m. 242 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheiien)
11./12. Oktober 1941
Lieblinge der Kindheit.
Von Sigismund von Radecki.
Das erste, was ich als Kind bewunderte, war ein Haushahn mit brauner Heldenbrust, grün irisierendem Schwanz und purpurroter Krone, wie er mit stolzem Sporenschritt den Staub längs den Büschen durchmaß. Er kam mir so groß wie ein Füllen vor, und seinem durchdringenden Zornesblick war schwer standzuhalten. Ich stürzte in die Arme des Kindermädchens, um ihm davon zu erzählen, und nahm, schon aus dieser Geborgenheit wahr, wie er jetzt rauschend die Flügel schlug, den Hals reckte und furchtbar zu krähen anhub. Ein Lriumphgesang! Seitdem schritt er gravitätisch durch meine Träume. Und als ich, Jahre darauf, erfuhr, daß die alten Aegypter Tiere angebetet hätten, kam mir das nicht ganz unerwartet.
Das Kind reicht bis an die Knie, bis ans Herz, und muß schon deshalb hinaufschauen; hinaufschauen aber heißt bewundern. Gerade weil es so klein ist, hat es einen so großen Begriff von der Welt und bevölkert seine Umwelt mit dementsprechenden Giganten. Ein anderer Held jener Zeit war ein Wald, der hieß „der Tarn- messela , Er fing gleich hinter der Bahnstation an und erstreckte sich von dort aus über die ganze Erde; er wckr eigentlich das einzige, was es hinter den Eisenbahnlinien noch gab. Der TLmmessela barg alle Wildheit der Welt; von ihm berichteten meine Märchenbücher, und ganz hinten hatte er einen Waldsee, von dem man nur flüsternd sprach; durch den schwammen die Elche mit krummer Nase auf dem Wasserspiegel, während die Wildkatzen lautlos durch die Bäume sprängen und der Waldteufel plötzlich sein durchdringendes Kreischen erhob. Der Tämmessela war ein knorriger Held, dessen grüngoldene Augen funkelten; er hockte hinter der Bahnstation, er konnte sich jeden Augenblick Hochrecken und die Lokomotiven auspusten. „Morgen gehen wir in den TLmmessela, wir stehen um vier Uhr auf!" machten wir oft ab, aber ich verschlief es immer. Mir genügte schon Las Wort „der TLm- rnessela".
Eine andere geliebte Persönlichkeit war eine Puppe namens Alicechen. Das „chen" tat dem Liebling keinen Abbruch. Alicechen hatte goldblondes Haar, dunkelbraune Augen und einen strahlenden Gesichtsausdruck, der zu sagen schien: „Die unbegreiflich hohen Werke sind herrlich wie am ersten Tag." Dieses Wesen gehörte meiner Schwester („gehörte" ist ein ungehöriger Ausdruck; eine Puppe ist doch keine Sklavin), und meine Schwester war es, die mir von dem seelischen Adel und den hervorragenden Eigenschaften Alicechens Kunde gab. Es war ein großes Glück, daß wir gerade diese Puppe bekommen hatten, ein Stolz für die ganze Familie. Die Papierpuppen, die kriegten bei jedem neuen Drama andere Namen; Alicechen aber war sie selbst und thronte wie Buddha doch nicht mit zusammengelegten Händen und einer Lotosblume, sondern mit offenen, etwas abstehenden Aermchen, die strahlend eine Welt umarmen wollten ...
Einen anderen Helden meiner Kindheit habe ich nie gesehen. Es war Graf Richard von der Normandie. Denn wenn mein Vater vor dem großen Spiegel seine Krawatte knüpfte, so sang er: „Graf Richard von der Normandie erschrak in seinem Leben nie." Das imponierte mir, wo ich doch noch
Angst vor dunklen Zimmern hatte, in denen sich ein gewisser Bubbelmann aufhielt. Diesen Helden konnte ich mir nie ohne das Knüpfen einer Krawatte vorstellen. So ritt er durch den furchtbaren Wald, und wenn es herantappte, wenn die Aeste prasselnd zerbrachen und nun der Drache ihn plötzlich mit flammenwerfendem Maul anzischte, so knüpfte Graf Richard von der Normandie kaltblütig seine Krawatte weiter, bis das grüne Untier den Schwanz einzog und sich krachend in die Bäume schlug.
