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Die Regierung

Bon unserem E. F

Vichy, Mai 1941.

Vichy, Ville thermale ävitez le bruit" (Vichy, Badestadt, keinen Lärm machen), kann man auf einer großen Tafel lesen, wenn man über die Brücke gefahren ist, die zwischen Bellerive und Vichy den Allier-Fluß überquert. Man macht sich seine Ge­danken und stellt lächelnd fest, daß man den Wor­ten ohne allzugroße Phantasie einen doppelten Sinn unterschieben kann. In der Tat, man liebt den Lärm nicht allzusehr in Vichy, weder in den Straßen noch in den Büros der zahlreichen Mini­sterien, die in soundsoviel Hotels untergebracht sind. Man kann die Analogie noch viel weiter treiben und finden, daß der ganze Regierungsbetrieb sich durch eine gedämpfte Betulichkeit auszeichnet.

Begnügen wir uns damit, einen Blick auf den äußeren Rahmen zu werfen, der den gegenwärtigen Aufenthalt der französischen Regierung umspannt. An den Ufern des Allier, der von der Auvergne nordwärts zum Bourbonnais fließt und gerade hier das Land in die feinen, duftigen Linien der Loire-Landschaft zu Hullen beginnt, liegt die Bade­stadt Vichy, der das halbe Dutzend heilkräftiger, dem südlichen Dulkangestein entströmender Quellen Weltruhm verliehen hat. Zumindest ist Vichy der bedeutendste Badeort Frankreichs. Da seine Hotels darauf eingerichtet sind, etwa 30 000 Fremde gleich­zeitig zu beherbergen, verfiel man im vorigen Sommer wie von selbst darauf, hier die Regierung zu installieren, nachdem man Bordeaux hatte ver­lassen müssen und sich kurze Zeit in Clermont- Ferrand aufgehalten hatte. Gerne wäre man nach dem lebhafteren Lyon gegangen, aber die Frage der Unterbringung wäre dort weniger leicht zu lösen gewesen als in Vichy. Bald wird dieses Re­gierungs-Provisorium ein Jahr gedauert haben, und der BegriffVichy" wird irgendwie mit die- em inhaltsschweren Jahr europäischer Geschichte ür Frankreich verbunden bleiben. Die Hotels wer­ten eines Tages wieder Hotels und nicht mehr Ministerien sein, aber es wird in ihnen für immer ein Hauch aus der Zeit geistern, in der die Welt den Atem, angehalten hat.

Welch merkwürdige Durchsetzung beschaulicher Pro- vinzspießigkeit mit der snobistischen Betriebsamkeit, die während vieler Jahrzehnte aus Paris und aller­lei sonstigen internationalen Zentren hereingeströmt ist! Zwischen die anspruchslosen Häuschen mit ihren roten Dächern schieben sich die Hotelpaläste mit den tönenden Name, und Badehäuser in einem etwas überraschenden Stil bauen sich vor ihnen aus. Der Alte Park" ist das Kurzentrum wo ttt ihren Pa­villons dis sieben Quellen sprudeln, denen ihre Heil­kraft und die dafür gemachte Reklame eine inter­nationale Berühmtheit verschafft haben. Aber dieser Park" ist kein Park, sondern ein langgestreckter Platz mit einigen Baumreihen. Rings herum zieht sich ein offener Wandelgang, der durch ein Dach mit Eifenplatten geschützt ist, die auf gußeisernen Säulen ruhen.

Das alles war sicherlich einmal sehr elegant zur Zeit unserer Großväter, die an gußeisernem Blätter- werk ihre Freude hatten. Heute liegt auf alledem der Staub, und es geht hier in Vichy wie mit so vielen anderen Dingen in Frankreich auch: die Tra­dition ist mehr eine Last denn ein Born junger Freude. Die Anlagen stammen in der Hauptsache aus der Zeit des dritten Napoleon, der in den fünfziger und sechziger Jahren gern nach Vichy kam, wie alles, was nicht mit dem Funktionieren seiner Leber, feiner Nieren und seiner Gedärme zufrieden war. In der Zeit des dritten Napoleon mag man auch das Kurhaus, dasKasino" gebaut haben, das auf den Postkarten und Bildern in den illustrierten Zeitschriften viel pompöser wirkt, als es sich dem nüchternen Blick darbietet. Zwischen dem alten und dem neuen Park liegen einige Straßenzüge mit kleinen Häuschen, in denen Dutzende von Spezial­ärzten für die typischenVichy-Leiden" praktizieren. Auch derNeue Park", der sich dann am Ufer des Allier-Flusses anschließt und knapp hundert Meter breit ist, ist eine Schöpung Napoleons III., wie auch das halbe Dutzend hier eingesprengterChalets" im Stil von Schweizerhäuschen.

