Aus der Gtadi Gießen.
Oie Ohrfeige.
Alles in der Welt, sagte mein Freund, hat amei Seiten, nur die Ohrfeige ist einseitig. Diese Definition stimmt ja nicht ganz, und es soll sehr oft vor- kommen, daß die Ohrfeigen von zwei Seiten erscheinen. Man sprach einmal von Doppelverdienern in diesem Sinne. Das waren solche Volksgenossen, die eine Ohrfeige von links und eine von rechts verdienten.
Von den Erziehungsmitteln, die wir heute noch anwenden, ist jedenfalls die Ohrfeige die volks- tümlichste. Sie hat manches Gute' in der Welt voll- bracht. Das sehen wir ja alle ein, und wir dürfen die Sache nicht von der gesundheitlichen Seite betrachten, indem wir darauf Hinweisen, daß bei einer Ohrfeige unter Umständen das Trommelfell platzen kann, oder die Nase zum Bluten kommt. Das sind Begleiterscheinungen, die auch nur ganz selten vorkommen. Welcher Handwerksmeister hätte übrigens
Verdunkelungszeit
9. August von 21.01 bis 5.49 Uhr.
10. August D3n 20.59 bis 5.51 Uhr.
nicht seinem wilden Lehrbuben gelegentlich mit einer Ohrfeige eine deutliche und aufrichtige Wahr- heit vermittelt? Eine Ohrfeige zur rechten Zeit tüt oft Wunder. Auch die Lehrer wissen ein Lied da- von zu singen.
Als ich noch die Quarte besuchte, saß ich dicht neben dem Ofen. Unser alter Lehrer, bei dem wir Schreibunterricht hatten, sagte nun eines Tages, als der Ofen es gar zu gut meinte: „Schließ die Ofenklappe!" Wenn man elf Jahre alt ist und sich manchmal über einen alten Mann lustig macht, dann ist dies ein Vorrecht der Jugend. So war es damals, und so ist es heute noch. Ich schloß also die Klappe nicht, sondern öffnete sie noch mehr, daß die Hitze einfach unerträglich wurde. Meine Wange nach der Ofenseite zu glühte nur so. Das dauerte nun etwa zehn Minuten, bis der Lehrer merkte, was los war. Er kam ruhig in die Ofen- ecke, schloß selber die Klappe, drehte sich dann herum und gab mir auf die linke Wange eine ganz gehörige Ohrfeige, so daß nun beide Wangen gleich, zeitig heiß waren. Ich habe noch manchmal im Leben an diese Ohrfeige, die ich zu Recht erhielt, Sedacht. Bei der nächsten Gelegenheit habe ich die fenklappe geschlossen.
Von einer anderen Ohrfeige will ich noch er- zählen. Auch sie tat ihre Wirkung. Auf der Straße machten sich einige Buben, die aber schon aus der Schule waren, das Vergnügen, einen kleinen Hund zu necken, zu treten und zu quälen. Ich kam gerade hinzu, als ein kleiner Herr auf den frechsten der Wüstlinge zuging und ihm eine schallende Ohrfeige verabreichte. Der Bengel, der viel größer als der Herr war, wollte sich dies nicht gefallen lassen, stellte sich herausfordernd hin. und sagte: „Von Ihnen lasse ich mir keine Ohrfeige geben!" Da sagte der kleine Herr ganz ruhig: „Was willst du denn noch? Du hast sie ja schon!" Darauf brachen die andern Buben in ein lautes Gelächter aus. Und wer ausgelacht wird, hat meistens unrecht. Dor sich hinbrummend verkrümelte sich die Lausbub, die andern folgten ihm nach, während der alte Herr das Hündchen zu sich lockte und mitnahm. Auch diese Ohrfeige hat hoffentlich ihre Schuldigkeit getan.
Jeder Leser weiß aus seinem Leben von solchen wirkungsvollen Ohrfeigen zu erzählen. Wenn sie aber gefragt werden: Was ist denn nun eine Ohr. feige? dann werden sie meistens erstaunt aufschauen und vielleicht eine entsprechende Handbewegung machen, indem sie sagen: Das ist doch klar! So wirds gemacht!
