Einzelbild herunterladen

Sreitog, ,4. März Ml

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Hr.62 Zweites Blatt

gesichert.

y

Auch in diesem Jahre wird das Stadttheater Gie- ßen dem Heldengedenktag durch würdige Veranstal­tungen Rechnung tragen. Am Vormittag findet eine Morgenveranstaltung (die achte)Deutsche Kammer­musik zum Heldengedenktag" statt. In dieser Mor- gcnoeranstaltung singt Gustav Bley Lieder von

verdunkelungszeU

14. März von 19.24 bis 7.41 Uhr.

Hugo Wolf und Richard Trunk, Hans Caninen- b e r g liest Rudolf BindingsVermächtnis , eine Ansprache zu einem Heldengcdenken aus dem Jahre 1926 das Streichfextctt des Städtischen Orchesters spielt Brahms' Sextett in b-dur op. 18 mit den Sätzen Allegro ma non troppo, Andante ma mo­derato, Scherzo, Rondo. Dabei wirken mit die Herren K e r z i s n i k, der auch die Leitung des Sextetts innehat, Gustav Landgraf, Wilhelm R ö l l, Karl I o st, Ernst Schneider, Kurt K r u- g e r. Am Flügel. Otto S ö l l n e r. Der Sonntag- abend bringt die Erstaufführung der TragödieDie Peterburqer Krönung" von Friedrich Wilhelm Hym- men. Dieser junge Dichter, der aus den Reihen der HI. hervorgcgangen ist, ist schon verschiedentlich sowohl als Dramatiker, wie als Novellist erfolgreich hervorgetreten. Sein jüngstes WerkDie Peters­burger Krönung" ist der Geschichte des zaristischen Rußland der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ent- nommen. Als Spielleiter wurde zu der festlichen Erstaufführung am Heldengedenktag in Gießen Horst Ho f f m a n n vom Staatstheater Bremen als Gast gewonnen. Die acht Bühnenbilder schuf Karl Löff­ler. Außer Miete!

Auf zahlreiche Anfragen aus dem Publikum teilt das Stadttheater, um Irrtümer zu vermeiden, mit, daß ab nächster Woche wieder regelmäßig Miet- Vorstellungen stattfinden. In der verganaenen Woche mußten die dienstags, mittwochs und freitags üb­lichen Vorstellungen ausfallen, da das Stadttheater durch auswärtige Gastspiele, Veranstaltungen im Rahmen der Wehrmachtbetreuung und KdF.-Ver- pflichtungen derartig in Anspruch genommen war, daß bei dem gegenwärtigen Mangel an technischem Personal die sonst fast täalich notwendigen Doppel- Vorstellungen nicht durchgeführt werden konnten. Es sind deshalb in dieser Woche nur geschlossene Vor- stellungen veranstaltet worden.

Gießener Konzertrlng.

Das siebente Konzert des Konzertringes 1940/41, in der Platzmiete Kruppe A Nr. 4, das im Januar ausfallen mußte, findet am kommenden Donners­tag, 20. März statt. Lore Fischer, die bekannte Konzert- und Oratoriensängcrin, und der Tenor Heinz Marten singen Lieder und Duette.

68300 für das KriegS-DHW.

Bürgerbuch, Ratsprotokolle und Zunstrechnungen.

Aus den Beständen unseres städtischen Archivs.

lien- und Freundesbriefe stets mit der Hand ge­schrieben werden. Maschinenschrift wirkt geschäfts­mäßig, kalt und gefühllos.

In kaufmännischen Berufen wird noch viel Wert aus eine gute Handschrift gelegt, und das ist recht so. Wer nicht schön und deutlich schreibt, sollte über Haupt keine Bücher führen.

Daß es auch Berufe gibt, die bekannt sind durch die unleserliche Handschrift vieler Angehörigen, wol­len wir nicht verschweigen. Aber unsere Apotheker können da wohl ein Wörtchen mitreden, und es fällt uns da die Mahnung eines alten Gehilfen in der Apotheke ein, der einst zu dem Lehrling sagte: In all den Fällen, in den du gar nichts her­auslesen kannst, nimmst du aqua destillata (reines Wasser), dann kann wenigstens nichts passieren. Das mag ein Witz sein, aber ein Körnlein Wahr­heit steckt darin.

