Besetzung Hawaiis, das als Territorium den USA. eingeglieüert wurde. Auf die strategische Wichtigkeit dieser Inselgruppe hatte als erster der Vater der modernen Seekriegslehre, der amerika- nische Kapitän zur See M a h a n, in seinem be- rühmten Werk „Der Einfluß der Seemacht auf die Geschichte" hingewiesen. Im Spanisch-Amerika- nischen Krieg „erwarben" dann die Amerikaner die Philippinen und schlugen damit eine mei» tere Brücke zu einem der wichtigsten Absatzgebiete der Welt, nämlich China. Auch die Insel Guam, die zu den ehemals spanischen Marianen-Jnseln zählt, kam in amerikanischen Besitz. Damals, 1898, waren die USA. noch nicht so machthungrig wie heute unter Roosevelt, sonst hätten sie nicht nur Guam, sondern gleich alle Inseln und Inselchen, die zu den Marianen und Karolinen gehören, erworben. Diese Inseln kamen dann durch Kauf in deutschen Besitz und sind heute auf Grund des Versailler Diktats, zum größten Leidwesen der Amerikaner, als Mandat unter japanische Herrschaft gelangt. Auch die Wake-Insel wurde von den USÄ. annektiert. Schließlich haben sich die Amerikaner veranlaßt gesehen, im hohen Norden des Pazisik, auf den Aleuten, die die Verlängerung des 1867 von den USA. erworbenen Alaska nach Westen hin bilden, einen Stützpunkt zu errichten, Dutch Harbour.
Wie ein Blick auf die Karte lehrt, führt nunmehr von Pearl Harbour auf den Hawaii-Inseln, den die Amerikaner zu einem Flottenstützpunkt ersten Ranges ausgebaut haben, ein direkter Weg über Wake-Island und Guam, die beide vorläufig nur als behelfsmäßige Stützpunkte zu bezeichnen sind, nach Manila auf den Philippinen. Bei einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen den USA. und Japan sind noch immer gewaltige Entfernungen über See zu überwinden. So beträgt die Strecke von Pearl Harbour nach San Franzisko 3900 km, nach Panama 8700 km und noch Aokohama-Tokio 6300 km, während die Entfernung von Singapur nach Manila sich auf 2500 km beläuft.
Wie die Verhältnisse sich im jetzigen Kriege entwickelt haben, muß auch Singha-Pura, d. h. „Löwenstaüt", als Stützpunkt für die amerikanische Marine berücksichtigt werden. Singapur ist zu einem starken Flottenstützpunkt ersten Ranges ausgebaut worden und trotzdem, um mit einem der bekanntesten englischen Marinepublizisten zu reden, das schwächste Glied in der -Kette der britischen Reichsverteidigung, weil ihm nämlich das Rückgrat für die Verteidigung einer Seefestung, die Schlachtschiffe, fehlen. ßaran hat auch der geradezu märchenhafte Aufschwung und die Leistungsfähigkeit der Luftwaffe noch nicht viel geändert.
Noch bis vor wenigen Jahren bemühten sich die Amerikaner, bei ihrer Stützpunktpolitik die Emp- fmdlichkeit der Japaner nicht zu verletzen. So wurde der Antrag der Regierung, Guam als Stützpunkt auszubauen, zweimal hn Parlament abgelehnt. Erst beim drittenmal gelang es Roosevelt, seinen Willen durchzusetzen. Noch kurz bevor England den Krieg gegen Deutschland vom Zaune brach, schrieb der jetzt wieder viel genannte amerikanische Admiral Pates Stirling: „Die Vereinigten Staaten sehen sich mit ihrer Absicht, die Derteidigungsmaßnahmen im Pazifik zu verstärken, einer heiklen, diplomatischen Aufgabe gegenüber, indem sie Japan vergewissern müssen, daß ihre Unternehmungen nur rem defensiven Charakter haben. Japan und Amerika sind jahrelang von der Welt als die Hauptfaktoren des nächsten Krieges im Pazifik auserwählt gewesen. Der gesunde Menschenverstand der beiden Völker aber und die Bedeutung des Handels zwischen den beiden Nationen sind ein genügender Beweis, um die Glaubwürdigkeit einer derartigen Propaganda zu entkräften,"
Nun, der gesunde Menschenverstand hat anscheinend bei den leitenden Stellen der USÄ. stark gelitten. Die Behauptung Roosevelts, Deutschland, Italien und Japan bedrohten die Gcherheit nicht nur der USA., sondern der ganzen Welt und infolgedessen wären die USA., schon rein moralisch, zur Verteidigung der „Freiheit" gezwungen, kann, angesichts der jedem Europäer bekannten Derge- wal^gung jeder Freiheit durch Großbritannien, nur als grotesk bezeichnet werden. Wie einst Don Quichote gegen Windmühlenflügel, so kämpft Roosevelt gegen nicht vorhandene Angriffsabsichten der Führer des Dreierpaktes.
