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General-Anzeiger für Oberheffen

SchrifUeltung und GeschaftssteNe: Siehen, Schulftratze 7-9

Druck und Verlag: vrühlschellniverMätrdruckerer 8. Lange

Die LIGA. Planen Stützpunkt in Sfislbmen.

Petropawlowsk auf Kamtschatka als Zentrum der amerikanischen Waffeneinfuhr in Aussicht genommen. - Ktankenbedrohung Japans von Norden her.

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Huhn anpreisen, um dafür eines der malerischen, aber schwer zu faltenden arabischen Frauenge­wänder zu erstehen. Das Ende des Geschäftes, welches viele Stunden beanspruchen mag, erleben wir nicht. Etwas betäubt von dem Furioso der Farben und Töne fahren wir wieder in die fried­vollere Landschaft hinaus, diesmal aber wieder noch Norden, denn südlich von Al Ksar sperrt der französische Schlagbaum die Straße.

Unsere drei Tagesziele liegen hinter uns, aber noch steht die Sonne hoch am Himmel und lockt zu einer herbstlichen Siesta' unter Feigenbäumen. Unweit Laroche jedoch läßt uns ein Haufen von Steinen, zwischen denen Säulenstümpfe ihre ge­schundenen Formen hervortreiben, am Fuße eines Hügels verharren. Bei näherem Betrachten er­kennen wir, daß uns wohl der freundliche Hermes hierher geführt haben muß, um uns neben der Neu- aier des Reisenden auch die Ehrfurcht des Nach­fahren gegen die Taten der Vorzeit zu lehren. Wir stehen in den Trümmern von L i x u s, der blühen­den Kolonie Karthagos, dem glänzendsten Vorposten römischer Kaisermacht, der letzten westlichen Bastion des byzantischen Reiches im Kampf gegen den Islam. Nur noch graubraune Häuserstümpfe, Keller­löcher voll modrigen Wassers und hin und wieder die vollkommene Rundung eines Torbogens sind geblieben von dem Glanz früherer Jahrtausende.

Langsam steigen wir durch vertrocknetes Gras und wuchernde Disteln den Hang hinauf. Uns lockt nicht nur, die Höhe zu gewinnen, sondern wir sahen dort oben mehr und, wie uns schien, ge­waltigere Ruinen. Während wir noch steigen, trei­ben plötzlich vom Meer herüber schlanke, schleiernde Nebelschwaden und teilen wie Kulissen die Land­schaft in mehrere Räume. Unter uns verschwindet Lixus, und Augenblicke lang sind wir mit der Hügel-

Kleine Neffe in Marokko

Von unserem Dr. H. L.-Korrespondenten.

kuppe und ihren Steinresten allein in einer Welt, die oben der lachende Himmel und unten das wal­lende Grau begrenzen. Dann wieder zerreißt der Nebel bald links, bald rechts und schenkt uns selt­sam jähe Ausblicke über den krümmenden Fluß und das fruchtbare Land. Oben stehen wir dann in­mitten der Steine, welche die Spuren gelehrter Arbeit tragen. Im Mittelpunkt ragt eine Halle mit unzerstörtem Tonnengewölbe. Sie stammt, will uns dünken, aus späterer Zeit und ist wohl eine früh­christliche Basilika der byzantischen Römer; hoch auf dem Hügel ragte das Haus des christlichen Got­tes, während der Venustempel unten am Fluße zer­fiel. Aber anders als auf dem Boden Griechenlands oder Italiens stehen die Säulen und Trümmer hier in der Landschaft. Damals wie heute diente dieser Boden der Kolonisation, und vielleicht werden nach wieder anderthalbtausend Jahren Bauten und Bil­der unserer Zivilisation auch nur als braungraue Trümmer unter der Sonne Afrikas liegen. Neben uns huscht eine fußlange grüne Eidechse über die heißen Steine und schreckt uns aus unseren Träu­men, die mit dem letzten Streifen des Nebels über dem Land verwehen.