Und ein Erlebnis aus dem Weltkrieg mag zeigen, wohin es führt, wenn eine Handschrift nicht zu lesen ist. Das geschah in einer hessischen Stadt. Ein Arzt, der in einem Lazarett tätig war, kam abends müde und abgearbeitet nach Hause. Ueber ihm wohnte ein junges Mädchen, das fleißig Klavier übte, noch bis in die späte Nacht. Das ging dem Arzt schließlich so auf die Nerven, daß er einige Zeilen auf seinen Rezeptblock schrieb und das Fräu­lein bat, doch wenigstens nach zehn Uhr das Kla vierspiel einzustellen, da er sonst nicht zur Ruhe käme. Er warf am anderen Morgen diese Mit­teilung in den Briefkasten der Familie, die über ihm wohnte, und ging seiner Tätigkeit nach. Das Mädchen fand den Zettel, wollte ihn lesen, ver­mochte es aher nicht. Nur ihre Anschrift ganz unten links war zur Not zu entziffern. Sie zeigte das Papier ihrem Bruder, einem Primaner. Auch dieser konnte die Mitteilung nicht lesen, kam aber, da es sich um ein Rezeptformular handelte, auf einen sehr klugen Einfall. Er ging zum Ernährungsamt, wo die Brotkarten ausgegeben mürben, und ver­langte auf Grund dieser ärztlichenVerordnung" eine Zusatzbrotkarte für seine Schwester» Und er erhielt sie!h.

Kameradschaft ehemaliger 116 er in Gießen

Mitte Mai kann die Kameradschaft ehemaliger 116er Gießen auf ihr dreißigjähriges Bestehen zu- rückblicken. Die Kameradschaft wurde als Vereini­gung ehemaliger 116er am 13. Mai 1911 im Hin­blick auf das damalige hundertjährige Bestehen des Gießener Infanterie-Regiments 116 gegründet. Zur Erinnerung an diesen Tag ist für den 11. Mai ein schlichter Gedenkappell vorgesehen, bei dem u. a. die jetzt noch lebenden Mitgründer und die seit 25 Jah­ren der Kameradschaft angehörenden Kameraden geehrt werden sollen Die Vorbereitungen zu diesem Gedenkappell wurden bei einer Besprechung des Führerrates der Kameradschaft in die Wege ge­leitet. Falls außergewöhnliche Verhältnisse die Durchführung des Appells am 11. Mai unmöglich machen sollten, wird der Erinnerungstag zu einem späteren Termin begangen werden._______________

Die Berufsschulpflicht

Was man hiervon wissen muß.

Eine uns zugegangene und gestern im lokalen Teil veröffentlichte Notiz die Sammlung und Sich hing alter Fomilienpapiere, Dokumente usw. betref- end lenkt die Aufmerksamkeit wieder einmal auf unser Stadtarchiv. Wir haben Herrn Dr. Lehnert, der seit dem Tode von Professor Dr. Ebel die Be- tände des Stadtarchivs betreut, gebeten, uns einiges über das seiner Obhut und saä)kundigen Leitung anvertraute Institut zu erzählen. Aus den uns be­reitwillig erteilten Auskünften geht u. a. hervor, daß ein städtisches Archiv, das diesen Namen verdient und über Wesen und Anliegen einer Registratur hinausgeht, etwa seit 50 bis 60 Jahren in unserer Stadt besteht. Es ist gegenwärtig in Räumlichkeiten des Fröbelseminars untergebracht, doch ist geplant, zu gegebener Zeit ein neues, eigenes Heim für das Institut einzurichten.

