12/13. ZulUM
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
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.irffi'cn eingeschlossen. Ihre verzweifelten Durch- ;iriK)e scheiterten. Riesenhaft müssen die bolsche-
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ltgeschichte abgeschlossen." Das will viel i, aber die Abschlußziffern geben wirklich ein
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Es war ein kühnes und zähes Nordmannengeschlecht, das im 9. Jahrhundert diese Insel in Besitz nahm, sich aus dem Treibholz des Meeres mit Tor und Grassoden dazwischen seine niedrigen Hütten baute, den Tälern und Küstenstrichen die Weide für das genügsame Schaf abrang und sich im übrigen von den Fischen nährte, die das Meer ringsum so reichlich spendete. Von dem kraftvollen Heldentum dieses Geschlechts kündet die Edda und künden die Sagas, denen sich in der ganzen Weltliteratur nichts Ebenbürtiges an die Seite stellen kann. Der Niedergang Islands begann aber schon im 13. Jahrhundert, als die herrschenden Godengeschlechter in unheilbarer Fehde das Land zerrissen und sich gegenseitig auszurotten drohten. Der 1262 gefaßte Beschluß des Althings, der auf dem Thingvellir, der weiten Ratsebene, versammelten freien Männer, ihr Land Norwegens König anzuvertrauen, war damals vielleicht wirklich die einzige Möglichkeit, um dem drohenden Selbstmord des ganzen Volkes
Nur das »flauet«-Kreuz auf einer HeilmiHelpackung kennzeichnet unverwechselbar alle »0aj#e*«-Arzneimittel. Es ist ein Sinnbild wissenschaftlicher Verantwortung. • - Arznei
mittel haben sich millionenfach in der ganzen Welt bewährt, überall gilt das *0aye»«- Kreuz
Das kleine Inselland im hohen Norden, der am weitesten nach Nordwesten geschobene Vorposten Europas, lenkt durch die allem Völkerrecht hohn- sprechende nordamerikanische Besetzung wieder einmal die Aufmerksamkeit der Welt auf sich. Schon mehrfach hat in den letzten Jahren die früher nur wenig beachtete Insel von sich reden gemacht. Vor zweieinhalb Jahren konnte sie mit großen Festlichkeiten den zwanzigjährigen Jahrestag ihrer Unabhängigkeit begehen, die ihr nach Jahrhunderten der Unterdrückung den 1918 abgeschlossenen Staatsvertrag mit Dänemark wiedergegeben war. Rund anderthalb Jahre später erregte die widerrechtliche Besetzung des Landes durch England einen Sturm der Entrüstung, und bald darauf erfolgte zwangsläufig unter englischem Einfluß die Lösung des Vertrages mit Dänemark. Nun ist durch den nord- amerikanischen Gewaltstreich Island gegen seinen Willen vollends in die große weltgeschichtliche Auseinandersetzung unserer Tage einbezogen.
Aber selbst abgesehen von diesen Ereignissen würde Island es wohl verdienen, sich mit ihm näher zu beschäftigen. Durch die hier vorhandenen Gegensätze ist es eins der interessantesten Länder der Erde. Man kann wohl sagen, daß m Island alles anders ist, als der durchschnittliche Mittel- europäer es sich vorstellt. Schon die Größe des Landes bedeutet für die meisten eine Überraschung. Mit seinen Halbinseln, Inseln und Scharen hat es den zweieinhalbsachen Flächeninhalt wie die Schweiz. Die Küstenlinie aber mit ihren vielen tief eingeschnittenen Fjorden mißt zwischen 5060 und 6000 -Kilometer, eine Entfernung etwa rote van Berlin zum Nordpol. Das Klima ist keineswegs so kalt, wie man es bei einem Lande, das unmittelbar südlich des Polarkreises und nur rund 300 Kilometer von Grönlands eisiger Ostküste entfernt liegt erwarten sollte. Der laue Golfstromzweig, der „Jrmingerstrom", der die ganze Insel umspult bewirkt an den Küsten ein mildes ozeanisches Klima mit kühlen Sommern, milden Wintern. Das innere Hochland allerdings hat eine kurze, knappe dreimonatige Vegetationsperiode von Juli bis September, und selbst in diesen Sommermonaten ist es vor'Schneefällen niemals sicher. Die alljährliche Lebensfrage für den isländischen Bauern, der sich hauptsächlich von ausgedehnter Schafzucht ernährt, ist das Polgreis, das sich der Insel bald mehr, bald
Die Frau Volz kommt!
