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Nr. 58 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefjerr) Montag. 10. Marz Ml

Aus der Stadt Gießen.

»Darf ich Ihnen aushelfen?''

Auf dem Wochenmarkt steht ein Soldat an einem Gemüsestand und will sich mehreren Frauen an» schließen, die als vorher gekommen am Stand be­dient werden sollen. Aber da kommt er schlecht an. Schon stößt die eine Frau ihre Nachbarin an und sagt halb vorwurfsvoll:Lassen Sie den Soldaten man vor, der hat nicht soviel Zeit." Der Soldat will obwehren, er hat viel Zeit, beteuert er, schließlich hat er ja Urlaub, aber es hilft ihm nichts, mit großer Selbstverständlichkeit wird er nach vorn geschoben.

Oder: In einem Geschäft will ein Sodat etwas kaufen, da bemerkt er, daß er nicht genug Marken bei sich hat, und er will sich also mit weniger be­scheiden. Schon bittet eine Stimme neben ihm:Darf ich Ihnen aufshelfen?"

Solche und ähnliche Erlebnisse sind nichts Beson­deres, sie ereignen sich täglich überall, und niemand achtet weiter darauf. Ausfallen tun sie jenen, die

Verdunkelungszeit

10. März von 19.17 bis 7.61 Uhr.

gestern noch Zivilisten waren und heute Soldaten sind. Sie scheinen in der Rangstufe der Nation um ein beträchtliches gestiegen zu sein. Selbst ein Buch­halter oder Inspektor muß feststellen, daß er nicht geringer geachtet wird, sondern im Gegenteil, sein Ansehen ist irgendwie gehoben. Plötzlich steht neben ihm das ganze Volk als sein Schutzherr und fühlt sich für sein Wohlergehen verantwortlich.

Alles das ist kaum großer Worte wert, weil wir es in Deutschland eben als selbstverständlich emp­finden. Und so lange noch Frau Müller zu Frau Schulze auf dem Markt sagt:Lassen Sie den Soldaten mal vor!", so lange ist alles gut. <j. H.

Vornoiize«.

Tageskalender für Montag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Sieg jm Westen". Lichtsvielhaus, Bahnhofstraße:Ich heirate meine Frau.

Ortszeit für den 11. März.

Sonnenaufgang 7.51 Uhr, Sonnenuntergang 19.20 Uhr. Monduntergang 6.37 Uhr, Mondaufgang 16.53 Uhr.

Oie Front spricht zur Heimat.

Jm Rahmen der Kriegswinterpropaganda kommt auch der Frontsoldat zu Wort. Am Mittwoch, 12. Mär;, spricht um 20 Uhr in der Aula der Uni­versität in Gießen der Feldwebel Paul Schick aus Hannover unter dem Motto ,Lie Front spricht zur Heimat" zu den Volksgenossen unserer Stadt. Der Redner kommt von der Wehrmacht und vermag über den Kampf des deutschen Soldaten für Füh­rer und Volk vieles zu sagen. Es versäume daher kein Volksgenosse und keine Volksgenossin, diese außerordentliche Kundgebung zu besuchen, um da­durch auch die Verbundenheit mit unserer stolzen Wehrmacht zu bekunden.

*

** Reifeprüfung an der Oberschule für Mädchen. Die diesjährigen Reifeprüfungen fanden an der Oberschule s ü r Mädchen unter dem Vorsitz des Leiters der Anstalt, Ober­studiendirektor ScheIhorn, statt. Geprüft wur- rten 16 Schülerinnen der Klasse 8a H, 14 der 8b H und 16 der 8 S. Sämtliche Schülerinnen bestanden die Prüfung. Als zukünftigen Beruf haben die Mädchen gewählt: Studium der Medizin 7, Philo­logie 6, Dolmetscherin 5, Chemie 3, Auslands­korrespondentin 3, Apothekerin 2. Zeichenlehrerin, Diplomlandwirtin, technische Arzthilfe, Privatsekre­tärin, Chemotechnikerin, Kosmetikerin, Jura, tech­nische Lehrerin je 1. Zwölf Abiturientinnen gaben noch keinen bestimmten Beruf an. Dem Wohnsitz der Eltern nach stammten 21 Schülerinnen aus Gießen, 8 aus dem Kreis Gießen, 5 aus dem Kreis Wetzlar, 3 aus dem Dillkreis, je 2 aus den Krei­sen Büdingen, Friedberg, Biedenkopf, Marburg und 1 aus dem Kreis Waldeck.

