alterte Mutterland. Mag es zugrunde gehen, Amerika wird die wertvollen Teile schon sammeln und die englische Flotte dazu, soweit die Achsenmächte etwas davon übrig lassen. Neutralität? Da, solange sie nutzt. Offener Kampf? Nein, solange es nicht brennt. Dazwischen steht die „unneutrale Neutralität", der Zwitter von neutralem Schein und unneutralem Sein. Die Ozeane, die Amerika von Europa und Japan trennen, leisten dem Vorschub.
Und das führt zu der anderen Frage: Wie wird sich das Hilfegesetz auf dem Meere auswirken? Die große Wasserwüste ist, wie wir wissen, bis auf die schmalen Küstenstreifen ein herrenloses Gebiet. Der Schöpfer bot es allen Völkern zur Nutzung, nicht nur den starken. Wer stark ist zur See, soll dir Schwachen schützen. England war stark, machte aber einen unmoralischen Gebrauch davon. Die USA. wollen noch stärker werden. Werden sie moralischer handeln? Wie sie so leichtfertig ihre vertraglichen Bindungen brechen, darf man das kaum erwarten. Diese und andere Abkommen geben den internationalen Rechtszustand auf dem Meer ab. Sie setzen gegenseitiges Vertrauen voraus und Achtung vor der eigenen Ehre. So war man im Haag unter Festlegung der bis dahin schon allgemein anerkannten Grundsätze des Völkerrechts übereingekommen, im Seekriege bestimmte Regeln zu beachten zu dem Zweck, neutrale Staaten aus einem Kriege herauszuhalten. Die Vereinigten Staaten von Amerika banden sich hieran durch ihre Unterschrift vom 1. Februar 1910.
Doch was hören wir jetzt? Nicht genug mit der „Pachtung" britischer Stützpunkte von Neufundland bis Trinidad gegen 50 alte Zerstörer, sollen jetzt auch amerikanische, also „neutrale" Häfen mit ihren Werften den britischen Kriegs- und bewaffneten Handelsschiffen zur Instandsetzung geöffnet werden. Sie dürfen dort nicht nur ihre Seefähigkeit wiederherstellen, was immer erlaubt war, sondern auch ihre militärische Kraft, ihre Gefechtsfähigkeit, was durch §17 des Haager Abkommens verboten ist. Wer hindert sie dann, ihren Gefechtswert sogar noch zu erhöhen, zum Bei- fxiel durch Einbau von Geschützen, oder ihre militärischen Vorräte und ihre Armierung zu erneuern, etwa durch Auswechslung von Geschützrohren, durch Auffüllung der Munition, trotzdem § 18 beides nochmals ausdrücklich verhindern soll? Und wenn sie dann, gut überholt, frisch gemalt, mit vollen Bunkern, Munitions- und Vorratskammern auslaufen, verstoßen sie nicht ganz offen gegen § 5, der es den Kriegführenden untersagt, „neutrale Häfen oder Gewässer zu einem Stützpunkt für Seekriegsunternehmungen gegen ihre Gegner zu machen?" Und wie ist es mit dem Nachrichren- dienst? Der ist noch freizügiger als die Seefahrt. Wir hörten ja, wie im Dezember 1939 der große Lloyddampfer „Columbus" verloren ging, nachdem er Vera Cruz verlassen hatte, um nach Deutschland durchzubrechen: ein U8A.-Kreuzer meldete seinen Standort in offener Sprache laufend nach Washing- ton — ein britischer Zerstörer wurde dadurch auf ihn aufmerksam und kam heran, das schöne Schiff mußte sich selbst versenken, um nicht in Feindeshand zu fallen. Also schon damals unneutral, und der amerikanische Kommandant belohnt und heute gefeiert, statt zur Rechenschaft gezogen und bestraft!
