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im Westen nlcht beintrachtigk. Die Engländer hatten am Freitag, in der Nacht zum Samstag und in der Nacht zum Sonntag große Luftofiensioen gegen Deutschland gestartet, aber sie haben die bis­her schwersten Verluste in dielen Angriffen davon- getragen, wie der Londoner Nachrichtendienst selbst zuaeben muß. Er führt die Mißerfolge auf das schlechte Wetter" zurück, und damit erteilt er dem englischen Wetterdienst eine sehr schlechte Zensur. In Wirklichkeit hatunsereAbwehr, haben also unsere Nachtjäger und unsere Flak, den Briten ge­zeigt, daß sie nicht ungestraft deutsches Gebiet an- flreifen, denn in der Nacht zum 8. November wur­den allein nach englischen Meldungen 37 Bom­ber, darunter die modernsten Maschinen, von uns herunteraeholt, und zusammen mit den Luftkämp- fen an der Kanalküste steht fest, daß die Briten insgesamt in 24 Stunden über 50 Flug­zeuge verloren haben. Weitere wurden im Wehrmachtbericht vom Sonntag gemeldet. Dazu ist unsere Luftwaffe auch gegen die englische Schiff­fahrt unermüdlich tätig. Vor der englischen und schottischen Ostküste haben wir wieder sechs feind­liche Handelsschiffe mit zufammen 38000 BRT. versenkt und haben die Hafenanlagen von Dover ausgiebig bombardiert.

Tichwin. *

Tichwin, das vom deutschen Heer besetzt wurde, ift an und für sich nur eine Kleinstadt mit 12 000 Einwohnern an der Eisenbahnlinie Leningrad Wologda; aber als Mittelpunkt der wichtigsten sowjetischen Bauxitlagerstätten kommt ifjr ganz ungewöhnliche Bedeutung zu. Diese Bau- . xitgruben haben bis setzt die zwei größten Alumi­nium-Hütten der Sowjetunion, nämlich das in der Nähe Leningrads gelegene Wolchow, sowie S a - p o r o s h j e am unteren Dnjepr, versorgt, die allein 80 v. H. der bolschewistischen Aluminiumproduktion herstellen. Da diese zwei Hüttenwerke bereits für die Produktion ausgefallen sind, rft nunmehr oer weitaus größte Teil der Aluminiumgewin- nu na den Bolschewisten verlorengegangen. Zwar sind seit 1939 neu entdeckte Bauxitlagerstätten im Nordural in einer neuerrichteten Hütte verwertet

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worben, aber diese Produktion ist noch nicht an- nähernd groß genug, um eine siiylbare Entlastung zu bringen denn der Aluminiumbedarf der sowje­tischen Rüstungsindustrie, vor allem der Luftwaffe, war schon vor Beginn dieses Feldzuges so groß, daß selbst die noch unverletzte Aluminiumindustrie für die Bedürfnisse der Sowjetunion nicht aus­reichte. Sie mußte deshalb aus dem Auslande Alu- miniummengen einführen, die etwa der Hälfte der Eigenproduktion entsprachen. Deshalb steht jetzt auch Aluminium, wie Lord Beaverbrook mitteilte, an der Spitze der Hilferufe, die Moskau nach Lon- , don sendet. Mit der Einnahme von Tichwin, als dem Mittelpunkt der bolschewistischen Bauxitlager­stätten, ist die Sowjetunion noch weiter in den Eng­paß geraten. Kann sie aus eigener Kraft oder mit ausländischer Hilfe die Aluminiumfrage nicht lösen, dann kann sie auch auf die Dauer einen modernen Krieg nicht durchstehen.

33 neue Sowjetgenerale.

