heißen Eisen glattgebügelt werben. Die nasse Hose befreit man zuerst durch Ueberbürften mit kaltem Wasser von allen Schmutzspritzern, legt zwischen die Beinlättgen ein sauberes Tuch und klammert die Hase, die Brücke und die Bügelfalten scharf aufeinandergelegt und in Form gezogen, in den Hosenstrecker. So wird die Hose frei aufgehängt und nach dem Trocknen wieder frisch ausfehen.
500 Qualitäten aus alten Lumpen.
Alles wird gebraucht bei der Spinnstoff- s a m m l u n g : Lumpen und Flicken aus Wolle und anderen Tierhaaren, Baumwolle, Seide, Kunstseide, Zellwolle, Leinen und Jute. In Frage kommen alte Strümpfe, Pullover, Unter- und Oberkleidung, Wäsche, Läufer, Teppiche, Gardinen, Säcke usw., soweit sie zur Wiederverwendung ungeeignet sind. Allerdings muß gut darauf geachtet werden, daß Metall-, Leder-, Glas- oder Gummiteile vorher entfernt werden, z. B. dann, wenn ein Paar alte und zerrissene Leinenschuhe mit zu den Abfällen kommen sollten. Selbstverständlich müssen die Textilien auch vollständig trocken sein. Diese Abfälle brauchen natürlich nicht sortiert zu werden. Hierfür werden in langjähriger Facharbeit erprobte Kräfte ongesetzt, und zwar ausschließlich Frauen. Zunächst wird alles Material in vier Sorten vorsortiert, daraus werden nochmals 28 Sorten aussortiert. Diese 28 Sorten werden wieder bis zu 5 0 0 verschiedenen Qualitäts- oder Farbsortierungen getrennt und dann erst der verarbeitenden Industrie zugeführt. Nach einer sachgemäßen Vorbereitung ergeben die Abfälle ein vollwertiges Material, das außerordentlich vielseitig verwendbar ist. Ist der Aussortierungsprozeß erledigt, werden die Abfälle gewaschen und getrocknet. Sie kommen dann in eine Maschine, den sogen. „R e i ß - W o l f", in der sie in Tausende von kleinen Fetzchen zerpflückt und zerrissen werden. So entsteht die „Reiß-Wolle" bzw. „Reiß-Baumwolle", die dann zu Garn und weiter zu neuen Stoffen versponnen und verwebt wird. Aus den Textilfabriken geht heute überhaupt keine Fertigware heraus, in der nicht ein gewisser Prozentsatz an Reißmaterial enthalten ist. Hierzu gehören die gesamten Web-, Wirk- und Strickwaren für Zivilund Militärbekleidung, Decken, Hauswäsche, Gardinen, Tepviche usw. einschließlich oller Wirtschaftsgegenstände, die irgendwie ganz oder teilweise aus Spinnstoffen hergestellt sind. Weniger spinnfähiges Material findet in Polsterwerkstätten seine Verwendung. Ein größerer Anteil wird in der Papier- und Rohpoppen- bzw. Dachpappenindustrie gebraucht. Alle weißen und hellbunten Lumpen finden bei der Fabrikation von Briefapier, Geldscheinen und anderen Spezialpapieren Verwendung.
Gesundbleiben ist nicht schwer.
Für die Erhaltung der Gesundheit ist die Ernährung von ausschlaggebender Bedeutung. Seit vielen Jahren wurde von Aerzten und auch Nichtärzten, die sich um die Gesunderhaltung ihres Volkes sorgfen, darauf hingewiesen, daß eine erstaunlich große Zahl von Krankheitserscheinungen in zunehmendem Maße zu beobachten ist, die vor wenigen Jahrzehnten zu mindestens in einem solchen Umfange nicht gekannt wurde. Es sei in diesem Zusammenhang der annähernd alle erwachsenen Menschen betreffende Gebißverfall erwähnt, fernerhin die Zunahme von Magen- und Darmstörungen, Herzleiden, Nervosität und nervösen Erschöpfungszuständen, Stoffwechselstörungen, bösartige Neubildungen usw., und schließlich Störungen der Zeugungs- und Fortpflanzungsfähigkeit. Diese Krankheitsgruppen, die, wie bereits erwähnt, Erscheinungen der letzten Jahrzehnte sind, sind durch die Ernährung maßgeblich zu beeinflussen.
