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am Gewinn beteiligt, wogegen die Gesellschaft sich verpflichten muhte. Die Konzession ohne Zustimmung der iranischen Regierung weder abzutreten, noch zu übertragen und ferner dafür zu sorgen, daß die Aktienmehrheit in den Händen der Niederländer und Jranier bleibt. Wenn auch der Krieg dem Ar­beiten dieser Gesellschaft ein Ende gemacht haben dürfte, so zeigt dieser Vertrag doch, dah die Zeit vorüber ist, wo die Länder des Nahen Ostens be­reit waren, ihr« nationalen Reichtümer für ein

Butterbrot an das englisch-amerikanische Aktienka- pital auszuliefern. Die Zukunft wird hier dem gehö­ren, der es versteht, in verständnisvoller Zusammen­arbeit mit den Völkern des Fernen Ostens die Erd­ölindustrie so zu entwickeln, daß beide vertrag­schließenden Telle zu ihrem Rechte kommen. An die Stelle der kapitalistischen Ausbeutung muß und wird auch hier die echte Zusammenarbeit ^treten.

Heftige Kämpfe um Rutbah und Habbamjah.

Beirut, 12. Mai. (Europapreß.) Der irakische Heeresbericht vom 10. Mai medete: Die Lage des Feindes in Sineld Abbane ist kritisch. Alle feind­lichen militärischen Ziele liegen in Reichweite un­serer Artillerie. Es sind keine feindlichen Gebäude und keine feindlichen Depots mehr übrig geblieben. Drei britische Flugzeuge haben das Lager von Raschid überflogen und einige Bomben abgewor­fen. Es hat keinerlei Schaden gegeben. Die feind­lichen Flugzeuge haben mehrere Erkundungsflüge über Bagdad und die Truppenkonzentrationen durchgeführt. Radio London hat die Einnahme von R u t b a h angekündigt. Es trifft zu, daß britische motorisierte Streitkräfte und Luftstreitkräfte die Garnison von Rutbah am 9. Mai angegriffen haben. Der Angriff dauerte zwanzig Stunden; er wurde gemeinsam von der Artillerie und der Luft­waffe durchgeführt. Die feindlichen Truppen muß- ten sich vor dem hartnäckigen Widerstand der un­seren nach Westen zurückziehen. Unsere Truppen, die sich bisher in der Defensive befanden, sind zur Offensive übergegangen.

Der letzte irakische Heeresbericht meldet: An der Südfront haben zwei feindliche Flugzeuge die Garnison A l e m a r a überflogen und einige Bomben abgeworfen, die jedoch keinerlei Schaden anrichteten. Feindliche Flugzeuge überflogen einige irakische Städte. Vier von ihnen versuchten die mili­tärischen Objekte von A l n a s r i e h anzugreisen. Es gelang ihnen jedoch nicht, irgendwelchen Schaden an­zurichten. Ein feindliches Flugzeug überflog die be­waffnete Polizeistation von Rutbah. Es gelang ihm, trotz scharfer Bodenabwehr, im Tiesslug Flug­zettel abzuwerfen. Feindliche Panzerfor­mationen griffen die Festung Rutbah um 10.30 Uhr an. Unsere Abwehr konnte den An­griff, der von zwei Flugzeugen unterstützt wurde von denen eines in Flammen abstürzte nach hartem Kampf zurückweifen.

Ständige starke feindliche Luftbombardierungen zwangen die Habbaniyah belagernden irakischen Truppen zum Rückzug auf bessere Stellungen. Am 7. fanden bei Habbamyah heftige Kämpfe statt, in deren Verlauf der Feind zahlreiche Verluste erlitt. Die irakische Artillerie beschoß erfolgreich die eng­lischen Stellungen. Aber auch die irakischen Verluste sind stark. In der Nacht vom 5. auf den 6. Mai bom­bardierten irakische Luftstreitkräfte mit Erfolg eng­lische Munitionslager. Am Freitag gelang es iraki­schen Truppen in heftigen Gegenangriffen auf Hab- baniyah in das britische Lager einzu­dringen und Teile des Flugplatzes zu besetzen. Die britische Stellungen scheinen gefährdet. Schwere Kämpfe dauern an.