Im ganzen genommen muß man die Natur außerhalb dieses Badeortes suchen, auf den saften, mäßig bewaldeten Höhenzügen, die den Lauf des Allier begleiten, und in dem Blick auf die fernen Berge der Auvergne. Wenn man einen Aus­flug flußaufwärts macht, leuchten dort im Süd­westen schneeig-weiß und faszinierend die vulkani­schen Kegel, die sich um den steilen Puy-de-Dome, die Urheimat der Gallier, gruppieren. Drüben am anderen Ufer des Allier, steht freundlich und luftig, im englischen Cottage-Stil, rot und weiß, mit moosigem Dach, das Golfhaus; die Rennbahn schließt sich an, und ein Spazierweg führt mitten durch sie.

In Vichy selbst geht es im Grunde genommen sehr puritanisch zu. Es i|t nicht mehr die Zeit der glänzendenSaisons" von einst, wo es für die Gesellschaft und die Träger so vieler bekannter Namen aus Politik, Kunst und Literatur zum guten Ton gehörte, einige Wochen in Vichy zu verbrin­gen, und wo die Luxuskokotten aus Paris sich in diesem Kometenschweif einstellten. Jetzt ist das Hauptquartier des Waffenstillstands-Frankreichs, dieses Land zwischen Krieg und Frieden, im Hotel du Parc, im Angesicht der Sprudel, wo man ernst dieGrande Grule" errichtete, das große Gitter, das vor zwei Jahrhunderten erbaut werden mußte, um die andrängenden Viehherden zuruckzuhalten, die bas aus dem Wiesenboden hervorquellende Master begierig schlurften.

Martialische Soldaten der Garde Marschall Pötains, in schwerem Lederhelm, mit weißen Stul- penärmeln, bewachen das Hotel, wo das Außen- minifterium und die Ratgeber des Marschalls un­tergebracht find. Man braucht Ausweise und beson­dere Erlaubnisse, um in diese Räume vorzudringen. 9m übrigen sind die militärischen Ministerien am besten untergebracht; Justiz, Inneres,. Kolonien usw.

n der Badestadt.

.-Korrespondenten.

hausen bescheidener. Das Staatssekretariat für die Luftfahrt residiert in einem klotzigen Riefenhotel, demHotel Radio", vor dem sich ein intimer Platz, der Square Albert I. ausbreitet. Die gefallenen Krieger aus dem Weltkrieg sind hier durch eine idealisierte Jünglingsgestalt dargestellt, die mit dem Schwert in der Hand träumend in die Ferne blickt. Ein bescheidenesHotel Voltaire" sinnt in träume­rischer Versunkenheit vor sich hin, und der rote Backstein des Kasinos dringt in eine Ecke des Platzes vor. Nebenan ist dasHotel des Ambaffadeurs", wo immer noch viele Diplomaten sich ihrer Muße hingeben können.

Das Kriegsministerium ist gleichfalls in einem sehr geräumigen und komfortablen Hotel unterge­bracht, demThermal-Hotel" beim Kasino. Das Ma­rineministerium haust etwas abseits, imHotel du Helder" hinter den Badeanlagen. Matrosen geben dieser Gegend ihr buntbewegtes Aussehen, Anten- tennen und Wagen mit allerlei Funkgerät vermitteln hier Botschaften zwischen Frankreichs einstweiliger Hauptstadt und den vorgeschobenen Posten des Ko­lonialreiches, die auch heute noch von der Kriegs­marine betreut werden. Die übrigen Ministerien sind etwas summarisch und verstreut untergebracht, zumeist ebenfalls in Gasthäusern; vielfach stehen noch Hotelbetten in den Zimmern, die Beamten seufzen und sehnen den Tag herbei, an dem sie einmal nach Paris zurückkehren können. Die Photographie des Marschalles aber begegnet einem überall; sie ist zu einem Symbol geworden.