Meine Goldatenuhr.

Von Friedrich Georg Hantzsch.

Neulich mußte ich meine Uhr zur Reparatur geben. Sie machte nicht mehr mit. Es ist eine kleine rechteckige, mit dem Lederband am Arm zu tragen. Nun stand ich da, kam öfter zu spät und wußte nicht, was ich tun sollte, denn ein Mensch ohne Uhr ist in der Stadt wie ein Bauer ohne Kuh auf dem Dorf. Ein halber Mensch also.

Der Uhrmacher sagte:Darauf müssen Sie einige Wochen warten. Ich habe viel zu tun, und mein Gehilfe ist eingezogen." Das war für mich eine schwierige Lage, denn eine neue Uhr wollte ich mir nicht kaufen.

Da finde ich zufällig beim Kramen meine alte treue Soldatenuhr wieder. Etwas stiefmütterlich war sie von mir behandelt worden, denn ich hatte sie damals, als ich die Uniform auszog, einfach in einen Bogen Zeitungspapier gewickelt und in den Tischkasten gesteckt. Da lag sie nun, meine gute Alte! Ich zog sie auf, und in ihrem kleinen metallenen Leib begann es zu ticken, genau so wie früher, wir beide noch nicht Uk. gestellt waren.

Ich nahm sie in die Hand, und meine Gedanken wanderten zurück in das kleine Nest am Westwall, wo sie als letzte einer billigen Diermarkfünfzigserie im Fenster lag. Ich stand mißtrauisch davor und musterte sie vorsichtig, ob wir es einmal zusammen versuchen sollten. Ich wollte nicht glauben, daß man sich auf sie verlassen konnte. Aber der Uhrmacher war des Lobes voll von denen, die mit ihr ge­kommen waren und nun schon längst in irgendeiner Soldatenweste steckten. Schließlich mußte ich eine Uhr haben und kaufte sie.

Ich legte sie abends neben meinen Strohsack und war gespannt, zu welcher Zeit sie stehenblieb. Aber am Morgen klopfte das kleine Werk neben meinen Ohren genau so wie ein Tier, das Wache gehalten hatte und sich mein Zutrauen erwerben wollte. Ich zog sie zu ihrer Zeit auf, und es kam mir vor, als wäre das die Mahlzeit für das mechanische Wesen. Sie machte kein Aufhebens von sich. Sie war da, wenn man sie brauchte. Und das machte uns unzertrennlich wie ein paar gute Kameraden. Dann zog sie mit uns los. Als wir das. erste Wal

Bereichsvorrundenkampf im Gerätturnen.

Ein großes turnerisches Ereignis in Gießen.

Seit mehreren Jahren hatte die Dolkshalle in Gießen nicht einen so starken Besuch aufzuweisen, wie man ihn am gestrigen Sonntag wieder einmal feststellen konnte. Und erstmalig war es, daß die Dolkshalle bei einer Vormittagsveranstaltung be­reits fast bis zu Dreiviertel der Plätze be­setzt war. Diese beiden Massenbesuche am gestrigen Sonntag galten dem vom Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen Bereich XII (Hessen) Bezirk 8 (Gießen) vorbereiteten Bereichsvor­rundenkampf um die Deutsche Mei­sterschaft im Gerätturnen, an dem die Bereiche Mitte, Südwest, Mittelrhein und Hessen teilnahmen.

