Beutezahlen bekanntgab, als er die Vernichtung von 14 250 Sowjetslugzeugen erwähnte, wurde aller Welt die Gefahr bewußt, die eine so riesenhaste Rüstung der Sowjets zur Unterwerfung Europas für die Kultur des Abendlandes schlechthin bedeutet hatte. Der hervorragendste Leitartikler Brasiliens schreibt denn auch zur Führer-Rede, unter normalen Umständen würden sicherlich in den Kirchen aller Welt die Glocken geläutet, die Gläubigen würden sich in Gebeten vereinen, um die Vorsehung anzu* flehen, die Mission des Führers gegen die Weltpest Bolschewismus zu vollenden. Aber heute seien Roosevelt und Churchill mit dieser Pest im Bunde, und die Geister ihrer Untertanen wären durch die Lügenpropaganda heillos verwirrt worden. Jedenfalls steht fest: Mit seiner rein sachlichen Darlegung der Tatsachen hat der Führer der Welt aus dem Herzen gesprochen, soweit sie nicht rooseveltisch, churchillhaft oder stalinisch geistesverwirrt ist. Dieser Hieb saß. Die Welt steht im Banne der von unserem Führer umrissenen Tatsachen.
Es ist kindisch, wenn Roosevelts Nachrichtenquelle schreibt, Hitler habe ja nicht von Roosevelt oder von Versailles gesprochen. Er hat in diesem Rechenschaftsbericht ja auch nicht amerikanische Reklamegirls oder die gewaltige Fürsorge der Plutokraten für die Slums und die sonstigen Brutstätten des sozialen Elends erwähnt! Mit solchen kritikasternden Mittelchen will man die Wucht der Darlegungen des Führers nur abschwbchen! Solche geistige Armseligkeit zeigt am besten die Verwirrung, die beim kriegslüsternen Judenvolk herrscht, nachdem es sieht, daß seine bolschewistischen Vorkämpfer vernichtet werden. Dann das Thema „Religion". Roosevelt hat sich mit seiner Bemerkung, die Sowjets hätten die amerikanische Religionsfreiheit, so gründlich den Mund verbrannt, daß er nunmehr sich von den Juden und Atheisten Moskaus versichern läßt, sie feien gute Christen. Und damit will er hausieren gehen und den „Nazismus" ausrotten? Die Wahrheit aber ist: Er hat sich mit den größten Feinden des Christentums verbunden. Seine Juden und die von Moskau haben sich um das Christentum und die christliche Kultur überhaupt nicht gekümmert. Es wird durch den Sieg des Abendlandes über den Bolschewismus endgültig - gesichert sein, und die plutokratischen Scheinhelfer werden endgültig entlarvt werden. Das ist die Wahrheit, und sie ist, wie das neutrale Ausland empfindet, jetzt auf dem Siegeswege.
Das Hifterfreux.
Berlin, 6. Oktober. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabern des Heeres, Generalfeldmarschall von Brauch i t s ch , das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an: Generalleuttrant Hans Schmidt, Kommandeur einer Jnfanterie- bitriften; Oberst von Neufville, Kommandeur eines Infanterie-Regiments; Oberstleutnant Friedrich-Wilhelm Müller, Kommandeur eines Infanterie-Regiments; Major Gerhardt, Abteilungskommandeur in einem Panzerregiment; Oberleutnant Pasternack, Kompaniechef in einem Infanterie-Regiment; Leutnant Kreß, Spähtruppführer in einer Aufklärungsabteilung; Leutnant Storck, Zugführer in einem Schützen-Regiments Oberfeldwebel Schönfeld, in einem Panzer-Re- giment.
Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Reichsmarschall Göring, das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ferner verliehen . an: Oberleutnant Carganico, Staffelkapitän in einem Jagdgeschwader.
23000 BRT. ausgefallen.
Der Luftangriff auf die Reede von Suez.
Berlin, 7. Oktober. (DNB.-Funkspruch.) Der Angriff deutscher Kampfflugzeuge in der Nacht zum 6.10. auf die Reede von Suez bedeutet für die britische Handels- und Versorgungsschiff° fahrt einen neuen Schlag. Zwei Handelsschiffe von zusammen 10 000 BRT. wurden durch Bombenvolltreffer versenkt, zwei weitere mit zusammen 13 000 BRT. beschädigt. Der Ausfall von insgesamt 23 000 BRT. in einer Nacht trifft die britische Schiffahrt besonders schwer, da das Mittelmeer durch die Luft- und Marinestreitkräfte der Achse versperrt ist und die Dersorgungsschiffahrt von der Insel um das Kap der guten Hoffnung chren Weg nach dem Mittleren Osten nehmen muß.
