Zu WchMg auf Korsika
Noman von yelnz Lorenz-Lambrecht
36. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.-
„Nun gut", sagte Ancia Maria. „Dann richte ich es so ein, daß ich dich vor Abgang des Schiffes noch sehe. Ich bringe dich zum Hafen — natürlich.
Natürlich. Ancia Maria bringt ihn zum Hafen. Das hat er doch voraussehen können, daß sie ihn ohne Abschiedskuß nicht gehen läßt. Nun, er muß es überstehen. Er muß die Zähne zusammenbeißen, lein Herz in die Hand nehmen und es überstehen.
*
Der „Cigno Bianco" verläßt den Hafen.
Viktor steht an einem der hochgeschobenen Fenster des Promenadendecks und winkt Ancia Maria einen letzten Gruß zu. Ancia Maria steht auf dem Pier, stolz aufgerichtet, strahlend und ahnungslos. Und an der Reling irgendeines andern Decks stehen zwei Frauen, die vielleicht Ancia Maria winken sehen und nicht wissen, daß der Gruß einem Manne gilt, der sie alle drei verbindet und der einem Besessenen gleicht.
Anders kann man Viktor in seinem Zustand nicht nennen, und er gesteht es sich auch selbst ein, daß er wie unter einem fremden Willen handelt. Wie könnte es auch anders sein? Er muß handeln unter einem Zwaim Die Erscheinung vor sechzehn Jahren und die Wirklichkeit von heute hängen geheimnisvoll zusammen. Das kann er nicht außer acht lassen. Er muß Thea und Beate folgen — was daraus auch werde!
Thea und Beate! Obwohl er sich weder die Passagierliste noch die Passagiere selbst angesehen hat, weiß er schon genau, daß das Mädchen von heute mittag Beate Jmmenhoff, vielmehr: Beate Mer- Dinger ist, und daß die Person, für welche die Zweite Karte gekauft wurde, nur Thea sein kann.
Er macht sich auf die Suche nach Thea und Beate. Es wird nicht schwer fein, sie zu finden. Die neuen Motorschiffe, die um Italien herum und an der dalmatischen Küste entlang fahren, sind nicht sehr groß und führen nur eine einzige Klasse. Wahrscheinlich werden sie auf dem Freideck fein,
Kinde die Größe und Schönheit seiner Ausgabe vor Augen halten, es in seiner Hilfsbereitschaft unterstützen, anstatt über das „verlorene" Jahr zu spre- chen. Im übrigen ist dieses Jahr keinesfalls verloren. Es fördert durch die körperliche Betätigung und den Aufenthalt in frischer Luft den Gesundheitszustand der Mädel gerade in den Entwicklungsjahren. Außerdem lernt jedes Mädel eine Fülle hauswirtschaftlicher, gärtnerischer und anderer Arbeiten, die es immer in ihrem Leben gebrauchen kann. Früher, wo es gleich in einen Beruf oder in eine Berufsausbildung ging, haben die Mädel diese Arbeiten oft sehr zum eigenen Schaden, vielfach überhaupt nicht gelernt. Das Pflichtjahr kann aber sogar zugleich eine Berufsausbildung fein. Entschließt sich das junge Mädel, einen landwirtschaftlichen Beruf zu ergreifen, die alle ein gutes Auskommen bieten und eine befriedigende Lebensaufgabe darstellen, so wird das Pflichtjahr gleich auf die Berufsausbildung angerechnet. Ein Jahr ist also gespart. Auch wenn später ein anderer Beruf ergriffen wird, sollte aus den obengenannten Gründen die Ableistung des Pflichtjahres in jedem Fall in einem ländlichen Haushalt erfolgen.
Immer nur rechts!
Volksgenosse! Bei Verdunkelung kommt es auch auf Gehwegen leicht zu unangenehmen Zusammenstößen. Vermeide sie, indem du immer rechts gehst. Benutze bei schmalen Gehwegen nur den auf der rechten Seite. Kannst du eine Taschenlampe nicht entbehren, laß sie nur kurz aufleuchten und verwende dazu blaues Licht. Halte Taschenlampen niemals so, daß andere geblendet werden können.