ßmir Abdullah durch Attentat verwundet.

Rewyork, 10. Mai. (DRV.) Emir Abdullah von Iransjorbanien wurde durch ein Atten­tat des eigenen Sohnes schwer verwundet. Der Konflikt war über die Irakfrage entstanden. Emir Abdullah ist stark britenfreundlich eingestellt und gegen den irakischen Umschwung.

General Oentz besichtigt die transjordanische Grenze.

Beirut, 11. Mai. (Europapreß.) Der franzö­sische Oberkommissar in Syrien, General D e n tz, hat Aleppo verlassen zu einer Jnsepkttonsreise in den Dschebel Drus an der transjordanischen Grenze. Hier wurden besondere militärische Sicherungsmaßnahmen getroffen, um eine Ausweitung des irakisch-britischen Konflikts nach Syrien hin zu verhindern.

Ausbau der Kolonialwissenschast an der Hamburger Llniversität.

Hamburg, 10. Mai. (DNB.) Einen Markstein in der Geschichte der hansischen Universität bedeutet es, daß Reichsminister Rust an ihrem 22. Grün­dungstag die Errichtung neuer kolonialwissenschaft­licher Lehrstühle bekanntgab. Durch die Errichtung neuer Lehrstühle für koloniale und ausländische Forstwissenschaft, für koloniale Bodenkunde und Kulturtechnik, für koloniale Tierzucht und für Ko­lonial- und Wirtschaftsgeographie hat Hamburg, so sagte der Minister, für die Kolonialwissenschslft eine Sonderstellung unter den Hochschulen des Reiches erhalten. Hamburgs besondere Stellung als Tor des Reiches zur Welt erfährt damit eine Stärkung, und auch als Universitätsstadt muß Hamburg durch diese besonderen Aufgaben besondere Anziehungs­kraft gewinnen. Aber auch die deutsche Wissenschaft rückt wiederum einen neuen Schritt weiter hinein in die großen lebendigen Aufgaben der deutschen Zukunft, die sich mit dem Fortschreiten des Ent­scheidungskampfes zwischen England und uns immer weiter vor uns dehnen. Klarer als anderswo steht hier vor uns die Tragik dieses Entscheidungskampfes zweier großer germanischer Nationen, klarer aber auch als iraendwo anders seine Notwendigkeit. Eng­land kämpft für das Privileg, alle Güter dieser Erde für sich mit Beschlag zu belegen, gleichgültig, ob es davon Gebrauch machen kann ober nicht. Deutschland kämpft für sein Leben.

Kolonialwissenschaft ist in Deutschland nichts Neues. An ihrem Anfang stehen die Namen von Kulturpionieren und Forschern wie Gerhard Rohlfs, Heinrich Barth, Gustav Nachtigal, Georg Schwein- surch, Karl Peters, Robert Koch, deren Leistungen

aus der Erschließung und Erforschung der afrikani­schen Welt überhaupt nicht wegmdenken sind. Die Afrika-Arbeit der Deutschen Forschungsgemeinschaft hat bis 1937 47 Unternehmungen in Afrika durch­geführt. Bis zum Kriegsausbruch wurden unter der Initiative des Reichsforschungsrates und des For­schungsdienstes 70 Forschungsaufträge in Afrika durchgeführt, vor allem auf dem Gebiete der Medi­zin und der Landwirtschaft. Sie griffen auch auf tropische und subtropische Gebiete Asiens und Ame­rikas über und ließen auch die polaren Zonen nicht außer Acht. Auf den deutschen Hochschulen und Uni­versitäten sind in den letzten Jahren immer mehr rein kolonial ausgerichtete Vorlesungen und Uebun<- gen hinzugetreten. Die Frage jedoch, ob an jeder Hocyichule Ausbildungsmöglichkeiten für zukünftige koloniale Berufe geschaffen werden sollten, müsse er mit Nein beantworten. Es würde dem Gesetz der Oekonomie der Kräfte widersprechen, wollten wir Lehrstühle errichten, für die wir qualifizierte Lehr­kräfte nicht besäßen, aber auch nicht die Zahl der Hörer. Auch der Gedanke einer eigenen Kolonial­hochschule scheide aus. Die Lösung müsse vielmehr einem besonderen Ausbau an der Universität führen. Auch ein eigenes grundständiges Kolonial­studium von etwa sechs bis acht Semestern scheide aus. Wir brauchten rasch für die Kolonien greif­bare Menschen, und wir würden auf diejenigen zu­rück greifen müssen, die chr Studium schon abgeschlos­sen hätten. Aber auch grundsätzlich werde bei aller Notwendigkeit der Spezialausbildung für die ver­schiedensten Berufe die breite Grundaus­bildung das solide Fundament abgeben. Auf zwei