Er hat für seine nun selbst nach Afrika aus- strahlende Stützpunktpolitik auch eine Formel gefunden, die kürzlich der Marinesachoerständige der amerikanischen Gesellschaft für Außenpolittk mit folgenden Worten bekanntgab: „Die strategische Notwendigkeit könnte die Aneignung von Stützpunkten auf den Azoren, den Kap Verdischen oder Kanarischen Inseln, ja sogar in Westafrika durch die Vereinigten Staaten rechtfertigen und zwar als Maßnahmen aggressiver Verteidigung der westlichen Hemisphäre^." Unter dieser Parole, mit der ganz kaltblütig im Namen der Freiheit und der Moral die Vergewaltigung des portugiesischen, spanischen und auch französischen Volkes angekündigt wird, läßt sich schließlich jeder Dölkerrechtsbruch rechtfertiaen.
Der Appetit ist Herrn Roosevelt offenbar beim Essen gekommen. Nachdem er für das Linsengericht von 50 schrottreifen, überalteten Zerstörern von Winston Churchill wertvolle englische Kolonien im West-Allantik erhalten hat, darunter älteste Stützpunkte wie Neufundland (britisch seit 1583), die Bermudas (britisch seit 1612), die Bahama-Jnseln (britisch seit 1629), die Kleinen Antillen, darunter u. a. Jamaika (britisch seit 1665), Barbados (britisch seit 1625) und Santa Lucia (brittsch seit 1605) sowie Britisch-Guyana (britisch seit 1817), kennt sein Imperialismus keine Grenzen mehr. Das törichte Geschwätz in der englischen Oeffentlichkeit, es handele sich bei dem ganzen Geschäft nur um eine pachtweise Ueberlassung all dieser Gebiete an die USA. wurde von Roosevelt selbst unsanft und brutal durch die Erklärung erledigt: „Ich habe mir die Gelegenheit zunutze gemacht, um diese Stütz- § unkte km erwerben." Mit der Erwerbung von irtt! sch-Guy a na hat sich Roosevelt auf südamerikanisches Festlands^ebiet begeben, worüber die iberoamerikanischen Lander sicher wenig erbaut sind, da die Bestrebungen des amerikanischen Prä- sidenten, auch Südamerika zunächst unter die Finanz- und darauf unter die politische Kontrolle der USA. zu bringen, allgemein bekannt sind. Es wird in der amerikani chen Presse sicher nicht ohne Grund bereits davon ge prochen, daß Roosevell seine Blicke auch auf Guadeloupe und Martinique, Kleine-Antillen-Inseln, die seit 1815 französischer Besitz sind, geworfen habe.
Das Schlagwort „aggressive Verteidigung" gegen nur eingebildete, in Wirklichkeit nicht bestehende Gefahren veranlaßt das Amerika des Herrn Roofe- velt zu einer Stützpunktpolillk, die sich in nichts mehr von jenem hemmungslosen Imperialismus unterscheidet, der nach der Uebernahme der Prä-
Ultimative Kriegserklärung Englands auch an Rumänien und Finnland.