Damals waren Väter überhaupt Helden. Doch gab es auch Papas, die ihr Heroentum unnützlich oft hervorkehrten, während der richtige Held wohl gerade in diesem Punkt schamhaft ist. Jedenfalls erinnere ich mich eines Spazierganges mit solch einem Helden von Vater, seinem Sohn und seiner Gattin — sie tauchten für einen Tag in meinem Leben auf und verschwanden. An diesem Vater wallte alles: der Schlapphut, die Brille, der Vollbart und der Lodenmantel. Die Mutter trug eine Pelerine, bei der hinten auf dem Rücken die Faust zu ahnen war, womit die Rockschleppe gerafft wurde. Wir Knaben liefen im Wald umher und machten Unsinn, aber jedenfalls lange nicht soviel, als daß es meinen Eltern (wären sie milgewesen) auch nur ein Wort der Ermahnung abgerungen hätte. Wer beschreibt mein Entsetzen, als der Vater beim Schluß des Spazierganges sich unvermutet zu seinem Sohne drehte und feierlich sprach: „Mein Sohn! Das ist das letzte Mal, daß ich mit dir, dem Ungeratenen, einen Spaziergang gemacht habe!" Wotan war ein Schliefer! dagegen ... Stumm trollte ich mich. Nachher traf ich „meinen Sohn" allein, und es stellte sich heraus, daß er, wohl gerade wegen dieser Szenen, eine ziemliche Bestie war.
Dann gab es zwei Vorbilder, wie Kastor und Pollux, nämlich die beiden Ringkampf-Champions Lurich und Aaberg, und die beiden Segeljachten „Nan" und „Sally". Lurich und Aaberg waren so stark, daß für sie beide diese Welt zu klein war. Ihre Rückenmuskeln sprengten das Firmament. Ein Mensch, der mit Lurich auch nur ein' paar Worte gewechselt hatte, bekam Relief für sein ganzes Leben. Aaberg dagegen sprach überhaupt kein Wort; mit ihm geredet haben zu wollen, war im vorhinein unmöglich und lächerlich ... Aaberg und Lurich trafen einander nie'm der Arena, und gerade deshalb spekulierte man stundenlang, wer von ihnen den anderen unterkriegen würde. Aber es ging ein flüsterndes Gerücht, daß die beiden einmal in einer Scheune bei Dorpat einander heimlich getroffen hatten ... Fünf Stunden haben sie in dieser Scheune gerungen ... „Nun, und wie ging es aus?" — Achselzucken: „Man weiß es nicht." Es war ein Mysterium.
„Nan" und „Sally" dagegen kämpften offen miteinander, bei jeder Regatta. Ich selbst war anfangs mehr für „Nan", weil er (wir stellten uns „Nan" männlich vor) scharf wie ein Messer war und in den Wind ging; „Sally" dagegen war kavriziös: sie brauchte entweder völlige Flaute oder Sturm. Aber dann kam der Tag, an dem ich mit flatternden Wimpeln zu „Sally" übergina. ein unvergeßlicher Tag? Der Sturm fauste, die Möwen kreischten, die Heulbojen heulten, und ein Masserberg nach dem
Sie Freiheit der Meere.
Von Konteradmiral a. D. Brüninghaus.
Als der Holländer Hugo Grotius im Jahre 1609 seine berühmt gewordene Schrift über die „Frecheit der Meere", die auch heute noch zu einem guten Tell die Grundbegriffe dieses viel umstritte- nen Problems enthält, veröffentlichte, ließ König Jakob von England sofort eine Gegenschrift Verfassen, in der die Behauptung ausgestellt wurde, das Meer wäre nicht für alle Nationen da, insbesondere müßten die Grenzen der britischen Herrschaft bis in die äußerste Ferne der Ozeane hinaus- oelegt werden. Damals wurde der überhebliche Anspruch Englands auf die Herrschaft der Meere erhoben, ein Grundsatz, den unser Gegner auch heute noch aufrecht zu erhalten sucht.