Gießener Schlachtviehmarkt.
Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtviehverteilungsrnarkt) in der Viehversteigerungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 41 bis 45,5, Dullen 32 bis 42,5, Kühe 20 dis 43,5, Färsen 35 bis 44,5, Kälber 30 bis 57, Hämmel 18 Rpf. je Vs kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg uni) mehr) 1,13, bl (135 bis 149,5 kg) 1,13, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,11, c (100 bis 119,5 kg) 1,07, d (80 bis 99,5 kg) 1,01, e—f (unter 80 kg) 0,97, gl (fette Specksauen) 1,13, i (Altschneider) 1,11, g2 (andere Sauen) 1,01, h (Eber) 1,01 RM. Marktverlauf: Alles zugeteilt.
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,.** 83 Jahre alt. Frau Maria Wurm. Löwengasse 13 wohnhaft, konnte am gestrigen Dienstag, 7. Januar, ihren 83. Geburtstag begehen. Der Jubilarin nachträglich unsere herzlichen Glück- wünsche.
** 7 0. Geburtstag. Am morgigen Donners- tag, 9. Januar, kann Frau Helene Schupp, Schützenstraße 9 wohnhaft, ihren 70. Geburtstag begehen. Der Jubilarin unsere Glückwünsche.
* D i e Zustellung der Gewerbe- steuerbescheide für das Rj. 1940 betrifft eine Bekanntmachung der Stadtverwaltung im heutigen Anzeigenteil.
** D i e Turnhalle am Oswaldsgar- ten wieder eröffnet. Am geftriaen Dienstag- abend wurde die Turnhalle am Oswaldsgarten wieder ihrer alten Bestimmung übergeben. Aus diesem Anlaß hatten sich zahlreiche Altersturner und vor allem viel Jugend, darunter auch einige Turne- rinnen, eingefunden. Dereinsführer Fritz Wiegand hielt eine Ansprache, in der er u. a. betonte, daß nun auch im Turnbetrieb des To. von 1846 wieder neues Leben einkehren werde. Im neuen A.abre hätte die Turnerei größere Aufgaben zu erfüllen, denn ihre Arbeit an der Jugend, sowie an der im Arbeitsleben stehenden Volksgenossen fei von entscheidender Bedeutung. Durch die Leibesübungen solle nicht nur die Kraft der Jugend entwickelt, son- dem auch die des Alters erhalten werden. In den Leibesübungen solle der Volksgenosse Erholung fin- den, damit er einsatzbereit bleibe im Berufs- und seinem Eigenleben. Die Turner und Turnerinnen werden es begrüßen, daß ihnen für diese Aufgaben nun wieder die ihnen zur Heimstätte gewordene Turnhalle m Verfügung steht. Der Turnverein von 1846 hat sich an den Oberbürgermeister gewandt und ihn im Hinblick auf den Anteil des ältesten Gießener Turnvereins an der turnerischen Tradition Gießens um feine Unterstützung bei der Herrichtung der Turnhalle gebeten. Ferner hat sich der To. zu dem gleichen Zwecke an die oberste Turnbehörde gewandt. Für die Turnhalle besteht nicht nur als Turnboden größeres Interesse, da es 3ur Zeit in Gießen an ausreichenden geeigneten Räumlichkeiten für die Leibesübungen fehlt. U. a.
haben hier auch die Radfahrer ihren Uebungsbe- trieb wieder aufnehmen können.
Strafkammer Sietzen.
D£r Fr. B. in Gießen war beschuldigt, im Winter 1939/40 fortgesetzt, teilweise allein, teilweise gemeinschaftlich mit anderen, als Fuhrmann bei einer Kohlenhandlung in Gießen größere Mengen Kohlen entwendet und sie für eigene Rechnung verkauft zu haben. Der Angeklagte gestand die Straftaten ein. Er will sie begangen haben, weil feine Vorgänger in dieser Stellung mit den übrigen Beteiligten die gleichen Dinge getrieben hätten. (Die Kohlendiebstähle bei einer hiesigen Kohlenhandlung im vorigen Winter, die im letzten Herbst ihre gerichtliche Sühne gesunden hatten.) Der Angeklagte wurde zu einer Gefängnisstrafe von sieben Monaten verurteilt.Straferschwerend wirkte die Zahl der Diebstähle (elf), ftrafmiraemb der Um
stand, daß der Angeklagte verführt war, sein Geld nicht verpraßte, sondern feiner bedürftigen Mutter gab.
