stattet, so baß der Besucher fast den Eindruck gewinnen kann, hier in einer Drogerie mit allen Hilfsmitteln zu stehen. Daß bei der reichen ma- schinellen Ausstattung auch moderne Büromaschinen zur Ausbildung der Schüler und Schülerinnen vor- yanden sind, sei hier der Vollständigkeit halber vermerkt. Schöne helle Unterrichtsräume in gediegener Ausstattung vervollständigen den guten Eindruck, den der Besucher dieser Schule gewinnt.
*
Nachdem nunmehr die Stadt Gießen die Schule übernommen hat. darf man die Gewißheit hegen, daß ihr eine weitere gute Aufwärtsentwicklung gesichert wird. Dem großen Interesse des Oberbürgermeisters Ritter für die Heranbildung eines guten Nachwuchses an kaufmännischen und Verwaltungskräften für die private und die öffentliche Wirtschaft ist es vor allein zu danken, daß mit der Heber- nähme der Handelslehranstalt durch die Stadt sofort alle Schritte zur Verwirklichung der Wirtschaftsoberschule und damit zur Erschließung des Hochschulstudiums für die Besucher dieser Schule unternommen worden sind. Wir dürfen mit Genugtuung auf dieses neue Feld der städtischen Arbeit blicken, von dem künftighin reicher Segen für die Bevölkerung unserer engeren Heimat und damit zum Nutzen der deutschen Gesamtwirtschaft ausgehen wird. B.
Dornoiizen.
Tageskalender für Samstag.
HÄ.-Veranstaltungs-Ring: 18.30 Uhr im Stadttheater „Der Vogelhändler". — Gloria-Palast (Sel- tersweg): „Operette". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „2)ie Finanzen des Großherzogs". — 1889—1939: 20 llhr im Gasthof Boller Zusammenkunft.
Tageskalender für Sonntag.
Ortsgruppen Gießen-Mitte und -Ost: 11 Uhr in der Großen Aula der Universität Verleihung der Mütter-Ehrentreuze. — Stadttheater: 15.15 bis 18 Uhr „Tie land"; 19 bis 22 Uhr „Ungarische Hochzeit". —. Gloria-Palast (Seltersweg): „Operette". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): ,j)ie Finanzen des Großherzogs". — Reichstreubund ehemaliger Berufssoldaten: 16 Uhr im „Burghof" Standort-Appell.
Sladtlhealer Gießen.
Am Sonntag wird d'Alberts Oper „Tiefland" als Nachmittags-Fremdenvorstellung wiederholt. Die musikalische Leitung hat Otto Söllner, die Spielleitung Hans A. Sckewe. Es wirken mit: Anni Afsion, Valeska Lange, Aenne Mayr-Elgg, Lisel Schröter- Beckers, Ilse Winhold: Gustav Bley, Kurt Bosny, Gustav Brunn, Heinrich Durst, Bernhard Schmitz. Außer Miete. — Am Abend kommt der große Ope- rettenerfolg „Die ungarische Hochzeit" von Nico Dostal zur Aufführung. Musikalische Leitung: Arthur Apelt. Spielleitung Harry Grüneke. Bühnenbild: Karl Löffler. Tanzleitung: Irmgard Trömel. Außer Miete.
Marie Hamsun in Gießen.
Marie Hamsun, die Gattin des großen norwegischen Dichters Knut Hamsun, unternimmt zur Zeit auf Einladung des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda und der Nordischen Gesellschaft eine achtwöchige Dortragsreise durch Deutschland, die sie in nahezu alle Gaue des Groß- deutschen Reiches führen wird. Marie Hamsun ist, wie ihr Gatte Knut Hamsun, der schon im Weltkrieg, aber auch in jüngster Zeit wieder seine Stimme erhoben hat, wie er überhaupt die Geschicke Deutschlands stets mit großer Anteilnahme und Leidenschaft verfolgt hat, ein Freund Deutschlands. Es wird daher mit besonderer Freude begrüßt werden, daß es möglich war, eine Lesung von Frau Hamsun auch in Gießen einzurichten, die am kommenden Montag im Rahmen des Gießener Vortragsringes vom Goethe-Bund, der Kulturellen Vereinigung und der Volksbildungsstätte Gießen in Verbindung mit der Nordischen Gesellschaft durchgeführt wird.