Von Gertrude-Else Meixner.
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Mwältigendes Bild des Triumphes der deutschen K.: fen. Die bolschewistischen Armeen bei Bialystok sni Minsk waren zu erst in zwei, dann in drei
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I Küche niederläßt. Nachts schläft die Möwe auf dem Bettpfosten des Mannes und weckt ihn morgens | mit munterem Schreien.
dann, die beiden Arme tief im Schaum, über die Rumpel gebeugt, die Füße in großen Holzpantoffeln, auf einem Brett. Unter ihr fuhr buntes Wafser n kleinen Bächen eilig zum Abflußloch. Hinter ihr guatferte der Waschkessel, standen viele Bütten mit Eingeweichtem, lagen farbige und weiße Wasche- " Na? Kommt ihr mir ein bissel helfen?" rief sie uns an Ja, wir wollten. Sie wies uns eine kleinere Bütte an, wo Taschentücher ausgeschwemmt werden mußten, gewürfelte Küchentücher ober Deckchen, Topflappen und derlei. Ich habe bei Frau Volz in der Waschküche schon als ganz kleines Mädchen richtig und gründlich waschen gelernt. Sie ließ uns nichts durchgehen, hatte stets die Augen bei unserem Werken. Fehler wurden besprochen und durften nie wieder gemacht werden. Es war eine schone Art Schule, und die Kehrein blieb immer gleichmäßig fleißig, heiter und gütig.
Liebe Frau Volz! Der Kesseldampf umquillt ihr verblassendes Gesicht. Es riecht nach Seife — wie wir sie so oft auf der Raspel zu Flocken fürs. 23unte reiben durften — nach 'voda, ozonduftender Wa>che. Köstlich! Ich Ich« sie in unserem alten Gurten zwischen flaggenden Bettüchern auf und ab schreiten, neue Wäsche aufhängen, trockene abnehmen, säuberlich zusammensalten und in den zwelgnfsigen Wei- denkorb ordnen. Manchmal sang sre leise vor sich hin dabei, und der Wind trug ihre altmodischen Weifen weit fort. ,
Abends wenn die Arbeit getan war, packte ihr meine Mutter das Nachtessen in den Handkorb Frau Volz hatte Mann und Kinder daheim und wollte gerne mit ihnen essen. Wie reichlich gab ihr die Mutter! Ich entsinne mich deutlich, daß sie heimlich noch immer irgend etwas Nettes in diesen Korb schmuggelte. Ein Päckchen Kakao, eine Flasche Malzbier, ein Stückchen kalten Braten. Frau Volz sagte höflich: „Danke schön, gnädige Frau , und knöpfte sich dabei eine abgelegte Jacke meiner Mutter bis unters Kinn zu, weil sie so sehr fror. Ihre Finger sahen dann wie ausgemergelt aus, so weiß, faltig, verschrumpelt vom Wasierpantschen.
Neunzehnhundertsiebzehn kam sie einmal mit einer schwarzgefärbten Bluse meiner Mittler, saß aus einem Küchenhocker und weinte Auch meine Mutter wischte sich die Augen, und unser altes Mädchen Anna schneuzte sich häufig. Herr Volz war ^^JchE'sah nur, wie blütenrein das Tuch war, in bas sie ihre Tränen weinte. Und ich ging zu chr
i| ter^in Sowjetrußland verfügbaren Zahlen von Ml Hmeugen, die uns zu Gesicht gekommen ist, be- „ ief sich auf 15 000 Flugzeuge (1. und 2. Linie). (fli ganze Reihe dieser Flugzeuge fallen aus: sei
^au^Volz trug immer verbleichende Kleider tM ntii-er Mutter, darüber eine Jacke oder ein Woll- t M das Haar war zur Hochfrisur hlnaufgeichurzt, vcs längst aus der Mode mar. Sie hatte stets ire Laterne und einen Handkorb bei sich.
