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12.4.1941
 
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I2./-Z.April Ml

Hr.87 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für GderHeffen)

lich für die bunten entschieden.

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Krümenl!9!

Kummer mit Jockel- Haben! Jetzt ist es soweit!

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Tochter unter Führung von Herrn Meier erst von» gestern mit der ganzen Klasse, aber im Nizza ist es auch nicht übel. Dort sinden sie nun zwar nicht einmal einen Stallhasen, geschweige denn einenrichtigen", aber an der Hühnerfarm kommen sie vorbei, ein» trächtig miteinander wandelnd, und der Anblick de^ wimmelnden weißen Federviehs erregt in Vatev und Tochter ein ernstliches Problem, dessen Er» örterung sie noch auf dem Heimwege sehr bewegt^ wie das nämlich mit den Eiern sei. Bei den Hüh^ nern ist es ja wohl unbestritten und kaum zu wider» legen, aber bei den Hasen? Und falls außer den Hühnern auch die Hasen juftänbig fein sollten, roiä ist es dann? Geht es bei denen immer, oder nur ausnahmsweise zu Ostern, und wenn ja, hat viel» leicht die gütige Vorsehung eine kluge und sinnvoll unterscheidbare Arbeitsteilung vorgenommen: weiße! Eier von Hühnern, bunte Eier von Hasen?

Das sind so schwierige Fragen. Aber wie dem auch sei, als der Vater am nächsten Tage heimkommt, findet er ein in vielen Frühlingsfarben prangendes Ofterbild im Zeichenheft, und da ist nichts verges­sen, weder die Kiepe noch das Nest, und was dis Eier betrifft, so hat die kleine Tochter sich unbetont«

Dingen vollauf beschäftigt ist; unmöglich kann sich da mit Osterhasen und solchem Babykram

Werk. , .

Die Kleine erholt sich von chrem Staunen und muß allerdings zugeben, daß dies wahrhaftig em Häschen fei, von rückwärts nämlich, von hinten

Verdunkelungszeit

12. April von 20.15 bis 6.32 Uhr.

13. April von 20.16 bis 6.30 Uhr.

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Vier Regeln, um mit dem Herdputz cuszukommen: LNurdie handwarme Herdplatte putzen Sie brauchen dann weniger Putzmittel 2. Den Putzlappen immer feucht halten dos Putzmittel ist dann ergiebiger 3. Statt mit weichem Lappen nachzupolie­ren, einfach eine zusammengeknüllte Zeitung nehmen. So sparen Sie Putzlappen 4.Nur Qualitäts-Herdputz kaufen

weil Sie damit die beste Putzwirkung hoben

WEEN Herdputzpulver

Vornotizen.

Tageskalender für Samstag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Spähtrupp Hallgav- ten". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die Sünde der Rogelia Sanchez".

Tageskalender für Sonntag (1. Feiertag).

Stadttheater: 15.15 bis 18 UhrMadame Butter« fly"; 19 bis nach 22 UhrDie ungarische Hochzeit", Gloria-Palast, Seltersweg:Spähtrupp Hall­garten". Lichtspielhaus, Bahnhofftrahe:Dis Sünde der Rogelia Sanchez".

Ortszeit für den 1Z. April.

Sonnenaufgang 6.34 Uhr, Sonnenuntergang 20.18 Uhr. Monduntergang 7.39 Uhr, Mondaufgang 22.28 Uhr.

Die Oftertage im Stadttheater.

An den beiden Ostertagen wird das Stadttheater Gießen mit je zwei Vorstellungen der festlichen Feiertagsstimmung Rechnung tragen. Am ersten Feiertag nachmittags wird als Fremdenvorstellung Puccinis Oper, Madame Butterfly." wiederholt. Dis musikalische Leitung hat Otto Söllner, die Spiel­leitung Max Schwarze vom Deutschen Theater Wiesbaden a. G. Bühnenbilder: Karl Löffler. Am Abend wird die erfolgreiche OperetteDie unga­rische Hochzeit" von Nico Dostal wiederholt. Musi-

fassen. .

