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auch kulturell aus, und dies um so mehr, als auch hier wie im Innern des Reiches und Italiens die Politik als das Primäre der Lebensgestaltung die wesentlichsten Voraussetzungen einer bewußten Zu- sammenarbeit auf dem Gebiete der Kultur geschaf- fen hat. Diese Zusammenarbeit zweier Völker ist beispielhaft und bahnbrechend für die Zukunft der anderen Völker des Kontinents.

Der deutsch-italienische Kulturaustausch erfolgt auf der Grundlage nationalen Selbstbewußtseins. Jedes der beiden Länder bietet seine Kultur in ihrer völkischen Ursprünglichkeit dar. International ist zwar der Name der Filmschau in Venedig, aber deutsch sind die dort gezeigten Filme aus dem Reich wie die aus Italien italienisch sind. Wie auf dem Gebiete des Films ist es auf dem der bildenden Kunst, der Musik, der Bühne, des Rundfunks, der Geisteswissenschaften und der Forschung. Von Jahr zu Jahr hat sich diese kulturelle Annäherung bei Wahrung der natürlichen völkischen Distanz enger gestaltet und auch im Kriege keine Unterbrechung erfahren. Es bewährt sich eben hier die ihr inne­wohnende gemeinsame Kraft wie auch die Stärke des jeweiligen nationalen Kulturlebens.

Deutschland und Italien haben sich kulturell viel zu geben. Deshalb gerade werden auch im Kriege die aufgenommenen Beziehungen aufreckterhalten und neue Fäden geknüpft, damit nach dem sieg­reichen Ende des Krieges die kulturelle Zusammen­arbeit den gewaltigen Ausbau erfahren kann, zu der unsere Völker auf Grund ihrer vieltausendjäh- rigen Vergangenheit und im Interesse ihrer Zukunft des fid) einigenden Europas ist, verpflichtet sind. Niemals ist die Kultur etwas Trennendes zwischen den Völkern gewesen, sie war immer Brücke, völ­kerverbindendes Element, das besonders berufen ist, die Bande herzlicher Völkerfreundschaft enger zu knüpfen. In der Begegnung der beiden wesensver- wandten Revolutionen Deutschlands und Italiens sehen wir nicht nur den Anstoß zur politischen Sammlung Europas, sondern neben der Erschlie­ßung wirtschaftlicher Zusammenarbeit auch den Aufdruck) in ein Zeitalter gegenseitig befruchtender kultureller Blüte, und damit eine kulturelle Sen­dung. D. S.

Oer Wehrmachtberichi vom Gamsiag.

DRB. Aus dem Aührerhauptquarller, ß* Sept. Das Oberkommando, der Wehrmacht gibt bekannt:

Die Angriffsoperationen im Osten sind im guten Aortschreiten.

3m Kampf gegen England belegte die Luftwaffe am Tage Bahnanlagen an der schotti­schen Küste mit Bomben schweren Kalibers und zerstörte in der letzten Rächt ostwärts Sunderland ein Handelsschiff von 3000 BRT.

Ein stärkerer Verband deutscher Kampfflugzeuge bombardierte in den gestrigen Abendstunden mit guter Wirkung hallen und Unterkünfte des Flug­platzes 3 s m a i l i a am Suezkanal. Bei einem An­griff deutscher Kampfflugzeuge auf den britischen Flottenstützpunkt Suez in der Nacht zum 5. Sep­tember wurden drei feindliche Handelsschiffe mit zu­sammen 14 000 BRT. vernichtet.

Der Feind flog weder bei Tage noch in der Nacht tn das Reichsgebiet ein.

Oie Operationen der letzten Woche.