Amtsgericht Gießen
Dem W. B. in Gießen war wegen ruhestörenden Lärms ein Strafbefehl über 10 RM. ^gegangen, Sb en er Einspruch einlegte. Dem Angeklagten e eine Schuld nicht nachgewiesen werden, weshalb Freisprechung erfolgte.
Der F. Sch. in Gießen hatte wegen Unterschla- gung einen Strafbefehl über vier Monate Gefängnis erhalten. Es war chm zur Last gelegt worden, ein ihm zur Aufbewahrung übergebenes Kleid ver- kaust zu haben. Gegen den Strafbefehl hatte der Angeklagte Einspruch eingelegt. Die Schuld konnte nicht einwandfrei nachgewiesen werden, weshalb Freisprechung erfolgte.
Aus der engeren Heimat.
60 Zähre Gesamt-Vogelsberger-Höhen-Club.
LPD. Schotten, 7. Januar. In Schotten, der Gründungsstadt des Vogelsberger Höhen» Clubs, in der zu Pfingsten 1931 das 50jährige Bestehen dieser für die Pflege des Wanderns und des deutschen Heimatgedankens bedeutsamen Organisation festlich begangen werden konnte, soll am 7. und 8. Juni 1941 auch die 6 0. (Jubiläums-) Hauptoersamm lung des Vogelsberger Höhen- Clubs begangen werden und sich zu einem Auftakt für die günstige Weiterentwicklung der vielseitigen Arbeit des VHC. für die Heimatbelange gestalten.
Landkreis Gießen.
# Mainzlar, 7. Jan. Heute konnte Frau Katharine Schwarz, geb. Lemmer, ihren 80. Geburtstag begehen. Der Jubilarin unjeren Glückwunsch. — Die hiesige Schäfereigesellschaft hielt in der Gastwirtschaft „Zum Schwanen" ihre Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Heinrich Vogel IV. gab den Jahresbericht und die Rechnungsablage bekannt. Die Kasse weist einen guten Stand aus. Die Vorstandsmitglieder verblieben in ihren Aemtern, der seitherige Schafhirte Werner wurde auch für das neue Jahr bestellt.
* Hausen, 7. Jan. Die hiesige Schweine- k a s s e hielt in der Gastwirtschaft von Fink ihre 4 Jahresversammlung ab. Die Kasse, die sich aus bescheidenen Anfängen in gedeihlicher Weise entwickelt hat, besitzt jetzt einen Kassenbestand von 1156 RM. Das verflossene Jahr nahm für Die Kasse einen guten Verlauf, denn durch das schnelle Handeln des Vorstandes konnte mancher Verlust vermieden werden. Dem Rechner wurde für feine einwandfreie Kassenführung der Dank der Versammlung ausge- svrochen, wie auch dem gesamten Vorstand für seine Leistungen während des bisherigen Bestehens der Kasse das volle Vertrauen für das neue Geschäftsjahr bekundet wurde. Die Kaffe, die auf dem Ge- meinfchaftsgedanken aufgebaut ist, findet allenthal- ben in unserem Orte volle Unterstützung. Der Vorstand der Kasse setzt sich wie folgt zusammen: Karl
Mohr II., 1. Vorsitzender; Ludwig Happel II., 2. Vorsitzender; Karl Wallbott, Rechner und Schriftführer, Ludwig Schepp I., Beisitzer;'Philipp Schlund, Hch. Münch III. und Hch. Pfeiffer, Taxatoren; Hch. Müller II. und Hch. Schäfer II., Kassenprüfer.
Die Mitschuldige eines Volksschädlings verurteilt.