Ich habe zum Anfang dieser feilen eine Defi- nition meines Freundes mitgeteilt. Ich will zum Schluß eine andere bringen, die gewiß den Nagel
'esseri.
Die Dominiks.
Roman von Hellmuth M. Böttcher.
52. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Nissen sitzt regungslos. Seine Gedanken arbei- ten. Wenn Lietzendorf mit zwölf ober fünfzehü Mann arbeitet, dann muß er schon sehr weit voran sein.
Der junge Dominik steht auf. Er ist sehr bleich. Und seine Hände müssen sich in der Stuhllehne verkrampfen, damit er nicht taumelt. In seinen Schläfen klopft das Blut wie mit Hämmern ...
„Ich danke Ihnen für Ihren Hinweis, Herr Doktor. Er war mir wichtig."
Er vergißt, dem Anwalt die Hand zu reichen.
Der versucht, ihn festzuhalten und zu beruhigen. „Erfinderschicksal, Herr Dominik! Sehr schmerzlich muß das sein — wenn andere Leute die gleichen Ideen haben wie man selbst! Aber dos ist ja andern großen Erfindern genau so gegangen. Manch, mal liegen eben gewisse technische Aufgaben in der Luft. Da ist es kein Wunder, wenn mehrere Hirne zu gleicher Zeit danach greifen." Klarer kichert vor sich hin.
Nissen hört schon nicht mehr hin.
Er läuft hinaus — durch die Straßen, über die Plätze, am Fluß entlang. Er muß versuchen, Ordnung in seine Gedanken zu bringen.
Unfaßbar ist das!
Konrad Lietzendorf ist mit der Erfindung schon so weit, daß er daran in einer Werkstatt zwölf oder fünfzehn Mann beschäftigt.
Das heißt also — jeden Tag kann er an die Öffentlichkeit damit treten uno sagen: Ich bin fertig!
Und die Dominiks, von denen der Gedanke stammt, verlieren ihre Zeit, verlieren Monat um Monat! Während man selber mit unfruchtbaren Streitereien seine Zeit vergeudet, geht dieser Lietzendorf einfach hin und erntet, wo ein anderer gesät hat.
§um Verzweifeln ist das!
nd weiter: Konrad Lietzendorf fängt bei Mat- Heus Lind an! Gerade bei Mattheus Lind!
„Friedemann Bach."
Lin Terra-Film mit Gustaf Gründgens im Gloria-Palast.
Der eine oder andere aus der älteren Generation mag sich noch des Romans „Friedemann Bach" von A. E. Brachvogel erinnern, des in manchen Teilen nicht schlecht, aber seiner langatmigen Re- flexionen wegen für uns heute nur noch schwer genießbar ist: mit ihm hat, außer dem Stoff, das nach einer Filmnovelle Ludwig Metzgers von Helmut Brandts und Eckart von N a s o, dem Verfasser des großartigen Seydlitz-Romanes, geschriebene Drehbuch nichts gemein. Immerhin stan- oen die Autoren und der Spielleiter Traugott Müller vor einer nicht minder delikaten Aufgabe als der verschollene Erzähler; der Stoff nämlich, so faszinierend er auf den ersten Blick erscheint, ist um der Musik willen, die das entscheidende Zentrum alles Geschehens ausmacht, für den Romanautor ein ebenso heikles künstlerisches Problem wie für die Kamera. Die Filmleute (der Roman geht uns hier nichts an) erkannten die Gefahr: im Kultur- yistorisch-Anekdotischen stecken zu bleiben und, gewissermaßen, ein photographiertes Konzert zu geben; die Aufgabe war also: vom Kultursilm zum Spielfilm zu gelangen und, grob gesprochen, vom Musikfilm zum Menschenfilm vorzustoßen. Diese Aufgabe wurde, soweit sie überhaupt mit filmischen Mitteln zu bewältigen war, gelöst. Es wird zwar sehr viel musiziert tn diesem Film, und nicht bloß als „Begleitung", aber es wird ausgezeichnet musiziert: nur Originale von Johann Sebastian, Friedemann und Emanuel Bach; die musikalische Gestaltung leitete Mark Lothar, und es wirkten mit das Orchester der Berliner Staatsoper, das • Collegium musicum von Professor Diener, Eonrad Hansen am Cembalo, Professor Günther Ramin an der Orgel und der Leipziger Thomanerchor. Das gibt die Gewähr für Qualität, und das Musikalische wird auf diese souveräne Weise ein schicksalhaftes Element, das Leben und Ende, Glück und Untergang Friedemann Bachs bestimmt,