Gauleiter Sprenger sprach in Antwerpen
Eine Feierstunde zum Erntedanktog.
NSG. Anläßlich des Erntebanktages hatte die Ortsgruppe Antwerpen der NSDAP, zu einer Feierstunde in den Großen Marmorsaal des Zoologischen Gartens eingeladen. Etwa 2000 Personen wurden Zeugen eines Treuebekenntnisses zum Führer, wie es in einem solchen Rahmen in Antwerpen noch nicht zu sehen gewesen ist. HI. und BDM. trugen, von einem Gedichtvortrag umrahmt, Erntelieder vor. Nach einleitenden Begrüßungsworten durch den Ortsgruppenleiter ergriff Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger, von herzlichem Beifall begrüßt, das Wort.
Der Gauleiter stellte zunächst den Erntedanktag als den besten Zeitpunkt der Besinnung auf die Lebensgrundlagen dös Volkes dar. Und fo ist auch der Sinn des größten sozialen Hilfswerkes aller Zeiten, des Winterhilfswerkes des deutschen Volkes, mit vereinten Kräften zu säen, mit vereinten Kräften zu ernten und in Treue mit- und füreinander zu stehen. Der Gauleiter betonte ferner, daß das große NSV.-Werk, das durch den Führer geschaffen wurde, die Betreuung derjenigen, die ohne eigenes Verschulden in Not geraten sind, in großzügigster Weise übernimmt, im Gegensatz zu früher, wo zur Linderung der allgemeinen Not lediglich die Brosamen vom Tisch der Reichen fielen. Heute ist diese werktätige Hilfe eine Sacke der Gemeinschaft des ganzen Volkes geworden. Und in dieses große Gemeinschaftsopfer schaltet sich in der Zeit des gigantischen Ringens um das Lebensrecht des deutschen Volkes jeder mit feiner ganzen Kraft ein.
Der Gauleiter führte dann u. a. aus, daß es insbesondere die Volksdeutschen gewesen sind, die immer in einem unaufhörlichen Kampf um das Deutschtum gestanden haben. Von jeher ist auch
Antwerpen ein lebhafter Mittelpunkt deutscher Beziehungen gewesen bis zu dem Augenblick, wo England seine Vorherrschaft über den Kontinent aus- dehnte. Die Sehnsucht vieler Volksdeutscher, die früher hinauszogen, um entweder eine neue Heimat zu suchen, oder aus mancherlei anderen Gründen ihre Heimat verließen, folgt heute wieder einem inneren Drange, in das von Adolf Hitler geschaffene Großdeutsche Reich zurückzukehren. Viele von ihnen müssen jedoch draußen auf Vorposten bleiben, und gerade diese Pioniere des Deutschtums werden — wie immer — den großen Kampf bestehen und ihrem Volke die Treue halten.
Der Gauleiter ging bann auf bie Bemühungen des Führers ein, im friedlichen Sinne alle schwebenden Fragen zu regeln. Das britische Weltmachtsbestreben hat es jedoch anders gewollt und die europäischen Völker gegen den Willen Deutschlands in den gegenwärtige» Krieg gestürzt.
Anknüpfend an die Worte der letzten Führer- Rede, die wiederum große Erfolge in Aussicht stellte, rief der Gauleiter die Versammelten zur tätigen Mitarbeit auf und richtete den Appell an sie, den Dank an die Wehrmacht durch Arbeit und Opferwilligkeit abzustatten. Mit den Worten: „Nach dem Siege wird sich der Führer an bie Gestaltung bes Friebens machen unb bann ein noch fanatischerer Nationalsozialist sein als vorher, unb hier- burch bem deutschen Volke die Vollendung des Programmes schaffen, bas burch ben Krieg feine Unterbrechung erfahren mußte. Und wir, als feine Gefolgsmänner, müssen uns seiner würdig zeigen", schloß der Gauleiter seine mit stürmischem Beifall begleiteten Ausführungen.