Es bleibt also gar mchts vorig, als auf Heimkehr des Vaters zu warten. Der läßt sich Sache erklären, hört aufmerksam zu, erst ernst und sachlich, dann mit Lächeln; schließlich erkundigt er sich scheinheilig, ob e r etwa von Herrn Meier den Auftrag erholten habe, einen Osterhasen auf die Tafel zu malen... Uebrigens heißt es nicht malen, will er fortfahren, in seiner Gelehrsamkeit und Weltkenntnis die Seinen zu belehren, aber die Mutter bedeutet ihm, daß es jeßt auf solche Spitz-

srohe Botschaft des Frühlings gilt trotz alledem!

Hcman von ®tto MW.

Eines Tages vor Ostern kommt die kleine Tochter viel schweigsamer als gewöhnlich und mit sorgen­voller Miene aus der Schule nach Hause und er­klärt, von der Mutter empfangen und sogleich nach dem Grunde ihres Kummers befragt, sie müsse für morgen, außer Rechnen und Lesen, einen Oster­hasen auf die Tafel malen, dies habe der Klassen­führer Herr Lehrer Meier ihnen aufgetragen ... und ein Has ist schwer, fügt sie bedenklich hinzu, und ich weiß doch nicht, wie man das macht. Die Mutter weiß es auch nicht. Wen der Vater an­wesend wäre und nicht im Geschäft, so würde er wahrscheinlich, zunächst einmal, in seiner großen Gelehrsamkeit milde darauf Hinweisen, daß man mit einem Griffel gar nicht malen, sondern allen­falls zeichnen könne. Der Kleinen liegen torartig verschmitzte Unterschiede vorderhand völlig fern; sie hat andere Sorgen. Die Mutter auch, und was den Griffel betrifft, so ist er nicht besser als ein Blefftift. Der dient vernünftigen Leuten zum Schrei­ben, und weiter nichts. Die Mutter jedenfalls ist keineswegs imstande, mit dem Bleistift zu malen oder zu zeichnen in Gottes Namen, sie kann es nicht: es ist ihr nicht gegeben. Ein Piephühnchen meinetwegen, so eine winzige Mißgeburt, wo es ohnehin nicht genau darauf ankommt, und wo nicht viel zu sehen ist, das würde sie sich im Notfall und mit einigen Seufzern noch zutrauen, aber einen Osterhasen, mit Kiepe, Nest und Eiern und allem festlichen Zubehör nein, das ist selbst von der Mutter zuviel verlangt. Die große Tochter, welche mit Phantasie und geschickten Händen begabt fft, die könnte das schon eher, aber sie muß leider gleich nach dem Essen wegrennen, weil sie Nach­mittagsschule hat und außerdem mit Antreten, ei­nem Korbball-Wettspiel und anderen wichtigen

Schiefertafel und Osterspaziergang

Ein häuslicher Vorfeieriagsbericht.

Ist Harnsäure am Rheuma schuld ?

Um die Jahrhundertwende nahm man unter dem Einfluß der Lehren des EnaländerS Hais an, daß die Ursache für Rheuma und Eicht eine Anhäufung der Harnsäure im Körver sei. Lange hat sich diese Anschauung gehalten und ist zeitweue Allgemeingut gewesen. Heute wissen wir, daß ne höchstens bet Gicht und auch hier nur in L jt begrenztem Umfange zutristt, keineswegs aber für das eigentliche Rheuma. Wir kennen jetzt in den Rheumaknötchen" die anatomische Unterlage für daS rheumatische KrankhcttsgesclMcn.

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Wo ist die Frau?"

Hanne wies mit dem Ko^f über feine Schulter zurück.9m Wohnzimmer "

M gehe zu ihr!" erklärte Charlotte.Behalten Sie ton Jungen! Wenn Sie ihn herausgeben, Hanne, wenn Sie nicht gut auf ihn achtgeben, sind Sie auch mich los! So, und nun lassen Sie mich allein! Sie sind mit Jockele in der Werkstatt? Gut! Wenn es nötig ist, rufe ich Sie. Kommen Sie aber nicht ohne mein Einverständnis, und vor allem nicht mit Jockele."