Vomewigen Frankreich" hört man viel, mehr allerdings in theoretischen Zeitungsartikeln als in politischen Gesprächen, die meist mehr um bren­nende Gegenwartsprobleme kreisen. Welche Briefe könnte heute eine Madame de SöoignL schreiben! Für die Franzosen sind die Madame de SLvigne

Berlin, 11. BlaL (DBB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Die britische Luftwaffe hat in den letzten Büchten erneut und planmäßig Wohnviertel deutscher Städte, darunter auch der Reichs­hauptstadt bombardiert. Als Bergeltung führ­ten in der letzten Bucht starke Kräfte der deutschen Luftwaffe einen Großangriff gegen Lon­don durch. In rollenden Einsätzen wurde die bri­tische Hauptstadt die ganze Bucht hindurch bei guter Erdsicht mit Sprengbomben aller Kaliber und Zehntausenden von Brandbomben belegt. Großfener im Themse­bogen, besonders in den Lommercial- und Will- wall-Docks sowie zwischen Waterloo-Bridge und den Bictoria-Docks liehen die durchschlagende Wirkung erkennen. Lin Flammen - Meer nordwestlich des Themsebogens war noch aus einer Entfernung von 100 Kilometer sichtbar.

Andere Kampffliegerverbände zerstörten durch Bombenvolltreffer große Teile eines Leicht- metall- und Motorenwerkes sowie eines weiteren Rüstungswerkes im Süden der In­sel und bekämpften erfolgreich Hafenanlagen an der Themsemündung, in Plymouth und an der Südostküste, lieber englischem Gebiet wurden zwei feindliche Flugzeuge abgeschossen.

U-Boote versenkten bei Operationen im Bord- atluvtik 29 800 BRT. feindlichen Handelsschiffs-

!«

Großer Eindruck der W rkung des

Berlin, 12. Mal. (MB. Funkspruch.) Die englischen B erichte über den deutschen Ber- geltungsschlag gegen London in der Bucht zum Sonntag lassen jedes Eingehen auf Einzelheiten vermissen. Im Londoner Rundfunk hieß es nur überall hätten sehr heftige Brande gewütet" und in verschiedenen Stadtteilen seien schwere Schä­den und Berluste entstanden". Ls seieine der arbeitsreich st en Rächte für die Feuer­wehr" gewesen! Unter den verschiedenen wichtigen Gebäuden, die als getroffen erwähnt werden, wird auch das Parlamentsgebäude aufgezählt. Reuter fugt dazu:Ls ist zu befürchten, daß das Unterhaus vor feinem Wiederaufbau (!!) n ich t mehr zu benutzen fei.

Etwas farbiger find die Meldungen der Beu- yorker Sonntagspresse, wenn auch hier die Wei­sungen des englifchen Zensors überall durchklingen. Der Angriff komme den schlimmsten gleich, die London je erlebt habe. Man rechne mit riesigem Schaden und einer großen Zahl Opfer. BachBero York Times" wurden alle Stadtteile wiederholt mit Tausenden von Spreng- und Brandbomben belegt In zahlreichen Dellen hätten die deutschen Flugzeuge angegriffen, wobei sie teilweise sehr niedrig flogen. Ganze Stadtteile feien von dem Einschlag schwerster Bomben betroffen worden.

Bem Jork herald Tribüne" beschreibt den An­griff als durch den Bollmond begünstigt, der Mond sei später durch den Rauch zahlreicher Großbrände verdunkelt worden.Der branderhellte, blutrote Himmel bot einen schauerlichen Anblick." Der Berichterstatter von Associated Preß roerfd als Sympton für die Schwere des Angriffs, daß

und ihre Briefe an ihre Tochter ja immer noch ein literarischer Begriff, diese Briefe, in denen die maliziöse Dame ein so brennend interessantes Bild ihrer Zeit, der des Sonnenkönigs Louis XIV. ent­warf. Sie hat manchmal auch hier, in Vichy, ihre Kur gemacht, die Madame de Sövignö, als es hier noch etwas altfränkisch zuging und wo man sich doch so galante und manchmal auch so spitze Dinge sagte. Der Pavillon de Sövigne in der Nähe der Allierbrücke ist ein entzückendes Juwel französischer Renaissance-Architektur, versteckt und nur noch ge­legentlich zu repräsentativen Zwecken benutzt. _

