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Gewinnung erwähnenswert. So stammt aus er Türkei jene hochwertige Angoraziegenwolle, die sich unter dem NamenMohär" großer Beliebt­heit erfreut. Ueberhaupt ist in allen Ländern des östlichen Mittelmeeres die Schaf- und Ziegenhal­tung recht bedeutend. Die Türkei spielt natürlich auch als Lieferant von Därmen (für die Wurstbe­reitung) eine Rolle.

Die bergbaulichen Möglichkeiten der Küstengebiete im östlichen Mittelmeer lassen sich, da die geologische Erforschung dieser Gebiete noch nicht sehr weit gekommen ist, nicht annähernd über­sehen. Fest steht also nach den bisherigen Far- schunasergebnissen, daß die drei nördlichen Länder, Jugoslawien, Griechenland und die Türkei, zu den bergbaulich aussichtsreichsten Ländern ganz Euro­pas und der angrenzenden asiatischen Gebiete ge­hören. Jugoslawien hat vor dem Kriege beträcht­liche Mengen von Kupfer, Blei- und Zinkkonzen­trat, Aluminiumerz, Antimon und einigen anderen Mineralien ausgeführt. Griechenland verfügt über recht erhebliche Chromlagerstätten. Weiter finden sich Magnesit (zur Herstellung von Leichtmetall­legierungen), sowie vorläufig noch in geringen Men- gen andere Metalle, Schwefel und auf den west­lichen Inseln auch Erdöl. Die Türkei ist nächst Südrhodesien und Sowjetrußland das bedeutendste Chromland der Erde. Es verfügt auch über recht ergiebige Kupfer-, Zink-, Blei-, Mangan- und an­dere Metallvorkommen. Es besitzt endlich auch er­giebige Kohlenlager und Eisenerzgebiete und Ist daher in besonderem Maße für den Aufbau einer eigenen Eisen- und Stahlindustrie befähigt.

Schlechter mit Bodenschätzen ausgestattet sind die östlichen und südöstlichen Küstengebiete des Mittel­meeres. Wahrscheinlich setzen sich die Erdöllage r- statten Irans und des Irak nach Westen fort, so daß Syrien und vielleicht auch Palästina in Zu­kunft mit einer eigenen Erdölerzeugung rechnen können. Aegypten hat bereits jetzt an der Küste des Roten Meeres, südlich von Suez, Oelfelder in Be­trieb. Don beachtlicher wirtschaftlicher Bedeutung sind die unermeßlichen Salzvorräte, die das Tote Meer In Palästina birgt, sowie die Phos­phatlager in Nordägypten. Auch sonst sind in verschiedenen Teilen der genannten drei Länder aus­sichtsvolle Funde gemacht worden, die jedoch noch nicht auf ihren wirtschaftlichen Wert erforscht wor­den sind. Steht erst einmal hinter jenen Ländern das aufnahmebereite Kontinentaleuropa, so wird hier­über bald Klarheit geschaffen werden.

Wenn Italien als volkreichstes Mittelmeerland eine führende politische Rolle im europäisch-afri- kanifch-asiatischen Binnenmeer verlangt, so erhebt Kontinentaleuropa gegenüber den anderen Uferlän- dcrn den Anspruch auf wirtschaftliche Partnerschaft. Es ist selbstverständlich umgekehrt bereit, seine eigene Ausfuhrfähigkeit in den Dienst des östlichen Mittelmeerraumes und, darüber hinaus, auch des gesamten Mittelmeer-Küstengebietes zu stellen. Eng­land hat seine Vorherrschaft im Mittelmeer dazu be­nutzt, die Uferstaaten abhängig zu halten, damit sie sich nicht einfallen ließen, den Seeweg nach In­dien durch den Suezkanal zu gefährden. Den Eng­ländern waren dafür alle Mittel recht. Sie zwangen Aegypten zu einer wirtschaftlich nicht zu rechtferti­genden Monokultur (den Baumwollbau) und brach­ten dos ganze Ostufer des Mittelmeeres unter die eigene Botmäßigkeit oder unter die ihrer Freunde. Sie nahmen für sich das Völkerbundsmandat, über Palästina und schanzten den Franzosen das Man­dat über Syrien zu. Sie unterhielten Zwingburgen am Suezkanal, auf den Inseln Zypern und Malta sowie am westlichen Ausgang des Mittelmeeres in Gibraltar. Es kann gar nicht ausbleiben, daß die Uferstaaten des östlichen Mittelmeeres, die sich so­eben von der Unfähigkeit Englands, sie zu schützen, überzeugen kannten, sich auf ihren wahren Vorteil besinnen und sich wirtschaftlich dem europäischen Kontinent anschließen. Ev.