Erster Tag der großen Offensive im Osten.
Stukas zerhännnern die feindliche Stellung.
Von Kriegsberichter Nannen.
DRV. ..., 6. Oft. (PK.) Ein strahlend sonniger Herbstmorgen leitet ben ersten Tag ber großen Schlacht im Osten ein. Auch für bie Truppen unseres Kampfabschnittes ist nun wieber ber Augenblick bes Losschlagens gekommen. Währenb ber letzten beiben Wochen hatte bie Vormarschbewegung hier vor einer natürlichen Verteibigungsstellung ber Sowjets — kaum 30 Kilometer ostwärts von unserem Felbflughafen — verhalten. Sie hatte verhalten, nicht weil die Stellung uneinnehmbar gewesen wäre, fonbem um bie Bildung eines Kes - eis an anderer Stelle zu ermöglichen unb o unter Schonung ber eigenen Truppen möglichst tarke Kräfte bes Feindes zu binden und zu vernichten.
Diese in großen Räumen denkende strategische Ueberlegung ist bie ordnende unb führende Kraft im Kriegsgeschehen des Ostens. Der dramatische Moment einer Bewährung aber ist der rasche Entschluß und bas blitzschnelle Zupacken, unb nun ist wieber ein solcher Moment bes Zupackens gekommen. Der Feind hat Zeit gehabt, seine Stellungen, bie sich längs bes Flusses hinziehen, mit allen xur Verfügung stehenden Mitteln auszubauen. Aber auch bei uns ist man nicht müßig gewesen. Panzer, Sturmgeschütze, Artillerie, Flak und unübersehbare Kraftwagenkolonnen rollten über Straßen unb Wege, Tag für Tag und Nacht für Nacht gen Osten. Die Eisenbahnzüge mit Truppen, Artillerie, Munition und Treibstoff aber fuhren auf ben wieder instanbgesetzten Strecken bis unmittelbar hinter die vorderen Linien. Bis auf das letzte Geschütz waren die Bereitstellungen aufgefüllt, und jetzt bricht die ganze aufgebaute Kraft dieser geballten Energie los — mit einer Gewalt, daß ben Bolschewisten brüben hinter bem Fluß Hören unb Sehen vergehen wird. 'S i n Keil wirb vorgetrieben, um die Flußstellung aufzurollen. Ein bis zwei Stunden später beginnt der Frontalangriff. Die ganze Nacht haben wir das Wummern der Artillerie gehört. An die Schlachtfliegerverbände ber Luftwaffe, Zerstörer unb Stukas aber ergeht im Morgengrauen ber Befehl, bie Stellungen ber Wiberstanoslinie enbgültig sturmreif zu werfen und durch unmittelbares Eingreifen in den Erdkampf bem zügigen Vormarsch der Panzer Raum zu schaffen.
Seit früh um 5 Uhr ist bas bonnernbe Geräusch der Motoren über unserem Flugplatz verstummt. Die ersten waren bie Kampfflieger, bie von ben rückwärtigen Plätzen schon in der frühen Dämmerung über uns hinwegorgelten, um bie Eisenbahn- und Nachschubwege des Feindes zu bombardieren. Und dann geht auch bei uns der Wirbel los, ein Wirbel, wie wir ihn nur an ganz großen Tagen gewöhnt sind. Gruppe um Gruppe, Staffel um Staffel, Kette um Kette erhebt sich in bie Luft. Es ist ein bauern* bes Gehen und Kommen — unb während bie letzten Maschinen starten, setzten die ersten bereits wieder zur Landung an. Schnell getankt, neu beloben — unb los geht bie Fahrt. Da kann man wirklich erleben, was es heißt — rollenbe Angriffe.
Um 6 Uhr erfolgt ber erste Start unserer Stukastaffel. Die Front kommt näher. In ber Ferne rote, schwelende Brände in Waldstücken unb Ortschaften. Gerabe unter uns zieht sich bie feuerspeiende Schlange der deutschen Artillerie von Norden nach Süden, wenige Kilometer vor bem Fluß. Die blauen Abschußwölkchen lassen erkennen, baß ba unten Geschütz neben Geschütz stehen muß. Dann kommen bis zum Fluß die Bereitstellungen ber Erdtruppen, ber Panzer, ber Infanterie unb der Pioniere, Es wimmelt von Truppen, bie alle auf bas Signal zum Angriff warten. Unb bann kommt ber Fluß und ber Feinb. Aber vom Feinb ist vorerst nichts zu sehen. Die Straßen leer, die Dörfer scheinen verlassen unb in ben Schützengräben unb FelbstMun- gen, bie sich tiefgestaffelt in Zickzacklinien hell gegen bas dunkle Land abheben, ist kein Leben zu entdecken.