Etwas weiter flußwärts hat man dieCelestins- Quelle" modern gefaßt. Ihr Wasser ist angenehmer zu trinken als das der übrigen Quellen mit ihrem vielen Calcium, Magnesium usw., denn es enthält reichlich Kohlensäure, und darum wird es auch in alle Welt verschickt. Dieser Betrieb ist staatlich, und dieCompagnie Fermiöre" hat nicht nur die Ein­nahmen, sondern muß auch alle die Kureinrichtungen betreuen. Der Name derCelestins", der .himm­lischen" Klosterbrüder, die einst vor Jahrhunderten die Heilkraft des Wassers schätzten, lebt in Mil­liarden von Flaschenetiketten fort.

Diele Fragezeichen ohne Antwort stehen vor dem Besucher, der das alles betrachtet. Wenn man vom Hotelfenster aus in einer Mondnacht nach dem Ho­rizont sucht, blitzt das silbrige Licht seltsam auf den merkwürdigen Kuppeln und minarettartigen Tür­men der Thermalhallen auf, die man hier im Ko­lonialstil aufgeführt hat. Ja, es ist nicht nur ele­gantes Publikum aus Paris nach Vichy gekommen, sondern hier hat man auch die Leberkrankheiten von Generationen von Kolonialsoldaten und Kolonial­offizieren zu kurieren versucht. In einer Seiten­straße liegt ein großes Militärhospital für die Ko- lonialsoldaten, und aus Nordafrika kamen regel­mäßig einflußreiche Eingeborenenführer. Jetzt strahlt der Mund sein Licht auf goldene, geheimnisvolle Kuppeln über langgestreckten Hallen, wo man badet und gurgelt, und die grünblau lasieren halbkugel- förmigen Dächer spitzer Türmchen stehen vor den Sternen.

raums. Außerdem wurde eine britische Unterfee- bootfalle durch Torpedatrefser schwer beschädigt. Im Seegebiet um England versenkten Kampfflugzeuge aus einem Geleitzug ein Handelsschiff von 5000 BRT. und beschädigten sieben weitere große Schiffe schwer.

In Bordafrika erbeuteten Truppen des deut- scheu Afrikakorps vor Tobruk drei schwere Flak­geschütze und weiteres firiegsgerät Im übrigen be­schränkten sich die Kampfhandlungen in diesem Raum auf beiberfeiftge Artillerietätigkeit. In er­folgreichen Kämpfen bei 5 o ttum wurden drei britische Panzerwagen zerstört, mehrere Geschütze und Kraftfahrzeuge erbeutet, sowie eine Anzahl Gefangene eingebracht. Bei einem Vorstoß gegen die Insel Malta schossen deutsche Jäger am gestri­gen Tage ein viermotoriges britisches Flugboot vom Muster Sunderland in Brand.

Der Feind griff in der letzten Bacht mit stär­keren Kräften vorwiegend die Stadt Hamburg an. Durch Abwurf von Spreng- und Brandbom­ben entstanden zahlreiche Brände und Zerstörun­gen, fast nur in Wohnvierteln. Die wehrwirtschaft­lichen Schäden sind nicht bedeutend. Die Zivilbe­völkerung hatte Berluste an Toten und Bedeuten. Einzelne Flugzeuge drangen bis in die Umgebung der Reichshaupt st adt vor. Bachtjäger schossen acht der angreifenden britischen Flugzeuge ab.

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utschen Angriffs auf die Amerikaner.

die Straßen während der ganzen Dauer nicht zu betreten gewesen seien, da Splitter und brennende Trümrnersiücke dicht umherflogen. Die Wucht des Angriffes habe immer zugenommen. In dem Bericht von United Preß wird davon gespro­chen, daß zahlreiche Gebäudewie Streich­holzschachteln zertrümmert worden seien.

Einer der härtesten Schläge auf die britische Hauptstadt.