Das Hauptnahrungsmittel des Menschen auf unserem deutschen Heimatboden ist das Brot. Ob alt ober jung, arm ober reich, jeber ißt täglich Brot. Es ist somit ganz selbstverstänblich, baß es von ousschlaggebenber Bebeutung ist, ob bas Brot vollwertig oder in seinem Wertgehalt mehr ober weniger stark gemindert ist. Unsere Vorfahren, bie in der Mehrzahl auf dem Lanbe lebten, stellten aus bem von ihnen selbst angebauten Korn ein V oll- ko r n m e hl oder -schrot her, das sie bann selbst zu Brot verarbeiteten. Sie aßen somit Vollkornbrot. Dieses Brot enthält sämtliche Bestanbteile bes Korns, also die Eiweiß- unb Fettstoffe, die Vitamine und Mineralsalze und den Mehlkern. Demgegenüber wird heute fast ausschließlich nur noch der kohlehybrathaltige Mehlkern verarbeitet, so baß bas seit Jahren von uns gegessene Brot arm ober mei
stens ganz frei ist von erwähnten Wert- unb Schutzstossen. . .
Das bebeutet einen ungerechtfertigten Eingriff m Naturgesetze, unb bie Natur beantwortet biefen Eingriff mit den vorhin aufgezählten Krankheitserschei- nungen. Wenn wir eine Gesunbung erreichen wollen, müssen wir also ba mieber beginnen, wo der natürliche Weg verlassen würbe: bei einer einfachen, bobengebunbenen unb nicht entwerteten Ernährung. Bei ber überragenben Bebeutung des Brotes als Dolksnahrung — mehr als ein Drittel unserer Ernährung erfolgt auf dem Wege über Getreideerzeug- nisse — müssen wir vor allem darauf sehen, daß das Brot wieder vollwertig wirb. Hieraus ergibt sich bie Wichtigkeit ber Reichsvollkornbrotaktion für bie Volksgesunbheit mit ihren Zielen: Mehr Vollkornbrot!
Vorsicht vor Füchsen!
Da bie Füchse jetzt Junge haben, ist ihre Raubsucht besonbers groß. Deshalb müssen die Hühnerhalter jetzt größte Vorsicht walten lassen. Selbst bei Tage
macht sich ber rote Räuber an die Hühnerbestönde heran. In ben letzten Tagen wurden besonders vom Westerwald erhebliche Verluste in Hühnerställen durch Füchse gemeldet. Bei Nachtzeit sind die Hühnerställe zweckmäßig ganz geschlossen zu halten.
Gießener Dochenmarkkpreise.
* Gießen, 7. Aug. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, Yi kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8 bis 9, Kartoffeln, neue, Vi kg 8, Wirsing 12 bis 15, Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 20 bis 35, gelbe Rüben 14 bis 20, rote Rüben 9 bis 12, Bohnen, grün, 25, gelb, 30, Tomaten 34 bis 40, Salatgurken 24, Salat, bas Stück 10 bis 12, Rettich 10, Rabieschen, das Bund 10 bis 12 Rpf.
Kreis Friedberg.
Friedberg, 6. Aug. Der Schlosser Wilhelm Geller aus-Södel ist von einem Gerüst in ber Hefrag abgestürzt. Er hat sich so schwere Verletzungen zugezogen, baß er bald darauf starb.
Hand behalten wird, ist ungewiß. Beide Mannschaften haben zuletzt eine gute Form gezeigt, besonders der „Club", der vor allem in ber Abwehr stärker als sein Gegner zu sein scheint. In ber Scdalker Glückauf-Kampfbahn starten die „Knappen" als Favoriten. Auch mit Janes unb Kodierst: wer- den die Düsseldorfer kaum siegreich bestehen können. Im Wiederholungsspiel zwischen Rotweiß und Metz haben die Frankfurter diesmal ben Vorteil bes eigenen Platzes, was vielleicht entscheidend für den Ausgang sein wird. Schon in Metz war Rotweiß dem Sieg näher als die Lothringer.
