gestellte. Don diesen seien 99 beim britischen Preß Service in Neuyork und Washington beschäftigt, 16 als Vertreter des Propagandaleiters Sir Gerald Campbell in Neuyork und Washington, 74 seien bei der britischen Jnformationsbibliothek in Neuyork tätig. Das Botschaftspersonal sei von 54 auf 288 und die Konsulatsangestellten von 150 auf 449 gestiegen.
Duff Cooper in Manila.
Schanghai, 8. Sept. (Europapreß.) Duff Cooper, der Vertreter des britischen Kabinetts im Fernen Osten, traf mit dem Clipperflugzeug in Manila ein. Er hatte eine Besprechung mit dem nordamerikanischen Kommissar für die Philippinen, Francis B. Sayre. Mit dem gleichen Flugzeug, das Duff Cooper benutzte, traf in Manila der neue nordamerikanische Gesandte für Thailand, Willys Peck, ein. Peck geht nach Bangkok, um den bisherigen 08^.-Gesandten Hugh Grant abzulösen, der nach ben USA zurückgerusen wurde. Die britische Luftwaffe im Fernen Osten ist durch eine weitere große Anzahl von Bristol-Blenheim- Bombern des neuesten Types verstärkt worden. Duff Cooper wird am Dienstag in Singapur ein- tressen.
Alle 1940 in Riga zurückgebliebenen Skandinavier von den Bolschewisten ermordet.
Stockholm, 9. September. (DNB.-Funkspruch.) „Aftonbladet" berichtet, alle Skandinavier, die n a ch der Einverleibung Lettlands in die Sowjetunion im Sommer 1940 in Riga blieben, seien von den Bolschewisten ums Leben gebracht worden. Außer dem früheren Vorsitzenden der Nordischen Vereinigung in Riga, Steen Giebel- Hausen, und dem norwegischen Gutsbesitzer Syve Karstensen seien mehrere Norweger, die auf den i,Silberfuchsfarmen gearbeitet hätten, hingerichtet worden. Auch die Schwägerin des finnischen Erzbischofs Ines von Kolpakow und ihre beiden Söhne Andree und Borris seien hingerichtet worden.
Meine politische Nachrichten.
In den Mittagsstunden des 8. September flogen drei britische viermotorige Flugzeuge i n d a s n o r - wegische Küstengebiet ein und warfen aus großer Höhe einige Sprengbomben ab, durch die zwei Norweger getötet wurden. Deutsche Jäger schossen über See zwei Bomber ab. Nur einer Maschine gelang es, im Schutz von Wolken zu entkommen.
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Kampfflugzeuge versenkten im Finnischen Meerbusen zwei Handelsschiffe der Sowjets von zusammen 6000 BRT. und zwei bolschewistische Schnellboote in der Nähe der Insel Oesel. Em Transporter wurde beschädigt.
In Nordafrika herrschte am 7. September im Südabschnitt der Tobruk-Front lebhafte Spähtrupptätigkeit. Ein Vorstoß von sieben britischen Panzern mürbe* abgewtesen.
In der vergangenen Nacht griffen feindliche Flugzeuge in aufeinanderfolgenden Wallen Palermo in. 16 Tote und 25 Verwundete unter der Zwibbe- oölkerung, unerhebliche Sachschäden. Ein feindliches Flugzeug stürzte brennend ins Meer.
In Ostafrika Lombardierte die englische Luftwaffe das Hauptlazarett von G o n d a r, das aus cinem abseits liegenden Komplex von Gebäuden besteht, die sichtbar mit dem Zeichen des Roten .Kreuzes versehen sind. *
Die Luftwaffe setzte ihre Angriffe auf die eingeschlossenen Truppen in Odessa fort. Truppen- cnsammlungen, Marschkolonnen und Fahrzeuge in ter Stadt wurden mit Bomben beworfen. Im Hafen wuren. Lagerhäuser und aufgestapeltes Kriegsmaterial in Brand'gesetzt.
Der frühere Oberbürgermeister von Köln, Max Wallrafs, ist im Alter von 82 Jahren ge° 'torben. Er gehörte lange Jahre zu den Führern her Deutschnationalen Volkspartei und war auch Präsident des Reichstages. 1930 zog sich Wallraff non der Politik zurück. Er war 1922 von den Franzosen ausgewiesen worden.