M -Einmal, als ich längere Zeit krank aelegen hatte rtb des Nachts nicht schlafen konnte, sah ich Frau gegen Morgen zum Waschen kommen. Die 'Kn Straße gähnte öde und dunkel. Langst roare Laternen gelöscht, aber der helle Tag wollte ch! kommen. Es war stockfinster. Eine Laterne kam 'M weither angeschwenkt, und als sie naherkam, -k crte sie zu Frau Volz. Gelbe Blitze zuckten vor fa Schuhen aufs Pflaster. Die etwas gebückte 9.1x1t war in ein dickes Fransentuch emgewickelt. 8td der Kopf.
hatte mich zum Fenster geschlichen, und wi^ vH ich vor Kälte und Fieber klapperte, konnte icy Nh doch nicht losreißen und ins warme Bett zu- Mriechen. Frau Volz schien so von Einsamkeit um- "frn zu fein da unten. So lange ich aber hier feil und meine Anteilnahme zu chr hinabschickte, Aibte ich in ihrer Nähe zu sein. Ich sah zu, wie Mas Waschhaus öffnete und hantterte. Das gewe 8i) wanderte hin und her. Es kann höchstens tir Uhr früh gewesen fein.
• 2'hr bald quoll aus den offenen Türen eme '.Bl «< orrx r • ■. » < < . - * - ATA /1 Ml
aufmarschiert gewesen waren, um einen Riesenstoß gegen Ostpreußen auf der einen, das Generalgouvernement auf der anderen Seite zu richten. Der schwedische Korrespondent saßt diese Vereinigung wunderlichster Gegensätzlichkeiten in folgende Worte zusammen: „Hätte Hitler mit seinem Entschluß noch eine Woche gewartet, so hätte das, was er jetzt mit relativ unbedeutenden Opfern erreicht hat, Ströme deutschen Blutes gefordert. Er hat die sowjetische Armee mit einem Knockout- Schlag mitten im Aufmarsch getroffen in einer Zeit, als diese Armee am meiften verwundbar war."
Der Sowjetsoldat hat sich zäh und tapfer geschlagen. Es gibt auch Tiere, die tapfer kämpfen, ja die wegen ihrer Tapferkeit sprichwörtlich geworden sind. Don solcher Tapferkeit waren die Sowjetsoldaten. Der schwedische Schriftleiter . erzählt ein charakteristisches Beispiel. Einer der sowjetischen Gefangenen trat auf eine Tellermine am Straßengraben. Durch die Explosion flogen 25 der dichtgedrängten Gefangenen in die Luft. Die anderen zeigten überhaupt keine Gemütsbewegung. Sie begruben ihre Kameraden und stellten sich wieder zum Abmarsch auf, als ob nichts geschehen wäre. Daraus zieht der schwedische Zeitungsmann folgende Nutzanwendung: „Es reicht nicht aus, Massen von Geld in Kriegsmaterial zu stecken, man muß gleichzeitig einen G e i st schaffen, der todesverachtende Männer mit einer Sprengladung in der Hand allein und fteiwillig gegen die stärksten Festungen der Welt stürmen und siegen läßt. Diesen Geist kann man aber nicht durch Propagandafloskeln oder auch noch so schöne Radiovorträge schassen, sondern nur dadurch, daß man durch neue, revolutionierende, dem Zeitgeist entsprechende Ideale die opferwilligsten Antriebe des Menschen herausholt." Dr. Ho.
Moskowien war an solchen Menschen niemals reich. Es ist vorgekommen, daß Richtkanoniere und Wagenlenker nach einer Ausbildung von nur einigen Wochen gegen den Feind geschickt worden sind. So arg war der Mangel an fähigen Menschen! Wie soll jetzt erst Ersatz geschaffen werden? Man kann ruhig annehmen, daß die Sowjetführung gar nicht mehr dazu kommt, die Ersatzfrage zu lösen, mag es sich nun um totes Material oder um Bemannungen von Panzern und Flugzeugen handeln.
Diese schweren und unaufholbaren Verluste schlagen deshalb so stark zu Buch, weil das Sowjetheer an sich auf die Ausnutzung aller letzten technischen Errungenschaften eingestellt war. Ein schwedischer Korrespondent, der eben von der Ostfront zurück- gekehrt ist, stellt ausdrücklich fest, daß die Sowjetarmee in technischer Hinsicht bedeutend b e s s e r ausgerüstet gewesen ist als die im Frühsommer 1940 geschlagenen französischen und englischen Armeen. Er erklärt den geradezu wunderbaren Tatbestand, daß zwei so vorzüglich ausgerüstete Armeen im Raum von Bialystok und Minsk binnen 39 Stunden nach Ausbruch des Krieges eingeschlossen waren, aus dem gewichtigen Umstand, daß sich die höchste technische Ausrüstung der Sowjetarmee mit einer unglaublichen Nachlässigkeit und Dummheit auf der anderen Seite gepaart hätte.
