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Aus der Stadt Gießen.

Kleine Iulimelodie.

Wolkenlose Tage voll Sonne lassen das Heran- nahen der Hundstage ahnen, über deren Morgen­dämmerung das Feuergestirn des Sirius funkelt.

Ueberall entfalten sich groß und mächtig die Sorn- merlieblinge unter den Blumen in Gärten und Trif­ten. Noch stehen die Rosen in reichem Flor und lodern in vielen Farben. Die Anmut ihrer immer neu aufbrechenden Knospen ist ohnegleichen. Um chre Schönheit gruppieren sich die schlanken Blütenfackeln des Phlox, die hoch aufschießendett Schäfte des Rit­tersporns, des Fingerhuts, der Malven und Sonnen­blumen. Riesenhaft sehen sie alle auf die kleinen Stiefmütterchen und Maßliebchen herab, die, ihre, letzten Farben versprühend, bescheiden blieben in ihrem Wuchs, weil sie als holde Augenweiden des Frühlings nur wenige Rivalen hatten und darum nicht zu prunken brauchten. Der Sommer mit seiner reifenden Fülle und Glut liebt leidenschaftliches Lodern. Die Blumen im Garten sind seine kostbaren Gewänder, sein schimmernder Schmuck.

Draußen an Rainen und Hängen, wo Salbei und Labkraut, Wicken und Steinklee ihre blauen und goldgelben Inseln bilden und die grüne Flut der Gräser überwuchern, ragt zuweilen, durch ihren ade­ligen Wuchs auffallend, die Königskerze empor. Ihr Name bedeutet unverkennbar Wesen und Art. Viel ge­heimnisvolle Kräfte werden den Blüten zugeschrie­ben, und Wetterkundige lesen an ihr die kommende Witterung ab: neigt sich die Spitze der Kerze nach Osten, so steht gutes Wetter bevor, senkt sie sich da­gegen nach Westen, so ist mit Regen zu rechnen.

Den immer wiederkehrenden Farbenakkorden von Gelb und Blau entspricht in der Landschaft das wechselnde Spiel von Licht und Schatten, deren Kon- traste man ebenso reizvoll wie angenehm empfindet. Einem grell besonnten Wiesenweg folgt, von Baum­wipfeln hingezaubert, eine lange Inselkette dunkler Schatten, die der Schwüle eines staubigen Fußsteigs labende Kühle entgegensetzen und zu köstlicher Rast laden. Welche Erquickung, wenn dem brennenden Durst noch die leise Musik eines kristallenen Quells antwortet, und der Atem seiner feuchten Frische beruhigend die erhitzte Stirn umweht! Wasser ist das Begehrenswerteste unter dem feuernden Himmel des Juli. Menschen und Tiere stürzen sich mit Wonne in seine Fluten und lassen sich schwimmend übersprühen. Auf den Wassern zu paddeln, zu rudern, zu segeln gehört zu den höchsten Genüssen des Sommers. Wundervoll zu wandern, wenn nach einem Gewitter alle Poren der Erde neue Kraft und Lebensfreude dampfen und die Düfte der wilden Blumen stärker und verschwenderischer wehen.

Schön ist der Juli mit seinen Sommererstasen und kühlen Duschen. P. B.

Äornotizen.

Tageskalender für Samstag.

Gießener Hochschulgesellschaft: 16.30 Uhr im Sitzungssaal des Landratsamtes, Landgraf-Philipp- Platz 3, Hauptversammlung, anschließend um 17.15 Uhr Vortrag von Pros. Dr. Küster im Hörsaal des Botanischen Instituts. Bereichs-Meisterschaft im Rollschuhlaufen: Am Schwanenteich, 15 Uhr Pflicht­laufen, 20 Uhr Schaulaufen. Gloria-HZalast, Sei- tersweg:Kopf hoch, Johannes".' Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Verräter am Nil".

Tageskalender für Sonntag.

Bereichs-Meisterschaft im Rollschuhlaufen: Am Schwanenteich, 9 Pflichtlaufen, Meisterklasse, 14.30 Uhr Kürlaufen und Tanz-Wettbewerb. Bereichs- Kanu--Kurzstrecken-Regatta 1941: Beginn 14 Uhr. Gloria-Palast, Seltersweg: ,Lopf hoch, Johan­nes". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Verräter am Nil".

