jetzt das alte Schimpfwort aus dem Weltkrieg „Hunnen" hervorgeyott; die Anweisung dazu muh also von der Regierung gekommen sein. Der Grund ist leicht zu finden. Zwei Umstände nämlich treffen zusammen, um England seine immer schwieriger werdende Lage besonders scharf fühlen zu lassen: die Umkehrung der Blockade und die Auswirkungen der Vergeltungsflüge. Wir erinnern hier nur kurz daran, daß es England war, das seinerzeit auch den Vorschlag des Führers auf Ab- schaffung des Bombenkrieges aus der Luft ohne weiteres a b g e l e h n t hat. Man fühlte sich zudem für den Kriegsfall Deutschland so nahe, daß man sich gleichmütig auf die Royal Air Force verließ. Die Folge war die Eröffnlma des Bombenkrieges gegen deutsche Wohnbezirke, Krankenhäuser, Lazarette, Kirchen usw. Deutschland sprach wiederholt Warnungen aus und wartete gleichwohl drei Monate. 9m September begann dann der Vergeltungsfeldzug unserer Luftwaffe mit den bekannten Wirkungen. Die Waffe also, mit der man Deutschland aus der Lust lahmzulegen gedacht hatte, kehrte sich mit viel schrecklicheren Wirkungen, als man es sich drüben jemals ausgemalt hatte, gegen England. Die Folge ist jetzt die von der Regierung Churchill angeordnete allgemeine englische Pressepöbelei mit dem Wort Hunnen". Denn wenn England deutsche Wohnviertel bombardiert, Tote und Verwundete verursacht, Kranke und Krüppel zerfetzt, wertvolle geschichtliche Baudenkmäler und nationale Erinnerungsstätten angreift, dann ist das alles selbstverständlich — wenn aber die deutsche Luftwaffe nach dreimonatiger Geduld ausschließlich kriegswichtige Objekte in England zerstört, wie das sowohl von neutraler wie von englischer Seite viele Male bezeugt worden ist, dann ist das ein empörendes Unrecht, ist es die Art von „Hunnen".
Das gleiche gilt von der Blockade. Da man im amllichen England auch in diesem Kriege noch immer in den Verstellungen des Weltkrieges lebt, so erschien dort nichts einfacher und selbstverständlicher als die Wiederholung der englischen Hungeri- blockade aus dem Weltkrieg. Wir erinnern daran, daß England im Februar 1915 die Verteilung ausländischer Lebensrnittel an die deutsche Zivilbevölkerung unter neutraler Kontrolle in brüsker Forn^ a b l e h n t e. Was damals noch Blockade war, ging dann schnell in einen regelrechten Hungerkrieg gegen Deutschland über. „England tötet das Kind im Mutterleibe", schrieb die englische Zeitschrift „Common sense", und ein konservatives Blatt schrieb triumphierend, man werde Englands Sieg erst in einem
puntfe in (Eritrea und in Somaliland durchgeführt, ohne Schaden zu verursachen. (Ein feindliches Flugzeug wurde abgeschossen.
In der Nacht zum 9. Januar haben feindliche Flugzeuge in aufeinanderfolgenden Wellen Tlea- P e l und Palermo angegriffen. 3n Neapel wurden zahlreiche Bomben, die meistenteils ins Meer 4iden, abgeworfen. Jtn Hafen wurde ein Lazarell- fckiff und in der Stobt etwa 15 Gebäude, darunter eine Kirche, getroffen. Ls gab fünf Tote und ungefähr 30 Verletzte. 3n Palermo sind weder Schaden von Bedeutung entstanden noch Opfer zu beklagen.
Eines unserer Torpedoboote unter dem Befehl des Oberleutnants z. 5. Nicolo Nicolini hat ein feindliches Unterseeboot gerammt und versenkt. Eines unserer Unterseeboote unter dem Befehl von Korvettenkapitän Franco Totoni P i 11 o n i hat im Atlantik einen feindlichen 3600-BRT.-Dampfer und einen Hilfskreuzer versenkt.
Schneidige Fahrt eines italienischen U-Bootes.