Berlin, 6. Dez. (DRV.) Die aus Helsinki und Bukarest mitgeteilt wird, hat die englische Regierung über die amerikanischen diplomattschen Vertretungen bei den Regierungen Finnlands und Rumäniens ultimative, bis zum 5.Dezember befristete Forderungen übermitteln lasten, in denen die Einstellung der Lampfhand- lungen gegen die Sowjets verlangt wird und bestimmte Modalitäten über die Einstellung der Feindseligkeiten vorgeschrieben werden. 3m Falle der Ablehnung droht die britische Regierung den Ländern mit Eröffnung des Kriegszustandes. Auch die Regierungen Finnlands und Rumäniens haben diese stechen Forderungen der britischen Regierung gestern abgelehnt.
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In der festlich geschmückten und bis auf den letzten Platz gefüllten Messehalle in Helsinki fand eine von der finnischen Waffenbrüderschaft veranstaltete Feier des 24. Jahrestages der finnischen .Selbständigkeit statt, auf der Staatspräsident R y t i über die Haltung und die Ziele Finnlands sprach. Nachdem schon im November 1940 sich Anzeichen für eine völlige Vernichtung Finnlands durch die Sowjets bemerkbar machten, wurden diese im Sommer 1941 Wirklichkeit. Gleich nach dem Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen der Sowjetunion und Deutschland zwangen die Bolschewisten durch uw provozierte Angriffe Finnland zum bewaffneten Widerstand. Es ist meine feste Ueberzeugung, daß Deutschland seinen Kainpf gegen den Bolschewismus in elfter Stunde begonnen hat, nur dadurch tonnte Europa gerettet werden. Ohne diesen Kampf wäre auch das Schicksal Firmlands besiegelt gewesen. Finnlands Platz in diesem Kampf konnte nicht gegen den Westen, gegen Europa gerichtet sein. Das hätte Verrat an der jahrhundertealten Aufgabe Finnlands bedeutet. Finnland kann nicht begreifen, daß England, das, wie es verkündet, für die Freiheit der Völker und für die demokratische Freiheit kämpft, auch die blutige Despotie der Sowjetunion zu einem Vorkämpfer dieser Freiheit erhebt unid ihr eine bestimmende Stellung in Osteuropa verspricht. Und ganz unbegreiflich ist es Finnland, daß England auf Verlangen der Sowjetunion dieses kleine Land mit Krieg und die Ver
einigten Staaten es mtt dem Verlust ihrer Freundschaft bedrohen, wenn es nidyt seinen Verteidigungskampf unterbricht, bevor diese Ziele erreicht sind. Ryti gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die Leute, die jetzt jenseits der Meere wahrscheinlich auf Grund falscher Nachrichten Finnlands Tun und Handeln beurteilen und infolgedessen strenge Maßnahmen gegen dieses Volk planen, in der Lage Finnlands genau wie das finnische Volk handeln würden.
Karhumäki von finnischen Truppen genommen
Helsinki, 8. Dezember. (DNB. Funtspruch.) Finnische Truppen haben den Ort Karhumäki in Ostkarelien eingenommen. Die dort eingeschlos- fenen sowjettschen Divisionen wurden zum größten Teil vernichtet. Karhumäki liegt am nördlichen Zipfel des Onegasees und ist ein wichtiger Knotenpunkt an der Murmanbahn.
USA. nehmen finnische Schiffe in „Schutzbewachung".
Washington, 7. Dez. (Europapreß.) Das Marinedepartement ordnete Samstagabend die B e- schlagnahme aller in US A. -Häfen liegenden finnischen Schiffe an. Die Küstenwachen erhielten den Befehl, die finnischen Schisse unter „Schutzbewachung" zu stellen.
Glückwünsche des Führers.