Lpd. M a i n z, 6. Jan. Am 14. Juli 1940 wurde von dem in Mainz tagenden Sondergericht Darmstadt der Johann Wilhelm Eduard Müller aus Hamburg als Dolksschädling zu fünf Jahren Zuchthaus, 1000 RM. Geldstrafe und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt, außerdem wurde ein Berufsverbot über fünf Jahre ausgesprochen. Gewissenlos hatte Müller nach früheren Betrügereien in Mainz die Krieasverhältnisse ausgenutzt und ohne' Rücksicht auf gesetzliche Bestimmungen bezugsbeschränkte Spinnstoffwaren ohne Punkte verkauft und darüber hinaus unverschämt hohe Preise genommen. So hatte er u. a. für Fensterleder, die ihn 61 Pfennige kosteten, bis zu 2,75 RM. verlangt; auch für andere Waren nahm er Ueberpreife von 112 bis 470 Prozent. In der Hauptsache schädigte er minderbemittelte Volksgenosse».
Nun hatte sich seine Angestellten und Freundin, die 27jährige Johanna Lindenbaum aus Essen, vor dem Sondergericht zu verantworten. Müller hatte die Lindenbaum in seinem Haushalt ausgenommen, sie wurde seine Vertraute und wußte um eine verbrecherischen Machenschaften und fein Volks- chädigendes Verhalten, das sie nicht nur duldete, andern auch unterstützte. Mildernd kam für die An- genagte ihre Abhängigkeit von Müller in Betracht. Das Gericht verneinte bei ihr die selbst- und gewinnsüchtige Absicht, die bei Müller zu bejahen war. Da sie aber die Rücksichtslosigkeit und das hemmungslose volksschadigende Verhalten des Müller, dem sie „Mädchen für alles" war, unterstützte, und sich damit auch an der Volksgemeinschaft verging, mußte sie eine fühlbare Strafe treffen: das Sondergericht verurteilte sie zu zwei Jahren Gefängnis und 300 RM. Geldstrafe.
Großes Welttheater 1941.
Ein astronomischer Ausblick.
Von Dr. Erwin Kostimca.
Aufzug der Planeten.
Der Anblick des geftirnten Himmels wird durch die jeweils sichtbaren Sternbilder und durch die Stellung der Planeten und des Mondes bedingt. Die Sternbilder folgen sich im Laufe des Jahres stets in gleicher Weife. Erst die bald schneller, bald langsamer wandernden Planeten geben zufammen mit dem Monde dem Sternenhimmel ein von Mo- not zu Monat wechselndes Aussehen mit oft sehr reizvollen Konstellationen.
Zu Beginn des neuen Jahres bietet das glänzende Planetenpaar Jupiter und Saturn einen prächtigen Anblick. Die beiden Riesen unter ben Wandelsternen beherrschen den Abendhimmel vom Eintritt der Dunkelheit bis nach Mitternacht. 23om 10. Januar ab bewegen sich beider wieder rechtläufig (ostwärts); aber Jupiter ist der schnei- lere, er überholt den Ringplaneten am 20. Februar.
Der Abstand beider Sterne beträgt dann nur IV* Grad. Dies ist die dritte Begegnung von Jupiter und Saturn wahrend der „Großen Konjunk- tion" von 1940/41. Die erste fand am 15. August, die zweite am 12. Oktober 1940 statt. Heber ein halbes Jahr lang bleiben also die beiden Planeten scheinbar nahe beieinander, bis Ende Februar der raschere Jupiter ostwärts davonläust und sich end- gültig vorn Saturn trennt. Mitte Februar, wenn der Winkelabstand beider Planeten am geringsten ist, beträgt die wahre Entfernung Jupiters von der Erde 780 Millionen Kilometer, die des Saturns dagegen 1410 Millionen Kilometer. Bis zum April bleiben' Jupiter und Saturn am Abendhimmel sichtbar, verschwinden dann im Westen in den Sonnen» strahlen, um im Juli am Morgenhinrmel wieder zu erscheinen. Ihr Aufgang verfrüht sich im Laufe des zweiten Halbjahres 1941 mehr und mehr, so daß
sie in den letzten Monaten des Jahres während der ganzen Nacht sichtbar sind.