Berlin, 9.Ian. (DRB.) Ein italienisches Unterseeboot war durch U-Bootsjäger verfolgt worden. Als es sich in größere Tiefe zurückaezogen hatte, wurde es von einer schweren Wasserbombe getroffen, beschädigt und zum Austauchen gezwungen. Bald nach dem Auftauchen entspann sich in den Nachtstunden ein Gefecht mit einem gegnerischen U-Bootsjäger. Als das italienische Boot schon geglaubt hatte, den Gegner abgeschüttelt zu haben, tauchte noch ein Hilfskreuzer auf. Obwohl das Unterseeboot sich nicht im vollen manövrierfähigen Zustande befand, setzte es zum Angriff auf den Hilfskreuzer an und torpedierte i h n. Wenige Stunden später entzog es sich schweren Angriffen gegnerischer Flugzeuge und versenkte auf seiner Fahrt zu einem atlantischen Hafen einen bewaffneten Dampfer von 3000 DRT. .
„Der Krieg gehl weiter bis zum Sieg."
Das Schicksal General Bergonzolis.
Mailand, 9. Jan. (Europapretz.) Auf Grund der Beschlüsse des Ministerrats betont die gesamte italienische Presse die unerschütterliche Treue Italiens gegenüber der Achse und dem Dreimächtepakt und die eiserne Entschlossenheit, den Kampf bis zum Sieg fortzusetzen. Zugleich wird der heldenhafte Widerstand von Bardia verherrlicht. „Cor- riere della Sera" schreibt: „Der Krieg geht weiter bis zum Siege. Unser Vertrauen in die militärische Kraft und die Rüstungsfähigkeit der Achse ist unerschütterlich. Nichts kann Italien von seinem Weg a b b r i n g e n. Die Erfolge des Feindes werden ein Ende nehmen, und dann kommen wir an die Reihe. Der Feind wird bald vor Schwierigkeiten strategischer Natur und solchen des Nachschubs stehen. Das Gros unserer Kräfte ist fest in der Hand des Marschalls Graziani. Unsere Reserven an Menschen und Material sowie an Transportmitteln sind nicht empfindlich beeinträchtigt morden. Italien ist eine Großmacht, und Nordafrika ist nur eine der vielen Fronten zur See und zu Lande."
lieber das Schicksal des Verteidigers von Bardia, General B e r g o n z o l i, verlautet hier noch nichts. Er stand, wie „Popvlo di Roma" berichtet, das Schnellfeuergewehr um den Hals gehängt, mit pulvergeschwärztem Barte ständig im Mittelpunkt des Widerstandes Bergonzoli war fünfmal verwundet. Sein militärischer Weg führte ihn von der Piave- Front des Weltkrieges über das Kommando einer Schnellen Brigade in die Kolonien. Im Spanienkrieg war er Kommandant der Division Littoria. Im nordafrikanischen Kriege ist ihm das Kommando eines Armeekorps übertragen worden. Er befehligte die zwei Divisionen, die, nach englischen Angaben, „ungeachtet des Mangels jeglicher Verstärkungen zähen Widerstand leisteten".
Mit Leutnant Haflinger in 80 m Höhe durch die Ballonsperre.
Von Kriegsberichter Siegfried Kappe.
Menschenalter voll zu würdigen wissen, wenn die deutsche Generation groß geworden sei, die, während der Hungerblockade empfangen, Opfer der Unterernährung und ihrer Folgen geworden sei. Jubelnd verkündete ywn damals in England, daß Millionen Angehörige der deutschen Zivilbevölkerung, also der Nichtkampfer, infolge der Hungerblockade laut amtlichen Feststellungen täglich durchschnittlich bis zu 280 Gramm an Gewicht ab» nahmen, ferner daß der Geburtenrückgang in Deutschland bereits 1,2 Millionen erreicht habe, daß 70 Prozent aller Schwangeren und Gebärenden unterernährt und ausgehungert in die Kliniken kämen usw. Prinz Max von Baden hat am 3. Februar 1919 festgestellt, daß nach amtlichen Untersuchungen damals in Deutschland täglich etwa 800 Menschen an den Wirkungen der englischen Hungerblockade sterben mußten. Die viehische Grausamkeit der Hungerblockade interessierte die britische Plutokratie damals überhaupt nicht. Man schnitt seine Coupons, steckte die Millionengewinne der Rüstungsindustrie ein und führte den Hungerkrieg gegen Deutschland sogar noch über den Abschluß des Waffenstillstandes monatelang1 weiter.
