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.Hautconsei

Verdunkelungszelt

1 1. Oktober von 18,86 ble 7.38 Uhr.

12. Oktober von 18.88 bis 7.39 Uhr.

mich nicht, er lehnt hundertmal am Tug die aller- hriiifllldjflen Sachen ob, er roürbv sich zuletzt das Leben nehmen, schluchzend, wenn fr jedesmal ein unendliches Bedauern" empfinden wallte Aber er war höflich, er war nicht flrob, er wickelte seine Ware" nett ein, er jchmiß sie mir nicht übern Tisch zu.

früher einnwl, al» ich nach jnnfl und idealgesinnt war, hatte ich solches Benehmen für unehrlich ge­halten, fiir heuchlerisch. Ein ehrlicher Mensch sagt seine Meinung ehrlich. Ich hohe dann einiige Jahre nach diesem Rezept gelebt. Es war ein unmögliches Rezept. Man müßte demnach umhergehen und überall ehrlich sein, das heißt grab. Man müßte dann sagen:Was geht mich Ihr Dreckzeug an?" Lassen Sie mich in Ruhe damit, ich kann Ihnen auch nicht helfen!" Und in der Anrede käme man bald zu Krastaiiadrücken.

Erst an derHöflichkeit sieht man, wieviel sie wert ist. Sie ist eine gute Schmiere zwischen zwei harten reibenden Teilen. Durch Höflichkeit glitscht es besser. Da» ist alles, was sie zu leisten hat . und was sie bedeuten soll. Wenn einer mir schreibtmit den herzlichsten Grüßen", so grüßt er mich nach lange nicht herzlich, aber er schmeichelt mir ein bißchen, und das gefällt mir. Und da wir alle nernöo sind und unsere Kräfte sparen wollen, so sind mir über- eingekarnnu'n, höflich zu sein, also Schmieröl zu ver- inenden, freundlich zu lächeln und nicht die ohnehin schon bestehenden Schwierigkeiten noch zu ner- gröbern durch düster machende, lähmende, lustlos machende Grobheiten. Die Grobheit sagt:Sa und so steht e« mit dir, also traurig genug!" Während die Höflichkeit sagt:Diesmal ging es leider nicht, aber ..." Und hinter demaber" steht dann freund­lich lächelnd ungebrachen frisch die hilfreichste Ge- iährt'in, die wir haben können, die Hoffnung, der Versuch beim nächsten Mal, das Wettermachen, also da» Leben, da» einzige, fiir das mir Verwendung haben. Felix Riemknsten.

Sornofhen.

lagevkalender für Samstag.

Stadttheater: 19 UhrZigeunerliebe". Gloria- Palast, < eüirirotg .. reitel f(h Deutschland". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Karussell". Oa- waldvgarten: Herbstmarkt (Schaumesse).

lageofalenbcr für Sonntag.

Stadttheater 19 UhrZauber der Melodie". Gloria-Palast, Seltersweg 10.80 UhrEine kleine Nachtmusik".... reitet für Deutschland". Llchtsplelyauo, Bahnhofstraße:Karussell" Ober­hessischer Kunstverein: Ausstellung im Foyer des Stadttheaters non 11 bis 13 Uhr. Deutscher Alpenverein, Zweig Gießen-Oberhessen: Uhr Bort ragDie Fränkische Schweiz" imHinden­burg". Oswaidsgarten: Herbstmesse (Schaumesse). 14 Uhr Rad-Rundstreckenfahrt In Gießen.

Deutsche« Rrmieiitoerf tSiesten.

Der Gerne!nlchaftsabend der vier Gießener Orts­gruppen der NS-Frouenschaft Deutsches Frauen- werk findet statt am Donnerstag, 16. Oktober, 20 Uhr, hi der Aula der Universität. Herr Han» Buä>- mann hält einen Ülchtdildervortrag:Deutsch-Süd- west-Asrika, Land und Leute" Herr Buchmann war non 1904 bie gegen Ende 1919 In Deutsch-Südwest- tffrlta

Unsere Dersorgunaslage.

