Sie Galmsstellung für bildende Künste 1941
des Künstlers erinnert, alber auch an die
Aus der Stadt Gießen
an die Kind", Gattin
gelernter Schreiner sich das Holz mit besonderer Vorliebe und ständig wachsender Reife als den ihm gemäßen Werkstoff zu eigen gemacht, und gerade auf dem Gebiete der Holzplastik sind ihm eine Reihe seiner feinsten, persönlichsten und auch technisch ausgereiftesten Schöpfungen, sowohl figürlicher als auch porträtplastischer Art, gelungen: es sei etwa feine und beseelte Gruppe „Mutter und an die Bitdnisbüsten des Vaters und der
Dank an die Bänke.
Die Natur hat sie nicht auf diesen kleinen baumbestandenen Platz inmitten unserer Stadt gestellt. Aber ihr Teil hat sie doch dazu beigetragen: Holz und Eisen spendete sie. Das übrige aber ist Men-- schenwerk. Auch Bänke verdienen einmal, daß ^nan ihnen ein Wort sagt, in dem etwas Dank für ihr Dasein laut wird, für dieses stille, zuwartende, immer zum Empfang bereite Dasein.
Vorüberg-ehende Gemeinschaften sammeln sich auf diesen Bänken, die vom grünen Gewirr der Blätter überdacht sind. Junge, schlanke Büsche wachsen neugierig den menschlichen Rücken entgegen, während der weiche Rasen sich liebend und wohltuend in den Blick zwingt, so daß ihn oft das Auge über den Rand der Zeitung hinweg aufsuchen muß. Geborgen ist jeglich-r Leser. Wären Arme und Füße des ob ten Mannes noch zur Arbeit geschickt, er vertauschte gern diese Stille mit dem Gedröhn der Maschinen in weiten Arbeitsräumen. Nun ist ihm dieses bestimmt in schönen Tagen des freundlicheren Jahres: zurückzudenken und dennoch teilzuhaben an der Gegenwart. Anders wachend verträumt ein Mädel- chen die gleichen Minuten, das Schwindende und Veränderliche kaum erkennend im Eis, das flüchtig über die Zunge gleitet, nur dem Augenblick zugetan und offen. Anders sind Ermüdete auf der gleichen Bank aufgereiht. Eine Frau hat Paketchen neben sich gelegt. Nun zieht sie ein Brot aus der Einkaufstasche. Auf einmal wird ihr diese Stadt zu einem Ungeheuerlichen; sie spürt es noch durch die Sohlen ihrer Schuhe hindurch, dieses seltsam fressende Feuer, das beim Wandern über Stein und Asphalt sich einfindet. Anderes ist sie von draußen gewohnt: die Weichheit des Ackers, die Steinchen, die sich leicht in die Füße drücken, nur um gerade einen kleinen, eigenartigen Gruß damit zu bedeuten. Ganz nach innen und hin zu dem Verlassenen, das sie bald wieder erreichen wird, geht der Blick dieser Frau. Sie achtet nicht auf die Mädel, die in der mittäglichen Pause ihre Gesichter wie in Verzückung der Sonne entgegenhalten. Ein paar Minuten — wie wohl das tut! — und schon klappen ihre, Holzschuhe wieder drüben fröhlich dahin. Und immer wieder sitzt da einer, der sich den Schweiß von der Stirn trocknet und auf sein Rad achtet, das er an den Baum gelehnt hat..Noch einmal zieht er das Taschentuch hervor, noch einmal, dann schwingt er sich wieder fort zu einem Irgendwohin.