In Sappen unb Unterständen sitzen sie, hocken in Mannlöchern, über die Zeltplanen gedeckt sind, haben sich in Höhlen am Ufer eines Baches eingegraben unb überall, wo es nur geht, in bie Erbe verkrochen. Sogar die Panzer' sind, soweit sie sich nicht in Heuschobern oder Strohmieten einwühlen konnten, in Erdschneisen eingefahren, so daß nur noch der drehbare Turm heraussieht, 'der nach Osten hin abgedeckt worden ist.
Großes Wecken, sagt mein Flugzeugführer plötzlich, dann kippte er bie Maschine über ben linken Flügel nach unten. Eine vielfach gegliederte Erbstel- l u n g liegt im Visier. Für die da unten ist es ein
grauenhaftes Erwachen. Die anderen Maschinen haben es ebenso gemacht. Schwarze stählerne Vögel kommen heulend vom Himmel heruntergeschossen. Und nirgends gibt es einen Ausweg aus bem Hagel ihrer Geschosse. Die Sowjets springen aus ihren Löchern, rennen hierhin und dorthin, werfen sich zu Boden — ba unb dort flammen die Strohmieten unter den ein schlag enden Brandgeschossen auf. Die Panzer kommen herausgefahren. Sie kriechen aus den Erdstellungen heraus — und mit einem Mal ist da unten Leben, ist ein wildes Durcheinander von Menschen, Wagen unb Panzern — unb nun gibt es Ziele für unsere Bomben. Kurz auf Höhe gegangen, ein paar der mächtigen Kolosse her- ausgesischt und hoch, drauf auf sie mit Gebrüll. Da spritzen die Erdfontänen hoch. Graubraun stehen die Pilze über der Erde. D a ber st en Panzer auseinander, brennen LKW. unb stürzen Brücken krachenb ein. Noch einmal unb noch einmal stürzen wir, werfen Bomben und schießen, was aus ben Rohren heraus will.
Der letzte Einsatz vor ber Abendbämmerung fällt wieber an unsere Staffel. Kinber — feib vorsichtig, sagt ber Staffelkapitän bei ber Einsatzbesprechung — werft nicht zu früh, benn wo ihr Heutemorgen geworfen habt, rollt jetzt schon der deutsche Nachschub. Und so ist es in ber Tat.
Der >Fluß, um den in den ersten Morgenstunden der Kampf ging, ist längst vondeutschenTru fixen üb e r r a n n t. Die Stellungen überall im Ge- länbe liegen tot, und auf den Straßen fahren fchon staubaufwirbelnd bie beutschen Kolonnen. Noch brennen einige ber Ortschaften. Vor einem Wald stehen deutsche Panzer in langer Reihe ausgeschwärmt, aber es ist nicht bie Spitze, es finb Reserven. Weiter vom fahren Panzerspähwagen zu beiben Seiten ber Kraftwagenkolonnen. Aber erst viele Kilometer von ben Ausgangsstellungen bes Morgens finben wir die ersten Spuren bes Feinbes — überhastet zurück- flutenbe Lastwagen, einzelne Panzer unb Zugmaschinen mit Geschützen dazwischen. Gewaltige Kilometerzahlen haben unsere Panzer an einem Tage geschafft. Immer im Kampf, durch bie Wiberstänbe eines stark ausgebauten Stellungssystems hinburch, immer bem Feinb auf ben Fersen. Was bas heißt, kann sich nur ber vorstellen, ber selber mit babei gewesen ist.
Wir sehen aus unseren Maschinen voll Bewunderung auf unsere Kameraben ba unten, bie diesen ersten Tag ber großen Schlacht im Osten mit einer übermenschlichen Leistung begonnen haben. Mit denen ba unten werben unsere Jungens allein fertig, ruft, der Staffelkapitän burch ben Funk unb beutet auf bie bahinflutenben Nachhuten ber geschlagenen Bolschewisten. Wir fliegen weiter. Tief geht ber Vorstoß ins feindliche Hinterland hinein.