Die Versorgung der Mühlen mit Getreide war ausreichend, was sowohl für Roggen wie für Weizen gilt. Auch für Roggen- und Weizenmehl hielt sich die Lage unverändert. Die Versorgung mit Hafer- Nährmitteln konnte ausgeglichen werden Befriedi­gend war auch die Versorgung mit Gemüse. Kohl- gemiise ist genügend vorhanden, Blumenkohl und Tomaten erreichen nicht ganz die gleiche Menge. Endiviensalat, Spinat und gelbe Rüben stehen au >- reichend zur Verfügung. In der Versorgung mit Obst ist eine Aeuderung nicht eingetreten. In der Kartosselbewlrlsihastung richtet sich da» Interesse der Verbvaucher aus dte Möglichkelt der Einkelle­rung, wobei es selbstverständlich ist, dass nicht mit einem Schlage in vollem Umfang allen Wünschen entsprochen werden kann, sondern die Versorgung sich etappenweise vollziehen wird. Die Versorgung mit Fleisch nahm in der Berichtswoche wieder ihren planmäßigen Verlaus. Die Bedarfsdeckung mit Milch, Milä)erzeugnisjen und Feiten wurde aus­reichend sichergestellt Dle In dem lausenden Ver- orgungsabsämiit aufgerufenen Eier sind zur Au»- ,abe gelangt. Die E ierersassung steht unter den ahreszeitUchen Einslüssen.

Aus der Giadi Gießen.

HöfltchkeU

Neulich war ich aus einem Amt und habe etwas beantragt. Sie haben e» mir nicht gegeben. Aber trotzdem trat ich nachher aus die Straße hinaus, unverärgert, zwar leer an Vorteil, aber innerlich ich weiß nicht wie. Es mar, als wäre ich beim Bar­bier gewesen und verschont aus dem Sessel ge­stiegen. Ich habe mich geradezu gefragt:Wie haben die das gemacht? Meinen Antrag haben sie abge­lehnt und doch---?" Ich war noch nicht an der

nächsten Ecke, so war es mir schon ausgegangen, das Geheimnis. Sie haben h ä s l i ch abgelehnt!

Es ist mir ein unendliches Bedauern, aber lei­der ..." Aha, aha! Mit dieser Schmiere haben sie mich eingeschmiert. Aber mH Er olgl Und der Er« solg entscheidet. Dieser Ablehnungsmann hat natür­lich nicht Im geringstenunendliches Bedauern" empfunden. Woher auch? Wieso denn? Er kennt

blättern in den Gästebüchern de« VRK.-SoldatenheimS in Gießen.

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Viele werden hier geheilt Vom Hungerschmerz, Wie wäre es nebenbei: So etwas fürs Herz?"

Cs hat geschmeckt wie bei Muttern!"

Die Kradmelder eines Divistonsftabes haben sich also verewigt:Wir sind aus Polen gekommen und machten In Gießen Rast. Wir hatten Hunger wie Wölfe, doch das Essen reichte für zwölfe und machte uns alle satt." Mit einem sorgfältig himmel­blau getönten Vergißmeinnicht und der Ver- sicherungWir werden Gießen ewig gedenken" be­danken sich fünf Flaksoldaten für gutes Essen und liebevolle Aufnahme.Bei den Schwestern vom Raten Kreuz ein Truppenarzt sich wieder stark." Ein Oberleutnant al» Transportführer:In Gießen läßt sich's gut genießen, besonders nach langer Fahrt, wenn sooo lang der Bart." Ein Funker läßt sich vernehmen:Aus einer kurzen Rast, bevor'» zur Mutti geht, hat mau sich hier schon wie zu Hause gefühlt." Wie zu Hause: das ist io wohl die höchste Anerkennung, die ein Soldat im Kriege dem Roten Kreuz zuteil werden lassen kann. Wei­terHier haben wir getrunken und gegessen und zuletzt Im Luftschutzkeller gesessen."Es hat uns allen gut geschmeckt",e-x hat prima geschmeckt", - dergleichen knappe, sachliche Feststellungen findet man immer wieder in den Büchern. Darin liegt keine geringe Anerkennung dessen, was den durch­reisenden Soldaten beim Gießener Roten Kreuz ge­boten wird, aber man kann es auch ausführlicher und auf die unterschiedlichste Weise zum Ausdruck bringen. Z. B. wenn ein Obergesreiter aus der Stadt Goethes seinen berühmten Wahlspruch eln- trägtEs will mer net in de Kopp enei, wie kann imr en Mensch net von Frankfort sei", und ein Ka­merad schreibt darunter:Aber durchfuttern tut er sich in Gießen!" Oder mit dem naturalistischen

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Weitere Fünfhundert Ml. in Gießen.