Weltanschauung gegen Geldanschauung.

Ueichsleiter von Schirach auf dem Kantatetag der deutschen Buchhändler.

Leipzig, 11. Mai. (DNB.) Die zweite Kriegs- Kantate-Tagung der deutschen Buchhändler fand ihren Höhepunkt in einer Kundgebung des deutschen Buchhandels in dem Neuen Theater zu Leipzig. Oberbürgermeister Ministerpräsident a. D. Frey- berg gab bekannt, daß die Stabt aus ihrer alten und großen literarischen Tradition heraus einen Kantate-Dichterpreis gestiftet habe, der alljährlich an einen Schriftsteller ober Dichter, der durch seine Person ober durch sein Schaffen in kultureller Beziehung zu Leipzig steht, für eine lyrische, epische ober dramatische Dichtung in deut­scher Sprache zur Kantate-Tagung des deutschen Buchhandels verliehen werden soll. Als ersten Preisträger verkündete er den Präsidenten der Reichsschrifttumskammer StaatsratHannsJohst, den politischen Dichter Großdeutschlanbs, der, aus Seerhausen, Bezirk Leipzig, gebürtig, seiner Heimat treu verbunden ist.

Sodann nahm Reichsleiter Baldur von S ch i - rach das Wort. Er begann seine Ausführungen mit einer Huldigung an die deutsche Sprache.Als der Führer", so sagte er,die deutsche Sprache in allen ihren Möglichkeiten aus­schöpfend zur Nation zu reden begann, war erseit Martin Luther der erste, der zu allen Deutschen in ihrer Sprache zu^ reden und zu schreiben verstand. Und wenn die Höfe und die so­genannten führenden Schichten zu erbärmlich wa­ren, um diese tiefste, edelste und vollkommenste Sprache der Welt zu gebrauchen auf Bauern­höfen und bei Arbeitern bleibt deutsch deutsch. Ob in Bessarabien oder in Wolhynien, In Sieben­bürgen, im Banat, in der Datschka, in Lettland und Litauen oder im Elsaß, ober ob jenseits der Meere auf einsamer Farm oder in einer Streu­siedlung auf anderem Erdteil d i e deutsche Sprache blieb. Wenigstens hierin sind wir Deutschen, und auch in der Zeit unserer tiefften Erniedrigung und schamlosesten Zersplitterung, einig gewesen. Der bewußt seiner Zeit lebende junge Deutsche der Gegenwart wird von Kindheit an im Banne der Zeitgeschichte stehen. Das ist fein un­ermeßlich großes Glück. Wohl denen, die ihre Hel­den nicht aus Büchern gewinnen müssen und ihre

Vorbilder sichtbar vor Augen haben. Sie fühlen: Nie wurde so ins Große gedacht und ins Große gehandelt. Geschenk des Schicksals, davor bewahrt geblieben zu sein, in einer bürgerlichen Well auf- wachsen zu müssen, Geschenk des Schicksals, von der Phrase erlöst zu sein, den eigenen Wert und den Wert der anderen am Maßstab der Leistungen und der Tapferkeit gerne ff en zu sehens

