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Ur. 40 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhesien)

Montag, 17. gebruar 1941

Aus der Schulgeschichte Gießens und Oberheffens.

Hessisches Lehrerbuch bringt neue interessante Beiträge zur Heimatgeschichte.

Im Auftrag der Historischen Kommission Hessen gibt der Prälat i. R l). Dr. Dr. Wilhelm Diehl, ord. Honorar­professor an der Ludwigs-Universität Gießen ein Hessisches Lehrerbuch heraus, das im Verlag von L. C. Wittich in Darmstadt er­scheint. Bis jetzt liegen die beiden ersten Teile des umfangreichen Werkes vor. Der erfte Teil ist derObergraftchaft Katzenelnbogen" aewldmet. Es handelt sich dabei um das hes­sen-darmstädtische Gebiet des heutigen Star­kenburg. Der zweite Teil behandeU das Oberfurstentum Hessen", zu dem unsere engere oberhessische Heimat gehört, und dem daher unser besonderes Interesse gilt.

In seinem Vorwort zu dem zweiten Teil bemerkt Prälat D. Dr. Dr. Diehl, in diesem Band werde le Schulgeschichte von fast 200 Städten und Dör- xrn behandelt, die bis in den Anfang des 19. Jahr- Underts das zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt ^hörende Oberfürstentum Hessen bildeten.Das Iberfürstentum Hessen", so schreibt er weiter,war in Unterschied von- der Obergrafschaft Katzeneln- ogen kein ursprünglich hessen-darmstädtisches Ge- et. Die Städte und Dörfer, aus denen es sich zu- mmensetzte, sind erst nach und nach in die Land­schaft Hessen-Darmstadt eingegliedert worden. !s geschah dies mit den Pfarrorten Schotten, Ober- Ziddersheim und Ulfa nebst Filialen, die bisher zur .cmdgraffchaft HessemRheinfels gehört hatten, im phre 1584, mit dem überwiegenden Teil des Ober- rftentums, den Aemtern Gießen, Hüttenberg, Bu- ckertal, Butzbach, Echzell, Nidda, Alsfeld, Grün- rg, Ulrichstein und Kirtorf, die vordem Teile der andgrafschaft Hessen-Marburg gewesen waren, im ähre 1604, mit den Pfarrorten Allendorf an der umda und Londorf nebst Filialen, bisher zur andgrafschaft Hessen-Kassel gehörig, im Jahre 1624, wie mit dem Pfarrort Nieder-Rosbach, bisher zur Grafschaft Nassau gehörig, im Jahre 1633."

Bei feiner Darstellung der Schulgründungen im Äerfürstentum Hessen und bei den Mitteilungen »er die Lehrer, die seit der Reformation in diesem ebiete wirkten, hat der Verfasser als zeitliche irenze das Jahr 1874 bestimmt, da mit dem .Juni jenes Jahres durch den Erlaß des Volks- hulgesetzes ein neuer Abschnitt in der Geschichte des ssischen Volksschulwesens beginnt. Zusammenfas- betont er, daß die Hauptzeit der Schnlgründun- m in diesem Gebiet die Zeit von etwa 1575 bis den Anfang des 17. Jahrhunderts gewesen ist. In lese Zeit fällt fast die Hälfte dieser Schulgründun- p,» näntlid) von 210 rund 100.Vorbereitet war vese Zeit, in der es sich durchgängig um Gründung v n für Knaben und Mädchen bestimmten Volks- kwkn handelte, durch die Errichtung von lateini- [een Knabenschulen in der Reformationszeit, deren ^>ihl 20 beträgt. Das Schulgründungswerk des aus­übenden 16. und des beginnenden 17. Jahrhunderts rurde in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges mit 1:. in dem Jahrhundert von 1650 bis 1750 mit 70 Dd in der Zeit nach 1750 mit 8 Schulgründungen fi'tgefetzt. Als letzte in der Reihe der Schulgrün- d ngen sind zu verzeichnen die Garnisonsschule in sH eßen (1785) sowie die Schulen zu Daubringen |p09), Göbelnrod und Neinhardshain (1829), Rut- ijk shausen (1832), Michelnau (1835), Ziegenberg 1344) und Lindenstruth (1856)." Bei den Mittei- [piigen der Lehrerpersonalien ist hinsichtlich der tlntsbezeichnungen der Lehrkräfte für die Zeit bis B'pO in der Regel das WortSchulmeister", von 1'X) an das WortLehrer" gewählt worden.