Berlin, 6. September (DNB^) Die deutschen Operationen an der Ostfront wurden im Laufe der vergangenen Woche planmäßig und erfolgreich weitergeführt. In kühn durchgeführten Angriffen brachen die deutschen Truppen an vielen Stellen tief in die sowjetischen Widerstands- linien und Feldstellungen ein. In harten N ah kämpfen, in denen die deutschen Soldaten wiederum ihre kämpferische Ueberlegenheit über den Sowjet-Soldaten zeigten, wurde der oftmals zähe und harte Widerstand der Bolschewisten gebrochen. Zahlreiche sowjetische Verbände wurden vernichtend geschlagen oder vollständig aufgerieben. Das ge­samte Kriegsgerät zahlreicher sowjetischer Infan­terie-, Artillerie- und Panzerregimenter, große Men­gen von Kraftfahrzeugen und. anderen Fahrzeugen wurden vernichtet oder erbeutet. Durch Gewehr- oder Maschinengewehrfeuer wurden 24 Sowjetflug-

zeuge ab geschossen, die deutsche Infanterie-Stellun­gen anzugreifen versuchten. Bei den Kämpfen am Dnjepr und auf anderen Flüssen wurden vier Monitors, sechs Kanonenboote, ein Schnellboot und zwei weitere Schiffe durch Infanterie- oder Artil­leriefeuer versenkt. Eine große Anzahl weiterer Schiffe wurde schwer beschädigt. Bei den vergeb­lichen Uebersetz-Dersuchen über den Unterlauf des Dnjepr büßten die Sowjets große Mengen Schiffs­und Pioniergerätes, darunter zahlreiche Pontons, ein. Die gewaltigen sowjetischen Verluste an Sol­daten und Ausrüstung lassen erkennen, daß das deutsche Heer in der vergangenen Woche den Bol­schewisten in allen Abschnitten der Ostfront schwere Schläge versetzt hat, die für den weiteren Verlau der Operationen von großer Bedeutung sind.

Stolze Wochenbilanz der Lustwaffe.

Berlin, 7. September. (DNB.) Die Briten er­litten bei ihren Versuchen, die Kanalküste und die besetzten Gebiete anzugrerfen, auch in der ver­gangenen Woche erneut empfindliche Verluste, dem Ergebnis des Abschusses von 99 Flugzeu­gen durch Jäger und Flak. Dazu verloren sie^bei ihren wirkungslosen Einflügen ins Reich 35 Bom­ber durch Nachtjäger und Flak. Sie konnten nicht verhindern, daß die deutschen Kampfflugzeuge bei Tag und Nacht die britische Insel zielbewußt angriffen und die Flugplätze, Hafen- und Bahnan­lagen an der englischen und schottischen Ostküste, in den Midlands und in Lincolnshire bombardierten. Die Docks, Dersorgungsbetriebe und Lagerhäuser von hüll und Newcastle an der Tyne wurden schwer getroffen. Zwei britische Bomber wurden über Eng­land selbst abgeschossen.

Nicht minder aktiv war die deutsche Luftwaffe über dem Seegebiet um England. West­lich Pembroke wurden aus einem Geleitzug zwei Handelsschiffe mit zusammen 12 000 BRT. versenkt, bei The Wash zwei Frachter mit 10 000 BRT., ost­wärts Sunderland ein Handelsschiff mit 3000 BRT. und an anderer Stelle ein ebenso großer Frachter zusammen mit einem Vorpostenboot, so daß wieder 28 000 BRT. vernichtet wurden, wozu noch schwere Beschädigungen auf vier Handelsschiffen kamen. Weitere vier Handelsschiffe mit 30 000 BRT. wur­den in der Nacht zum 7. Sept, iift Seegebiet von England versenkt.

Auch in Nordafrika konnten die deutschen Kampfflugzeuge 22 300 BRT. Handelsschiffsraum bei Suez vernichten und zwei Frachter in Brand werfen, so daß die Luftwaffe in dieser Woche wie­der über 80 000 BRT. britischen Schiffsraum ver­nichtete. Die militärischen Anlagen von Tobruk, Alexandria, Port Maud, Ismailia, Suciru am Suezkanal wurden schwer bombardiert.

Im Osten griffen die deutschen Kampfflugzeuge wie bisher in den Erdkampf ein. Sie vernichteten bei Reval und im Finnischen Meerbusen 74 000 BRT. Transportschiffsraum, beschädigten 39 Transporter schwer, versenkten einen sowjetischen Kreuzer, zwei Zerstörer und beschädigten vier Zer­störer sowie einen Hilfskreuzer schwer. Auf d e ry Dnjepr versenkten sie ein sowjetisches Kanonen­boot und schossen drei weitere in Brand. Die Eisen­bahnanlagen ostwärts der Front lagen ständig un­ter ihrem Bombenhagel, insbesondere im Raum von Charkow und südwestlich Moskau.