Einmal noch halten wir an auf der Heimfahrt und schreiten über die Felder hinweg zum Meer. Tief schon senkt sich die Sonne gen Westen, und dunkelblau breitet die Weite des Wassers sich un­seren Augen dar. Kaum ein Luftzug kräuselt die gewaltige Fläche, aber brausend bricht dennoch die Brandung an den Strand zu unseren Füßen. Gleich­mäßig wie der Atem der Ewigkeit rollt Woge auf Woge aus endloser Weite herein und endet schäu­mend ihre Kraft im Sand. Nicht anders bot sich das Bild den ersten Phöniziern, den Griechen und Kar­thagern, und vielleicht hat Claudius, dessen beson­dere Gunst der Siedlung Lirus galt und der bis hierher selbst gereist sein soll, gleich uns an einem Abend hier am Meer gesessen, vor dessen Gewalt die Kaiser nicht anders bestehen als ihre Sklaven unö' vor dessen Unvergänglichkeit die Jahrtausende dahinschwinden wie ein flüchtiger Hauch.

Von unserer Berliner Schriftleitung, übernommen, unsere Verteidigung gegen alle aus­zubauen, die unsere Art zu leben bedrohen", hatte der Präsident in einer Kundgebung an die Gouver­neure der Neu-England-Staaten gesagt.

Die Erkenntnis, däß Roosevelts Pläne höchstens eine knappe Mehrheit finden würden, veranlaßt die USA.-Regierung, den demokratischen Abgeord­neten, die schwankten oder sich gar für eine Ableh­nung entscheiden wollten, klar zu machen, daß man bei dieser Entscheidung nicht aus der Reihe tanzen dürfe, ohne eine Wiederwahl oder eine fette Pfründe aufs Spiel zu fetzen. Hüll gab in der Pressekonfe­renz zu, daß er persönlich den ganzen Vormittag damit verbracht habe,sich mit seinen Freunden im Abgeordntenhaus zu unterhalten". Man bezeich­net solche Einflußnahme auf Abgeordnete in USA. alsLobbying", eine Taktik, gegen die sich Hüll früher scharf gewandt hat, wenn Gegner seiner Handelsvertragspolitik davon Gebrauch machten. Auch Roosevelt und andere prominente Demokraten waren eifrig bemüht, eine genügende Zahl von Parteimitgliedern aufJa" festzulegen. In der Washington Post" versuchte der Jude Lippman den Abgeordneten einzureden, daß die Zulassung des Befahrens der Kampfzone durch USA.-Schiffe auf die Frage Krieg oder Frieden keinerlei Einfluß habe. Auch Hüll sagte in der Pressekonferenz, der beste Weg, den Krieg zu vermeiden, sei ein einheit­lich geschlossenes Volk. ,ZNS." bringt die Schilde- rung eines Abgeordneten über die Art und Weise, wie Roosevelt und Hüll sich an der Stimmenjagd beteiligten. Das Weiße Haus habe verschiedenen Abgeordneten Stellen als Richter, Postdirektoren usw. versprochen, wenn sie für die Vorlage stimmten.

Die Opposition hat vergeblich sich gegen Roose­velts Krieg gewendet und noch einmal alle sattsam bekannten Argumente zusammengefaßt. Namentlich waren es Abgeordnete aus dem Süden, die gegen die Regierung sprachen. Das Repräsentantenhaus. Mitglied Smith sprach von einer schlecht cmsge- rüsteten USA.-Wehrmacht. Der Abgeordnete^ Ri- ch a r d s meinte, die Vereinigten Staaten könnten heute keinen Krieg riskieren. South (Texas) erklärte, die Vereinigten Staaten könnten niemals soviel Kriegsgüter produzieren, wie die Sowjet­union bereits verloren habe. Sie habe auch schon

der bereits öffentlich die Forderung auf Einräu­mung von USA.-Stützpunkten in Ostsibirien erhoben habe.

Auch das Organ der Nanking-RegierungCentral Daily-News" beschäftigt sich in einem Bericht aus Washington mit den Aspirationen der USÄ. auf den Hafen Petropawlowsk auf der Halbinsel Kamtschatka, wie sich aus den Aeußerungen von Mitgliedern des USA.-Abgeordnetenhauses entneh­men lasse. Sollte Petropawlowsk das Zentrum der USA.-W affeneinfuhr werden, so würde dieses weniger zugunsten der Sowjets geschehen, als vielmehr zu dem Zweck, diesen Hafen zu einem USA.-Stützpunkt auszubauen. Es beständen keine Absichten, auch im Falle eines sowjetischen Zusam­menbruches diesen Stützpunkt wieder aufzugeben. Dieser Stützpunkt sei mehr als irgend ein anderer Ort geeignet, einen Flankenangriff auf Japan vom Norden her zu ermöglichen.

