Verbunkelungszeil
14. 21pril von 20.18 bis 6.28 Uhr.
spanische Ballett von Manuel de Falla „Der Drei' spitz". Choreographie und Einstudierung Irmgard Trömel. Musikalische Leitung: Otto Söllner. Bühnenbild: Karl Löffler. Es wirken mit: Irmgard Trömel, Alois Altmayer vom Hess. Landestheater Darmstadt a. G. und Andreas Bolpert, die verstärkte Tanzgruppe, die Kindertanzgruppe, das Städtische Orchester Gießen und ein Bewegungschor. 28. Dienstag-Miete.
Ortszeit für den 14. April.
Sonnenaufgang 6.32 Uhr, Sonnenuntergang 20.20 Uhr. — Monduntergang 8.19 Uhr, Mondaufgang 23.43 Uhr.
Sängertreffen in Grünberg.
4- Grünberg, 12. April. Am 23. Februar weilte der hiesige Gesangverein „Sänger- k r a n z" in Gießen, um vor den Verwundeten zu singen, und traf sich dann zu einem kameradschaft« lichen Beisammensein mit dem Gießener Gesangverein „H e i t e r k e i t". Der Gegenbesuch der Gießener Sänger fand nun am Karfreitag statt. Mit dem Mittagszug trafen sie in Grünberg ein und wurden von dem „Sängerkranz" mit dem Deutschen Sängergruß empfangen. Es folgte ein kleiner Gang an die Gießener Straße, etwa 2 Kilometer westlich der Stadt. Hier war vor 20 Jahren ein Mitglied der „Heiterkeit" durch Herzschlag von einem raschen Tode ereilt worden. Zu seinem Andenken fang der Verein den Chor „Stumm schläft der Sänger", und Dereinsstihrer U r h a n sprach einige Gedenkworte. Nach einer kleinen Wanderung um d'e Stadt und durchs Brunnental gaben die beiden Vereine auf dem Marktplatz ein Konzert. Es fang „Sängerkranz" (Grünberg) unter Stabführung seines Chormeisters Konrad Nicolai (Großen- Buseck) „Neues Deutschland", „Hymne an die Kunst" und „Des Morgens zwischen drein und vieren". „Heiterkeit" (Gießen) unter Leitung ihres Chormeisters Schüttler wartete mit „Frühlings- grüß", „Maiennacht" und „Zieh' nm" auf. Den
Aus der Stadt Gießen.
Hitlerjungen und Motor-Hitlerjungen
Achtung!
Der Korpsführer des NSKK. gibt für die Angehörigen der HI. und der Motor-HI. folgendes bekannt:
Angehörige der Motor-HI. und der HI. aus dem Geburtsjahrgang 1923 können sich sofort freiwillig bei dem nächstliegenden Motorsturm des NSKK. melden. Sie werden auf den Reichsmotorsportschulen kraftfahrttechnisch ausgebildet und erwerben den Führerschein. Für Lehrlinge, deren Lehrverträge bis zum 1. Oktober 1941 laufen, wird der Reichswirtschaftsminister die Lehr-Abschlußprüfung in der Ausbildungszeit ermöglichen. Außer Besoldung wird freie Unterkunft, Verpflegung und Bekleidung gewährt. Die sich Meldenden sind vom Arbeitsdienst befreit. Für eine Meldung kommen nicht in Betracht: Jugendliche, die in der Landwirtschaft, im Bergbau, im Verkehr und in Betrieben der Eisen- und Metallwirtschaft und auch der Chemiewirtschaft als Lehrlinge, Angelernte oder Facharbeiter beschäf- tiat sind, weil sie dort nicht entbehrt werden können. Dieser Aufruf ergeht im Einvernehmen mit dem Reichsarbeitsminister und dem Reichswirtschaftsminister. Nähere Auskunft erteilen die Motorstürme des NSKK.
Üornoftttn.
Tageskalender für Montag (2. Feiertag).
Stadttheater: 15.15 bis gegen 17.30 Uhr „Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich"; 19 bis 22 Uhr „Das Land des Lächelns". — Gloria-Palast, Seltersweg: Hauptsache glücklich". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Sünde der Rogelia Sanchez".
Tanzabend im Stadttheater.