Ja, wollen Sie der Frau denn mcht mal ihr Kind zeigen?" Ä ,

Sie zuckte die Achseln, ohne Antwort zu geben. Dann ging sie voran und hörte noch, wie Hanne leise auf den erschrockenen Jockele einfprach. Er be­ruhigte ihn und versuchte, ihn abzulenken. Jockele hatte Charlotte noch nie so erregt gesehen und war oerängfügt.Was if mit ihr?" fragte er.Warum

Was Hanne antwortete, vernahm sie nicht mehr. Sie betrat das Haus, stellte ihre Tasche mit den Einkäufen im Vorraum ab und betrat sofort das Wohnzimmer. Auf einem der Stühle, die um den Mitteltisch standen, saß die Frau, der sie in dem ^uge zwischen Breslau und Berlin begegnet war. Sie erkannte sie sofort wieder, und dabei wurde ihr bewußt, wie oft sie in diesen letzten Wochen voller Angst an dieses Wiederbegegnen gedacht haste. Wie sehr hatte sich die Frau verändert! Sie sah elend und krank aus, ihr Gesicht war eingefallen, ihre Augen hatten einen fiebrigen Glanz, lieber- dies hatte sie gemeint. Noch jetzt waren sie gerötet. Alle ihre Munterkeit und Lebenslust waren er­loschen Sie war um Jahre älter geworden.

Langsam erhob sie sich, versuchte ein Lächeln und tarn mit verlegener Miene auf Charlotte zu. Die blieb dicht vor der Tür stehen

Fräulein Mathefius!" rief die andere und hob mit einer flehenden Gebärde beide Hände. Es fiel Charlotte auf, daß diese Hände sehr verarbeitet und wund waren, aber sie unterdrückt jedes Gefühl tos Mitleids, das in ihr auffteujen wollte

Sie kommen ein wenig spät!" sagte sie.Als wir uns trennten, baten Sie mich, fünf Minuten auf Sie zu warten und auf Jockele zu achten. Ich habe auf Jockele geachtet, wie Sie es mir aufge­tragen haben; Sie aber sind nicht gekommen! Was wollen Sie jetzt?" .

Die Frau wollte antworten, aber ehe sie em Wort Über die Lippen bringen konnte, jchlug sie die

gesehen, und es macht sich ganz lustig und sogar täuschend ähnlich, aber Herr Lehrer Meier würde nie glauben, daß sie das allein und aus eigner Kraft ersonnen habe. Soll er^auch gar nicht, sagt der Vater, der sich an gewisse pädagogische Ver­pflichtungen erinnert, ich wollte bloß mal zeigen, wie man das macht. Hernach löschen wir es wieder aus, und dann machst du es selber.

Mittlerweile ist die Mutter mit dem Essen er­schienen, und die Sache wird einstweilen verschoben oder jedenfalls nur theoretisch gefördert. Der Vater wird belehrt, daß mit solchen Scherzen, wie die Er­wachsenen sie lieben, mit solchen betrügerischen Trickzeichnungen hier gar nichts gewonnen sei. Nein, es soll ein richtiger solider Osterhas sein, groß und schön, mit einer Kiepe auf dem Rücken, mit Eiern und einem Osternest und Blumen und so ... Weiter nichts?, erkundigt sich der Vater mit leiser Ironie, aber die Mutter sagt, du kannst es doch, mach nur mal, mach es auf ein Bkatt Papier, und sie macht es dann auf die Tafel, so gut sie es kann ... Laß mich wenigstens erst essen, sagt der Vater und ver­breitet sich dabei über die Vorbilder in der Kunst im allgemeinen und über den großen Albrecht Dürer im besonderen, dem ja bekanntlich nichts zu gering gewesen sei, wie man am Rasenstück, am Hirschkäfer, am Veilchensttauß und am Feldhasen sehen könne ... Haben wir nicht ein Bild von die­sem geliebten Häschen im Kinderz-mmer hängen?