Tapfere Kretakämpfer

mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.

Berlin, 6. September. (DRV.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen: Gene­ralmajor R a m ck e, Major Kroh, Oberstabsarzt Dr. Reumann, Oberfeldwebel W e l s k o p, Feldwebel K e m p k e und Feldwebel Schuster.

*

Generalmajor Ramcke ist aus dem Mannschafts­stande hervorgegangen und hat als 51jähriger sich freiwillig zur Fallschirmtruppe gemeldet. Beim Einsatz Kreta führte er als Oberst ein Sturm­regiment und hatte entscheidenden Anteil an'der Einnahme des Flugplatzes Maleme. Auch bei der Einnahme von Chania trug er durch umsichtige Truppenführung und hervorragende persönliche Tapferkeit wesentlich zum Siege auf Kreta bei. Major Kroh wurde mit seinem Fallschirmjäger- Bataillon in besonders schwierigem Gelände bei

Rethimnon eingesetzt und hat, von überlegenen Feindkräften eingeschlossen, auf engstem Raum acht Tage lag ohne Nachschub schwerste Angriffe des Feindes zurückgeworfen. Oberstabsarzt Dr. Neumann ist als Regimentsarzt mit feinem Kommandeur beim Flugplatz Maleme abgesprun­gen. Als hervorragender Kämpfer hat er wiederholt Schwerverwundete in vorderster Linie in feindli­chem Feuer verbunden und geborgen. Mit der Ver­leihung des Ritterkreuzes ist zugleich der helden­hafte Einsatz des Sanitätsdienstes der Fallichirm- truppe geehrt worden. Oberfeldwebel Wels- t o p hat als Zugführer in einem Fallschirmjäger­regiment eine beherrschende Höhe bei Chania ge­stürmt und gegen erbitterte Angriffe des Feindes in blutigen Nahkämpfen gehalten. Feldwebel Kempke Hot, beim Angriff auf Kreta zu einem Handstreich auf eine feindliche Flakbatterie weit hinter der Front eingesetzt, als sein Zugführer aus- fiel, mit seinen Männern gegen heftigen Widerstand des weit überlegenen Gegners zwei Geschütze der feindlichen Batterie gestürmt. Feldwebel Schu - st er übernahm, bei dem Flugplatz Maleme ein­gesetzt, als Oberjäger anstelle des ausgefallenen Offiziers die Führung des Zuges, hob eine feind­liche Flakbotterie aus und erstürmte eine Stellung, die er bis zum Eintreffen stärkerer Kräfte trotz empfindlicher Verluste tapfer gegen alle feindlichen Angriffe hielt.

Sieben Briten abgefchoffen.

Berlin, 7. Sept. (DNB.) Angriffsversuche bri­tischer Bombenflugzeuge in den Sonntagnachmit­tagstunden an der holländisch en Küste mür­ben von deutschen Jägern unter Verlusten für den Feind zum Scheitern gebracht. Die Me. 109 schossen aus dem Bomberverband drei Flugzeuge des Mu- sters Bristol-Blenheim heraus. In weiteren Luft­kämpfen wurden vier Spitfires abgeschossen.

Britische Kontrolle der irakischen Armee.

Ankara, 6. September. (Europapretz.) Der bri« tische Oberst Ward, bisher Platzkommandant des Hafens Basra, wurde auf Grund eines Erlasses der irakischen Regierung zum General in der irakischen Armee ernannt. Damit ist zum er­sten Male seit der offiziellen Abschaffung des ira­kischen Mandats ein hoher irakischer Offiziersposten mit einem britischen Offizier besetzt worden. Unter einer Kontrolle soll die Neuorganisierung der ira­kischen Armee im britischen Sinne durchgeführt wer­den.

post aus dem blockierten Dschibuti.