Das alles war für die brutalen Vorstellungen Englands viel zu schön gewesen, als daß man es nicht im englischen Kriege von 1939/40 hätte wiederholen sollen. Jetzt aber erlebte England den doppelten Rückschlag, daß die eigene Blockade nicht nur durchbrochen und bann schließlich wirkungslos wurde, sondern daß das angeblich meerbeherrschende England, bas Weltreich, das ein Fünftel der Erde und ein Viertel der Menschheit beherrscht^ zu seiner Bestürzung und Empörung s ich selbst blockiert fand. Nach guter britischer Lebensart wälzte man sämtliche Folgen der deutschen Gegenblockade auf die breite Volksmasse ab, ja ermahnte sie sogar zu äußerster Einschränkung und Sparsamkeit. Als sich dann die zunehmende Unzufriedenheit der betrogenen Massen nicht länger zügeln ließ, gab man an Presse und Rundfunk das Stichwort, und schon brüllte die Meute in alle Welt hinaus das Wort von den deutschen „Hunne n".
Es ist unter unserer Würde als Deuffche, uns gegen eine Pöbelei im Ton des britischen Gangsterjargons zu verteidigen. Wir wollten hier lediglich darauf Hinweisen, wo die „Hunnen" wirklich sitzen! Es find ja nicht nur die Erfinder der Hungerblockade an der Themse, die jetzt plötzlich alles von ihnen heraufbeschworene Unheil als Unrecht in die Welt schreien wollen. Es find ja auch dieselben Engländer, auf deren Soldaten sich bas Volk in Norwegen, in Holland, Belgien und Frankheute nur noch mit Ekel und Verachtung besinnt, wenn es der plündernden, raubenden und barbarisch wütenden Horden von „Verbündeten" gedenkt, deren Tornister von Gold und Silber schwer waren und deren Offiziere in ihren Autos Beute von Damenwäsche bis zu Kostbarkeiten aus dem von ihnen „verteidigten" Lande davonschleppten. Wo sitzen die Hunnen des 20. Jahrhunderts? Gibt es noch welche außerhalb Englands? B. R.
Der italienische SerM
Rom, 9. 3an. (B31B.) Der italienische Wehrmachtbericht vom Donnerstag hat folgenden Wortlaut:
3n der Lyrenalka auf der Landfront nichts neues. Eine unserer 3agb- und kampfsormalionen hat eine Gruppe feindlicher motorisierter Einheiten angegriffen und verschiedene Panzerkraftwagen zerstört. Feindliche Einflüge auf Bengasi und Tripolis haben geringen Sachschaden angerichtet und in Tripolis drei Tote zur Folge gehabt.
An der griechischen Front Streifentätigkeit und Aktionen lokalen Lharaklers. Zahlreiche Formationen unserer Luslgeschwader haben wirksam Truppenzusammenziehungen und feindliche Stellungen angegriffen. Batterieffeöungen und Brücken wurden von Picchiatellis sowie Truppen von unse- ren 3agdsiaffeln mit Maschinengewehrfeuer belegt. Saloniki ist mit sichtbarem Erfolg bombardiert worden. 3m Verlaufe verschiedener Kämpfe haben unsere Flugzeuge fünf feindliche 3äger brennend zum Absturz gebracht.
3n Ostafrika kein Ereignis von Bedeutung. Der Feind hat Einflüge auf einige unserer Stütz-
(PK.) . . . 10. Ian. (DNB.) Angriff in das
Herz Englands, das bedeutet höchsten Mut und größte Einsatzbereitschaft einer in vielen Kämpfen bewährten Besatzung, denn es heißt in ungünstiger Wetterlage und am hellichten Tage ganz allein zur Insel zu fliegen, ohne Jagdschutz, vollständig auf sick) selbst gestellt. Mehrere Male schon wurde im Bericht des OKW. die kühne Tat eines solchen Einzelgängers erwähnt. Was aber die Besatzung des Leutnants H ö f l i n g e r mit ihrer Ju. vollbrachte, gehört zu dem Schneidigsten und Verwegensten, was es im Luftkrieg bisher gab.
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Bis zum Kanal liegt dichter Dunst über der weiten Tiefebene Nordfrankreichs. Die Sicht beträgt oft weniger als 800 Meter weit in das schneebedeckte Land hinein. Höher und höher zieht der Flugzeugführer die mit schweren Bomben beladene Malchine, lieber dem Kanal liegt in 1500 Meter Höhe eine geschlossene Wolkendecke. Wenn sie anhält, dann ist der Anflug gesichert, aber durch die fehlende Erdsicht auch bedeutend erschwert.