Zu den im September gemeldeten größeren winnen von NM 5000, und zweimal NM. 500, wurden am gestrigen Nachmittag am Bahnhof tu Gießen weitere RM. 500, beim Glückswame Nr. 193 gezogen. Der glückliche Gewinner ist eim lunger Mann von 18 Jahren aus der Nähe van Diüenburg, der in einer Schweißerei tätig ist Dee Gewinn wurde bereits in der Geschäftsstelle dec Reichslotterie der NSDAP, in der Neuen Bäue 21 ausgezahlt.

Ausreichend verdunkelt?

Jeder gewissenhafte und verantwortungsbewußt» Haushaltungsvorstand legt sich diese Frage vor.- Wie aber kann man feststellen, ob tatsächlich Licht nach außen dringt? Von der Straße und au» dein engen Hof ist da» nicht einwandfrei zu prüfen. 6»

Gedächtnisausstellung Hugo von Ritgen

Von Stadtbaudirektor (Trabert.

Vaterstadt viele Aufträge, besonder« aus fürstliche« Kreisen.

In Gießen baute er 1866 hi italienischer Renats' fance die Billa Ferd. Gall an der Milhelmstraße, die allerdings durch den Umbau vom Jahre 1924 nichts mehr von den ursprünglichen Formen erken­nen läßt. Er hat In all diesen Äahren auch große Reisen im In- und Ausland unternommen, immer bestrebt, nicht nur für seine Lehrtätigkeit, sondern auch für seine praktische Weiterbildung neue» Ma­terial zu sammeln. So ist er zweimal in Italien gewesen, hat Paris nach 25 Jahren wieder besucht, hat Oesterreich eingehend kennengelernt und meh­rere Wochen auch auf Helgoland ^gebracht. Als int Jahre 1874 in Darmstadt die polytechnische Schul«, die Vorgängerin der Technischen Hochschule gegrün­det wurde, lehnte er einen Lehrstuhl zugunsten Gießens ab und erhielt dann hier den Lehrstuhl für Kunstwissenschaft. Schon einige Jahre vorher lyatte er einen Ruf nach Braunschweig abgelehnt und blieb der Stadt seiner Jugend auch treu, al­ber Großherzog von Sachsen-Weimar ihm Weimar andot.

Naturgemäß ließ mit dem zunehmenden Alter die praktische Betätigung nach und er konzentrierte sich mehr auf seine Lehrtätigkeit, wobei er immer noch wissenschaftliche Forschungsarbeit trieb, indem er z. B. Untersuchungen über die Restaurierung der beiden Burgen in Staufenberg, des Gleiderges ufro. durchführt«. An Ehrungen hat es ihm nicht ge­fehlt. Er wurde 1873 Geh. Baurat, bei feinem 50jährigen Dienstjubiläum im Jahre 1886 gleichzeitig Großherzogl. sächs. Geheimrat. Von 1878 bis 1888 war er Vorsitzender des Gewerbevereins Gießen: und nach seinem Ausscheiden dessen Ehr-noorsitzen- der. Noch im Jahre 1885 besuchte er als 75jähriger die Weltausstellung in Antwerpen und berichtete: darüber an den Grohherzog Karl Alexander.-1887 wurde der Gleibergverein gegründet, dessen Ehren­präsident v. Rltgen wurde. Im Juni 1889 war v. Ritgen zum letztenmal mit seinem Großherzog auf der Wartburg, und am 31. Juki ist er dann in­folge einer Ripvensellentzündung Im Alter von 78 Jahren entschlafen.

Damit hatte ein an Arbeit, aber auch an Aner­kennung reiches und langes Leben seinen Abschluß gefunden, und die Fülle von Kränzen und Blumen, die bei seiner Grablegung am 2. August den Sarg bedeckten, war ein letztes öffentliches Zeugnis für die Liebe und Verehrung, die dem Verstorbene» ZUM Grabe folgte.