Am kommenden Dienstag, 15. April, veranstaltet das Stadttheater Gießen seinen diesjährigen Tanzabend. Zur Aufführung kommen: Peter Tschaikowskys romantisches Ballett „Der Schwanensee", „Tanz der Völker", eine bunte Volkstanzfolge, und das
Vaden, Württemberg, Mtte, Aordmark
Meisterfchasts-Vorschlußnmde im Mannschaststurnen.
Schluß bildeten zwei gemeinsame Chöre „Sonnenaufgang" und „Wo gen Himmel Eichen ragen". Zahlreiche Zuhörer umsäumten den Marktplatz und spendeten Beifall für die genußreichen Darbietungen. Anschließend fand im Dereinslokal von „Sängerkranz" im Gasthaus „Zum Rappen" ein kameradschaftliches Beisammensein statt. Der stellvertretende Dereinsführer des „Sängerkranz" Paul Friedrich begrüßte die Gießener Sangesbrüder herzlich und gab dem Wunsche Ausdruck, daß auch dieses Treffen zur weiteren Festigung der Freundschaft
tlm die deutsche Fußbattmeisterschast
Sechs Gruppenspiele am Ostersonntag.
zwischen beiden Vereinen dienen möge. In einer späteren Ansprache feierte er die beiden Sanges- oeteranen Heinrich Seid (Grünberg), früher Der- einsführer von „Sängerkranz", und Jean A r - n o l d (Gießen), durch die schon seit einigen Jahrzehnten die Freundschaft zwischen beiden Vereinen gepflegt worden sei. Den Dank für die freundliche Aufnahme brachte Vereinsführ»>r U r h a n zum Ausdruck. Bei weiteren Chören beider Vereine, Sololiedern und heiteren Vorträgen nahm das kameradschaftliche Beisammensein einen guten Verlauf.
Die Mannschaftsmeisterschaft im Geräteturnen ißt jetzt bis zur Endrunde gediehen. Am Karfreitag wurden in Mannheim und Hannover die beiden Vorschlußrundenkämpfe durchgeführt, wobei sich die Bereiche Baden, Württemberg, Mitte und Nordmark für den Endkampf am 27. April in Essen qualifizierten. Auf der Strecke blieben in der Vorschlußrunde Südwest, Bayern, Sachsen und Westfalen.
Vaden vor Württemberg.
In Mannheim standen sich die Auswahlmannschaften der Bereiche Baden, Südwest, Württemberg und Westfalen im Vorschlußrundenkampf der deutschen Mannschaftsmeisterschaft im Turnen gegenüber. Der Vorjahresmeister Baden siegte mit der Mannschaft K. Stadel, Beckert, Anno, Eschwei, Walter und Dilg erwartungsgemäß mit 552,6 Punkten vor Württemberg (542,5), Westfalen (530,3) und Südwest (530,1). Baden und Württemberg erreichten damit die Endrunde, während Südwest und Westfalen ausgeschieden sind. Bester Einzelturner war etwas überraschend der Pfälzer Helmut B a n tz (Südwest) mit 96,1 Punkten vor Karl Stadel (Baden) mit 96,0 Punkten. Auf dem dritten Rang folgten gemeinsam mit 95,3 Punkten Franz Beckert (Baden) und Karl Weisched el (Württemberg).
Schon am Vormittag begann der Kampf mit dem Turnen der drei schwächeren Turner, wobei sich Baden mit 267,6 Punkten vor Württemberg (263,3), Südwest (257,4) und Westfalen (257,0) an die Spitze setzte. Am Nachmittag sahen die 2500 Besucher beim Turnen der Spitzenkräfte ganz großartige Leistungen. Baden setzte K. Stadel, Anna und Beckert ein und dehnte seinen Vorsprung schließlich auf volle zehn Punkte aus. Württemberg hatte den zweiten Platz stets sicher, obwohl Eugen Göggel nicht dabei war. An zwei Geräten (Pferd- sprüng und Bodenturnen) waren die Württemberger sogar den Badenern etwas überlegen. Südwest, das ohne Metz und Hlinetzky turnte, lag bis zum abschließenden Reckturnen an dritter Stelle, aber als Zellekens mit nur 14 Punkten vom Gerät ging, kam Westfalen (das Steffens, Stutte und Dickhut nicht dabei hatte!) nach vorn und Bantz sowie Reuther konnten den Rückstand nicht mehr ganz gutmachen. Die Ergebnisse:
Gesamt: 1. Baden (K. Stadel, Beckert, Anna. Walter, Eschwei, Dilg) 552,6 Punkte; 2. Württenr berg 542,5 P.; 3. Westfalen 530,3 P.; 4. Südwes 530,1 Punkte.