Gießener Konzertring.
Einen Kammermusikabend veranstaltet im Rahmen des Gießener Konzertrings am kommenden Sonntag, 16. Februar, das bekannte Stroß- Ouartett, das fowhl über hohes künstlerisches Einzelkönnen der Spieler als auch über hervorragende Sicherheit und Kultur des Zusammenspiels verfügt. Das rein klassische Programm enthält Werke von Mozart, Schubert und Beethoven.
Wenn Äugen versagen Magnus-Brillen trägen!
Gießener Dochemnarkkpreise.
Nachstehende Preise sind Händlerpreise und verstehen sich fürÄ-Ware Für 6-Ware oder abfallende Ware sowie für Selbsterzeuger liegen die Preise niedriger
* Gießen, 8. Fedr. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8 bis 9, Wirsing, % kg 12 bis 13, Weißkraut 10, Rotkraut 12 bis 13, gelbe Rüben 12 bis 14, rote Rüben 11 bis 13, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 10 bis 14, Kartoffeln, J4 kg 4,3, 5 kg 43, Aepfel, % kg 28 bis 40, Sellerie 20 bis 23 Rpf.
Landkreis Gießen.
* Dillinaen, 8. Febr. Am heutigen Samstag, 8. Februar, feiern der Landwirt Georg Bom- mersheim III. und Ehefrau Luise, geb. Zimmer, Graubergstraße 27 wohnhaft, das Fest der goldenen Hochzeit. Aus der Ehe des Jubelpaares sind sechs Kinder hervorgegangen, von denen ein Sohn im Weltkrieg 1914/18 den Heldentod starb. Mit ihren Kindern erfreuen sieben Enkel und ein Urenkel die heutigen Jubilare. Den Jubilaren bringen auch wir unfern herzlichen Glückwunsch dar.
Einsatz von Haushalthelferinnen.
Eine neue Berufsmöglichkeit für Frauen und Mädchen.
Es gibt heute noch manche Frau und manches Mädchen, die besonders jetzt im Kriege gerne ihre Kraft mit einsetzen möchten, aber aus verschiedenen Gründen noch feinen Anschluß an einen Beruf gesunden haben. Ihnen wird in einem weiten und dankbaren Einsatzgebiet eine neue und geregelte Berufsmöglichkeit geboten.
Menichen, die es verstehen zuzugreifen, und die bereit sind, sich immer dort einzusetzen, wo es erforderlich ist, sind immer sehr gefragt. Und das besonders heute! So fehlen beispielsweise vor allen Dingen für die Hausfrau und Mutter Helferinnen, die ihr im Falle einer Erkrankung beistehen können, die das Hauswesen für einige Wochen zu übernehmen vermögen, wenn die Mutter ins Krankenhaus muß, und die auch der jungen Mutter in den ersten Wochen vor und nach Der Geburt eines Kindes die Arbeit abnehmen oder erleichtern. Solche Helferinnen gibt es auch im Gau Hessen-Nassau seit einiger Zeit. Und daß an sie allerlei Ansprüche gestellt werden müssen, ist selbstverständlich. Das Deutsche Frauenwerk hat es' daher übernommen, ihnen zu helfen, d. h. ihnen das nötige Rüstzeug für den Einsatz als Haushalthelferin, ober, wie sie auch noch genannt werden, als Mutterschaftshelferin zu vermitteln. Vier Wochen Schulung in der Gaubräuteschule dienen dazu, auf allen Gebieten der Hauswirtschaft, der Kinderpflege und der Kindererziehung Kenntnisse nicht nur theoretisch, sondern auch vraktisch zu erwerben.