An den Abschüssen erkennen wir die Stellungen der feindlichen Artillerie. Dreimal geht es im Tiefflug mit Bordwaffen darüber hinweg. Dann rührt sich unten nichts mehr. Weiter nach Osten. Langsam geht die Flucht ba unten in einen Halbwegs georbneten Rückzug über. Schließlich hört bie Rückwärtsbewegung ganz auf. Ja, ba kommt sogar ein Bahnhof, auf bem eben zwei Züge vom Osten hereinfahren. Sie haben Baumaterial geloben zum weiteren Ausbau der Stellungen. Verbammt, baß ihnen bie (Ber* manskis nun wieber einmal bazwischen gekommen sind. Unb auf bem Hauptgleis steht sogar ein Trupp en transportzug. Es ist nicht recht zu erkennen, ob er ben Strom ber flüchtenben Soldaten aufnehmen ober neue Truppen zum Widerstand heranschaffen soll.
Das lohnt sich schon eher, ruft der Kapitän, und wir greifen an. Wieder heben sich die Maschinen, setzen zum Sturm an und stürzen heulend in bie Tiefe. Als die Bomben einschlagen, steht ber ganze Bahnhof mit all en Zügen in Flammen. Schwarz unb brohenb schieben sich die Rauchwolken in den klaren Abendhimmel.
Wir gehen auf Heimatkurs. Als wir die deutsche Spitze überfliegen, die sich immer tiefer hinein* bcfert in bas seinbliche Gebiet, wackeln unsere Maschinen ben Kameraben zum Gruß zu. Bravo, ruft der Feldwebel am Steuerknüppel denen ba unten zu, macht nur so weiter, unb morgen — morgen fojnmen wir wieber!
78 sowjetische Transport- und Materialzüge unbrauchbar gemacht
Berlin, 6. Oft. (DNB.) Im Verlauf der umfangreichen Operationen an ber Ostfront leistete auch am 5.10. bie beutsche Luftwaffe einen wesentlichen Beitrag zu den weiteren Erfolgen. An allen Teilen
Oer Heurige in Grinzing.
Von Hermann Ulbrich-Hannibal.
Wo entstauben Schuberts schönste Melobien, wo komponierte Beethoven die „Eroica" unb Johann Strauß die „Gschichten aus bem Wiener Walb"? Wo schrieb Grillparzer seine „Sappho" und Eduard von Bauernfeld seine Lustspiele? Wo dichteten Körner und Lenau? Dort, wo ber römische Kaiser Probus im britten Jahrhunbert unserer Zeitrechnung burch seine Solbaten bie Weinreben anpslan- zen ließ, an ben Hängen bes Wiener Waldes, am Fuße des Kahlenberges, in Grinzing.
Seit Maria Theresia es den Winzern in Grinzing durch ein Privileg erlaubte, ihren Wein selbst auszuschenken, bient ber vielbesungene Wiener Vorort dem Glück der Weinliebhaber, der Heurigenseligkeit. Wieviel könnte bas alle Dorf aus ber geschichtlich ereignisreichen Vergangenheit erzählen, von ben Tagen, ba bie Ungarn ben Winzern die Weinfässer leertranken, von den Zeiten, ba bie Weinbauern bie Keller vor ben heranziehenden Türken verschütteten, um unter den Trümmern ihrer Häuser ben Wein zu retten, unb von ben Tagen, da die Franzosen kamen und die Fässer auslaufen ließen! Wieviel auch von den gesegneten friedlichen Jahren, da bie Traubenernte so reich war, baß ein Liter Wein weniger als ein Ei kostete und die Grinzings sich an ihrem Wein tot unb lebendig tranken. In Grinzing richtet sich bie Aufmerksamkeit der Einheimischen wie der Fremden auf die „Buschen", das an langen Stangen ausgesteckte Tannengrün, durch das die Weinbauern davon Kenntnis geben, daß sie ihren Wein ausschenken.