Die alte Turnerstadt Gießen mit ihrer allezeit turnfreundlichen Bevölkerung hat am gestrigen Tage ihren Ruf als gute Pflegstatt der Turnerei erneut .unter Beweis gestellt. Aber auch die Volksgenossen aus dem Kreise Gießen und den Orten des Kreises Wetzlar haben durch ihren außerordentlich starken Besuch gezeigt, daß die Turnsache bei ihnen starten Widerhall auslöst. Mit den Mitgliedern der Turn­vereine waren aus zahlreichen Orten viele Freunde der Turnerei gekommen, dabei auch große Scharen der Jugend, die als turnerischer Nachwuchs von be­sonderer Wichtigkeit ist, und sie alle waren mit starker Begeisterung bei der Sache.

Sowohl bei den Kämpfen am Vormittag, als auch bei den größeren Ereignissen des Nachmittags konnte man oft die erfreuliche Wahrnehmung machen, daß die Zuschauer am Vormittag schätzungsweise 3000, am Nachmittag etwa 5000 mit starkem inneren Schwung den glänzenden Lei­stungen der Spitzenturner der vier Bereiche folgten und häufig den über die durchweg hohe Linie des turnerischen Könnens noch besonders hinausragenden Gipfelleistungen der Elite mit gewaltigen Beifalls­stürmen ihre Bewunderung bekundeten. Der Ge­samteindruck des Tages kann dahin zusammengefaßt werden, daß unsere turnfrdubige Bevölkerung in Stadt und Bezirk Gießen derart hochstehende tur­nerische Leistungen bisher in Gießen noch nie zu sehen bekam und durch ihren immer wieder los­brechenden herzlichen Beifall nicht allein den Tur­nern selbst, sondern auch den Veranstattern, die dieses seltene und denkwürdige Ereignis in Gießen in vollendeter Weise vorbereitet hatten, ihre dank­bare und wohlverdiente Anerkennung zum Ausdruck brachten.

Von den Männern, die diese großartige turnerische Veranstaltung in wochenlanger mühevoller Arbeit organisierten und zu einem vollendeten Werk ge­stalteten, seien neben dem für die Gesamtleistung verantwortlich zeichnenden Bereichsfachwart für Turnen Hermann Schäfer (Kassel) und dem in der technischen Oberleitung waltenden Bereichs- männertumroart Richard Becker (Kassel) vor allem und in erster Linie mit Anerkennung ge­nannt: der mit der Vorbereitung und örtlichen Durchführung beauftragte stellv. Sportbezirksführer Hans Stein (Gießen), der Bezirksmännerturn- wart Karl Reuter (Gießen), der Ehren-Oberturn- wart Karl Erb (Gießen), der Bereichspreffewart Heinrich O ß w a l d (Bad-Nauheim), der Bezirks- kaffenwart Fritz D ö r f n e r (Gießen), der Bereichs­obmann Dr. Karl Pfeffer (Gießen), für die Rahmenvorfühvungen der Bezirksfrauentumwart Heinrich Schneider (Wetzlar) und für den Ord­nungsdienst der SA. der k. SA.-Sturmführer Fritz Wiegand (Gießen). Sie alle können mit berech­tigter Genugtuung auf diesen großen Erfolg ihrer hingebungsvollen Arbeit zurückblicken.

Nach einem kameradschaftlichen Beisammensein am Samstagabend imHotel Hindenburg", in dessen Verlauf der stellv. Sportbezirksführer Stein und der Bereichsfachwart für Turner Schäfer (Kassel), kurze Ansprachen hielten, Kamerad Stein zugleich dem nach Mainz versetzten Fachwort für Schwimmen, Kamerad Sauer, als äußeres Zei­chen für feine verdienstvolle Tätigkeit als Lehrwart im Schwimmen und Turnen das Lehrwarte-Ab- zeichen des NSRL. überreichte, war der Sonntag ganz den turnerischen Wettkämpfen gewidmet. Den Höhepunkt des Erleb'ens brachte die Veranstaltung