Handballspiele um den Lahn-Pokal.
Die Spiele um den Lahn-Pokal brachten diesmal recht hohe Ergebnisse. Holzheim errang gegen Heuchelheim die ersten Punkte. Die Gießener Manner- turner mußten in ©rüningen eine Niederlage hin- nehmen. In ber Gruppe Wetzlar überrascht ber 14:3- (5:2) Sieg von Niebergirmes über Garbenheim. Eine Ueberraschung gab es in bem Freundschaftsspiel Lang-Göns gegen die Luftwaffe, das bie Platzmannschaft gewinnen konnte.
Holzheim — Heuchelheim 16:3 (8:1).
Das Spiel würbe von Anfang an von Holzheim bestimmt. Die mit viel Ersatz spielenben Gäste waren schon in ber ersten Hälfte geschlagen. Nach bem Wechsel beherrschte Holzheim weiterhin bas Spielgeschehen. Der Tormann Heuchelheims half mit, baß bie Nieberlage so hoch würbe.
©rüningen — 2Mv. Gießen 16:3 (7:2).
©rüningen hatte eine starke Mannschaft, wogegen bie ©äste nur mit 10 Mann unb reichlich Ersatz antraten. Obwohl sie in ber ersten Hälfte sich tapfer behaupteten, kamen sie nach bem Wechsel in Rück» stanb.
Lang-Göns — Luftwaffe Gießen 9:6 <4:4).
Dieses Spiel brachte ben Abschluß bes Lang» ©önser Sporttages und für bie Gastgeber einen großen Erfolg. Allgemein würbe ein Sieg ber Sol» baten erwartet. Auf bem kleinen Platz fanben sie sich jeboch nicht zurecht, zumal auch noch Ersatz in ihren Reihen ftanb. Bis zum Wechsel war bas Spiel noch offen. Nach ber Halbzeit mußte ber Tormann ber Solbaten alles aufbieten, um eine größere Nieberlage zu oermeiben.
Lang-Göns Schüler — Hochelheim Schüler 8:7 (4:4).
Die Jüngsten ber Gastgeber errangen einen knappen Sieg gegen die gleichwertigen Kleinen von Hochelheim.
Handball beim Bezirkssporttag in Gießen.
Kreis Wehlar — Kreis Gießen.
Im vergangenen Jahre wurde das Endspiel um den Lahnpokal in diesem Rahmen ausgetragen. Infolge ber zwangsläufigen Ruhepause konnten bie diesjährigen Spiele dieser Runde nicht soweit gefördert werden. Kreis Wetzlar — Kreis Gießen heißt diesmal wie bei ben Fußballern bie Paarung. Der Kreis Wetzlar ist schon bei bem dortigen Kreissporttage gegen die Wetzlarer Stadtmannschaft hervorgetreten. Außerdem kennen sich die Spieler durch die Bannspiele sehr gut. Die Vertretung bes Kreises Gießen stützt sich auf bie Mehrzahl ber Svieler ber Luftwaffe. Dem Schiebsrichter Schmibt (Hörnsheim) stellen sich folgenbe Einheiten:
Kreis Wetzlar: Loh, Gimbel (Lützellinden), Weller (Niedergirmes), Dietrich (Garbenheim), Sommerkorn (Hochelheim), Hagner (Katzenfurt), Pohl (Garbenheim), Lang (Hochelheim), Hofmann (Niedergirmes), Schmidt (Hörnsheim), Jung (Lützellinden).
Kreis Gießen: Mohn (Grüningen), Trautwein, Bracker (Luftwaffe), Ulm (Heuchelheim), Lieb (Lutwaffe), Wifsig (Lang-Göns), Kirchner (Luftwaffe), Sander (Holzheim), Fay (Grüningen). Ammerbacher (Luftwaffe), Bentheim (Mtv. Gießen).
Fußball in Laubach.
Am Sonntag fand in Laubach ein Freundschaftsspiel zwischen ber Jugenbelf von Ruppertsburg unb der Jugenbelf von Laubach statt. Die Ruppertsbur- ger Mannschaft zeigte sich überlegen. Das Spiel enbete mit 3:0 für die Ruppertsburger Jugendelf.
