ladung der Abteilung Schrifttum des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda eine vierwöchige Vortragsreise durch da^ Reich. Auf dieser Vortragsfahrt wird der Dichter auch in Gießen im Rahmen eines Mitglieder-Abends des Goethe-Bundes am Dienstag, 21.Ianuar, in der Reuen Aula der Universität aus eigenen Werken lesen. Alfred Huggenbergcr, der ein großer Freund Deutschlands ist, hat bereits vor zwei Jahren mit einzigartigem Erfolg in Gießen gelesen, so daß seine nochmalige Lesung sicherlich besonders begrüßt werden wird.
Orkszeil für den 18. Januar.
Sonnenaufgang 9.27 Uhr, Sonnenuntergang 17.44 Uhr. — Monduntergang 11.38 Uhr, Mondaufgang 0.15 Uhr.
Sie Bersorgungslage im Rhein-Ma n-Gebiet.
Die Milchwirtschaft deckte wieder den Bedarf an Vollmilch, obwohl dieser seit Wochen infolge der Ausgabe von Karten an Personen über 70 Jahre steigt. Auch der Absatz von entrahmter Frischmilch ist nicht unbeträchtlich gestiegen. Butter, Margarine, Schmalz und Käse waren > ausreichend vorhanden. Oel war etwas knapper, jedoch kann man auch hier mit einer Verbesserung der Lage rechnen. An der sicheren Versorgung mit Nährmitteln hat sich nichts geändert. Man hofft auch auf eine reichere Be-, schickung des Gemüsemarktes. Kopfkohl und vor allem Kohlraben stehen zur Verfügung. Mit einer weiteren Verknappung' bei Kohlgemüse wird nicht gerechnet, da noch erhebliche Liefermengen ausstehen. Aepfel wurden auf Karten verteilt. Außerdem standen ausreichende Mengen für den freien Verkauf zur Verfügung, diese allerdings nicht in den vom Publikum gewünschten besten Dualitäten. Die Beschickung des Diehmarktes wurde nicht behindert. Alle Märkte und Verteilungsstellen, bis auf eine kleinere, deckten ihren Bedarf durch die eigenen Auftriebe, die mehr als reichlich waren Auch in der kommenden Woche werden keine Zuschüsse nötig sein, da die Voranmeldungen wieder sehr groß sind.
Wichtig für Radfahrer.
Volksgenosse! Radfahren bei Verdunklung erfordert von dir höchste Aufmerksamkeit. Benutze dein Rad nur zu dringenden Fahrten. Achte immer darauf, daß deine Fahrradlampe vorschriftsmäßig ab- gedunkelt und nach unten geneigt ist. Halte dein Schlußlicht und die Pedalrückstrahler sauber, damit dich auch nachfolgende Fahrzeuge erkennen können. Radfahrer und Fuhrwerkslenker'! Fahrt scharf rechts. Wenn ihr nach links einbiegen wollt, laßt nachfolgende und entgegenkommende Fahrzeuge erst vorbei.
Jahreshauptversammlung der Gießener Ratfahrer-Dere niqung.
