immer stärker zusammenvressen. So bleibt den von allen Seiten umstellten Armeen Timoschenkos nun das gleiche Schicksal, wie es deutsche Waffen erst vor wenigen Wochen den Soldaten Budjennys in der Umfassungsschlacht ostwärts Kiew bereitet haben, Gefangenschaft oder völlige Vernichtung. Die weitere Mitteilung des gestrigen Wehrmachtberichts, daß der auf 500 Kilometer Breite erzwungene Durchbruch weiter nach Osten vertieft werden konnte, gibt einen annähernden Begriff von der ungeheuren Ausdehnung des Raumes, in dem sich das Schicksal dieser letzten bisher noch intakten sowjetischen Armeen unabwendbar vollueht.
Die letzte Entscheidungsschlacht dieses Jahres, zu der der Führer in seinem Tagesbefehl vom 2. Oktober feine Soldaten der Ostfront aufrief, ist damit unter seiner genialen Führung zu einem glänzenden Sieg deutscher Waffen geworden. Mag es auch noch letzte harte Kämpfe mit einem sich zäh und verbissen gegen seine Vernichtung wehrenden Feinde geben, sein Schicksal ist heute schon besiegelt. Deutsche Feldherrnkunst und deutsches Soldatentum triumphieren auch über den letzten bolschewistischen Versuch, das Kriegsglück zu wenden. Die Sowjetfront ist zertrümmert. Was nicht in Kesseln gestellt und hoffnungslos eingeschlossen ist, wie Woroschilow im Raum von Leningrad, wie Timoschenko bei Wjasma und Brjansk, das ist in regelloser Flucht vor den scharf nachdrängenden deutschen Armeen, wie die Reste Budjennys. Der Bolschewismus hat keine einsatzfähige Armee mehr ins Feld zu stellen, die furchtbare Waffe ist ihm aus der Hand geschlagen und zerbrochen, mit der er die europäischen Völker seinem kulturzerstörenden, seelenmor- denden Prinzip unterwerfen wollte. Mag der Krieg noch weitergehen, die Entscheidung ist gefallen. Der Bolschewismus bedeutet keine Gefahr mehr für Europa. Dem Feldherrngenie des Führers, dem Heldenmut der deutschen Soldaten, mit denen sich in diesen Kämpfen Kontingente zahlreicher anderer euroväischer Völker vereinigten, dankt heute die deutsche Heimat voll Bewunderung und, Stolz für diese nun vollendete Rettung aus höchster Gefahr.
Dr. rr. W. Lange.
Oer italienische Bericht.
R o m, 10. Oktober. (DNB.) Der italienische Wehrmachtbericht vom Freitag hat folgenden Wortlaut:
In Nordafrika lebhafte Feuertätigkeit unserer Artillerie an der Front von Tobruk.
Britische Flugzeuge unternahmen einen Einflug auf Bengasi.
Italienische und deutsche Fliegerabteilungen griffen in fortlaufendem Einsatz die Landerampen und Hafenanlagen, die Artilleriestellungen und andere Erdziele von Tobruk, den Bahnhof von M a r s a Matruk und einen in Fahrt befindlichen Zug an, sowie mehrere feindliche Flugplätze. Die Ziele waren wirksam getroffen; alle Flugzeuge kehrten an ihre Stützpunkte zurück.
Zwei britische Bomber, die die sizilianische Küste überflogen und von unserer Bodenabwehr stark gehindert wurden, stießen zusammen und gerieten in Brand. Einer von ihnen stürzte zu Boden, wo er zerschellte. Der andere stürzte ins Meer. Die Besatzungen kamen ums Leben.
In O st a f r i k a schlug eine unserer Aufklärungs- abteilungen feindliche Einheiten im Abschnitt des Tana-Sees in die Flucht.
Das Ritterkreuz.
Berlin , 10. Oktober. ('DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers des Heeres das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ' an: Leutnant Kiesgen, Kompanieführer in einem Jnf.-Rgt.; Oberfeldwebel Rudolf Krüger, Zugführer in einem Jnf.-Rgt.; Oberfeldwebel Roßfeld, Zugführer in einem Jnf.-Rgt. und Unteroffizier Brückner, Geschützführer in einer Panzerjägerkompanie. Ferner auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Reichsmarschall Göring, an: Oberstleutnant Bormann, Kommodore eines Kampfgeschwaders.