Kurze Gportnolizen.
Die d-eutschen Tennis-Mei st erschaf» t e n, bie am Donnerstag in Braunschweig beginnen, finb ausgezeichnet besetzt Die beutsche Spitzenklasse, voran Henkel, Koch, Gies, v. Metaxa. Gulcz und Graf Baworowski, ist ziemlich vollzählig vertreten.
Oer deuische Siegeszug im Osten in der neuen Wochenschau.
Die gewaltigen Vernichtungsschlachten, über beten siegreichen Verlauft die Sonbermeldun- gen bes Wehrmachtberichtes in großen Zügen berichten, sind in außerorbentlich dramatischen, mitreißenden Bikdern in der neuen Wochenschau festgehalten. Sie geben durch die lebendige, oft erschütternde Darstellung einzelner Kampfhandlungen einen annähernden Begriff, welche uner- reicyten Leistungen der deutsche Soldat vollbringt. Unwillkürlich muß man an ben Ausspruch des Führers, der umjubelt von den Soldaten an ber Ostfront eintrifft, denken, daß der deutsche Soldat der beste Soldat der Welt ist. Hat doch allein unsere Infanterie in den sechs Wochen des Krieges im Osten an 1000 Kilometer marschierend und kämpfend zurückgelegt. Für den deutschen Soldaten gibt es tetne Hindernisse, keinen Aufenthalt. Die verzweifelten Bemühungen der eingekesselten bolschewistischen Truppen, den immer enger werdenden stählernen Ring zu durchstoßen, brechen im Feuer deutscher Geschütze zusammen. Brennende Dörfer und Städte bezeichnen den sowjetischen Rückzugsweg, unübersichtlich das erbeutete Material, das fast stündlich wächst.
Freiwilligen-Transporte aus allen Teilen Eüropas gehen an die Front ab, um Schulter an Schulter mit den deutschen Truppen den Bolschewismus zu treffen und feine Heere zu vernichten. An allen Fronten Kampf! Ueberall, im Raume von Salla, im Norden Finnlands, am Südflügel der Front erzwingen deutsche und rumänische Verbände die Befreiung Beffarabiens vom Feinde. König
Sommerkampfspiele der HZ.
Nur wenige Wochen trennen uns noch von den ■3 Sommer-Kampffpielen ber H I., die vom 24. bis 31. August in Breslau veranstaltet werben. Vorausgegangen sind bie ©ruppenkämpfe ber Jungen im Fußball, Hanbball und Hockey sowie ber Mädel im Hanbball unb Hockey. In jeweils 12 Gruppen würben bie Turniersieger fest- gestellt, bie nun in ber Ausscheibungsrunde am 10. August um die Teilnahme an den Schlußkämpfen um die Jugendmeisterschaften in Breslau antreten werden.
Die Zwischenrunde im Fußball bringt am Sonntag folgenbe sechs Spiele: Pommern — Ostland: Sachsen — ^!ttelelbe; Wien — Kärnten: Ruhr/Niederrhein — Moselland: Westfalen — Düsseldorf: Franken — Württemberg.
Im Handball ergibt sich folgender Spielplan: Ostland oder Brandenburg — Berlin; Sachsen — Mittelland: Wien — Hochland; Ruhr/Niederrhein gegen Baden; Düsseldorf — Thüringen; Franken gegen Württemberg.
Mit einer Ausnahme ist im Handball bes BDM. alles klar. Am 10. August werben bie in ben Vorturnieren siegreichen 12 Obergaue zu folgenden Spielen antreten: Hamburg — Nord mark; Ost-
Michael von Rumänien und Staatsführer Auto- nescu haben sich zu den siegreich vorrückenden Truppen begeben. Mit Floßsäcken und Sturmbooten setzen deutsche Soldaten über den noch unter feindlichem Beschuß liegenden Dnjestr. Aus Dörfern und den dichten, unübersichtlichen Wäldern werden die Bolschewisten herausgeholt und in Gefangenenlager übergeführt. Die entsetzlichen Oreueltaten von Balti, wo die Bewohner von den Bolschewiken niedergemetzelt und zu Tode gemartert wurden, sind bie rechte Illustrierung der verlogenen Phrase von bem „Paradies der Bauern und Arbeiter", auch bie armseligen, rachitischen, vollkommen unterernährten Kinder, die menschenunwürdigen Erdlöcher und Bretterbuden, „Wohnungen" genannt, ober bie Kirchen, die zu Wodkabrennereien und Elektrizitätswerken mißbraucht werden.