Welche Rechtsverw'irrung auf dem Meere! Es verlockt durch seine Natur, seit Menschen zur See fahren, zum Unrecht, zum Seeraub, zur unneutralen Haltung. Nur eine starke Moral kann dem widerstehen. England aber ist dieser Lockung oft genug gefolgt, die USA. suchen jetzt ihren großen Lehrmeister zu übertreffen. Amerika „hilft", indem es die besten moralischen Grundsätze eines Washington und anderer großer amerikanischer Führer über Bord wirft, ins Meer, das tief genug ist, um solches Unrecht zu verdecken. Will es auch die Monroe- Doktrin, die doch nur für das amerikanische Festland gedacht ist, noch auf das Meer ausdehnen? Strebt es etwa der atlantischen „Gegenküste" zu? Wir erweiterten unser Warngebiet um die britischen Inseln auf das „Enalandhilfegesetz" hin bis vor die Küsten Grönlands. Wir sind entschlossen, nicht etwa Amerika mit Krieg zu überziehen wohl aber uns durch dies Gesetz und was sonst noch folgen mag, in unserem Siegeslauf gegen England nicht aufhalten zu lassen.
Werststreik in San Franzisko.
Rom, 13. Mai. (Europapreß.) Ein Maschinisten- streik auf den Werften von San Franzisko hat zur völligen Lahmlegung der Arbeit auf elf Werften des Hafengebiets geführt. Die Möglichkeit eines Streiks von 15 000 Holzarbeitern so
wie einer weiteren Ausdehnung des Streits in der Kraftfahrzeugindustrie, der 160 000 Mann erfassen würde, bereitet weiter ernste Sorge.
Ltnierhaussitzung in neuen Räumen.
Stockholm, 13. Mai. (Europapreß.) Das Unterhaus tagte am Dienstagnachmittag in einem für diesen Zweck besonders eingerichteten Gebäude, da das alte Parlament nun durch Bombentreffer zerstört ist. Einige Gegenstände waren aus den Trümmern des alten Unterhauses in das neue Gebäude hinübergeschafft worden, z. B. das Zepter, das die Würde des Hauses repräsentieren soll und das während der Sitzungen auf dem Mitteltisch zu liegen pflegte. Churchill wurde von dem Abgeordneten Maxton gefragt, ab das Unterhaus nicht wieder in das alte Gebäude zurückkehren könne. Dieser aber bemerkte hierauf, die Baulichkeiten des Unterhauses seien so zerstört, daß sie nicht wieder herge- [teilt werden können, wenigstens nicht in abseh-
Oer Kreiheitskampf -er Araber.
Beirut, 14. Mai. (Europapreß.) Der Araberführer F a w z i K a u k j i, der den Aräberaufstand in Palästina im Jahre 1936 geleitet hatte, ist vom irakischen Oberkommando da^u ausersehen, das Freiwilligenkorps zu kommandieren, das sich aus Arabern der dem Irak benachbarten Länder gebildet hat und an der transjordanischen Grenze eingesetzt werden soll. In Syrien werben die Araber und auch christliche Kreise für die Sache des Irak. So hat sich in Beirut ein Hilfskomitee gebildet, dem sowohl christliche wie mohammedanische Notabeln angehären. Das Komitee erließ auch an die libanesische Bevölkerung einen Aufruf, um Geld zur Unterstützung der irakischen Verwundeten zu sammeln.
Die englischen Behörden in Palästina gehen rücksichtslos gegen jede Bekundung der Sympathie der einheimischen arabischen Bevölkerung für die irakische Sache vor. Alle, die zum Zeichen ihrer Sympathie für die Sache des Iraks Die „Sidara" — die irakische nationale Kopfbedeckung — tragen, werden von den Engländern in Konzentrationslager gesperrt. Alle, die der Propaganda verdächtig sind oder als Defaitisten gelten, werden scharf überwacht. Haussuchungen werden vorgenommen; Verdächtige werden vor Sondergerichte gestellt und mit einer bisher nicht gekannten Schnelligkeit und Strenge abgeurteilt. Polizeiagenten treten als öffentliche Ankläger auf, ihre Anschuldigung genügt dem Gericht zur Urteilsfällung.
BritischesSchreckensregiment inDaüra
Beirut, 13. Mai. (Europapreß.) Junge Iraker, denen es gelungen ist, aus der von britischen Truppen besetzten Zone von Basra zu entfliehen.