Baldur von Schirach warf Damit die tfrage auf, was uns denn in unserer Zeit bie Bücher be- beuten: ,Zeder Deutsche wird im Hinblick auf sei­nen kulturellen Besitz als ein Krösus geboren. Das müssen wir unserem Volke immer wieder vor Augen stellen. Nichts ist so sehr Gemeinschafts- eigentum als das kulturelle Gut eines Volkes. Jeder deutsche Mensch besitzt dieZauberflöte" Mozarts und besitzt Weimar. Das ist es, was wir gegen den Feind zu verteidigen haben, was wir ihm gegenüber behaupten müssen und was in dieser gegenwärtigen Auseinandersetzung siegen muß , um das Ansehen und die Würde dessen, was Menschenantlitz trägt, zu retten, sonst kann die Nachwelt im Zeichen der Pfundnote und des Beefsteaks die Radierungen Rembrandts und die Notenblätter Der Matthäus-Pafsion kiloweise als Makulatur verkaufen. In Deutfchand erhebt sich das Ingenium der Menschheit gegen ein ödes, unerträgliches Händlertum. An dieser großen Mobilisierung des Geistes, in Der die Weltanschauung gegen die Geldanschauung ge­setzt wird, ist jeder deutsche Mensch, jeder Soldat, jeder Junge, jeder Arbeiter, jeder Bauer, jede Haus­frau bewußt ober unbewußt beteiligt*

Zum Schluß seiner Ausführungen richtete der Reichsleiter einen Appell an die Buchhändler, den jungen unbekannten Autor zu verlegen, denn es fei mehr Ehre für einen Verleger, einem jungen Dichter beim ersten Aufsitzen aufs Pferd den Steigbügel gehalten zu haben, als einem alten zum 150. Tausend das 160. hinzuzufügen. Er schloß seine Rede mit der Würdigung des Verlegers, der dem unbekannten Genie den Weg zur Unsterblich­keit bahnt. Im Werk feines Dichters liegt auch seine Unsterblichkeit beschlossen.

Gebieten aber, nämlich der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft, sei es unbedingt er­forderlich, nach Abschluß des normalen Hochschul­studiums eine zwersemestrige Zusatzaus­bildung durchzuführen. Zwei Universitäten wid­men sich der Ausbildung der Kolonraldiplomland- roirte, außer Hamburg ab 1. April 1941 auch ©otting e.n. Die Atmosphäre der Weühanbels- ftabt Hamburg legte nahe, hier die Universät mit besonderem kolonialen Akzent zu entwickeln. Aus diesem Grunde habe sich auch der Reichsforstmeister entschlossen, nach Hamburg sein Forschungsinstitut für koloniale und ausländische Forstwissenschaft zu legen, und es sei naheliegend gewesen, auch die zu- ätzliche Ausbildung der Diplomforstwirte zu Di- ilomkolonialforstwirten durch Schaffung eines Lehr- tuhls gleicher Art an der Universität Hamburg zu ermöglichen und beide Einrichtungen zur Wahrung der Einheit von Forschung und Lehre miteinander zu verbinden. Um diesen Aufgaben gerecht werden zu können, würden jetzt an der Universität Hamburg die eingangs genannten vier neuen Lehrstühle mit den zugehörigen Instituten geschaffen.

Soldaten des «SaueS Heffen-Aaffau opfern für das Kr.egswinierhilsswerk.

NSG. Der Kommandeur einer Feld- dioifion machte Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger Mitteilung von einer innerhalb sei­ner Division burchgeführten Sammlung zu Gunsten des.Kriegswinterhilfswerkes, die das stattliche (Er­gebnis von 103 000, RM. erbracht hat. Er be­tonte besonders, daß die Division durch diese Spende ihren Dank an die Heimat, vor allem aber auch ihren Dank gegenüber den Dienststellen der Partei und für die durch sie erfahrene Betreuung zum Ausdruck bringen wolle. Das Ergebnis dieser Sammlung würde durch eine Abordnung der Dioi- sion in Berlin überbracht und am 11. Mai a m Schluß des Wunschkonzertes bekanntge­geben.