Oeffentliche Bekämpfung von Brandbomben.

Am Montag, Mittwoch und Freitag nächster Woche, jeweils um 20 Uhr, wird durch den Reichs­luftschutzbund, Ortsgruppe Gießen, eine öffentliche Vorführung zur Bekämpfung der Brandbomben stattfinden. Hierdurch ist der'Bevölkerung in ihren jeweiligen Wohnbezirken die Möglichkeit gegeben, die Löschweise und Unschädlichmachung von Brand­bomben praktisch zu sehen. Näheres in der heutigen Anzeige.

Der Gerichtsvollzieher im Dienst der Rechtspflege.

Llmfaffende Rechts- und Warenkunde ist eine der wichtigsten Voraussetzungen dieses Berufes.

Auf dem weitreichenden Gebiet der Rechts­pflege hat der Gerichtsvollzieher bedeutsame und vielseitige Funktionen au erfüllen. Bei der Ausübung seines Berufes sieht er sich oft vor die Notwendigkeit gestellt, unmittel­bar aus der Lage des Einzelfalles heraus unter eigener Verantwortung. rechtsverbind­liche Entscheidungen treffen zu müssen, ohne vorher eine Beratung durch eine andere rechtskundige Stelle in Anspruch nehmen oder sich durch Nachschlagen in den Gesetzen oder der juristischen Literatur unterrichten zu können. Er muß daher außerordentliche Kenntnisse der gesetzlichen Vorschriften und der ständigen Rechtsprechung der maßgeben­den Gerichte besitzen, um sein verantwor­tungsvolles Amt in der rechten Weife aus­üben zu können. Uetzer das Aufgabengebiet dieses Iuftizbeamten haben _ wir uns mit Gerichtsvollzieher Karl Moll in Gießen unterhalten, der neben seinem Gerichtsvoll­zieheramt noch als Schulungsleiter dieses Fachgebiets für Oberhessen tätig ist.

Der Gerichtsvollzieher als öffentlicher Beamter geht aus der Laufbahn der mittleren Iuftizbeamten hervor. Nach einem besonderen Vorbereitungsdienst für das Amt des Gerichtsvollziehers, der ein Jahr dauert und während 9 Monaten bei einem Gerichts­vollzieher und während 3 Monaten in einem beson­deren Lehrgang abzuleisten ist, muß sich der Anwärter für den Gerichtsvollzieherdienst einer Prüfung unter­ziehen. Nach bestandener Prüfung wird er zunächst als außerplanmäßiger Gerichtsvollzieher angestellt. Wenn er sich in dieser Eigenschaft bewährt, erfolgt nach Maßgabe der freien Posten seine Anstellung als planmäßiger Gerichtsvollzieher. Auch die An- wärter für den gehobenen Justizdienst und die Re­ferendare müssen während ihres allgemeinen Vor­bereitungsdienstes eine gewisse Zeitspanne ihrer Ausbildung bei dem Gerichtsvollzieher verbringen, um diesen Dienstzweig kennenzulernen.

Der Gerichtsvollzieher ist nach hem Gesetz Zu- »- und Vollstreckungsbeamter des Gerichts.

liegt als Zustellungsbeamter die Zustellung gerichtlicher Entscheidungen, soweit durch die Zu- stellung Fristen in Lauf gesetzt oder gewahrt wer­den. Die Zustellung muß entweder von ihm per­sönlich vorgenommen werden oder in seinem Auf­trage durch die Post mit besonderer Zuftellungs- urkunde erfolgen.