Än der Spitze des zweiten Teils behandeU Prälat !ehl in fesselnder Weise die Schulgeschichte d r Stadt Gießen von der Reformation bis ptn Schuledikt von 1874. Zunächst gibt er einen kilberblick von der Reformation bis zur Neu- ^r.»nung des Stadtschulwesens im Jahre 1808. Dar» PB geht hervor, daß schon in mittelalterlicher Zeit gie Schule in Gießen vorhanden war, die erstmalig in dem Gießener Gerichtsbuch von 1461 bis 1476 Mvähnt ist und eine städtische Anstalt war. Die

Start in den Vorfrühling.

Von Kurt H. Kauffmann.

!3n den großen Obstreviern auf dem seewärts i«b sich schwingenden Hängen, von denen in lau» sHem, atmosphärischem Wechselspiel Föhn, West- iid und Regen auch das letze Schneekrümchen ^geschmolzen haben, putzt, schabt, schneidet, kratzt » stutzt man mit Scheren, mit Messern und vieler- I?i anderen, geschäftig klappernden Garteninstru- tciten die Bäume zurecht. Mit fürsorglicher Hand fii man die Winterschäden und richtet an Ge- sv ig und Stamm ordnend wieder her, was Frost In? Schnee verdarben. Nun können, aus den Tie- jm der vom Eis befreiten, gelockerten Erde quel- in>, die Säfte in die sauber gelichteten Bäume l'i^en, die der Reichtum des Landes sind rundum t am Schwäbischen Meer, das, sofern nur ein In.iger milder, südlicher Hauch von jenseits der Ilsen herüberweht, ihn gewißlich zu spüren be- tr mt, lange bevor man ihn weiter nördlich im Iech gzich nur ahnt.

Ilnd Aun ist es so weit! Die Landschaft scheint Ieich wie verwandelt. Der Himmel, der bislang, v'c um in seiner Schwere sich zu stützen, mit grau= blechen, schneeträchtigen Wolken fast auf dem wal- fcm Rücken der Uferberge lag, so daß man ihre Westen Spitzen, dicht umwölkt und eingenebelt, nie mehr sah, hat sich gehoben. Und als wäre e i Vorhang fortgezogen, ist die Sicht nun wieder *i?i" und umfassend geworden. Ueber viele Kilo- l?ter, ja Meilen hin sieht man wieder über den et sieht das silbrig glänzende Halbrund der 9jr)ten die blauschwarz dämmernden, in den vorspringenden Landzungen und Kaps ... an bn n man tief in das Wasser hineingebaute, hoch- H^ige Landestege weiß, wo die Dampfer kommen 8t gehen auf ihren schnellen Fahrten von Städt- ;ijn zu Städtchen, von Ufer zu Ufer.

»lieit, weit ostwärts und gen Süden fmjöeifen itr auch wieder die welthungrigen, vom Wimer Btier wie mit Blindheit geschlagenen Augen. Sie ih'pielen, den Verheißungen der Ferne und den I r Ortungen künftiger Wanderschaften schon ganz Srnllen, ehnsuchtsvoll das steinern erstarrte Ge- der in lichtblauer Weite den See begrenzen-.