Abbilde der Tafelrunde von zehn Soldaten, welche sich um einen gewaltigen Kuchen versammelt haben: sie gehen konzentrisch zum Angriff vor, der Kuchen überlebt es nicht. Oder so:

Ich ließ mir hier in Gießen

Was In den Hals reinfließen, Das half dem kranken Magen, Das könnt ich grab vertragen."

Sechs Funker trafen sich einst hier, Die tranken alle sechs gern Bier.

Doch mit dem Bier ist's nicht ganz ohne: Beim Roten Kreuz gidt's nur Zitrone. Das einzige, was man kennt in Hessen, Das ist das gute Wehrmachtessen.

Es hat uns allen gut geschmeckt, Sogar die Finger wurden abgeleckt!" Ein Kriegsfreiwilliger 1941:

Wir werden bald Soldaten Und aßen Einheitssuvpe.

.Mensch, du hast scharf geladen!' Sagt nachher unsre Puppe."

ziemlich ergreifenden Stoßseufzer eines » gefunden, der dem Gästebuch den folgenden Offe barungseid anvertraute:Ich gebe allen Der» wandten und Bekannten die traurige Nachricht, daß nach kurzem, schweren Leiden mein geliebter Geldbeutel an der Auszehrung seinen Geist auf­gab und die Hinterbliebenen Pfennige sind bei der letzten Portion ums Leben gekommen." (Die Recht­schreibung wurde der Deutlichkeit halber einer leich­ten redaktionellen Überarbeitung unterzogen.)

hat.

Von Rltgen war von Geburt Westfale und kam durch die Berufung seines Vaters zum Direktor der Entbindungsanstalt in der Senckenbergstraße (jetzt Landwlrtscyastliches Institut) schon als Knabe von drei Jahren nach Gießen. Er sollte zunächst auch Medizin studieren, aber nach wenigen Semestern wurde der Hosbaudlrektor Moller in Darmstadt sein Lehrer, unter dem er auch mit 22 Jahren zum Dr. phil. promovierte.

Von September 1833 bis Mai 1834 machte er Studienreisen durch Belgien und Frankreich und lernte besonders in Paris die verschiedensten Künst­ler kennen. Im Herbst 1834 las er dann zum erstenmale über Situationszeichnen und darstellende Geometrie, 1835 über Landbaukunst. 1836 arbei­tete er praktisch mit am Neubau des Ständehauses in Darmstadt und legte 1837 die allgemeine Staats­prüfung ab.

Im nächsten Jahre heiratete er die Tochter des Geh. Staatsrates Zimmermann aus Darmstadt und wurde im Dezember 1838 a. o. Professor. Im glei­chen Jahre baute er sich in Gießen das Haus Frankfurter Straße Nr. 19n, das Hinterhaus, mit einer Bausumme von 10 000 Gulden. 'Aber schon wenige Jahre später genügte ihm dieser Bau nicht mehr, und er errichtete das jetzige Hans Glatthaar, Frankfurter Straße 19, an dem auch seine Gedenk- täfel angebracht ist. Mit 32 Jahren wurde er or- deutlicher Professor, und neben seiner Lehrtätigkeit entwarf er eine Reihe von Privatbauten, die er z. T. auch selbst durchsührte. Der erste ist die Ka­pelle auf dem Alten Friedhof, dann im Jahre 1842 die Tabakfabrik Schirmer, ein Jahr später die Ta­bakfabrik Gail in der Neustadt und vor allem im Jahre 1845 das Haus Frankfurter Straße Nr. 6 für den Kaufmann Miiller, der Tabakfabrikant ge- wesen war und seine Fabrik an Gail verkauft hatte. Ein größerer Neubau von ihm war dann das Haus Hitlerwall 9 für den Kaufmann Fulda, im Jahre 1848.