Die Mutter des Präsidenten Roosevelt, Frau Sara Delano Roosevelt, ist am Sonntagvormittag im Alter von 86 Jahren gestorben.
Gauausstellung für bildende Künste 1941.
Zm Gtädelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main.
Was die Große Deutsche Kunstausstellung in München für das gesamte Reichsgebiet, das bedeuten die alljährlich wiederkehrenden Gauaus- ftellungen für den landschaftlich fest umgrenzten Bezirk unseres rhein-mainiscken Raumes. Es ist ein schönes Zeichen innerer Gesundheit, kultureller Aufgeschlossenheit und künstlerischen Schöpferwillens, daß die Gauausstellung auch jetzt mitten im Kriege wieder eröffnet worden ist und sich einer überaus reichhaltigen Beschickung und eines, lebendige Anteilnahme bezeugenden Besuches zu erfreuen hat. Ihre Aufgabe, Rechenschaftsbericht und Leistungsschau im Umkreise der bildenden Künste zu sein, erfüllt die Ausstellung mit einer sorgfältig gesichteten Sammlung von Werken zeitgenössischer Plastik, Malerei und Graphik; der Katalog verzeichnet insgesamt 313 Arbeiten; das ist ungefähr ein Drittel der Einsendungen.
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Der Eingangssaal ist ziemlich ausschließlich der Plastik gewidmet. Gleich hier begegnen wir den beiden Gipsreliefs des Gießener Kulturpreisträgers Carl Bourcarde. „Der Krieger", Profil nach rechts, nimmt das ewige Thema streng und groß, in der sparsamen Linienführung ganz auf das Wesentliche des Ausdrucks gerichtet; einen eigenartigen Kontrast dazu bildet das entgegengewendete Relief „Meine Tochter Lore": sehr zart und persönlich-liebevoll empfunden und geformt das Bildnis des hingegeben musizierenden Kindes. Man sieht in diesem Saale ferner die repräsentative Führerbüste von Hub, die gewaltig hochgereckte „Künderin des Sieges" von Kipp, eine scköne, verhalten geformte „Daphne" von Schwarzbeck, die edel gebildete „Krugträgerin" von R. M. Werner und höchst eigenartige Negativ-Schnitzereien von Harold Winter („Ahn und Enkelin") in Eiche und Nußbaum. Die überlebensgroße „Viktoria" von Garbe verdient schon um des originell behandelten Motivs willen Beachtung.
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Was die Malerei angeht, so hat hier der Krieg diesmal unmittelbar-thematisch minder starke Spuren hinterlassen, als mancher vielleicht erwarten mag; er spiegelt sich beispielsweise in der heftigen Augenblicksdramatik eines „Meldereitergeplänkels" von Weber-Brauns, in den „Soldaten vor einer zerstörten Stadt" von P r e s b e r oder, etwas übersetzt, in den sehr dekorativ wirkenden Porträts hoher Fliegeroffiziere von Oberhoffer. Auffallender im Gesamtbilde — bei der Fülle des Stoffes und dem Mangel an Raum kann man nur Ueberblick und Andeutung geben — scheint uns ein neu sich formendes Gefühl für die Landschaft zu sein. Wir nennen hier etwa das koloristisch und- räumlich fein aufgebaute „Dreieichenhain" von Antlitz, den von flutendem Licht überströmten „Früh
lingsmorgen an der Lahn" von B e h r e (Limburg), die in angemessener Entfernung fast zu architektonischen Gruppen zusammenschießende „Rhönlandschaft" von Dauber, Dörrbeckers großartig ansteigende Komposition „Kronberg" und die starke, lebendig getönte „Oberhessische Landschaft" von Walter Kröll (Gießen), ber auch mit einem „Wasserfall bei Schotten" unb einer in klassischer Szenerie tragisch bewegten Figurengruppe „Hero unb Leanber" vertreten ist. Eines ber erstaunlichsten Silber ber Ausstellung ist für unser Emp- finben bie enorm weiträumig unb licht in zarten Romantikerfarben gemalte „Westerwalblanbschaft" bes Frankfurter Erich Sauter. Eine koloristisch ähnliche Stimmung geht von ber in intimerem Rahmen gemachten Lanbschaft „Der Regenbogen" von Rolf Winter aus.
