musikalische. Die dynamischen Werte im Verfolg der Entwicklungen blühten lebensstark auf, wenn auch nicht immer mit der Gefügtheit wie bei dem Beethoven-Quartett; wie weit das klangliche Erleben erfaßt war, er­härtete der füllige mott-dur-Wechsel der Koda. Das Andante breitete sich mit innerem Teilnehmen aus, wenn auch nicht immer gleichmäßig ausgeprägt in den Engführungsstellen. Dem Trio des Scherzos märe allerdings doch noch mehr Klangplastik zuträg­lich gewesen; die Figurationen der 2. Violine waren teilweise zu dezent. Der Schluß dieses Satzes konnte noch klangseliger entschwinden. Das Finale hätte unter Modifikationen des Tempos angesichts des durchgehenden "/-«-Taktes sicherlich noch mehr an Übersichtlichkeit für den Hörer gewonnen.

Von dem Mozart-Quartett fei ganz be­sonders das Andante cantabile hervorgehoben mit dem strömenden Klang der ersten Violine, dem fein­sinnigen Eingehen auf die innere Gliederung und den stellenweise sehr schonen schwebenden Zusam­menklängen.

Die Hörerschaft war den Darbietungen gegenüber äußerst dankbar, und sehr starker Beifall rief die Künstler immer wieder aufs Podium.

I Or. Hermann Hering.