Einzel: 1. Bantz (S.) 96,1 P.; 2. K. Stade! (B.) 96,0 P.; 3. Beckert (B.) und Weischedel (ffifi.i je 95,3 P.; 5. G. Braun (We.) 94,0 P.; 6. Reuthe- (S.) 93,8 P.; 7. Anna (B.) 93,7 P.; 8. Th. Wie2 (Wü.) 93,2 P.; E. Braun (We.) 91,2 P.; 10. Walte- (B.) 91,1 Punkte.
Bestleistungen an den Geräten: Barren: Baden 111,6 P.; Ringe: Baden 107,7 P.; Pferd Württemberg 112,4 P.; Boden: Württemberg 111,6 P.; Reck: Baden 110,6 Punkte.
Ittiffe-Xurner knapp in Front.
Einen mitreißenden Kampf lieferen sich du Turner der Bereiche Mitte, Sachsen, Bayern unti) Nord mark in Hannover. Dor 5000 Zuschauern siegte der Favorit Mitte nur knapp mit 552,9 Punkten vor den überraschend stark turnenden Nordmärkeri (551,6), Sachsen (548,8) und der nur schwach be setzten Bayern-Riege (505,4). Mitte und Nordmar! haben sich damit für den Endkampf qualifiziert, während Bayern und Sachsen ausgefchieden sind. Nordmark war am Vormittag mit seiner gleich, mähia gut besetzten Riege in Führung gegangen und hielt die Spitze auch am Nachmittag bis zum abschließenden Reckturnen. Sachsen und Mitte lager allerdings nur um Vio Punkt zurück. So gab w ein überaus aufregendes Ende. Mitte holte fitfi schließlich den Ges amt sieg dank einer vollendeter Hebung Müllers, die mit 19,9 Punkten bewerte: wurde, denn Nordmarks bester Reckturner, Smud« kam nur auf 19,1 und Haustein (Sachsen) gar nur auf 17,3 Punkte. Als dann zum Schluß auf Krötzsch (M.) noch eine volle „20" turnte, war de: Kampf für Mitte entschieden. Die volle Punktzahl! hatte vorher nur noch Haustein an den Ringen er reicht. Bester Einzelturner war Krötzsch (M.) mit 97,5 Punkten vor Müller (M.) mit 95,4 und Sch» macher (S.) mit 94,6 Punkten. Die Boyern-Rie-< war, wie schon erwähnt, nur schwach besetzt unD kam für einen der beiden vorderen Plätze nie nr. Frage.
Preußen Danzig — LSV. Stettin 3:3 (1:0).
In seinem zweiten Spiel der Gruppe la kam der LSV. Stettin gegen Preußen Danzig nur zu einem 3:3 (1:0) Unentschieden, obwohl die Soldaten schon mit 3:0 geführt hatten. In diesem Spiel vor 4000 Zuschauern in der Danziger Albert-Forster-Kampf- bahn hätte der Pommernmeister, dessen Mannschaft technisch reifer war, den Sieg verdient. Dem Führungstor des Halblinken Golm vor der Pause reihten nach dem Wechsel der Halbrechte Auerhahn und der Mittelstürmer Rohrberg noch zwei weitere Treffer an. In der letzten Viertelstunde änderte sich jedoch das Bild. Die Danziger bekamen durch ein Gegentor ihres Angriffsführers Lorenz und einen von Fehling verwandelten Elfmeterball stifchen Wind, und fast mit dem Abpfiff zusammen konnte der Rechtsaußen Biallas die schon drohende Niederlage zu einem Unentschieden gestalten.
Hamburger SV. — 1. SV. Jena 2:1 (2:0).