Finanzen und Währung gesünder denn je.
barer Zeit. Es sei bereits für alle Fälle ein drittes Gebäude als Sitzungshaus bereitgestellt worden.
Ein Sonderberichterstatter des „Exchange Telegraph", der sich in unmittelbarer Nähe der Westminster-Abtei befand, als der schwere Bombenhagel auf den Parlamentsplatz niederging, berichtet: Ein wahrer Bombenregen ging auf Parl-iament Square nieder. Mehr als hundert Mitglieder des Luftschutzes wurden schon durch die ersten Explosivbomben getötet. Inzwischen kam es zu einem beträchtlichen Feuer im Parlamentsge- b ä u b* e. Ein Feuerwehrzeug hatte inzwischen im mittleren Hof des Parlamentsgebäudes Motorspritzen in Betrieb gesetzt, als plötzlich eine Bombe zur Explosion kam. Der Motorwagen wurde völlig auseinandergerissen. Knapp eine halbe Stunde später brach auf der Spitze des D i c - toria-Turms ein Brand aus. Währenddessen gingen immer wieder Bomben nieder. Zwei von chnen schlugen gegenüber der Straße, in der die Westminster-Abtei liegt, ein.
berichten von einem wahren Schreckensregiment, das die Briten dort aufrichten. Die gesamte wehr- fähige Jugend sei verhaftet und in engen Lagern zusammengetrieben. Wegen angeblicher Sabotageakte seien auch schon Erschießungen erfolgt Alle Lebensmittelvorräte der Bevölkerung seien für die britischen Truppen requiriert, so daß das Volk hungere. Die Erbitterung sei unbeschreiblich. Die Juden Basras seien zu Kontrolleuren über die Araber eingesetzt worden, wobei sie mit Terror ihr Amt ausübten.
Syrien als Lockvogel.
Das irakische Weißbuch.
Istanbul, 13. Mai. (Europapreß.) Die irakische Regierung hat soeben ein Weißbuch mit Dokumenten veröffentlicht, die Darlegen, in welcher Weise England die Vereinbarung des englisch-irakischen Vertrages zu umgehen suchte. Das Weißbuch soll auch Dokumente darüber enthalten, daß Präsident Roosevelt in den letzten Apriltagen durch seinen Botschafter in Bagdad, Knabenschuh, eine Vermittlung in dem Konflikt gesucht habe. Er habe dem Irak im Auftrag Großbritanniens die Angliederung Syriens für die Zeit nach dem Kriege versprochen, falls er die englischen Forderungen annehme, womit wieder einmal bewiesen märe, in welch großzügiger Weise England über Gebiete verfügt, die ihm nicht gehören, aber Rücksicht auf den ehemaligen französischen Verbündeten, unter dessen Mandat Syrien steht, hat man sich in London ja schon längst abgewöhnt. *
Berlin, 13. Mai. (DNB.) Staatssekretär Reinhardt gab der Presse das Steueraufkommen für das Rechnungsjahr 1940 bekannt. Es war auf 25 Milliarden Reichsmark geschätzt worden, hat jedoch 27,2 Milliarden erreicht. Es wird 1941 wahrscheinlich rund 30 Milliarden erreichen. Hinzu kommen rund 5 Milliarden Reichsmark Verwaltungseinnahmen, Zinsen, Mieten, Darlehensrückzahlungen usw., etwa 1,4 Milliarden Reichsmark Kriegsbeitrag der Gemeinden, der Matrikularbeitrag des Protektorats und die Besatzungskosten. Das ist eine sehr bedeutende Summe, die dem Reich an eigenen Einnahmen zur Deckung seines Finanzbedarfes zur Verfügung steht. Der Betrag, der darüber hinaus gebraucht wird, fließt dem Reich laufend an Kreditmitteln zu. Wie gesund die Finanzen des Reiches sind, wird eindeutig dadurch bewiesen, daß 1940 mit der Senkung der Zinsen hat begonnen werden können. Die gesamte Reich sschuld hat am 31. März 1941, einschließlich der Steuergutscheine, rund 90 Milliarden Reichsmark betragen. Dieser Schuldenstand gewährt, gemessen an der Größe und Leistungskraft der deutschen Volkswirtschaft und der darin beruhenden Steuerkraft, einen noch sehr großen Spielraum, der für Zwecke der Kriegsfinanzierung in Anspruch genommen werden kann.