unendlich liebevoll, mit echtem Kunstverstand und schöner Handwerkstreue ausgeführten oberhessischen Städtewappen, die zu den eigenartigsten Schöpfun« aen Bourcardes gehören. Auf der Großen Deutschen Kunstausstellung in München ist Bourcarde, wie seinerzeit berichtet wurde, mit einer monumentalen Figurengruppe .^Vereinte Kraft" auf das rühmlichste vertreten, auf der diesjährigen Gauausstellung in Frankfurt mit zwei Reliefplastiken, dem Bildnis eines Kriegers und dem Porträt seiner ältesten Tochter Lore. Aus Bourcardes Hand stammt ferner das Relief am Tor der Bergkaserne in Gießen, eine Tor-Figur in den Buderusschen Eisern werken in Wetzlar, das monumentale Kriegerdenkmal in Krofdorf, um nur einige seiner markantesten Entwürfe zu nennen. Bourcarde selbst wird die hohe Auszeichnung, die ihnt, wie er bemerkte, völlig überraschend zuteil wurde, als die Anerkennung einer durch die Jahre hin stetig wachsenden künstlerischen Bemühuna und als lebendige, nach vorn weisende und anspvrnende Förderung empfunden Haden; er darf der freudigen Zustimmung und des aufrichtigen Glückwunsches aller gewiß sein, denen das künstlerische Schaffen in unserem engeren heimatlichen Umkreise am Herzen liegt.
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Bouroarde ist am 4. Dezember 1899 in Gießen geboren, wo er auch die Schule besuchte und bei einem Schreiner in die Lehre ging. Nach dem Besuche der Gewerbeschule und der Kunstgewerbeschule in Mainz war er in Köln zunächst als Innenarchitekt tätig, um sich dann ganz, seiner ursprünglichen Neigung und Begabung folgend, der Bildhauerei zuzuwenden. In München bildete er sich auf der Gewerbeschule und der Kunstakademie; 1927 kam er als Lehrer an die hiesige Gewerbeschule. Neben seiner Lehrtätigkeit, die er auch jetzt noch im Frö- belseminar ausübt, entwickelte Bourcarde in Gießen seine bildhauerische Begabung zu der reifen Form, die nun mit der Preisverleihung die schönste Anerkennung gefunden hat.
Gehen und Kommen. Anderes kennen die Bänke nicht, diese im Frühling und Sommer beglückten. Sie tun schweigend das Ihre. Dankte es ihnen je einer? Sie brnauchen es nicht, sie, die auch schon manchem Schicksal wurden.
Dornotizen. ,
Tageskalender für Montag.
Johanneskirche: 19.30 Uhr „Aus der Blütezeit deut- scher Orgelkunst". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Mutter". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ,Zch verweigere die Aussage".
„Aus der Blütezeit deutscher Orgelkunst".
In der Johanneskirche findet heute abend um V28 Uhr eine musikalische Feierstunde statt. Ein interessantes Programm von mehr oder weniger bekannten Meistern aus der Periode größter Verinnerlichung geistlichen Lebens soll geboten werden. Dr. Fried S ch m i d t - M a r l i s s a , Kirchen- Musikdirektor aus Groningen in Holland, wird an der Orgel sitzen, während der gesangliche Teil, Lieder von Wockenfuß, Böhm, Strattner, Hammer- schmidt und Bach durch die in Hessen bekannte Sopranistin Frau Gisela Collatz-Werner ausgeführt wird.
Monatsappell der alten Artilleristen.
Am Samstagabend fand im Kameradschaftsheim „Hessischer Hof" der September-Appell der Artille- ristenkamercüischaft 1895 Gießen bei zahlreicher Beteiligung der Kameraden statt. Kameradschaftsführer Joh. Müller gedachte zu Beginn des Appells der im Felde stehenden Kameraden, mit denen sich die alten Soldaten daheim aufs tiefste verbunden füh- len, er widmete weiter den für Deutschlands Freiheit und Zukunft Gefallenen herzliche Worte des soldatischen Gedenkens und verband damit die Verpflichtung der Daheimgebliebenen, an chrem Teile alle Kräfte anzuspannen, um den deutschen Sieg zu erringen und auf diese Weise dafür zu sorgen, daß das große Opfer unserer toten Helden nicht umsonst gebracht wurde. Unser aller Wille zum Sieg sei vereint mit dem unerschütterlichen Vertrauen zum Führer und unserer. Wehrmacht, denen der Gruß der alten Soldaten auch bei diesem Appell galt. Sodann verlas der Kameradschaftsführer eine Reihe von Briefen aus dem Feld, in denen die vor dem Feinde stehenden Kameraden erneut die enge Verbundenheit bestätigen, die zwischen ihnen und
unter Leitung von Generalmusitdirigent Lessing aufgeführt worden, ferner durch Furtwängler, Ka- basta, Elmendorf und Abendroth. Letzterer hat auch die Kleine Suite für Orchester, welche auch von Konwitschny in Frankfurt dirigiert worden ist, in Leipzig, Berlin und Hamburg aufgeführt. Kurt Hes- enberg wurde 1940 mit dem National-Musikpreis ausgezeichnet.