am Nachmittag mit dem Endkampf. Dazu hatten sich als Ehrengäste der Hoheitsträger der Partei im Kreife Wetterau Kreisleiter Backhaus, Land­rat Dr. Lotz, als Stellvertreter des erkrankten Oberbürgermeisters Stadtbaudirektor G r a v e r t, als Vertreter der Wehrmacht der Standortälteste Oberstleutnant Kühne, ferner der stellv. Polizei­direktor und Kommandeur der Schutzpolizei Major Hellwege Emden, eingefunden. Weiter waren der zur Zeit als Hauptmann bei der Wehrmacht weilende Äezirksführer Dr. Robert Schäfer, der Gauführer des «portgaues Heffen-Nasfau im NSRL. Bereich Hessen Otterbein (Bad-Nau- heim), von den alten Turnkameraden u. a. der Ehren-Gauoberturnwart Wilhelm Will und der 81 Jahre alte Altersturner D a p p e r (Gießen), der Ehrenkreisturnwart Max Schüler (Wetzlar) und viel andere .zugegen. Der Musikzug der SA.- Standarte 116 Gießen unter Leitung von Ober­sturmführer Herrmann leitete die Nachmittags- veranftaltung ein und umrahmte sie im weiteren Verlaufe mit ihren guten musikalischen Darbietun­gen.

Der stellv. Sportbezirksführer Hans Stein (Gießen) eröffnete den Mannschaftskampf des Nach­mittags mit herzlichen Grußworten an die Ehren­gäste, die Taufende von Besuchern und an die Turn- kameraden, namentlich auch an die alten Turner, die einst die Grundlagen zu den heutigen Leistun­gen gelegt haben, ferner dankte er dem Kreisleiter und der Kreisleitung, sowie dem Oberbürgermeister der Stadt Gießen herzlich für die tatfrohe und weit­gehende Unterstützung bei der Vorbereitung dieses turnerischen Ereignisses, ohne die das ganze Werk nicht möglich gewesen wäre. Der Bereichsfachwart für Turnen, Hermann Schäfer (Kassel) über­brachte die Grüße der Reichsführung des NSRL. und dankte namentlich dem Kamerad Stein und feinen Mitarbeitern, ebenso auch dem Kreisleiter und dem Oberbürgermeister für ihre weitreichende Mithilfe. Als Vertreter des erkrankten Oberbür­germeisters überbrachte Stadtbaudirektor G r a v e r t die herzlichen Grüße und Wünsche des Oberbürger­

meisters und der Stadt Gießen, zugleich überreizte er den Turnern als Andenken ein Buch von Gießen, das ihnen die Erinnerung an unsere Stadt immer lebendig halten soll.

Hieraus begannen die Wettkämpfe, über die wir anschließend berichten. Einige Pausen waren in vortrefflicher Weife ausgefüllt mit reizvollen Dar­bietungen aus dem Kleinkinderturnen unter Leitung der Bezirksfrauenturnwartin und Kinderturnwartin des Tv. 1846 Gießen, Idel Hauck (Gießen), durch eine Keulen-Kürübung von Erika S t ü b n e r vom Tv. 1847 Wetzlar, durch Reifen-Gymnastik der Turnerinnen vom Tv. 1846 Gießen unter Leitung von Elfe Ludwig (Gießen), eine Springseil- Kürübung von Erika S t ü b n e r (Wetzlar), und einen Gruppentanz von Turnerinnen des Tv. 1847 Wetzlar, für dessen Leitung Heinrich Schneider (Wetzlar) verantwortlich zeichnete. Alle diese Dar­bietungen fanden verdientermaßen starken Beifall.

Am Schluffe des Wettkampfes, nach der Sieger­ehrung durch den Bereichsfachwart für Turnen, Hermann Schä f e r (K-aßel), sprach Kreisleiter Backhaus den Teilnehmern an dem Wettkampf namens der Partei herzlichen Dank und Anerken­nung für die ausgezeichneten Spitzenleistungen aus. Er betonte dann den großen Wert der sportlichen Arbeit und der sportlichen Leistungssteigerung für unsere Volksgemeinschaft, sowie den gewaltigen Er­folg dieser Breiten- und Tiefenarbeit. Namentlich auch die herrlichen Leistungen unserer Wehrmacht hätten erneut dokumentiert, welche reichen Früchte ein sportlich hervorragend durchgebildetes und diszipliniertes, in einer einheitlichen weltanschau­lichen Haltung geeintes Volk zu erringen vermag. Er kennzeichnete dann die sportliche Arbeit der Hei­mat als ein Zeichen des Dankes gegenüber den Ka­meraden an der Front und forderte die Turner und die Jugend auf, auf dem bisherigen erfolg­reichen Wege der sportlichen Leistungssteigerung weiter zu marschieren als treue Gefolgsmannen un­seres Führers. Dann schloß der Kreisleiter die denk­würdige Veranstaltung mit dem begeistert aufge­nommenen Gruß an den Führer. B.