Die Ausläufer der Berge rücken immer weiter ; ab. In sanften Hügelwellen sinkt das Land dem ' Meer entgegen. Sand und Heide weichen frucht- i barerem Boden, und als wir auf einer Anhöhe vor : Laroche halten, finden wir uns inmitten einer ; Herde schwärzlich-rosa gefärbter Schweine, die mit , vergnügtem Grunzen dem Brat- oder Räucher- spieß entgegenleben. Diese liebenswürdigen, aber ungewohnten Vierbeiner sagen uns, daß wir in Larache wohl eine überwiegend europäische Stadt finden werden, da der Muslim das Schwein nicht um sich duldet. Also schrauben wir, uns der euro­päischen Schrecken Tetuans erinnernd, unsere Er­wartungen auf den Nullpunkt herab. Der Zauber der Vergangenheit wirkt jedoch auch hier weiter. Larache ist der Ort, an dem in grauer Vorzeit die Hesperiden ihren Garten bauten, dessen goldene Früchte ihren Ruhm bis nach Hellas verbreiteten und Herakles gen Westen riefen. Die spanischen Kolonisatoren unserer Tage müssen diesen Ruhm als Verpflichtung betrachtet haben, jedenfalls ist Larache die schönste Gartenstadt, die wir in der spanischen Marokkozone getroffen haben. Zwischen mehr als mannshohen Wällen wuchernder Äou- aainvilla, deren lilarote Pracht ganze Straßenzüge beherrscht, gelangen wir auf den rundeg Platz am Meer. Alles ist sauber, großzügig und hell. Es muß wohl der klare Atem des Atlantik sein, der diese Stadt soviel aufgeschlossener und ansprechender ge­mocht hat als die Hauptstadt Tetuan. Um so mehr bedauern wir zu hören, daß Laroche seine eigentliche Aufgabe, Hofen zu fein, immer mehr verliert. Die günstiger gelegenen Häfen von Tanger im Rorden und Port Lyautey im Süden saugen den Seever­kehr Marokkos mehr und mehr an sich. Wir wün­schen dieser freundlichen kleinen Stadt eine freund­liche Zukunft. Vielleicht könnte man an die Zeiten der Hesperiden anknüpfen uckd die Zucht der immer noch köstlichen Drangen von Larache in ein ertrag­reiches Gewerbe verwandeln.

Unter diesen sorgenden Gedanken fahren wir weiter nach Süden und ein wenig nach Osten ins Land hinein, das sich zu einer fruchtbaren Ebene weitet. Im Herzen dieses scheinbar endlos sich deh­nenden Gartens liegt Al Ksar el Ke^bir. Ein wenig kleiner nur als Laroche hot diese Stadt mit ihren vierzehntausend Bewohnern doch v 'er em gänzlich anderes Gepräge. Die spanische Siedlung umfaßt knapp ein Fünftel des Ortes, dessen eigent­liches Wesen von dem Irrgarten der Araberstadt bestimmt wird. Wir geraten schon nach kurzer Zeit mitten in das Gewirr der Gassen, die bis über den Rand der platten Dächer mit Farben und Gerüchen mit dem Geschrei der Menschen und dem Gebrult der Esel und mit dem unbeschreiblichen Spiel ara­bischer Gesten und Gesichter angefüllt sind. Alkazar- guiüir, wie die Spanier die Stadt nennen, ist der wichtigste Markt für die Eingeborenen in diesem Teil Marokkos. Zu Fuß und zu Pferde, manchmal auch hoch auf schwankendem Kamele kommen die Moros mit Weib und Kind aus den Rifbergen heruntergestiegen, um ihre ländlichen Waren gegen die Hervorbringungen städtischen Handwerks zu ver­handeln. Dort am Stand eines Tuchhändlers sehen wir eine Bäuerin mit beschwörendem Rollen ihrer vom Schleier freigelassenen Augen ein zappelndes

Alis den Spuren Wilson».