Auf unsere Frage nach dem, was denn nun bei- pielsweise im Äießener Stadtarchiv aufbewahrt werde und zu finden sei, nannte uns Herr Dr. Lehnert als die älteste und ehrwürdigste eine Urkunde aus dem Jahre 1325, die Aufnahme der Neustadt in den Stadtbezirk betreffend. Dann ist ein wesentlicher Besitz vor allem das Bürgerbuch: mit den Eintragungen der Bürgernamen etwa vom Jahre 1500 bis rund 1800 ist es eine heute besonders interessante, für die örtliche Familiengeschichte und Familienforschung wichtige und kaum entbehrliche

Das Stadtschulamt Gießen teilt uns folgende wichtige Hinweise zur Berufsschulpflicht mit:

Der Besuch der Berufsschule ist für das Deutsche Reich einheitlich geregelt durch das Reichsschulpflicht­gesetz vom 6. Juli 1938. Danach dauert die Berufs­schulpflicht drei Jahre, für landwirtschaftliche Berufe zwei Jahre. Lehrlinge sind darüber hinaus bis zum Ende der Lehrzeit berufsschulpflichtig.

Die Berufsschulpflicht ist durch den Besuch der­jenigen Berufsschule zu erfüllen, die von der Schul­aufsichtsbehörde für den Berussschulpflichtigen vor­geschrieben ist. Maßgebend ist im allgemeien der Beschäftigungsart, nicht der Heimatort. Die Be­rufsschulen der Stadt Gießen sind von allen in Gießen, Klein-Linden, Wieseck und Heuchelheim be- schäftigten Berufsschulpflichtigen zu besuchen, dar­über hinaus von den Jugendlichen anderer Gemein­den des Kreises Gießen, sofern für deren Bezirk eine fachlich gegliederte Berufsschule nicht eingerich- tet ist.

Anmeldepflichtig sind in erster Linie die Ostern 1941 nach achtjährigem Schulbesuch aus der Volks- schule Entlassenen, ohne Rücksicht darauf, ob sie eine Lehrstelle haben oder nicht. Der Schulpflicht in der vorgeschriebenen Dauer unterliegen auch die Schüler(innen), die eine höhere Schule oder eine Berufsfachschule besucht haben. Die Verpflichtung zum Besuch der Berufsschule besteht für olle Jugend-

lichen, solange sie nicht eine als ausreichenden Er­satz für den Berufsschulunterricht anerkannte Fach- schule besuchen, mindestens 24 Stunden wöchent­lich am Unterricht einer anderen öffentlichen oder privaten Schule teilnehmen, im Arbeits- oder Wehr­dienst stehen.

Schüler und Schülerinnen, die mindestens fünf Klassen einer höheren Schule oder mindestens zwei Klassen einer Berufsfachschule mit Dollunterricht er- folgreich besucht haben, sind nach zehnjährigem Schulbesuch auch an anderen Orten mit verlänger- ter Schulpflicht vom weiteren Besuch einer Berufs­schule befreit, es sei denn, daß sie sich in einem gewerblichen Lehr- ober Anlernoerhältnis befinden.

Die Lehrherren, Dienstherren, Führer von be­trieben ober deren Bevollmächtigte haben den Schul- pflichtigen, die zur Erfüllung der Schulpflicht ersor- Derlid)e Zeit zu gewähren und sie zum Besuch der Berufsschule anzuhalten.

Zu Beginn des Schuljahres werden die mit der Ueberwachung des Berufsschulbesuches Beauftrag­ten darauf aufmerksam gemacht, daß Beurlaubun­gen mit Rücksicht auf einen regelrechten Unterrichts^ betrieb nur in Ausnahmefällen erfolgen können. Der Urlaub ist dann vorher schriftlich ober fern- mündlich bei dem zuständigen Rektor oder Klassen­lehrer einzuholen.

Quellen zur Geschichte der Zünfte. Hier sind die Zunftrechnungen und die Zunstbücher mit dem Der- ^eichnis Der Zunftmitglieder in erster Linie von tadtgeschichtlichem Wert.