Die Gießener Radfahrer-Vereinigung hielt am gestrigen Donnerstag Abend im „Burghof" ihre diesjährige Hauptversammlung ab. Der z. Z. in Urlaub weilende Vereinsführer Hauck begrüßte u. a. einige Kameraden, die sich augenblicklich ebenfalls auf Fronturlaub befinden. In feinem Jahresbericht betonte der Vereinsführer, daß wohl im vergangenen Jahre infolge des Krieges nicht so viel Veranstaltungen und Rennen wie in früheren Jahren von dem Verein ausgerichtet wurden, daß der Verein aber trotz Krieg sein möglichstes getan hätte, um auch in dieser Zeit, wenn auch nur mit wenigen Teilnehmern, den Sportbetrieb aufrecht zu erhalten. Auch im kommenden Sportjahr wolle der Verein, soweit es sich ermöglichen lasse, wieder Rennen veranstalten, und zwar sei ein internationales Rundstreckenrennen um die Gießener Anlagen geplant. Kamerad Deibel gab sodann nochmals einen ausführlichen Bericht über die Ergebnisse der einzelnen Rennen, sowie über die Teilnahme des Vereins an der Winterhilfswerk »Veranstaltung der Gießener Sportvereine. Aus diesem Bericht war ebenfalls zu ersehen, daß der Verein auch im ersten Kriegssahr gearbeitet hat. Der Kassenbericht, den Kam. Müller sodann vortrug, ergab, daß die Kassenverhältnisse des Vereins geordnet sind. Daraufhin wurde dem Dercinssührer und seinen Mitarbeitern von der Versammlung Entlastung erteilt. Der Vereinsführer dankte allen seinen Mitarbeitern für die dem Verein geleistete Arbeit, insbesondere dem Kam. Auq. Deibel, der während der Abwesenheit des Vereinsführers die
Geschäfte leitete und weiter leiten wird. Zu seinen Mitarbeitern bestimmte der Vereinsführer wieder die gleichen Kameraden, die sich schon seit langen Jahren um den Gießener Radsport verdient gemacht haben. Nachdem unter Punkt „Verschiedenes" noch einige interne Vereinsangelegenheiten besprochen worden waren, schloß der Vereinsmhrer die Versammlung mit einem Gedenken an die an der Front stehenden Kameraden und dem Gruß an den Führer.
Können wir mit Tee umgehen?
In den nächsten Tagen gelangt eine Sonderzuteilung an Tee zur Ausgabe. Können wir mit Tee umgehen? Ganz gewiß, nichts ist leichter als das, wird jeder antworten. Und doch ist das Aufbrühen von Tee eine besondere Kunst, und heute noch mehr wo es heißt von der zugeteilten Zeemenge möglichst viel Gewinn zu haben. Die richtige Behandlung des Tees beginnt schon bei der Ausbewährung. Schwarzen Tee bewahrt man im fest verschlossenen Behälter an einem roqrmen Ort auf. Zum Aus
brühen von Tee in der vorgewärmten Teekanne wird frisch ausgesetztes, sprudelnd kochendes Wasser verwendet. Auf ein Liter Wasser genügen durchschnittlich 3 bis 5 Gramm Tee. Man kann auch mit bedeutend weniger auskommen, wenn man den Tee fein mahlt. Eine kleine Teemühle wird kaum jemand haben. Aber man kann den Tee im Beutel- chen oder zwischen weißem Papier zerklopfen oder walzen. Der gemahlene Tee wird wie üblich zubtz- rcitet. Die feinen Blättchen setzen sich nach einer Weile restlos zu Boden. Wenn man einen sehr klaren Aufguß haben möchte, kann man den Tee auch wie Kaffee filtrieren.
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** Dienstjubiläum. Beim Versorgungsamt Gießen beging am 15.Januar der Amtsgehilfe Ludwig Fißler fein 25jähriges Dienstjubiläum. Dem Jubilar wurde in einer schlichten und würdigen Feier von dem Seifer des Versorgungsamts G'eßen der besondere Dank für seine dem Reiche geleisteten treuen Dienste ausgesprochen.
die Gießener Mannschaft neben dem alten Stanin, über gute Nachwuchsringer verfügt, sind spannend« Kämpfe zu erwarten. Die Gießener Mannschaft tritt wie folgt an: Lorenz, Dem. Alois Funk, Uffz. Eder, Fischer, Klotz und Noeller.
Marburg „88", Alsfeld und Gießen sind die Be. werber im Gewichtheben. Hier hat Marburg mit seinen guten Leuten wfe Garn Herrmann, Mootz usw. gute Aussichten Die Gießener Mann'chast tritt hier wahrscheinlich mit Lorenz, Götz, Fritz Funk, Uffz. Eder, Klotz und Fischer an.
Ain Vormittag finden Jugendkämpfe zwischen Alsfeld und Gießen statt.
Deuiscke Dox-Me sterschasten rtiätuenb belekt.
Bis zum festgesetzten Meldeschluß sind für di« Deutschen Amateurbormeisterschafien 193 Nennun« gen eilwegangen. Diese Zahl wird sich noch erhöhen, da einige Bereiche ihre zusätzlichen Kämpfer noch
SJl.-fpOTt
Eine feste Brücke von der Heimat zur Front ist das deutsche Buch. Du hilfst an ihrem Bau durch eine Spende für die Bächersammlung der Partei.