Am 11. November, dem Jahrestage des Waffen« ftillftandes von 1918, hat Präsident Roosevelt auf dem Nationalfriedhof von Arlington vor Sol­daten der USA. und Veteranen des Weltkrieges eine Rede gehalten, in der er jener Männer gedachte, die damals ihr Leben dafür hingegeben hätten, um dem Volk der Vereinigten Staaten die Leiden eines verlorenen Krieges- zu ersparen. Es gäbe Leute, so sagte der Präsident, die den Wert des Opfers onzweifelten, das jene amerikanischen Männer im Weltkrieg gebracht hätten, und bie fragten, was Amerika denn dabei gewonnen hätte. Roosevelt hielt diesen Skeptikern entgegen, daß die amerika­nischen Soldaten damals gestorben seien, um das gleiche zu verhindern, was sich heute, ein Viertel- jahrhundert später, von einem Ende Europas bis zum anderen ereignet habe.Wir wissen", so er­klärte Roosevelt,daß es die buchstäbliche Wahrheit war, daß wir im Jahre 1917 zu den Waffen griffen, um die Welt der Demokratie zu sichern", und er knüpfte an diese kühne Behauptung die Aufforde­rung an das Volk der Vereinigten Staaten, der Verpflichtung eingedenk zu fein, die es den Toten des Weltkrieges schulde, die für die Freiheit ge­fallen seien. Freiheit und Demokratie werde nur den Völkern zuteil, die dafür kämpften, um sie zu gewinnen und zu erhalten. Das amerikanische Volk glaube, daß es der Mühe wert sei, für die Freiheit zu kämpfen.

Roosevelt hat den Geist Wilsons mit Vorbe­dacht in einem Augenblick heraufbeschworen, in dem die Opposition gegen seine Kriegspolitik besonders unbequem zu werden drohte. Die praktische Aus­höhlung und Durchlöcherung des einst von ihm selbst veranlaßten Neutralitätsgesetzes soll nun auch gesetz­lich unterbaut werden. Durch die Bewaffnung ame­rikanischer Schiffe und die Erlaubnis zum Befah­ren der Kriegszonen wird aus dem ursprünglichen Neutralitätsgesetz, das bezwecken sollte, die Ver­einigten Staaten aus dem Kriege herauszuhalten, geradezu ein Gesetz zur Herbeiführung des Krieges. Schon im Senat hatte Roosevelts Revisionsvorlage nur eine sehr knappe Mehrheit von 50 aegen 37 Stimmen bei 7 Stimmenthaltungen gefunden, und im Repräsentantenhaus, wo die Vorlage mit 212 gegen 194 Stimmen gebilligt wurde, ist die Mehr­heit kaum größer gewesen, obwohl Roosevelt und seine Freunde inzwischen alle Minen der Propa­ganda hatten springen lassen, um die Stellung der Opposition zu erschüttern. Zu dieser Propaganda gehörte auch Roosevelts Rede am Waffenstillstands- tage, aus der man sieht, wie schwer es dem Präsi­denten wird, die Argumente seiner Gegner zu ent­kräften. Denn auf ihre Frage, was denn Amerika bei seiner Teilnahme am Weltkrige gewonnen habe, kann Roosevelt nur mit allgemeinen Phrasen ant­worten, die noch dazu den Stempel der Unwahr­haftigkeit an der Stirn tragen. Auch Wilson ist einst in den Krieg gezogen, um die Welt für die Demokratie zu sichern, die Wilson durch den deut­schenMilitarismus" bedroht sah. Es mag wohl : fein, daß viele amerikanische Soldaten, die in den 1 Jahren 1917 und 1918' auf den Schlachtfeldern . Frankreichs geblieben find, in dem festen Glauben ' gekämpft haben, für die hohen Ideale sich zu opfern, ' die ihr Präsident ihnen verkündet hatte. Aber die ganze Verlogenheit dieser Ideologie Wilsons ist seitdem längst vor aller Welt bloßgestellt worden.

Wie Roosevelts Mehrheit zustandekam.

Nur schärfster Druck sicherte die knappe Mehrheit für Revision des Neutralitätsgesehes

Das Repräsentantenhaus in Washington hat, wie schon kurz gemeldet, mit 212 gegen 194 Stimmen, also nur mit 18 Stimmen Mehrheit, die Revision oder richtiger gesagt die Aufhebung des Neutrali­tätsgesetzes beschlossen. Also dürfen künftighin USA.- Schiffe die von Deutschland blockierten Gewässer um England befahren und ihre Rüstungs- und son­stigen Lieferungen in den englischen Häfen löschen wenn sie diese Häfen erreichen. In dieser Ange­legenheit haben wir allerdings auch ein recht kräftiges Wörtchen mitzusprechen. Die Entscheiduna im Re­präsentantenhaus ist für das widerstrebende ameri­kanische Volk vielleicht die folgenschwerste in seiner bisherigen Geschichte. Roosevelt hat kein Mittel un­benutzt gelassen, eine Mehrheit bei der Abstim- mung zu erreichen. Aber er kann nicht behaupten, das nordamerikanische Volk geschlossen hinter sich zu haben. Denn seine Mehrheit beträgt nicht ein­mal die Hälfte aller Mitglieder des Repräsentanz tenhauses. Und dabei ist sie zustandegekommen nur durch schärfsten Druck auf den überlegenden und verantwortungsbewußten Teil der Abgeordneten den Roosevelt und Hüll sogar persönlich anwandten und durch übelste Au'fputschung politischer Lei­denschaften.