Berlin, 6. Dezember. (DNB.) Der Führer hat dem Präsidenten der Republik Finnland nachstehendes Glückwunschtelegramm übermittelt: ,Lum Jahrestag der Selbständigkeitser- klärung Finnlands spreche ich Ihnen und dem finnischen Volke meine aufrichtigen Glückwünsche aus. Der heldenmütige Verteidigungskampf, den Finnland in treuer Waffenbrüderschaft mit Deutschland zur Erringung seiner endgültigen Sicherheit führt, wird vom Siege gekrönt fein." Ferner hat der Führer zur Einnahme der von den Sowjets zu einem befestigten Stützpunkt ausgebauten Halbinsel und Stadt Hanko cm den finnischen Staatspräsidenten ein Glückwunschtelegramm gesandt.
sidentschaft durch Franklin Roosevell im Jahre 1932, das Kennzeichen eines großen Landes ist, dem seit seiner Entstehung, feit seiner siegreichen Erhebung gegen den Unterdrücker England die Monroe-Doktrin als oberster Leitsatz seiner Gesamtpolitik gegolten hatte.
Der Wehrmachtbericht vom Sonntag.
DRV. Muß dem Führerhauptquartier, 7. Dezember. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Trotz starker kalte errangen lm Donezbecken deutsche und italienische Truppen örlliche Angriffserfolge.
Au mehreren Stellen der Ostfront wurden sowjetische Angriffe abgewiesen. Vor Leningrad scheiterte ein unter Einsatz von panzern und Schlachtfliegern unternommener Ausbruchsversuch. Die Beschießung kriegswichtiger Anlagen im Bereich der Stadt wurde fortgesetzt.
Die Luftwaffe unterstützte an der gesamten Ostfront die Kampfe des Heeres durch Angriffe auf feindliche Stellungen, Truppenanfammlungen und Eisenbahnen. Südostwärts des Ladogasees wurden sowjetische Flugstützpunkte bombardiert. An der Westküste des Golfes von Onega erzielten Kampfflugzeuge Volltreffer schweren Kalibers in einer Industrieanlage.
3m Kanalgebiet kam es zu einem Gefecht zwischen deutschen Minensuchbooten und mehreren britischen Schnellbooten. Ein feindliches Boot wurde versenkt, ein weiteres schwer beschädigt. Unsere Boote erlitten weder Verluste noch Beschädigungen.
In Rordafrika dauern die Kämpfe an. Vor der Küste der Lyrenaika griff ein deutsches Unterfeeboot einen britischen Geleitzug mit Rachschub für Tobruk an und erzielte Treffer auf einem Zerstörer, einem Tanker und einem Frachter. Das Sinken der Schiffe konnte wegen starker Abwehr nicht beobachtet werden.
Rachlangriffe deukscher Kampfflugzeuge richteten sich gegen britische Flugplätze auf der 3nsel Malta. Bombentreffer in Hallen und Unterkünften wurden beobachtet.
3n der Zeit vom 2S. Rovember bis 5. Dezember verlor die fowjetifche Luftwaffe 228 Flugzeuge. Davon wurden 136 in Luflkämpfen und 67 durch Flakartillerie abgeschossen, der Rest am Boden zerstört, wahrend der gleichen Zeit gingen an der Ostfront 21 eigene Flugzeuge verloren.
Oer Wehrmachtbericht, vom Samstag
DRV. Ausdem Führerhauptquartier, 6. Dezember. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
An verschiedenen Stellen der Ostfront wurde der Feind durch örlliche Angriffe geworfen. 3m Do* nez bogen wurden starke sowjetische Angriffe unter schweren Verlusten für den Gegner abgewiesen. Ein feindlicher Ausbruchsversuch aus Leningrad scheiterte unter hohen blutigen Verlusten. 3m Finnischen Meerbusen wurde die 3nsel Osmus- saar durch eine Marinestoßkruppabteilung beseht. Die Lustwafie erzielte Vombenvolltreffer auf mehrere Transportzüge im Wologda-Gebiet und griff in der letzten Rächt Vahuanlagen und Versorgungsbetriebe von Moskau an. Das Flugzeugwerk Rybinsk an der Wolga wurde mit Vomben fchweren Kalibers belegt.