Vichy, 7. Sept. (Europapreß.) Aus dem durch britische Truppen blockierten Dschibuti, der französischen Kolonie an der Küste des Roten Mee­res, traf am Sonntagmorgen ein Flugzeug in Mar­seille ein. Es war am Samstag gestartet und hatte viel Post an Bord. Wie die Flieger erklärten, hat die Bevölkerung von Französisch-Somaliland durch die unmenschliche Blockade schwer zu leiden. Sie sei durch Krankheiten, die insbesondere unter den Kindern um sich greifen, dezimiert. Es denke aber niemand daran, sich den Engländern zu unter­werfen.

Kleine politische Nachrichten.

Deutsche Fernkampfbatterien nahmen an der Ka- nalküste britische Seestreitkräfte auf große Entfernung unter Feuer. Bereits nach den ersten Granaten drehten die britischen Schiffe ab, zwei wurden getroffen und blieben schwer beschädigt längere Zeit liegen. Später waren sie nicht mehr zu sehen, so daß mit ihrem Untergang ge rechnet werden kann. *

Im Südabschnitt des festen Ringes um To­bruk wiesen deutsche und italienische Vorposten ver­einzelte Vorstöße der Briten ab. Die Versuche bri» tischer Spähtrupps, die durch Panzerkampfwagen unterstützt wurden, brachen im Feuer der Waffen der Achsentruppen zusammen.

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In der Nacht zum Sonntag wurde in der ita­lienischen Hauptstadt auf Grund von Warnungen der Beobachtungsstellen Fliegeralarm gegeben. Einige Batterien des äußeren Flakverteidigungs- gürtels schossen Sperrfeuer.

Hannover bereitete dem italienischen Staatsmini­ster F a r i n a c c i bei der Eröffnung der italieni»

Oer Staatsakt für Hugo Bruckmann.

München, 6. September. (DNB.) In einem vom Führer angeordneten Staatsakt hat das na­tionalsozialistische Deutschland in Treue und Dank­barkeit von Hugo Bruckmann Abschied ge­nommen. In würdigem Schmuck bot sich der Hof des Deutschen Museums dar, als der Sarg mit den sterblichen Ueberreften des Heimgegangenen, von Poltischen Leitern getragen, auf den Sarkophag gehoben wurde, hinter dem mit der Blutfahne Ratsherr Grimminger Aufstellung genommen hatte. Vor dem Sarkophag versammelten sich mit den Hinterbliebenen die Teilnehmer des Staatsaktes, unter ihnen der Reichsstatthalter in Bayern, Reichs­leiter General Ritter von Epp, der bayrische Ministerpräsident und Präsident der Deutschen Aka­demie, Siebert, eine Abteilung der Parteikanzlei mit Oberbefehlsleiter Friedrichs an der Spitze, Oberbürgermeister F i e h l e r und viele andere. Nach dem Trauermarsch aus der ^-Dur-Sonate von Beethoven gedachte Gauleiter Wagner mit tief empfundenen Worten des Verstorbenen. Der Führer fei, so führte er aus, bei feinen Soldaten. Im Geiste aber fei er hier und trauere mit den Angehörigen, mit der ganzen Partei und mit den Männern und Frauen des deutschen Geisteslebens. Der Gauleiter schilderte, was Hugo Bruckmann dem Führer schon gewesen ist in einer Zeit, als nur ein kleines Häuflein sich um ihn geschart hatte, und als der erste anerkannte deutsche Geistesführer zu ihm stieß. Hugo Bruckmann habe die Zeit des groß­deutschen Sehnens verbunden mit der Zeit des glückhaften großdeutschen Werdens. Sein ganzes Lebenswerk fei ein immerwährender Einsatz für deutsches Leben und deutsche Kultur gewesen.

Hierauf legte der Gauleiter, während die Ehren­formation der Waffen-^ präsentierte und die Fah­nen sich senkten, den Kranz des Führers nieder. Nach dem Staatsakt wurde der Sarg unter den Klägen des Präsenttermarsches, geleitet von einer Ehreneskorte des NSKK., zum Münchener Waldfriedhof gebracht, wo die Bestattung erfolgte.

schon Kunstausstellung Premio di Cremona einen herzlichen Empfang. Gauleiter und Oberpräsident Lauterbacher gab seiner Freude Ausdruck, einen der ältesten Mitkämpfer des Duce willkommen au heißen und begrüßte auch die in Hannover weilende Vertreterin der spanischen Frauenorganisatton, Frau Pilar Primo de Rivera.