*
Der Stabschef der SA. hat dem Gruppenführer, Oberst und Regimentskommandeur von Neuf- ville, anläßlich des ihm verliehenen Ritterkreuzes feine Glückwünsche übermittelt. Gruppenführer von Neufville wurde 1939 vom Stabschef beauftragt, die Vorbereitung der vor- und nacyrnilitärischen Wehrerziehung in Zusammenarbeit mit der Wehrmacht durchzuführen, nachdem er 1918 bis 1920 mit seinem Freikorps gegen Spartakus und später in der Heimat gegen den Kommunismus gekämpft hatte.
9lt SlllHkllroang Knüll
Roman von Horst Alernath
41. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Wie du meinst", murmelte er; es klang durchaus nicht so, als ob er sie zu einem längeren Aufenthalt ermutigen wolle. Und tatsächlich beherrschte ihn nur ein Gedanke: wenn du gehst, dann geh bald! Jeder Tag, den du noch hierbleibst, macht mir den Abschied nur noch schwerer ...
„Also übermorgen ...', sagte sie.
„Wie du meinst", wiederholte er. Eine kleine Pause entstand. Oben surrte der Staubsauger. Kathi begleitete das Geräusch mit tiefen, anschwellenden und abebbenden Brummtönen. Hellwang hielt das Gespräch für beendet und wollte sich entfernen. Trix hielt ihn noch einmal auf.
„Britta bat mich gestern um einen Zeichenblock und um Buntstifte. Besuchst du sie am Vormittag? Oder soll ich in die Stadt fahren und ihr die gewünschten Sachen besorgen?"
„Fahr du, bitte. Ich wollte Briefe schreiben. Und außerdem werde ich ja noch oft genug Gelegenheit haben, Britta zu besuchen, während du ja — , er schloß den Satz mit einer Handbewegung, die andeuten sollte, daß man sich ins Unabänderliche fügen müsse. Trix nestelte nervös an ihrer Schürze. ,Zch fürchte mich ein wenig, es Britta zu sagen", gestand sie leise.
Hellwang schob die Hände in die Hosentaschen. „Britta ist alt genug, um einzusehen, daß Dienst eben Dienst ist", sagte er ruhig. „Und wenn sie es nicht einsieht, ist eben auch nichts zu machen. Du kannst ihretwegen natürlich nicht deine Stellung aufgeben, das ist doch nun einmal klar, nicht wahr?" Er drehte sich um und stieg die Treppen empor. In feinem Zimmer stand er eine Weile am Ofen und hielt die Hände in die aufsteigende Wärme lieber» morgen ... dachte er, übermorgen ... Seine Gedanken liefen in oiefem Wort herum wie gefangene Mäuse in einem kleinen, runden Käsig. Er hörte, wie Trix in ihr Zimmer ging, um sich für die Stadtfahrt umzukleiden. Sie verabschiedete sich nicht von
Das deMMische Wirtschaftsabkommen.
Ankara, 10. Oft. (DNB.) Der Gesandte Dr. Elodius erklärte nach der Unterzeichnung des deutsch-türkischen Wirtschaftsabkommens der Presse, daß mit diesem Abkommen die alten und bewährten deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen, wie sie vor dem Kriege bestanden haben, wieder aufgenommen worden sind, und zwar auf einen langfristigen Zeitraum hinaus. Der ziffernmäßige Umfang des Abkommens übersteigt bei weitem alle anderen Abschlüsse, die je zuvor zwischen der Türkei und Deutschland zustandegekom- men sind. Von englischer Seite fei während der Verhandlungen wiederholt der Versuch gemacht worden, der Lieferung türkischen Chromerzes
an Deutschland eine politische Bedeutung zu geben. Im Rahmen der gesamten Vertragsabschlüsse ist aber die Frage des Chromerzes nebensächlicher Bedeutung. Tatsächlich ist durch den Vertrag das englische Chromerz-Monopol in der Türkei gebrochen, denn das Abkommen sieht die Lieferung von Chromerz für Deutschland vor und außerdem die Lieferung von großen Mengen Kupfer und anderen wichtigen Rohstoffen. Die Verhandlungen haben sich im Geiste aufrichtiger Freundschaft abgespielt, besonders auch der Staatssekretär im Außenministerium, Numan Menemen- cioglu, hat alles dazu beigetragen, sie schnell zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen.