In dem gleichen Zeitpunkt, in dem die Reicksschuld 90 Milliarden Reichsmark betragen hat, yat
die englische Staatsschuld rund 148 Milliarden Reichsmark betragen. Es ergibt sich, umgerechnet auf den Kopf Der Bevölkerung, bei rund 90 Millionen Einwohnern in Deutschland, ein Betrag von 1000 Reichsmark, bei rund 47 Millionen Engländern ein Betrag von rund 3150 Reichsmark. Aus diesem Vergleich ergibt sich, wie außerordentlich günstig die Finanzlage des Deutschen Reiches gegenüber derjenigen Englands ist.
Wir haben unlängst die Einkommensteuer und den Krieaszuschlag zur Einkommensteuer tabellenmäßig zusammengefaht. Ich bitte daraus nicht etwa 3U schließen, daß beabsichtigt wäre, den Kriegszuschlag zu verewigen. Die Einkommensteuer wird nach Beendigung des Krieges voll ständig neu- gestaltet werden. Es ist selbstverständlich, daß dann die einkommensteuerliche Belastung der natürlichen Personen nicht mehr so hoch sein wird, wie wahrend des Krieges. Es wird entweder eine Senkung von Steuern oder eine echte Schuldentilgung vorgenommen werden. Dabei wird jeweils von der Lage des Geld- und Kreditmarktes und der Pro- Dukttonswirtschast und von der Größe des Finanzbedarfes des Reiches auszugehen fein. Die Finanzen des Reiches und die deutsche Währung sind gesünder als je. Die Inanspruchnahme der Notenpresse für die Finanzierung des Krieges kommt im nationalsozialistischen Staat nicht in Be-
Zwei Schlachtfelder im Großkampf.
Während noch amerikanische Blätter dem eng» lischen Ministervräsidenten Churchill in mehr oder weniger umschriebener Form vorrechnen, daß seine Zahlenangaben über Schiffsversenkungen zum miNB desten sehr zweifelhaft sind, ist die Welt schon wieder erfüllt von den neuen deutschen Erfolgen auf zwei großen Schlachtfeldern. London erlebte einen so schweren Luftangriff, daß die 120 000 Mann an Löschtrupps und Hilfsmannschaften zur Beseitigung der Folgen nicht ausreichten und Tausende von auswärtigen Hilfskräften herangezogen werden mußten. Unmittelbar darauf eilte die Nachricht durch die Welt, daß nicht weniger als 45 englische Flugplätze sowie zahlreiche Rüstungsbetriebe der englischen Luftwaffe aufs schwerste getroffen wurden. Damit haben sowohl die Produktionszentrglen der eng- licken Luftwaffe wie auch ihre Startplätze einen besonders schweren Schlag hinnehmen müssen, der nicht ausgeglichen werden kann.
Gleichzeitig wurden in der Schlacht im Atlantik aus einem einzigen Geleitzug über 76 000 Tonnen Schiffsraum versenkt. Ungeheure Mengen an Lebensmitteln und notwendigsten Materialien sind damit für die britischen Inseln wieder verloren-- äe gangen. Wir erinnern daran, daß eben erst der Londoner „News Chronicle" gegenüber den Chur- chillschen Versenkungsziffern klipp und klar feststellte, daß selbst die größte Seemacht Der Welt eine Versenkung von monatlich 500 000 Tonnen Schiffsraum nicht lange aushalten könne — was würde das Blatt erst geschrieben haben, wenn ihm klar märe, daß i m April nicht eine halbe, sondern mehr als eine ganze Million Tonnen Schiffsraum versenkt wurden.
tracht. Es sprechen alle Anzeichen dafür, daß das Fundament, auf dem die Finanzkraft des Reiches beruht, auch während des Krieges fortgesetzt st ä r k e r wird.