Der Gießener Kuliurpreis- trager Carl Bourcarde.
Mit dem Gießener Kulturpreise wurde das Schaffen eines Mannes ausgezeichnet, der seit langem in unserer Stadt wirkt und der zu den ausgeprägtesten künstlerischen Persönlichkeiten in unserem engeren heimatlichen Umkreise gehört. Wer Bourcardes Schaffen im Laufe der Jahre aus nächster Nähe verfolgt hat, wer die Entwicklung seiner Arbeiten auf den Ausstellungen des Oberhessischen Kunstoereins gesehen und wer ihn drau- ;en in seiner höchst originellen Wohnung am Umpannwerk zwischen Gießen und Krofdorf beucht und in der Werkstatt bei der Arbeit beobachtet hat, der weiß, daß hier ein Künstler ausgezeichnet wurde, dessen schöpferische Entwicklung stetig in die Breite und in die Tiefe wuchs. Bourcarde hat als
NSG. Trotz des Krieges, der in diesem Jahr eine weit größere Anzahl von Künstlern in die Reihen der kämpfenden Front rief als im vergangenen, konnte der Gau Hessen-Nassau wiederum zur Gauausstellung für bildende Künste aufrufen, dieser Aufruf sand ein lebhaftes Echo: Annähernd 900 Arbeiten wurden dem Prüfungsausschuß zugeleitet, der 300 Werke auswählte. Stellt man in Rechnung, daß sich ein Teil der besten Werke der Künstler unseres Gaues auf der Münchener Kunstausstellung befindet, und die jüngeren Künstler fast ausnahmslos den grauen Rock tragen, so bleibt das Resultat noch ein außerordentlich gutes und vielseitiges. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger, in dessen Auftrag im Städelinstitut zu Frankfurt am Main der Landesleiter der Reichskammer für bildende Künste, Prof. Dr. Lieser, die Gäste begrüßte. Sinn und Zweck einer solchen Schau ist es, immer Schöneres und Würdigeres zu erreichen, und damit Mahner im Kampf um das Edelste und Beste zu sein. Das Wort „Inter armas tacent musae” hat heute für uns seine Gültigkeit verloren. Während mit Beginn des Weltkrieges jegliche künstlerische Betätigung sofort erstarrte, stellt unsere Gegenwart, trotz des großen Ringens Deutschlands um seine völkische Existenz, nach wie vor seinen unerreichten Anteil im Kunstschaffen überhaupt.
Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger betonte vor allem die außergewöhnlich starke Beteiligung Hessen-Nassaus an der großen Münchener Kunstausstellung. Allein 26 Künstler unseres Gaugebietes sind in ihr mit ihren Arbeiten vertreten. Auch diese Tatsache ist ein Beweis des unablässigen Bemühens, ihre Stellung im deutschen Kunstleben immer mehr zu festigen. Eine immer bewußtere Meuformung und Gestaltung beweist die Abkehr von früheren Anschauungen. Wesentlich ist die nationalsozialistische Grundhaltung des Künstlers, die vor allem enge Bindung an das Volk und Verwurzeltsein im Volk erfordert. Das Weltjudentum und die plutokratischen Staaten nennen uns Deutsche Kulturbarbaren, während wir kulturelle Ausstellungen von ungewöhnlichen Ausmaßen und in seltener Qualität aufweisen können, dem uns kein Volk der Erde Aehnliches zur Seite stellen kann. — Dann verlieh der Gauleiter die mit der Ausstellung verbundenen Preise.