Helsinki, 10. Nov. (Europapreß.) Offensichtlich ist in der Sowjetunion wiederum eine große Reini­gung in der oberen Führung der Roten Armee Lurchgeführt worden, und zwar in einem Umfang, der alles bisherige übertrifft. Auf Verfügung des Rates der Volkskommissare wurden nicht weniger als33neueGenerale ernannt. Die Ernennung verteilt sich auf folgende Waffenarten: Vier General­leutnante der Infanterie, fünf Generalleutnante der Artillerie, ein Generalleutnant der Panzerwaffe, 15 Generalmajore der Infanterie, sieben General- tnajore der Artillerie und ein Generalmajor der Luftwaffe.

Aus der Stadt Gießen.

Märchenbücher wandern ins Volk.

Die Deutsche Arbeitsfront wird am 15. und 16. November im Rahmen der 3. Reichsstraßen­sammlung für das Kriegswinterhilfswerk 10 Mär­chenbücher im Liliputformat, verziert mit entzücken­den bunten Bildchen aus Künstlerhand, den Volks­genossen in Stadt und Land für ihr WHW.-Opfer aushändigen. Das heißt natürlich, daß sich die An­zahl der Büchlein nach der Höhe des Geldopfers richten wird. Niemand kann die ganze zehnbändige

Kripgsruinterhilfsmprk 1941-42

3. R-Pichsftraßpnrammlung

DAF Sammelt

Märchenbibliothek für 10 Pfennige mit sich nach Haufe nehmen. Schließlich hat ja die Sache auch ihren Wert, und wenn du dir selbst nicht im klaren bist, bann werden dich deine eigenen Kinder, deine Neffen oder Nichten oder Enkel und Enkelinnen dar­über belehren. Du wirst bald darüber im. Bilde sein, wie die Jugend diese reizenden Märchenbilderbüch- lein einschätzt. Dann wünsche ich dir nur, daß du möglichst viele an deinem Rockaufschlag oder an dei­nen Knöpfen baumeln hast, damit du alle Ansprüche erfüllen kannst. Wenn bu auch schon Hänsel und Gretel, Rotkäppchen, Aschenputtel, Däumling und Rumpelstilzchen glücklich in deinen Besitz gebracht hast, dann vergiß nicht, daß deine Lieselotte oder Hannelore, Elsbeth oder Kätchen auch noch die an­deren haben wollen. Es gibt nämlich noch den ge­stiefelten Kater, das tapfere Schneiderlein, Dorn­röschen, Schneewittchen und den Frofchkönig,

Blättern wir in diesen Büchlein, dann sind wir im Augenblick wieder in die selige Kinderzeit ver­setzt. Wir lächeln darüber, daß mir heute so ernst und würdig, so vernünftig und praktisch geworden sind. Manchmal möchten wir eben noch noch gern ein Kind sein mit der ganzen blühenden Gedanken­welt und Begeisterung dieses beneidenswerten Le­bensalters ohne Sorgen und Probleme. Die Zeit ist ernst und erfordert unsere ganze Kraft und un­seren Einsatz. Wir Erwachsenen haben fast keine Beziehung mehr zu den Märchen unserer Kinder­zeit. Und dennoch sollten wir diesmal einen kleinen Blick in diese für uns versunkene Welt tun und uns darüber freuen, daß wir den Kindern schöne alte Märchen nach Hause bringen können. Denn für sie lebt diese Welt genau so, wie sie einst für uns Leben und Wirklichkeit bedeutete.

Das Winterhilfswerk hat uns schon viele und schöne Abzeichen gebracht Abzeichen aus Seide und Stoff, aus Porzellan und Metall, aus Glas und Ton, aus Holz und Kunstharz. Oft gingen sie über den Rahmen eines niedlichen Spielzeugs hin­aus und wurden zu Dokumenten deutscher Größe und unvergänglicher Kunst. Mancher mag sich fra­gen, wie die Bestimmung der Abzeichen und die Auswahl vor sich geht. Insbesondere aber, wie der Gedanke, deutsche Volksmärchen als Abzeichen für das Kriegswinterhilfswerk herauszubringen, ent­standen ist.