Schule wurde mit der Einführung der Reformation aufgehoben und eine neue Schule errichtet, die den Charakter einer Lateinschule hatte. In der Folge­zeit kamen noch weitere Schulen hinzu. Der Autor gibt dann interessante Einblicke in die Geschichte der Gießener Stadtschule, deren Entstehungs­jahr bis jetzt noch nicht festgestellt ist. Er schildert die bedeutsame Rolle, die diese Schule nach der im Jahre 1624 ausgesprochenen Suspendierung bzw. Ver­legung der Gießener Universität nach Marburg ge- pielt hat, ihre Aufgaben alserweiterte Stadt- chule" im Jahre 1627 und später sowie ihren Rück­gang nach 1649 durch die Rückverlegung der Univer- ttät und des Pädagogs nach Gießen. An diese Schilderung schließt sich ein Bericht über die D e u t- s ch e S ch u l e und M ä d ch e n s ch u l e an, die beide schon im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts hier bestanden. Es folgt die Darstellung über die Schule an der Burgkirche, die in dem ursprünglichen Universitätsballhaus von 1651 ab bestand. In die­sem Zusammenhang kann man interessante Einzel­heiten über eine von der Gießener lutherischen Stadtgemeinde unterschiedene Militär- oder Garni­sonsgemeinde lesen, die im Jahre 1647 gegründet worden war. Die A r m e n f ch u l e ist erstmalig in den 90er Jahren des 17. Jahrhunderts nachweisbar, über ihre Anfänge herrscht aber Unklarheit. Als sicher bezeichnet es Prälate Diehl, daß die Schule im Zusammenhang mit denGießischen Armenanstal­ten" ins Leben trat. Der nächste Abschnitt behandelt die Städtische M ä d ch e n sch u l e, die im Jahre 1731 errichtet wurde, nachdem bereits im Jahre 1727 Schritte zur Errichtung der Schule von dem Gießener Konsistorium bei dem Bürgermeister und Rat der Stadt Gießen unternommen worden waren. Die Garnisonsschule entstand im Jahre 1785 als eine für die Soldatenkinder bestimmte Schule. Sie unterschied sich von der früheren Deutschen Schule an der Burgkirche dadurch, daß sie einen rein militärischen Zuschnitt hatte. Die Schule be­stand bis in das Jahr 1824. Nebenschulen, die vom Anfang des 17. Jahrhunderts an in Gießen während fast 200 Jahre bestanden, waren meist zeit­lich auf die Lehrtätigkeit des Mannes beschränkt, der sie eröffnet hatte. Eine Ausnahme machen alsSchu­len mit Tradition" die Kochsche Mädchenschule und die Strickschulen.Die Kochsche Mädchenschule be­stand 112 Jahre. Sie wurde im Jahre 1695 durch den zweiten Stadtschulmeister Johann Peter Koch

errichtet und von dessen Sohn Johann Balthasar Koch und seinem Enkel Hartmann Samuel Koch weitergeführt. Alle drei hielten die Mädchenschule im Nebenamte; im Hauptamt waren sie Lehrer an der Stadtschule." ...Auch bei den Strickschulen, deren in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stets zwei waren, ist eine Tradition wahrzunehmen. Sie hafteten zwar nicht, wie die Kochsche Mädchenschule, an ein und derselben Familie, wurden aber von feiten der kirchlichen Behörde als Notwendigkeiten angesehen, so daß sie immer und immer wieder be­setzt wurden." Weiter werden hier noch erwähntdie Steckrodische Schule, deren Lehrziel es war, Knaben bis zum Eintritt in die unteren Klassen das Päd­agog vorzubereiten" genauere Nachrichten über sie liegen aus den Jahren 1743 und 1744 vor und die Eulerische Schule, die ebenfalls den Charakter einer Vorschule für das Pädagog hatte und im Jahre 1747 von dem Kandidaten der Theologie Johann Philipp Euler eröffnet wurde, der die Schule bis in das Jahr 1764 hielt, in dem es ihm gelang, als Lehrer der Städtischen Mädchenschule Anstellung zu finden.

Von der Neuordnung des Stadtschulwesens im Jahre 1808 bis zum Schuledikt von 1874 handelt der neuere Teil dieser Geschichtsschreibung.Bei der Neuordnung des Stadtschulwesens im Jahre 1808 traten an die Stelle einer nicht mehr lebensfähigen Lateinschule mit drei Lehrkräften sowie einer wenig leistungsfähigen Mädchenschule mit zwei Lehrkräften drei nach den Grundsätzen der modernen Pädagogik eingerichtete städtische Volksschulen: die erste Stadt­knabenschule, die zweite Stadtknabenschule und die Stadtmädchenschule. Neben diesen drei Schulen mit je einem Lehrer stand noch die alte Armenschule, die von da an den Namen Freischule trug."