Abfuhr für die britische Agitation in Spanien.
Madrid, 13. Mai. Die spanische Presse trift einheitlich für die Entschlossenheit des Caudillo zur Einhaltung der aus dem Bürgerkrieg resultierenden Linie ein. „Jnformaciones" greift in scharfer Form die ausländischen Agitationsbemühungen an, „alle politischen Funktionäre von oben bis unten, so erklärt das Blatt, gehorchen dem Befehl der Geschichte, Der mit Dem Blute einer Million Spanier gezeichnet ist. Die niederträchtigen Manipulationen Der Agitatoren, welche einem ausländischen Service angehören, sind nicht nur wenig intelligent, sondern verbrecherisch und obendrein ausgesprochen dumm. Die Arbeit dieser Leute ist vergeblich. Der Wille des spanischen Volkes ist so klar und so treu ergeben jenen, weche auf Seiten Francos, des Nationalchefs Der Falange, kämpften und chm nach wie vor gehorchen unD folgen werden.
Admiral Oarlan wieder in Dichy.
vlchy, 13.Mai. (Europapreß.) Admiral Daria n ist am Dienstagabend, über Paris kommend, wieder in Vichy eingelroffen. Unmittelbar nach seiner Ankunft stattete er dem Marschall pölain einen Bericht über den Verlauf seiner Unterredung mit Adolf Hitler und die sonstigen bei dieser Gelegenheit und in Paris geführten Verhandlungen ab.
Vor einem Jahr.
Am 14. Mai 1940 kapitulierte die Festung Holland. Beim Uebergang über Die Maas im Raum von Sedan wurde die Maginotlinie in ihrer Verlängerung nach Nordwesten durchbrochen. In Belgien -erreichten unsere dem weichenden Gegner scharf nachstoßenden Divisionen die Dylestel- lung. Zwischen Namur und Givet wurde Der Uebergang uberdieMaasin breiter Front erzwungen. Die Luftwaffe zermürbte Den Feind durch rollende Angriffe auf Truppenansammlungen und Marschkolonnen. Insgesamt wurden 200 feindliche Flugzeuge vernichtet. Vor Der belgisch-holländischen Küste versenkte sie zwei Kreuzer und einen Zerstörer.
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MeAameimPch.
Vornan von Elisabeth Holt.
17. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Leiermdnn machte ein wichtiges Gesicht und tat, als denke er tief über die Frage nach, in Wahrheit überlegte er nflr, wie er Po la Luckner beibringen sollte, daß man die amerikanische Tournee aller Wahrscheinlichkeit nach auf Ende November würde verschieben müssen. Denn im Oktober gastierte die Pattini drüben und nahm sowieso Polas italienisches Programm lückenlos vorweg.
„Die Metro kommt später!" Er kaute eifrig. ,Zetzt wollen wir mal über Zürich reden. Wie ift's, Pola? Vertragsmäßig haben Sie doch im Mai Urlaub. Möchten Sie Da nicht bei der großen Opernwoche in Zürich mittun? Ich könnte Ihnen drei Abende verschaffen."
Pola hielt Die Augen auf den Teller gesenkt. „Den Urlaub möchte ich mir nicht gern zerstören — ich brauche Ruhe. Die letzte Spielzeit war furchtbar anstrengend!"
„Wieso Denn? Zürich — ich bitte Sie, Zürich ist doch ohnehin Der reinste Erholungsaufenthalt. Und Dann — brauchen Sie Denn in Zürich sitzen zu bleiben? Gehen Sie irgendwo ms Berner Oberland — nach Interlaken, nach Wengen."
Leiermann hatte eigentlich auf Ablehnung gerechnet- Pola wurde gewöhnlich kratzbürstig, wenn man ihr aus dem Handgelenk eine Aenderung ihrer Urlaubspläne Vorschlag, aber jetzt spielte sie mit Dem Löffel und lächelte zerstreut und nachsichtig auf die Orangecreme hinunter, die Der Kellner auf ihren Teller legte. „Interlaken habe ich gern — dort habe ich einmal — oh, vor einer Ewigkeit — dreihundert Francs im Roulette gewonnen."