Die Form, in der die Engländer die von chnen beanspruchte Herrschaft zur See ausübten, bestand im Beutemachen, in unbeschränkter Wegnahme aller ür den Feind bestimmter Waren, auch wenn damit die Hoheit der neutralen Staaten verletzt wurde, unter dessen Schutz die Waren befördert wurden. Als Grotius feine Schrift veröffentlichte, stand Holland unter den Seemächten an erster Stelle. Es wird daher für dieses Land stets ein Ruhm bleiben, daß es zur Zeit der holländischen Vorherrschaft jur See die ersten Begriffe von Recht, das gleich- bedeutend mit der „Freiheit der Meere" ist, vorge- 'chlagen hat. England ist den umgekehrten Weg gegangen. Sobald ihm die Vorherrschaft Mr See zu- gefallen war, handelte es lediglich nach dem Grund-, atz: „Macht geht vor Recht". Es gab .schließlich keine Großmacht, die nicht im Laufe der Jahrhunderte in der einen oder anderen Form gegen die Anmaßung und die Seeräuberei, durch die letzten Indes das englische Imperium entstanden ist. Ein- prizch erhoben hätte.
Mit am schärfsten urteilte der Präsident der USA. Jesferson im Jahre 1815 mit den Worten: Mr stimmen darüber ein, daß wir die Regierung )on England als ganz unmoralisch, unverschämt iber alle Maßen und aufgedunsen von Eitelkeit und Ihrsucht betrachten. Sie hegt einen tiefwurzelnden Haß auch gegen uns Amerikaner. Sie ist ganz und rar der Bestechlichkeit ergeben, feindlich gegen alle Freiheit, wenn sie ihre Macht zeigt und der ewige Friedensstörer der ganzen Welt."
Gegenüber der englischen Willkür verbanden sich legen Ende des 19. Jahrhunderts zwei der größten Dlänner aller Zeiten, Friedrich der Große mD der erste Präsident der USA. George W a- hington, indem sie 1785 einen Handelsvertrag Mischen Preußen und Amerika abschlossen, der folgende Punkte enthielt:
1. Seeräuberei wi.d nicht mehr von Staats wegen zugelassen und nicht mehr unterstützt.
2. Privateigentum auf See bleibt un• angetastet.
3. Neutrale Schiffe werden samt ihren Ladungen nicht b e l ä st i g t. Führen sie Waffen, Munition oder sonstiges fertiges Kriegs- gerät an Bord, so dürfen sie gegen Zahlung einer Entschädigung dem Empfänger so lange vorenthalten werden, wie es dem Kriegführenden militärisch notwendig erscheint.
Hier wird zum ersten Male in ganz bestimmter form zum Ausdruck gebracht, daß das von den Engländern beanspruchte und rücksichtslos durchge- Ihrte Seebeuterecht, d. h. Seeräuberei, dem gefun» len Rechtsempfinden durchaus widerspricht. Es wa- i>n eigenartigerweise in erster Linie die Ver- lin i g t e n Staaten von Amerika, die immer lieber gegen die englische Vergewaltigung der Frei- eit der Meere protestierten. So verfocht Benjamin ran flin leidenschaftlich die Unantastbarkeit des Privateigentums, wobei er die britische Handlungs- d eife als ein „Ueb erb leib fei der alten Seeräuberei" Iszeichnete. Im Jahre 1823, während des Krieges xvischen Frankreich und Spanien, schlug der ame- : konische Präsident Monroe — der Urheber der j:rade jetzt oft genannten Monroe-Doktrin — den europäischen Mächten ein internationales Abkommen auf Unantastbarkeit des Privateigentums vor, lwie auf Feststellung der neutralen Rechte, wie kenn sie durch einen bewaffneten Neutralitätsbund ^schützt wären.
Auch die n o r d i s ch e n V ö l k e r unter Führung Rußlands erhoben sich gegen die englische Willkür- ^rrschaft zur See, indem sie 1780 die „Bewaffnete Neutralität" ins Leben riefen. Mit roher Gewalt kehrte sich England gegen jede Beeinträchtigung : fiiner angemaßten Seeherrschaft. Die bewaffnete Neutralität beantwortete London mit dem räuberi« hien Ueberfall auf die dänische Flotte bei Kopenhagen, mit der Beschlagnahme sämtlicher erreichbar rn Schiffe der nordischen Staaten, 200 schwedische uib 150 dänische, sowie mit der nachgewiesenen Be- : hrligung an der Ermordung des Zaren von Ruß- Itnb.