Wie durch Urwald und Dschungel.
Der finnische Vormarsch in Ostkarelien.
Der Vormarsch der Finnen gestaltet sich schwieriger als eine Forschungsreise im Urwald oder im Dschungel; denn es gibt in Karelien nur ganz wenige, aus strategischen Gründen von den Bolschewisten gebaute Straßen, dafür um so mehr Sümpfe und Seen. Für den Verkehr zwischen den kilometerweit auseinanderliegenden Gehöften sind nur schlechte Pfade vorhanden, da' man schwere Transporte für die Zeit des Frostes aufspart. Wie die Finnen trotzdem an Petroskoi herankamen und dadurch den Zugang zum Onegasee gewannen, schildert ein finnischer Major in einem eben ein» getroffenen Bericht:
Die bolschewistischen Verteidiger von Petroskoi vertrauten darauf, daß das unwegsame Gelände rings um tue Hauptstadt der Karelo-Finnischen Sowjetrepublik sie vor dem Angriff der Finnen schützen würde. Als sie Petroskoi zur Verteidigung einrichteten, wurde eine Offiziersstreife von ihnen entsandt, um für alle Fälle einen Rückzugsweg zu erkunden. Es handelte sich um einen besonders schlechten Pfad, der 43 Kilometer lana durch Wald und Sumpf führte. Die Streife stellte fest, daß keine Truppenabteilung längs dieses Weges vorrücken könne; aber einen Tag später griff eine ganze finnische Division längs desselben Weges an und trieb dabei eine starke sowjetische Abteilung vor sich her. Der Weg mußte Kilometer um Kilometer erobert werden. Die Bolschewisten verteidigten sich verzweifelt bei jedem Sumpf, jedem Hügel und jedem Bach. Die Geschütze und Fuhrwerke mußten von den finnischen Soldaten selbst oorwärts- geschleppt werden. Das Gelände neben dem Wege
war so ungangbar, daß es gar nicht benutzt werden konnte.
Auf der Schlußstrecke des Weges errichtete der Feind schließlich einen Verhau von sechs Kilometer Breite, indem er hohe Bäume des Urwaldes kreuz und quer über den Weg fällte. Unter diesem Verhau an der Seite waren viele Tausende von Minen gelegt. Nur die Wegfläche selbst war von Minen frei, weil die Nachhuten des Feindes sich längs des Weges zurückziehen mußten. Es war Daher denkbar schwierig, diesen Verhau durch Umgehung zu nehmen. Die gefällten Bäume konnten wegen der Minengefahr nicht zur Seite geschoben werden. Die Spitzentruppen sägten sich Durchlaß durch die Baumstämme in der Breite eines Fuhrwerks. Nach Verlauf von vier Tagen waren der ganze Weg und das Dorf an seinem Ende im Besitz der Finnen. Jetzt mußten noch Minen, Steine und Bäume weggeräumt, schwache Stellen verstärkt und ein starker, breiter Knüppelweg gebaut werden, der auch schweren Verkehr tragen konnte, um der Division den Nachschub zu ermöglichen. Nach knapp zwei Wochen fahren schon die ersten Kraftwagenkolonnen über den ausgebauten Weg.
Dieses Unternehmen trug dazu bei, daß das von allen Seiten umzingelte Petroskoi in finnische Hand fiel. Jetzt konnten die Kolonnen bequem uno schnell auf der strategischen Straße vorrücken, die die Bolschewisten für den Angriff gegen Finnland geschaffen hatten. Der mit so viel Muhe gebaute Waldweg wird einmal im Frieden den Einwohnern zugute kommen.
Weber die Äesna wieder nach Osten vorwärts.
Von Kriegsberichter Heribert van Hanth.