Die Sowjetführung war von sich derartig überzeugt, daß sie ihre hervorragend ausgerüsteten Armeen in den beiden weit nach Westen vorspringenden Bögen von Bialystok und Lemberg konzentrierte, obwohl hier die Gefahren der Einkesselung am größten waren. Für die Nachlässigkeit des Sowjetaufmarsches spricht es, daß am 22. Juni nicht eine einzige russische Luftabwehrkanone in Stellung gebracht war. Und das, obwohl die Sowjetarmeen vollzählig an den deutschen Grenzen
weniger nähert. Eisreiche Jahre, durch die die Wachstumsperiode sich noch mehr verkürzt, bedeuten eine Katastrophe für den Bauern, der dann nicht genügend Futter für feine Herden hat.
Der Jslandreifende hat unwillkürlich das Gefühl, daß diese Landschaft der Weltschöpfung noch näher steht als irgendeine andere. So urhast wirken die unendlichen, mit Geröll, Schlacke und Bimsstein bedeckten, hier und da mit Moosen und Flechten bewachsenen, baumlosen Ebenen, zwischen denen sich schroffe, mit Lava gefüllte Felsspalten öffnen, überragt von steilen, von ewigem Eise gekrönten, meistens in Nebel gehüllten Bergkegeln, von denen sich reißende Bäche und Ströme mit donnernden Wasserfällen zu Tal stürzen. Uraltes Vulkanland, vielleicht der letzte Rest einer Landbrücke zwischen Grönland und Nordschottland, von der alles übrige in einem der noch heute in Island häufigen Erdbeben in den Ozean versank, ist hier noch immer nicht zur Ruhe gekommen, und die glühenden Kräfte im Innern schaffen sich in Tausenden von heißen Quellen und Springquellen, in Vulkanen und Lavaströmen Luft. Feuer und Eis, die einander widerstrebenden feindlichen Elemente, herrschen unvermischt nebeneinander auf dieser Insel, dem alten Jsenland der Sage, wo eingefesselt und denn- noch flammenumlodert Brunhild dem Siegfried ent-
s, veil sie — wenn auch in noch so gedrosselter M__an anderen Grenzen stationiert sind, sei es,
RviiU sie sich in normaler Ueberh.olung befinden.
11 t e genaue Zahl der Panzer, über die die Zavjetroehrmacht verfügte, ist überhaupt nicht be- lyi't. Auch hier haben mir gelegentlich ein Hochst- jjftung von 15 000 Panzern angetroffen. Mehr fad b i e Hälfte dieser Höchstschätzung an Sow- Wpinzeni ist vernichtet! Denken wir uns einmal
i ’ 7615 Panzer in einer einzigen riesigen Fahr- ob? ine mit einem durchschnittlichen Abstand von iC Meter voneinander, dann machen diese 7615 IWzer eine riesige Panzer-Schlange aus, die in der hrlinie von München bis Frankfurt a. M. reicht. ')« angenommene Abstand von 40 Meter ist mäßig, >«» io n ihm je zwei aufeinanderfolgende Fahrzeuge» "" iit eingerechnet sind, außerdem ist ein Durch- iti chi ttsabftand angenommen worden, obwohl Die ■::rr chreren und schwersten Panzer naturgemäß m -•* . AZ , r i V r f...... ....".Kam Xi A Pt A i M AM 11 nn
zu entgehen, aber er führte eine jahrhundertelange Abhängigkeit für Island herauf, die mehr oder minder drückend war und noch vom 17. bis ins 19. Jahrhundert hinein durch das dänische Handelsmonopol den gesamten Handel der Insel lahmlegte.
Die gewaltige Entwicklung des modernen Island, begann um die Wende zu unserem Jahrhundert, hat aber seit der Unabhängigkeitserklärung von 1918 ein gradezu atemberaubendes Tempo angenommen. Das Land, das kaum natürliche Boden«, chätze sein eigen nennt, das jeden Baustein, jedes Stück Holz, jeden Nagel einführen muß, hat in den letzten Jahrzehnten ungeheure Anstrengungen gemacht, um sich von dieser Abhängigkeit vom Ausland zu befreien und feine eigenen Kräfte zu mobilisieren. Dafür standen nur zwei Wege offen: dis abrikmäßige Ausnützung der Fischerei und die Schaffung 'moderner Verkehrsverhältnisse.