Mehr als 34% Millionen UM. für das Rote Kreuz.

Berlin, 10. IHai. (DNB.) Der Erfolg der ersten haussammlung des zweiien Kriegs- Hilfswerkes für das DRK. Hal gezeigt, daß die Heimat sich in dem gewaltigen Ringen der Front würdig erweist. Nach den bisher vorliegenden Rlel- düngen erbrachte die am 27.4. 1941 durchgefnhrle Haussammlung das Ergebnis von 34 557 722,66 Reichsmark. 3m Vergleich zur 1. haussammlung des 1. Kriegshilfswerkes für das DRK. 1940 Hal sich das Ergebnis um 15 876104,32 RRl.. das sind 85 o. f) erhöht. Der durchschnittliche Betrag je Haushaltung stieg von rund 81 Rpf. auf 142 Rpf.

Oer Wehrmachiberichi vom Gamsiag.

Berlin, lO.Blai. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Die Luftwaffe versenkte im Seegebiet um Eng­land zwei Handelsschiffe mit zusammen 3000 BRT. und beschädigte drei weitere Schiffe, darunter einen großen Frachter so schwer, daß mit dem Ausfall weiteren Schiffraums gerechnet werden kann. Kampfflugzeuge warfen südlich Portsmouth einen britischen Zerstörer in Brand.

3n der letzten Rächt bombardierten Kampfflug­zeuge mit guter Wirkung Rüstungswerke und Flugplätze in den Midlands und in Süd- eugland sowie Hafenanlagen an der schottt- scheu Ostküste und in West, und Südostengland, hierbei gelang es, ein feindliches Flugzeug abzu­schießen.

3n Rordafrika vertiefen örtliche Kampfhand­lungen bei Tobruk und Sollum für die deutsch-italienischen Truppen erfolgreich. Bei der

Briefe.

Von Wilhelm von Lcholz.

Der Brief hat feine höchste Blütezeit gehabt, als er sich von dem in seinem Namen ausgesprochenen Wesen am weitesten entfernt hatte und geriet in Verfall, als er sich diesem Wesen wieder näherte. Die Sprachherkunft leitet den Blick zurück zum breve, basetwas Kurzes" bedeutet. Unb es ist selbstverständlich, baß man ben Brief, ber mühsam in Wachstäfelchen eingeritzt werben mußte, im alten Nom knapp unb zusammengefaßt, sachlich unb als reine Mitteilung schrieb.

Dann hat ber Brief, als bas Schreiben technisch einfach würbe, lebendige Kräfte in sich entwickelt, die ihn zu einer füllereichen literarischen Form, ja zu einem Mittel der großen Romandichtung mach­ten. Das bezeigen viele Werke ber Weltliteratur, von denen ich nur bieGefährlichen Liebschaften" des Ehoberlos be Laclos nennen will, jenen berühmten französischen Briefroman bes achtzehnten Jahrhun­derts, in bem, vielleicht mit etiyas Pedanterie unb Künstlichkeit, bie ganze sehr leidenschaftlich bewegte Handlung in eine Anzahl von Briefwechseln auf- geteilt ist.

Ich will aber hier von bem um seiner selbst willen geschriebenen Brief sprechen, von bem Briefe, ber nur mit bem Gebauten an einen ober einige Leser verfaßt würbe unb nicht für bie Öffentlichkeit be­stimmt war. Wir kennen auch ihn genau; immer haben Zeitgenossen und Nachlebenbe Freube baran gehabt, wirklich inhaltreiche Korrespondenzen nach­träglich auch ber Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Denn ber entwickelte Brief, besonders im achtzehnten Jahrhundert, empfing alles, was Geist und Herz ber oft ooneinanber durch weite Räume getrennten bedeutenden Menschen bewegte: Gedanken über Gott unb die Welt, wissenschaftliche Entdeckun­gen unb Erkenntnisse, Reiseschilderungen, den Aus­druck ergreifenden Gefühls unb schießlich ben Nie­derschlag ber Zeitereignisse, die kein Telegraph über­mittelte, unb ein noch in ben Anfängen stehenbes schüchternes Zeitungswesen erst langsam unb man» gelhaft verbreitete. So mürben bie Briefe, wenn bie Schreiber Menschen von Geist und über bem Durch­schnitt waren, ungewollt zur ßitergtur; und der viel­

fache Sinn bes französischen Worteslettres ist vielleicht nicht zufällig.