Der Gaukullurpreis wurde dem Komponisten Kurt Hessenberg zuteil, der auch in den Gaukulturrat berufen wurde. Die Kulturpreise der Städte unseres Gaues wurden folgenden Künstlern zuteil: Der Preis der Stadt Frankfurt: Maler Hans Happ, Frankfurt am Main, der Preis der Stadt Darmstadt: Maler und Graphiker Harthmuth, Pfeil-Darmstadt, der Preis der Stadt Wiesbaden: Bildhauer Emil Hub, Frankfurt a. M., der Preis der Stadt Gießen: Bildhauer Carl Bourcarde, Gießen, der Preis der Stadt Mainz: Bildhauer Egon Schiffers Frankfurt a. M., der Preis der Stadt Offenbach: Graphiker Professor Ludwig En- ders, Offenbach, der Preis der Stadt Worms: Bildhauer Harold Winter, Oberursel, der Preis der Stadt Hanau: Maler Emil Dielmann, Frankfurt a. M..
Auf die Ausstellung selbst werden wir noch zurückkommen.
öer Träqer des Gaukulturpreises.
'Kurt Hessenberg wurde 1908 zu Frankfurt geboren. Nach Besuch des Goethegymnasiums seiner Vaterstadt studierte er am Konservatorium zu Leipzig Dort legte er die staatliche Musiklehrerprüfung ab und wirkte bis 1933 als Musiklehrer. Seit September 1933 wirkte er an Dr. Hochs Konservatorium sowie an der Staatlichen Musikhochschule Frankfurt als Lehrkraft für Harmonielehre, Kontrapunkt und Gehörbildung. Schon früher hat sich Hessenberg als Komponist einen Namen gemacht und die 2Iup merksamkeit bedeutender Dirigenten erregt. Bis jetzt hat er 23 Werke geschrieben, unter denen besonders folgende nennenswert find: An sinfonischen Werken drei Orchestersuiten, eine Sinfonie, ein «Concerto großo für Orchester, ein Klavierkonzert, „Wunderhorn-Lieder" für Sopran und Orchester, eine Kantate, „Fidele Lieder" für Tenor-Solo und Orchester. An Kammermusik: Zwei Streichquartette, ein Klavier-Quartett, ein Divertimento für Violine und Klavier, eine Cello-Sonate neu, Werk für ein und zwei Klaviere. Das Concerto großo ist auf dem internationalen Musikfest in Baden-Baden 1939
den alten Artilleristen in der Heimat besteht. Nach Bekanntgabe von neuen Befehlen und Mitteilungen des Reichskriegerführers wurden dem verdienstvollen Betreuer des Fechtwesens in der Artilleristenkame- radschast. Kamerad Heinrich Faber, vom Kameradschaftsführer Ehrenurkunden des Gau- und des Kreiskrieaerführers überreicht, die der großen Anerkennung Ausdruck geben für den tatfrohen und musterhaften Einsatz, den Kamerad Faber als Fecht- wart im Dienste der sozialen Betreuungsarbeit des NS.-Reichskriegerbundes stets bekundet hat. Dem Ausgezeichneten gelten die Glückwünsche der Kameraden zu dieser Ehrung. Nach dem dienstlichen Teil des Appells füllte kameradschaftlicher Gedankenaustausch den Rest der Abendstunden aus.
Das interessiert die Hausfrau:
Aufruf von (Eiern.
Bisher wurden die zur Verteilung kommenden Eier innerhalb der vorgesehenen Aufgabezeiten erst aufgerufen, wenn möglichst alle Kleinverteiler bef reits im Besitz der Eier waren. Hierdurch entstand der Nachteil, daß teilweise Eier in einigen Ladengeschäften vorrätig waren, ohne daß mit der Ausgabe an die Verbraucher begonnen werden durfte, weil der Aufruf noch nicht erfolgt war.