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Ein Selbstporträt von Bernhard Wichert besticht durch eine angesichts der Pastelltechnik Überraschende Dichtigkeit unb Plastik der Bildwirkung. Ein feines, stilles, in gewissem Sinne zeitloses Bild ist die „Hessische Bäuerin" von R u n z e. Karola Pierson - Dietor (unsere „Heimat im Bild) brachte vor einiger Zeit Scherenschnitte von ihrer Hand) zeigt eine Folge zarter, liebevoll durchgebildeter Blumenstücke. Georg Poppe, früher mit dem Gaukulturpreise ausgezeichnet, stellt diesmal das repräsentative, große Bildnis einer jungen Mainzerin aus. Kraftvoll gesunde, bodenständige Malerei sind bie „Vier Pferde norm Wagen" und der „Bauernkopf" von Lu ck h a rd t und die Voaels- berger Landschaft des hessischen, jetzt in Frankfurt ansäsiigen Malers Ernst Eimer. Margit Manz bringt das ganz oergeiftigte Porträt eines Geigers (Kohlezeichnung), Hans Happ, Frankfurt, dessen Bilder auf ber Großen Münchner sehr beachtet würben, ein nobles, überaus sicher durchgearbeitetes Mädchenbilbnis. Der Hanauer Ewald ist mit einer in delikaten Farben gegebenen Figurenkomposition zu nennen, Wilhelm Fahrenbruch, Götzenhain, mit einer Pferbestubie von schöner Naturnähe, etwa in Fritz Boehles Sinne. Helene von Beckerath bringt einen sehr unkonventionell behandelten weiblichen Akt („Das blaue Kanapee", Tempera) unb bie ganz persönlich gefaßte „Porträtbüste K. K.", D i e l m a n n bas Bilbnis eines gefallenen Kameraden, E n b e r s bie geschmackvoll getönte Zeichnung „Krummau an ber Molbau", unb ber Darmstäbter Richard Hoelscher ein ernsthaftes und lebendiges Selbstbildnis. — Damit seien bie notgedrungen knappen Aufzeichnungen von einem Rundaang beschlossen, die dazu anregen mögen, sich persönlich in die Fülle und Vielschichtigkeit künstlerischer Erscheinungen in den Räumen des Frankfurter Städel zu vertiefen.
Hans Thyriot.
Aus ber Gtabi Gießen.
Eberesche zu Zier und Nutzen.
Ob sie im Schmuck ihrer weißen Blütenschleier prangt oder über und über behängt ist mit den leuchtendroten Doldentrauben, immer ist die Eberesche ein Baum, ber ben Platz verschönt, auf bem er steht, im Garten so gut wie im Wald unb auf ber Lanbstraße. Aber bie Eberesche ist nicht nur ein Zierbaum, fonbern vor allem auch ein Baum, von bem sich allerhanb Nutzen gewinnen läßt.
Schon seine hochroten Kugelfrüchte sehen ver- lockenb aus, nur schmecken sie, frisch vom Baum gepflückt, leiber nicht verlockenb. Für manche Vögel, befonbers Drosseln, finb sie bagegen ein wahrer Leckerbissen, weshalb sie auch Vogel- aber Drosselbeeren heißen; boch auch von Hühnern wie überhaupt von Hausgeflügel werben sie gern verzehrt. Unb wer sich jetzt schon einen Vorrat von getrocknetem Winterfutter für bie Vögel anlegt, was je- bem Vogelfreunb zu empfehlen ist, soll auch Vogelbeeren barunter mischen, sie aber vor bem Verfüttern in Wasser mieber etwas aufquellen lassen.