Dies mag als ein flüchtiger Ueberblick über die Bestände genügen. Eine Erweiterung des vorhan­denen Materials kann heute nur noch verhältnis­mäßig selten und dann meist auf Grund von glück' lidjen Zufällen verzeichnet werden-, um so mehr ollte unser Augenmerk darauf gerichtet sein, daß dem Stadtarchiv nichts burd) Unachtsamkeit ober Unwif- enheit verlorengeht oder entzogen wirb. Die städtische Registratur ist von Dr. Lehnert bis zum Jahre 1800 bereits mit Erfolg auf Material, das für das Archiv in Betracht kommt, durchgesehen worden.

Bortwfuen.

Tageskalender für Freilag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Kampfgeschwader Lützow". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die letzte Runde"

Sladllhealer Gießen.

Quelle.

Es sind des weiteren hier aufzuführen die alten Gerichtsbücher und die Landtagsakten des alten landständischen Landtages von 1603 bis ungefähr um das Jahr 1800. Bemerkenswert find auch die im Archiv aufbewahrten Notizen über die ehemalige Festung Gießen, die den Zeitraum von 1630 bis 1810 umspannen und sich beispielsweise mit Wach­angelegenheiten, Baufälligkeiten und deren not­wendig werdender Erneuerung befassen, lieber Kir­chen und Schulen in unserer Stadt findet man seit dem 16. Jahrhundert Material, vornehmlich die An­stellungsverhältnisse, Kirchenbauten u. ä. betreffend, während die Kirchenbücher nicht im Archiv, sondern bei der Kirchengemeinde aufbewahrt werden. Die Protokolle der Ratssitzungen reichen vom Jahre 1543 bis heute, wenn man die Bestände der städti­schen Registratur zu der Sammlung im Archiv hin­zunimmt.

Die sog. Kontraktenprotokolle, von 1643 bis 1773 reichend, befassen sich vornehmlich mit Cheschließun- gen und Grundstücksangelegenheiten in unserer Stabt, mit Dingen also, wie'sie heute das Ortsgericht be­schäftigen Was für ein stabt- und familiengeschicht­lich reiches und interessantes Material gerade hier zu finden ist, zeigt eine jetzt in unsererHeimat im Bild" begonnene große Arbeit von Staatsrat a. D. Dr. Schliephake über Gjeßener Eheschließungen in vergangenen Jahrhunderten.

Ferner bewahrt das Stadtarchiv allerlei Mate» rial über die städtischen Gebäude, beispielsweise das Stadtbrauhaus, das längst verschwunden ist, und die Mühlen, an deren Existenz noch die Muhlgasse er­innert Der Betrieb wurde, als das Wiefeckwasser fehlte, an die Lahn verlegt Die Neumühle stand da, wo sich heute das städtische Elektrizitätswerk befin­det Ein reiches Aktenmaterial findet sich im Ar­chiv über den Gießener Stadtwald: es reicht, mit einzelnen Lücken, bis zum Jahre 1609 zurück und ist quellenmäßig beiGits in Dissertationen ausgewer­tet worden. Wichtig sind weiterhin die aktenmäßigen Belege über die städtischen Einnahmen und Aus­gaben: die vorhandenen Rechnungen beziehen sich beispielsweise wiederum auf die schon erwähnten Mühlen, dann auch, bis 1823, auf das sog. Plocksche Hospital-Vermächtnis, eine Stiftung zugunsten von Kranken und Armen es ist seinerzeit in der Heimat im Bild" ausführlich darüber gehandelt worden, ferner auf das städtische Hospital das sich in früherer Zeit auf dem Seltersweg befand. Die Weinamtsrechnungen reichen vom Jahre 1542 bis zum Jahre 1809; sie erinnern an die kulturhisto­risch bemerkenswerte Tatsache, daß die Einfuhr von Wein in alten Zeiten ein städtisches Monopol war. Eine größere Abteilung des Archivs sammelt

Aus der Stadt Gießen.

Oie gute Handschrift.

Sagt man nicht: Wofür eine gute Handschrift im Zeitalter der Schreibmaschine? Soll man sich über­haupt noch die Mühe machen und besonderen Wert auf eine schöne Handschrift legen?