Um in Zukunft zu vermeiden, daß Eier durch die Lagerung bei den Grohoerteilern und in den Ladengeschäften gütemäßig leiden, wird die Durchführung der Eieraufrufe mit Beginn des 27. Versorgungsabschnittes bis auf weiteres insofern geändert, als die Ausgabe der Eier nicht mehr an eine bestimmte Frist innerhalb eines Versorgungsabschnittes gebunden ist. Die Ausgabe der Eier erstreckt sich vielmehr aus den gesamten Dersorgungs- abschnitt und erfolgt durch die Kleinverteiler, sobald diese im Besitze der Eier sind. Den Verbrauchern wird deshalb empfohlen, nach Bekanntgabe der Eiermenge, die in dem jeweiligen Versorgungsabschnitt zur Ausgabe gelangt, bei ihrer Bezugsquelle Nachfrage zu halten, ob die jur Ausgabe kommenden (Eier bereits vorhanden sind, und die Eier ge- aebenenfalls sofort abzunehmen, damit unnötige Lagerung bei den Kleinverteilern vermieden wird. Durch diese Handhabung soll erreicht werden, daß die Eier auf dem schnellsten Wege in bestmöglicher Qualität an die Verbraucher gelangen. Da die für die Eierverteiler benötigten Mengen nicht gleich» Ö zur Verfügung stehen und die Sendungen ad nacheinander eingehen, können nicht alle Ladengeschäfte gleichzeitig beliefert werden, wodurch auch die Ausaabe an die Derbraucker nicht überall zu gleicher Zeit erfolgen kann. Jeder Verbraucher wird innerhalb des Derforgunasabschnittes bestimmt in den Besitz der ihm zustehenden Eier gelangen.
Die fiadoffdprdfe.
Um verschiedentlich auftauchenden Gerüchten entgegenzutreten, wird folgendes mitgeteilt: Der Erzeugerpreis für Kartoffeln bleibt für das Gebiet der Landesbauernfchaft Hessen-Nassau auch für diese Woche unverändert bestehen.
Die Hauptvereinigung der deutschen Kartosfelwirt- schäft gibt bekannt: In der Woche vom 7. bis 13. September 1941 gelten reichseinheitlich für Speifekartoffeln die gleichen Erzeugerpreise, Verteilerspannen und Derbraucherhöchstpreise, die von der Hauptvereinigung der deutschen Kartoffelwirtschaft mit Anordnung vom 19. August 1941 für die Woche vom 31. August bis 6. September 1941 festgesetzt waren. Hiernach beträgt der Erzeugerpreis für gelbe Speifekartoffeln 3,50 RM. je 50 Kilogramm. Diese Preisanordnung ergeht mit Zustimmung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft und des Reichskommiffars für die Preisbildung.
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** Fünf Gänse gestohlen. In der Nacht zum Samstag wurden aus einem Grundstück im Schissenberger Weg fünf Zuchtgänse gestohlen. Vier Tiere wurden von dem oder den Tätern in roher Weise an Ort und Stelle getötet. Die polizeilichen Ermittlungen nach den Spitzbuben sind itn Gange. Wer Beobachtungen gemacht hat, die der Aufklä- rung des Diebstahls dienen können, möge die Kriminalpolizei benachrichtigen.
Tüc geregelten. Stuhl
Packung ( 75St) RM. 1.45
(Nachdruck verboten.)
12 Fortsetzung.
M ÜlklHMmgMöer
Boman von Horst Alernath
wochnachmittage hatte sie aufgegeben. Jetzt aber, wo das Motorrad und das Grün der jungen Wälder lockten, konnte sie dem Drängen ihres Freundes nicht länger widerstehen und nahm sich ihre Nachmittage> wieder frei. Da sie es vermied, mit Fräulein Zögling überflüssige Worte zu wechseln, fand diese auf dem Küchentisch einen Zettel mit der lakonischen Weisung: Um neun Uhr Kaffee auf- brün, aber stark, und in der kleinen Kanne dem Herrn Docktor auf die Schwölle stellen! — Das Wort Schwölle war dreifach unterstrichen.
Fräulein Zögling sand den Zettel. Sie brühte auch zur angegebenen Zeit den Kaffee auf und sparte nicht mit den Bohnen, aber dem dreifach unterstrichenen Nachsatz zu folgen verbot ihr denn doch ihre Würde. Sie klopfte an, hörte ein aufgestörtes, knurrendes Herein und sah Hellwang hinter schichtweise gelagerten Rauchwolken am Fenster stehen. , _ .
„Wo darf ich den Kaffee hinstellen, Herr Dok- tor?" fragte sie schüchtern und wünschte nun doch, daß sie lieber Kathis Anweisung befolgt hätte, denn Hellwang machte einen ziemlich gereizten und ungnädigen Eindruck.
„Stellen Sie ihn auf meinen Schreibtisch!