„Na, und?" Er wartete auf Die Pointe.
„Mit diesen dreihundert Francs habe ich in einem winzigen Dors in den Graubündener Alpen sechs Wochen lang gelebt. Das war der einzige Sommer- aufenthalt meines Lebens, für den ich nicht zu bezahlen brauchte — Der mir ganz allem gehört hat."
Seiermann war weder besonders dünnhäutig,
noch pflegte er auf unverstandene Schmerzen von Sängerinnen einzugehen, aber er war nicht dumm, und er wußte ungemein genau Bescheid über Die Künstler, Die er managte. Darum mar Pola überrascht, als Der Dicke Mann ihr gegenüber ruhig bemerkte: „Wenn man soviel geromnen will, roie Sie gewonnen haben, muß man eben hoch setzen — pleine, nicht wahr?"
„Gewiß", erwiderte Die Sängerin und ließ Das Thema fallen. „Ich brauche eine Menge neuer Sachen für Amerika, drei oder vier große Konzertkleider und zwei Pelzmäntel. Das wird ein Vermögen kosten."
„Der Zobelmantel, den die Pachooen Da neulich bei Ihrem netten Abend getragen hat, Der sollte besser Ihnen gehören", meinte Leiermann ahnungslos.
Pola Luckner besah ihren langstieligen Silberlöffel von allen Seiten und legte ihn endlich hin. „Ja." Es klang ganz ausdruckslos
Der Konzertagent lächelte schlau. ,Zst kein Ge- burts- oder Namenstag in Der Nähe? Irgendein Familienfest, zu dem man sich einen netten kleinen Zobel wünschen könnte?"
„Von Ihnen?" erkundigte sich Pola hart.
Er blieb unempfindlich. „Nö, dazu wäre jg, leider kein Anlaß für mich. Ich denke natürlich an Den Baron. Soviel ich weiß, stehen Zuckerpapiere sehr gut."
„Birinsky will nicht", murmelte Polo. „Ich habe ihn Darum gebeten, und er hat ,nein‘ gesagt. Ganz einfach — ,nein‘. Dann hat ihn Alwine gekauft. Für 70 000 Francs. ...Aber ich pfeife auf Birinsky" fuhr sie fort, „ich hätte mir für mein eigenes Geld so einen Mantel gekauft. Ich habe eifrig gesucht, aber es ist keiner zu bekommen in solcher Dualität---brauner Zobel mit dem gewissen
grauen Reif über dem Rückenhaar. Es ist buchstäblich keiner zu kriegen, auch nicht für hundert» tausend."
„Eine fixe Idee", dachte Der Agent verständnisvoll, „sie hat eine fixe Idee". Aber solche Dersessen- heiten flauen ab — man muß Pola nur austoben lassen und ihr nichts in den Weg legen. Sie nahm noch einen Sherry und ein Stückchen bitteres Konfekt, bann begann sie abwechselnd nach Der Uhr und in einen aus vielen kleinen Tafeln zusammengesetzten Barockspiegel zu schauen. Sie war zerstreut
und brach endlich ganz unvermittelt auf. Leiermann hatte ihr nicht einmal mehr die Notwendigkeit Des neuen Termins für Amerika beibringen können.
Ein paar Tage später erschien Baron Birinsky unangemeldet in der Villa. Das tat er sonst nie, sondern er lieh sich immer telephonisch an kündigen. Er kam um drei und fuhr gegen fünf wieder weg. Dazwischen mar zwei Sturmen lang Krach wegen etlicher an den Baron gelangter Rechnungen. Pola sang an diesem Tag die Senta im .Holländer". Sie fuhr noch immer in höchst schlechter Laune weg.
Kurz danach läutete Paul Bürger an. „Darf ich auf eine halbe Stunde kommen?" *
„Natürlich", sagte Gerda, „wenn Du mit mir vorlieb nimmst, bist Du willkommen. Frau Luckner singt heute."
„Ich möchte nur ein bißchen mit dir plauDern, ganz gemütlich."
„Famos", äußerte Gerda kurz.