Den geschichtlichen Abrissen über die verschiedenen Schulen sind umfassende Verzeichnisse über die Lehrer beigefügt, die an diesen Schulen gewirkt haben. Hier kann man viele Namen lesen, die auch heute noch in Gießen anzutreffen sind. Der größte Teil dieser Männer und Frauen stammte aus Gießen oder aus oberhessischen Orten. Zum Teil waren die Männer aus dem Handwerk und aus dem Soldatenstand hervorgegangen. Viele sind auch als Abkömmlinge vonStadtschulmeistern" oder als Söhne vonBürgern und Handwerksmeistern" be­zeichnet.

Im Anschluß an die Schulgeschichte von Gießen behandelt der Herausgeber noch die gleiche geschicht-

ÄnGeschütz", das auch seinen Zweck erfüllt

Diese lustig aussehende Nachahmung eines Geschützes hat die Aufgabe zu erfüllen, den feindlichen Luftbeobachter zu täuschen. (PK.-Dietrich-Atlantic-M.)

den Alpen, deren Firnbänder und Schneehalden dort aus den toten Regionen des ewigen Winters kalt und weiß herüberleuchten, in einer solchen In­tensität, daß man meint, ihren eisigen Atem bis hierher zu verspüren.

Die an und ab durch die schütteren, eben noch einen milden Regen versprühenden Wolken behut­sam sich tastende Sonne, deren Licht durch die ein­zelnen Wolkenlöcher in breiten Strahlenbündeln fast lotrecht aus dem Himmel herniederschießt, läßt hier und da den von den nebeldampfenden Ufer­hängen fjordartig eng umschlossenen See in metal­lischem Funkeln aufleuchten, als brennten unter sei­ner Oberfläche gewaltige, tief aus dem abgründig­sten Innern der alten, vulkanischen Erde glostende Feuer. Und es ist, als verspürten auch die Wasser­hühner und Seevögel den überall sachte anheben­den Ausbruch der elementaren Kräfte, die die er­storbene Natur wieder aufzuwerten beginnen. In dichten Flottillen schwimmen die schwarzen Bleß- hühner, die bislang Wochen hindurch in fast apa­thischer Ruhe an den eisverkrusteten Uferrändern verharrten, in geschäftigem Hin und Her über den See, um sich dann plötzlich wie auf Kommando flügelrauschend aus dem von ihrem Start schäu­mend aufgischtenden Wasser zu erheben, über dem sie dann, ehe sie nach raschen, kurzen Flügen wieder einfallen, in vorsichtig flatternden Schwärmen krei­sen, wie um die noch gehemmten Kräfte ihrer win­termüden Flügel zu erproben.

Auch die Möwen kreuzen und schweben wie in übermütigem Spiel in ganzen Geschwadern durch die Luft, die sie mit ihrem mißtönigen Geschrei er­füllen, das man aber, gebannt von der bewunde­rungswürdigen Virtuosität ihrer Flugkünste und hin­gerissen von der Eleganz ihrer artistischen Kaprio­len, zu überhören geneigt ist, weil es einem irgend wie ungerecht und widerspruchsvoll erscheint, daß diese zum Schwimmen und Fliegen gleicherweise so vollendet geschaffenen und vollkommen gestalte­ten Geschöpfe, die sich in zwei Elementen, im Was­ser und in der Luft, mit so tadelfreier Vollkommen­heit zu bewegen wissen, so häßliche, disharmoni­sche Laute von sich geben, die wie ein ewiges hyste­risches Gezeter klingen.