Der Schreibtisch war mit Papieren, Zetteln und aufgeschlagenen Büchern übersät. Fräulein Zögling stand einem schwierigen Problem gegenüber.
„Um Himmels willen, was machen Sie da?!" fauchte er sie an, als sie sich anschickte, eine Ecke dadurch frei zu machen, daß sie die Bücher schloß und übereinanderstapelte, „auf dem Schreibmaschinendeckel ist doch Platz genug!"
Sie stellte das Tablett gänzlich verschüchtert^ ab. Hellwang trommelte ungeduldig gegen die Fensterscheibe. „Ach bitte", sagte er scharf, „setzen Sie das nächste Mal doch den Kaffee wie gewöhnlich draußen ab ..." .
„Verzeihung", stotterte Fraulein Zögling und hob die rechte Schulter wie ein gescholtenes Kind.
ich wollte Sie nicht stören, Herr Doktor — ich wollte Sie nämlich bei dieser Gelegenheit um em Buch bitten ... aber nun, o Verzeihung, Verzeihung ... das Lesbare aus der ©reiffmger Leihbibliothek habe ich nämlich schon längst gelesen ... Sie war schon an der Tür. Hellwangs Stimmung
Später, als die Zigarren brannten und die Herren bei der zweiten Flasche sich wieder in Hellwangs Arbeitszimmer niedergelassen hatten, überredete Dollerthun Hellwang, etwas aus dem entstehenden Buche vorzulesen, von dem er vorläufig nur den Titel und einige Stichworte über den rohen Stoff kannte. Der Abschnitt, den er hmte versetzte ihn in Helle Begeisterung, und den Nest, des Abends füllte ein Gespräch über das entstehende Werk, das eigentlich erst beendet wurde, als der Signalstab des Fahrdienstleiters Dollerthuns Zug aus der Halle des Münchener Hauptbahnhofs auf die Reise schickte.
Einen knappen halben Tag nur hatte dieser Besuch gedauert, aber die wenigen Stunden m Dollerthuns Gesellschaft hatten Hellwang ordentlich wohlgetan. Die ehrliche Freude Dollerthuns an dem neuen Buch und das angeregte ©efprad), über dem sie fast die Abfahrtszeit vergessen hatten, spornten Hellwangs Schaffensfreude mächtig an und schufen ihm und der stillgelegten Arbeit neue Beziehungen. Es drängte ihn wieder an den Schreibtisch. Die verblaßte Gestalt seines Helden Friedrich Steuben begann sich wieder mit Mut und Leben zu füllen, und das kalte Bild der Zeit, au dürren Quellen geschöpft, verdichtete sich m Hellwangs schöpferischer Vorstellung zu bewegter, bun- wieder. Die Kinder mutzten auf den Spielpartner beim Quartett und Schwarzen Peter verzichten. In dem Aschenbecher auf dem Schreibtsch wuchsen die Zigarrenreste wieder zu ansehnlichen Bergen auf, und Kathi mußte sich wie der daran gewöhnen, abends um neun das kleine, zwei Tatzen satzende Kännchen Kaffee aufzubruhen unb unter der dick wattierten 6°ub° °uf d ° Schwelle des Arbeitszimmers zu stellen. Dort brannte die Lampe bis m die tiefe Nacht hmein, und die Falter pumperten gegen die matt eryeu ten Rechtecke der Fenster.
Aber der Schwung hielt nicht lange an. „Sie fehlen mir als Punchingball, lieber Vollerthun , schrieb Hellwang an den Verleger; „ich komme mir wie ein Huhn vor, das die schönsten E:er legt, ohne daß jemand sein stolzes Gegacker beachtet.
Es war inzwischen Sommer geworden, nach einem Winter, der ungewöhnlich streng gewesen war und ungewöhnlich lange angehalten hatte. Bis in den tiefen April hinein hatte der Himmel aus grauen Wolken Schnee auf die Erde geschüttet. Fräulein Zögling war nun schon über vier Monate im Hause. Der Sommer schien sie oerjungt zu haben. Sie trug ärmellose helle Kleider, und die Pflege um die Blumenbeete im Garten unter der prickelnden Junisonne hatte ihr Haar erstaunlich gebleicht und ihrer Hautfarbe einen rosig bräunlichen Schimmer verliehen. Die alten Herren guckten Üb?r den Zaun, wenn sie mit den Kindern in den Wald oder zum Kaufmann ging: und UJiajor Habedanck hatte ihr einen Strauß von dem weißen, gefüllten Flieder über die Sprossen gereicht, von dem Ausstellungsflieder, dem sich seine Gattin nur auf drei Schritten (Entfernung nähern durfte, wenn sie eine Schere in der Hand trug.