Als Vogelfutter allein kommen bie Beeren der Eberesche aber durchaus nicht in Betracht. Packt man es richtig an, so läßt sich mancherlei Gutes aus ihiien machen. Pflücken soll man sie nicht zu früh, sie gewinnen sogar sehr an Geschmack, wenn sie erst leicht durchgefrostet sind. Nur zur Saftberei-
tung nimmt man sie ab, solange sie noch möglichst viel Saft enthalten, also frischrot und noch nicht zu weich. Sollen die Beeren zu Mus verwendet werden, so treibt man sie zuerst durch ein feines Sieb, fügt Zucker dazu und kocht die Masse dann nicht zu dick ein. Der Geschmack wird sehr verfeinert, wenn man bas Mus zu etwa einem Drittel mit Aepfeln ober Birnen vermischt, wozu sich aüerbings nur süße Sorten eignen. Zum Gelee wirb der Saft ber Beeren genommen, ben man erhält, wenn man sie mit wenig Wasser weichkocht unb ben Saft hernach langsam burch ein Tuch laufen läßt, ihn bann mit klargekochtem unb gut abgeschäumten Zucker süßt unb noch eine Viertelstunbe weiterkocht. Fein unb aromatisch schmeckt ferner eine Paste aus Vogelbeeren, bie man in etwas Wasser, unb zwar solange, bis bas Wasser verbunstet ist, weichkocht, bann bie Fruchtmasse durch ein Sied streicht und nun gleichschwer mit Zucker bis zum Dickwerben weiterkocht, wobei inbes fleißig umgerührt werben muß. Ist bie Masse so bick, baß sie sich schwer klumpig vom Löffel löst, streicht man sie — noch heiß — auf Teller, in Gläser ober Blechformen, bie vorher in warmes Wasser getaucht würben, unb stellt sie zum Trocknen an einen warmen Platz, ©obalb die Oberfläche trocken ist, löst man die Paste aus ben Formen, schneibet sie, wenn nötig, in geeignete Stücke unb kann auch biese noch einmal trocknen lassen. Mit
9lt örti WmngMÜtt
Vornan von Horst Vlcrnoth
13. Fortsetzung. (Nachbruck verboten.)
„Darf ich fragen, woran Sie augenblicklich arbeiten?"
„Das Buch soll .Lorbeer für frembe Fahnen heißen."
„Ein schöner Titel!"
„So? Gefällt er Ihnen? — Nun ja, ich fmbe ihn auch recht gelungen. Ein glücklicher Einfall einer guten Stunde. Buchtitel erfinden ist sonst richt meine starke Seite. In dieser Hinsicht hat mein Freund Dollerthun im allgemeinen eine fllücklichere Hand als ich."
„Und wovon handelt Ihr Werk?"
„Können Sie mit dem Namen von Friedrich Steuben etwas anfangen? Verbinden Sie bannt
einen Begriff?"
„Ich weiß nur, daß er im Unabhängigkeitskrieg eine bebeutenbe Rolle spielte, und baß sich bie deutschen Norbamerikas in einen Steuben-Bunb zusammengeschlossen haben."
„Trösten Sie sich, es gibt wahrscheinlich Leute, iie noch weniger antworten konnten", sagte er heiter unb bemerkte jetzt erst, baß sie noch immer ror dem Bücherregal standen; „aber bitte, setzen Sie sich doch! Das heißt natürlich, falls Sie nichts Wichtigeres zu tun haben, als mit mir über den fluten Steuben zu plaudern."
„Oh, es interessiert mich sehr, etwas über Ihre Arbeit zu hören ..." . ,,
Als Kathi gegen elf Uhr von ber Andechfer lirta heimkehrte und zu ihrem Zimmer hmauf- fchlich — die Schuhe in der Hand unb am Busen ein gewaltiges Schokolabenherz in flammenb rotem Stanniol mit der mahnenden Aufschrift: Bleib nur 3, 4 und 4 — hörte sie im Arbeitszimmer Stimmen. War Besuch gekommen? Sie hatte an der Garderobe doch keinen fremden Mantel oder Hut
' gesehen ...
Sie blieb sekundenlang auf bem Treppenabsatz stehen, um zu lauschen. Es waren boch zwei öttm-
men! Sie täuschte sich boch nicht! Hellwangs Stimme unb — die Stimme der Neuen!