Die wunbervollen Liebesbriefe der Julie von ß e f p i n a f f e scheinen mir ber Gipfel bes Ge- fühlsausbrucks im Brief wenn auch in ihnen ber Angeredete ein Empfindungsgebilde ist, das über einen Lebenden nur gedichtet wurde, unb wenn auch diese Briefe im übrigen wahrscheinlich ein Leben be­wahren, das lediglich in ihnen, nicht in ber Wirk­lichkeit, bis zur Tiefe geliebt unb gelitten worben ist. Der größte Briefschreiber in jeber Beziehung ist Goethe, schillernb in allen Lichtern unb Farben unb Formen; vom kleinsten Zettel bis zur seiten­langen Schilderung ber Meister! Das Wesen der damaligen Epoche: Zeit, eileloses Leben, alle Ent­fernungen groß durch seltene und langsame Ver­bindungen, Mandel an lohnendem Verkehr, Ein­samkeit ber Geistigen unb bas Bebürfnis, sich mit Gleichen in der Stille auszusprechen, ohne an eine Veröffentlichung zu denken und die vielen gebotenen Rücksichten nehmen zu müssen, bestimmt die Gestalt des inhaltreichen tiefsinnigen, für das Schrifttum wertvollen Briefes.

Noch ehe sich bie äußeren Verhältnisse durch Bahn, Telegraph, Telephon, Auto, Flugzeug immer mehr änderten, ben Raum kürzten, bie (Entfernungen auf» hoben, die Einsamkeit verringerten unb auch für ben geistigen Verkehr alle Hindernisse beseitigten, fingen namentlich bie Leute bes Schrifttums an, ben Brief im Hinblick auf möglichen späteren Druck nicht mehr naiv, fonbern bewußt undliterarisch" zu schreiben. Der Verfall fttzt ein!

Dann, als ber Brief im weit überwiegenden Maße wieder zum ursprünglichen .,breve zurückkehrte, kurz, knapp, nur sachliche Mitteilung ober Frage, Festlegung von Gesprochenem ober unpersönlicher Bericht wurde, entstand bei manchem Mann der Feder, ber überhaupt kaum noch an ben Empfänger, fonbern nur noch für die Öffentlichkeit gedachte Brief, der bis in unsere Tage reicht. Ihn zu lesen, ist wenig Genuß, weil in ihm meist statt naiver sprudelnder Unmittelbarkeit gezierte Ettelkeit vor­waltet.

Der wirkliche heutige Brief ist wieder nur wie einst zur Zeit der Wachstäfelchen für den (Empfänger allein bestimmt unb soll auch nicht gedruckt werden. Er ist wieder persönlich und wahrscheinlick nur dem (Empfänger überhaupt ganz verständlich. Er ist

wieder Leben, nicht Literatur! Wirb er bei einem bedeutenden Manne doch einmal später, als Beleg­stück sozusagen, gedruckt, so wirb er, eine je wert­vollere Urkunde er für ben Biographen sein mag, die anderen Leser vielleicht um so mehr enttäuschen.

Der Brief als Erzeugnis des Schrifttums hatte feinen Höhepunkt damals, als er zwar schon Fülle und innere Bedeutung gewann, aber doch noch naiv, ohne Rücksicht unb Absicht geschrieben würbe, einem wirklichen echten Bebürfnis entsprang. Heute ist er keine allgemeine Erscheinung bes Schrifttums mehr. Er wirb roieber zum verborgen waltenben Leben, in bem bas Herzblut nicht für fremde Augen fließt unb pulst. Das finb die schönsten, heutigsten, un­mittelbarsten Briefe! Darf ich mich einmal selbst zitieren? (Ein paar Verse aus dem GedichtLiebes­briefe":

Laullos hören wir die eigenen Worte, ganz unmerklich wächst in uns bas Hören, unb nun hört ber Ferne mit bie Worte, bie ihn schattenhaft heraufbeschwören.