Durch feine Lehrtätigkeit wurde er Mitarbeiter non Universitätsprofessor Dr. Klein, dessen Merk über die Kirche zu Großen-Linden 1857 herauskam. Aber schon 1846 hielt er auf dem Architektentag in Gotha einen Bvrtrag über das Kirchenportal in G, aßen-Linden und wurde damit einem fach- interessierten Kreise bekannt als Kenner mittelalter­licher Baukunst. Diese Architektenversammlung in Gotha gab dann den Anstoß zu einem Besuch der Martlmrg. Im nächsten Jahre hielt er auf der Architektenversammlung in Mainz seinen berühmt gewordenen Vortrag über die Wiederherstellung der Wartburg. Seine Darlegungen und die von ihm angesertigten Pläne mürben durch den Burg- hauptmann von Arnswald dem Großherzog von Sachsen-Weimar nörgelest. Dadurch war eine Ver­bindung hergestellt, die langer als 30 Jahre dauern sollte und zur fast völligen Wiederherstellung der Wartburg führte. Wenn auch nicht alles nach den Plänen von Ritgens durchgeführt worden ist, und einige Arbeiten erst nach seinem Tode erfolgten, so hat er doch in verständnisvoller Zusammenarbeit mit dem Burghauptmann diese Arbeit als sein eigentliches Hauptwerk bezeichnen können. Die Kosten für die Wiederherstellung haben mehr als *4 Million Gulden betragen Es ist klar, daß diese hohe Summe nur in verhältnismäßig geringen Jahresraten zur Verfügung gestellt werden konnte, wenn nicht sogar Kriegsjahre, wie 1864, 66 und 70 die Arbeiten ganz zum Stillstand koinmen ließen. Aber es war schon ein großes Ereignis, baß im Jahre 1867 anläßlich des 800jährigen Jubiläums der Wartburg in einer großen, die interessierten Kreise ganz Deutschlands umfassenden peler ein vorläufiger Abschluß der Arbeiten erreicht war. Von Rltgen erhielt nun auch außerhalb seiner

Man könnte diesen Reigen noch lange fortfetzen: ein Harzer Roller, sechs lustige Bayern, vier blaue Jungs, drei aus dem Siegerland, sechs Landes­schützen sind z.B. noch nicht zu Worte gekommen, aber das Papier ist knapp, und wir wollten ja auch nicht das ganze Buch abschreiben. Wer darin blättert, wird bald merken, wies gemeint ist. Die WorteAus Dankbarkeit!" undAuf Wiedersehen!" bilden gewissermaßen den Kehrreim aller Ein­tragungen in den Gästebüchern. Das Soldatenheim des Gießener Roten Kreuzes kann stolz darauf fehl

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Es gibt aber auch Eintragungen von weniger achlicher Art, es gibt Geständnisse schöner Seelen und Bekenntnisse mehr persönlichen Stils, die in diesen Zusammenhatzge immerhin Überraschend er- cheinen.Wien, Wien, nur du allein sollst stets die Stadt meiner Träume fein." Dies schrieb ein Wiener Schütze, bet mit einem Mordshunger aus dem Standortlazarett Gießen hierher kam und der gern mal nach Wien auf Urlaub möchte. Aber vor­läufig geht es noch mit einem riesigen Tornister nach Bayern." Einer zeichnet das Bild eines ausgesprochen schicken Mädchens ins Gästebuch und schreibt daneben:

Arn Bahnhofsplatz in Gießen, da steht ein Helles Haus.

Viel graue Frontsoldaten gehn stündlich ein und aus. Sie finden da oin Obdach ein Essen und ein Bett, 's ist alle» neu gerichtet und sauber und adrett..."

Zu den kleinen Dokumenten nm Rande de» Kriege» gehören die interessanten Gästebücher au» dem Sol­dat e n h e I m des Deutschen Roten Kreu- z e im ehemaligen Hotel Lenz in Gießen. ( lohnt sich, eine Viertelstunde im freundlichen Speise- jaul ZU sitzen und das Buch durchzublättern, bas da auf dem blumengeschmückten Tisch liegt. Wir haben uns bann auch die fünf stattlichen Bände besorgt, die feit dem Bestehen bc» Gießener Soldaten­heims vollgeschrieven wurden, und haben einen Blick hlneingeworsen: aus diesen von vielen hundert Händen beschriebenen und bemalten Blättern svricht jo viel soldatisches Empfinden, so viel echte Dank­barkeit und rührende Anhänglichkeit auch so viel gesunder Mutterwitz, daß es eine wahre Freude ist. Die Stadt Gießen und das Gießener Rote Kreuz Int besonderen mit seinen Schwestern und Helferinnen können zufrieden sein mit so unverstellten, nicht nur durch den Magen gegangenen, sondern auch wirklich von Herzen kommenden Zeugnissen des Dan­kes und der hohen Anerkemmna, welche nrübe, hungrige und durstige Soldaten beim Abschied in ben Gästebüchern niedergelegt haben. Es hat sich ja allmählich herumgesprochen, daß der Soldatauf der Durchreise" in Gießen, was Skrpflegung, Un­terkunft und liebevolle Betreuung betrifft, ganz de- sonders gut aufgehoben ist. Es ist an dieser Stelle schon früher auvfülhrllich in slüort und Bild davon berichtet worben. Man sollte sich von Zelt zu Zeit wieder daran zu erinnern, wie bei uns täglich und stüildlich, bei Tag und bei Nacht, für unsere Sol­daten gesorgt wild.