Das war nun allerdings eine Ueberraschung, die es in sich hatte. Pfüeti Gott! — Das Herz blieb ihr stehen und schlug dann plötzlich laut bis zum Hals hinauf. Die Neue im Arbeitszimmer! Um elf Uhr in ber Nacht! Unb sie hörte, wie Hellwang auf unb ab ging unb sprach, in bemfelben Ton sprach, wie er früher zu ber seligen Frau gesprochen hatte.
Eine heiße Welle von Zorn unb Empörung flutete in Kathis Gesicht. Sie hatte ja von Anfang an gewußt, daß bie Neue es nicht aufs Brot allein abgesehen hatte, als sie in bas Haus kam. Aber baß sie es so eilig haben würbe, sich an ben Doktor heranzumachen — Sakrament noch einmal, so ein heimtückisches Suber, so ein heimtückisches! Dafür war also bie Pigmentcreme unb ber Lippenstift, ben sie in ber Kommobenschublabe verwahrte, ganz hinten in einer harmlosen Seifenschachtel, aber eben doch nicht gut genug versteckt für einen, ber seine Untersuchung grünblich vor- nimmt! Kathi kicherte grimmig in bie Dunkelheit hinein. Dafür also hatte sie sich bie hellen, kurzärmligen Blusen angeschafft, unb bas Blvnbier- wasser für bie Haare! Kathi ballte bie Fäuste. Das könnte ber so passen, sich ins fertige, warme Nest zu setzen ... Na warte! Vorläufig, ist ja noch je- manb ba, der bas zu verhinbern wissen wirb!
Kathi schlich bie Treppe geräuschlos wieber hinab. Auf ber untersten Stufe setzte sie sich nieber unb zog bie Haferlschuhe wieber an. Unb bann stapfte sie bie Treppenstufen hinauf, recht laut unb vernehmlich, unb bazu summte sie ben Tiroler Lan- besschützenmarsck. Die sollte es nur Horen, bie Neue, baß sie da war, jawohl, das sollte sie nur merken!
Hellwang riß die Tür auf: „Hallo, Kathi!" rief er ziemlich erstaunt, „sind Sie verrückt geworden, mitten in der Nacht solch einen Lärm zu machen?
„Verrückt? Nicht daß ich wüßte!" antwortete Kathi in zierlichem Schriftdeutsch; sie beugte sich vor und ließ das Schokoladenherz frei in der Luft baumeln, „lustig bin ich halt, mir macht das Leben Freude. Gute Nacht wünsch ich und gute Unterhaltung!" Sie hob grüßend die Hand und ver
schwand in ihrem Zimmer. Hellwang schloß kopfschüttelnd und etwas bestürzt die Tür.
„Es scheint in der Nähe eine Kirchweih stattgefunden zu haben", bemerkte er wie zur Entschuldigung von Kathis fideler Heimkehr; „nun, gönnen wir ihr das Vergnügen ..." Er seufzte ein wenig. Fräulein Zögling warf ihm unter gesenkten Lidern einen raschen Blick zu.
„Sie lassen Kathi recht viele Freiheiten", bemerkte sie; es kam aus ihren Worten nicht deutlich heraus, ob sie es beifällig ober tabelnb meinte.
„Nun ja, was soll man machen?" fraate er mit einer verzagten Hanbbewegung, bie auf eine komische Wirkung abgesehen war, „an Kathi werben wir nichts änbern, bie ist wie Granit. Ich bin nur von Herzen froh", fuhr er arglos fort, „bafj Sie mit ihr so gut auskommen. Dffengeftanben habe ich damals, als ich mit Ihnen zum erstenmal über Kathi sprach, sehr große Besorgnisse gehabt, „Sie würben sich mit ihr nicht verstehen können ..."
Fräulein Zögling schob bie Lippe empor, ein schmaler weißer Zahnstreifen würbe frei, in bem ungewissen Licht sah es aus, als lächle sie: „Nun, es geht ... obwohl ich gestehen muß, baß ich mir bie Schwierigkeiten nach Ihren Worten nicht ganz so groß vorgestellt hatte. Manchmal erfordert es schon eine recht große Gebulb, um Kathis Eigenheiten zu ertragen."
„Das kann ich mir vorstellen ..."