Der Vergcltungsangriff auf London ist nach er­gänzenden ' Meldungen der eingesetzten Verbände einer der härte st en Schläge gewesen, den die britische Hauptstadt seit Beginn des Krieges erhalten har. Nördlich der Themse im weiten Raum vom Tower bis zur Kings-Croß-Station haben die Flammen ganze Stadtviertel erfaßt. Die Feuersbrünste im Zentrum von London, vor allem längs beider Themseufer, nahmen bereits in den ersten Stunden des Angriffs einen derartigen Umfang an, daß die gewaltigen Rauchwolken, die über den Zielen lagen, verschiedentlich die Sicht erschwerten. Eines der deutschen Flugzeuge, das mit den letzten Wellen anflog, wurde nach dem Abwurf seiner Bomben plötzlich von einem briti­schen Jäger angegriffen. Der deutsche Flugzeug­führer stieß daraufhin mit seinem Flugzeug sofort in eine dicke Brandwolke und entzog sich so der Verfolgung. Der Angriff der letzten Nacht hat die behelfsmäßigen Ausbesserungsarbeiten an den Londoner Dock- und Speicheranlagen, Verlade- und Transportelnrichtungen, die in den vergange­nen Monaten ausgeführt wurden, größtenteils zu­nichte gemacht.

Das Erdöl im Nahen Osten.

Mit den Namen Mofsul, Kerkuk, Kirmanschah und Bahrein erschöpft sich im allgemeinen die deut­sche Kenntnis von den Erdölvorkommen im Vor­deren Orient. Irak- und Jranöl sind die ver­allgemeinernden Bezeichnungen für die dortigen Erdölvorkommen. In Wirklichkeit ist aber das Erd­öl keineswegs auf Iran und den Irak beschränkt. Der ganze Vordere Orient einschließlich der ägyptischen Sinai-Halbinsel und Arabiens be­sitzt, wie man heute mit ziemlicher Sicherheit weiß, Erdölvorkommen. Auch in Afghanistan soll nach den neuesten Nachrichten Oel gefunden worden fein. Der Vordere Orient ist also zweifellos eines der zukunftsreichsten Oelgebiete der Erde. Anfang 1940 erklärte der iranische Finanzminister, Iran könnte an zweiter Stelle unter den Erzeugerländern stehen, wenn die Konzessionsgesellschaft die Erzeugung nicht aus egoistischen Jnteresien einschränken würde. Wenn das schon allein für die iranischen Ölvor­kommen gilt, so kann man sich daraus ein unge­fähres Bild machen, welche Entwicklung dem gan­zen Nahen Osten in der Zukunft noch bevorfteht.

1929 betrug die Erdölproduktion des Nahen Ostens erst 5,9 Mill, t, 1939 waren es trotz der wenig produktionsfreundlichen Einstellung der Oel- gesellschaften bereits 17,5 Mill. t. Der Anteil an der Weltproduktion stieg dadurch von 3 auf 6,1 v. H. Die Nohölgewinnung verteilt sich auf die einzelnen Länder folgendermaßen: 1929 fiel fast die gesamte Produktion auf die iranischen Oelfelder mit 5549 Mill. t. Im Irak wurden damals nur 116 000, in Aegypten 272 000 t gefördert. 1935 trat zu den erdölfördernden Ländern des Nahen Ostens als viertes das Bahrein-Gebiet mit 181000 t. Es förderte damit schon mehr als Aegyp­ten, dessen Förderung auf 176 000 t zurückgegangen war. Die iranische Produktion stand mit 7 607 0001 der Spitze, die Förderung des Irak war in­zwischen auf 3 729 000 t emporgeschnellt. Im Jahre 1938 trat zum erstenmal auch Saudi-Arabien in die Reihe der erdölfördernden Länder ein, zu­nächst freilich nur mit 70 000 t. Doch bereits im Jahre 1939 förderte Saudi-Arabien 550 000 t. Die Bahrein-Inseln hatten in diesem Jahr bereits eine Leistung von 1093 000 t erreicht/ im Irak betrug die Rohölgewinnung 4 295000 t, in Iran 10 940 000 und in Aegypten war die Erzeugung ebenfalls mit 632 000 t gegenüber dem Vorjahre fast verdreifacht.

Diese schnellen Produktionsteigerungen sind ein weiterer Beweis für den großen Erdölreichtum des Nahen Ostens. Zu den genannten Ländern kommt weiter noch "das Gebiet von Kuweit, wo 1939 eine Sonde erbohrt wurde, die 815 t Erdöl täglich fördert.