Der Kampfverlauf.

Schon am Vormittag hatten sich etwa 3000 Be- fucher, eine für Vormittagsveranstaltungen selten hoye Zahl, zu den Vorkämpfen in her Volkshalle eingefunden, wo der Bereichsfachwart für Turnen, Hermann Schäfer (Kaffel), den Kampf mit der Vorstellung der Mannschaften eröffnete. Es hatte gegenüber unserer letzten Meldung über die Mann­schaftsaufstellungen (in unserer Samstagausgabe^ in letzter Minute noch kleine Aenderungen gegeben. So mußte Bereich Süd west auf feinen besten Mann, den Bereichsmeister Reuther (Oppau), verzichten und ihn durch Stark von der Tgm. Eintracht Frankfurt a. M. ersetzen, eine Tatsache, die allein den größeren Abstand, der im Endergeb­nis zwischen Mitte und Südwest festzustellen war, bedingte. Vom Bereich M i 11 e l r h e i n konnten Hahn (Köln) und K a b z a (Troisdorf) nicht zur Stelle fein. Für sie trat außer dem Ersatzmann Linzenich (Aachen) noch Adolf Kraus vom Tv. Bensberg ein. Es fehlte bann aber ein weiterer Ersatzmann, und die tapferen Kameraden vom Mit­telrhein mußten, als Kraus wegen Verletzung schon nach dem ersten Gerät (Pferdsprung) aus- scheiden mußte, zu Fünft den Kampf zu Ende füh­ren, woraus sich der ungewöhnlich hohe Abstand im Gesamtergebnis erklärt. Jedoch muß gesagt wer­den, daß auch mit dem 6. Mann Mittelrhein sich nicht auf den 3. Platz vor Hessen hätte schaffen können. Denn und das sei gleich zu Beginn un­serer Betrachtung festgestellt die hessische Mann­schaft hat sich in den für sie so schweren Kampf mit so kampfstarken Bereichen wie Mitte und Südwest sehr ehrenvoll und tapfer gehalten.

Oer Vormittag.

Mit dem Sprung über das Langpferd be­gann der Vorkampf des Vormittags. Die Süd­

w e st -Turner schafften sich hier mit 109,5 Punkten an die Spitze vor Mitte (105,5), Hessen (102,4) und Bereich Mi11elrhein (90,3), der hier noch mit Kraus turnte. Lediglich der Reichssieger in der großen Kasseler ßeiftungsprüfung des deutschen Ge­rät-Nachwuchses, Kiefer (Bad Kreuznach), ein vielversprechender Schüler des Olympiasiegers Kon­rad Frey, erreichte mit 19,8 gemeinsam mit dem juaendlichen Bantz von Südwest die höchste Punkt­zahl, die an diesem Gerät vergeben wurde.

Am Vormittag wurde von je 3 Turnern jeher Mannschaft noch das Bodenturnen und das Turnen an den sttllhängenden Ringen erledigt. Mitte hatte habet die Führung übernommen, verbesserte den Vorsprung von Gerät zu Gerät und konnte in dem sicheren und überlegenen Sieg auch nicht gefährdet werden, als Krotzsch (Leuna) als bester Turner des Tages am Reck leider durch Abrutschen ein Mißgeschick hatte, das den vielfachen Meister denn auch um den 1. ober einen der ersten Plätze in der Einzelrangfolge brachte.

Oer Nachmittag.