DNB.....(PK.) Ostwärts Roslawl! Hinter uns
liegt das durch seine vielen Verkehrsverbindungen wichtige Städtchen, um das Anfang August eine heftige Schlacht tobte. Damals schon erreichten wir die D e s n a und bezogen hier eine Abwehrstellung, die im stärksten Artilleriefeuer gehalten wurde, das manchmal viele Stunden lang auf unseren Stellungen lag und zeitweise Ausmaße erreichte, die nur der Frontsoldat des Weltkrieges tennengelernt hat. Auf dem Westufer des Flusses, das etwas überhöht und steiler als das gegenüberliegende ist, hatte sich unsere Infanterie eingegraben, wochenlang lagen sie in diesen Erdlöchern. Immer wieder versuchten die Bolschewisten, denen hier und dort im Schutze der Nacht ein Uebergang gelang, in unsere Stellungen einzudringen. Die Kämpfe waren schwer. Aber unsere Infanteristen hielten aus. Hier erwies sich, wie umfassend der deutsche Soldat geschult ist und wie schnell er es vermag, sich auch auf eine weniger gewohnte und noch weniger beliebte Art des Kampfes, wie sie die Vertedigung darstellt, einzustellen. Acht Wochen hindurch hatte es geregnet, es war schon empfindlich kalt geworden, vor allem in den Nächten. Die Straßen glichen einem Meer von Lehm und schwarzer Erde. Dann kamen wieder Tage, wo zwar kein Regen niederging, wo aber kalter Wind und ein grauer verhangener Himmel meinen lassen konnte, daß es nicht mehr weit bis zum Winter sei.
In den letzten Tagen des September wurde es auch dem Infanteristen klar, daß es nun bald mit dem Warten vorbei fei, daß es wieder vorwärts gehen wird, vorwärts über die Desna, die
dort fast greifbar liegt, über diesen Fluß wieder vorwärts gehen nach Osten. Es ist ein grauer, unfreundlicher Tag, an dem die letzten Vorbereitungen getroffen werden, als die Artillerie in ihre Stellungen geht, als die Infanterie sich auf den weiteren Vormarsch vorbereitet. Alles liegt fest, die Angriffsziele sind bekannt, für jeden sind Platz, Weg und Ziel mit jener Präzision festgelegt, die die deutsche Kriegführung auszeichnet.
Die letzte Nacht ist angebrochen. Ruhe liegt über dem ganzen Frontabschnitt. Nur ab und zu mahlt ein Motorrad durch den sandigen Weg zum Gefechtsstand, ab und zu rasseln die Ketten einer Zugmaschine, die noch einmal vor- ober zurückgeht. Mitternacht ist vorbei. Ein klarer Sternenhimmel spannt sich über der Front. Der erste Dämmer ist kaum wayrzunehmen, da schießt die bolschewistische Artillerie das übliche Störungsfeuer, mit dem sie uns jeden Morgen freundlicherweise weckt. Einige unserer Batterien antworten, so wie es jeden Morgen war. Doch dann, als im Osten der Horizont sich etwas zu röten beginnt, bricht plötzlich ein Feuerorkan los. Aus allen Rohren schießt es, die bisher geschwiegen hatten, bis ihre Stunde gekommen war. Einem Orkan gleich rollten die Einschläge drüben über die feindlichen Höhen und rissen die Erde auf.
Nun ist die Zeit für unsere Infanterie gekommen. Pioniere sind am Fluß. Mitten im feindlichen Feuer entstehen die Brücken. Die Infanterie stürmt beherrschende Höhen, nimmt der feindlichen Artillerie, die der Vernichtung bisher noch entgangen ist, die Beobachtungsstellen, die ihr bisher noch einen Blick ins Desnatal ermöglichten, nimmt ihr die Möglich-
ihm, wahrscheinlich meinte sie, ihn in seiner Arbeit zu stören. Und er stand an der Tür und wartete, wenn sie die Tür geöffnet hätte. Aber sie ging vorbei. Unten sprach sie noch ein paar Worte mit Kathi. Lydia und Söhnchen begleiteten sie bis zur Straße. Sie hängten sich über das Gartentor und winkten ihr nach, bis sie in die Bahnhofstraße einbog.