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Der ehemalige französische Ministerpräsident Pierre Laval, auf den kürzlich ein britisch-kommu­nistischer Agent einen Anschlag verübt hatte, ist so­weit wiederhergestellt, daß er am Sonntag zum ersten Male sein Krankenbett verlassen konnte. Sein erster Besuch galt Marcel Dtzat, der bei dem An­schlag ebenfalls verwundet worden mar.

, (

Vom 14. bis 20. September veranstaltet das Außenamt der Dozentenschaft der deutschen Uni­versitäten und Hochschulen in München einen Kur­sus für Ausländer, der den Ausländern einen zu­sammenhängenden Einblick in die Grundlagen un­serer Kultur und des Kulturschaffens des national» sozialistischen Deutschlands vermitteln soll.

In Schanghai verübten Terroristen abermals einen Mordübersoll. Sie schossen in dem von Ja­panern besetzten Stadtteil Hangkow auf zwei Mit­glieder des japanischen Konsulats. Ein Sergeant wurde schwer verletzt. Die Täter entkamen uner­kannt.

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Die AusstellungDer Jude in Frankreich" wurde im Pariser Palais Berlitz auf dem Großen Boule­vard der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Aus­stellung zeigt in Bild und Wort, wie es den Juden gelang, sich in allen Zweigen des wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Lebens festzusetzen. In einer besonderen Abteilung wird die Zusammen­arbeit der Juden und der Freimaurer in Frankreich gezeigt.

Der Generalsekretär im Landwirtschaftsministe­rium, F r e a u b, erklärte, daß die diesjährige Ge­treideernte die Ernährung Frankreichs sicherstelle. Durch Beschleunigung des Drusches würde die chwierige Zeit zwischen den beiden Ernten über­brückt werden.

Sechs Suffelchen.

Von Hans Rieb au.

Bis Hannover hatten wir uns schweigend gegen­über gesessen, der selbstsichere Herr mit dem schwarz- umränöerten Monokel und ich. Dann aber legte er die Zeitung weg, räusperte sich donnernd und sing alsbald ein Gespräch an, in dessen Verlauf ich den Lebenslauf des selbstsicheren Herrn vom ersten Schultag bis heute erfuhr.

Er hieß Kurka, Alfred Kurka, jawhl, war in Brasilien geboren, in Kopenhagen und München erzogen, hatte alle Hürden des Aufstiegs und des Erfolges mit zusammengebissenen Zähnen plan- mäßig übersprungen und war heute Einkäufer der seltsamen, nichtsdestoweniger aber seriösen Firma Sonntag in Berlin, deren Aufgabe darin besteht, Zauberkünstler, Zirkusse, Varietes und Zoologische Gärten mit Geräten der absonderlichsten Art zu ver­sorgen.

Ich hörte aufmerksam zu, und etwas anderes schien^ Kurka auch nicht von mir zu erwarten.Ja­wohl", sagte er,ich habe es zu etwas gebracht, und wissen Sie, wodurch?" Seine Augen blitzten.

Ich wußte es nicht.

Durch ein einfaches Rezept. Ich habe mich nie verblüffen lassen, aber auch durch gar nichts, und ich behaupte, auf unserer nüchternen und mit dem Zentimetermaß auszumessenden Welt gibt es auch nichts, was einen intelligenten und klarblickenden Menschen in Staunen oder Verblüffung versetzen könnte. Stimmt's?"

Hm, hm", murmelte ich,ich weiß nicht recht

Aber ich weiß!" rief der selbstsichere Herr.Was ist unser Leben? Ein Wechselspiel zwischen Ursache und Wirkung, und. wenn ich irgendwo eine Wirkung sehe, bann habe ich als denkender Mensch die Ur­sache zu finden, und damit basta! Köpfchen, Köpfchen!"