Den Hut in der Hand, trotz Des kühlen Abends ohne Ueberrock, kam er angeschlendert und brachte einen Strom von guter, irischer Lust in das kleine Bürozimmer. Er setzte sicy möglichst weit weg vom Ofen.
„Mein Beruf ist vielleicht nicht so bequem rote eurer", meiste er zufrieden, „aber ich kann viel in freier Suff arbeiten und das ist herrlich!"
„Gewiß." Gerda blickte neugierig in sein wind- ' gerötetes Gesicht. „Ich weiß wirklich nicht, weshalb dir mein Beruf so übermäßig bequem vorkommt. Ich tue zehn Stunden täglich Dienst, und einen Sonntag gibt’s für mich nicht. Was weißt du Denn, wie viel Anspanung es mich kostet, daß ich meine Nerven nicht vor Der Zeit verbrauche." Sie machte eine Handbewegung, Die alle Entsagung und Anklage enthielt, die man in eine Heine Muskelspannung legen kann, aber auch in Dieser winzigen Geste lag — wie Damals bei Der Modenschau, ehe sie ins Kreuzfeuer prüfender Blicke hinaustrat — Tapferkeit, auf sich selbst gestellte Tapferkeit, Die ihr Herz über Die Hürde wirst und ihm im Sprunge nachsetzt.
„Streit gehabt?" erkundigte sich Paul, beschaulich mit dem Stopfen seiner kurzen Pfeife beschäftigt
„Ich nicht, Gott sei Dank! Aber heute nachmittag ging es ziemlich lebhaft bei uns her," x
„Mir scheint, in letzter Zeit geht es bei euch überhaupt lebhaft her. Ist es wirklich wahr. Daß man Der Luckner allen Schmuck gestohlen hat, oder bloß ein Reklametrick?"
„Nicht Den echten Schmuck, Der liegt auf Der Bank Imitationen hat man aus dem Safe geklaut."
Paul schien ziemlich ungläubig. „Es wird sich schon nicht so verhalten, wie es Deine Kammersängerin in Die Oefsenllichkeit posaunt", meinte er lächelnd.
„Doch", widersprach Gerda ungeduldig, „natürlich ist es so/die Bandjten haben Den Safe aufgebrochen und den ganzen Kram mitgenommen, weil sie chn für echt hielten. Pola meint, gerade Das biete Die beste Chance, die Burschen zu erwischen. Beim ersten Versuch, Das falsche Zeug zu verkaufen, wird man sie verhaften."
Der Architekt fal) sie zweifelnd an. „Was war das für ein Safe? Ein moderner oder so eine altmodische Gußeisenangelegenheit? Ich verstehe nämlich", erklärte er nicht ohne Stolz, „eine Menge von modernen Kassen."
„Woher, um Gottes Willen?"
Er machte ein überlegenes Gesicht, zog wichtig an seiner Pfeife und gab ausführlich seine Kenntnisse 3um besten. Gerda hörte ein wenig belustigt zu: er kam ihr wie ein großer Junge vor. Die modernen Kassen hatte er beruflich kennengelernt. Dor zwei Jahren war er in Lorn beim Umbau der dortigen Bankfiliale rnitbeschästigt gewesen, und Der Direktor hatte ihm Da gelegentlich die Geheimnisse seiner Kassenanlagen' gezeigt.
„Hafer Safe ist englisch — ein Birrel."
Diese Type war ihm unbekannt. „Was sagt die Polizei?"
„Gar nichts, alles will sie von uns wisien", berichtete Gerda ärgerlich.
Paul war plötzlich elektrisiert. „Ich mochte ihn sehen — er ist doch noch nicht repariert?"
Nein, er könne ihn nicht sehen. Erstens habe Die Polizei Den zersägten Stahlbehälter völlig aus Der Mauer heraus gestemmt und mitgenommen, und zweitens sei Die Zimmertür noch immer versperrt.
„Wir gehen im Mai nach Zürich", lenkte sie ab. „Wenn du Deine Garage bauen willst, mußt Du batD Damit anfangen."
(Fortsetzung folgt)