Wir treffen die ersten Teilnehmerinnen an einem solchen Lehrgang in Weilburg, wo die Gauenfrauen- fchaftsleiterin, Frau Erna Westernacher, zu ihnen spricht. Wenn wir uns die Frauen ansehen, die da im Kreise sitzen und aufmerksam zuhören,
und vor allen Dingen, wenn wir später hören, wie sie aus ihrem eigenen praktischen Einsatz und' ihren Erfahrungen erzählen, dann gewinnen wir schnell ein Bild davon, welche Frauen und Mädel für diesen von der NSV. hauptamtlich bezahlten Berus in Frage kommen. Da gibt es Witwen und praktisch veranlagte Mädel ober solche Frauen, die aus irgendwelchen Gründen plötzlich auf eigenen Füßen stehen müssen, und ihnen allen tut sich hier ein weites und befriedigendes Tätigkeitsfeld auf.
Die Haushalthelferin, die als Angestellte der NSV. eine Bezahlung von 100 bis 150 RM. brutto erhält, wird stets da eingesetzt, wo Not herrscht und keine andere Hilfskraft zu haben ist. Selbstverständlich kommt ein Einsatz bei asozialen Familien nicht in Frage. Erfolgt die Betätigung in einer Familie, die finanziell in der Lage wäre, die Haushalthelferin selbst zu bezahlen, so kann die NSV. eine Abgeltung verlangen. Die Haushalthelferin selbst wird vom augenblicklichen Arbeitgeber nie bezahlt, sondern stets von ihrer Einsatzstelle, der NSV.
Es ist zu hoffen, daß sich im Gau Hessen-Nassau, vor allem in den größeren Städten, noch viele Haushalthelferinnen zur Verfügung stellen. Eines konnten wir in der Unterhaltung mit den ersten bereits eingesetzten Frauen immer wieder feststellen: Es herrschte große Zufriedenheit mit dem neugewählten Beruf. Das Deutsche Frauenwerk, bas die Frauen nach ihrer Einsatzfähigkeit auswählt und ihre Schulung übernimmt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Frauen in ihrem gewiß nicht leichten Beruf überall beizustehen.
Mit dem Einsatz von Haushalthelferinnen wird ein weiterer Beitrag zur Hilfe für die kinderreiche Mutter geleistet.
Morgen Wilhelm-Dodaege-Gedächtnislauf.
Wie der Ski-Klub Gießen uns mitteilt, soll der früher schon geplante, Dann aber abgesagte Wil-' Helm-Wodaege-Gedächtnislaut (Abfahrtslauf) nun« । mehr am morgigen Sonntag, 9. Februar, au£ dem Hoyerodskopf ourchgefuhrt werden. Ob die Strecke vom Hoherodskopf in Richtung Breungeshain genommen wird, ist nicht vorauszusagen, da die Entscheidung von den örtlichen Verhältnissen abhängt. Wievi l Wettkämpfer teilnehmen werden, steht ebenfalls nach nicht fest, da die Meldungen erst am eonn agmorgen im Klubhaus auf dem Hoherodskopf entgegengenommen werden.
Punkt vielleicht den Verlust des Anwartschafts- rechtes auf die Meisterschaft.
1900 — Luftwaffe.
Die Blau-Weißen empfangen morgen die Luftwaffe zum Rückspiel. In diesem Spiel müssen die Platzbesitzer auf Luther und Greven verzichten, da nach den Bestimmungen Angehörige einer Formation in Wettkämpfen nicht gegeneinander spielen Dürfen. Für die Blau-Weißen vedeutet dies einen schweren Verzicht. Trotzdem hat man mit Saun- spach, Jäger, Goß, Theiß, Kraft I, Mank (Erhard), Schellhaas, Kraft II, Jürgens, Sittner, Koch immer noch eine beachtliche Vertretung zur Stelle, der es bei entsprechendem Einsatz möglich sein sollte, mit Erfolg zu bestehen.
Sportfreunde Wetzlar — AL. Wahenboru-Steinberg.
ist. Das Spiel dürfte den Charakter eines Lokalspieles haben.
Sollten die 1900er in stärkster Besetzung antreten können, so steht die Luftwaffe vor einem weiteren. Punktverlust, zumal ihr bester Spieler noch gesperrt
O.e Bezirksklasse am Sonntag.