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Veit-Gtoß-Ausstellung in Krakau.

Beit-Stosr-Akademie und Copperiricns-Universitäl.

Krakau, 8. Mai. "(DNB.) Generalgouverneur Dr. Frank eröffnete in den Räumen des Instituts für deutsche Ostarbeit die bereits 1938 durch viele deutsche Städte gewanderte Veit-Stoß-Ausstellung, die damit am Entstehungsort des den Ruhm des Meisters begründenden Werkes von Veit Stoß, des Marienaltars, aufgebaut ist.

Generalgouverneur Dr. Frank verkündete die Schaffung einer Veit-Stoß-Akademie für bildende Künste in Krakau sowie die Stiftung eines Veit-Stoß- Preises in Höhe von jähr­lich 50 000 Zloty für hervorragende deutsche Kunst­leistungen im Generalgouvernement. Der General- gouoerneur teilte noch mit, daß an der Er­richtung der Coppernlcus-Universität als deutscher Universität in Krakau gearbeitet und noch im Laufe dieses Jahres der Grundstein zur größten Sternwarte des Ostens gelegt werde. Sofern die Vorarbeiten abgeschlossen werden könn­ten. würde noch im Laufe dieses Jahres der erste Bestandteil der völlig neuartigen biologischen Fa­kultät der Coppernicus-Hniversität, eine medi- Linische Akademie, ins Leben gerufen werden.

Die Deit-Stoß-Ausstellung bezeichnete der Ge- neralgouverneur als die stolze Antwort des Deutsch­tums auf die polnischen Bestrebungen, Veit Stoß und sein Schaffen polnisch zu stempeln. Veit Stoß war ein Deutscher, er lebte, wirkte und starb als Deutscher. Was wären die Deutschen im Weichsel- raum, wenn sie nicht die Linie fortsetzen würden, die Jahrhunderte hindurch von den Vorkämpfern deutscher Kraft und deutscher Führung auf allen Gebieten hier vorgezeichnet worden ist.

Schwere Abfuhr der HAK. über dem Kanal.

Berlin, 8. Mai. (DNB.) Die deutsche Luft­waffe hat der RAF. bei ihrem Einflugoersuch in das besetzte Küstengebiet am 6. Mai eine schwere Abfuhr erteilt. Als sich britische Bomber im Schutze von etwa 25 Jagdflugzeugen der Küste von Calais näherten, wurden sie von den inzwischen gestarteten deutschen Jägern blitzschnell überrascht. Deutsche Messerschmitt-Flugzeuge durchbrachen den Sperrkreis der englischen Jäger und zwangen die Blenheim-Bomber, ihre Bombenlast in den Ka­nal zu werfen. Zwei britische Bomber stürzten, von den deutschen Waffen getroffen, brennend ins Meer. Weitere deutsche Flugzeuge nahmen die Ver­folgung der flüchtenden Briten auf und trieben sie bis an die englische Küste. Während sieben britische Jäger abgeschossen wurden, wurde eine achte Spit- fire-Maschine zur Notlandung an her französischen Küste gezwungen,

Oie Kämpfe im Irak.

Rom, 8. Mai. (DNB.) Das Oberkommando der irakischen Streitkräfte veröffenllicht folgenden Be­richt:

Der Feind hat gegen unseren Belagerungsgürtel um den Flughafen von Sin-El-Deban einen Heberraschungsangriff unternommen. Nach harten Kämpfen und nachdem wir uns von der Zwecklosigkeit eines weiteren Widerstandes über­zeugt hatten, zogen sich unsere Truppen aus neue Stellungen zurück Im Laufe eines sofort durchgeführten Gegenangriffes haben wir dem Feind schwere Verluste zugefügt. Heftiges Feuer unserer Artillerie brachten den Feind zum Stehen. Unsere eigenen Verluste sind nicht schwer. Irakische Bomber haben in der Nacht zum 6. Mai den Flughafen Sin-El-Deban mit Brand- und Sprengbomben belegt, die an den Gebäuden schweren Schaden anrichteten. Am Mor­gen des 6. Mai haben irakische Bomber feind­liche T r u p p e n o e r b ä n d e angegriffen. Eines von zwei Flugzeugen, die unsere Bomber angriffen, mußte in der Nähe von Ajalbub not- landen.,Das andere ergriff die Flucht. Unsere Luft­waffe hat ein zweitesmal die Flughäfen von Sin-El-Deban und Habbaniyah ange­griffen. Heber beiden Flughäfen entwickelten sich Luftkämpfe, die aber den Bombenabwurf nicht ver­hindern konnten. Die Startbahn und zahlreiche Mu- nitionslager wurden getroffen. Unsere Apparate kehrten alle hell zurück.

Am Tage des 6. Mai überflogen mehrere feind­liche Flugzeuge vom Typ Wellington den Flughafen und den Bahnhof von Bagdad. Der Angriff dauerte anderthalb Stunden. Durch Bombenabwurf wurde das Bahnhofsgelände leicht beschädigt. Außer­dem wurde ein Gebäude des Flughafens getroffen. Das ausgebrochene Feuer konnte gelöscht werden. Am 7. Mai mittags haben drei englische Flugzeuge vom Typ Wellington den Westbahnhof von Bagdad erfolglos bombardiert. Vier Personen wurden dabei getötet und zwei Soldaten verletzt. Feindliche Flugzeuge haben in der Nähe von R>i w a d i irakische Einheiten bombardiert, ohne dabei nennenswerten Schaden anzurichten. Ein eng­lisches Transportflugzeug wurde- gezwungen, auf dem Flugplatz von Nadifsa niederzugehen. Die 17-

köpfige Besatzung wurde gefangengenommen. Die irakische Polizei hat außerdem die vierköpfige Be­satzung eines zweiten englischen Apparates gefan­gengenommen, der in der Nähe von Almahdich not­landen mußte.

Oer irakische Kriegsminister in Ankara.

Ankara, 8. Mai. (Europapreß.) Der irakische Kriegsminister S ch a u k a t traf am Donnerstag mit dem Taurus-Expreß, von Bagdad kommend, i n Ankara ein. Am Bahnhof wurde er von den Mit­gliedern der irakischen Gesandtschaft und einer Reihe von Freunden begrüßt. Er begab sich sofort zur irakischen Gesandtschaft. Schaukat hatte im Taurus- Expreß während seiner Fahrt von Bagdad nach Ankara ein Interview gegeben, in dem er betonte, daß die militärische La g e g ü n ft i g .sei, und daß der Irak keinKompromißim gegenwärti­gen Konflikt schließen werde, sondern sein Recht verlange. Der Kampf werde fortgesetzt bis zur Sicherung des irakischen Staates und zur Befrei­ung der übrigen arabischen Länder von der britischen Tyrannei.

»Daily <5>feW bestätigt planmäßiges britisches Vorgehen.

Lissabon, 8. Mai. (Europapreß.) Bei den irakisch - englischen Kämpfen handelt es sich um einen planmäßig eingeleiteten briti» sch e nFeldzug 'gegen den neuen irakischen Prmierminister Raschid el K a i l a n i", wie der LondonerDaily Sketch" sagt. Schon einige Wochen, bevor Kailani die Macht im Irak über, nommen habe, sei die englische Regierung auf Grund wichtiger Meldungen des Londoner Bot- schasters in Bagdad zum Handeln bereit ge- wesen.Daily Sketch" gibt damit zu verstehen, daß England garnicht daran dachte, sich an die Bestim- mungen des irakisch-englischen Vertrages zu halten, als es seine Truppen im Hafen von Basra in Marsch setzte.

Oie atlantische Stadt Englands.