3m Kampf gegen die britische versorgungsschiff- fahrl versenkten Unterseeboote fünf Schiffe mit zusammen 25 500 BRT. Kampflugzeuge griffen in der ätzten Rächt Hafenanlagen in Südwestengland an. Bei Angriffsversuchen der britischen Luftwaffe im Kanalgebiet und an der holländischen Küste wurden acht feindliche Flugzeuge abgeschossen. Vor der nor
wegischen Küste griffen zwei Unlerseebootsjäger der Kriegsmarine ein britisches Unterseeboot an, zwangen es durch wasierbomben zum Auftauchen und versenkten es durch Artilleriefeuer.
3n Rordafrika sind erneut schwere Kampfe entbrannt.
Oer italienische Bericht.
Rom, 7. Dez. (DNB.) Der llalienische Wehrmachtbericht oom Sonntag meldet: Die Kämpfe in der Marmarica dauerten auf der Front von Tobruk und im Gebiet südlich von Tobruk zwischen El Adem und Dir el Gobi an, wo wiederholte starke, mit neuen Kräften unternommene Angriffe des Gegners von den Truppen der Achse ausgehalten und abgewiesen wurden. Bei diesen Aktionen kämpften auch Abteilungen unserer jungen Faschisten mit beispielloser Ausdauer und Tapferkeit. An der Front von S o l l u m ist die Lage unverändert. Die verbündete Luftwaffe griff wiederholt feindliche Panzer und Infanterietruppen an. In Luftkämpfen wurden 22 feindliche Flugzeuge brennend abgeschossen, davon 14 von der italienischen und acht von der deutschen Luftwaffe. Sechs italienische Flugzeuge werden vermißt. Englische Kriegsschiffe bombardierten unsere Stellungen westlich Tobruk. Drei Torpedoflugzeuge trafen zwischen Tobruk und Ras Azzaz wiederholt feindliche Kreu- Zer, von denen hohe Flammen aufstiegen. Einer von ihnen ist als versenkt anzusehen.
Oie Nachtschwester.
Von Wolfgang Schwerbrock.
Sie ist ein Mädchen in den besten Jahren, von kräftiger Statur mit gutem Aeußeren. Die verwundeten Soldaten kennen sie nur mit ihrem herzhaften, schallenden Lachen, mit einer fast kindlich anmuten- den Zartheit in der Hellen, quecksilbrigen Stimme — ja, und auch mit einem Blick aus lebendigen, blauen Augen, bA- Bitte und Befehl, Bereitschaft und Güte zugleich ist.
Am Abend, wenn um die kristallenen Kronleuchter der Aula die Dämmerung webt, kommt sie. Die beiden Skatpartien der Genesenden in der Ecke der Aula, in der zu früheren Zeiten bei ernsten Schul- feiern der Musiklehrer den Flügel gespielt haben mochte, werfen ihre Karten auf den Tisch und erwidern den lachenden Gruß der Schwester mit spontaner Huldigung.
Am äußersten Fenster liegt jemand mit Fieber. Dhm gilt die besondere Pflege während der Nacht. Schwester Dörthe geht wie von ungefähr an seinem Bett vorbei. „Geht es gut?" fragt sie lächelnd und wirft dabei einen Blick auf die Fieberkurve.
„Ach ja", sagte er, „nur: ich habe großen Durst und möchte trinken."
Sie nickt und nimmt das leere Glas vom Tisch.
„Schwester ich habe auch Durst!" — „Ich auch!" „Nur die Ruhe, jeder bekommt etwas." Sie holt die Kanne mit dem rotgelben Saft und geht an den Betten entlang. Der Fiebernde greift gierig nach dem Glas und sagt schon im vorhinein, daß die Schwester während der Nacht wiederkommen möge, denn bis dahin hätte er das Glas geleert
Wenig später verläßt die Schwester die Aula und wünscht allenthalben eine gute Nacht. Sie löscht das Licht und schließt die Tür. Es ist ganz ruhig. Je- mand schnarcht Der Fiebernde denkt: wenn ich sie rufe, kommt sie; gewiß kommt sie auch von selbst, zu einer bestimmten Stunde wie jede Nacht
Auf einer anderen Station ist großer Lärm. Dis Soldaten wollen gespendeten Rotwein trinken, und es ist eitel Freude und Frohsinn. Einer von ihnen hat eine Mundharmonika und spielt „Äornm zuruck'" Es ist anzunehmen, daß er damit die Nachtschwester meint, die Unentbehrliche, denn sie hat versprochen, von irgendwoher Gläser mitzubringen. Die Tür geht auf. Da ist sie ja schon. Gläser hat sie auch: sie muß mittrinken. Einen Schluck, mehr nicht Dann geht sie.