Im Iran hat die Anglo-Jranian-Oil- C o m p. den größten Konzeffionsbcfitz. Ihre Oel­felder liegen in Südiran, die bekanntesten find die Felder von White Oil Springs, von Masquid und Gacsaran. Sie ist gleichzeitig an der Irak - Pe - troleum-Comp. beteiligt, ferner an der K u - w e i t - O i l - C o m p., hier in Verbindung mit einer amerikanischen Gesellschaft, während die Jrak- Petroleum-Comp. zu gleichen Teilen, nämlich zu je 23,75 v. H. zwischen den Engländern (Anglo- Jranian, vertreten durch die Zweiggesellschaft D'Arci Exploitation Comp.), der Royal-Dutch- Shell, der Standard-Oil und der französischen Com­pagnie Francaise des Petroles und dem angeblichen Privatmann Gulbenkian mit 5 v. H. aufgeteilt ist. Da in der Royal-Dutch-Shell die englischen Inte­ressen ebenfalls überwiegen und hinter dem Privat­mann Gulbenkian zweifellos auch englische Jnle- reffen stehen, beherrscht die Anglo-Jranian praktnch auch das Mofsul- und Kerkuk-Oel. lieber die Jral- Petroleum-Gesellschaft gehört auch die Basrah - Petroleum-Comp. zum Machtbereich der Anglo-Jranian. Probebohrungen haben bei Basrah und im mittleren Euphratgebiet bereits den Nach­weis reicher Vorkommen erbracht.

England beherrscht mithin sowohl das iranische wie das irakische Erdöl, das Bahrein-Erdöl, (letz­teres wohl allerdings heute nicht mehr, da infolge des Krieges hier die amerikanischen Gesellschaften California und Texas-Oil-Comp. die Oberhand ge­wonnen haben) sowie das ägyptische Erdöl. Die m Palästina und Transjordanien zu er­wartenden Erdölfunde werden selbstverständlich ebenfalls von ihm mit Beschlag belegt. Eine eng­lische Erdölgesellschaft hat sich auch bereits den a r a- bischen Küsten st reifen am Roten Meer gesichert. Die Besetzung der F a r a s a n - I n s e l n, gegen die Saudi-Arabien soeben protestiert hat, hat zweifellos nicht nur strategische Gründe, sondern ist wobl auch darauf zurückzuführen, daß hier be­reits 1926 Bohrungen versucht wurden, die Ende 1936 wieder ausgenommen wurden. Interessant ist, daß bei dieser Konzession die Araber die Bedingung gestellt haben, daß das Gebiet um Dschidda und Mekka aus religiösen Gründen frei bleibt. Abge­sehen von diesen Konzessionen am Roten Meer ho­ben es aber in Saudi-Arabien die Amerikaner 1 verstanden, den Engländern den Rang abzulaufen. Sie haben sich das Erdöl des ösllichen Saudi-Ara­bien in der Provinz El-Hasa am Persischen Golf ' durch eine 1933 erteilte Konzession gesichert und sollen 1939 auch eine weitere Konzession für das Erdöl Jnnerarabiens erhalten haben.

Ausfallen muß bei einer Betrachtung der Karte, daß das nordiranische Gebiet am Ka­spischen Meer,das doch an das rufsischeBaku- Gebiet anschließt, bisher noch nicht unter die Herrschaft des englischen Oelkapitals gekommen ist. Das hat politische Gründe; einmal mar diese Nachbarschaft den Sowjetrussen nicht erwünscht und zweitens wollte sich die iranische Regierung dadurch ein Gegengewicht schaffen. Aus eigenen Straften war Iran indessen noch nicht imstande, dieses Ge­biet zu erschließen. So kam es, daß 1939 ein Ver­trag mit der Niederländischen Gesellschaft Algemeene Exploratie Maatschappy abgeschlossen ! wurde, wonach diese Gesellschaft drei Jahre lang nach verschiedenen Mineralien, darunter Erdöl, schürfen durfte mit der Bestimmung, daß sie bei Fündigwerden das Recht hoben sollte, die Vor­kommen 60 Jahre lang auszubeuten. Die iranische Regierung ist in diesem Vertrage am Risiko und