Liverpool, das wieder die Wucht deutscher Luftangriffe auszuftehen hatte, ist das Gegenstück Londons. Am besten wird die Bedeutung dieser Stadt umschrieben mit dem schmückenden Beinamen derA t l a n i s ch e n Stadt" Englands. Diese charak­teristische Eigenart prägt sich in der sprunghaften Entwicklung Liverpools aus. 1699 wurde die Stadt erst ein eigener Kirchsprengel. Aus dem Jahre 1700 haben wir ein Bevölkerungsverzeichnis. Die Stadt zählte damals knapp 6000 Einwohner. Gelegentlich wird der zweite Teil ihres Namenspool" im Zusammenhang mit der deutschen Sprachwurzel Pfuhl" oder einer ganz ähnlich lautenden, gleich­bedeutenden keltischen Sprachwurzel gebracht. Aber wenige Jahrzehnte darauf ist Liverpool eine große Stadt, die in amerikanischen Dimensionen wächst. Um diese Zeit begann nämlich die Verlagerung des Seeverkehrs von der Nord- und Ostsee zum Atlantischen Ozean. Wir dürfen uns durchaus nicht vorstellen, daß unmittelbar nach dem Ent­deckungszeitalter die Reeder und Kaufleute nichts Eiligeres zu tun gehabt hätten, als ihre Schiffe in ferne Weltteile zu senden. Im Vordergrund blieb nach wie vor der europäische Küstenhandel, die Mittelmeerfahrt im Süden und im Norden die Fahrt durch die Nord- und Ostsee. London und Antwerpen verdanken ihr mächtiges Emporblühen dem Umstand, daß sie Umschlaghafen im Verkehr vom Mittelmeer und von Spanien für die Nordsee- und Ostseeländer waren oder umgekehrt. Die englische Westküste, die dem Atlantischen Ozean zugekehrt ist, blieb dagegen im Schatten der wirtschaftlichen Entwicklung.

Das änderte sich nun kurz nach 1700 und dieser Wandel war besonders nachhaltig für England, das imSpanischen Erbfolgekrieg" endgültig die Seegewalt an sich gerissen hatte. Nun wurde der Wert der atlantischen Häfen sozusagen entdeckt. Von Liverpool fuhren die Schiffe mit billigen und schlechtenNegerwaren" an die afrikanische West­küste, von dort als Sklavenschiffe nach Westindien und Brasilien ober auch in die jetzigenSüd- floaten" der USA. und brachten Rum, Zucker, Tabak, Baumwolle und exotische Hölzer nach Lioer- pool zurück. Es bestehen dokumentarische Aufzrich-

nungen, daß in Liverpool in den elf Jahren 1730 bis 1741 2000 Schisse ausgerüstet wurden, die 304 000 Sklaven von Westafrika nach Amerika ver- frachteten und den Schiffseignern den für jene Zeit phantastischen Gewinn von 8 Millionen Pfund oder 160 Millionen RM. abwarfen. Dieses Geld suchte Anlage und wurde zum Aufbau der Indu­strien in Liverpool und feinem Hinterland ver­wendet. In Liverpool selbst entstanden große Schiffswerften, in seinem Hinterland ent­wickelten sich Manchester als Textil- und Sheffield als Stahlzentrum. Daneben nahm noch eine ganze Reihe anderer Städte dieser Gegend einen lebhaften Aufschwung.

Der wesüiche Teil dieses Industriegebietes zwi­schen Liverpool und Manchester wird zusammen- aefaßt unter dem StichwortMersey-Side",M e r- sey-Landschaft", so genannt nach dem Fluß Mersey, der oberhalb von Liverpool in einem brei­ten Becken mündet, das sich dann gegen Liverpool selbst (und dem Liverpool gegenüberliegenden Bir­kenhead) bis auf 700 Meier verengt. Livervool und Birkenhead bilden zusammen ein einheitlich ver­waltetes Hafengebiet und sind durch den Mersey- Tunnel von 3 km Länge untereinander verbunden. Die Hafenanlagen ziehen sich fast 10 km am Mersey hin. Die Kais (Laderampen), die vielfach längs der Hafenanlagen als große Dämme ins Wasser vor­springen, sind gar 63 km lang. Liverpool hat ge­waltige moderne Kühlhäuser und Getreidespeicher. Bezeichnend ist, daß im Frieden die Waren in den Speichern nur drei Tage lang lagern und dann in die großen Verbrauchszentren verfrachtet werden mußten. So groß war eben der Umschlag, daß die riesigen Speicher nur für einen raschen Durch­gangsverkehr ausreichten. Heber Liverpool wurden eingeführt im Werte: Baumwolle von über 1,2 Milliarden, Getreide für 360, Fleisch für 300, Wolle für 225, Zucker für über 180, Tabak für 110, Holz für 125 Millionen RM. Das sind Zahlen, die einen ungefähren Begriff von der bisherigen Be- beutung Liverpools als des zweitwichtigsten Hafens Englands an der ersten Stelle steht London geben. Dr. Ho.