Als sollte es einem aber gleichsam bewiesen wer­den, daß die schier unübertreffliche Vollkommenheit dieser zartgefiederten Flugkünstler doch noch einer

Steigerung fähig wäre, tauchen plötzlich vom jen­seitigen Ufer her zwei Schwäne auf, die in geringer Höhe über dem Wasser in schwerem, aber doch be­zaubernd elegantem Flug heranrauschen. Die schö­nen, langen Hülse in schnurgerader Verlängerung des Körpers weit üorgeftretft die gewaltigen, makellos weißen Schwingen in unendlich ruhevollem Auf und Ab hebend und senkend so segeln sie, königliche Vögel von wahrhaft heraldischer Schön­heit, majestätisch dahin, über das geringe, niedere Wasservolk hinweg, landeinwärts steuernd, wo sie vielleicht irgendwo in den nahen Wäldern zu einem stillen, geschützten Weiher wollen, an dem vielleicht schon in dieser südlichen Landschaft die ersten Schneeglöckchen blühen oder bald die frühen Ane­monen kommen.

Oie Heimkehr.

Von Ernst Heyda.

Als der Urlauber die Abteiltür ins Schloß warf und den «Zug entlang zum Ausgang schritt, war er im Augenblick in einen dichten Schleier gehüllt, durch den ein zittriges Licht hindurchfah. Er tastete sich darauf zu, überschritt vorsichtig die Schienen eines toten Gleises und streckte seinen Fahrschein gegen das dunkle Sperrhäuschen, aus dem ihm ein wollener Handschuh entgegenkam.

Bist du es, Karl?" fragte jemand.

Der Urlauber blieb stehen und wischte sich den Schnee aus seinen Augen.Ich bin's, der Störzer!" sagte er.Hast heute Spätdienst, Franz?"

Du bist es? Nur noch den letzten Fahrplanmäßi­gen. Deine Frau wird sich freuen, daß du doch noch kommst!"

Na denn, viel Freude!"

Auch für euch!"

Der Soldat nahm seinen Wäschebeutel in die rechte Hand und rückte den Tornister zurecht. Er machte weite Schritte, der Schneesturm riß ihm den Atem vom Munde, feine Nagelschuhe stampften in den Boden.

Als Fremder, dachte er, wäre es gar nicht mal leicht, sich hier durchzufinden. So klein das Dorf nun ist. Drüben ist wohl Marttns Fleischerei.

Eine dicke Schneeflocke setzte sich auf seine Lip­pen, er blies sie übermütig fort und sagte halblaut:

liche Entwicklung zahlreicher Orte von Oberhessen. Wie bei Gießen, kann man auch hier interessante Einblicke in die Ortsgeschichten gewinnen und dabei mancherlei Wahrnehmungen machen, die auch in unserer Zeit oder gerade jetzt mit dem verstärkten Interesse für alle heimatgeschichtlichen Vorgänge, besonders willkommen sind.

Dieses neue Werk des als Heimatforscher und Ge­schichtsschreiber Hessens weithin bekannten Prälaten i. R. Diehl ist ein weiterer wertvoller Baustein der hessischen Geschichtsschreibung, den man mit Ge­nugtuung begrüßen darf. , B.

Geschweißter Stahl im Röntgenfilm.

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Um die unbedingte Zuverlässigkeit im Reichs- bahnbetrieb zu gewährleisten, werden beim Bau der Lokomotiven die modernsten Prüfverfahren angewendet. In den Borsig-Lokomotiven-Werken bei Berlin wird z. B. wie unsere Aufnahme zeigt ein Kontrollver.f ähren entwickelt, das mit Hilfe von Röntgenfilmen die Erkennung der klein» ften Materialfehler ermöglicht. Unser Bild zeigt das Prüfen der entwickelten Negative der Röntgenfilme im Betrachtungskasten. Der auf dem Film sichtbare helle Streifen stellt die Schweißnaht an einer Stahlfeuerbüchse dar. Risse, Poren und Schlacken­einflüsse können so durch dieses Verfahren leicht er­kannt und beseitigt werden. (Scherl-Bilderdienst-M.)

ßin Zentrum für Mutter und Kind in der Aufrüstung des Dorfes.