Mars ist im Januar noch ein wenig hervor, tretender Stern am Morgenhimmel, wo wir ihn unweit des Fixsterns 21 nt ar es im Skorpion finden. Er wird weit überstrahlt von der Venus, die schon ziemlich tief am südöstlichen Horizont steht und im Februar verschwindet. Allmählich kommt Mars uns näher. Am Jahresanfang trennen uns noch 323 Millionen Kilometer von ihm, im Mai sind es nur noch halb so viel, und wenn der Planet am 3. Oktober in Erdnähe gelangt und wenige Tage später in den Gegenschein zur Sonne, beträgt sein Abstand nur 61 Millionen Kilometer. Die dies, jährige Marsopposition wird demnach nahezu ebenso günsttg sein wie die im Juli 1939, als Mars der Erde auf 58 Millionen Kilometer nahe kam. Die Helligkeit des roten Planeten steigert sich vom Mai an in auffälliger Weise, so daß Mars im Ok- tob er für einige Wochen selbst den hellen Jupiter noch überstrahlt. Dann läßt jedoch feine Leuchtkraft ebenso rasch nach, wie sie vorher angestiegen ist.
Venus, bis zum Februar Morgenstern, wird Ende Mai Abendstern, ist aber zunächst nur kurze Zeit fiel im Westen sichtbar. Erst Ende Oktober gewinnt der Abendstern größeren Abstand von der Sonne und wird ein auffälliges Gestirn. Der som nennahe Merkur ist ttotz seiner bedeutenden Helligkeit ein schwierig zu beobachtender Himmelskörper, da er sich von dem gelben Grund des Däm- merungsbogens nur wenig abhebt. Merkur kann daher nur bei sehr klarer Lust mit freiem Auge gesehen werden, wenn er seinen größten Winkel- abstand von der Sonne erreicht. Dies ist Anfang Februar und in der zweiten Maihälfte der Fall, wenn Merkur etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang tief im Westen steht; ferner Anfang August und Mitte November im Osten am Morgenhimmel.
Sonnen- und Mondfinsternisse.
Das Jahr 1941 hingt zwei Sonnen- und zwei Mondfinsternisse, aber feine von ihnen wird bet uns zu einer auffälligen Himmelserscheinung. Am 13. März mittags findet eine Teilverfinsterung des Mondes statt. Das nördliche Drittel der Mondscheibe gelangt in den Kernschatten der Erde und wird verdunkelt. Aber diese Mondfinsternis ist ebenso wenig bei uns sichtbar wie die am 27. März sich ereignende ringförmige Sonnenfinsternis, die nur im südlichen Stillen Ozean, in Mittel- und Südamerika beobachtet werden kann.
Bei der partiellen Mondfinsternis am 5. September wird nur ein kleiner Teil des südlichen Mond* ranbes verdunkelt. Wenn der Mond aufgeht, hat die „Verfinsterung" bereits begonnen; sie ist aber nur in Form einer geringen Einbuchtung des unteren Randes der glänzenden Mondscheibe wahrzunchmen. Am 21. September tritt der Mond zentral vor die Sonne; es entsteht eine totale Sonnenfinsternis, jedoch ehe die Sonne bei uns aufgeht. Die Zone ihrer Sichtbarkeit zieht sich vom Asowfchen Meer quer durch Asien nach Formosa und in den mittleren Stillen Ozean.
Siernschnuppenschwänne.
Zu bestimmten Zeiten des Jahres durchquert die Erde auf ihrer Bahn große Meteorschwärme, die von dem Zerfall eines Kometen herrühren. Dann tritt eine auffallende Häufung von Sternschnuppen ein. Besonders bekannt sind die scheinbar aus dem Sternbild des Perseus ausstrahlenden Augustmeteore oder P e r f e t b e n in den Nächten vom 10. bis 13. August sowie die aus dem Löwen kommenden. Leo nid en zwischen dem 13. und 15. November Mit einer Geschwindigkeit von 70 Kilometer in der Sekunde gelangen diese Meteore in die Lufthülle, leuchten durchschnittlich bereits in 130 Kilometer Höhe auf, um in rund 80 Kilometer Höhe zu verlöschen. Von großer Lebhaftigkeit sind stets auch die aus dem Sternbild der Zwillinge ausstrahlen- den Gemini den zwischen dem 10. und 13. Dezember. Dem italienischen Astronomen S ch i a p a» re Ui gelang zuerst der Nachweis, daß die Babn der Perseiden mit der des großen Kometen 1862 III übereinstimmt, während die Leoniden sich in der Bahn des Kometen von 1866 bewegen.