Weit umfangreicher als die Zustellungstätigkeit ist das Wirken des Gerichtsvollziehers als Voll­streckungsbeamter. Hier kommt in erster Linie die Zwangsvollstreckung in Betracht. Dabei handeü es sich zunächst um die Pfärünina beweglicher Gegen­stände, wofür er ausschließlich zuständig ist. In Ausübung dieses Dienstes fordert der Gerichtsvoll­zieher den Schuldner unter gleichzeitiger Zustellung des vollstreckbaren Schuldtitels zur Zahlung der Schuldsumme auf. Wird die Zahlung nicht geleistet, so muß er zur Pfändung in die bewegliche Habe des Schuldners schreiten. Die Pfändung geschieht durch die Anbringung des Pfandsiegels an den ge­pfändeten Gegenstand, wobei das Pfandfiegel in sichtbarer Weise anzubringen ist. Zur rechtlichen Gültigkeit der Pfändung gehört aber auch als un­erläßlicher Bestandteil der Amtshandlung die Auf­nahme eines Pfändungsprotokolls an Ort und Stelle in Gegenwart des Schuldners oder eines seiner Hausangehöriaen, falls der Schuldner selbst von dem Gerichtsvollzieher nicht angetroffen wird. Von dem Augenblick der Pfändung an gehen die gepfändeten Gegenstände in den Besitz des Gerichts­vollziehers als Treuhänders des Gläubigers über. W'vd die Zahlung der Schuldsumme innerhalb der festgesetzten Frist geleistet, so erhält der Schuldner die schriftliche Ermächtigung, das Pfandfiegel von dem gepfändeten Gegenstand wieder zu entfernen und damit seine Verfügungsgewalt über den Gegen­stand wiederein Anspruch zu nehmen. Bezahlt der Schuldner innerhalb der Frist aber nicht und er­hält er auch von seinem Gläubiger keinen sog.

Fristschem, durch den ihm eine längere Frist zur Erfüllung seiner Verpflichtungen gewährt wird, so werden die gepfändeten Gegenstände von dem Ge­richtsvollzieher oder seinem Beauftragten bei dem Schuldner abgeholt und zur Verwertung, d.h. zur Versteigerung in das Pfandlokal gebracht. Bis zum Beginn des Versteigerungstermins kann der Schuld­ner durch Bezahlung der Schuldsumme die gepfän­deten Gegenstände noch für sich einlösen. Versäumt er diese letzte Möglichkeit, dann wird die Versteige­rung durchaeführt. Diese wird von dem Gerichts­vollzieher soweit ausgedehnt, bis der von dem Schuldner zu zahlende Betrag zuzüglich der Haupt- geldzinfen und der Kosten durch den Versteigerungs­erlös erreicht ist. Sobald dieses Ergebnis vorliegt, werden etwa weitere aepfändete Gegenstände von dem Gerichtsvollzieher freigegeben und dem Schuld­ner als unbeschränktes Eigentum wieder zur Ver­fügung gestellt.

Der Pfändung unterliegen nicht solche Gegen­stände, die zur Erhaltung eines angemessenen be­scheidenen Hausstandes bzw. der Erwerbstätigkeit des Schuldners dringend notwendig sind. Die Ent­scheidung darüber, was im Einzelfalle als drin­gende Notwendigkeit anzusehen ist, unterliegt unter eigener Verantwortung dem pflichtgemäßen Ermes­sen des Gerichtsvollziehers. Dieser hat dabei in den einzelnen Fällen Entscheidungen zu treffen, die zwar gesetzlich in großen Umrissen umschrieben sind, jedoch fast immer nach Lag« der Verhältnisse außer-

ordenllich verschieden sein können. Alles über den Rahmen der dringlichen Notwendigkeit hinaus, gehende Besitztum unterliegt der Pfändung. 4

Im Rahmen der Zwangsvollstreckungspflicht hot der Gerichtsvollzieher auf Grund von richterlichen Entscheidungen auch die Wegnahme von beweglichen Gegenständen des Schuldners durchzuführen. Es handelt sich dabei z. B. um solche Sachen, die dar Schuldner nur unter Eigentumsvorbehalt des Der, käufers erkannt, aber überhaupt nicht oder nicht völlig bezahlt und auch die entsprechenden Mahnun. gen des Gläubigers unbeachtet gelassen hat. Nach richterlicher Entscheidung kann in solchen Fällen von dem Gläubiger der fragliche Gegenstand zurückge­fordert und von dem Gerichtsvollzieher durch Weg. nähme dem rechtmäßigen Besitzer, also dem Gläu. biger, wieder zugeführt werden.