. Auf dem Wiener Kongreß 1814 fetzte es England brrd), daß über alle Seerechtsfragen überhaupt nccht verhandelt wurde. Erst 1856, nachdem Gngfanb zusammen mit Frankreich den Krim- ÄTie g geführt hatte, kam es Mr ersten großen ^eerechtskonferenz in Paris. Die dort Hftanbene Seerechtsdeklaration spricht aus, und $»ar mit Zustimmung Großbritanniens, daß neutrale schifte von den Kriegführenden geachtet werden, k-Enfo neutrale Ladungen, soweit sie nicht Konterbande waren. Ferner wurde die „Kaperei", dH. die Ihroflid) begünstigte Seeräuberei, abgeschabt. Im Malischen Parlament erhob sich ein Sturm der Ent- ktstung. Lord Beaconsfield (Disraeli) sprach, bezeich- nTiberroeife von der Preisgabe der „Hauptgrunb- U HO 1 das altbewährte
KMlCtePOl Hustenbonbon EMW nurjmOrangebeutel
fätze englischer Seemacht", Lord Dentinck von einer „Tat nationalen Selbstmordes".
Auch das im Jahre 1909 auf der Londoner Konferenz abgeschlossene Abkommen über Prisenrecht, Blockade und Konterbande wurde von England zwar auf der Konferenz angenommen, aber später nicht ratifiziert. Die Firnes" schrieben dazu im zweiten Jahre des Weltkrieges: „Solange wir eine Nation bleiben, wollen wir unsere Freiheit auf dem Meere nicht durch völkerrechtliche Abkommen oder friedensschwärmerische Ordnungen verschachern, soweit fein freier Mann sich in die Sklaverei verkauft."
Unter „Freiheit der Meere" verstehen die Engländer eben die Freiheit Englands, auf dem Meere zu tun, was ihnen beliebt. Sie gehen dabei von ihrer Grundeinstellung aus, daß Großbritannien von Gott dazu berufen fei, in der Welt zu herrschen. Cecil Rhodes gab dieser Auffassung mit den Worten Ausdruck: „Je größere Gebiete mir beherrschen, desto besser für die Menschheit." Napoleon I. sah Die Sache kühler an, indem er sagte: „Das Heil Europas spielt für die Londoner Krämer keine Rolle. Sie würden die Staaten Europas, ja die ganzeWelt für eine einzige Spekulation opfern."
Im Weltkriege fetzte sich, wie wir als bekannt annehmen dürfen, Großbritannien über alle bestehenden Rechtsgrundfätze hinweg und führte den Krieg unter der Parole: „Macht geht vor Recht." An die Stelle des Rechts trat die Willkür. Mit der völkerrechtswidrigen Verhängung der Hungerblockade fingen die Engländer den Krieg an. Die Frecheit der Meere legten sie in der von uns oben skizzierten Weise aus.
Die berühmten 14 Punkte des amerikanischen Präsidenten Wilson enthielten als Punkt II folgende Definition der Freiheit der Meere: „Uneingeschränkte Freiheit der Schiffahrt auf den Meeren, außerhalb der Territorialgewässer, im Frieden sowohl wie im Kriege, ausgenommen, wenn die Meere gänzlich oder tellweise zur Durchsetzung der internationalen Verträge kraft internationaler Beschlüsse gesperrt werden müssen." Großbritannien brachte diese Bestimmung, die wohl geeianet war, die Freiheit der Meere zu gewährleisten, durch das Diktat von Versailles zu Fall.
Wir erleben nun im jetzigen Kriege das eigenartige Schauspiel, daß geraoe d i e Ü S A., deren Präsidenten früher stets als Vorkämpfer für die
Freiheit der Meere eingetreten waren, sich, in völliger Abkehr von der Monroe-Doktrin, vollkommen in das Schlepptau Großbritanniens begeben haben. Präsident Roosevelt, der bereits seit 1936 zum Kriege gegen Deutschland gehetzt hat, betrachtet die internationalen Abmachungen des Haager Abkommens vom Jahre 1907 als gegenstandslos, obgleich gerade die USA. im Jahre 1910, also nach reiflicher Ueberlegung, diesem Abkommen beigetreten sind.