„Aber sie ist ja recht tüchtig — wenn audj ein wenig unmethobisch —" Fräulein Zögling befeuchtete sich bie schmalen Sippen, ihre Stimme bekam einen tastenden Klang, „unb ich möchte es unter allen Umftänben vermeiden, baß ich mich jemals nach einem Ersatz für Kathi umseh/n müßte."
Hellwang gab einen Laut von sich, als hätte er sich verbrannt, er wiegte ben Kopf unbehaglich zwischen ben Schultern: „Ach wissen Sie", murmelte er, „bas wäre mir boch äußerst unangenehm — Kathi ist nun schon so lange im Hause — Britta war gerabe auf bie Welt gekommen ... „Unb mit einem Versuch, bas unbequeme Thema ins Scherzhafte umzubiegen und zu verlassen, fügte er hinzu: „Unb außerbem, mir fehlte, ehrlich gesagt, ber Mut bazu. Ich berounbere tatsächlich Ihre Kühnheit, baß Sie auch nur mit bem Gebauten zu spielen wagen, Sie könnten diesem gewaltigen
Weingeist unb klargekochtem Zucker geben bie Vogelbeeren auch einen guten Likör, ber jeboch ziemlich lange lagern muß, Dafür aber bann umso kräftiger schmeckt.
Der reiche Gehalt ber Ebereschenbeeren an Vitamin C — ber ben der Tomaten weit übertrifft — ist freilich nur in ber Frischfrucht unb ihrem Saft enthalten, ber benn auch, entsprechen!) behandelt, auf kaltem Wege gekeltert, außerordentlich bekömmlich wirkt, namentlich bei körperlicher unb geistiger Ermübung infolge ungenügender Zufuhr von Vitamin C. Sogar auf die Blätter erstreckt sich ber Nutzen ber Eberesche. Als Jungblätter geben sie eine gute Beigabe zum selbstgepflückten unb getrockneten „Haustee", ausgewachsen leisten sie als Vieh- und Wilbfutter gute Dienste.
Der deutsche Volksglaube hat ber Eberesche schon in alter Zeit geheimnisvolle Kräfte zugeschrieben. Man weihte sie bem Gott Donar unb fertigte aus ihrem Holz gewisse Teile von Schiffen an, weil es vor Schiffbruch schützen sollte. Aber im Nutzwert ber Eberesche liegt alles eher als Zauberkraft. Es sind dieselben pflanzlichen Kräfte, wie sie die Natur fast auf Schritt und Tritt spendet, nur muß man ver- stehen, sie auszunützen. Und nützt man aus, was die Eberesche bietet, so ist es immerhin nicht wenig.
Dornotizen.
Tageskalender für Dienstag.
Stadttheater: 19.30 Uhr bis 22 Uhr „Wie du mich wünschst". — Gloria-Palast, Settersweg: „Mutter". — Lichtspielhaus, Bahnhvfstrahe: ,Zch verweigere die Aussage".
Theater der Universitätsstadt Gießen.
Das heute im Theater ber Universitätsstadt zur Erstausführung gelangende Lustspi.l „Wie bu mich wünschst" von Philipp von Zeska ist eine Komödie um eine Ehe. Der Autor ist Staatsschauspieler am Wiener Burgtheater, unb das bürste bem Stück ein befonberes Interesse verleihen. Die Mitwirken» ben ber Erstaufführung sind die Damen Freihen, Kneip, Rau, sowie bie Herren Funke, Köchling, Lubwig, Seitz. Die Spielleitung hat Gerb Fritz Ludwig, bie Bühnenbilber schuf Karl Löffler.
Verdunkelungszeit
9. September von 19.52 bis 6.43 Uhr.
Für unsere Verwundeten.