Geht eine Zwangsvollstreckung fruchtlos aus, so kann der Schuldner von dem Gläubiger zur Lei­stung des Offenbarungseides vor Gericht geladen werden. Erscheint der Schuldner zu dem vom Ge­richt festgesetzten Offenbarungseid-Termin nicht, so wird dem Gläubiger auf seinen Antrag ein richter­licher Haftbefehl gegen den Schuldner erteilt. Die Vollstreckung des Haftbefehls obliegt dem Gerichts­vollzieher. Er hat den Schuldner zur Leistung des Offenbarungseides dem Richter zuzuführen. Ver­weigert der Schuldner den Offenbarungseid, so wird er von dem Gärichtvollzieher in gerichtliche Hast eingeliefert, die bis zu einem halben Jahr ausge-

Oie Iagd im Juli.

Das Kalenderjahr hat seinen Höhepunkt bereits wieder überschritten, und draußen in Feld und Wald wächst die Wildjugend heran, die z. T. so entwickelt ist, daß sie selber jagdbar wird oder der Führung nicht mehr so bedarf, wie das vorher der Fall war. Das hat zur Folge, daß auch der Schonzeitkalender wieder mehr weiße Felder aufwerst, die Schußzeit bedeuten.

Im Vordergründe der Jagdausübung steht immer noch die Jagd auf den Rehbock. Wurde sie seit­her dadurch erschwert, daß das Wild mit Vorliebe in den Feldern stand und der Bock die Ruhe der Feiste genoß, so ändert sich das Bild nun bald. Denn etwa um die Monatsmitte setzt die hohe Zeit des Rehwildes, seine Brunft, ein. Damit aber kommt es von sich aus in Bewegung. Zu allen Tageszeiten besteht die Aussicht' suchende oder trei­bende Böcke anzutreffen, wo seither das Revier wie tot und ausgeblasen erschien. Den Beginn der Brunft wird der Weidmann vor allem dazu be­nutzen, nach Möglichkeit noch abschußnotwendige Böcke auf die rote Decke zu legen, ehe sie sich ver­erben. Seinen guten Böcken wird er dagegen mög­lichst lange die Kugel ersparen. Denn sie sollen die Väter der Böcke werden, die das Ziel der jäge­rischen Hege sind. Jedenfalls wird die kommende Blattzeit dazu benutzt werden müssen, um einen großen Teil des noch nicht getätigten Abschusses durchzuführen. Die Kunst, den Rehbock mit Hilfe desBlattens" vor die Büchse zu bringen, wird dies dem Jäger nur erleichtern.

Der Krieg stellt jedem, der ein Revier besagen darf, zwei vordringliche Aufgaben. Die eine verlangt, daß jeglicher Wildschaden an Gewächsen der land­wirtschaftlichen Kultur auf ein Mindestmaß herab­gesetzt, die andere, daß durch völlige Erfüllung des festgesetzten Abschusses die Ernährungsreserve, die unser Wild für die gesamte Volksernährung darstellt, aus ausgenutzt wird. Um beiden Anforderungen ge­recht werden zu können, obwohl zahlreiche Jäger im Felde stehen, sind die Schußzeiten für verschiedene Wildarten durch den Reichsjägermeister vorverlegt worden. Das macht sich bereits im Juli bemerkbar.

Während der Rothirsch noch mit dem Aufbau oder dem Fegen seines Geweihes beschäftigt ist und das Alttier sein Kalb führt, bleiben beide von der Jagd verschont. Das gilt in gleicher Weise für den Schaufler und das führende Damtier.

Anders dagegen steht es mit nicht führenden wckb. lichän Stücken beider Wildarten, die ebenso wie Rot- und Damspießer bereits ab 16. Juli besagt werden dürfen.

Sauen sind uneingeschränkt frei, und der Jäger wird schon im eigensten Interesse alles versuchen, ihren Schaden möglichst einzuschränken. Wenn nn Laufe des Monats die Getreideernte einsetzt, Unruhe in die Felder kommt und die Deckung geringer wird, wird die Jagd auch erfolgversprechender.

Das Federwild ist mit dem Führen seiner Jungen beschäftigt. Die Brutzeit ging zu Ende, fp« weit es sich nicht um sogenannte Nachbruten für verlorene Gelege handelt.