Nachstehend die hauptsächlichsten Bestimmungen, gegen die von Amerika dauernd verstoßen wird: Im Artikel 5 wurde den Kriegführenden untersagt, neutrale Häfen ober Gewässer zu Stützpunkten für Seekriegsunternehmungen auszugestalten. Artikel 6 verbot den Neutralen die Abaabe von Kriegsschiffen, Munition ober sonstigen Kriegsmaterials. Nach Artikel 17 dürfen Kriegsschiffe Der kämpfenden Parteien innerhalb neutraler Häfen sind Reeden ihre Schäden nur in dem für Die Seefähigkeit der Schiffe unerläßlichen Maße ausbessern, nicht aber in irgendeiner Form ihre militärische Kraft heben. Artikel 18 baut den Artikel 17 noch in der Weise aus, daß Kriegsschiffe der kämpfenden Parteien weder ihre Bewaffnung noch chre Vorräte mllitä- rischer Art in neutralen Häfen erneuern, ober vermehren Dürfen.
Wir wissen heute, daß es dem jetzigen Präsidenten Der USA. gelungen ist, durch Das sogenannte Leih - und Pachtgesetz zugunsten unseres Gegners feierlich anerkannte Bestimmungen des internationalen Rechts einfach außer Kraft zu fetzen, wir wissen darüber hinaus, daß sogar vor Erlaß dieses Gesetzes z. B. der Schlachtkreuzer ,^)ood" auf einer nordamerikanifchen Werft feine Gefechtsfähigkeit wieder hergestellt hat. Es ist einem Nachfolger von Washington, Lincoln, Jefferson und Monroe vorbehalten geblieben, in völliger Abkehr Der sonst von Den USA. geübten Politik feierlich beschworene internationale Abmachungen zu brechen.
Der Kampf gegen Die Freiheit Der Meere, Der jetzt unter Der Aegrde des Präsidenten Roosevelt und seines Anhanges in brutaler Weise geführt wird, schließt nach Den Worten unseres Führers eine Auswirkung in sich, die im Interesse der Menschheit aufs schärfste abgelehnt werden muß. Der Deutschland aufgezwungene Kampf um fein Dasein ist zugleich ein Kampf um die Freiheit der Meere.
andern ging kochend über die Mole. Da nun sah ich „Sally" daherkommen, und der Augenblick entschied. Wie von allen Genien Des Sturmes begeistert, flog ihr brauner Flachbug über die Wellen — bald nackt bis zum Kiel, bald in Schaum vergraben, doch immer schnellend wie ein Delphin, ein schönes Tier des Meeres, unter der grauen Riesenwölbung ihrer gerefften Segel ... Sally! Sv wie man sich in ein Mädchen verliebt, wenn es leichtfüßig läuft, wenn die Haare um die Wangen und Augen flattern.
Weitere Vorbilder waren dann Bismarck natürlich, Old Shatterhand, das Vollblut „Irish lad", der schneeweiße Dampfer „Wellamo" („Wellamo ist im Hafen!" flüsterte man einander in der Schulstunde zu), der vierschlotige Riesenkreuzer „Grornrnoboi" (das heißt „Doynerschlag"), der siamesische Prinz Tschakrabon, der Livländer Patkul (der, ans Rad geflochten, nur noch „Kops ab!" flehen konnte ...), der Lotse von Arensburg, der Chirurg Zoege von Manteuffel (der bei feinen Herzoperationen diesem Organ, das bereits stillftand, einen Ruck gab: „Wirft du wohl ...!" — und es pulsierte weiter), Peter der Große, der rote Turm von Treiben, Der Zweispänner-Fuhrmann K4ddra.
Wenn ich sie an mir vorüberziehen lasse, jetzt, da die Haushähne unleugbar kleiner geworden sind, so frage ich mich, wer von ihnen mir noch ein Held geblieben ist. Sie werden lachen: fast alle! „Sich keine Illusionen mehr machen — da beginnen sie erst!" hat jemand wunderbar gesagt. Old Shatterhand freilich ward unlesbar, und an ihm interessiert mich nur noch, daß er zugleich mit dem Ueberrnenschey, und ebenfalls von einem Sachsen, konzipiert worden ist. Ja, aber schließlich auch jener Haushahn — habe ich das, was die Natur mit ihm ausdrücken wollte, nicht damals doch besser empfunden! Wer mehr übersieht, der übersieht auch mehr, das ist es. Der Erwachsenen ist dem Himmel nicht näher, wohl aber weiter vom Gras. In Napoleons Garde wurden die Trommeln von Knaben geschlagen.
Büchertisch.