Wir haben es, und obwohl der Vater seit alters der klassischen Regel huldigt, ein voller Bauch studiere nicht gern (und jede Art künstlerischer Be- tätigung mitStudieren" gleichsetzt), wird wenig­stens der Anschauungsunterricht gleich nach Tisch mit frischen Kräften wieder ausgenommen. Uebri­gens haben die Vorbesprechungen ergeben, dgß es auf der Tafel vorerst nur eine schlichte Zeichnung werden soll, weiß auf schwarz, ein Studienblatt ge­wissermaßen; morgen dann soll das eigentliche Osterbild in Angriff genommen werden, und zwar wird es, mit Bleistift gezeichnet und mit Bunt­stiften üppig koloriert, im Zeichenheft erscheinen. Haben wir also noch eine Galgenfrist, die genutzt werden muß. Das Dürersche Häschen erweist sich zwar aufs neue als wunderschön, aber auch als schwierig und als Vorlage wenig geeignet, weil es nämlich halb von vorn gesehen und halb nach rechts gewendet ist, jedenfalls nicht nach links, was für Anfänger wie die kleine Tochter allemal die be­quemste Lage ist. Auch ein kleines wolliges Scheusal namens Häsi Ohr, welches noch aus der Babyzeit stammt und die Jahre überdauert hat. erscheint wenig tauglich zu Modellzwecken: es ist winzig klein und ziemlich schrumplig und hat schon in seiner Jugend ein Schlappohr eingebüßt, was ihm seinen Namen eintrug ...

Am End- setzt sich tor Vater nieder und zaubert abermals,, diesmal jedoch, der mütterlichen Mah­nungen eingedenk, etliche sehr schöne, sehr natür­liche und völlig schulde rechte Hasen auf ein Blatt Papier. Wie madtft du das bloß, sagt die Mutter, die dazukommt. Ja, sagt er, nicht ohne Wohlgefällig- feit, gelernt ist gelernt, und die kleine Tochter freut sich auch und beginnt ihrerseits voller Zuversicht mit ckreischendem Griffel auf der blankpolierten Schie- fertafel zu werken. Und auch sie ist hernach stolz auf das vollbrachte Werk, und die Mutter loht es sehr. Sogar der Vater lobt es, aber weil er findet, daß man sich nicht auf Lorbeeren ausruhen dürfe, weil der Mensch, wie schon Goethe lehrte, immer strebend sich bemühen müsse, und weil die Sonne gerade scheint, nimmt er die kleine Tochter bei der Hand, und sie begeben sich einträchtig auf einen Spazier- gang, einen Osterspaziergang sozusagen im voraus, etwas früh und noch sehr kühl, aber beflügelt von der Hoffnung, es möchte ihnen unterwegs ein leib hastiger Hale begegnen, was immer das Schönste und die beste Anregung für morgen wäre.

Nach dem Gleiberg, wo man um diese Zeit ab und zu welche im Feld herumhoppeln sieht, ist es fünbeute ein bißchen weit; im Philosophenwald war die kleine

3 ist gut und ausgiebig.

Aus der Siadt Gießen.

Ostern - Fest des Frühlings.

Wenn das Osterfest sich ankündigt, gibt es in jedem Jahre ein befreiendes Aufatmen. Schon Wochen vorher gilt es als wichtige Etappe.Ostern werden wir mal wieder ausspannen."Bis Ostern ist das Ziel sicher erreicht." Es ist, als wenn gllein die Aussicht auf dieses Fest die Menschen beschwingter und hoffnungsfreudiger machte. In der Tat löst es Impulse aus, die dem Dasein neue Kraftströme zuführen. Jahr für Jahr wiederholt sich dieser Vorgang. Und wenn wir der Erinnerung nachspüren, so ergibt sich, daß schon in den Tagen unserer Kindheit das Osterfest äußerst wichtig war. Ja, es besaß sogar erhöhte Bedeutung, was einen seits mit den bunten Ostereiern zusammenhing,

liebkost.