Dor rund 8000 Zuschauern standen sich in Hamburg der Nordmarkmeister Hamburger SD. und der Mitte-Meister 1. SD. Jena gegenüber. Der HSV. gewann durchaus verdient, eher ist das Ergebnis zu niedrig ausgefallen und ein 3:1 hätte dem Spielverlauf eher entsprochen. Aber die sichere Abwehr des Mitte-Meisters, an der Spitze der Torhüter Patzl, konnte immer wieder im lebten Augenblick klären. So wehrte Patzl mehrfach besonders bei Eckbällen mehrere Schüsse hintereinander glatt ab und bei ihm dürfen sich die Jenaer in erster Linie für das gute Ergebnis bedanken. Hinzu kam noch, daß das Ehrentor der Gäste aus einer recht harten Elfmeterentscheidung erzielt wurde.
VfL. Herfarau — Rapid Wien 0:7 (0:2).
Recht unglücklich verlief der Einstand des Baden- Meisters in die Gruppenspiele zur Deutschen Fußballmeisterschaft. Die Elf, die in den Bereichsspielen gerade durch ihre Mannschaftsarbeit überragende Erfolge erzielte, schien am Sonntag ganz aus dem Gefüge geraten. Rapid Wien siegte „ganz nach Belieben", ohne sich insbesondere in der zweiten Halbzeit voll ausgeben zu müssen. Dabei kam gar nicht einmal gesagt werden, daß die Gäste ein gutes Spiel geliefert hätten. Die sonst so gute Neckarau er Abwehr machte Fehler über Fehler. Im Sturm vermißte man jeglichen Zusammenhang, die Läuferreihe war mit Abwehrarbeit überlastet und die Verteidiger brachten wiederholt das eigene Tor in Gefahr. Bei Wien spielten vor allem die beiden Außenläufer Wagner I und Skoumal ganz hervorragend und warfen ihren Angriff immer wieder nach vorn, wo Schors und Holec die besten Spieler waren. Rapids Abwehr brauchte keine Glanzleistungen zu vollbringen, um den harmlosen Neckarauer Sturm zu halten.
Stuttgarter Kickers — 1860 München 3:3 (2:0).
Wetterwendisch wie der April war das Glück beim ersten Gruppenendkampf der Meister von Württemberg und Bayern in Stuttgart. Zuerst hielt es mit den Stuttgarter Kickers, die zur Freude der 8000 Zuschauer in der Adolf-Hitler-Kampfbahn bereits 3:0 führten, schließlich aber froh sein mußten, mit einem Unentschieden davonzukommen. Die Münchener 1860er waren dabei sogar meist etwas mehr am Ball, in Spielaufbau und Ballbehandlung als Mannschaft besser. Der Sturm entwickelte aber viel Schußpech und traf außerdem eine vorzügliche Deckung an. In dieser Hinsicht war bei München nicht alles erstklassig, insbesondere in der ersten Halbzeit taten sich in der Torsicherung erhebliche Lücken auf. Ganz hervorragend spielte das Münchener Jnnentrio, vor allem Krückeberg, doch fielen seine Nebenleute Burger und Janda nicht viel ab.
Sehr imponierend war auch das ausgefeilte Kopf- ballfpiel der gesamten Mannschaft. Die Kickers hatten bei ihren ersten Toren reichlich Glück, aber das Unentschieden hat die Mannschaft reichlich verdient. Conen und Merz spielten am wirkungsvollsten im Angriff, Förschler zeichnete sich in der Läuferreihe aus, im Schlußdreieck überragten der Verteidiger Jmmig und vor allem Torhüter Deyhle.
Schalke 04 — Hannover 96 4:0 (1:0).