Hellwang trat von seinem Platz hinter der Gardine ins Zimmer zurück. Er schob sich eine Zigarette zwischen die Lippen, aber er suchte das Zimmer und seine Taschen vergeblich nach Feuer ab. Schließlich mußte er sich eine Schachtel Zünder aus der Küche holen. Kathi stand am Tisch und richtete einen Gemüsesalat an. Sie quirlte Del in ein Eigelb und bat ihn, sich die Zündhölzer selber zu nehmen, sie lägen, links im oberen Schrankfach. Er brannte sich die Zigarette schon in der Küche an.
„Hat Ihnen meine Schwägerin übrigens schon mitgeteilt, daß sie uns übermorgen verläßt?" fragte er. Kathi stellte die Oelflasche ab.
„Machen S' Witz'!" stieß sie hervor.
„Ich mache keine Witze!" knurrte er sie an.
Kathis rechte Hand rührte mechanisch die Oelsoße weiter. Sie schüttelte den Kops, als wollte sie sagen: Ich glaub’s einfach nicht, und wenn Sie's noch so sicher behaupten! Ihre sture Ungläubigkeit erregte seinen Zorn.
„Uebermorgen!" schrie er wütend und warf die Tür hinter sich zu. Kathi starrte verblüfft auf die Stelle, wo er gestanden hatte.
„Ha?" murmelte sie, „so steht's also!" Sie seufzte tief auf, so recht aus Herzensgrund, dann gruben sich schwere Denkfalten in ihre Stirn, und schließlich sog sie die Luft zischend zwischen dem oberen Eck- und Schneidezahn ein.
Der Vorortszug, in dem Trix zur Stadt fuhr, klirrte von der zweigleisigen Greiffinger Strecke in die breite Schienenstraße der westlichen Münchner Bahnanlagen ein. Entgegenkommende Züge rasselten an ihrem Fenster vorüber, schnellere zogen wie in einem Wettkampf vorbei. Die vorüberhuschenden Durchsichten auf die regenverhängte Landschaft im Süden zwischen Lagerhäusern und Stapelplätzen wurden immer spärlicher. Die Bauten schlossen sich enger zusammen. Der Zug näherte sich Der Stabt.
Trix saß mit angezogenen Knien schmal in der Mitte der dreisitzigen, leeren Bank, als würde sie rechts und links von zwei korpulenten Nachbarn bedrängt und zusammengedrückt. Sie hielt die Handtasche auf dem Schoß an den Bügelenden fest. Im Seitenfach lugte die Spitze eines gelben Briefumschlages hervor.
Sie hatte doch noch gestern das Eintreffen dieses Briefes herbeigewünscht. Weshalb empfand sie keine Befriedigung darüber, daß ihr Wunsch sich schon so schnell erfüüt hatte? Die Berufung war doch ein Erfolg. Weshalb spürte sie keine Freude und kein Glück? Einen Augenblick lang versuchte sie sich einzureden, es bedrücke sie, die Nachricht von der bevorstehenden Trennung Britta zu überbringen. Natürlich, auch das sprach mit. Aber weshalb fand sie nicht den Mut, sich einzugestehen, daß sie seit Tagen nichts so sehr gefürchtet hatte, als daß dieser Brief eintreffen könne? Weshalb belüge ich mich? Wenn Konrad nur ein einziges Wort gesagt hätte: bleib! — ich hätte mich nicht eine Sekunde besonnen. Nun bin ich enttäuscht, daß er geschwiegen hat. Aber was hat mid) berechtigt, auf dieses Wort von ihm zu warten? Nichts — nichts außer meinem eigenen Wunsch, immer bei ihm bleiben zu dürfen. Nichts außer einem gelegentlichen Gefühl, bei dem mein Wunsch der Vater des Gedankens war, daß ich ihm nicht gleichgültig sei.