Darüber sei einiges verraten: Die Idee kam vom Münchener Verlag Bruckmann. Damit war aber die Sache noch nicht erledigt. Es handelte sich jetzt dar­um, aus der Fülle der schönen deutschen Märchen von Grimm und Bechstein die ansprechendsten und bekanntesten auszuwählen, sie entsprechend zu kür­zen und auf einen Umfang zu bringen, der der Größe des Büchleins gerecht wurde. Dieser schwie­rigen Aufgabe unterzog sich Karl Hobrecker mit tiefem Verständnis und Einfühlungsvermögen. Nie­mand kann behaupten, daß wesentliche Weglassun­gen vorgenommen worden seien oder daß bas Ge­samtbild des Märchens gelitten hätte. Schließlich war noch eine zweite wichtige Aufgabe zu lösen,

die Bebilderung. Nicht jeder Künstler hat das Zeug, richtige Märchengestalten zu malen oder zu zeichnen. Neben dem rein Handwerklichen gehört dazu auch eine gründliche Kenntnis der Psyche des Kindes. Das Kind beobachtet sehr genau, und es will an seinen Märchenfiguren nichts missen.

Man muß bei der Betrachtung der zehn Märchen­büchlein sagen, daß auch diese Frage aufs glück­lichste gelöst werden konnte. Koser-Michaelis, Kurt Nübner, Hildegard Mößel und Else Wenz-Vietor haben den Märchengestalten blühendes Leden ver­liehen. Immer wieder müssen wir diese frisch hin­gesetzten, sprechenden Typen bewundern. Auch die

Kinder werden sofort Kontakt mit ihnen bekommen«

Sechs Druckereibetriebe arbeiteten an der Her« fteUung der Büchlein. 53/4 Millionen dieser origi­nellen Abzeichen werden am 15. und 16. November 1914 von den Frauen und Männern der Deutschen Arbeitsfront im ganzen Reichsgebiet angeboten werden.

Wird uns diesmal das Opfern nicht leicht ge­macht? Ein Opfer, mit dem wir so viel Glück und Freude und Segen für die Heimat stiften können? Wir stellen mit diesem Opfer dem Kriegswinterhilfs­werk die Mittel zur Verfügung, die Heimat stark und gesund zu erhalten. G.

Wetterleuchten um Barbara."

Gin zeitnaher Film im Gloria-palast.

Hanns Saßmann und H. G. Petersen schrieben das Drehbuch nach einem Roman. Es geht um den Bestand eines 400 Jahre alten alpenländi­schen Bauernhofes. Eines Tages bringt der Stam­merbauer eine junge Frau auf den Hof: Barbara. Sie hat es anfangs nicht leicht, sie kommt Aus dem Unterland und muß sich in der Bergwelt erst zurecht- inden. Es gibt Auseinandersetzungen mit dem Ge- inde und mit der Stammermutter, die ihr wenig reundlich entgegenkommt und sich widerstrebend aufs Altenteil zurückzieht. Allmählich faßt Barbara in ihrer freundlichen und bestimmten Art Boden, findet sich zurecht, und die große Liebe zu ihrem Mann, Martin Stammer, hilft ihr über manche Schwierigkeit hinweg. Aber dann kommen ernstere Sorgen; sie bewegen nicht nur die Leute auf dem Stammerhof, sondern die Bauern im ganzen Dorf und auf vielen großen Höfen ringsum im Lande. Es beginnt ein zäher, mit allen Mitteln geführter Kampf zwischen den Bauern, die insgeheim der neuen Bewegung des Nationalsozialismus anhän­gen, und der Frontmiliz, die ihrer mit List und bru­taler Gewalt vergeblich Herr zu werden versucht. Zwar gelingt es Barbara, Flugblätter in die Stadt hinunter zu schmuggeln, aber die Spürhunde der Miliz haben Verdacht geschöpft und umstellen den Hof, in dem die Bauern aus dem Dorfe versammelt sind; die brechen aus in den Wald, dort kommt es zu einem wilden Feuergefecht, Martin schießt in der Not einen Gendarmen nieder und flüchtet bei Nacht und Nebel über die Grenze. Für Barbara bricht eine schlimme Zeit herein. Dor Gericht wird sie vor eine schwere Entscheidung gestellt: gibt sie unter Eid zu, daß ihr Mann den Gendarmen erschossen hat, ist der Hof verloren; sucht sie Martin zu retten, schwört sie einen Meineid, und Überdies kann es dem Toni, dem besten Freunde ihres Mannes, den Kopf kosten. Barbara flüchtet sich in ein verzweifelt wider­