1900 — Luftwaffe
05 Wetzlar — Burgsolms Sportfreunde — Watzenborn-Steinberg.
Die Teutonen" fahren am kommenden Sonntag zum weiteren Kriegsmeisterschaftsspiel zu den „Sportfreunden" Wetzlar. Wenn auch der Gang nicht so schwer werden wird, wie vor einigen Sonn- ___________ tagen zum Tabellenführer Sportv. 05 Wetzlar, so weiteren, darf er trotzdem von dem Meister 1939/40 nicht 1 auf die leichte Schulter genommen werden, gelang es doch gerade den Wetzlarer Vorstädtern, kürzlich gegen die spielstarke Mannschaft vom VfL. Mar-
Im Falle eines Spielverlusts, der für Burgsolms Jo gut wie sicher ist, scheidet die Mannschaft aus •er Spitzengruppe aus. Die Wetzlarer werden sich die Gelegenheit, ihr Torverhältnis erneut zu verbessern, nicht entgehen lassen.
Trotz der hohen Niederlage der Sportfreunde am vergangenen Sonntag müssen die Steinberger auf der Hut sein. Für sie bedeutet jeder verlorene
bürg klar und eindeutig zu gewinnen. Die Mannschaftsaufstellung der „Teutonen" ist noch nicht bekannt, doch dürfte eine ziemlich starke Einheit zur Verfügung stehen.
VfB.-Reichsbahn-Leichtathletik.
Am kommenden Sonntag sind die Leichtathleten des DfB.-R. Gießen, die am vergangenen Wochen
ende ein beredtes Zeugnis ihres Könnens abgaben, in Betzdorf bei der dortigen Reichsbahn-Sportgemeinschaft zu Gast. Wenn auch der gastgebende Der. ein über namhafte Athleten verfügt, wird man doch mit einem Siege der Gießener Mannschaft rechnen können, die im 30-m-Lauf Weiler, Dietrich, im Weit- fprung Weiler, Kley, im Hochsprung Decher, Kley und im Kugelstoßen Dr. Luh und Decher einsetzt Vielleicht glückt es Dr. Luh, noch näher an die 16-m« Grenze heranzukommen. Heber Die Stärke der Leichtathletinnen in Betzdorf ist nichts bekannt, doch ist Den talentierten jungen VsBerinnen ein Sieg zuzutrauen.
Die Militär-Patrouille in Eortina d'Amverzo.
Schweden vor Deutschland.
Als Einlagewettbewerb wurde am Freitag bei Den Ski-Weltmeisterschaften in Cortina d'Ampezzo ein Militär-Patrouillenlauf durchgeführt, an dem die Ländermannschaften von Deutschland, Sckwe. Den, Finnland, Italien, der Schweiz, Der Slow7kei und Jugoslawien beteiligt waren. Die Schweden gewannen Den über 25 Kilometer führenden Wett- bewerb mit der aus Unterleutnant Hiuckström, Matsbo, Oestensson und Andersson bestehenden Mannschaft in 2:13,06 Stunden und tarnen Damit nach dem Weltmeisterschaftssieg von Alf Dahl- gvist im Langlauf zu ihrem zweiten großen Erfolg in Cortina. Deutschland- das den gleichen Wettbewerb 1939 in Zakopane gewonnen hatte, belegte mit sechs Minuten Rückstand hinter Schweden den zweiten Platz. Die deutsche Patroullle. Die 2:19,02 Stunden benötigte, setzte sich aus Lt. Meer- gans, Hffz. Schaummann, Gefr. Gstrein und Jäger Rößner zusammen. Die favorisierte finnische Mannschaft schied schon nach zwei Kilometer aus, da sich Feldwebel Vanninen bei einem Sturz einen Armbruch zuzog und die Patrouille nicht mehr komplett war. Die Schweden, die nach dem Ausscheiden Finnlands ungefährdet waren, führten von Anfang an überlegen und erledigten auch die Schieß- Prüfung vier Kilometer vor dem Ziel einwandfrei. Nur Matsbo verfehlte beim ersten Schuß, so daß für die drei Ballone insgesamt vier Schuß benötigt wurden. Deutschland, bas nach anfänglichem Kampf mit der Schweiz und später mit Italien stets den zweiten Platz behauptete, bewältigte die drei Kations mit sechs Schutz. Das Endergebnis-
Militärpatrouillenlauf (25Kilometer)» 1 Schweden (Ult. Wilhelm Hjuckstrom, Martin Matsbo, Nils Oestensson, G.- Andersson) 2:13,21 (einschliechlich 15 Strafsekunden): 2. Deutschland (Lt. Günther Meergans, Hffz. Schaummann. Geft. Gstrein, Jäger Rößner) 2:20,17 (1:15 Straftnin.); 3. Italien (Lt. Perenni, Achille Compagnoni. Celeste, Fanton) 2:23,51; 4. Schweiz (Oblt. Bernath, Zurbriggen, Heinz von Almen, Schoch) 2:25,12; 5. Jugoslawien (Svigeln. Brunek, 3a.;bec, Kni sie) 2:43,38 ; 6. Slowakei (Kuklis, Bruk, Koncok, Hu- dacek) 2:49,22; Finnland aufgegeben.