Ich glaube, daß an dem alten Erfahrungssatz von der sauberen Handschrift doch etwas Wahres ist Mack;t es uns nicht Freude, wenn wir einen Brief erhalten, der gut leserlich geschrieben ist? Oder das Gegenteil: Werden wir nicht ärgerlich, wenn wir trotz aller Geduld einzelne Wörter eines Schreibens nicht entziffern können? Don den sprach­lichen Fehlern und den fehlenden Satzzeichen ganz zu schweigen?

Bleiben wir also ruhia dabei und freuen wir uns, wenn unsere Handschrift den Anforderungen ent­spricht, die man im Leben doch immerhin an sie stellen muß. Alle- kann man ja nicht mit der Smreibmnschine schreiben. Dor allem sollten Fami-

Die heute vorhandenen Bestände sind zum Teil nod) unerschlossen, zum Teil schon durchgearbeitet und, vor allem in Gießener Dissertationen, wissen- chaftlich ausgewertet worden. Durch die Beantwor­tung und Klärung vornehmlich samiliengeschichtlicher Fragen und Zusammenhänge leistet das Archiv eine auch für die breitere Oeffentlichkeit dankenswerte und ersprießliche Arbeit. Die Bestände sind übrigens, oweit ein ernsthaftes Jntexesse vorliegt, allgemein zugänglich: für umfangreichere Erkundigungen ober Forschungen wird bas Material zur Bearbeitung in ben Räumen ber Universitätsbibliothek dorthin über­wiesen. Besonders wertvolle und unersetzliche Stücke aus dem Archivbestanbe hat man während der Dauer des Krieges aus naheliegenden Gründen anderweitig untergebracht unb damit ihre Erhaltung

Bei der letzten Opfersonntag-Sammlung für das Kriegs-Winterhilfswerk 1940/41 am vorigen Sonn­tag kam im Kreise Wetterau eine Spende von ins- gesamt 68 300 RM. auf. Das Ausmaß dieser Spende . stellt der Opferfreudigkeit unserer Dolksgenossen in -l Stadt und Land erneut ein erfreuliches Zeugnis n I aus.

gehen. Geschieht ihm!

Ein Mädchen, das Gloria heißt, hat feit vier- zehn Tagen keine Nachricht von Basil erhalten, mit dem sie so gut wie verlobt ist.

Basil ist im Krieg. Das ist ein Grund, warum er nicht jeden Tag einen langen Brief schreiben kann Eine Karte aber könnte er schreiben, meint Gloria und macht den Mund rund. Das tut sie immer, wenn sie eingeschnappt ist.

Das Mädchen will sich solch eine Behandlung nicht gefallen lassen. Sie kann dem Basil schon eins auswichen! Zum Beispiel, wenn sie heute abend ohne die Mutter ins Kino geht. Denn hat er nicht gesagt, daß sie immer die Mutter mit-

nehmen soll.

Sie wird allein ms Kino

auch ganz recht, dem Basil. Warum schreibt er nicht! .

Gloria setzt sich neben einen jungen Mann, ob- wohl alle Stühle in der Reihe noch frei sind. Nun ist sie wenigstens ganz sicher, daß sie den Basil ärgern kann. Ucberhaupt ist sie auf den Basil nicht mehr angewiesen. Durchaus nicht.

Die Wochenschau läuft. Gloria sieht brennende Häuser. Engländer marschieren in die Gefangen­schaft. Dann Aufnahmen vön einem Jnfanterie- angriff. Gloria paßt gut auf. Basil ist ja auch bei der Infanterie ... Tanks gehen vor, dahinter die Infanterie. Plötzlich denkt das Mädchen: das ist doch! Ja, jetzt sieht sie es ganz genau: ein blut­junges Gesicht, aber von einem zweiten, viel här­teren wie verdeckt. In diesem harten Gesicht sind die Augen groß und ber Mund steht weit offen. Gloria erkennt das Gesicht als das des Basil. Basil! will sie schreien. Etwas Undeutliches wird daraus, ein Geräusch nur, eine Störung, nach der sich ein paar Menschen umsehen.Pst!" sagt jemand.

Gloria steht auf und rennt hinaus. Der junge Mann läuft ihr nach.Fräulein!" ruft er, und sie bleibt wirklich stehen, denn es klang, als hätte er ihr zugerufen:Ihre Handtasche! Ja, sie haben ihre Handtasche liegen lassen!"