Knochen enthalten auch nach der fiouehalta» Verwertung noch flusgangspunkte für 80 wichtige InvustriepunKte. Datum: nichtoerbrennenoververfiittern, sondern Dem nächsten Schulkind rnitgedent
wo sich beim Auslaufen gewöhnlich die meisten Passagiere versammeln.
Langsam steigt er hinauf. Dicht gedrängt stehen die Passagiere an der Backbordreling und sehen nach dem vorbeiziehenden Ufer hin. Während der ersten Tage hat man noch für jede weiße Hütte Interesse, die man zwischen den Kastanien und Oliven sichtet. Späterhin wird man des allzuvielen Schauens allmählich müde.
Da entdeckt er sie beide und ist verblüfft über das Doppelspiel, das sich seinen Augen bietet. Dicht nebeneinander stehen sie mit dem Rücken gegen >hn. Sie tragen die gleichen Kostüme, die gleichen Hüte, sie haben fast die gleiche Größe. Es ist, als ob Viktor durch ein schlecht geschliffenes Glas sieht, das dieselbe Person zweimal zeichnet.
Beate — oder ist es Thea? — hat ein rotes Buch, den Baedeker, natürlich, in der Hand und einen Fotoapparat umhängen. Jetzt deutet sie leb- haft hinüber zur Küste und erklärt etwas. Thea — ober ist es Beate? — wendet den Kopf herum und späht das Deck entlang. Viktor zuckt zusam- men, obwohl ihm das Gesicht keine Ueberraschung bedeutet. Es ist Thea!
Zunächst gibt er sich mit dieser Feststellung zu- frieden. Es erscheint ihm unmöglich, sich Thea mitten unter den Passagieren zu erkennen zu geben. Er dreht sich um und geht um den obersten Kajüts- aufbau herum auf die Steuerbordsette, die saft men. schenleer ist. Zum erstenmal denkt er jetzt daran, daß Thea ja auch einen Mann hat. Er ist nicht bei ihr. Er ist Geschäftsmann und kann sich wahrscheinlich schwer frei machen. Oder ... ober vielleicht ist er auch gestorben? Gefallen im Krieg? Das war wohl möglich. Dann wäre Thea also frei! Das wäre ein Glück.
Wieso Glück? Was verbindet ihn denn nun noch mit ihr? Ganz ehrlich und als anständiger Mann geantwortet! Er ist mit Ancia Maria, der Tochter Andreas Ansaldis verlobt — das muß vor allem andern stehen.
Plötzlich schreckt er aus dem Grübeln auf, in das er sich verloren hat. Da oben ist um den Kajüts- aufbau Beate auf seine Seite herübergelaufen, mit der Neugier der Jugend, die sich nichts entgehen lassen und bei einer solchen Fahrt am liebsten Augen rund um den Kopf herum haben möchte. Langsamer folgt ihr Thea.
Viktors Knie werden plötzlich schwach. Er weiß: Jetzt wird er zu beiden hingehen und sagen, wer er ist, wenn Th^a ihn nicht schon vorher erkennt.
Er richtet sich auf und nähert sich ihnen. Thea sieht ihn kommen. Sie stutzt, ihre Augen werden groß, der Ausdruck unfaßbaren Staunens verbreitet sich aus ihrem Gesicht — sie hat ihn bereits erkannt. Ein Lächeln zittert jetzt um ihren Mund, der sich öffnet, um ein Wort, einen Namen auszusprechen. Sie macht einen unsicheren Schritt auf lhn zu.
„Viktor ...! Mein Gott!"
„Thea ...!" Er ergreift ihre Hand. Da er vor- bereitet ist, kann er gefaßter erscheinen als sie.