Bis zur letzten Stunde war der Ausgang der Ab- ftimmung ungewiß. Da machte Roosevelt einen groh- angelegten letzten Versuch, die Abgeordneten zu be­einflussen. Er richtete an den Sprecher des Repräsen- tantenhauses ein Schreiben, das von diesem dem Haus bekanntgegeben wurde. Darin erklärte Roose­velt, die Nichtannahme der Abänderung des Neu­tralitätsgesetzes würde Deutschland und andereAn- greifernätionen" in ihrenaggressiven Maßnahmen und Absichten" ermuntern, während gleichzeitig die Wirkung auf das britische Empire, China und die Sowjets entmutigend sein müßte. Würden die hem- menten Klauseln des Neutralitätsgesetzes nicht wi- berrufen, so löse das bei den Achsennationen Freude aus. Außenminister Hüll bezeichnete die Aende- rung des Neutralitätsgesetzes als notwendig für die Sicherheit der USA. Amerika müsse die Freiheit ha- den, die USA.-Schiffe zu bewaffnen und diese zu Nationen zu schicken, die derBewegung der Welt- eroberung" Widerstand leisteten.Als eine Nation von freien Menschen haben wir die große Aufgabe

mehr Soldaten eingebüßt, als die gesamte USA.- Wehrmacht Mannschaften zähle. (Eine Niederwer­fung Hitlers würde 12 bis 15 Millionen Mann USA.-Truppen erfordern. Darauf warte England nur. Es gebe mehr Geld für feine Kriegspropa­ganda in den Vereinigten Staaten aus, als für die Sowjethilfe. South bezeichnete England als Drücke­berger und sagte, es wolle die Sowjetunion im Osten, die Vereinigten Staaten im Westen kämpfen sehen, selber jedoch den Unparteiischen spielen.

Senator Clark (Missouri) macht Roosevelt den Vorwurf, daß er die geringe Mehrheit für die Auf­hebung des Neutralitätsgesetzes nur durch stär­keren persönlichen Druck erreicht habe, die Opposition habe um Mitternacht vor der Abstim­mung noch eine Uedermacht von 20 Stimmen be­sessen. Das Büro des Weißen Hauses habe den noch schwankenden Abgeordneten persönliche Bot­schaften Roosevelts geschickt, von denen eine z. B. bei einem Kongreßmitglied um 1 Uhr in der Frühe abgeliefert worden sei. Die Abstimmung habe aber gezeigt, daß sich 194 Kongreßmitglieder ro e b e,r durch Drohungen noch burch Belohnun­gen haben umstimmen lassen.

Die Stimmung war berart schwankend, baß Roose­velt zu ben stärksten Mitteln griff, um die freie Willensbildung des amerikanischen Repräsentanten­hauses zu sabotieren. So ist die für das USA.-Volk so wichtige Abstimmung also unter Begleiterschei­nungen vor sich gegangen, die typisch sind für die unter dem Roosevelt-Regime eingerissene Unmoral des politischen Apparates der USA. Ganz und gar nicht gibt sie ein Abbild der wirklichen Stimmung des USA.-Volkes, mag sich die agitatorische Verne­belung auch noch so ausgedehnt haben. Wenn schon die absolute Mehrheit in diesem Repräsentanten­haus für die Aufhebung der Neutralität nur 2,2 d. H beträgt, bann kann man sich ausmalen, wie bie Stimmung der Wähler ist. Das amerikanische Volk ist, darüber kann kein Zweifel bestehen, in sei. ner überwiegenden Mehrheit gegen die Krieaspoli- tik und gegen ben persönlichen Kurs Roosevelts. Wenn feine Repräsentanten jetzt anders gehandelt haben als sie denken, dann ist bas ein Unalütf für das amerikanische Volk.