Mcbelhaiis föuhl
daA 6az>luA^afu^e ^aclvgcAc^icL^L 29/30 - tädkn2/4.
Feldpostbriefe unterschlagen.
Zwei Jahre Zuchthaus.
LPD. Frankfurt a. M., 7. Febr. Dor dem Sondergericht Frankfurt stand der 35jährige Ludwig Dietz, der in der Postsammelstelle als Facharbeiter beschäftigt war und dem nachgewiesen wurde, daß er zwei Feldpostbriefe unterschlagen hatte. Aus dem einen Brief entnahm er 22 RM. und warf das Schreiben in den Main, in Dem andern Fall vernichtete er das Schreiben in einer Toilette. Der Angeklagte wurde als Volks- schädling wegen Amtsunterschlagung zu zwei Jahren Zuchthaus, 50 RM. Geldstrafe und Drei Jahren Ehrverlust verurteilt. In der Urlclls- begrünDung wurde heroorgehoben, daß Feldpostsendungen dem ganzen deuffchen Volk heilig sein müssen. Denn sie bilden das Band zwischen Front und Heimat.
KrUmentJÄ
Umwege -es Herzens
Roman von H.H. Hansen
Copyright by Prometheus • Verlag Dr. Eich acker - Gröbenzell
20 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
,^Das weiß ich, mein Junge. Nur mußt du nicht starrköpfig sein."
„Einen festen Willen und Enffchlossenheit kann man nicht starrköpfig nennen."
„Ihr Männer habt Da eure eigenen Begriffe, die ost ein wenig engherzig sind."
„Möglich. Entscheidend ist aber, daß sie anftänDig und ehrenhaft sind."
„So sprecht ihr immer, wenn Frauen anderer Meinung sind."
„Wir können nicht anders, Mutter, wenn wir Die Achtung vor uns selbst behalten wollen." , „Damit kommen wir nicht weiter, Hannes. Ich muß jetzt darauf zu sprechen kommen, was mich hergeführt hat."
„Bitte!"
„Einen Augenblick noch." Richard d'Oleron mischte sich ein. „Bevor Mutter fortfährt, möchte ich Dir noch erklären, daß ich in allem völlig auf deiner Seite stehe, Hannes. Auf die Einzelheiten können wir später eingehen. Nur eines sollst du noch wissen. Brigitte hat mit ihrem Treuebruch auch ihre Mutter und mich schwer getroffen. Du aber wirst immer meine Freundschaft und meine verwandtschaftliche Zuneigung haben, wenn Dir noch daran liegt."
Hundert Gedanken stürmten auf Koßmann ein. Aus allem aber brach Das Bewußsein hervor, daß er Freunde hatte, die ihn verstanden. Damit schmolz Die EisrinDe um sein Herz, und er bedauerte lebhaft, nicht schon längst mit dem Schwager nähere Berührung gesucht zu haben. Er reichte ihm die Hand und sagte bewegt:
„Ich danke dir für deine Worte, Richard. Sie haben mir sehr wohlgetan. Was meine... was Gitta getan hat, soll nicht zwischen uns stehen. Ich wäre sonst kleinlich und kindisch."