Der einsame Vogel zieht in eisiger Kätte nach Norden, über sich eine strahlende Wintersonne, unter sich ein mögendes weißes Wolkenmeer. „Der Zeit nach muß gleich Oxford kommen", meint der Beobachter. Der Flugzeugführer schiebt den Knüppel nach vorne und nimmt Gas heraus. Langsam oerliert' die Ju. an Höhe und dann ist sie eingetaucht in den undurchdringlichen Schwaden der Wolken, in die „Waschküche". In 400 Meter Höhe ist die unterste Wolkendecke erreicht. Aber da sieht der Flugzeugführer vor sich noch tiefer liegende Wolken. Auch durch diese zweite Schicht stößt er durch. Erst in Bodennähe reißt er die Maschine hoch und braust mit größter Fahrt über Bäume und Sträucher, Häuser und Felder Mittelenglands hinweg.
Der errechnete Kurs und die englischen Eisenbahnlinien sind die einzigen Hilfsmittel, um zum Ziel hinzufinden. Immer entlang am Schienenstrang, und dann weiter geradeaus. Plötzlich bemerkt der Leutnant, daß irgend etwas nicht stimmt. Die Ju. flog nicht die Strecke entlang, die direkt zum Werk führt, sondern an ihm vorbei. Nichts wie kehrt und noch einmal in 200 Meter Höhe, dicht unter den Wolken streichend, ein neuer Am slug. Der Leutnant drückt die Maschine ruhtet und
geht zum Tiefflug über, springt über Hecken und Zäune.
„D a st e h t j a Flat!" ruft der Beobachter, und schon spritzt die Leuchtspur der Geschosse rechts und links an der Kanzel vorbei. Plötzlich klirrt es, Leutnant Hy. faßt mit der rechten Hand zum Kopf ... Gott sei Dank, nur ein Streifschuß.
Vorne liegen jetzt die großen Hallen. Langsam den Knüppel an den Bauch, hochziehen. Und wieder knallt es aus allen Ecken und Kanten. „Sperr- b a 11 o n e" schreit der Leutnant. Zehn stehen schon in 50 Meter Höhe und ein weiterer löst sich langsam von der Erde.
Aber durch nichts läßt sich der Leutnant beirren. „Jetzt!" — dann fallen die schweren Sachen. „Gesessen!" ruft der Fliegerschütze. Aus einer der riesigen Hallen steigt heller Feuerschein und dichter brauner und schwarzer Qualm empor. Da, die Maschine reißt es jäh wie vom Blitz getroffen um 90 Grad herum. In 80 Meter ist die Ju in eine Ballonsperre hineingerast. Der Leutnant reiht den Knüppel an den Bauch — irgend etwas schlägt an die Kanzel — dann fliegt die Ju wieder mitten im wilden Flakfeuer frei nach oben. Deutsche' Iunkersarbeit hat einen Triumph errungen über britische Ballonsperren.
Vor der Kanzel huschen schon wieder die Fetzen der tiefliegenden Wolken vorbei, und dann umgibt Besatzung und Mqschine das undurchdringliche Weiß und Grau des Wolkenmeeres.
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Die Briten wußten, daß dieses äußerst wichtige Werk ihrer Rüstungsindustrie ein begehrtes Ziel deutscher Angriffe war und hatten es deshalb ganz besonders stark geschützt. Wenn es deutschen Fliegern dennoch an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gelang, die Produktion des Wertes durch schwere Treffer zu einem Großteil stillzulegen, so ist das ein erneutes Zeichen nicht nur für die Einsatzbereitschaft unserer Luftwaffe, sondern auch für den Geist, der Offizer und Mann beseelt. Als die Maschine landet, stellt die Besatzung fest, daß die Tragfläche 60 cm tief von dem Drahtseil des Sperrballons eingeschnitten worden ist, und dazu kommen noch zahlreiche Treffet von MG.- und Flakfeuer. Aber Besatzung und Maschine haben es geschafft.
Hemmungen der britischen Wirtschaftsführung.