An dem Verhältnis zwischen Fräulein Zögling und Kathi hatte sich nichts geändert. Sie standen sich sozusagen Gewehr bei Fuß in abwartender Haltung gegenüber, wie zwei feindliche Heere, die nur irgendwelche äußeren Umstände daran hindern, aufeinander loszugehen.
Kathi erlebte übrigens zur Zeit gerade einen neuen Liebesfrühling. Er hieß Xaver Simmets- rciter und war Gehilfe beim Sp en gl erweist er Schmied!. Nach einem besonders strengen Nachtfrost war im Hause ein Wasserrohr eingefroren gewesen. Xaver hatte es „aufgeleint , und so war die Bekanntschaft zustande gekommen. Außerdem aber besaß der Xaver ein Motorrad, das nun öfters in der Nähe des Hellwangfchen Hauses parkte, und auf dessen Homsignale — lang, kurz, kurz — das ganze Haus, mit Ausnahme von Fräulein Zögling natürlich, eingespielt roar Edcholl das Zeichen, so pflanzte sich der Ruf: „Kathi, der Kaveri!" von dem, der ihn zuerst vernommen nut allergrößter Geschwindigkeit bis zu Kathis Standort fort. Kathi hatte in diesem Jahr auf alle Faschingsfreuden verzichtet, sogar die fteien Mitt-
schlua plötzlich um, und fein Ausdruck änderte sich im Handumdrehen.
„Oh — —" rief er bestürzt und ehrlich erschrocken, daß gerade in seinem Hause ein Mensch geistigen Hunger litt, „aber liebes Fräulein Zögling, weshalb sind Sie nicht schon längst zu mir gekommen?!" Er schaltete die Deckenbeleuchtung ein. „Bitte, suchen Sie sich nur etwas aus, ober darf ich Ihnen behilflich sein? Was lesen Sie gern? Was bevorzugen Sie? Dort stehen die Memoirenwerke, in den Mittelfächern historische Romane, weiter links schöne Literatur, moderne und alte Autoren. Kennen Sie Stendhal?"
„Nur die .Karthause von Parma' ..."
„Dann nehmen Sie vielleicht ,Rot und Schwarz', aber ich überlasse das selbstverständlich Ihnen! Wählen Sie sich aus, was Sie mögen." — Bücher ... das war natürlich ganz etwas anderes! Weshalb hatte sie es nicht gleich gesagt? Er bedauerte seine anfängliche Schroffheit.
„Sie lesen gern, wie?" fragte er freundlich.
„3p jeder freien Minute. Ich kenne kein schöneres Vergnügen, als bei einem guten Buch zu sitzen. Aber nun will ich Sie nicht länger stören. Darf ich um ,Rot und Schwarz' bitten?"
Er zdg den Band aus der Stendhal-Ausgabe heraus und fttich mit zwei Fingern über den ledernen Buchrücken.
„Oh, Sie stören mich gar nicht so sehr", murmelte er mit einer kleinen Verbeugung und starrte auf die goldenen Buchstaben des Einbandrückens; ich sitze augenblicklich mit meiner Arbeit fest, ja 'Solch ein Werk hat immer feine Untiefen und Sandbänke, verstehen Sie ... manchmal läuft man auf und weiß dann lange nicht, wie man das gestrandete Schiff wieder flottmachen soll ... Er blinzelte in das überhelle Deckenlicht, das er fast nie gebrauchte. „Sie gestatten doch, daß ich die große Lampe ausschalte, das Licht tut meinen Augen weh."
„Bitte, selbstverständlich ...
Das Zimmer sank in warmes Halbdunkel zurück; nur auf dem Schreibtisch lag ein Heller Lichtkreis. Hellwang legte den Stendhal auf das Bücherbrett.
(Fortsetzung folgt.)