Der Spaziergang ins Freie ist deshalb auch der durch Ueberlieferung festgelegte Höhepunkt der Öfter tage. Der Drang, aus Den Mauern und Gassen der Stadt hinauszustreben in die Natur, ist heute nicht minder stark als in jenen Tagen, da. Goethe seinen berühmten Osterspaziergang dichtete. Nur die wenigsten bleiben zu Hause, sofern nicht der Hirn-

mal genau das gleiche gefühlt hatte. Auch ihr hatte Jockele einmal alles bedeutet, und sie wäre elend zusammengebrochen, wenn man ihn ihr genommen hätte, aber sie wollte sich jetzt nicht Daran erinnern lassen.

Sie war ihrer ersten Angst Herr geworden. DiÄ Frau tarn nicht als Fordernde, sie sprach nicht wie Hanne, von ihren Rechten; sie bat und flehte. Man konnte sie vielleicht einschüchtern, ja, Charlotte dachte sogar daran, ihr Jockele, wenn nötig, mit Geld ab­wendig zu machen. Die Frau war in Not. Es war ihr anzusehen. Sie würde für ein paar hundert Mark empfänglich sein.

Unvermittelt begann Jockeles Mutter zu sprechen. Sie begann wirr und zusammenhanglos. Charlotte hatte Mühe, ihr zu folgen. Sie stammte aus einem Dorf bei Brieg, war als Achtzehnjährige in die (Stabt gekommen und hatte dort Jockeles Vater kennengelernt. Es wunderte Charlotte, wie wenig sie über diesen Mann zu sagen wußte. Sie konnte nicht einmal genau angeben, wovon er lebte.

Charlotte war versucht, ihr schon deswegen Vor­würfe zu machen, als ihr einfiel, daß sie sich im Falle Lafard nicht viel emsichtsvoller und vorsichtt- ger benommen hatte.

Die Frau nannte endlich ihren Namen. Sie hieh Hedwig Miele, ihr Vater sei ein kleiner Handwerker« und in ihrem Elternhause seien so viele Kinder, daß für sie fein Platz mehr gewesen fei. Als sie ihrem Geliebten sagte, sie erwarte ein Kind, äußerte er keinen Unwillen, sondern, begann sofort, Pläne für ihre Hochzeit zu machen. Er müsse sich nattirlich zuerst eine gesicherte Existenz schaffen, behauptete er, und in Brieg seien ihm die Verhältnisse zu eng und zu wenig aussichtsreich. Sie beschlossen, daß sie einstweilen an Ort und Stelle bleiben und weiter ihrer Arbeit nachgehen solle, während er nach Ber­lin ging, um sich dort eine feste Grundlage für ihre gemeinsame Zukunft zu schaffen. Bis-zur Geburt Jockeles hatten sie noch ein halbes Jahr Zeit. Er war voller Zuversicht, daß er bis dahin imstande sein werde, für sie und das Kind zu sorgen. Sie vertraute ihm völlig und ließ ihn gehen. Zwei­oder dreimal schrieb er noch, malte seine Erfolge in Berlin in den verlockendsten Farben aus, bat sie aber auch ebenso dringend, nicht ungeduldig zu werden. Dann blieben seine Briefe-aus, und die, die sie an ihn schrieb, kamen zurück. Er war für fie verschollen, und blieb es auch noch, als Jockele ge« boren wurde.

(Fortsetzung folgt)

anderseits mit der manchmal ein wenig heiklen Frage der Versetzung. Die Kinder unserer Zeit sind in diesem Jahre zum erstenmal von der Sorge um die Ver­setzung in die höhere Klasse befreit. Um so unge­teilter wird ihre, Sympathie sich dem Osterfest zu- wenden.