Oer Handballsonntaq.
Schneller als allgemein erwartet wurde ist in der Staffel Gießen der Beroichsklasse die Entscheidung herangereift. Durch Zusammenlegung der noch rückständige^ Spiele nach Ausscheiden von Mtv. Gießen und Hörnsheim war es möglich, die zuerst vorgesehene Spielzeit wesentlich zu verkürzen und die entscheidenden Treffen zusammenzudrängen. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, daß die Spiele mit einem Male wieder in den Blickpunkt des Interesses gerückt sind. Die große Frage ist: wer wird Staffelsieger? Aussichten haben zweifellos Garbenheim, Hochelheim und Dornholzhausen. Relativ am günstigsten steht Garbenheim, das bei noch Zwei ausstehenden Spielen 12:4 Punkte hat, während Hochelheim mit 10:4 — bei noch drei Spielen — und Dornholzhausen mit 12:6 — bei noch einem Spiel — folgen. Mit 8 bzw. 10 Verluitpunk- ten folgen Katzenfurt, Kirchgöns und Lützellinden. Es ist also kaum anzunehmdn, daß sie noch in die Entscheidung eingreifen werden. Sie können höchstens durch ihren Einsatz die glatte Abwicklung stören, das heißt für die eine oder andere Ueber- raschung sorgen. Wie dem auch immer sei, es wird an den nächstzm drei Sonntagen spannende Kämpfe geben, die sicherlich den Endspurt des vergangenen Jahres noch übertreffen werden.
Es sind diesmal angesetzt:
To. Garbenheim — Tv. Hochelheim Tv. Dornholzhausen — Tv. Lützellinden Tv. Kirchgöns — Tv. Katzenfurt.
Das Spiel des Tages kommt in Garbenheim zum Austrag, wo auch die Vorentscheidung fallen dürfte. Gelingt es den Platzbesitzern, den Gästen eine weitere Niederlage beizubringen, so benötigen sie zum Endsieg nur noch ein Unentschieden gegen Lützellinden. Verliert Garbenheim, so ist die Frage nach dem Endsieg wieder vollkommen offen, und man wird dann 'um Entscheidungsspiele sicherlich nicht herumkommen. Es ist schwer diesmal eine Voraussage zu treffen.
Ein weiteres Spiel, das ebenfalls mit großem Interesse erwartet wird, steigt in Dornholzhausen. Die Platzbesitzer haben im Vorkampf deutlich verloren. Sie sind in der Zwischenzeit ober recht gut nach vorne gekommen, so daß kaum ein Zweifel über den Ausgang d"s Rückspieles bestehen dürfte, obgleich absolut kein Grund besteht, das Können der Gäste zu unterschätzen.
Kirchgöns sollte es nicht schwer fallen, über Katzenfurt die Oberhand zu behalten, zckmal ihm noch dazu der eigene Platz zur Verfügung ftebt. Allerdings muß schon eine gute Mannschaft gestellt werden, weil die Gäste von jeher einen achtbaren Gegner abgegeben haben.
Jugendsplele:
Mtv. Gießen — Tv. Klein-Linden Spvgg. 1900 Gießen — Heuchelheim Tv. W-Steinberg — Sp. G. Gardenteich Tv. Wieseck — Tv. Hausen
Tv. Katzenfurt 2. — Wetzlar-Niodergirmes
Wenn der Mtv. Wert darauf fegt, an den Endkämpfen beteiligt zu sein, muß er sein Spiel gegen
Klein-Linden schon gewinnen. — Zu einer scharfen Auseinandersetzung sollte es zwischen Gießen und Heuchelheim kommen. Den Sieger werden wohl die Gastgeber stellen. — Watzenborn-Steinberg wind, nach dem Ergebnis des Vorspieles zu urteilen, sicherlich auch den Rückkampf gewinnen. — Diesmal wird es nicht leicht für Wieseck fein, sich zu behaupten, da Hausen Tabellenführer ist und bis jetzt ausgezeichnete Ergebnisse erzielt hat.
Meisterschsflskämpfe im R ngsn uri> Gewichtheben.