„Also auf gute Freundschaft in Der Zukunft, Hannes."
./Ich werde sie brauchen können, Richard." Zwi-
,Lieber Hannes, ich bin eine Frau und gewohnt, daß die Männer ihre Kämpfe nach eigenen Gesetzen austragen. Ich enthalte mich deshalb jeder Kritik an Deinem Vorgehen gegen Den Men chen, der in deine Familie eingebrochen ist, auch wenn Der Kampf zu formlos war, um den hergebrachten Anschauungen meiner Familie zu entsprechen. Aber
auf sich allein gestellt leben kann. Man braucht neben Den Kindern, der Arbeit und Dem Gefühl der Volksverbundenheit auch noch Die Freundschaft eines Gleichgesinnten. Das habe ich immer entbehrt, Das heißt, ich weiß nun erst, daß ich es entbehrt habe."
Frau d'Oleron hatte schweigend zugehört. Jetzt sah sie Die Augen Des Schwiegersohnes wieder auf sich gerichtet und entnahm Daraus, daß sie fort» fahren könne. '
„Darf ich dazu meine Meinung unumwunden erklären?" Sie nickte. „Helfen muß ich dem Mann und seiner Familie unbedingt. Er ist unschuldig und hat mit Kühlitzens Erschießung nichts zu tun.
Frau d'Oleron bejahte das lebhaft. „Selbstverständlich. Ich will dich nicht davon abhalten, der Familie in irgendeiner Form finanziell zu helfen." Sie atmete erleichtert auf und glaubte, in diesem Zugeständnis schon die Grenze abgesteckt zu haben, Dis Koßmann für sein ferneres Verhalten beachten würde.
„Darin sind wir uns also einig. Heute vormittag habe ich den Inhaber einer gut renommierten Auskunftei beauftragt, persönlich die nötigen Erkundi-
Dann alle Maßnahmen treffen, Die geeignet sind, Der Frau und Den Kindern Hilfe zu bringen, ohne mich selbst zu exponieren."
„Sehr richtig. Heber den Pfarrer des Dorfes wird sich Das arrangieren lassen." Die Schwiegermutter nickte kräftig.
„Und andere Entschlüsse habe ich bisher nicht gefaßt. Wir sind uns also einig."
„Also hat Brigitte sich geirrt, als sie meinte, du würdest diesen Mann aus dem Gefängnis herausholen und dich selbst stellen, um ihn zu decken?"
„Darüber habe ich, wie gesagt, noch keinen Entschluß gefaßt."
„Aber Du gehst doch mit dem Gedanken um?"
„Ja, natürlich. Alles hängt aber von der Ent- «.iiiujuuuiiycii mtuici lyuinuie zu aii|pieu)en. ziuer i Wicklung der nächsten Wochen ab."
welche -Konsequenzen du jetzt aus Der Lage zu | „Da haben wir es." Frau d'Oleron wurde auf-
Ziehen beabsichtigst, Das kann ich nicht billigen und geregt und verlor ihre bisher zur Schau getragene
widersetze mich Dem, soweit es meine Kraft er- [ Fassung. „Ich muß Das etwas genauer wissen. Was
laubt." | wirst du tun, wenn Der Mann von Der Anklage Des
„Was meinst du damit, Mutter?" Koßmann sah m>nrho'1 sich angesichts Der Haltung dieser beiden Menschen ihm gegenüber, angesichts ihrer unbedingten Zustimmung zu seinem Vorgehen und der rückhaltlosen Verurteilung Gittas gezwungen, seine ursprüngliche Absicht, das Gespräch so bald wie möglich ab3ubred)en, aufzugeben.
,Lch meine damit, daß Du dem verhafteten Wilderer helfen willst."
Mordes freigesprochen wird?"