Der Zug lief im Starnberger Bahnhof ein. Trix erledigte die Besorgungen für Britta und fuhr mit der Tram zum Kinderspital. Sie gab Zeichenblock und Buntstift bei der Stationsschwester ab und erkundigte sich nach Brittas Befinden. Es war unverändert, die Temperatur hielt sich in mäßigen Grenzen, der Belag bildete sich deutlich zurück. Die Zimmerschwester schob Brittas Bett näher zum Fenster hin. Britta richtete sich ein wenig auf. Ihr Kopf schien für den zarten Hals zu schwer geworden zu fein. Sie war abgemagert und sehr blaß geworden. Ihre kleinen Hände ruhten wie durchsichtig auf der Decke. Sie lächelte Trix entgegen. Und in ihrem Lächeln lag ein Ausdruck dankbarer Erlösung, als hätte sie diese Minute mit allen Fasern ihres Herzens herbeigesehnt, und als märe es für sie jedesmal eine neue Ueberraschuna, Trix hinter dem Besuchs- fenster auftauchen zu sehen. Sie blühte in dieser
Oie aufrechte Türkei.
Politisch und wirtschaftlich ist die Lage der Türkei inmitten dieser großen und entscheidende, Auseinandersetzung zwischen Neuordnung und Pin« tofratie derart, daß England und mit ihm Mister Roosevelt alle Mittel anwendeten, um Ankara vor ihren Kriegswagen zu spannen. Die Türkei ist aber allen Werbungen gegenüber, die sich bann zu Drohungen verdichteten, kühl bis ans Herz geblie« ben. Die türkische Regierung will dem Lande nicht das Schicksal des ihr benachbarten Irak bereiten, und die Vorgänge im vergewaltigten Iran schrecken, Da zudem die türkische Wirtschaft eindeutig nach Deutschland wies, war diese kühle Haltung har.
Wie sehr das wirtschaftliche Moment für die Türkei eine Rolle spielte, lehrt ein Blick auf do, am 19. Mai 1936 erfolgte deutsch-türkische 23er» rechnungsabkommen. In den dem Abkommen fol- genden Jahren bewegte sich der deutsche Anteil an türkischen Gesamthandel auf 48 v. H. in der Einfuhr und 52 v. H. in der Ausfuhr. Damit war der Türkei ein Abnehmer für ihre landwirtschaftliche, Erzeugnisse geschaffen, dessen überragende Beden- tung um so klarer wurde, als nach Kriegsbeginn mangels Ausfuhrmöglichkeit nach Deutschland de türkischen Landesprodukte in den Häfen verrottete, und die Franzosen und Engländer überhaupt nicht in der Lage waren, sie abzunehmen. Die Türkei hat jetzt mit Deutschland ein neues Wirtschaftsabkommen geschlossen, das im Rahmen der alten Verträge liegt und den deutsch-türkischen Warenverkehr erheblich steigert. Die Türkei liefert vor allen Baumwolle, Tabak, Olivenöl sowie wichtige Mineralerze, während wir der Türkei unsere Industrie- Waren zur Verfügung stellen. Die Meldung von der Unterzeichnung dieses Abkommens hat in Londo, und im Weißen Haus zu Washington lebhafte, Mißfallen, um nicht zu sagen Bestürzung ausgelöst. Während der Wirtschaftsverhandlungen haben dis Briten und die Judäo-Amerikaner von Ankara aus die tollsten Schwindelmeldungen in die Welt gefetzt, Aber dieses Störungsfeuer verpuffte vollständig. Die Türkei handelt nur nach ihrem eigenen Interesse, und dieses Interesse liegt in der Wirtschaftsorientierung nach dem neuen Europa.
Wirtschaftlich geschlagen, griffen die Engländer zil immer neuen politischen Pressionen und Lüge, gegenüber der Türkei. So berichteten die Gazette, englischer Sprache, Italien habe unter bulgarischer Flagge Schiffe durch die Dardanellen geschickt, und die Türkei sei sehr besorgt. Das ist unwahr, den, Ankara selbst meldete, niemals sei so etwas geschehen. Die Italiener hätten niemals Schiffe nadj Bulgarien gesandt, die Bulgaren hätten niemals das Ansinnen an Italien gestellt, ihnen italienische Kriegs- ober Handelsschiffe zu verkaufen, und ferner, die Türken hätten niemals von bulgarischer Seite aus den Wunsch übermittelt bekommen, bafj solche angeblich von Italien gekauften Schiffe dir Dardanellen passieren könnten. Wenn jetzt im eng« tischen Unterhaus Eden behauptet, die Bulgare, hätten an die Türkei das Ansinnen gerichtet, italienische Schiffe, die von ihnen angekauft wären, durch die Meerengen zu lassen, dann ist das eine so faustdicke Lüge, daß man nicht versteht, wie et, Politician englischer Fasson sie trotz der energische, Dementis aus Ankara noch zu wiederholen wagt. Aber die Rede des Führers in seiner Feststellung
feit, den Brückenschlag zu hindern und die schon in kürzester Zeit darüber marschierenden Einheiten, mot. Verbände, die Nachschubkolonnen, die Artillerie, die bereits Stellungswechsel macht und Vorgehen wird, zu stören. Unsere Infanterie {türmt; drüben auf den Hohen weiter, erobert in zähm Kampf die feindliche Stellung, schiebt sich hem, an die eigentliche feindliche Verteidigungsstellung, die wenige Kilometer ostwärts der Desna entlang* läuft.