Auf dem langen Gang, wo rechts und links die Bilder großer Feldherren hängen, begegnet sie einem Sanitätsdienstgrad, der mit Pantoffeln umherhuscht und sicherlich gerade aus dem Bett gestiegen ist. «Schwester Dörthe", ruft er schon von weitem,
Kriegszustand auch mit Rumänien.
Bukarest, 7. Dezember. (DNB.) Rach der Ab« lehmmg des britischen Ultimatums durch di« rumö. nische Regierung hat der nordamerikanische schäftsträger am Samstag kurz vor Mitternacht der rumänischen Regierung namens der britisch«, Regierung die Kriegserklärung überreicht. Ab 7. Dezember, mittags 12 Uhr, herrscht zwischen Großbritannien und Rumänien Kriegszustand.
Antonescu sagt in einer Erklärung an das rumänische Volk: „2>ie Kriegserklärung hat keinerlei Grundlage. Ich bebaute, daß die on nere Bewegung und Tragödie so wenig ver« ft a n d e n wird, von der das rechtschaffene, unoba lässig heimgesuchte und zu unrecht von Schicksals, schlügen getroffene rumänische Volk seit JahnM- derten erschüttert wird, dieses Volk, das wie bisher auch m alle Zukunft kämpfen wird, um sich sein Dasein und sein Lebensrecht, sein Recht auf Freiheit, aus Ruhe und auf Vereinigung zu sichern und dabei in der Erfüllung einer ehrenvollen Sendung im Karpathen- und im Donauraum bte Zivilisation zu verteidigen. Rumänien nimmt die Herausforderung in dem unerschütterlichen Glauben an, daß es mit feinem Kampf gegen den Kommunismus nicht nur dem Nationalgefühl, dem Recht auf die Erhaltung der Ehre des rumänischen Volkes dient, sondern daß es durch seinen Kampf und durch seine Opfer wie in der Vergangenheit der Zivilisation selbst dient, die Großbritannien nicht fremb sein kann."
Als Antwort aus das englische Ultimatum unreine Note verlautbart, in der Rumänien daran erinnert, daß die britische Regierung die rumänischen Grenzen mehrfach als unantastbar bezeichnet hat, z. B. in dem am 28.10.1920 in Paris geschlossenen Vertrag und vor allem in der Garantieerklärung Großbritanniens vom 13.4.1939, in der es heißt, daß „im Falle einer Handlung, die die präzise Unabhängigkeit Rumäniens bedroht usw. usw., sich ine Regierung Seiner Majestät des Königs von Großbritannien verpflichtet fene, ihm jede Unterstützung zuteil werden zu lassen." Trohc alledem hat die britische Regierung, als die UdSSR, am 26. 6.1940 öffentlich ihrem Angriffswillen Aus. druck gab, und in den folgenden Tagen an seine Ausführung ging, zur Verteidigung und im Sinne der Achtung des Rumänien gegebenen Garantieversprechens nichts getan. Rumänien hat schon im Jahre 1919 den Südosten vor der Gefahr sozialer Wirren und einer Innasion bewahrt. Die rumänische Regierung fühlt sich verpflichtet, der Regierung Seiner Majestät des Königs von Groß- Britannien ins Gedächtnis zurückzurufen, daß diese Haltuna in der Vergangenheit das vollständige Einverständnis Großbritanniens gefunden hat.
Der Duce bei Probeflügen neuer Apparate.