Er war vielleicht das genialste unter Johann Sebastians Kindern, aber er war auch das einzige, das sich zeitlebens unselig gegen das Genie des Vaters zur Wehr gesetzt hat. Zu dessen Lebzeiten und erst recht nach dessen Tode stand er oder glaubte er im riesigen Schatten de« Thomaskantors zu stehen: das ist das Entscheidende, von hier bestimmt und erklärt sich alles, was er tut und nicht tut, was ihm gelingt und was ihm mißrät, sein meteorhafter Aufstieg und sein Ende, das ihn im Dunkel von Verkommenheit und Verschollensein erreicht; das verdirbt ihm eine große, verlockende Karriere am Dresdener Hofs wie die sehr viel bescheideneren Organistenstellen in Leipzig und Braunschweig; das verscherzt ihm eine tiefe und echte Liebe, entfremdet ihn der Familie, läßt ihn selbst plumpe Fälschungen begehen und sich schließ
lich abenteuerlich wandernden Komödianten in die Arme werfen.
Wir wissen nicht, ob es historisch ist, daß Friede- mann sein Ende fand, als er, wie der Film in einer sehr wirksamen und einleuchtenden Szene es schildert, trotz allem ganz zuletzt den großen und unantastbaren Namen des Vaters glühend verteidigt und gegen einen frechen Schwätzer in Schutz nimmt: gewiß ist aber, daß er sich vieles auch selbst verdorben hat und durchaus nicht ohne eigene Schuld zugrunde gegangen ist: das kommt groß- artig zum Vorschein in der Darstellung des Berliner Generalintendanten Gustaf Gründgens, der sich mit einer leidenschaftlich gespannten Intensität für die Gestalt einsetzt und sie ganz persönlich formt aus dem merkwürdigen Nebeneinander von Trotz und Melancholie, von Liebenswürdigkeit und Verschlossenheit, von sprühender, faszinierender Ge- nialität und dumpfer Haltlosigkeit. Neben Gründ- gens ist wohl dem Spielleiter Traugott Müller die ausschlaggebende Wirkung dieses filmischen Eindrucks zu verdanken: daß der Hörer und Beschauer zum Mitempfinden mit einer Gestalt gebracht wird, deren Fehler i'nd Schwächen keineswegs verschleiert werden. Der Film ist überdies regiemäßig in einem großen Rahmen gemacht, mit musikalischem und kulturgeschichtlichem Verständnis wie mit psychologischer Einfühlung; außerdem ist er vorzüglich besetzt: neben Gründgens Eugen Klöpfer, der seine ganze körperliche, organische und menschenbildende Ausdruckskraft auf Johann Sebastian versammelt, auch in der Maske dem überlieferten Bilde erstaunlich angeglichen. Diel schwerer hatte es, von der Rolle aus, der Staatsschauspieler Wolfgang Liebeneiner als Philipp Emanuel; er spielte mit dem Takt und der Konzentration zugleich, die man von früheren, nicht unähnlichen Aufgaben an ihm kennt. Sehr kultiviert und ohne einem naheliegenden Klischee anheimfallen, gibt Riemann den sächsischen Staatsminister Grafen Brühl, aart und mit hingehender Eindringlichkeit Leny Maren- b ad) die junge Antonia. Lina Lossen (Magdalena Bach) und Hermine Körner (Gräfin Kol- lomrat) vermögen. Noblesse und Reichtum ihres schauspielerischen Könnens in knapp bemessenen Rollen nur eben anzudeuten. Vom großen Aufgebot seien noch Gustav Knuth, Camilla Horn, Franz Schafheitlin, Paul B i l dt und Otto Wernicke erwähnt: vom Regiestäbe sei der Kameramann Walter P i n d t e r mit Auszeichnung genannt. —
*
Im Beivrogramm läuft die Wochenschau, die schon ausführlich gewürdigt wurde. — Aus der Bühne fand das Trio del Arte mit seinen Tanz- barbietungen freundlichen Beifall. Hans Thyriot.