In den Morgenstunden greifen die bolschewistischen Flieger in den Kampf ein, aber schon in der Mittagsstunde ist kein feindlicher Flieger mehr zu sehen. Nur unsere Zerstörer und Stukas fliegen über uns hinweg, um drüben den Feind beim Zu* rückgehen vernichtend zu treffen.
Ueberall rollt der Angriff vor, trotz stärkste, Widerstandes des in gut ausgebauten Stellungen kämpfenden Feindes. Und noch ehe die Sonne, die ben ganzen Tag von einem wolkenlosen, mattblauen Himmel schien, sich senkte, waren unsere Truppen schon weit über die gesteckten Tagesziele durch die Befestiaungslinien vorgestoßen, lieber die Desm aber, seit Wochen Grenze zwischen den Bätsche- rot ft en und uns, rollt der Nachschub ungestört und ruhig, als sei es hier nie anders gewesen.
Viertelstunde auf, ihre Wangen färbten sich rosig, und ihre Augen bekamen den alten, fröhlichen @lw Nein, Trix, fand nicht ben Mut, ihr ein Wort do-h der bevorstehenden Trennung zu sagen.
Als fie gegen Mittag mieber heimkam, stand der Wagen nicht in der Garage. Sie erfuhr von Kath>i, daß Hellwang in wenigen Minuten zurückkommei würde, da er nur nach Pasing gefahren sei, um sich ein paar Zigarren zu holen. Die Kinder hätte er mitgenommen, weil sie ihn gequält und Langeweile gehabt hätten. Trix legte die Kostümjacke ab.
„Kann ich Ihnen helfen, Kathi?"
„Dank' schön, is nicht nötia, die Kartoffeln steh, auf dem Feuer, und die Schnitz! sind im Nu ab gebraten." Kathi zerschlug ein Ei in einem Teller und schüttete in einen anderen Paniermehl. — „Uebrigens, wie Ham mir’s denn da? Der Herr Doktor hat mir erzählt, daß Sie wegfahrci wollen ..." sie deutete mit dem Kopf gewissermaßen verächtlich eine unbestimmte Richtung an, die wahrscheinlich nördlich weisen wollte: „auf Berlin zuri... Stimmt dees?"
„5a, Kathi —- ich habe heute morgen die Nachricht erhalten, daß ich in den nächsten Tagen meinen Posten übernehmen soll."
Kathi zerklopfte das Ei mit einem Messer. Dee Klinge zog sämige Fäden aus der schwappenden, gelben Gallerte. Kathi schaute dabei zu Trix hinüber, als betrachte sie sie über den Rand einer Hornbrille hinweg.
„Gell, da freuen Se sich recht?" fragte sie mit einem unverkennbar giftigen Unterton.
„Mein Gott", antwortete Trix mit einem Achselzucken, „ich hätte gegen etwas längere Ferien nichts einzuwenden gehabt. Aber die Freude kommt schon mit der Arbeit."
Kathi stellte die Bratpfanne aufs Feuer und legte ein Stück Fett hinein. Es lief brutzelnd auf der blanken Metallfläche umher, bis es zerschmolz. „Uni> was tean S’, wenn ma fragen berf?" — wieder du verächtliche Bewegung in nördlicher Richtung — „droben in Berlin?"
Trix suchte nach einfachen, verständlichen Worten ,Jch bin sozusagen Gehilfin in der Röntgenabteilung eines großen Krankenhauses."
(Schluß folgt.)