rufendes Geständnis. Der Hof wird beschlagnahmt. Martin, der zurückgekommen ist, um den Freund zu retten, flieht abermals mit Barbara und Toni im Schnee übers Gebirge. Schon scheint, obwohl Toni im Kampf mit den verfolgenden Milizleuten sich opfert, alles verloren, da bringt der Rücktritt der Bundesregierung und der Einmarsch der deutschen Truppen dem Lande die Freiheit: Barbara und Martin sind gerettet, und der Stammerhof bleibt ihnen erhalten.

Werner Klingler führte Regie. Man merkt anfangs die epische Vorlage des Drehbuches, aber allmählich bekommt die Handlung Aktion und far­bige Bewegung, um sich gegen Ende hin zu heftiger Spannung und unmittelbarer Dramatik zu ver­dichten. Der in ähnlichen Aufgaben bft bewährte Kameramann Sepp A11 g e i e r hat gute Photo­graphien geliefert. Sibylle Schmitz, die die Bar­bara spielt, scheint zunächst in der ungewohnten Umwelt etwas befangen, hat sich aber mit sicherem Instinkt und sparsamem Gefühlsausdruck recht über­zeugend in den schweren Konflikt der jungen Frau hineingelebt. Attila Hörbiger und Viktor Staat zeichnen mit knappen Umriffen zwei feste, verläßliche Bergbauernqestalten. Maria Koppenhöser, herb und streng, ist die Stammermutter. Oskar Sima gibt mit penetranter Schärfe den brutalen und gemeinen Milizhäuptling.

*

Im Beiprogramm läuft die schon besprochene neue Wochenschau. Eine sehr hübsche und luftige Sache ist die Bühnenschau mit demsprechenden Elefan­ten" Nelly: das ist nicht nur ein ungewöhnlich schönes, sondern auch ein überaus wohlerzogenes und gelehriges Tier, das verblüffende Proben feiner Intelligenz liefert und die Sympathien des ganzen Hauses auf sich versammelt. Hans Thyriot.

Sichtbarkeit aller Planeten.

Gternschau im November 4941.

Von Dr. Erwin Kossinna.

Der diesjährige November ist ein rechter Plane­tenmonat. Sehen wir von dem äußersten bekannten Wandelstern Pluto ab, der wegen seiner Licht­schwäche erst 1930 entdeckt wurde und für kleinere Instrumente überhaupt nicht in Bsttacht kommt, so können im November alle Planeten beobachtet wer­den.

Der sonnennahe Merkur erreicht am 12. No­vember seinen größten scheinbaren Abstand von der Sonne. Er geht um diese Zeit rund 2 Stunden vor unserem Tagesgestirn auf und kann bei klarer Luft nahezu eine Stunde lang beobachtet werden. Mer­kur bewegt sich während der zweiten Hälfte des Monats von der Jungfrau zur Waage am füböft» lichen Horizont. Trotz feiner die Helligkeit der Wega oder der Kapella weit übertreffenden Leuchtkraft hebt er sich nur wenig vom hellen Dämmerbogen ub. Beim Aufsuchen des Merkur leistet ein Feld­stecher daher gute Dienste.