Tanger, November 1941.

Die Sonne schaute eben mit der Nasenspitze über die Berge im Osten der Bucht und die letzten Schleier der Nacht hingen noch über dem Meer, als mir Tanger gen Süden verließen. Landein­wärts erhoben sich in drohender Klarheit die Berge des Rif, aber nicht nach ihren Schroffen stand uns heute der Sinn. Wir suchten die wellige Weite des Küstenlandes im Westen, an dessen verströmenden Strand die Brandung des Atlantik donnert. Drei Ziele hatten wir uns für diesen köstlichen Oktober­tag gewählt, ein viertes wurde uns von Hermes, dem Gott der Kaufleute, Reifenden und Diebe in den Schoß geworfen.

Während der Wagen auf der windungsreichen Straße fröhlich fein Lied brummt, während unsere Äugest über Heidekraut und buschiges Knieholz hin­weg zur Linken die Berge sehen und zur Rechten noch vergeblich den bläulichen Schein des Meeres suchen, fliegen die Gedanken voraus und mühen sich um eine Vorstellung unseres ersten Zieles. Arsila, so hatte uns das Handbuch gesagt, sei ein Fischerhafett von fünfeinhalbtausend Seelen; zudem wußten wir, daß es auf der Stätte der phönizischen Kolonialstadt Silis stand und daß es später das Schicksal aller Küstenstädte Marokkos geteilt hatte, nämlich Zankapfel zwischen Mauren, Portugiesen und Spaniern zu sein. Diese spärliche Kenntnis füllt uns wohl mit Ehrfurcht vor dem Gewicht geschichtlicher Tradition, vermag aber keine bildhafte Vorstellung hervorzubringen. Doch bedarf es dessen nicht mehr, denn wir rollen bereits durch die Straßen der Europäersiedlung um Arsila und halten bann vor einem mächtigen Tor, welches bie einzige Deffnung in einer klobigen Stadtmauer zu sein scheint. Zu Fuß durchschreiten wir die Wöl­bung, über deren Rund als Zeugnis früheren Glan­zes das Wappen der Könige von Portugal einge- meißelt ist. Uns gegenüber finden mir sogleich mie­tet eine Mauer, doch können wir, nach rechts ab- biegend, in die Stadt eindringen, während die bösen Geister, die hier wie überall in arabischen Ländern nur geradeaus zu gehen vermögen, sich an den Steinen den Kopf zerschellen oder wieder ins Freie entweichen müssen. Arsila bezaubert uns, und doch ist nichts Augenfälliges in dem Städtchen, die Straßen sind eng, verschlungen und vielfach schmutzig wie in anderen Morostädten auch, kein hervor­ragendes Bauwerk lockt den Fremden, und überall anders hatten wir buntere Gewänder und fünft» vollereres Silber gesehen. Aber ein zarter Hauch der Abseitigkeit, der über diesem mauerumringten Fischernest liegt, weht uns mit dem Duft vergange­ner Jahrtausende entgegen und läßt uns nicht los, als wir schon lange wieder weiter gen Süden rollen.

Schanghai, 14. Nov. (DNB.) Unter der lieber» schriftAmerika baut Stützpunkte in Ostsibirien aus", berichtet die chinesische ZeitungTschung Hwa Jihpao" aus Washington, die Bekanntgabe der Ver­legung des Versorgungsweges für die Sowjetunion von Wladiwostok nach Archangelsk be­zweckte die Ablenkung der Aufmerksamkeit Japans von der Tatsache, daß die Vereinigten Staaten Kräfte auf der Halbinsel Kamtschatka zusammenziehen. Petropawlowsk ist als Lieferhafen vorgesehen, obgleich dorthin die Transportmöglichkeiten nicht gerade günstig sind. Der Ausbau ist nicht für Sowjetzwecke gedacht, fon- dern fürdieAnlegung eines USA.- Stütz­punktes, der selbst bei einem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht aufgegben werden soll. Die geographische Lage Petropawlowsks in der Nähe der Inselkette der Aleuten ermöglicht den USA. die Einkreisung Japans von Norden her. Die Zeitung weist auf den USA.-Senator Wallgreen hin.

19b Jahrgang ttr. 272 (fcricüeini tagucb außer Sonntag- und feiertags

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»s a Ä Q Samstag. 15. - Sonntag. 16 November 1941

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