Hart unb erbittert war der Kampf um Smolensk, die Stadt und die umliegenden Dörfer find ein einziges Flammenmeer. Bilder aus ber eroberten Ukraine, Luftangriff auf Moskau, Flammen lodern zum Himmel, militärische unb wehrwirtschaftliche Anlagen sind getroffen, obgleich sowjetische und englische Lügenmeldungen stets den Zusammenbruch der deutschen Luftangriffe vor Moskau melden.
Die Luftwaffe bekämpft wirksam sowjetische Bomber unb Jäger, Flugplätze des Feindes verwandeln sich in Trümmerstätten. Endlos ziehen Gefangene den Weg nach den Gefangenenlagern. Das siegreiche deutsche Heer ist in unaufhaltsamem Vormarsch! I. M. J.
land — Berlin; Sachsen — Wien; Hochland — Franken; Württemberg — Baden; Westfalen — Düsseldorf oder Hessen-Nassau.
Gleichzeitig wird am 10. August bie Vorrunde zur Wasserball- Meisterschaft der HI. abgeschlossen. Als Turniersieger unb Teilnehmer für Breslau finb vorerst die Gebiete Danzig/Westpreu- ßen, Westfalen und Berlin ermittelt worben. Arn kommenden Wochenende fallen die restlichen Entscheidungen in Nürnberg (Franken, Kurhessen, Württemberg), Linz (Dberbonau, Oberschlesien, Hessen-Nassau), Hannover (Niedersachsen, Hamburg, Nordmark, Nordsee), in Wien (Wien, Hochland, Sudetenland) unb Erfurt (Düsselborf, Sachsen, Mittelelbe).
Dreimal um den Tschammerpokal.
Die Runbe ber „letzten Sechzehn" tm Fußball- Tschammerpokal-Wettbewerb soll am Sonntag vervollständigt werden. Aus ber zweiten Schlußrunbe finb noch bie Begegnungen 1. FC. Nürnberg gegen Spvg. Fürth unb Schalke 04 gegen Fortuna Düsselborf rückständig, außerbem müssen Rotweiß Frankfurt unb FV. Metz, die sich am letzten Sonntag in Metz torlos trennten, zum Wiederholungsspiel antreten.
Wer im Nürnberg-Fürther Lokaltreffen die Ober-
Die Dominiks.
Roman üon Hellmuth M.lSottcher.
50. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Friedrich Dominik hat seinen Wagen an eine ganz einsame Stelle gefahren. Das Ufer tft hier hoch und felsig unb fällt stell zur See ab. Der Wald tritt dicht an den Hang unb überschattet bie von Sturm unb Wetter zerrissenen tiefen Schrunden. In diesen Kluften hat Godeke Michel, der Seeräuber, vor einem halben Jahrtausend Schutz ge- funben, als bie Hamburger seinem Kampfgenossen Klaus Störtebecker auf dem Brock bas hochgemute Haupt vom Rumpf getrennt hatten. Wenn ber Volksmund recht hat, bann bergen bie Risse dicht herum im Kreibegestein noch genug Schätze von eblem Goldgeschirr unb auch Silbergeld. Gobeke Michel hat sie so gut zu verbergen gewußt, baß sie kein Mensch roieberftnben konnte. — Wäre er selber hier geblieben, bann hätte wohl ber Sand zwischen ben holprigen Steinen auf bem Brock nicht auch sein unb seiner Gefährten Blut getrunken — kaum bah zwei Jahre nach bes großen Führers Tob verflossen waren.