auf den Kovs trifft. In einer Angelegenheit, bei der auch eine Ohrfeige eine wichtige Rolle svielte, hat das Frankfurter Arbeitsgericht folgende Feststellung gemacht: „Die Ohrfeige ist feit Jahrhunderten eine volkstümliche Vergeltungsmaßnahme, die gegeben zur xechten Zeit, am rechten Fleck, mit rechtem Maß,' zum rechten Zweck, in ihrer erzieherischen Wirkuna unerreicht ist und weder durch mild- meife Ermahnunaen noch durch drakonisch-strenge Ehrenstrafen im Einzelfall ersetzbar ist."
Nun wissen wir, was eine Ohrfeige ist. H.
Sornofixen.
Tageskalender für Samstag.
Bezirks-Turn- und Sporttag. — Stadttheater: 19.30 Uhr „Der Etapvenhase" (Gastspiel Ludwig Linkmann). — Gloria-Palast, Seltersweg: „Friedemann Bach". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Etappenhase".
Tageskalender für Sonntag.
Bezirks-Turn- und Sporttag, Hauptveranststal- tung 14 Uhr auf dem Universitäts-Sportplatz. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Friedemann Bach". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Etappenhase". OerlandwirtschaftlicheMarktbeobachter
NSG. Getreidewirtschaft: Auf dem Getreidemarkt stehen die Transportmöglichkeiten jeweils unter einem gewissen Einfluß der Witterung. Bisher fanden Brotgetreidelieferungen neuer Ernte
an die Mühlen nur in verhältnismäßig geringen Umfang statt. Die Versorgungslage in Mehl ist jedoch ausgeglichen.
Kartoffelwirtschaft: Nachdem zur Zeit die Getreideernte im Gange ist, treten demgegenüber die Arbeiten in den Kartoffelbeständen etwas zurück. Jedoch konnte die Lenkung der verfügbaren Kartoffelmengen so durchgeführt werden, daß Härten in der Versorgung vermieden wurden.
Gartenbauwirtschaft: Auf dem Gemüsemarkt war vor allem der Kopfkohl in starken Mengen vertreten. Ihm gegenüber traten andere Gemüsearten wie Blumenkohl und Bohnen mengenmäßig noch zurück. Ein Gesamtüberblick ergibt jedoch eine ausreichende Gemüseversorgung. Wenn auch noch nicht Abwechslung in dem Ausmaß möglich ist, wie dies von den Verbrauchern gewünscht wird, so ist doch grundsätzlich zu Klagen gegenüber der Gemüseoersorgung kein Grund mehr gegeben. Die anfallenden Gurken werden so gesteuert, daß sowohl die Frischmärkte wie auch die Verarbeitungsbetriebe entsprechend bedacht werden. — Der Obstmarkt steht noch unter schwierigeren Verhältnissen als der Gemüsemarkt.
D i e h w i r t s ch a f t: Die Bedarfsdeckung erfolgt laufend durch ausreichende Anlieferungsmengen. Umleitung von Kälbern, Herausnahmen von Schweinen und Kälbern für die Vorratshaltung waren möglich. Die Fleischqualitäten waren befriedigend bis gut. Der Ausblick auf die kommende
Es gehört nicht viel Kombinationsvermögen dazu, sich diese beiden Tatsachen zusammenzu- neimen.