Er schlug sich dreimal ebendort hin, und dann fing er an, Beispiele zu erzählen. Wie er im bra» silianischen Urwald Löwengebrüll gehört und wie er blitzschnell nachgedacht habe: Löwen? Gibt es in Brasilien Löwen? Nein! Also brüllen die Tiere aus einer Schallplatte, hie Äagdsreunde rvosien sich

einen Ulk machen, und so war es dann natürlich auch, jawohl, hahahahaha!"

Nein, es gab für ihn kein Wunder und kein Problem, das nicht in Sekundenschnelle zu durch­schauen wäre.

Inzwischen lief der Zug in Bremen ein. Ich griff nach meinem Koffer.Sie wollen ausfteigen?" rief Kurka,schade, schade. Fahren Sie mit mir nach Wesermünde."

Das ist nicht möglich", sagte ichaber Sie können hier ausfteigen, in Bremen übernachten und morgen früh mit dem ersten Zug nach Wesermünde weiter­fahren."

Ausgezeichnet!" nickte Herr Kurka, nahm auch seinerseits den Koffer, und zwanzig Minuten später saßen wir imFlett", tranken kühles Bier, und Herr Kurka fuhr fort, mir zu beweisen, wie leicht das Leben zu meistern sei, wenn man sich nicht ver­blüffen lasse. Hier nun gelang es mir nach dem dritten oder vierten Glas, ein Wort dagegen zu sagen.Das Leben", so erlaubte ich mir zu be­merken,ist manchmal nicht mit dem Metermaß zu messen. Die Liebe zum Beispiel! Wer könnte sie begreifen? Und warum haben Zwillinge ähnliche Schicksale? Oder weshalb gibt's, wenn die Sonne Flecken hat, mehr Erdbeben als sonst? Sagt nicht schon Goethe, daß es zwischen Himmel und Erde mancherlei Dinge gibt, von denen unsere Schul­weisheit ..."

Herr Kurka lachte mich laut aus.Das dümmste Wort, das es gibt", sagte er,mein Chef, Herr Sonn­tag in Berlin, hat auch eine Vorliebe für solche be­quemen Ausflüchte. Ich werde Ihnen erzählen, wie er damit hereingefallen ist. Passen Sie auf."

Ich paßte auf. Aber in diesem Augenblick geschah etwas. Der Kellner kam mit einem Telegramm an den Tisch.Herr Kurka?" lächelte er.

Jawohl", sagte Kurka,das bin ich."

Dev Kellner gab ihm das Telegramm, Kurka nahm es, saß einen Augenblick stumm und starr, öffnete es und las vor:Kurka. Flett. Bremen. Kauft sechs Susselchen und sendet expreß nach Berlin. Sonntag."

Susselchen?" fragte ich,was ist das?"

Kurka war blaß geworden. Er strich sich mit der Hand über die Stirn, las das Telegramm zum zweitenmal und antwortete erst dann auf meine Frage.Susselchen das sind so kleine ich glaube, die Jongleure gebrauchen sie$ » _

Aber, aber!" sagte ich.Sie sind doch nicht etwa verblüfft?"

Kurka richtete sich mit einem Ruck auf. Nein, er war nicht verblüfft, ganz und gar nicht. Immer­hin

Immerhin", fuhr ich fort,haben wir uns als intelligente Menschen zu fragen: Wie kann Ihr Chef in Berlin wissen, daß Sie zu dieser Zeit in Bremen im Flett sitzen? Haben Sie sich nicht erst vor drei­einhalb Stunden entschlossen, die Fahrt nach Weser­münde zu unterbrechen?"

Der Mann, der sich nie verblüffen läßt, antwortete nicht. Aber seine Schultern sanken nach vorn, das Monokel baumelte über dem weißen Tischtuch, und seine blitzenden Augen waren zu trüben Matt­scheiben geworden. Der selbstsichere Herr Kurka machte eine Krisis durch.

Kommen Sie", sagte ich,wir wollen Susselchen kaufen."