Am weitesten entwickelt sind bereits die Jung- enten, so daß die Entenjagd schon am 16. Juli aufgeht. Zwar werden noch nicht alle Schafe flug- bar und damit jagdbar sein. Aber sie holen dann den Abstand auch bald ein. Unreife Entchen zu schießen, ist sinnlos. Wenige Zeit später fteilen, sie eine vollwertige Beute dar. Die alten Enten, vor allem die Erpel, sind in der Mauser und zm Zeit der sogenannten Schwingenmauser flugunfähig. Sie stellen den Hund, der im Schilfe stöbert, oft vor eine schwierige Aufgabe und verlangen von dem Jäger einen schnellen Schuß.

Wenn das Korn auf Hocken steht, ist die Rin­geltaube schußbar. Auch ihre Jagd ist mit dem 16. Juli ausnahmsweise freigegeben worden. Der Ansitz an den Rastbäumen oder an den Tränkestelleir verspricht den meisten Erfolg.

Der Abschuß des D a ch s e s am Bau sollte überall dort betrieben werden, wo später seinem Graben vermutlich doch Schwierigkeiten durch Zeitmangel, Fehlen guter Hunde u. a. m. entgegenstehen werdeu. Denn es liegt nicht im Interesse der Niederjagd, den Dachsbestand größer werden zu lassen.

Auch der Fuchs kann überall und ohne Ein­schränkung besagt werden, wo er zu Schaden geht.

Hubertus.

Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!

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Gchüffe in Tucumän.

Roman von Heinrich Lang.

(Schluß.)

Beschlagnahmen Sie alle Aufzeichnungen?" be­fahl der Polizeichef.Wie weit sind wir mit dem verhafteten Manne?"

Er gibt zu, Everett Swann zu sein, der sich das Bankguthaben der Condor-Copper-Gesellschaft wider­rechtlich angeeignet hat. Er leugnet nicht, der frühere Freund der jetzt von ihm ermordeten Frau Novello zu sein. Er ist geständig! Als wir ihm sagten, daß Celina Novello tot sei, war e? zu Ende mit ihm. Er bekannte sich auch schuldig, einen gewissen Do- nato Laoalle aus La Corona bei Tucumän hinter­rücks niedergeschossen zu haben. Aus ^ersehen aller­dings nur. Die Kugel sollte einem vermeintlichen Nebenbuhler um die Gunst Celinas gelten. Die Polizei von Tucumän hielt eine Zeitlang einen deut­schen Ingenieur für den Täter, Herrn Droste, dem wir die Festnahme Everett Swanns verdanken. Morgen früh wird unsere erste Arbeit sein, die vor­gefundenen Bankguthaben zu sperren! Der Verlust des Herrn Calvo wird sich nach oberflächlicher Schätzung um etwa zwei Drittel verringern, nehme ich an!"

Wollen wir es ihm gleich mitteilen?" lächelte der Polizeichef.Er ist drüben im Musikzimmer. Ich fürchte nur, wir werden stören. Das Ehepaar Calvo hat eine sehr lebhafte Unterredung mit seiner wiedergefundenen Tochter Manuela Es wird ein schöner Batzen Geld zusammenkommen, wenn die Castillos und die Calvos ihre Kinder zusammen- geben!"

Da klopfte es an der Tür. Zwei Geheimpolizisten erschienen.Unsere Vernehmung des Personals ist beendet!" meldete der eine.Wir mußten leider fsst- stellen, daß ein Mann fehlt. Es handelt sich um den Chauffeur, einen gewissen Luciano Carrasco!"

Zum Teufel! Der wird das Subjekt <ein, das der jungen Frau Hampton die Perlen raubte!"

Es ist anzunehmen. Wahrscheinlich hat der Bursche auch unter falschem Namen in Frau Hall- ströms Diensten gestanden!" nickte der Beamte. Können wir das Haus nun freigeben? Die Leute werden allmählich ungeduldig. Es ist kein Ver­dächtiger darunter."

Sagen Sie den Leuten, daß sie gehen können!

,Zch kann es noch immer nicht fassen!" sagte Ada.