In welchem Tempo die Industrialisierung vor ich ging, dafür zeugt das sprunghafte Anwachsen >er Städte, die Hauptstadt Reykjavik hatte im Jahre 1800 noch 300 Einwohner, 100 Jahre später waren es 3000, die in den letzten 40 Jahren auf 35 000 angewachsen sind. Während es vor 50 Jahren nur ganz wenige städtische Siedlungen gab, die kaum 5 v. H. der Bevölkerung beherbergten, sind jetzt längs der Küste eine Reihe kleinerer und mittlerer Industriestädte emporgeschossen, in denen fast 50 v. H. des ganzen Volkes wohnen. Wo bis vor kurzem das isländische Pony das einzige Verkehrsmittel war, da verbinden jetzt breite Autostraßen die einzelnen Siedlungen. Das Verkehrswesen steht an zweiter Stelle der Staatsausgaben, von denen es ein Fünftel verschlingt. 1930 wurde durch Er- richtung des Senders von Reykjavik der Rundfunk eingeführt, und schon heute ist Island eins der Länder mit der größten Zahl von Radioapparaten auf den Kopf der Bevölkerung. Der Einödbauer, der früher an den langen Abenden der Polarnacht seine Bibel und seinen Kalender las, ist jetzt durch sein Radio mit der ganzen Welt verbunden. Zugleich sorgen Volkshochschulen, die nach dänischem Muster über bas ganze Lanb verbreitet sind und im Sommer als Hotels für die wachfenbe Zahl der Touristen dienen, im Winter aber von der Bevölkerung eifrig besucht werden, für eine gediegene bäuerliche Bildung. Trotzdem geht der Anteil der Landwirtschaft an der Ausfuhr ständig zurück und beträgt heule nur noch rund 10 v. H. der gesamten Ausfuhr gegen 90 v. H. früherer Jahre. Der Versuch, durch Ausnützung der warmen Quellen auch die Ertragsfähigkeit des Bodens zu steigern, steckt noch in den Anfängen.
Es ist klar, daß mit diesen gewaltigen Umwälzungen auch ungeheure Probleme bevölkerungspolitischer und kultureller Art für Island entstehen. Die Gefahr der Proletarisierung bteiter Massen mit allen ihren verhängnisvollen Begleiterscheinungen ist unmittelbar akut. Zum Glück sind in dem Lande zielbewußte Kräfte am Werk, die sich bemühen, die alte Kultur, die auf dem gesunden Zusammenhang mit der Ueberlieferung ruht) auch unter den neuen Verhältnissen zu erhalten. Die Einmischung der USA. bedeutet in dieser Beziehung allerdings eine neue schwere Gefahr.W.
Island, die Insel der Gegensätze
hin und lehnte mich gegen ihre Knie. Ich wollte wieder, wie damals am Fenster, in ihrer Nähe sein, weil sie so einsam aussah.
Ich glaube, meine Mutter hatte in dieser Stunde einen heimlichen Schwur getan; denn die Art, wie sie in der Folgezeit für Frau Volz und ihre drei Kinder sorgte, war «so lobenswert und so vollkommen, daß man sich immer wieder daran erinnern, hingehen und desgleichen tun sollte.
Frau Volz war jetzt fast immer bei uns. Ihre Kinder spielten im Garten, halfen Obst einkochen, beaufsichtigten uns bei den Schularbeiten, und oft ist es mir ausgefallen, wie nett, anständig und gescheit sie waren. Besonders Hermann, der Aelteste. Er konnte wunderbare Sachen auf die Tafel zeichnen, wodurch wir ihn besonders verehrungswürdig fanden.
Viele Jahre sind seitdem vergangen. Meine liebe Mutter ist eine alte Frau geworden. Wir Kinder sind längst aus dem Hause. Ader Frau Volz kommt noch ab und zu. Freilich, waschen kann sie nicht mehr. Aber das hat sie auch gar nicht mehr nötig. „Jeder sind et seinen Lohn", pflegte sie oft pathetisch zu sagen, wie sie überhaupt eine gewaltige Neigung hatte, in Zitaten, Bibelsprüchen und Versen zu reden. Nun, sie hat ihren Lohn gefunden! Ihr ältester Sohn Hermann ist in einer guten Stellung, als Zeichner, in einem Industriewerk, ihr Zweiter Automechaniker, die Tochter verheiratet. Nur Sonntags kommen sie alle zur Mutter. Da sitzen sie in der Stube, erzählen, berichten und lachen.