Jetzt wird auch Beate aufmerksam. Sie erkennt in Viktor gleich den Mann, der sie in dem Ge- schaftsraum der Schiffahrtsgesellschaft so sonderbar anstarrte, und ahnt Zusammenhänge.
„Ich wußte, daß du mit diesem Schiff fährst, Thea", sagte Viktor.
„Das wußtest du?"
„Durch deine Tochter Beate."
„Woher kennst denn du Beate?" Thea wird womöglich noch verblüffter.
„Ich kenne sie überhaupt nicht, jedenfalls nicht im üblichen Sinne. Sie heißt Beate, nicht wahr?"
„Ja. Ja, aber ...? Thea sieht fassungslos von Viktor zu Beate, von Beate zu Viktor.
Beate ist langsam näher gerückt. Sie hat die letz- ten Worte gehört. „Mama, das ist der Herr vom Reisebüro", sagt sie lebhaft.
„Von was für einem Reisebüro?"
.'Don dem ich die Schiffskarten holte. Nicht wahr, Sie sind es?"
„Gewiß, Fräulein Beate", lächelte er.
Neugierig und zugleich ein wenig ängstlich sieht sie ihn an. Viktor denkt: Sie ist doch viel jünger, als ich zuerst dachte. Sie ist ganz wie Thea damals war. Man könnte die beiden eher für Schwestern als für Mutter und Tochter halten. Thea hat sich nicht besonders verändert. Aber Beates Gesicht hat noch den süßen Zauber, den ich damals an ihrer Mutter kannte.
„Also kennt ihr euch doch", sagte Thea und spürt einer falschen Fährte nach. „Das Ganze ist wohl
das ihr gegen mich in Szene gesetzt habt?
mit deiner Tochter gesprochen. Niemand hat mir gesagt, daß es deine Tochter ist, und daß sie Beate heißt."
,Za, also ...! Das begreife, wer will. Das mußt du mir schon erklären."
Viktor sieht mit schmalen Augen übers Meer hin und deutet dann in eine Richtung: „Dort etwa liegt Korsika. Dort war ich Kriegsgefangener. Dort habe ich deine Tochter zum erstenmal gesehen und wußte, daß sie Beate heißt."
„Viktor ...!" Stimme und Blick mahnen leise, kemen solchen Unfug zu schwatzen.
Da lacht er leise auf: „Ja, das alles kannst du nicht begreifen. Ich selbst begreife es kaum. Ich werde es dir später erzählen. Es ist eine sehr seltsame Geschichte, Thea."
Ein Schweigen entsteht. So viel Gedanken und Empfindungen sind in ihnen, daß sie nicht wissen, was sie zuerst in Worte ausdrücken sollen. Viktor betrachtet Theas Gesicht. Natürlich ist es vom Alter gezeichnet. An den Augenwinkeln haben sich kleine Fältchen eingenistet, und auch von den Nasenflü- aeln nach den Mundwinkeln hin will sich eine Falte festsetzen. Doch ist die Haut noch frisch und straff gespannt, die Augen haben noch jugendlichen Glanz und im Haar zeigt sich noch kein Grau. Ihre Ehe muß sehr glücklich sein, denkt er, die Härten der Zeit sind ihr offenbar erspart geblieben.
Thea erzählt ihm, daß sie Beate diese Reise ver- sprachen habe, sobald sie aus der Töchterschule ent, lassen sei. Das sei jetzt der Fall. Sie seien bereits in Lugano und Mailand gewesen und wollten jetzt bis nach Venedig fahren, um über den Brenner nach Deutschland zurückzukehren.
„Hast du noch mehr Kinder?" fragt Viktor später.
"Nein. Beate ist die einzige geblieben. Ich habe sehr früh meinen Mann verloren."
„Ach ...! Im Krieg?"
„Nein. Durch einen Unglücksfall mit dem Auto. Gleich nach dem Krieg-"
„Wie furchtbar für dich", murmelte Viktor, ohne die Worte recht zu empfinden.
Wieder entsteht ein Schweigen. Beide denken dasselbe: Daß Mervinger schuld war an Viktors Schiffbruch.
„Du tauschst dich, Thea. Ich habe noch kein Wort
(Fortsetzung felgt,)