Entscheidend für die Zuneigung, der sich das Osterfest allgemein erfreut, ist die Tatsache, daß es sich um die Feier des Frühlings handelt. Neben der christlichen Sinngebung der Auferstehung hat sich der Gedanke einer Huldigung an den Frühling für das Osterfest erhalten. Die oiel fälligen Erscheinun­gen im Brauchtum unseres Volkes sind Beweis dafür. Was liegt auch näher, als in dieser Zeit den Frühling festlich willkommen zu heißen? Nach den langen Wochen winterlicher Eintönigkeit erleben mir das Wunder des erwachenden und knospenden Lebens auf Schritt und Tritt. Das erste Grün bringt sieghaft hervor, die gefieberten Musikanten stimmen ihre Instrumente, und zu allem kommt ein laues Lüftchen, das die Wangen der Spaziergänger

Hände vor das Gesicht und begann zu meinen, i Charlotte rührte sich nicht und kam ihr mit keinem 1 einzigen Wort zu Hilfe, obwohl das Mitleid in ihr < wuchs und wuchs. Aber sie wußte auch, daß Jockele 1 ihr verloren war, wenn sie diesem Gefühl nachgab. I Sie mußte hart bleiben, durfte sich nicht irre machen lassen, durfte keine Sekunde vergessen, daß es um Jockele ging. Warum war Peter nicht hier, um ihr . zur Seite zu stehen? Niemals hatte sie ihn schmerz­licher vermißt. Er hätte einen Ausweg gewußt, hätte mit der Frau in richtiger Weise sprechen können und sie überredet.

Wer sind Sie überhaupt?" fragte Charlotte Ich glaube Ihnen nicht einmal mehr, daß Sie Jockeles Mutter sind! Keine Mutter wäre imstande gewesen, so gewissenlos und so verantwortungslos : zu handeln wie Sie!"

Das Weinen verstärkte sich noch. Die Frau kehrte sich ab und ließ sich nach einer Weile wieder auf den Stuhl nieder.

Was haben Sie sich gedacht, als Sie mich mit Jockele auf dem Bahnhof allein ließen?" fuhr Char­lotte fort.Waren Sie denn so sicher, daß ich mich Ihres Kindes annehmen würde? Wenn ich mit ihm genau so verfahren wäre wie Sie? Wenn ich ihn einfach ausgesetzt hätte? Was wäre aus ihm geworden? Und heute kommen Sie her, um ihn zurückzufordern?"

Nein, nein, ich bitte Sie ja nur. ihn mir zurück­zugeben, und ich wollte Ihnen danken!"

Sie brauchen mir nicht zu danken! Was ich ge­tan habe, habe ich nicht um Ihretwillen, sondern um des Jungen willen getan. Aber eben, weil ich alles für ihn getan habe, was ich tun konnte, werde ich nicht zulassen, daß er Ihnen wieder übergeben wird. Verstehen Sie mich? Ich werde mich Dagegen sträuben mit allen Kräften und allen Mitteln! Nicht, daß Sie seine Mutter sind, gibt Ihnen ein Recht über ihn, sondern die Art, wie Sie Ihre Mutter­pflichten ausgeübt haben, wird darüber enffcheiden, wer von uns beiden mehr Anspruch auf den Jun­gen hat."

Die Frau nahm endlich die Hände von dem ver­weinten Gesicht und blickte zu Charlotte auf, die nun dicht vor ihr stand.Ich habe niemand mehr als chn", tagte sie so leise und undeutlich, daß Charlotte Mühe hatte, sie zu verstehen.Sie können ihn mir nicht verweigern. Es wäre unmenschlich! Es wäre... ich habe nur noch ihn keinen sonst! Verstehen Sie doch!"

Charlotte wollte nicht verstehen, obwohl sie ein*!

38.RorMung. (Nachdruck verdaten.,

Charlotte unterbrach ihn erbittert:Auch nnt den Iollerlänqsten Gefchi-ht-n kann fie >ve Pfl'-hwer- «essenheit nicht ungeschehen machen!! Ist st-^ub-r- Haupt noch wert, den Jungen zu sehen, gefchwe g denn wieder zu sich zu nehmen? Ich geb-! ihn ihr nicht! Jockele wäre zugrunde gegangen, wenn Ich mich seiner nicht angenommen hatte, und i-tzt, wo -s ihr paßt, sich nach ihm zu erkundigen, Ioll ich ihn gleich hergeben? Wer steht mir da,ur ein, daß I p« nicht bei der ersten besten Gelegenheit wieder genau so handelt wie damals, als sie nach Berlin kam? Jockele, komm, mein Junge, komm.