schaftsküchen zu gewöhnen. Ein Hotelier äußerte, daß nun die Zeiten der hohen Kochkunst vorbei seien und daß es darauf ankäme, einfache und
bereits in allen bürgerlichen Hotels verkleinert worden. Die Preise für Menus wurden erhöht. Außer-
Stockholm, 9. Jan. (DNB.) Wie „Soenska Dagbladet" aus London meldet, findet der neue britische Produktionasausschuß unter der Leitung Benins anstatt des erwarteten Beifalls im»
notwendig, Volksküchen einzurichten und die Engländer an die Mahlzeiten in diesen Gemein-
dem wurden die Fleischrationen für Hotels, Restaurants und Gaststätten sowie für Einzelverbraucher weiter herabgesetzt. Käse und Früchte find ganz von der Speisekarte verschwunden. Selbstverständlich gelten die Einschränkungen nur für das Volk. Während der englische Arbeiter in Gemeinschaftsküchen abgefüttert werden soll, führen die Pluto» traten in Luxusrestaurants ihr Schlemmerleben weiter. Unter großer Überschrift „Dieser Lebensmittelskandal" prangert die Londoner Zeitung „Daily Mirror" das Prassen der Regierungsclique an. (ErK habe beobachtet, wie Kabinettsmitglieder — unter ihnen Churchill, Wootton, Morrison, Beaverbrook, Duff Cooper, Eden uni) andere — in Restaurants geschlemmt hätten. Hasenrücken in Eis. sauce, Hummer Thermidor, Kaviar, Wachteln in Aspik, Gänseleber, Austern,«geräucherter Lachs, Sardinen, Anschovis, Doverscholle seien auf ihren Tafeln erschienen, ohne daß auch nur eine einzige Lebensmittelkarte dafür abgegeben wurde.
3n den Ruinen der City.
Berlin, 10. Jan. (DNB. Funkspruch.) Die weiten Ruinenfelder der Londoner City, die von der vernichtenden Gewalt des deutschen Angriffs vom 29. 12. zeugen, bilden immer noch ein unerschöpfliches Thema für die Berichte der ausländischen Pressevertreter. Der Londoner Berichterstatter der spanischen Zeitung „Na", Augusto A s s i a, schreibt, daß die City mit ihren Brandtrümmern an eine
zulänglich ausgenutzt, Großbritannien könne nicht erwarten, daß es Die voll und ganz mobilisierten Deutschen besiege, bevor es nicht feine ganze Kraft dem Kriege widme. „Times" fordert, damit die Kriegsproduktion Nutzen haben kann, positive Maßnahmen von den Firmen, die mit einer nicht notwendigen Tätigkeit beschäftigt find und die über große Reserven an Arbeitskraft, an Kapital und an Geschäftsorganisation verfügsn. Außerdem stellt die „Times" das Fehlen jeder ausgerichteten Politik für die Aufrechterhaltung der reellen Kaufkraft der Valuta fest. Sie kritisiert den Mangel an Leitung beim Abschluß von Lohnverträgen und bei der Festsetzung der Lebensmittelpreise und Transportkosten. Die „Times" schreibt weiter, daß nicht immer die Ergebnisse des großen Sparfeldzuges ausreichen würden, um inflationistische Tendenzen zu hemmen, die durch das gewaltige A n - schwellen der Staatsausgaben zusammen mit dem schnellen Verbrauch aller Lager für den Zivilbedarf verursacht würden.
Der britische Ernährungsminister W o o 11 o n richtet an die Oeffentlichteit den dringenden Appell, Gemeinschaftsküchen einzurichten. Er er» klärte bei einer Besprechung mit den Inhabern von Gaststätten, die Beschränkungen der Lebensmittelversorgung führten allmählich dazu, daß immer mehr Menschen in Kantinen und Restaurants essen, um nicht nur Lebensrnittel, sondern auch Heizung zu sparen. Cs fei deshalb
mer mehr Kritik. Die Presse von rechts bis links ......._____, __________ ~
hält den neuen Ausschuß für unzulänglich. Die schlichte Mahlzeiten herzustellen. Die Speisekarte ist „Times" sagt, die jetzt durchgeführte Reorgcknisa- r" -'*■-* ~
tion sei nicht vollständig gelungen. Die britischen Reserven seien immer noch unzureichend und un-
Versailles ist ausgelöscht.
Zum 10. Januar
Angesichts der gewaltigen Siege, die die nationalsozialistische Wehrmacht Adolf Hitlers in dem UNS aufgezwungenen Krieg bisher errungen hat, mag vielleicht mancher auf dem Standpunlt stehen, daß es an sich überflüssig ist, die Gedanken so weit in die Vergangenheit schweifen zu lassen und eines Tages zu gedenken, der, wie nunmehr die Geschichte deutlich gezeigt hat, nun doch ausgelöscht ist. Uns scheint das mcht richtig, denn wenn auch von den Mächten, die damals ihre Unterschrift unter das Versailler Diktat setzten, das am 10.3a« nuar 1920 in Kraft trat, nur noch England als unser einziger Gegner übriggeblieben ist, so ist es doch gerade das Ziel dieses gleichen Englands gewesen, uns ein zweites und — wie wir jetzt wissen — noch viel schlimmeres Versailles zu bescheren. Dieses England, das sich von je» jer der neuen Ordnung, die Deutschland und Italien anbahnten, entgegengeftellt hat, wollte den jungen Völkern nicht den ihnen gebührenden Platz einräumen und brach, in der sicheren Meinung, aus einem neuen militärischen Zusammenstoß als Sieger hervorzugehen, freventlich diesen Krieg vom Zaune, den es nun allerdings mit seiner Vernichtung büßen muß.