Herr Kurka kam, wir gingen durch die Straßen, hierhin und dorthin. Plötzlich blieb Kurka stehen und flüsterte:Es ist die schlimmste Stunde meines Lebens, und was Susselchen sind, weiß ich auch

Wir werden es erfahren", tröstete ich,wo können wir uns erkundigen. Wir erkundigten uns. Im Warenhaus. In der Apotheke. Im Scherz- und Zauberartikelgeschäft. Beim Juwelier. Beim Alt­warenhändler. Niemand wußte, was Susselchen sind. Wahrscheinlich ist es ein Druckfehler", sagte ich.

Kurka schüttelte müde den Kopf.Und wenn es ein Druckfehler wäre! Wie kann mein Chef "wissen, daß ich in Bremen bin und"

Er dachte nach, daß es rauchte, und schließlich, gegen Abend, hatte er doch noch einen Einfall. Er rief die Schriftleitung einer Zeitung an, und da Schriftleiter alles wissen, erfuhr er im Handum- drehen:Susselchen, das ist eine Abart des Ziesels. Wenden Sie sich an eine Pelzhandlung."

Wie im Traum gingen wir in eine Pelzhandlung und kauften sechs Susselchen für hundertfünfund­sechzig Mark.

Dann verabschiedete sich Kurka von mir und wankte, hundert bohrende Zweifel in der Brust, zur Expreßgutabteilung des Hauptbahnhofs.

Ich blieb zurück, schloß die Augen und dachte an die hundertfünfundsechzig Mark. Mein Herz klopfte laut. Daß es wirklich so etwas wie Susselchen gibt, das habe ich aus Ehre! nicht gemufft als ich

im Flett den Kellner beauftragte, meinen Bruder in Berlin anzurufen und ihn zu bitten, an den Herrn, der sich nie und unter feinen Umständen ver­blüffen läßt, zu telegraphieren:Kauft sechs Sussel» chen und sendet expreß nach Berlin. Sonntag."

Volkskunst an alten Bienenstöcken.

In einsamen Bergtälern, abseits vom breiten Wanderwege, findet man merkwürdige holzgeschnitzte und farbig bemalte Bienenstöcke, dieKlotzbeuten" genannt werden. Schlesien besitzt im Dorfe Höfel im Kreise Löwenberg 20 Stöcke, die einen besonde­ren Schatz dieser Art darstellen. Der Bauer schnissle gern in langen Winternächten Figuren in weiches Holz, daß er dabei wunderliche Formen wählte, sucht F. Wied ermann in den Monatsheften Germanien" zu erklären. Diese Klotzbeuten waren im Mittelalter sehr häufig zu finden, die Imkerei nahm damals eine besonders geachtete Stellung ein, sie galt als einkönigliches Handwerk", und ihr Gerät trug die Sinnbilder des höheren Denkens. Aus dem Väterglauben stammten die alten Sinn­bilder, die wohl in ältester Zeit dem Gerät als Vor­bild dienten. Das Mittelalter machte sie oft zu Dämonen" undbösen Geistern", deren Wirken man abwehren wollte, und darum erhielten die Bienenstöcke als Schutz geschnitzte Masken. So ent­standen Klotzbeuten in Tiergestalt, Löwen und Bären, Hunde und Igel. In späterer Zeit wählte man Darstellungen des Heidentums, Türken und Mohren, die gleichfalls der Abwehr böser Geister dienen sollten.

Einen völligen Wandel brachte die Barvckkunst, die unter dem Einfluß der Gegenreformation stand und kirchliche Motive in den Vordergrund stellte. Es entstanden Figuren von lebten und Bischöfen, von Heiligen und Gestalten des Alten Testaments. Auch der Gutsherr wurde dargestellt, ebenso Sol­daten. Einer der Figurenstöcke von Höfel zeigt auch den Bienenvater, Ueberschaar mit Namen, der sich im steifen Hut und mit seinemGottesttschrock" darstellen ließ. Alle diese Figuren sind aus Holz geschnitzt und ausgehöhlt. Sie sind farbig bemalt und zeigen selbst heute, mit den Spuren des Ver­falls, noch an, daß sie einst sorgfältig betreut und mit Liebe gepflegt' worden sind. C. K.