Jockele war an flanne emporgeklettert und der ' hatte ihn aus den Arm genommen. Als Charlotte ihn an sich nehmen wollte, machte « ""Ä t Gesicht und fragte abwechselnd:Bose. Bist du bOiDad) nicht deinetwegen, Jockele! Nein, nein, ni^(f^nSfnte\anne und preßte sich an ihn

Hanne sagte ruhig, obwohl ihm aniumerten roar, I welche sorgenvolle Erregung auch ihn ?Sie müssen erst mal nut ihr reden, Lolotil Ja. f natürlich, ohne Jockele! Ich nehme ih Z aestraft I gen Sie nicht allzuhart Mit ihr um! Sie ist gestra, | genug, glaub- ich. Und was nun den 3ungen an | Betrifft, - du lieber Satt, S,e wißen H selbst. * wieo l.mir an ihm liegt, und wie gern ich chn frur- I behalten mochte, aber mst Gewalt und glatter qerung können wir da mch s machen sie ist

Ä'Ä'fÄS KÄÄM-äjS ». ;. Ben Jungen einfach zwangsweste w-gn-hm-n, uno wir können nichts dagegen tun. Mollen Sie Ja wie' reden Sie denn, flamte? toouen-o | Jockele denn plötzlich loewerden? Oder hat di-8 ! Sie schon derart mürbe geredet, daß Sie ga Z

^Unfinn! ^Spur! Aber Sie müssen sich doch l den Rechtsstandvunkt vor Augen h - $

lj Peter hat es auch immer gejagt! Mr weroen no»

mel einen Strich durch die wohlgemeinten Absichten i Mutter bedeutet ihm. daß es fetzt auf solche Spitz- macht. Es gehört aber wohl dazu, für Ostern jenes | finbigfeiten nicht ankäme, sondern vielmehr daraus, Wetter zu erwarten, das alle Wünsche in Erfüllung dem Kinde zu zeigen, wie man das machen soll.. gehen läßt. Selbst in ernsten Zeiten ist ja tor Lenz i Ich kann das doch nicht, setzt die Mutter vorwurfs- keineswegs von tor Tagesordnung gestrichen. Die voll hinzu. Ich weiß, sagt der Vater, vieles kannst frohe Botschaft des Frühlings gilt trotz alledem! du, beinah alles, aber keinen Hasen, überhaupt Die Zoologie und dann das Zeichnen ...

Nu mach schon, sagt die Mutter, und die kleine Tochter rückt vertrauensvoll mit der blank notierten Tafel näher an den väterlichen Schreibtisch heran. Der Vater nimmt fie, er nimmt auch einen der bereitgehaltenen nadelspitzen Griffel und zaubert im Handumdrehen einen Halbkreis auf die gräß­lich kochende Schieferfiäche ... Das soll ein Öfter« has fein?, erkundigt sich die Kleine; sie ist ofjne Arg, sondern erfüllt von unerschütterlichem V"r- frauen auf die Kunst des Vaters, wahrscheinlich hat er sich bloß wieder ein Späßchen ausn ü das macht er öfters, aber dies hier ist ja kein Späßchen, sondern eine ernste Sache. Worts doch ab sagt der Vater, den man in seinem Schöpfungs­rausch nicht stören soll, und läßt, wieder im Hand­umdrehen, dem Halbkreis oben zwei spitze Zipfel wachsen, während er unten in die Mitte schnell noch einen zweiten, aber viel kleineren Halbkreis macht, und dann, damit das Wesen einen gerechten Halt habe auf der mütterlichen Erde, zieht er einen Strich quer darunter fertig! Und beschaut mit kennerisch eingekniffenen Augen liebevoll sein

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