5"r M Frau Bolz kommt! Die Frau Volz fommt!" riifi* j*c-ten wir Kinder, wenn unsere Waschfrau kam.
D, vir liebten sie sehr! Seit mir denken konnten, 6m sie ins Haus, wusch die Wäsch« hängte und j frcfc Migte sie bügelte, rollte und setzte sie weg. Alle chr Wochen wiederholte sich das. Im Sommer kam i< Zum Beerenlesen, Zwetschenaussteinen, Mus- M Üfj ri; im Sjerbft zum Krautschneiden und Sauer- Wtinftampfcn. Dann hatte sie em großes Instru- nit nnterm Arm. eine Art riesengroßen Gurken- ä«=:'K)iC, auf dem ein Holzkasten hm und her sauste, Krautkops sesthielt. Darunter waren bie •ffi U:f«r. Im Handumdrehen waren zwanzig dis ^q'Üistndzwanzig Krauthäupter nuM-tge Streischen
Und wenn ich heimkomme, nimmt fie mein kleines Mädchen sofort mit sich und erzählt ihr Wunder» geschichlen darüber, was ich für ein prakttsches Kind gewesen sei, und wie mpn mich mit sieben Jahren über alle Fragen der Wäscherei hätte befragen- können. Ich habe mich ausgekannt! Sie wünsche nur, daß meine Kleine auch einmal soooo werde. — Ich sehe meine kleine Tochter an und gewahre den seligen Schimmer in ihrem Blick, wenn eine gebeugte Frauengestalt vermummt die Straße entlangkommt. Ich sehe, wie sie ihre Händchen hebt, winkt und mit glucksendem Ton in der Kehle aus* ruft: „Muddi, Muddi, die Frau Volz kommt! Die Frau Dos; kommt!" Und dann ist mir, als drehe sich die Lebensuhr um Jahre zurück ... Ich bin es wieder, die am Fenster kauert, in meinen Augen ist der hingerissen glückliche Ausdruck.
Wir sehen gemeinsam und doch aus zwei Augen-- paaren auf die Straße und auf den grauen Kopf unserer treuen Freundin hinunter, und mein warm- schlagendes Herz denkt voll Zärtlichkeit: Wenn sie nur noch recht lange kommen kann, die liebe, alte Frau Volz, ach lieber Golt — noch recht, recht lange! >
Die Möwe als Haustier.
Eine merkwürdige Freundschaft zwischen Mensch
und Tier hat sich, wie finnische Zeitungen meldeten, zwischen einer Möwe und einem Fischer entwickelt. Als der Mann eines Tages mit dem Ausbeffern von Segeln beschäftigt war, hörte er auf einmal in den Lüften ein gellendes Dogeigeschrei. Als er emporblickte, 'sah er eine bereits ziemlich ermattete Möwe, die von einem Raubvogel verfolgt wurde. Als sich das verängstigte Tier, dem die Kräfte schwanden, nicht mehr anders zu helfen wußte, schoß es auf den Fischer zu und verkroch sich hilfesuchend zwischen die Falten seines Segels. Behutsam nahm der Mann den sonst so scheuen Vogel in die Hände und brachte ihn in seiner Kabine in Sicherheit. Mit Sorgfalt pflegte und fütterte er ihn. Dann wollte er ihm die Freiheit wiedergeben. Aber die Möwe dachte gar nicht daran, wieder das schützende Schiff zu verlassen, sondern begleitete seitdem den Fischer auf allen seinen Fahrten. Wenn er in den Hafen zurückkehrt, begleitet ihn das anhängliche Tier bis in feine Wohnung, wo es sich häuslich in der
Mutter Volz legte die Hände in den Schoß, sieht zufrieden von einem zum anderen und kann sich nicht genug darüber freuen, wie sie untereinander wetteifern, sie zu verwöhnen.