Das interessanteste Treffen zur Deutschen Fußballmeisterschaft war die Begegnung zwischen dem Titelverteidiger FC. Schalke 04 und Hannover 96 in Gelsenkirchen, well hier die Vorentscheidung in der Gruppe 2b fiel. 25 000 Zuschauer füllten die Glückaufkampfbahn des Deutschen Meisters und wurden Zeugen eines zuletzt eindrucksvoll errunge= neu Sieges der „Knappen". Ohne Kalwitzki, aber mit Fritz Szepan hatte Schalks eine schwere erft€ Halbzeit zu überstehen, aber dann war Hannover 96 so in den verwirrenden Kombinationszügen hin und her und müde gehetzt, daß sich der Meister nach dem Wechsel leichter tat. Der Sieger war ohme
Schwächen. Mit Schweißfurth und Otto TilbM hatte Schalke eine bombensichere Abwehr stehen, Füller und Gellesch bauten groß auf, und fo muß ten die Stürmer nach vielem Zaudern in der ersten Halbzeit die Tore erzielen. Hannover wehrte sich tapfer, die Elf kämpfte auch noch, als sie schon aussichtslos geschlagen war. Pritzer konnte die Niederlage nicht aufhalten, Sievert stemmte sich mitPätzow und Männer immer wieder gegen die Schalter Angriffe, aber es nutzte schließlich doch nichts. Maleck war Hannovers bester Stürmer. Das Fehlen von R. Meng wirkte sich im Angriff doch aus, der Gr- kenfchwicker Ludorf wurde von Tilbulfki dauernd beschattet. So mußte Hannover, das den Knappen vor Jahren zum Verhängnis wurde, überraschen- efne „zu 0-Niederlage" hinnehmen.
VfL.99 Köln — FL.93 Mülhausen 6:1 (5:1)
Der elsässische Meister FC. 93 Mülhausen mufft bei seinem Debüt in der Deutschen Meisterschaft in Köln eine empfindliche Niederlage einstecken. Vai 5000 Zuschauern siegte der VfL. 99 Köln mit 6:1 (5:1), aber die elfäffischen Gäste zeigten doch nigstens in der zweiten Halbzeit, daß sie unter ihrem Wert geschlagen wurden. Sie begingen bei Fehler, in der ersten Halbzeit viel zu sehr auf Tor. sicherung auszugehen und den Angriff zu vernach lässigen.' Schon hier kant der Mittelrheinmeistei prächtig in Fahrt und schuf einen Vorsprung, bei nicht mehr aufzuholen war. In der Elf gab es keinen schwachen Punkt. Alfons Moog in der Verteidigung, Ernst Moog in der Läuferreihe und ber Halblinke Kuckertz ragten aus dem guten Gesamtbild der Mannschaft hervor. Bei Mülhausen war der famose Halblinke Korb die tragende Krasi aber auch er bemühte sich vor der Pause vergeblich Linie in das Spiel der Gäste zu bringen. Weiterhin gefielen sehr die Verteidiger Birger und Bel- tzung. Torwart Heitz hatte vor der Pause viel! Schwächen, später war er vorzüglich.
Anna und Korbinian.
Eine Ostergeschichte von Margarete Weiers lieber die kleinen Blumen strich der Wind. Sie bogen sich leicht her und hin und standen dann wieder aufrecht. Hell war das Grün ihrer Stengel, ihrer Blätter, und wie ein Kranz lag auf dem Erdreich um sie ein fauliges, braunes Baumblatt vom andern Jahr noch, durch das sich ihre fpitzen Triebe gebohrt hatten, als sie ans Licht wollten.
Anna, die Magd, stand auf der Wiese, hielt die Aug-en auf die Blumen gesenkt und sah sie doch nicht. So wie der Wind die jungen Halme kämmte, bauschte er Annas Röcke, zog ihr Haar aus dem Kopftuch. Sie spürte nicht, wie kalt es noch mar, wie sie so unbewegt stand.
Vom Weg am unteren Rand der Wiese klangen Stimmen herauf. Fremde, von turnen immer einige kamen, wenn der Vorabend eines Feiertages oder auch nur Sonntages anhud. Anna blickte zu ihnen hinüber, wie sie da gingen und sich so viel zu erzählen wußten. Ob sie wohl Zeit fanden zu sehen, wie alles ans Licht wollte? Ader zum Sehen waren sie doch gekommen? Anna hielt den Kopf ihnen nachgewandt und schaute dann wieder auf die Blumen, die da wie felbstoergessen zu ihren Füßen standen. Nun, im Schauen, gewahrte Anna sie erst. Und aus ihrer Brust entrang es sich wie zur Be» fretung.