Man saß wieder in dem kleinen Bügelzimmer des

zweiten Stockwerks. Niemand hatte in dieser Nacht ein Auge geschlossen, weder Ada noch Kaj noch Heinz Droste.Vor allen Dingen werde ich einmal einen ordentlichen Kaffee kochen!" sagte Kaj.

Droste wär bereits gewaschen, rasiert und um- gezogen.Wenn ich euch raten darf, so wollen wir möglichst bald hier abrücken. Die arme Frau Hall- tröm wird Ihnen nicht mehr klingeln, liebe Ada!"

Die Zofe fuhr auf.Ich habe noch mein Gehalt für den lausenden Monat zu beanspruchen!"

Wenn du sonst keine Sorgen hast, soll es mir recht fein!" lachte Kaj Jversen.Glaubst du noch immer nicht, daß ich eine sehr geschäftstüchtige Frau bekomme, Droste?"

Droste wandte sich mit ernst gewordenem Gesicht vom Fenster ab.Der Leichenwagen!" Dann ging das Telephon. Heinz Droste wurde verlangt. Die Besitzerin seines Boardinghouses in Buenos war am Apparat. Ada konnte deutlich jedes Wort verstehen, das er sprach. Schon war er wieder da.

Abmarsch, Kinder!" rief er.Es ist soweit! Ein Telegramm aus Sao Paulo. Meine Bewerbung ist angenommen. Ich bin anaestellt als vorläufig zwei­ter Ingenieur. Eintritt sofort. Muß den nächsten Dampfer nach Santos zu erreichen suchen ..."

Kaj Jversen und Ada hielten sich an den Händen.

Als Droste davongelaufen war, lächelte Kaj und zog Ada an sich.Wollen wir nicht auch den nächsten Dampfer nehmen? Aber nicht nach Santos, sondern nach Europa?"

Ich habe nichts dagegen!" flüsterte Ada und verbarg ihr Gesicht an der Brust des Verlobten.

13.

DerSan Lorenzo" war ein alter Küstendampfer. Um den schmalen Tisch in dem Eßraum der Schiffs- besatzung lief ein rauhes Gelächter. Marianne Cle- venz war das einzige weibliche Wesen am Tisch. Sie saß mit roten Wangen vor ihrem Teller und würgte an der ungewohnten Mahlzeit. Einer der Stewards stieß dem auf beiden Backen kauenden Koch in die Rippen.Der Alte erhofft eine Steige- rung der Passagierzahl, wenn er so eine blonde Stewardeß an Bord hat!"

Jetzt konnte Marianne nicht mehr länger an sich halten.Ich muß doch sehr bitten!" rief sie.Für wen halten Sie mich?"

Nun, nun! Warum gleich so aufgeregt? Schließ- lief) werden Sie doch feine Nonne bei uns markieren wollen!" spottete der Steward.

Das Mädchen fuhr auf.Ich denke, ich bin hier überflüssig! In Zukunft darf ich vielleicht allein essen!"

Höre einer an!" krähte der dicke Koch.Was für eine habt ihr denn oa eingefan^eit?"

Marianne trat auf das Deck hinaus und stand in trüben Gedanken an der Reling. War dieser jäm­merliche Posten einer Stewardeß auf dem alten Klapperkahn die letzte Chance gewesen, die sich hatte bieten wollen? Sie hatte nur an eines noch gedacht: Fort aus dieser Stadt, in der man so ziellos herum­saß, mit seinem Heimweh allein. Ein Zufall hatte'es gewollt, daß sie an der Schiffsagentur vorbeikam, wo für denSan Lorenzo" eine Stewardeß gesucht wurde. Ohne sich lange zu besinnen, hatte sie sich gemeldet. Jetzt bewahrheiteten sich ihre stillen Be­fürchtungen immer mehr. Was für Frauenzimmer mochten es wohl gewesen sein, die vor ihr auf diesem Seelenverkäufer als Stewardeß gewirkt hatten?

Die ersten Passagiere kamen an Bord, ara Abend sollte derSan Lorenzo" die Anker lichten. Ein buntes Volk betrat das Verdeck, bedenklicheCa­balleros", Weiber aller Rassen und Nationen, arme Leute mit bunten Kopftüchern, Hefe und Abschaum der Hafenstädte.