Und wenn bei uns, daheim Verlobung, Hochzeit, Kindlaufe oder sonst ein Fest ist — ist Frau Volz die Seele im Haus. Sie steht in der Küche, dirigiert die Mädchen, die Köchin, den Lohndiener. Sie breitet das Damastzeug auf die Tafel und beguckt jede Stelle mit kritsichem Auge. Da sie nicht mehr gut sieht, muß sie die Brille aufsetzen, was sie aber nicht hindert, ihre Kritik mit Ausdauer und Hingabe zu betreiben. Ist denn nicht jedes dieser Tafeltücher hundert-, vielleicht tausendmal durch ihre Hände gegangen? Geweicht, gekocht, gerieben, geschwemmt, gehängt, gebleicht, gespannt,, gebügelt, weaaeiekt worden^ 2Bie? Sollte sie sich unsere ~.~ ... — — , „ , -
Tischtücher da nicht genau besehen dürfen, ob denn Küche niederläßt. Nachts schläft die Möwe auf dem auch ihre Nachfolgerin die eigene Arbeit achtet und 1 ’h"
We Waschdunst, den ich begierig einatmete. Ziep, H -ich heute nicht dabei fein, konnte, wenn üraa wusch! . _... h
D-rnft durften wir Schwestern immer ein Stund- jöims Waschhaus schlüpfen. Da stand Frau Doiz
schen Verluste an Toten gewesen sein, denn es lar, daß nach Zerschlagung der bolschewistischen 2u Flotte, dem Verlust der Moskauer Panzer- n iben, die sich bei diesen Armeen befanden, die leuchen Waffen in der zusammengepferchten bol- hövistischen Masse um so furchtbarere Wirkungen
Men. Nach dem bereits gemeldeten Untergang He beiden bolschewistischen Heeresgruppen im ia nie von Bialystok ist nunmehr auch die bei fit ft erledigt, und die endgültigen Ziffern be- a ien, daß niemals vorher in der Weltgeschichte üj l Panzer, soviel Flugzeuge und soviel Geschütze gerichtet bzw. erbeutet wurden, als in dieser Dop- i,el ylachl riesenhaften Ausmaßes.
>15 Panzer, 6233 Flugzeuge und 4423 Ge- h;e sowie 400 000 Gefangene sind das Gesamt- urgmis des Ostfeldzuges in der Zeit vom 22. Juni is< Juli. Die Aufstellung aus dem Führerhaupt- _ Her ist vom 10. Juli datiert. Die einzelnen Je nchtungs- und Beutezahlen dürften an verschieden Tagen abgeschlossen sein, je nach dem Er- eb is der Waffengattung und des Ortes, wo die Belichtung oder Erbeutung ftattgefunden Hal. Im croicn Durchschnitt kann wohl angenommen werden, a es sich hier um das Ergebnis von 18 Tagen
K ldzug handelt.
IkN li5 sind Beule- und Vernichtungszahlen, die
। br liaupf erst anschaulich gemacht werden itjen. Das kann in doppelter Weise geschehen, i nal durch einen Vergleich mit den bekanntge- Mbenen Zahlen über die Ausrüstung der Sow- > mee etwa im Jahre 1939. Und dann durch eine ) tellung, welcher Raum von den erbeuteten PK.zern in Marschkolonne eingenommen würde.
,r Jahre 1939 verfügte die Sowjetarmee über ■ Flugzeuge in erster Linie und rund 5000 ii weiter Linie. Das sind insgesamt 11 000 Flug- . ie. Davon werden als vernichtet bereits 6233 111 fl.^cuge gemeldet, also 56,7 v. H. der Gesamtzahl! —- ®L- diese Vernichtungszahlen geben noch kein ge- ■J. im-s Bild der tatsächlichen Lage. In diesen acht- eh Tagen Ostfeldzug kamen zunächst d i e
M1 ober n ft e n russischen Flugzeuge zum Einsatz, fu sie entfällt der größte Teil der Abschüsse und — er Zerstörungen am Boden. Die höchste Schätzung
Menschen und Material.
2n Tage vor dem Abschluß der dritten Kampf- :po6e in Rußland hat das Oberkommando der K rmacht einen zusammenfassenden Bericht über il>n Zusammenbruch der bolschewistischen Angriffs-
?en gegeben, der erklärt, mit der Doppelschlacht Bialystok und Minsk sei nunmehr „die größte lerial - undUmfassungsschlachtder
i-chp »erDigen Vorhutpanzer.
s tzt haben wir aber nur von dem toten iJuter i a l gesprochen. Allein dieses tote Matenal nui von fähigen Menschen bedient werden.