Dann steht der Mann ganz dicht vor dem Mäd­chen. Er sieht sie an. Lächelnd, werbend.Schönes Wetter, heute abend!" sagte er.

Die Tasche hatte sie also. Gott sei Dank! Die Tasche war von Basil. Sie begreift nicht, was der Mann von ihr will. Sie sieht, daß er eine braune Jacke trägt und ein weißes Sporthemd mit Reiß­verschluß. Sie sieht das alles ganz deutlich, denn einen Augenblick lang ist sie sehr auf den Mann angewiesen. Ihr ist, als hätte er ihr etwas von Basil zu sagen, als würde er den Basil wenigstens kennen. Erst als er sie fragt, ob er sie begleiten darf, merkt sie, daß er nichts weiß, daß er über- Haupt nur irgend ein junger Mann ist, von dem sie gar nichts wissen will, weil sie ja doch nur den

Basil liebt.

Sie läuft davon. Sie will nach Hause. Sie hat noch einen sehr langen Brief zu schreiben. Ein Brief soll es sein, an dem er gut merken kann, wie lieb sie ihn hat. Den Basil natürlich.

lern.Ach, wissen Sie", antwortete er,im Osten ifts doch stets ein und dasselbe." Ich bestritt es und bemerkte, zwischen Siebenbürgen und dem Sudetengau lägen immerhin fast tausend Kilometer. Donnerwetter", rief er entsetzt aus,tausend Kilo­meter, ja, barm allerbings, tausend Kilometer, mein Gott!" Und,der bloß durch Zahlen zu Erschütternde war Feuer und Flamme, das Plakat richtigzustellen. Es erwies sich als unnötig. Inzwischen hatten es Studenten, besser unterrichtet über das Bolks- deutschtum, mit Tinte unb Bleistift schon besorgt.

Nach Lesungen kommen mitunter merkwürdige Leute zum Dichter und wollen dies und das wissen. So fragte mich ein Heimatgenosse, der im Reich als Schlosser lebte, herablassend, vierschrötig und zugleich ehrlich bekümmert:Na, sehr schön, Herr Landsmann, das haben Sie gut gemacht. Sie wer­den auch alles erlebt haben, ich glaube es Ihnen, na also, sehr gut. Aber können Sie etwas davon zurücklegen? Zahlt sich bas Geschäft aus? Sie müs. fen bei der Reiserei einen Haufen Kosten haben. Bringt die Geschichte etwas ein?" Er rieb be­ziehungsreich Daumen und Zeigefinger aneinander. Ich nickte.Na, dann geht die Sache in Ordnung!" meinte er erleichtert, drückte mir die Hand, und nie­mals sah ich ihn wieder.

Das Mädchen im Kino

Bon Erich Klaila.

Mißverständnis.

Bon Heinrich Zillich.

Der siebenbürgische Dichter Heinrich Zil- l i ch wird am kommenden Montag im Gie­ßener Dortragsring aus seinen Werken lesen. Ich faß vor einer Lesung absprungbereit in der ersten Reihe und genoß diemusikalische Umrah­mung", die erfreut, wenn sie von einem Quartett besorgt wird, unb als Blasorchestergetöse erbittert Die letzten Geigentöne verklangen, schon lüftete ich mich vom Stuhl, um bas Podium zu ersteigen, als ein eleganter Herr, ein gelbes Handschuhpaar m ber Rechten lässig schwenkend, an mir vorbei hinter das Pult eilte und das Haupt gnädig vor den Zu­hörern neigte, die ihn, wie ich bemerkte, wohl kann­ten, aber nicht schätzten. Er warf die Handschuhe mit spitzen Fingern auf die Platte und rief, indem er auf mich zeigte:Meine Damen und Herren, wir freuen uns von Herzen, den Altmeister der deutschen Karikatur Heinrich ZU le m unserem Städtchen begrüßen zu dürfen!" Wahrend die Lip­pen der Anwesenden Reihe um Reihe staunend auseinanderklappten und ich in rasender Crheite rung den Wunsch verspürte, man möge diesen zier­lichen Herrn ja nicht unterbrechen, fuhr er mit schäkerndem Munde fort:Der alte Herr sieht strah- lend jung aus!" Ach, da brach ein Unwetter los. Man knurrte und brummte, und manche erhoben sich drohend. Erschrocken tauchte der Ungerufene sein Haupt in den Programmzettel, der vor ihm auf dem Pult lag, las einen ihm fremden Namen und rannte, die Handschuhe ergreifend, mit den verlegen hervoraestoßenen Worten:Sehr erfreut sehr erfreut!" aus dem Saal.