Venus ist Abendstern. Ihre Sichtbarkeitsdauer wird jetzt erheblich länger als bisher. Ende Novern, ber geht sie erst 3 Stunden nach der Sonne unter. Am 23. November erlangt Venus die größte östliche Ausweichung von der Sonne. Als weitaus hellster Stern beherrscht sie nach Sonnenuntergang den südwestlichen Himmel. An den Abenden des 21. und 22. November finden wir die schmale Sichel des zu­nehmenden Mondes in der Nähe des- Abendsterns.

Mars ist vom Beginn der Dunkelheit bis in die zweite Nachthälfte hinein sichtbar. Wenn er auch den Höhepunkt seiner Helligkeit bereits überschritten hat, so ist er doch noch ein auffallend heller, feurig ro­

ter Stern am südöstlichen Himmel. Mars entfernt sich wieder von der Erde. Sein Abstand wächst im November von 72 Millionen auf 99 Millionen Ki­lometer an.

Einen prächtigen Anblick gewähren Jupiter und Saturn, die gegen 20 Uhr mit dem Stern­bild des Stiers am Osthimmel emporsteigen. Als er­ster der beiden Großplaneten erscheint Saturn, fast gleichzeittg mit dem bekannten Siebengeftirn. Etwa eine Stunde später folgen Juviter und Aldebaran. Jupiter nähert sich der Erde, seine Helligkeit wächst daher und übertrifft bereits wieder die des Mars. Sein Abstand beträgt Mitte November 622 Millio- nen Kilometer, rund 50 Millionen Kilometer weni­ger als Mitte Oktober. Bei der jetzigen günftigen Stellung des Planeten lassen sich Me vier großen Iupitermonde mit einem kleinen Fernrohr, auch schon im Feldstecher, gut beobachten. Saturn gelangt am 17. November in den Gegenschein zur Sonne. Zugleich erreicht der Ringplanet mit 1217 Millionen Kilometer den kleinsten Abstand von der Erde. Das weit geöffnete Ringsystem erfordert allerdings eine wenigstens hundertfache Vergrößerung, um gut sicht­bar zu fein.

Vier Tage nach dem Saturn, am 21. November, befindet sich auch Uranus in Opposition zur Sonne. Dieser gerade noch mit bloßem Auge erkenn­bare Planet kann leicht gefunden werden, wenn man feinen Ort am Himmel genau kennt. Uranus befindet sich zur Zeit in der Nähe der beiden Sterne 13 und 14 im Stier, die ungefähr ebenso hell wie der Planet sind. Der nur im Fernrohr sichtbare

Karin Grunelius

Roman von Guiöo k.vranü

24.Fortsetzung (Nachdruck verboten.)

Mit ihrem Vorschlag, ein Jahr lang in Deutsch­land zu bleiben, müßte sich dann Günther um so mehr abfinden, als sie so schnell ihren Platz im Gruberschen Institut gar nicht verlassen konnte. Oder hatte ihr Leben dadurch überhaupt eine ganz andere Wendung genommen? Ohne sich lange zu besinnen, drängte sie diesen Gedanken zurück. In ein paar Wochen würde Günther nach München kommen und mit ein paar gesprochenen Worten war bann mehr erreicht als mit langen Briefen, die nicht sofort ein Echo fanden.

Als sie nach Hause tarnen, lag ein umfangreicher Luftpostbrief aus Arusha da. Die Haushälterin kam 'hnen ganz aufgeregt entgegen:Jessasmariand- jVseph, Frailn Karin, an solchenen Brief hab i meiner Lebtag no net gsehgn. Da hat doch dös Porto a ganz Dermögn kost. Schaugns do bloß die Markn an!" Sie hatte einen Neffen, der Postwert- ' eichen sammelte, und sie hätte viel dafür gegeben, Denn Karin gemerkt yätte, daß ihr der besitz der Marken nicht gerade unangenehm gewesen ropre. Da aber der Geheimrat Bescheid wußte, preßte das ftnnerl den Umschlag bald danach mit überschäu- Dender Dankesfreude an ihre Brust.