England kämpst um fein Leben.

Schwächlicher Rechtfertigungsversuch

Berlin, 8. Mal. Die mehrtägige Debatte im englischen Hnterhaus über die Rückschläge der letzten Zeit kam am Mittwoch mit einer längeren Rede Churchills zum Abschluß, mit der sich dieser um ein Vertrauensvotum des Hauses bemühte. Zunächst hatte Lloyd George festgestellt, daß die Er­wartung der Abgeordneten vergeblich geblieben sei, aus den Ausführungen des Außenministers Eden etwas Wesentliches zu erfahren. Gerade auf diplo­matischem Gebiete habe England die schwersten Nie­derlagen erlitten. Amerika könne mehr tun als bis- her, es müsse unendlich viel mehr tun, wenn es England die Möglichkeit geben wolle, Deutschland einzuholen und dann zu überholen. Lloyd George übte schließlich auch Kritik an der Strategie der Alliierten auf dem Balkan, besonders an der Tat­sache, daß die griechische Armee in Albanien nicht früher auf eine rückwärtige Linie zurückgenommen worden sei.

Nachdem Eden selbst In einem Zwischenruf die adenscheinige Ausrede wiederholt hatte,vorherr- chendes Ziel seiner Rede sei gewesen, nichts zu agen, was dem Feind behilflich fein könnte", knüpfte Churchill an die Bemängelungen Lloyd Geor­ges an und verkündete:Die Rede, des Außen­ministers darf nicht voll und ganz nach dem beur­teilt werden, was hier gesagt worden ist, denn seine Verdienste müssen auch nach dem beurteilt werden, was er nicht gesagt h a t". Man könne zum Beispiel viel über die englischen Beziehungen zu Spanien oder zur Sowjetunion sagen, aber er sei nicht sicher, daß das im Augenblick nützlich wäre. Auch könne er sich nichts davon versprechen, wenn man sich ausführlich mit dempeinlichen Schau­spiel" beschäftige, das sich in Vichy vollziehe. Chur­chill kam dann noch in sehr zurückhaltender Weise auf die englisch-türkischen Beziehungen zu sprechen und teilte mit, daß am 19. April ein feit längerer Zeit vorbereiteter türkisch-iranischer Grenzvertrag

Churchills für feine letzten Niederlagen.

in Kraft getreten sei. Dann richtete Churchill einen heftigen Angriff gegen Lloyd George:Ich glaube nicht , jagte er,daß Lloyd Georges Rede eine große Hilfe war in einem Zeitabschnitt, den er selbst als entmutigend bezeichnet hat. Das war nicht die Rede, die man von dem großen Führer im vorigen Kriege erwarten durfte, der die Ge­wohnheit hatte, Die (Entmutigung niederzuwerfen und auf ein vorausliegendes Ziel hinzumarschieren." Nach den Rückschlägen und Enttäuschungen der letz­ten Zeit habe die Regierung ein Recht zu wissen, wie das Hnterhaus zu ihr stehe, das sei auch hüt Rücksicht auf andere Nationen wichtig, denen ke(n Zweifel daran gelassen werden dürfe, daß die jetzige kriegsentschlossene englische Regierung eine feste Stellung habe.

Einer Aenderung des Kabinetts zuzustimmen, weigerte sich Churchill. Die Regierung arbeite in ihrer jetzigen Zusammensetzung leicht und wirksam, bei den Ereignissen in Libyen und Griechenland seien alle Entschlüsse frei und einstimmig gefaßt worden. Churchill betonte:Ich habe als Premier­minister natürlich die Hauptverantwortung zu über­nehmen. Ich bin also der Mann, der geköpft werden kann, wenn wir den Krieg nicht gewinnen und ich bin bereit dazu."