Zwei Jahrzehnte sind in der Geschichte eines Volkes ein an sich kurzer Abschnitt. Und doch, welch' gewaltige Wandlung haben sie dem deuffchen Volk gebracht! Aus Not, Zusammenbruch und Elend ging sein Weg, seitdem Adolf Hitler, kriegserblindet im Lazarett zu Pasewalk liegend, den Ausspruch tat: „Ich aber beschloß, Politiker zu werden", auswärts. Jahr um Jahr, allen Widerständen zum Trotz, kämpfte der Führer diesen Kampf durch, bis er das neue Volk geschaffen hatte und ihm seine innere und äußere Freiheit zurückerkämpfen konnte.
Wir sollen diese Vergangenheit nie vergessen, weil wir aus ihr erst so recht die Größe der Zeit verstehen können, in der wir jetzt stehen. Jeder einzelne dieser über 400 Artikel eines Friebensvertra- aes, der in Wahrheit ein Diktat war, zielte darauf hin, das deutsche Volk zu vernichten. Nur mit wenigen Stichworten seien einige Hauptpunkte hier in die Erinnerung zurückgerusen: Deutschland verlor außer seinen Kolonien insgesamt 70 580 Quadratkilometer Land , mit 6 476 000 Einwohnern. Ostpreußen wurde durch einen Korridor vom Mutterland getrennt, das Saargebiet 15 Jahre unter Völker- bundsverwattung gestellt, das Rheinland und späterhin das Ruhrgebiet besetzt. Hierdurch, wie durch die Auslieferung und Vernichtung gewaltiger Mate-
malerische Bühnendekoration erinnere. Die Auf. räumungsarbeiter vollenden das Werk der Bomben, indem sie die vor dem Einsturz stehenden Wände niederreißen und die Ueberrefte zerstörter Gebäude beseitigen. In den Gebäuden, die trotz der Beschädigungen zur Not noch benutzbar sind, sind Glaser, Zimmerleute und Installateure am Werk, wieder halbwegs wohnliche Räumlichkeiten zu schaff fen, während die Büroangestellten in ihren übel zugerichteten Kontoren die geretteten Geschäftspa. piere zu ordnen versuchen. Ueberall sieht man Fahrzeuge hin- und herfahren und die aus den Trüm- merhaufen geborgenen Gegenstände nach Behelfs» lagern bringen. Dabei find die Straßen noch derartig von Trümmern verstopft, daß die Autobusse am Rande der City halt machen müssen. An einzelnen Stellen find sogar immer noch Feuerwehrleute mit dem Löschen schwelender Brände beschäff tigt.' Von den gewaltigen Verheerungen d-ieser Feüersbrünste macht man sich einen Begriff, wenn man erfährt, daß allein bei den deutschen Luftangriffen auf London am 29. Dezember fünf Millionen Bücher vernichtet morden sind. Fast alle der 37 Verlagshäuser in der Pater- noster-Row liegen in Trümmern, darunter auch die Lager des Verlages Simpkin-Marshai, der größten englischen Bucherportfirma.
Zu diesen Schäden der Bombenangriffe muß man auch die Plünderungen rechnen, die sich offenbar auf Waren aller Art erstrecken und bereits erhebliche Ausmaße angenommen zu haben scheinen. So berichtet die „Daily Mail", daß „unschätzbare" W e i n d o r r ä t e, die drei städtischen Gesellschaften gehörten, von Plünderern aus den Lagerhallen der Bakers Company in der Harp-Lane geraubt wurden. Die Lagergebäude waren bei dem deutschen Angriff in Brand geraten und schwer beschädigt morden.
Das englische Unterhaus nach einem deutschen Lustangriff.
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Zahlreiche Räumlichkeiten im „House of Commons" murden im Laufe der deutschen Luftangriffe auf London getroffen und beschädigt. Unser Bild zeigt den zerstörten Hof des britischen Unterhauses.
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