..Na, da können wir ja morgen schon zu Pro­zessor Gruber!" entschied der Onkel.Studiert wird nichts mehr heute! Im Gegenteil. Wir werden in Me Oper gehen. So viel ich weiß, wird dieZau- berflöte" gegeben."

Dagegen gab es wohl keinen Widerspruch ...

*

Als Karin am nächsten Morgen aufwachte, fiel (s ihr schwer, sich zurechtzufinden. Die blaugestreifte Dapete kam ihr fremd vor, die Zimmereinrichtung vuchs wie aus dem Dunkel eines verlorenen Ge- iächtniffes in bas morgendliche Licht. Sie muhte ji^ch tatsächlich erst besinnen, wo sie war. Aus vielen

Träumen wachte sie auf, aus einem Gewühl von Bildern und Erlebnissen.

Aber ihre Phantasie löste ungehemmt Arusha aus ihrer Vorstellung und tauschte es mit Sampieri. Gesichter überdeckten sich, aus Günther wurde der Vater, aus diesem wieder Professor Gruber, der hinter einem dicken Folianten hockte und mit einem Bleistift eine chemische Formel nach der anderen aufspießte, sie in der Luft herumwirbelte, bis sie einen weißen nebelhaften Kreis bildeten. Aus dem Mozartfchen Tamino wurde eine Aminosäure, deren Konstitutionsbild sie vergessen hatte. Merkwürdiger­weise aber stand Thomas Bröger mit einem Maler­pinsel neben dem Chemiker und machte verschie­dene Zeichen.

Sie nannte, als sie ihr Gesicht in das kühle Wasser tauchte und mit offenen Augen das grün- marmorierte Waschbecken abtastete, die ganze Rocht einen Hellen Unsinn und suchte sich auf den bevor­stehenden Besuch bei Professor Gruber zu konzen­trieren. Bei weitgeöffnetem Fenster, vor dem die Spitze einer Kastanie im leichten Morgenwind sich hin und her bog, tat sie etwas, was sie schon lange aus ihrem Tageslauf ausgeschaltet hatte: sie be­gann mit einfachen rhythmischen Bewegungen, stei­gerte sie aus ihrem Gedächtnis zu immer schwereren gymnastischen Uebungen, so daß sie zuletzt fast atem­los auf ein* Klopfen an der Tür antwortete, sie sei bald fertig zum Frühstück.

Erfrischt kam sie in das Eßzimmer, wo der Onkel mit. einer beinahe feierlichen Geste sie erwartete und väterlich meinte, gut gefrühstückt fei eine Basis, auf der Menschen immer mit sich reden lassen wür­den. Da ihm von seinem Kollegen Gruber bekannt sei, daß er einer feinschmeckerbaften Küche nicht ab­hold wäre, so könne eigentlich nichts passieren.

Ich habe nicht die geringste Angst, Onkel. Mehr als durchfallen kann ich nicht und dann bleibt mir ja immer noch übrig, gleich zu heiraten und mit Günther wieder nach Arusha zurückzukehren! Also so oder so!" lachte sie.

Professor Gruber saß wirklich hinter einem gro­ßen alten Pergamentband mit zwei riesigen Schlös­

sern, als Kann mit ihrem Onkel in der Universität das Sprechzimmer betrat. Ganz kurz blitzte die Er­innerung an den Traum auf, als der Chemiker den Kopf hob und sie mit einem klugen Blick anschaute.

Eine Vorahnung sagte ihr, daß diese merkwür­digen Zusammenhänge nur etwas Gutes bedeuten konnten. Nach einigen einleitenden Fragen über ihre Herkunft, über die Verhältnisse in Deutschost und Kapstadt, begann Professor Gruber ein Zickzack­examen, daß Karin die ersten fünf Minuten mit nervöser Verbissenheit eine aufkommende Unsicher­heit bekämpfen mußte. Es war ein wunderbares Florettgefccht, in dem sie mit traumhafter Sicher­heit parierte. Mochte er von den eigentlichen Vita­minen und ihrer Wechselwirkung ober von den Be­ziehungen zu den Hormonen sprechen, die symme­trisch gebauten Kohlenwasserstoffe der Karotine waren ihr ebenso geläufig wie die unerforschte Panthothensäure.