I „Nichts, Mutter. Es ist zwar bitter, zu wissen, daß der Mann höchstens wegen Mangels an Be- j weisen freigesprochen werden kann. Er trägt dann । das Odium des Mörders mit sich herum. Immer- hin ist das aber für einen Menschen von der Qualität und Moral dieses Korn von nicht allzu erheblicher Bedeutung. Er kann anderswo hinziehen und entgeht den Folgen des Geschwätzes feiner lieben Nächsten. Ich würde dafür sorgen, daß er die Mir- tel bekommt, sich eine neue Existenz an einem andern Wohnort zu gründen. Du siehst, daß ich bereit bin, mit meinem Gewissen einen Handel abzuschließen. Dabei gibt es Den Ausschlag, daß eine Abwägung der Folgen für beide Seiten außerordentlich ungleich ist. Für Korn bedeutet es nicht viel, ob er einmal als Mörder angeklagt worden ist, zumal wenn ihm in der Folge dadurch eine wirtschaftliche Hebung seiner Verhältnisse zuteil wird. Für mich würde aber eine öffentliche Darlegung aller Um- stände die schwersten Folgen haben. Abgesehen von Der Frage, die mich selbst, meine Kinder und euch beide angeht, käme noch hinzu, daß ich mich nicht
scheu seine Worte schob er eine kurze Pause des I gungen nach Der Familie Korn einzuziehen. Du Nachsinnens. „Vielleicht bin ich ein wenig eigen-1 kannst beruhigt fein, ich habe dem Mann nicht brotlerifch gewesen. Man fühlt sich stark und ist meinen, sondern einen andern Namen genannt Er selbstbewußt und vergißt Darüber, Daß kein Mensch | hat keine Ahnung, welche Gründe mich leiten. In auf sich allein gestellt leben kann. Man braucht längstens einer Woche weiß ich Bescheid und werde
mehr imstande fühlen.mürbe, hier mein Werk weiterzuführen."
„Ich stimme Dir vollkommen bei, Hannes. Was wirst du aber tun, wenn der Mann verurteilt wird?"
„Wie ich aus Dem Munde des Staatsanwalts selbst weiß, wird im Falle einer Verurteilung Der Spruch Des Gerichts auf Hinrichtung lauten. Selbst wenn eine SegnaDigung erfolgen sollte, bedeutet Das lebenslängliches Zuchthaus. Der Mann hat für fein Wildern und Den Waffenbesitz aber eine verhältnismäßig nur kurze Freiheitsstrafe zu befürchten."
„Die Zeitungen schreiben so, als ob die Schuldfrage völlig geklärt sei. Wenn sie recht haben, bann würbe bie Verurteilung nicht zu umgehen fein."
„Ganz richtig. Der Staatsanwalt ist derselben Meinung. Eine Menge unglücklicher Hmstänbe sind zusammengekommen, um bie Lage Korns sehr gefährlich zu machen. Ich habe eine Hebersicht über Die zusammengetragenen Jnbizien. Danach ist es kaum noch eine Frage, daß er verurteilt wird. Immerhin hoffe ich noch darauf, daß eine Wendung Zu seinen Gunsten ein tritt. Was es fein kann, weiß ich nicht. Aber der Mensch hofft ja immer bis zum letzten Augenblick." Er machte eine resignierte Hand- beroegung.
„Ich hoffe das auch, Hannes. Trotzdem möchte ich meine Frage wiederholen, was du zu tun gedenkst, wenn tatsächlich eine Verurteilung erfolgt"
„Dann werde ich mich Der BehörDe stellen, Mutter." Er sagte das mit unbeweglicher Miene und ganz^ ruhig, als stelle er nur eine Selbstverständlich-
Frau d'Olerons Gesicht überzog sich mit feiner Röte. Sie richtete sich in ihrem Sessel etwas vor und sah den Schwiegersohn so durchdringend an, als wolle sie ihm bis auf Den Grund des Herzens schauen.
„Dann hat Brigitte doch recht gehabt Hannes, du darfst das einfach nicht tun. Es gibt ein Dutzend zwingende Gründe, die dagegensprechen und selbst dich überzeugen müssen."
„Gründe schon, Mutter, aber keinen, der mich überzeugen kann."
(Fortsetzung folgt)