Das bedeutet also: In wenigen Monaten, vielleicht in Wochen ober Tagen wird her Todfeind seines Vaters die Früchte seiner zwanzigjährigen Bemühungen um die Entwicklung des Schiffstyps ernten, eines Schiffstyps, der vielleicht lange Zeit und über Menschenleben hinaus der wichtigste der Marine sein wird.
Das bedeutet weiter: Die U-Boot-Panzer, an die Friedrich Dominik seine beste Lebenskraft gewandt, wird die Norddeutsche Werft bauen!
Und wer ist schuld daran?
Er selber! Er, Nissen!
Warum hat er Lietzendorf vertraut, trotzdem sein Vater immer wieder warnte? Nun hat der Vater doch recht behalten!
Wenn er wenigstens nicht seine Erfindungspläne ausgeschwatzt hätte.
Aber nein — nicht genug mit der Vertrauensseligkeit, er hat die Anständigkeit sogar soweit getrieben und Lietzendorf sein ausschließliches Recht an dieser Erfindung zuerkannt — an dieser Erfindung, die nach moralischem Recht keinem mehr zu- stand als den Dominiks.
Ein Narr handelt so!
Schon seit Monaten stehen die Apparaturen auf dem Montagestand und warten auf die letzte Hand.
Und währenddessen kommt ein anderer und erntet!
Und erntet?
Gemach, Herr Lietzendorf, gemach, Herr Mattheus Lind. Noch sind wir nicht soweit.
Noch seid ihr ja wohl nicht fertig?
Was sagte Dr. Klarer? Man muß es genau überlegen. ,Hch habe neulich bloß gehört, daß Lietzendorf im Frühjahr bei der Norddeutschen Werft anfangen will."
Im Frühjahr also!
Das ist also noch nicht morgen und noch nicht übermorgen. Das ist noch eine ganze Reihe von Monaten.
Und weiter! ... „Bis dahin hofft er, mit seiner Privatarbeit fertig zu sein."
Hofft er! Hofft er!
Nissen Dominik hat wieder zu sich gefunden.
Wenn er jetzt ungestört an feiner eigenen Sache arbeiten kann, dann müßte es mit dem Teufel zu- gehen, wenn er sie bis dahin nicht ebenfalls zu einem guten Ende brächte.
Nur darf er sich dann nicht weiter zersplittern. Darauf allein kommt es an.
*
Durch die Verzögerung der südamerikanischen Ab- rufe gerät die Dominik-Werst allmählich in eine immer schwierigere Lage.
Friedrich Dominik hat von vornherein genau disponieren müssen, um die Lieferpflichten pünktlich erfüllen zu können. Kaufverträge mit den Lieferanten sind genau fixiert, die Liefertage mit weiter Sicht im voraus bestimmt. Tagtäglich schon rollen Eisenbahnwagen heran mit Schnittholz und Furnieren, mit Kohlen, Messing, Kupfer, mit Maschinenteilen, mit Einrichtungsgegenständen, mit Blechen, Stoffen und Tuchen, mit Gummi, Asbest, Kork, Lack, Farbe, mit der ganzen unübersehbaren Fülle der tausend und aber tausend Artikel, aus denen ein Schiff sich zusammensetzt.
Alle diese Materialien müssen abgenommen, geordnet, gestapelt, gebucht, gegen Feuer und Diebstahl geschützt und gesichert werden. Allein die Verwaltungsarbeit beschäftigt einen Haufen Büropersonal. Das klappt also alles. Aber schlimm ist, daß auch gleichzeitig die Zahlungstermine immer näherrücken. Längst ist das Bankguthaben der Dominik-Werft erschöpft. Und neue Rechnungen verschlingen immer neue Beträge.
Im Werfthasen liegt inzwischen schon eine kleine Flottille von Flußdampfern, und in den nächsten Tagen kommt wieder einer dazu.