— Alexand er Friedrich: Die unsicht« bare Armee. Das Buch Der Energie. Verlag Wilh. Limpert, Berlin SW. 68. Preis geb. 7,50 RM. Neben jedem in Deutschland Beschäftigten steht die „unsichtbare Armee" von Arbeitskräften, die unsere (Energieanlagen liefern. Die Mobilisierung dieser gewaltigen Armee, Deren Leistungen gleichbedeutend mit der Arbeitskraft von über tausend Millionen Menschen sind, erfolgte ganz im stillen. Der gewaltige Aufstieg der Energiewirtschaft vollzog sich im letzten Jahrhundert fast mit Der gleichen Dramatik und Schnelligkeit wie Der Aufstieg Der chemischen Industrie. Ein Tatsachenbericht von diesem Ausstieg ist dieses Buch, das nicht nur Die „Machtpolitik um Energie" schildert, sondern auch das Wettrüsten der Völker bei der Mobilisierung Der Energiekräfte zeigt.
— Herbert Grünhagen: Die zwölf Herren. Mit Zeichnungen von Grethe Jürgens. 227 Seiten. Geb. RM. 6,—. Karl Rauch Verlag, Dessau und Leipzig. — (73.) — In diesem Buche von Den zwölf Herren wird der ewige Kreislauf des Jahres beschrieben. Man findet darin die alten Monatsnamen und Wetterregeln, die Kalenderweisheit Der Bauern, Jäger und Fischer; Sternbilder, Tierkreiszeichen und Dogeistrophen sind Darin enthalten, der Glaube des Volkes und Die Stimme der Dichter; es handelt von Blumen, Früchten und Tieren, von Aussaat und Ernte, von Sturmflut und Ueberschwemmung, von Honigjahren, großer Hitze und grimmigem Frost, vom Breslauer Ameisen- schwärm und der Hamburger Aalsuppe. Mit kühler Wissenschaft und sachlicher Chronik verbinden sich die unvergänglichen Worte Der Dichter, Shakespeare und Li Tai Pe, Schiller und Hölderlin, Keller und Storm, den Kreislauf des Jahres vom Aufgang zum Niedergang zu begleiten und zu Deuten. Wer alles gelesen hat, wird sich Der vielfach vergessenen, lebendigen Natur wieder ein wenig näher fühlen und einstimmen in die Worte, Die das liebenswür- Dige, hübsch farbig bebilderte Buch beschließen: siehe: Alles ist gut. Hans Thyriof.
— Das Buch vom Bernstein. Von Dr. Alfred Rohde. 56 Seiten, mit vielen Abbildungen auf KunstDrucktafeln, hübsch gebunden, 1,40 RM. Im Ost-Europa-Verlag, Königsberg (Pr.) und Berlin W. 62. — Ein hübsches Geschenkbändchen, das mit feinen Abbildungen den ganzen Reiz von Natur und künstlerischer Form des Bernsteins enthüllt, des ureigenen deutschen Schmuckes.
Sprechstunden Der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstagnach- mittags geschlossen.
Es genügt nicht allein, gute Heilmittel zu erzeugen, sie müssen auch schnellstens zur Stelle sein, wenn man ihrer bedarf. Für diese stete Bereitschaft sorgt die «-Organisation mit eige- nem Flugzeug, wenn andere BAYER) Transportmittel nicht genügen. < e y \pv
Fruchtaufiaus: lf2 bti 1 kg Obst, 1 ganzes $i, abgeriebme Schale einer Zitrone, 200 g Zucker, 1 Päckchen Mondamin- Vanillinzucker, 1 Päckchen Mondamin-Backpulver, 250 g Mehl oder 200 g Mehl und 50 g Mondamin, 1/8 Liter Milch. - ,
DaS ganze Ei mit 100 g Zucker, 1 Päckchen Mondamin-Vanillinzucker und abgeriebener Zitronenschale schaumig rühren. Mehl / mit Mondamin und Mondamin-Backpulver sieben und dazurühren. DaS Obst oorbereüen, evtl, zerkleinern und mit dem restlichen Zucker vermischen. Eine Auflaufform fetten, die Halste deS TeigeS dahineingeben, das Obst darauflegen und den Rest des Tei- Xs ges darüber verteilen. Den Auflauf in Mittelhche 1 Stunde backen und mit Zucker bestreut anrichten. Dazu Fruchtsaft reichen. ’
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