Wollen Sie mir meine Kabine zeigen, süße blonde Senorita?" grinste ein schwarzlockiger Bur­sche, der allerlei Musikinstrumente mit sich führte. Und hob schon seine Hand, um Mariannes Wange zu streicheln.

Marianne fuhr zurück.Was unterstehen Sie sich?"

Noch ist es Zeit dachte sie, von Ekel geschüttelt. Noch kann ich an Land gehen!

Da pfiff es hinter ihr her.Sollst dem Kapitän den Kaffee in die Kajüte bringen!" schrie der Steuermann. Er kam breitbeinig auf Marianne zu. Als er dicht vor ihr stand, lachte er und blinzelte sie spöttisch an.

Alles in ihr lehnte sich auf. Mit einem Male wußte Marianne: Nie werde ich dem alten See­bären den Kaffee bringen. Schon war sie in der kleinen Koje, die chan ihr als Schlafraum zuge­wiesen hatte. Kleider und Wäsche flogen in den Koffer. Sie mußte versuchen, ungesehen von Bord zu kommen. Marianne stand an Deck.

Immer mehr Menschen kamen an Bord. Ein ganzer Schwarm schob sich eben über den Landungs­steg. Marianne schob sich gegen den Strom der an Bord Drängenden. Sie fühlte die Bohlen des Steges unter den Füßen. Dann war plötzlich Raum um sie. Sie rannte. Mit einemmal ein Anprall, polternd entfiel der Koffer Mariannes Händen. fast wäre sie hingefallen. Aber zwei Arme hielten sie fest.

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beieinander stand. Droste, Marianne und O'Connor

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Dann begann der junge Deutsche zu sprechen. & sprach deutsch. Nur Marianne verstand ihn.

Wissen Sie auch, wie sehr ich Sie gesucht habe, all die Zeit?"

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Marianne senkt den Kopf.Werden Sie mit diesem Schiff fahren, Herr Droste?" fragte sie, unb in ihren blauen Augen glomm bange Erwartung.

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Droste schüttelte lächelnd den Kopf.Es gehen noch mehr Dampfer nach Santos, denke id)r er« widerte er, ohne Mariannes Hände loszulassen.

Neben dem jungen Paare stand O'Connor.Sie kennen sich?" fragte er und lächelte traurig.Dies ist die junge Dame, lieber Droste, von der ich Ihnen, erzählte. Ihretwegen ließ ich meine Pflanzung im Stich und fuhr nach Buenos."

Da lachte Droste. Er preßte Mariannes zuckende Hände.Das tut mir aufrichtig leid. Aber in biefent Falle habe ich die älteren Rechte!"

Der irische Estanziero streckte dem jungen Paars die Hände hin.Leben Sie wohl! Ich habe leibet nicht viel Zeit!" Und mit langen Schritten ging et davon.

Da schob Marianne ihren Arm unter den des endlich gefundenen Freundes und hob ihr heißes Gesicht zu ihm empor.

Haben wir den gleichen Weg, Herr Droste?* fragte sie.

Von nun an immer, denke ich, Mariannes sagte er.

Verzeihung!" lispelte Marianne'und errötete. '

Die Arme, die sie umschlungen gehalten hatten, lösten sich langsam.

Marianne sah in das Gesicht eines jungen Man­nes. Er lachte^ Aber er sagte kein Wort. Er schien nicht minder fassungslos zu sein als Marianne selbst

Aber da war ja noch ein Zweiter. Ein langer, blonder Mensch mit treuherzigem Gesicht, aus dem zwei helle Augen fassungslos auf Marianne starrten«

Herr O'Conrwr!" stammelte Marianne, und das Herz schlug ihr. Ihre Hände aber lagen in den sonnenbraunen Fäusten ihres deutschen Land» mannes. *

Es war die letzte Stunde, Marianne!" Jagte Heinz Droste.Gerade wollte mich mein irisches Freund da an Bord begleiten. Ich muß nach Sao Paulo! Und Sie? Wohin wollten Sie so eilig?",

Ich?" Marianne suchte vergeblich nach einer Anb wort.Ick weiß es nicht, Herr Droste! Ich weiß es wirklich nicht!"

Es gab eine kurze Pause, während man ratlos