Wie schon berichtet, finden die Mannschaftskämpfe, im Ringen und Heben (Gruppe Süd im Bereich 12) am kommenden Sonntag in der Turnhalle am Aul- weg statt. Die Bewerber sind: „Reichsbahn" Hanau, „VfK. 09" Alsfeld und „VfB.-Reichsbahn" Gießen. Die beiden erstgenannten Mannschaften sind schon mehrfach ©aum'eifter gewesen, da aber auch
Aus dem Gießener Handelsregister.
Im Handelsregister A des Amtsgerichts Gießen wurde eingetragen: Bei der Firma A. Ringel & Sohn in Gießen ist die Prokura des Christoph Studt erloschen. — Bei der- Firma Wilhelm Am end in Gießen ist die Firma geändert in „Konditorei-Kaffee Willu Amend, Gießen". — Die Firma Th. Brück in Gießen ist erloschen.
Im Handelsregister B wurden folgende Veränderungen eingetragen: Bei der Firma Wilhelm G a i l- sche Tonwerke AG. in Gießen ist dem Jnge- nieur-Kergmiker Willmar Krause in Gießen Prokura erteilt worden. Er ist berechtigt, die Firma gemeinsam mit einem Vorstandsmitglied oder einem Prokuristen zu zeichnen und zu vertreten. — Bei der Firma Buderussche Eisenwerke AG., Wetzlar. Zweigniederlassung Lollar, wurde dem Ernst Meier in Wetzlar Gesamtvrokura der- aestalt erteilt, daß er berechtigt ist, mit einem Vor- standsm'talied ober einem stellvertretenden Vorstands- pütalied ober einem Prokuristen die Gesellschaft zu vertreten. -Dfe Gesamtvrokura von Josef Frey, Dipl -Jng. Dr. Wilhelm Witte und Theodor Zeckler ist erlofcben. Zu ordentlichen Vorstandsmitgliedern sind Hüttend'rektor Fritz Gorscblii - t e r und Direktor Peter H o e l l e r , beide in Wetzlar, zu stellvertretenden Vorstandsmitgliedern Bergwerksdirektor' Dr.-Jng. Wilhelm Mitte und kaufmännischer Direktor Theodor Zeckler, beide in Wetzlar, bestellt worden.
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Frankfurt a M, 16 J.an. In der Berichtszeit verkehrten die Aktienmärkte durchweg im Grunde freundlich bei oft nicht ganz einheitlicher Kursgestaltung. Der Geschäftsumfang war be-1 schränkt, Unternehmungslust zeigte sich wenig, so, daß je nach Vorliegen von An- oder Verkaufsaus-' trägen Kursbesserungen oder -abschwächungen ein-
nicht gerannt haben. Es ist daher bestimmt damit ; zu rechnen, daß zu den am 26 Januar in Görlitz beginnenden Titel'ämpfen rund 200 Teilnehmer untreren werden. Die einzelnen Gewichtsklassen sind wie folgt besetzt:
Fliegengewicht 19; Bantamgewicht 25; Feder« rrroirm 29; Leichtgewicht 27; Weltergewicht 24; Mittelgewicht 26: Halbschwergewicht 25; Schwer» gewicht 18. Bewerber.
An der Spitze der Bereiche steht der Gastgeber Schlesien mit 20 Teilnehmern. Es folgen bann: Berlin'Brandenburg und Nordmark mit je 14 Dorern, Westfalen und Ostmark mit je 13, Bayern, Württemberg, Mitte und Niedersachsen mit je 10, Danzig'Westpreußen mit 9. Sachsen. Mittelrhein, Niederrhein und Süd west mH j 8. Ostpreußen mit 7, Hessen und' Elsaß mit je 6 und Baden mit 5.