*

Da» Herz kann einem schwer werden, wenn man die knappe bescheidene Eintragung findet:Günter Prien, 3. I. 41", und dahinter, von fremder fyinb, da» Sterbekreuz und den Tag seines Heldentodes, 24.5.41. Aver dergleichen kommt nicht weiter vor auf diesen Seiten; ganz Überwiegend bestim­men feste Siegeszuversicht und gute Laune, Dank­barkeit und Hunlvr die großen und kleinen, slüchti- gen und sorgfältigen Eintragungen im Gästebuch. Es gibt im ganzen Reiche nicht viele Häuser, in denen Im Lause der letzten beiden Jahre Tag für Ina und Nacht für Nacht sv viele und so weitge­reiste Gäste aus allen Teilen der Landkarte ellvge- kehrt und verpflegt worden sind. Die gewaltigen Ausmessungen der geographischen Räume, in denen dieser Krieg sich abspielt, find auch aus den Eintra­gungen In den Gästebüchern abzulesen.Dom Ozean zur russischen Greldze",von Wien zur Biokaya" waren sie unterwegs, die hier genächtigt haben; aus Hamlnerfest, aus dem Protektorat, aus Sizilien und Afrika kamen sie; einer schreibt sogar:auf der Fahrt ins Blaue". Die Reiserouten sind ohne Zahl, aberIch war Im Osten, ich war im Westen, doch in Gießen gefiel mir's am besten".

Alle Wafsengattungen sind vertreten: Flieger und Schlitzen, Kanoniere und Panzersäger, ff-Tlän- ne-r und blaue Jungen. In allen Gauen des großen Vaterlandes sind sie zuhause; die Hamburger ver­abschieden sich mitHummel Hummel!", ein Wiener inalt aus Dankbarkeit das Riesenrad im heimat­lichen Prater unter feine Eintragung, Hirschberger Jäger grüßen die Schwestern vom Roten Kreuz mit rrafhx)Ilern Horridoh, sechs Thüringer mit dem liebe­voll ausgemaltengrünen Herzen" von Deutschland,

1 (rtinei mtl fern Bi gndensmrgsr 2 oi liefet Haupt muß man sagen, daß sich zahlreiche Gäste erstallnliche und rührende Miihe gegeben hoben, Ihren Donk sichlbarllch, ost mit geradezu künstleri­schem Ehrgeiz, im GästMich abzustotten. Zwar ist die beliebte FormelM'sten Dank für Speis und Trank", kurz und herzlich, die am häufigsten wie- derkehrende Fassung, aber sehr vielen, denen bei uns leidliche Stärkung zuteil wurde, hat das nicht genügt, und sie fanden sich, gesättigt, gesäubert und ausge sch lasen, mit Lust unb Liebe zu nicht nur sol­datisch großen Taten bereit. Einige» davon sei hier initgeteilt.

Der Oberhefsische Kunstioereln beginnt feine diesjährige Winterarbeit mit einer Uebersicht über das Lebenswerk Hugo von Ritgens, des ersten hes- Ischen Professors für Baukunst. Die Ausstellung indet im Foyer des Stadttheaters statt und zeigt gedrängter Form das, was die bisherige Unter- hung über Die Arbeiten von Ritgens ergeben

Mann ist gut, der kann fo aber man soll schließlich auch vom Roten Kreuz nicht zuviel verlangen. Dann haben wir den ortho­graphisch nicht ganz einwandfreien, aber sonst

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