Damals hatte Heinrich Zille wäre er nicht schon feit zehn Jahren tot gewesen, das achtzigste Lebens- jahr erreicht, und ich ging ms achtunddreißigste.

Ein anderes Mißverständnis bereitete mir gerin- fl(,rPa Beranüaen In einer kleinen Unwersitats- ftabt war "ich "als Jubetenbeutfdber Dichter" ange- fünbiqt worben. Ich wies ben ^-ranst-u-r emen Prosestor barauf hin. bafe ein Unterschieb Zwilchen ben Deutschen Siebenbürgens, dem >ch -Mumme unb denen des Sudelenlandes bestehe, wohl -in ebenso großer wie zwischen Thüringern und Tiro»

Lichtsprelhau«: .Oie lebte Hunde-.

In einer in Neuyork und Berlin spielenden Handlung ist in dem Drehbuche von B. E. Lüthge (nach einer Idee von Georg Z o ch) die ar Sensationen äußerer und auch innerer Natur nicht arme Geschichte zweier Boxer beschlossen: ein Sportroman, vom Regisseur Werner Klingler mit entschiedener Witterung für unmittelbare Publi­kumswirkung, mit viel Sinn für Tempo, Handgreif­lid) pointierte Szenen und die Pseudoromantik hin­ter den Kulissen des Sportbetriebes für die Kamera verkürzt und hergerichtet. Die Quintessenz: ein Boxer, auch und sogar gerade wenn erder kom­mende Mann" ist, darf sich für nichts anderes als für seine Handschuhe, sein Training und seinen nächsten Kampf interessieren. Läßt er sich ablenken oder anderweitig einfangen, ist seine Laufbahn schon so gut wie erledigt: anderweitig: das kann ebensogut (oder so übel) das Geschäft bedeuten, reelles Geschäft oder Schiebung, eine oder gar meh­rere Frauen, Alkohol, Nikotin, unsolides Leben. Das wird hier an zwei nicht ungeschickt miteinander in Beziehung gesetzten Fällen auf eine vollkommen, einleuchtende Weise demonstriert. Der sportlich inter­essierte Besucher kommt dabei in erster Linie auf seine Kosten: es gibt fairen und minder fairen Kampf innerhalb und außerhalb des Ringes und knallende k. o.s sozusagen am laufenden Bande. Attila Hörbiger erweist in einer Hauptrolle nicht nur sportliche, sondern immerhin auch seine iin anderem Umkreise einläßlicher belidjtetcn) dar­stellerischen Qualitäten Der zweite Mann, jugendlich, primitiv-draufgängerisch, ist Heinz S e i d l e r. Lud­wig Schmitz, aus zahlreichen großen und kleinen Filmen bekannt, findet als Manager vielfältige Ge­legenheit zur Entfaltung seines volkstümlichen Hu­mors. Camilla Horn mildert mit angenehmer Zu­rückhaltung die Sentiments der für starke Sports­leute verderblichen Tänzerin. Zwei gut gesehene, lebendig umrissene kleinere Rollen geben Andrews Engelmann und Hans S t i e b n e r. Die, mar­kanten Charakterköpfe der Berufsboxer Schön- rath und Samson-Körner geben der Sze­nerie die letzte sportliche Weihe und sozusagen die professionelle Echtheit. (Tobis) Im Vorpro­gramm läuft die neue Wochenschau, die wir hier bereits angezeigt haben. Hans Thyriot