Schrift und Hören wird fast zur Berührung, wib bie Worte werben selig, trunken, füllen sich mit Liebe unb Verführung atmenb bist bu in mein Wort gesunken, atmenb fühl' ich, wie dein Wort mich binbet ...

OerGoldatundsemMädchen.

Von Heinz Scharpf.

Der Soldat Christian hatte den wohlverdienten Urlaub in die Heimat erhalten.

Pfeifend schritt er auf der staubigen Landstraße dahin, und es war ihm gar fröhlich ums Herz. (Ein Lastauto nahm ihn unterwegs auf und brachte ihn bis zur Bahnstation. Bald rollte sein Zug ab.

Unter ben Kameraden in Christians Abteil herrschte ebenfalls hefte Stimmung, alle sprachen davon, wie sie zu Hause erwartet roütben. (Es war keiner, auf den nicht jemand Liebes geroartet hätte. Ein knorriger Gebirgsjäger freute sich am meisten auf das Wiedersehen mit seinem Hund, für den er ein mächtiges Stück Wurst im Rucksack trug. Auch an Christian kam die Reihe, zu berichten.

Ich fafrre schnurgerade zu meinem Mädchen", sagte er. * -

Da grinsten die andern, denn das taten sie ja alle, das war doch nichts Besonderes.

Aber bei Christian war es doch etwas besonderes. Ich kenn es noch gar nicht", fuhr er fort,ich habe es noch nie gesehen, nur ein Bild habe ich von ihm."

Mensch", fielen die andern über ihn her,eine Postbraut hast du, ein Drifliebchen, einen Paket- chenschatz? Zeig' her das Bild!"

Christian zog lächelnd ein Phvto aus der Tasche unb reichte es herum. Da rissen alle bie Augen auf über bas nette Geschöpf, bas sie zu sehen bekamen, es fand einmütigen Beifall.

(Eine Weile fpater waren die Urlauber der Reche nach eingeschlafen, und auf jedem ber bhrten Gesich­ter lag ein Schimmer von Glück, offenbar träumten sie alle von ihren Frauen unb Bräuten.

Am Morgen darauf war Christian am Ziel. Nie­mand holte ihn vom Bahnhof ab, aber das war ihm recht. So konnte er noch rasch den struppigen Draht­verhau in seinem Gesicht von einem Friseur ent­fernen lassen. Dann bestieg er bie Straßenbahn und fuhr in bie Sieblung hinaus zu feinem Mädchen.

Etwas abseits von der Straße lag ein kleines Gartenhaus, knirschend schritten feine wuchtigen Stiefel über den Kies, aber kein Mensch kam ihm entgegen. War hier niemand zu Hause? Auf ein­mal verhielt er den Schritt, der Atem stockte ihm. Da lag jemand in der Sonne unb schlief fein Mädchen! Er tritt leise näher. Mein Gott, dachte Christian, bas Mädchen da, das war in Wirklich­keit ja noch viel netter als auf dem Bild. Das Herz schlug ihm bis zum Halse, er wollte sich nieder- beuaen, um es zu küssen, aber er fand nicht den Mut dazu. Er, der für besondere Tapferkeit das Eiserne Kreu; auf der Brust trug, machte plötzlich schlapp. Er fürchtete, die Schlafende zu erschrecken. (Beim ersten Kuß eines Mannes erheben oft auch mache Mädchen ein Geschrei, um bann später eben­falls eines zu machen, wenn sie nicht mehr geküßt werden.)

Während er so stand, öffnete das Mädchen die Augen unb sah ihn groß an, aber es schrie durchaus nicht auf, es lächelte ihn vielmehr freundlich an, es erwies sich tapferer als er, unb bas erfreute fein Soldatenherz mächtig beim es war immerhin erst zwölf Wochen alt imb hatte feinen Vater Christian noch nie gefetytn,