Rom, 7. Dez. (DNB.) Der Duce wohnte auf einem Flughafen Mittelitaliens in Begleitung des Chefs des Generalstabes und des Chefs des Stabes der Luftwaffe Vorführungen des neuen Flugzeuges mit Rückstoßantrieb „Cakroni- Campini" bei, das von Oberst Mario de Beranardo gesteuert wurde. Der Duce sprach dem Erfinder, dem Erbauer und Piloten seine Anerkennung aus. Anschließend wurden dem Duce einige italienische Jagdflugzeuge vorgeführt, die neue Merkmale auf- weisen.
Litwinow in Washington eingetroffen.
Washington, 8. Dez. (Em ipapreß.) Nach einer wochenlangen und an Zwischenfällen reichen Fahrt ist am Sonntag der neue Sowjetbotschafter für die USA., Litwinow-Finkel st ein, in Washington eingettoffen. Litwinow reifte auf dem Luftwege über Iran, Indien, Singapur, Manila und Hawaii nach USA. Unterwegs war er, wie er« innerlich, über iranischem Boden drei Tage lang verschollen, da lein Flugzeug notlanden mußte.
»Wir werben für Irtan- rümpfen/
Diiblin, 8.Dez. <DRB. Funkspruch.) Auf einer Versammlung der „Fianna Fall" erklärte der irische
„Schwester Dörthe, der Meringer in der Turnhalle hat wieder Schmerzen ..."
„So?" last sie und läuft hinunter. Als sie durch die Tur der Turnhalle tritt, ruft Meringer bleich aus der Mitte: „Schwester Dörthe, ich mufe eine Spritze haben."
J)m", meint sie und fetzt sich auf fein Bett, „können Sie nicht so einschlafen? Versuchen Sie doch mal! Sie haben doch noch gestern eine Spritze bekommen. Und jeden Zqq, eine Spritze?"
Er schweigt und beißt sich auf Ne Lippen. Er sieht das Mädchen aus seinen schmalen Augen an und denkt, daß sie vielleicht recht hat.
Die Nachtschwester steht auf und sagt: „Warten Sie, Meringer, ich werde den Unterarzt noch einmal fragen. Vielleicht geht es auch mit Schlafpulver."
Sie ist bald wieder an seinem Bett und gibt ihm eine Tablette. Sein Nebenmann will auch etwas, aber er ist mit einem Stück Schokolade zufrieden, das sie zufällig in der Tasche hat.
Um halb drei in der Frühe kommen zwei neue Verwundete. Der erste erhält einen Verband und eme Viertelstunde später durch die Schwester eine Spritze. Er schläft sofort ein, wälzt sich aber immer auf die linke Seite, und gerade da liegt der Arm in Gips. Es dauert sehr lange, bis die Schwester ibn in der alten Lage liegen lassen kann. Danach ist sie bei einer kleinen Operation zugegen, die noch in der Frühe des Morgens vollzogen werden muß.
Später erscheint sie noch einmal in der Aula. Es ist ganz still dort. Auf leisen Sohlen schreitet sie an den Betten entlang und leuchtet hier und da mit ihrer abgeblendeten Lampe hinein. Jemand hat sich aufgedeckt und muß zugedeckt werden. Der Fiebernde träumt laut, wird aber sofort wieder wach, als die Nachtschwester an seinem Bett ist. Er bekommt Safi 3U trinken und bedankt sich. Die Schwester lächelt. Aber es sieht niemand.
Als sie wieder in ihrem Zimmer ist — draußen vor dem Fenster zwitschern schon die Vögel —, wirb sie noch einmal in die Station der Schwerverwundeten geklingelt. Sie geht hinauf und öffnet leise die Tür. Jemand liegt mit wachen Augen auf dem Bett, noch ein ganz Junger ist es, und sieht ihr entgegen.
„Nun, Schmerzen?" flüstert sie.
„Nein, das nicht, Schwester —"
„Was denn. Kleiner?"
„Nichts!" lächelt er.
Sie schweigt und legt ihm das Kopfkissen zurecht.
„Ich wollte Sie nur einmal sehen, Schwester!" „Jetzt haben Sie mich ja gesehen, und nun müssen Sie gut schlafen können. Gute Nacht!" Sie durch« schreitet kopfschüttelnd den kleinen Raum, in dem schon die Dämmerung steht und geht hinaus.