Zu Beginn der großen Hauptveranstaltung am Nachmittag sah das Leistungsbild der Mannschaften wie folgt aus: Mitte 217,7; Südwest 213,6; Hessen 207,7; Mittelrhein 158,1 Punkte. Zunächst wurde das Ringeturnen zu Ende ge­führt. Im Gegensatz zum Vormittag wurde mit Schwung an den Schaukelringen geturnt, eine Neuordnung für zukünftige Gerätwettkämpfe, die von den Turnern und auch von den Zuschauern nur begrüßt wird. Durch besonders schwierige und in bestechender Haltung ausgeführte Uebungszusam- menfteUungen gefielen die Leunaer Müller (19,7 P.) und K r ö tz s ch (19,4) und der 19jährige zweimalige Deutsche Jugendmeister B a n tz (Speyer),

auf einer Bank. Und nach einer weiteren Weile küßten sie sich.

Als beide genügend froren, beschloßen sie, in eine Konditorei zu gehen. Sie traten durch die Licht­schleuse in den hellen Raum, ihre verliebten Blicke erstarrten.

Das bist ja gar nicht du!" rief sie entsetzt.

Doch", sagte er verblüfft,ich bin schon ich, abes Sie bist nicht du. Wie kommt denn das?"

Wir haben uns wohl verwechselt", meinte das Mädchen,was machen wir da?"

Vor allem kein Aufsehen", erklärte er und zog sie zu einem Tischchen in der Ecke. Dann sahen sie einander eingehend an und wunderten sich.

Das kommt davon", sprach er,wenn es sa finster ist. Aber ich freue mich darüber."

'Ich auch", meinte sie und griff mit Selbstver­ständlichkeit nach seiner Hand. Und beide waren glücklich.

Dunkles Stelldichein.

Von Ralph Urban.

Darf ich Sie auf etwas aufmerksam machen?" wandte sich Herr Schüler an die junge Dame, die im übervollen Autobus den Handgriff zum Fest­halten mit ihm teilte.

Worauf?" fragte das Mädchen mit einem Blick kühler Ablehnung.

Daß Sie auf meinem Fuß stehen", entgegnete der junge Mann schmerzlich.

O, Verzeihung!" rief die Holde und errötete. Außerdem stieg sie herunter.

Herr Schüler, der derzeit an Einsamkeit litt, be­nützte den Anlaß zu einem freundlichen Gespräch. Bald mußte die Kleine aussteigen. Er blickte auf die Uhr und stieg nach.

Darf ich Sie ein Stück begleiten?"

Ich bin gleich hier, ich gehe ins Geschäft."

Er ging aber trotzdem mit.Und wie ist dies mit heute abend?" erkundigte er sich beim Abschied.

Kommt nicht in Frage", antwortete sie.Außer­dem habe ich erst halb acht Zeit."

Fein", meinte er,ich auch. In welcher Gegend wohnen Sie denn?"

In der Nähe des Stadtparks."

Dann also um halb acht Uhr beim Hauptein­gang?"

Vielleicht!"

Herr Schüler ging zur Haltestelle zurück und fuhr mit dem nächsten Autobus weiter. Erst später fiel ihm ein, daß ja Verdunklung und es um halb acht bereits finster war. Zu dumm, daß er das vergeßen hatte, hoffentlich würde er sie finden beim Stadt­parkeingang.

Er brauchte nicht lange zu warten, da sah er im blauen Schein seiner Taschenlampe zwei nette Beine. Er trat dem dazugehörigen Mädchen entgegen und sprach:Da sind Sie ja!"

Ja", sprach sie,ba bin ich."

Freut mich," sagte er,daß Siö gekommen sind."

Ja", sagte sie,ich halte immer Wort."

Das ist schön von Ihnen. Wollen wir nicht erst einen Spaziergang machen?"

Sie wollte. Anfangs gingen sie einzeln, dann Arm in Arm. Und es hauexttz picht lange, da saßen sie

Zeitschriften.