Vor den Verwundeten in den Gießener Lazaretten hielt Oberstudienbirektor Philipps aus Friedberg im Auftrag bes Lanbesfremdenoerkehrs- oerbanbes Rhein-Main einen Vortrag mit farbigen Lichtbildern über den Vogelsberg unb Oberhessen. Der größte Teil ber Derwunbeten bekam babei in anschaulicher Form einen Einblick in Lanb, Leute und bie Tätigkeit in unserer engeren Heimat. — In einem Lazarett spielten die „Meistersolisten im grauen Rock" in der bekannten, frischen Form ben Verwundeten bie schönsten Musikstücke vor. Die Soubrette Eva Pegoretti-Schäfer verschönte bie Vortragsfolge mit einigen schönen Liebern. Herr Döhnna-Georgi sagte in Versform die einzelnen Stücke an und erzielte durch seine Blitz» dichtungen große Freude. Das Lazarett sprach seinen Dank aus für die schönen Darbietungen. — Am Sonntag war ein erstklassiges Programm durch KbF. Unter dem Titel „Lachen unb Staunen" zeigten die Mitwirkenden Hans van Beek als Humorist, Daisy von B r i 111 als brillante Tänzerin, Fritzar als humoristischer Zauberkünstler, Polbi Hennes als Operettensängerin und Herr Eitra als Virtuose auf Violine unb Konzertina nebst Jongleurkünsten bas Beste ihrer Kunst. Hans Esser als Pianist begleitete in feiner^ Form bie Darbietungen mit viel Fleiß. Das schöne, unterhaltende Programm bereitete den Verwundeten ben mit lebhaftem Beifall ausgenommen. — Die Ortsfrauenschaften von Bettenhausen, Birklar unb Muschenheim spendeten eine große Anzahl guter Kuchen für die Lazarette.
Dle Pflege der Milchzähne ist genau so wichtig wie die der bleibenden.
Ch lorodont
weist den Weg zur richtigen Zahnpflege
Weibsbild vor bem Herrn jemals die Freunbfchaft auffünbigen ..."
„Nun", meinte Fräulein Zögling mit einem kühlen Lächeln, „es scheint eben Dinge zu geben, in benen wir Frauen mutiger finb als die tapferen Herren ber Schöpfung. Aber natürlich hoffe ich genau so wie Sie, baß mit Kathi alles in bester Drbnung weitergehen wirb."
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Hellwangs Arbeit gedieh, und bas Manuskript wuchs zu ansehnlicher Stärke auf, aber mit ber Fortsetzung bes Werkes erscholl auch immer häufiger ber Ruf nach Fräulein Zögling burch bas Haus. Das Fräulein legte beiseite, was sie gerabe zur Hanb hatte, banb bie Schürze mit fliegender Hast ab, fuhr sich mit den Händen übers Haar, zog bie Nackenrolle mit funbigen Fingern fest unb stürzte bie Treppe empor. Es war nicht Luisas Platz, auf ben sie sich setzen burfte.
„Ach nein, bitte, nehmen Sie boch ben roten Sessel mit ben Armstützen", hatte er einmal gebeten, als sie sich auf bem großen, braunen Sessel nieberlassen wollte, der Luisas Schatten vorbehalten blieb. Später lagen immer ein paar Bücher bort. Unb Fräulein Zögling ahnte nicht, weshalb sie bort hingelegt waren unb weshalb sie ben Platz auf Hellwangs Wunsch gewechselt hatte.
Wenn sein Ruf nach Fräulein Zögling burch bas Haus scholl, ließ auch Kathi ben Teller, ben sie gerabe abtrocknete, aber bas Staubtuch, mit bem sie gerabe über bie Politur eines Tisches fuhr, sinken. Befand sie sich mit Fräulein Zögling im gleichen Zimmer, so tat sie, als bemerke sie beren eiligen unb stets mit einem triumphierenden Blick begleitenden Abgang nicht, einem Blick, ber ihr beutlid) zu verstehen gab: Ja, meine liebe Kathi, wir finb zwar noch nicht elf Jahre in diesem Hause, aber wir haben uns in ben Monaten, bie wir nun hier finb, immerhin wichtig unb unentbehrlich gemacht, was man von anberen Leuten vielleicht nicht ganz so sicher sagen kann! War Kathi allein, bann machte sie ihrem Herzen Lust, lauschte bem Geklapper von Fräulein Zöglings Absätzen unb begleitete jebe Treppenstufe, bie jene nahm, mit einem kernigen Wort aus ber Sphäre ihres Vaters, der beim Baugewerbe tätig war.
(Fortsetzung folgt.)