Nach kaum einer Stunde, die mehr einer kolle­gialen Unterhaltung zusteuerte, brach Professor , Gruber die Prüfung ab, lobte sie nüchtern und bat sie, am nächsten Tag in das chemische Institut zu kommen, damit er ihr den zukünftigen Arbeitsplatz zeigen könne.

Der Onkel drückte ihr, ohne ein Wort zu sagen, die Hand, suchte seine Rührung zu verbergen und verabschiedete sich von dem um viele Jahre jün­geren Kollegen mit ein paar liebenswürdigen Redensarten.

Ausgezeichnet, Herr Geheimrat. Ich habe eine wunderbare Arbeit für Ihr Fräulein Nichte! Kön­nen allerhand erben dabei, wenn wir dem Ding auf die Spur kommen!" flüsterte Professor Gruber, neben dem Geheimrat hergehend.Das Mädchen hat Zukunft! Und kann als Auffrischung in meinem Institut allerhand Gutes tun! Habe die Ehre, Herr Kollege!"

Karin war ein wenig hinter den beiden zu­rückgeblieben und stand nun allein in dem hellen langen Gang mit den vielen Türen, hinter decken Hunderte von jungen Menschen mit den Rätseln und Geheimnissen der Natur einen unentwegten Kampf kämpften. Nachdenklich wartete sie auf den Onkel.

Ja nun habe ich die Prüfung bestanden, kann morgen anfangen und bin eine von den vielen Assistentinnen, gehöre gar nicht mehr mir selbst, sondern einer Arbeit, die mir der Professor geben wird. Und wenn Günther kommt.

Woran denkst du?" hört sie plötzlich die Stimme ihres Onkels neben sich.Und was gibt es so schwer zu feufgen? Ist doch alles fabelhaft gegangen!"

Etwas unwahrscheinlich schien ihr das alles. Sie wußte nicht mit Gewißheit, ob sie mit diesem Schritt recht getan hatte. Wäre sie durchgefallen oder hätte Gruber wenigstens gesagt ja, mein Fräulein, das ist alfes sehr schön und gut, aber Sie müssen noch viel lernen dann hätte sie es sich immer noch überlegen können und wäre vielleicht zu Gün­ther nach Spaccaforno gefahren.

Können wir auf dem Nachhauseweg ein paar Telegramme auf geben? An den Vater? An Gün­ther?" fragte Karin statt einer Antwort.

Selbstverständlich, liebes Kind! Das ist das erste, was wir überhaupt tun müssen! Entschuldige, daß ich daran nicht gleich gedacht habe!"

Er schob feinen Arm unter den ihren, und wie einem seltsamen, ausfallenden Paar sahen ihnen die Studenten nach, die aus den Kollegs strömten. In dem großen hohen Treppenhaus gingen sie acht­los an den vielen Gruppen vorbei. Die farbigen Fenster verstreuten das bunte Licht auf die weißen Fliesen und machten sie zu einem' Teppich, der langsam durch die Halle wanderte.

Einen Augenblick erschrak Karin, als sie am Schwarzen Brett einen Studenten stehen sah, der Ähnlichkeit mit Thomas Bröger hatte. Sie konnte nur sein Profil, und dies noch halb verdeckt durch den Kops eines anderen, rasch im Vorbeigehen er­fassen. Das Helle Haar jedoch, die breiten Schultern und die Größe hätten auf den Maler zutreffen können.

Wie ein Spuk glitt das Bild vorbei, als sie auf den Platz hinaustrat und unter dem feinen Sprüh­regen des Springbrunnens, in dem sich tausend­fältig die Sonne brach, auf die Ludwigstraße zu- ging.

(Fortsetzung folgt.)