I traten, die jedoch selten mehrere Prozente aus- ! machten. Scheideanstalt, bei denen die Dividend« ; abging, konnten sich kräftig erholen und erreichten wieder den Skinb von 300, auch VDM. konnten wieder aufholen, dagegen gaben die dem gleichen Konzern zuzurechnende Metallgesellschaft leicht nach. Farbenindustrie lagen um 210 bis 212 bis 213 bis 212. Elektrowerte ziemlich ruhig, nur Licht und Kraft konnten stärker anziehen (Taxe am 15.1 etwa 2sH). Von Maschinenwerten Rheinmetall stärker erhöht, Autoaktien eher schwankend. Von Mondanaktien hatten Stahlverein regere Umsätze
Am Rentenmarkt verzeichneten Altbesih ; stärkere Schwankungen zwischen 157,75 bis 159. Das Haup-'nteresse konzentrierte sich auf die erstmals zur Börse zugelassenen 4 v. H. Reichslckiatze 1 von 1940, Folge 6, in denen an den ersten beiden ; NKtierungstagen je mehrere Millionen RM gesucht , wurden, für die jedoch nur ganz geringe Mengen । bereitgestellt werden konnten, der Kurs 'wurde aus : 100 bei sehr scharfer Rat'onieruna belassen, wobei jedoch noch zu 101,25 Nachfrage besteht. In gleicher । Weise sind ^proz. Pfandbriefe gesucht, die meist ohne Berücksichtigung der Fällig- bzw. Kündbarkeiten 102,50 Geld notiert wurden, auch einzelne 4^proz. Kommunalobligationen erreichten den Stand von 102, die KÖ-Serie 4 der Frankfurter Hypothekenbank sogar 102,25.
Landkreis Gießen.
# Mainzlar, 16. Jan. Der älteste Einwohner unseres Ortes, der Landwirt Ludwig Vogel II., beging am heutigen Donnerstag, 16. Januar. in körperlicher und geistiger Frische seinen 8 5. Geburtstag. Dem Jubilar nachträglich 'unsere herzlichen Glückwünsche.
* Hungen, 16. Jan. Die Rhein-Mainische Land es bühne bringt am kommenden Freitag, 24. Januar, hier das Lustspiel „Hilde und 4 PS* von Sellnick zur Aufführung.
Umwege öes Herzens
Roman von h.G. Hänfen
Copyright by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker • Groben Sell
1. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Schön." Er stand wieder von seinem Sitz auf und ging nach oben. Vor der Tür zum Zimmer seiner Frau verhielt er einen Augenblick den Schritt. Es war alles still. Dann gab er sich selbst einen Ruck und öffnete.
Brigitte Koßmann, $ie sich von ihren Angehörigen und Freunden Gitta rufen ließ, saß ' lesend und rauchend an einem kleinen zierlichen Schreibtisch Sie wandte den Kopf sofort ihrem Gatten zu, als er das Zimmer, betrat.
„Guten Tag, Hannes. Haft du schon Schluß gemacht oder ist das nur ein kleiner Abstecher nach Hause vor einer Besprechung?"
„Nein, Gitta, ich habe heute nichts mehr zu tun. Eine Besprechung in der Gewerbebank habe ich abgesagt."
„Oh", sie zog erstaunt die Augenbrauen etwas in die Höhe.
„Wo sind die Jungen, Gitta?"
„Sie spielen mit dem Fräulein im Garten."
„Dann sind wir also vorläufig ungestört." Er zog die Uhr heraus. „Es ist jetzt kurz nach fünf. Vor halb sieben wird kaum jemand kommen. Die Zeit reicht aus."
lieber das zarte, etwas nervöse Gesicht der Frau lief ein Zucken der Vorsicht und Angst. „Warum müssen wir denn so lange ungestört sein, Hannes?" Die Stimme war fragend und unsicher.
„Weil ich mit dir sehr Wichtiges zu besprechen habe, wozu viel Zeit erforderlich ist."
„Dann nimm bitte Platz."
„Vorläufig nicht. Aber es märe mir lieb, wenn du dich Hierher setzen würdest." Er deutete auf einen Stuhl, her so stand, daß der darauf Sitzende mit dem Gesicht zum Fenster gerichtet war Sie gehorchte schweigend.
Koßmann vergrub beide Hände in den Hosentaschen und stellte sich vor seine Frau ,ihr dabei fest ins Gesicht sehend. Wenn er auch innerlich sehr erregt war, so war es ihm kaum anzumerken Die ganze Energie und Selbstsicherheit, die diesen Mann von jeher gekennzeichnet hatten, sprachen aus Haltung uib Miene.