Im Märzheft der MonatsschriftD i e K u n st" (Verlag F. Bruckmann, München) würdigt Ulrich Christoffel den Schöpfer des Sterzinger Altars, Hans Multfcher an Hand ausgezeichneter Repro­duktionen. Zum 70. Geburtstag Leo von Königs skizziert Fritz Nemitz das Leben und Schaffen des Künstlers. Dem Bildhauer Theo Siegle widmet Ulrich Christoffel einen Aufsatz. Dr. Hareiter um* reißt das Bild des Schaffens Anton Romakows. Im 2. Teil derKunst" wird Schloß Lißa bei Breslau und feine Umgestaltung, die dem Charakter des Schloßes vorzüglich angepaßt ist, erläutert, wir­kungsvoll unterstrichen von zahlreichen Aufnahmen. Herta Hammerbacher schildert die Neugestaltung eines einstmals verwilderten Gartens, der durch die organische Anpassung an die Landschaft erst feinen vollen Reiz entfaltet. Von Architekt Robert Hussen» börfer (Stuttgart) wird bie glückliche Losung eines Wohnhauses für eine Familie mit Kindern dar- gestellt. Architektin Lux Guyer (Zürich) beschreibt ein mit viel Liebe für die dortige Landschaft ge­staltetes Landhaus. Silber- und Messingarbeiten aus der Werkstatt Heyno Fockens (Lahr im Schwarzwald) sowie handgewebte Arbeiten von Lisbet HabliK« Lindemann schließen das wieder überaus reichhaltiMl Hejt ab» ---_ SL

im Dreck lagen und die Kugeln über uns in der Luft sangen, guckte ich nervös auf die Uhr, als könnte ich von ihr abtefen, wann diese verteufelte Geschichte ein Ende hätte. Aber sie klopfte unentwegt weiter, obwohl es auch ihr erstes Feuer war. Sie schien sagen zu wollen, wenn ich sie ein wenig an« gewärmt aus ihrer Tasche zog und fragend ansah: Auch das wird vorübergehen!

Und was ging nicht alles an uns vorüber! Manche Stunde der Gefahr wischte der winzige Zeiger ungesehen von ihrem Blatt. Es war meine Zeit, die ich mit mir Herumtrug, über bie sie wachte, die sie einteilte und die sie mir mitteilte. Sobald es Nacht wurde, fingen ihre Zahlen und Zeiger an zu glühen, als hätte sie Sonne für mich zurückbehalten, um mir anzeigen zu können, wie lange «ich noch auf Wache stehen mußte, bis sich die ersten Strahlen des langsam dämmernden Tages wieder im Uhrglas brachen. Dann verfolgte ich die kleinen Bewegunaen der glimmenden Pünktchen in der unheimlichen Stille der Nacht irgendwo auf vorgeschobenem Posten, wenn sie wie ein genau ausgedachtes Spiel über die runde, ganz wenig angeglühte, emaillierte Scheibe liefen. Für Augenblicke nur lenkten sie die Gedanken in die Stube daheim, wurden groß wie die Lampe über dem Tisch und zeigten mir eine andere Uhr, die da hing, eine große, wuchtige mit orgelhast tönendem Klang, die dieselbe Zeit zeigte. Spannten sich nun die Gedanken von einem Ziffer­blatt zum anderen?

Als Antwort tickte und leuchtete sie zuversichtlich weiter, genau so wie jetzt, da sie wieder Dienst tut und selbstverständlich eingesprungen ist für eine andere ebenso wie wir draußen einsprangen, wenn es notwendig war. Sie steht zuverlässig auf dem Posten, auf den man sie stellt. Sie ist fest und stabil. Sie ist treu und anspruchslos. Alles Eigen­schaften, die einen guten Soldaten ausmachen. Es hat schon Uhren gegeben, die im Felde draußen ihrem Soldaten das Leben retteten, da sie mit ihrem unermüdlichen kleinen Herzen vor dem Herzen des Soldaten lagen, und so ihr Leben für das andere aufgaben.

Wenn ich alles das bedenke, da ich jetzt wieder meine klobige und anspruchslose Soldatenuhr in der Hand halte, möchte ich sie auf meinem besten Rock tragen wie eine Auszeichnung, die die teuerste und goldeylte Präzisionsuhr nicht ersetzen famw