Sie würde den blauen Tonkrug nehmen und später, wenn es schon dunkel werden wollte, vom Quell, der oberhalb des Dorfes entsprang, Wasser schöpfen. Sie würde es in ihre Kammer tragen und andächtig damit das Gesicht netzen. Osterwasser war es dann, geheimes Wasser. Schön wollte sie werden. Schön für ihn, den Korbinian, der all die Zeit, seither sie an ihn zu denken begonnen, sie nicht schön genug gefunden hatte, um sie für sich zu erwählen. Immer waren es andere, die er ihr vorzog. Auf dem Tanzboden oder auf dem Feld bei der Arbeit. Oder an den Feierabenden, wenn die Burschen und Mädchen an den Zäunen standen, oder da und dort winters in einer Küche zusammen nm die großen Defen saßen. Fing Korbinian bann hin und wieder einen ihrer stillen Blicke auf, schien es, als seien sie ihm fast lästig.
Einmal — es mar Erntedankfest — hatte er sie zum Tanz aufgefordert. War es, weil sie gerade in der Nähe saß, oder auch, weil er wirklich gerade
mit ihr tanzen wollte, er schwenkte sie herum, bis ihr schwindlig geworden war. Dann hatte er sich noch eine Weile zu ihr gesetzt, aber er wußte nicht recht, was er mit ihr sprechen sollte. Er hatte sie einige Male forschend von der Seite angesehen und war schließlich aufgestanden und hatte sie sitzen lassen. Sie saß noch eine Weile wie angenagelt und ging endlich nach Hause, lange bevor das Fest zu Ende war.
Dom Fenster ihrer Kammer aus sah sie ihn spät abends noch eng umschlungen und flüsternd mit einem Mädchen aus dem Nachbardorf. Sie verloren sich zwischen den Einfriedigungen der Gärten, über die die Dahlien sich neigten und schwere Büschel von reifem Holunder hingen. Es roch herb..
Schön wollte sie, Anna, werden. Und Wasser, am Dor abend zum Ostersonntag geschöpft, macht schön. Jh,re Großmutter hatte das auch getan, als sie jung war, und kurz darauf habe der Großvater um sie zu werben begonnen, fo hatte die alte Frau es erzählt.
Als die Abendmahlzeit eingenommen war, nahm Anna das blaue, dickbauchige Krügel vom Gesims, ging über die dämmrige Dorfstraße. Als hätten ihn ihre Gedanken gerufen, kam Korbinian ihr entgegen, murmelte fo etwas wie einen Abendgruß und strebte an ihr vorbei. Dabei schielte er auf das blaue Krügel. Anna wurde es ftebenb heiß. Sie ging schnell weiter, als habe der Korbinian -sie bei etwas Ungutem ertappt.
Lange hielt sie den Krug an den Quell. Dunkel sah das Wasser aus in der hereinbrechenden Dunkelheit, aber Anna wußte, es war klar, klar wie lauter Kristall und kalt. Erft als sie spürte, wie ihre Hand fast weh tat davon, da sie das Wasser schon eine ganze Weile über den Rand laufen ließ, hob sie den Krug weg und richtete sich auf. Und langsam, damit sie nichts verschütte, trat sie den Heimweg an.
Es war ihr doch ein wenig unheimlich so spät. Kein Mensch war weit und breit zu sehen, zu hören. Die Fremden saßen beim Wirt in der noch geheizten Gaststube, und die Einheimischen saßen in ihren Küchen, besuchten sich auch wohl untereinander, aber was tat ein Mädel um die Zeit noch außerhalb des Dorfes.
Da sah Anna einen schwachen Lichtschein, wie !von einer Laterne herrührend. Er kam näher, ein IMann wars. Jetzt ging sie schneller. Ihr war selt- Ifam unruhig zumute.
„Ah, die Anna!"
Es war Korbinian. Anna hätte beinahe das Wasser verschüttet.
„Was hast du denn da in deinem Krug?"
Sie wußte nicht, was sie antworten sollte. Korbinian fragte es auch fo merkwürdig.
„Seit wann holt unsereiner Bier außerhalb vom Dorf?"
,>Es ist kein Bier." Annas Stimme klang zaghaft.
„Oder Wein?"
„Es ist kein Wein."
„Oder gar Schnaps?"
„Es ist kein Schnaps. Was du denkst, Korbinian."
Er lachte derb auf: „Ich hab gar nicht gedacht, wie schön du einem was vormachen kannst. Bist mzmer so still. Aber stille Wasser ..."