„Ich muß dich dringend darum bitten, mir meine Fragen, die ich dir zu stellen habe, klipp und klar, ohne Umschweife und vor allen Dingen völlig wahrheitsgemäß zu beantworten." ,
Sie senkte die Lider und antwortete fast tonlos: „Ja." '
„Seit wann bist du die Geliebte von Ralf Küh- litz?"
Die Frau schnellte hoch und sah ihn entsetzt an. „Ich — die Geliebte — aber Hannes!"
„Setz dich wieder hin und antworte. Ableugnen hat keinen Zweck. Ich habe die Beweise in Händen gehabt. Außerdem beweist deine Haltung die Rich- i tigfeit meiner Ueberzeugung."
Sie zitterte am ganzen Körper, hatte den Kopf tief gesenkt und zerrte an einem Taschentuch. Dann auoll langsam ein leises Schluchzen aus ihr hervor. ' Der Mann sah in unveränderter Haltung auf sie nieder. „Bitte, Antwort. Seit wann besuchst du diesen Mann?"
Sie blieb immer noch stumm und suchte verzweifelt nach einem Ausweg ohne zu überlegen, daß Schweigen schon ein Geständnis war.
„Seit wann, Gitta?" Er fragte grob und voll verhaltener Wut. Alle Empfindungen eines betrogenen Mannes sprachen aus Wcwl und Gebärde. Jeder Augenblick konnte eine Explosion von beängstigender Wildheit bringen.
„Noch einmal, Gitta, seit wann?"
Er beugte sich nieder, um die Antwort verstehen zu können: „Seit einem Jahr."
„So. — Und wer weiß davon?"
„Niemand."
„Nur ihr beide und jetzt ich?"
„Ja." x
„Bevor ich dir meine Entschlüsse mitteife, will ich restlos Klarheit haben. Also berichte. Wie ist das gekommen, wie fing es an, was kannst du zu 'deiner Entschuldigung anführen?"
Die Frau fuhr auf Sie hatte anastvolle Augen. Sie flog am ganzen Körper und war nicht mehr imstande, irgend etwas zu tun, was mit Ueber- fegung und Vernunft zusammenhing.
, Menn es dir lieber ist und zu 'deiner Beruhigung dfent, warte ich noch etwas, bis du in der Lage hist, zu antworten."
Sie sank wieder auf den Stuhl und weinte vor sich hin. Ihr Mann stand unbewegt vor ihr und h-uracht-ck" 'eine Frau m:f der Objektivität eines Wissenschafters, der ein Phänomen zu enträtseln bemüht ist.
Eine lange Zeit verging. Dann ebbte das Schluchzen und Weinen langsam ab.
„Also, wie ist das gekommen?" Welche Gründe haben dazu geführt?" Zum erstenmal sah sie wieder zu ihm auf. Sie stellte fest, daß sie ihren Mann nie so kalt und beherrscht, überlegen und kraftvoll, dabei für ihr Empfinden trotz aller äußerlichen Ruhe innerlich durchwühlt von Wut und Enttäuschung, Haß Und Rachedurst gesehen hatte, wie jetzt. Er war die. verkörperte Verschmelzung des roh- behauenen Mannes menschlicher Urzeit und des zivilisierten Verstandesmenschen unserer Tage. Sie fühlte, daß es keinen Ausweg gab. Ohne eine restlose Darlegung der Wahrheit würde sie nicht davonkommen. Es war grauenhaft, so inquiriert zu werden. Hätte er getobt und geschrien, sie beschimvft, alles wäre ihr natürlicher und selbstverständlicher vorgekommen als diese unbeuasame, eiserne Ruhe. Sobald di-'se Erk'nn^nis soweit vorwärtsgeschritt^n war, entschloß sie sich zum Reden. Je eher diese Stunde fünfer ihr lag, um so besser.
In ihre lleberfegurtgen hinein klang scharf wie der Schlag eines Messers eine neue Frage, die ietzt mit einer Anklage verbunden war. „Was hat dich zu diesem — diesem Menschen getrieben? Warum hast du dich und mich und die Kinder besudelt?"
In ihr standen in blitzschneller Gedankenfolge die Episoden ihres L"bens und ihrer Ehe auf. Dann quoll es wie ein Sturzbach auL ihrem Munde.