Don Bautista aber ruft nicht ab. Er kümmert sich um keinen Brief, keine Drohung. Er weiß, der Weg na > Buenos Aires ist weit.
Friedrich Dominik versucht, in seiner Not die eigenen Lieferanten zum Abstoppen ihrer Sendungen zu bringen. Aber, die haben keine Lust. Oder keine Möglichkeit.
Und der Weg zum Landgericht in Hamburg ist nicht so weit, wie nach Buenos Aires.
Jedes Bemühen Friedrich Dominiks um eine Pause zum Atemholen bringt ihn also in neue Bedrängnis. Denn die Folge ist eine Beunruhigung der Lieferanten, und damit verstärkte Geldanmah-
unnützer Zeitaufwand den Zustellern durch mangel'
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Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!
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Mangelhafte Anschriften auf Postsendungen an Untermieter. Die Klagen der Postzustellung über mangeHa Anschriften der Postsendungen nehmen ftänbig zu Insbesondere gilt dies für Sendungen <n Unter Mieter, bei denen außer der Hausnummer weder Gebäudeteil (Vorderhaus, Gartenhaus
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usw.) noch Stockwerk, noch Vermieter oder Wohi nungsgeber angegeben ist. Jeder Postbenutzer sollte«^ M sich heute klarmachen, wieviel unnütze Arbeit uiti R"
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hafte Anschriften auf den Postsendungen erwachs! L «nn und welches Maß von Anstrengungen, insbefonben PJ , für die jetzt zahlreich eingestellten weiblichen Hilfs« h»'" - träftc, ein oft vergebliches Treppensteigen uni Ej Nachfragen in den weitläufigen Miethäusern bei Belastung mit schweren Zustelltaschen erfordert Fne . Uebrigens werden dadurch auch die einwandfrei be- anschristeten Sendungen des Zustellgangs vec- ®an zögert. Wenn die durch Nachlässigkeit vieler Post-
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bleibender Höhe hält.
In einer stillen Stunde.
NSG. In den Wochen der Ernte hat die Bauen, familte alle Hände voll zu tun, um die Frucht dl, Ackers in die Scheunen zu bergen. Auch die, Stadt, find in diesen Wochen stärker in Anspruch genom, men als sonst. Denn mancher Volksgenosse hat jetz einen oder mehrere Arbeitskameraden zu vertrs, ten. Unsere Frauen, die vielfach neben der Haus arbeit auch noch berufstätig sind, nützen jch Stunde, um der Arbeit gerecht zu werden, die ai sie herantritt. Mitten in dieser Zeit verlangt dir Reichs-Spinn st offsammluna das Auger. merk unserer Frauen. Gewiß, wir roiffen, daß jeder reichlich zu tun hat, und dennoch kann jede Hau-, frau, denn sie ist ja die Verwalterin des Haus rotes, einmal eine Stunde herausbringen, in dq sie in ihren Kästen und Schubladen Umschau hat und aussortiert, was noch benötigt, und was ui? nütz aufbewahrt wird. Wir können uns Dorftelle^ daß sich manche Hausfrau ungern von altem Lieh gewordenen trennt, in einer stillen Stunde ab« kann sie das für sie Unwesentliche aussortieren un) dem Lumpensack übergeben, den sie in Kürze btr Sammelstelle der Reichs-Spinnstoffsammlung ablj«, fert.
Hausfrauen, nehmt euch einmal diese Stunde und beschäftigt euch mit dieser kleinen Arbeit, bii zum Nutzen für das ganze deutsche Volk ist. Wem die Reichskleiderkarte kommt, bann moQ
benutzer hervorgerufenen Mißstände weiterhin zn- nehmen, könnte sich die Post gezwungen sehen, oll'r Sendungen mit unzureichenden Anschriften an di.t Absender zur Vervollständigung der Anschriften zurückzugeben. Es muß ferner gefordert roerben,' daß Mieter und Untermieter ihre Wohnung buch Türschilder kennzeichnen, wodurch die Arbeüi der Briefzusteller wesentlich erleichtert und die Ziu> stellungen beschleunigt werden.