„Ich mach dir gar nichts vor, Korbinian."
„Geht mich ja auch gar nichts an, was du da drin hast, und woher du's hast, zur halben Nachtzeit auch noch."
„Wasser ist's, .Rorbinian, nichts als Wasser. Kannst riechen."
Halb widerstrebend tat er's und schnippte bann mit den Fingern ihi-davon ins Gesicht.
„Geh laß," bat sie, „önrfft mir's nicht unrein machen!"
Erst war sie ihm gleichgiiltig, bann hatte er nicht gewußt, was er mit ihr beginnen sollte, bann hatte er uermieben, mit ihr ins* Gespräch zu kommen, heut abenb hatte er sie aiuf irgendetwas ertappt, das in ihm zu bohren anfing, und nun reizte ihn ihr dummes Reben, baß er ihr einfältiges Waffer trüben könnte.
„Du mit deinem dummen Waffer. Das kannst dir an jedem Brunnen des uns im Dorf holen. Geh, laß dich auslachen!"
„Nein, Korbinian, das kann ich mir nicht am Brunnen holen."
„D a s Masses?"
Er wurde wütend und schlürfte mit den Fingern gegen das Krügel, daß es überfchwappte.
„Korbinian!" schrie sie erschrocken auf.
„Du verstehst auch keinen Spaß," versuchte ek sich herauszureden. ».Bist überhaupt so eine, mit her man nicht gescheit umgehen kann!"
„Du weißt ja gar; nicht, ab ich Spaß versteh', hast dich ja nie um Mich umgietan."
„Soll ich's probiere^?"
„Aber jetzt nicht, jstzt nicht hier," versuchte sie abzuwehren. i
Da entwand er ihr das Krügel — er kannte sicü selbst nicht mehr — und sprengte das Wasser über sie aus.
„Korbinian!" Sie hatte es jetzt laut geschrien.
Nun war es still zwischen ihnen. Ganz langfan hob er seine Laterne und leuchtete ihr i^s Oefid) Das Wasser perlte ihr an Haar, Gesicht und Hals, und es war, als sei ihr Blick in sich selbst geridft^ Starr stand sie da. Lange sah er sie so an. Dan"r tarnen ihm die Worte:
„Wie glitzerigs Steinzeug um und um. So reift wenn du das wärst... so schmuck, wie du breiw schaust... so — so — wie du dastehst —, feil* andere nähm ich, wie dich... Weinst?"
„Es wird wohl das Wasser sein, das geheime.
„Was für Geheims?... Frierst?" fiel ihm pW lich ein. Und als er daran ging, ihr mit ihr^i Schürze Haar uinb Gesicht zu trocknen, schauerte M zusammen.
„Du verkühlst dich hier. Ich bring dich bis v®‘ die Tür. Komm." Er legte den Arm um sie uni) begleitete sie schweigend nach Hause.
♦
In ihrer Kammer stand Anna und schaute, schaift in den kleinen Spiegel über der Kommode, der fi’ klein war, daß or kaum ihr Gesicht aufnahm, sie sich so nah zri ihm neigte, aus dem ihr Augen entgegenstnahlten:
Schön war sie geworden.
Ein teurer Kuß.
Einen Kuß hat ein unternehmender junger Elel triter in Kopenhagen recht teuer bezahlen müfsei"- Er hatte sich bei der Arbeit in einer Villa so sckM; in bas hübsche blond,' Zimmermädchen verliebt, da., er ihr schon nach zwvi stunden eine glühende t® beserflärung machte. Als er jedoch abgewiest- wurde, suchte er Trosit in einer Bar in ber VW barschaft. Dort trank Hr sich so viel Mut an, batz zum Fenster bes Mädchens hinaufkletterte, w m Zimmer einbrang und ihr trotz kräftigen Moe ftanbes einen langen leibenschafllichen Kuß verstv Das Mädchen telephonierte zur Polizei, und o junge Mann wurde vor Gericht gestellt, wo er ö - drei Monaten Gefängnis und, was in den navifchen Ländern noch als eine schlimmere ötr i erscheint, zu völliger Enthaltsamkeit von alkoholiny Getränken für die nächsten drei Jahre oeru wurde. u