„Du, du ganz allein haft mich dazu qefriebm. Du und deine Ruhe und deine Sachlichkeit. Nur du. Aber du weißt ja nicht, wie entsetzlich du bist, wie du als Maschine neben einem hergehst, einen erdrückst mit deinem Verstand. Du hast mich getreten mich als Frau nicht geachtet. Ich war dir nur dfe Frau ans gufer Familie, die du noch brav.diteft, um deinen Aufstieg zu vollenden. Du hast mich rofe eine gekaufte Frau behandelt. Liebe hast du nie für mich gehabt Nie." Sie Hatte laut begonnen und schreiend geendet.
Mit entsetzten Augen und einem Gesicht, das zum erstenmal wirkliche Bewegung zeigte, Hatte er den Ausbruch über sich ergehen 'lasten. Anfangs war er fassungslos gewesen, dann fing er an' zu b'- greifen, obwohl ihm nichts ferner lag als komplizierte Betrachtungen der weiblichen Psyche.
„Schön. Ich habe den Anfang deines Bekenntnisses gehört." Er nahm ihr gegenüber Platz. „Du wirst zcigeben, daß es zum mindesten falsch ist, den Spieß dherumzudrehen und mich, den betrogenen
I Ankläger, nun zum Angeklagten zu machen. Dieses ausgeleierte Lied von der unverstandenen Fran paßt
I vielleicht in Romane. In unserem Leben der Pflichterfüllung hat es nichts zu suchen. Ich wäre dir dankbar, wenn du statt allgemeiner und unsinniger ! Anklagen dich etwas konkreter fassen würdest." Er svrach wie ein auf Schwachen des Gegners warten- (her Verhandlungspartner, ruhig, beherrscht, Über- । Ionen. Nur im Unterton klang unbändige Erregung mit.
Sie fühlte sich in ihren Gefühlen hin und her gerissen.' Auf der einen Seite wirkte die leidenschaftliche Gattung des Mannes beruhigend, auf der anderen So'te empörte es sie, daß er selbst in dieser Situation sich zu beherrschen verstand.
Weibl'che lleberlegung gab schließlich den Ausschlag. Man mußte den vfellc-cht sich bietenden. Vorteil wohrnehmen und ruhig bleiben. Das gab bessere Aussichten als Hemmungslosigkeit.
„Ich begreife, Hannes, wie ich dich verletzt habe/ Sie sah ihn voll an und versuchte, auch das lebte : Zittern aus ihrer Stimme zu vertreiben. „Aber ich habe auch eine Entschuldigung für mich. Als du w'ch vor fieb-n Jahren zur Frau haben wolltest, stand mein Vater vor dem Ruin Durch hunb»rtfünfüg Jahre hatten seine Väter und er die Bank glücklich lnnweggebrack't. Dann kam der Krach von neunzehn- l'underteinunddreißig. Er ronr am Ende. Zwei Söhne ''oben M"ine Ell"rn 'M Kriege verloren, der britfe ist ein Knüvvel ohne Beine. Ich sah die Verzweiflung im Hause, den seelischen Zusammenbruch non Vn^r. Le den meiner Mutter Dann kamst du und tatest den letzten Schntt, nachdem du mich schon mnncfefenq bei jeder G"fegenheit umworben hattest. Du batest nrrh, deine Frau zu werden und sagtest mir dabei, daß du meinen Vater retten könntest. Niemals wirft hu mir zum Vorwurf machen können, daß. ich dir damals Liebe vorge- heuchelt bahn Ich war ja noch jung und unerfahren mit meinen dreiundznmnzig Jahren, aber ich hatte V"r"ntwartiingsbewußtfein genug gegenüber mir l"lbft und gegenüber h:r um dir zu sagen, daß ich l dich nckfte. hr<np Tüchtigkeit deinen Stolz dein I Selbstbewußtem dnh hu mir ^fällst und impo- j nierst, ober daß ich dich nicht so liebe, wie ich das ;mmer geträumt batfe. wenn ich an eine künftige I Ebe dachte; du ginast darüber selbstbewußt hinweg uhh nahmst mich einfach in deinen Arm Das war unsere Verlobung."
(Fortfetzuntz folgt.)