Im Zusammenhang mit der Frage derAuf­rüstung des Dorfes", die als ^in wesent­liches Mittel gegen die Landflucht in großem Um­fange eine Ausgestaltung des dörflichen Lebens bringen wird, spielen auch die Einrichtungen für Mutter und Kind eine wichtige Rolle. In allen grö­ßeren Dörfern ist eine Art Zentrale für Mutter und Kind zu errichten, ein Haus, in dem zugleich die wesentlichsten Voraussetzungen sanitärer uno hygienischer Art für das Dorf und feinen Umkreis sichergestellt, werden können. Es müßte ein Warm­bad, eine moderne Wasch- und Trockeneinrichtung, sowie Schul- und Lehreinrichtungen enthalten. Auch der Arzt und der Zahnarzt müßten hier ihre Sprechstunden halten. Wenn nod) ein Kindergar­ten angegliedert wird, so sind die wesentlichsten Dinge der Nachwuchspflege und Betreuung der Kleinkinder gelöft. Die Pflege und Betreuung des Kleinkindes in hygienischer Hinsicht nimmt gerade auf dem Lande der Bäuerin einen nicht geringen Teil ihrer Zeit fort. Wird die Pflege in eine zen­trale Stelle verlegt, sv wird die Bäuerin nicht nur entlastet, sondern ihr Kind oder ihre Kinder wären besonders gut aufgehoben, weil sie hier unter ftän» diger ärztlicher Kontrolle sind.

Na, nächstes Jahr sollt ihr mal alle sehen, da haben wir auch ein Kind! Wie es da bei uns sein wird!"

Er blieb stehen, so hatte ihn das Bild verzaubert, wie es nächstes Jahr sein würde, wenn erst das Kind da wäre, er stellte sich alles genau vor, die Tische, das Kind, Therese... Ach ja, Therese. Sicher stand sie nun an der Stubentüre, sie wußte doch, wann der Zug einlief, wenn er nun nicht auf die Minute pünktlich war, mochte sie glauben, er käme nicht mehr.

Der Soldat fühlte plötzlich eine wohlige Wärme, wenn er an Therese dachte; er schritt schneller aus, an der Meierei vorbei, ein Hund kläffte aufgeregt hinter einem Gitter, ein flatternder Vogel trieb vorüber. Dann war er schon auf dem Feldwege, der zu seinem Hause führte, und ging ein paar Schritte langsam, bis sein Herz wieder im Gleichklang lief.

Als er am Gitter stand, setzte er den Wäsche­beutel sorgsam in den Schnee. Er tastete zum Schloß, öffnete und ließ die Tür weit offen, nun hatte er gar keine Zeit mehr, alle Tage hatte er sich dieses Bild seiner Heimkehr ausgemalt, droben flog das Fenster schon auf, er mußte ladjen, jetzt hatte sie ihn doch gehört, und er hatte so leise fein wollen.

^Eine ängstliche Stimme rief feinen Namen, der Soldat antwortete nicht, eine Sekunde noch, dachte er, eine winzige Sekunde wird ihre Sorge um mich verspüren, ihre Angst, ob ich es auch wirklich bin. Dann schlug die Freude über ihm zusammen, er stürmte die Treppe hoch, ließ alles fallen und war zu Hause. Der Duft frischen Kuchens überfiel ihn, es roch nach Braten und gebackenen Aepfeln.

Ehe er später in die Stube durfte, mußte er sich seine Stiefel ausziehen lassen und in den Hausrock schlüpfen, endlich war es soweit, daß er zu Hause war. Es schien ihm, als sei er gar nicht fort ge­wesen, die Zeit war stehen geblieben, tick tick, tick, das waren keine Sekunden, sondern Monate, Po­len, Frankreich, das waren Bilder aus einem Buch. Ach du, daß du hier bist!" sagte die Frau später, als sie sich am Tisch gegenübersaßen. Sie erhoben sich gleichzeittg, ihre Gesichter kamen sich entgegen, ihr Kuß war ein wunderbares Versprechen.