Wer in dem Heurigen mehr als eine alkoholische Angelegenheit sieht, setzt sich in einem ber Häuser, in denen Beethoven wohnte, zum Trünke nieber ober wanbeit ben Spuren Ebuarb von Bauernselbs, bes witzsprühenben Lieblings der Wiener noch, sucht eine ber umrankten Lauben auf, in denen Schubert mit seinem Schatz saß, unb in benen sich Grillparzer mit bem Fäulein Kathi Fröhlich ein Stellbichein gab. Er geht zu bem Weinwirt, dessen Gästen Johann Strauß Vater bas Herz selig geigte, ober an eine ber anberen Stätten, wo die berühmtesten Wiener verkehrten.
Der echte Weinkenner aber, ber genau weiß, bei welchem Pepi unb bei welchem Toni ber Wein am besten unb am allerbesten ist, kümmert sich nicht um kulturgeschichtliche Verbundenheiten bes Heurigen, fonbem stellt fest, ob ber Hengl, ber Muth, der Mandl, der Wagner, ber Ruckenbauer, ber Kir- linger, ber Manharbt ober ber Muhr — um die bekanntesten Namen ber uralten Grinzinger Weinbauerngeschlechter zu nennen — ausgesteckt hat unb überläßt bann seiner Zunge bie Entscheidung, ob er in bie Probusgasse, in bie Eroicogasje ober in bie Paradiesgasse gehen soll. In bem Ausschank bes Heurigenwirtes hat sich bie alte anheimelnbe häusliche Gastlichkeit bewahrt, bie bem gewerblichen Gaststättenwesen nicht so eigen sein kann. Der Weinbauer setzt bem Gast ben Wein in ber Wohnstube vor, in der Laube, auf deck Hof ober im Garten, greift selbst zur Hanbharmonika ober bringt seiner Tochter bie Zither, bamit ber Wein nicht ohne Musikbegleitung getrunken werde. Der einheimische Gast probt den goldgelben herben Wein unb gibt sich ber Philosophie der Behaglichkeit hin. Der Fremde, bem es mehr auf ein eigenartiges Erlebnis ankommt, betrachtet nach bem ersten Glas interessiert bie alte Kellerschankorbnung aus ber Zeit Maria Theresias, bie zwischen ben Silbern ber Vorfahren bes Weinbauern an ber Wanb hängt unb’an bie Zeit erinnert, als ein Liter Wein sechs Kreuzer — einen Groschen — kostete. Er blickt nach bem Kahlenberg hinauf, ber seine Rebenhänge bis an die Dorfstraßen Grinzings senkt, ober er versucht mit heimischen Zechern in ein Gespräch zu kommen.
Es bebarf in mancher dSr Weinbauernwohnungen gar nicht einmal ber Musik, um ben Weintrinker in die richtige Stimmung zu bringen. Aber der Zauber des Heurigen liegt doch darin, ben Wein bort, wo er wächst, bei Musik zu trinken, besonbers für ben Fremben. Die schönsten Wiener Lieber wurden in Grinzing beim Wein gedichtet, komponiert und gesungen. In ber Volksmusik, bie ber Heurigenwirt selber mit ber Harmonika, Zither ober Gitarre pflegt unb bie in ben größeren Gaststätten bas Heurigenquartett spielt, kommen alle Gefühle zum Aus- bruck, deren die Wiener fähig finb.
Wo bie Schrammelmusik ertönt, fingen die Fremden luftig mit: »Geh ma Freunderl auf g Weinderl
nach Grinzing 'naus" ober „Ich möcht wieber einmal in Grinzing sein beim Wein". In ben verschwiegenen engen Höfen, in denen ber Weinbauer die Tische aufgestellt hat, stimmen bie unentwegten Zecher je nach ihrer Lebensauffassung zur Harmonika an „Heut reiß ich der Welt eine Haxen aus", „Verkauft mein Gewand, ich fahr in ben Himmel" ober „Es wirb ein Wein fein, unb wir werben nimmer fein". Am fröhlichsten aber geht es in ben Weinstuben zu, in benen bie letzten Volkssänger Wiens ihre Stimme hören lassen unb ben Fremben hingebungsvoll bie ältesten und die neuesten Lieber ins Ohr fingen.
In heiteren wie in ernsten Zeiten hat ber Heurige in Grinzing bie Menschen in seinen Rhythmus gebannt. Ein Stück echten Wiener Volkslebens spielt sich zur Zeit bes neuen Weines am Fuße bes Kahlenberges ab.