Brombeerblätter zum Tee.
NSG. „Wenn die Brombeeren gut sind, dann isl auch die Kartoffelernte gut", lautet eine all« Bauernregel. Heute aber heißt es weiter: Wem viele Brombeerblätter gesammelt worden sind, bann gibt es reichlich einen guten deutschen Tee. Brom oeerblätter sind nämlich der wichtigste Ausgangs" ftoff für Genußteemischungen, die bei der Wehrmacht, im Arbeitsdienst und vor allem auch im Haushalt an die Stelle des schwarzen Tees getreten sind. Vom Juni bis zum September werben
nungen, Zahlungsbefehle, Verschlechterung der Briefe aller Auskunfteien und damit neue Mahnungen, Klagen, Prozesse.
Man kann also nicht selber die Fabrikation ab» stoppen wie die Südamerikaner ihre Abrufe.
Allein die Lagerfrage zwingt zum WeiterbmL Wohin soll man mit all den Materialien, die barairf warten, ihrer Aufgabe zugeführt zu werden? Site Lagerräume sind für solchen Mengen zu eng. 2m Freien aber verkommen Metalle, Textilien, Hölze» und andere edlere Baustoffe bald durch Rost, Fäu5> nis, Korrosion und Verfärbung. Dor allem oben kann man . nicht Arbeiter und Angestellte von henk auf morgen auf die Straße setzen.
Vorerst behilft Dominik sich dadurch, daß er bin für Frinzka bereitgestellten Summen aus feinem Privatvermögen herannimmt. Aber auch der neu« Zahlungstag für Frinzka rückt näher. Dominik ver« sucht, ihn zu vertrösten. Aber Frinzka kann ntd)l warten. Denn er hat sich seinerzeit verpflichtete Wenigstens behauptet er es. In Wahrheit hat ev Angst bekommen um fein Geld.
Dominik kann ihm das nicht einmal verdenkern Es sieht zum Verzweifeln aus. Es ist zum Sen zweifeln.
Dabei, wenn man es recht besieht — was ifl eigentlich los?
Bares- Geld fehlt. Nichts weiter.
Aber dafür sind doch die Waren da? Die Ma* * terialien, die fertigen und halbfertigen Schiffe, bi« Werftanlagen, die Gebäude, Werkstätten, Hellinge — Friedrich Dominik rechnet mit Arndt und mir! Nissen alles zum hundertsten Male durch.
Die Werft ist bis in die letzten Grundfesten gk" funb.
Bloß das Blut fehlt, das bißchen Geld — em paar hundertausend Mark!
Nissen ist dem Beispiel Lietzendorfs Gefolgt und hat sich ein paar tüchtige Helfer herangeholt. Met- ter, die schon lange auf der Werft beschäftigt fm® und auf deren Verschwiegenheit er sich ebenso verlassen tann.
Jetzt hilft alle Geheimnistuerei ja sowieso nichts mehr.
Geschafft muß werden! Das ist die Lösung. Alle« andere erst in zweiter Linie.
(Fortsetzung folgt»)
Woche laßt gleiche Derhältnisie erwarten wie bin her.
Milch- und F e t t w i r t s ch a f t: Es kam da;, auf an, die Versorgung mit Milch, milchwirtschaftlichq Erzeugnissen, Fett und Oel planmäßig durchs, führen. Es gelang, die Befriedigung des vorhon, benenn Bedarfes sicherzustellen.
Eierwirtschaft: Auf dem Eiermarkt öe?. liefen die Dinge planmäßig. Erfreulicherweise ist festzustellen, daß sich die Eiererfassung auf gleich
auch ihr wieder etwas Neues kaufen, — zuvor aber müßt ihr helfen, euer Altmaterial der ®tebm gemtnnung von Rohstoffen zuzuführen, um wieder ^i, bie etwas Neues zu bekommen. Denkt daran, daß auri diese Arbeit ein Beitrag zum deutschen Siege ist!
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