Bei Besprechung der britischen Niederlage in Nordafrika machte Churchill das Eingeständnis, daß die deutschen Panzertruppen dort nicht viel stärker gewesen seien als die englischen. Die Eng­länder hätten einfachPech gehabt". Nach wenigen Kämpfen seien die englischen Panzerkräfte des­organisiert gewesen.Nach Erringung ihrer er­staunlichen Erfolge stießen die Deutschen kühn durch die Wüste vor und machten sich keine Gedanken über das, was sie an den folgenden Tagen essen und trinken würden." Solange der Feind an Panzer­wagen die Heberlegenheit besitze, werde er tm- ftenfrleg den Vorteil auf feiner Seite haben. Hn-

Churchill verpfändet seinen Kopf...

Bon unterer Berliner Scbnftleihmg

Dasselbe Hnterhaus, dem der englische Premier- Minister Churchill trotz allen Drängens jede sachliche Auskunft über die Kriegslage verweigert hat, sprach ihm gleichwohl mit erorückender Mehr­heit sein Vertrauen aus. Dies nach einer der schwersten diplomatischen und militärischen Nieder­lagen Englands in diesem Kriege. Die Tatsache als solche besteht. Sie könnte zu irrigen Rückschlüssen führen, wenn man ihre Hintergründe nicht ein wenin mit dem kritischen Scheinwerfer anleuch­ten würde.

Es war schon vor Beginn dieser zweitägigen Hn» ttrhausdebatte bekannt, daß Churchill die Einpeit­scher der varlamentarischen Parteien unter schärfsten Druck gesetzt hatte mit dem Hinweis darauf, daß England gerade jetzt, d. h. nach den Ereignissen auf dem Balkan und in Nordafrika, keinesfalls Das Bild innerer Zerrissenheit ober dergleichen bieten dürfe. Das Abstimmungsergebnis stand daher von vornherein fest. Das bedeutet prak­tisch,. daß, während die Beunruhigung im Lande ständig zunimmt und eigentlich gerade durch den Mund der Parlamentarier ihren Weg sowohl in die Amtsstuben der Regierung als auch in die Oef- fentlichkeit des Parlamentes nehmen müßte, eben Dieses Parlament in schroffstem Gegensatz zu den geheiligten Grundsätzen der sogenannten Demokratte sich als Schutztruppe einer Regierung der ständigen Niederlagen betätigt. Das würde paradox erscheinen, wenn nicht gerade in dieser Hochburg der Demokratie da: Volk zwar als Stimmvieh gut genug für Wah­len wäre, dann aber die gewählten Abgeordneten nur noch als Mitglieder einer rein persönlichen Interessengemeinschaft anzusehen wären. Bekannt­lich gegoren fast 200 Mitglieder des Hnterhauses der Hochfinanz, der Schwerindustrie, dem Groß- bandel und dem Großgrundbesitz an. Bei den Be­schlüssen eines solchen Parlamentes handette es sich also um den Ausdruck gemeinsamer persönlicher. Überwiegend geschäftlicher Interessen, die ihrerseits wieder untereinander Hand in Hand arbeiten.

Ein solches Parlament, dessen überwiegende Mehr­heit in der einen ober anderen Form kapitalistisch streng gebunden ist, stellt naturgemäß den geeig­neten Nährboden für eine politische Schmarotzer- vslanze wie den Katastrophenpolitiker Churchill dar. Einem solchen Auditorium kann er auch wenigstens zur Zeit noch jede sachliche Auskunft über Niederlagen und über Hrsachen mit dem al­bernen Hinweis auf den Gegner verweigern, ohne für fein parlamentarisches Schicksal fürchten zu müssen: es ist ja alles vorher hinter verschlossenen Türen ausgehandelt, einschließlich der politischen Dividendenverteilung in diesem großen Konzern von Aktiengesellschaften, der sich englisches Unter­haus nennt. Es steigert das Groteske dieses Zu­standes nur, wenn derselbe Churchill, der jede Aus­kunft verweigert, von dem Führer Deutschlands in dessen Reichstagsrede Mitteilungen über feine nächsten Pläne erwartet! Dabei hat Adolf Hiller, der Sieger, in vollem Gegensatz zu dem erneut unterlegenen Churchill gerade über den Balkan- fsldzug mit all der Offenheit gesprochen, die der britische Premier so auffallend vermissen ließ. Wenn dieser Premier sich dann am Schluß der Debatte hinstellt und beispielsweise erklärt, er habeAn­spruch" auf das Vertrauen des Hauses, bann weiß er ganz genau, warum er biefen Anspruch auf» ftetten kann, die politischen Aufsichtsräte sind ba ganz unter sich, und seit wann hätte man in England den Wählermassen, den übers Ohr ge­hauenen Kleinaktionären, erlaubt, in die Aufsichts­ratssitzungen hineinzuschwatzen!