Aerztekunst im Siebenjährigen Kriege
Im Jahre 1763 erschien ein Friebrich dem Großen gewidmetes Werk des „General-Chirurgen" Johann Ullrich Bilguer unter dem Titel „Chirurgische Wahrnehmungen, welche meistens während dem von 1756 bis 1763 dauernden Kriege über in denen Königlich Preußischen Feldlazarethen von verschiedenen Wundärzten aufgezeichnet, itzo gesammlet, zusammengetragen und mit einigen hinzuaesetzten Erläuterungen herausgegeben". Aus diesem Buche gibt Dr. Hans Krauß in ber Wochenschrift für neue beutsche Heilkunde „Hippokrates" einige Abschnitte wieder, die, wenn auch die Waffen und damit die Verletzungen des jetzigen Krieges vielfach andere finb als zur Zeit des Siebenjährigen Krieges, doch auch für ben Arzt ber Gegenwart bemerkenswert find unb.bie Sorgfalt und Kunst dieser alten Aerzte in hellem Lichte erscheinen lassen.
Unter den verschiedenen Arten von Verletzungen sind es besonders die der Hirnschale und die Behandlung ber zerschmetterten Glieder und Gelenk- wunden, die in Auszügen behandelt werden. Die vielen schweren, im Nahkampf verursachten Schädelhiebe machten sehr oft eine Trepanation notwendig. Wurde der Trepan, ber Kronenbohrer, ber früher bei ber Anbohrung ber Schädelkapsel gebraucht wurde, rechtzeittg cm gewendet, fo war ber
Ausgang meist günstig. Der Regimentsfeldscher bei einem Dragonerregiment, Niemann, berichtet, daß er 1759 nach der Schlacht bei Roßbach viele mit Kopfwunden zu behandeln hatte und babei sehr fleißig trepanierte; man habe ihm, weil er es zu häufig getan habe, beinahe bittere Dorwürfe gemacht, aber um zu zeigen, baß er noch viel zu sparsam damit gewesen wäre, schildert er ausführlich den Fall eines Husaren, der einen 1 Zoll langen Hieb auf dem rechten Seitenbein erhalten hatte, der ein wenig in bie Hirnschale selbst ehtgebrungen war. Bei der Kleinheit des Einschnittes trepanierte ber Arzt zunächst nicht, fonbem ließ nur reichlich zur Aber, gab oerbünnenbe Getränke unb ließ strenge Diät halten. Siebzehn Tage lang zeigte sich nichts, aber die Wunde wollte nicht heilen; am achtzehnten Tage wurde ber Einschnitt merklich größer unb es ließ sich mit ben Fingern Feuchtigkeit ausbrücken. In der folgenden Nacht fiel ber Verwunbete plötzlich in Raserei, und am zwanzigsten Tage wurde trepaniert. Der Arzt sah die Hirnhaut unter bem Einschnitt hoch erhaben und gelblich, durchstach bie Stelle und zog so eine Meng^ Eiter ab, worauf ber Verwunbete sich gut erholtes aber trotz aller Sorgfalt ber weiteren Behanblung verlor sich bie Eiterung im Gehirn nicht, ber Mann, starb am fünften Tage nach der Trepanation, die zu spät vorgenommen worben war.
Bemerkenswert finb bie Anschauungen der alten. Aerzte über bie Amputation von verletzten Olie* bern. Bilguer bringt eine große Zahl von Beobachtungen über Fälle, in benen eine Erhaltung des. ©liebes ganz aussichtslos erschien, aber unter Auf- wenbung von viel Mühe und Sorgfalt zuletzt doch gelang. Er redet, was bie heutigen Aerzte kaum wagen würben, „ber beinahe gänzlichen Dermei- bung des Ablösens der menschlichen Glieder" das Wort, und führt besonders einen von ihm behandelten Fall des Kommandeurs eines Kürassierregi* ments, Oberstleutnant von Röder, an, dem in ber Schlacht bei Freyberq durch eine Kartätschenkugei- bie Schienbeinröhre furchtbar zerschmettert rourbc- Es gelang ihm, in einer über ein halbes Jahr bauernden Behandlung die Wunde vollkommen zu he>» len und auch zu verhindern, daß das Bein durch den großen Knochenverlust aus ber Schienbeinröhre zu kurz wurde, sodaß ber Verwundete wieder gesund zu seinem Regiments abreifen konnte. GIG