Im übrigen zeigte die Schlußansprache Churchills wieder einmal mit aller Deutlichkeit, mit welchen Ablenkungsmätzchen man das englische Unterhaus zufriedenstellen kann. Herr Churchill verwies da etwa auf die riesigen Massen der deutschen Kriegs. Maschinerie und versickerte nach 20 Monaten stan- biger Siege bes deutschen Kriegsapparates, das könne keine Quelle der Macht sein. Wir können Herrn Churchill versichern, daß uns Deutsche die Qualitätsbeweise unserer militärischen Macht aufs äußerste befriedigen, wenn mir auf das von den Briten befreite europäische Festland blicken. Chur­chill wäre nicht der politische Schaumschläger, als der er seit 30 Jahren und mehr von einsichtigen Leuten seines Heimatlandes erkannt ist, wenn er nicht noch einen rhetorischen Trumpf ausaespielt hätte. Er habe, erklärte er mit großer Geste, die Verantwortung übernommen, er fei sich darüber klar, baß er um einen Kopf kurzer ge­macht werben würde, wenn England den Krieg verlieren würbe; er sei bereit, ein solches Schick­sal auf sich zu nehmen als wenn Englanb dann noch etwas von der Beseitigung eines alten Kapital­verbrechers hätte unb als wenn biefer nicht schon seit dem vergangenen Jahre seine Flucht für ben aegebenen Augenblick bis ins kleinste organisiert hätte! Unb wenn er bann das gleiche Schicksal des Kopfkürzens _ auchmanchen Mitgliedern dieses Hauses" ankündigte, so ist das weiter nichts als

fere Generale glaubten, so gestand Churchill ein, daß selbst eine zahlenmäßig überlegene deutsche Ar­mee nicht in der Loge wäre, so früh unb so schnell durch die Wüste zu kommen, wie sie es tatsächlich getan bat, unb daß sie, falls es ihr doch gelingen sollte, sich nicht mehr verpflegen könne. Es war dies ein Irrtum. Es ist natürlich nicht möglich, Rückschläge unb gelegentliche Verluste zu vermeiden, unb wir werben voraussichtlich noch eine ganze Zeit lang mit berartigen Dingen zu rechnen haben. Churchill ging noch kurz auf Die Sage im Irak ein. Schon im Mai bes letzten Jahres fei gefordert worben, daß Truppen dorthin gefanbt würden. Aber alle damals zur Verfügung stehenden Kräfte hätten nach dem Niltal entsandt werden müssen. Man werde im Irak wahrscheinlich noch lange und hart kämpfen muffen. Zur Schlacht im Atlantik" bemerkte Churchill: Es wäre ein Irrtum zu behaupten, sie sei schon gewonnen. Zur Zeit erleiden mir im Schiffsverkehr noch schwere Verluste." Es werde versucht, diese durch den Bau neuer unb burch die Instandsetzung beschädigter Schiffe auszugleichen. Auf diesen Ge­bieten müffe noch weit mehr geschehen Für das Jahr 1942 müsse England auf gewaltige amerika­nische Bauten an Hanoelsschiffen rechnen. Das Jahr 1943, falls man mit diesem noch als Kriegsjahr rechnen müsse, mürbe bann für Englanb vielleicht weniger schwere Probleme bringen. Mit Hilfe Roose- velts hoffe er, ben Verkehr zur Seewenigstens auf bem lebenswichtigen Minimum" zu halten. Eine höchst bescheiden« Zielsetzung für dasmeerdeherr- lchende" Englanb! Denn die Sage ist immer noch nicht hoffnungsvoller: ,Lch fühle, baß Großbritan­nien von Tag zu Tag und von Stunde zu Stunde! um jein Leben kämpft."