Aber das sind alte Geschichten, unb bie meisten, die Herkommen an bie entlegene Lanbzunge, die wie ein ausgestreckter Finger in das stürmische Meer wächst, denken nicht mehr daran.
Martha Lind geht seltsamerweise ein Teil davon durch den Sinn, als sie beide nun schweigend über bas weite, graue, aufgewühlte Wasser schauen.
Unb nun denkt sie, daß hinter ihr eine Gefahr steht, der sie entrinnen möchte unb in bie sie sich vielleicht, ohne es zu wissen, immer tiefer verstrickt. Sie fühlt irgendein Gemeinsames mit Godeke Michel und seiner Schar, die eine bessere Welt schaffen und Gottes Freunde sein wollten —aber nur aller Menschen Feind wurden.
Unb dann ist noch eines. Gerade an dieser Stelle n>ur es, wo sie damals Friedrich Dominik ihr Wort gab — damals vor einem Menschenleben, bas von Mattheus Lind zertrümmert wurde. Warum mag Diedrich Dominik eben diesen Platz ausgesucht haben? Weiß er um diese Erinnerungen nicht mehr.
Unb wieder zeigt sich, in wie tiefem ©leichklang ihre Seelen noch immer zueinander stimmen, denn eben antwortet Dominik auf bie schweigend gestellte Fraae.
„Da sind wir wieder an bem alten Platz, Martha, ber uns beiden einmal eine sehr reiche, eine sehr glückliche Stunde geschenkt hat ...' Es ist bann später anders gekommen als wir gedacht hatten. Das Leben ist stärker als unser guter Wille ..."
Das ist wie ein Streicheln mit weichen Händen. Auch so etwas gibt es? staunt Martha. Ich hab es nur vergessen gehabt — oder nicht mehr daran geglaubt ...
„Nun mußt du es dir so denken, Martha: Daß wir schon einmal hier oben saßen und daß alles, was inzwischen war, nicht gewesen ist. Wir sind damals eingeschlafen, als Siebenschläfer, und die Welt ging weiter seither — aber mir haben nur von ihr geträumt. Wir sitzen am alten Platze. Träume gelten nicht für bas Leben. Wenn man will, kann man sie vergessen. Wir wollen uns ein» bilden, mir seien eben erst erwacht ... Alles ist wie damals. Nur bie Bäume sind höher und stärker geworden unb urffere Köpfe alt ..."
Martha nickt.
Man ist damals eingeschlafen unb heute erst wieder aufgewacht, und alles ist wie es war —
Das Meer ist ba, unb der Wald ist da, alles wie einst. Bloß die Schrunden und Klüfte im Kreide- geftein finb womöglich ein wenig tiefer geworden. Man sieht es ihnen an, daß auch ihnen die Zeit viel Sturm und Wetter gebracht hat ...
Friedrich Dominik wartet geduldig, baß Martha zu sprechen anfängt. Und Meer, Wald unb Himmel helfen ihm dabei.
Ganz langsam unb zögernd erst setzt sie ihre Worte, wie ein Kind, das Muscheln sucht und voller Verwundern ist, aber noch nicht weiß, was es mit bem neuen Schatz anfangen soll. Satz schließt sich an Satz. Gedanke schlingt sich an Gedanke. Was sie in Jahren und Jahren in sich hinabge- schlungen hat an Leiden unb Erdulden, das ringt sich frei. Unb wird zu Wort und Träne. Und wenn es Gestalt gewonnen, dann ist es ihr selbst plötzlich fremd wie das Erlebnis eines andern, das sie irgendwann mit durchgestritten hat, unb sie kann sich nur noch wundern, daß es ihr früher so naheging.
Friedrich Dominik hört zu. Er fragt ganz wenig. Nur bann unb wann hilft er ihr, mit einem Blick ober mit einer Bewegung seiner Hanb.
Unb dann ist Martha Lind fertig und lächelt durch ihre Tränen hindurch und sagt in ihrer seltsam erfüllt klingenden Stimme:
„Nun ist bas alles nicht mehr so schlimm. Ich weiß kaum noch, worüber ich traurig war. Ich hätte schon längst einmal ben Mut finden sollen, mit einem Menschen darüber zu sprechen, ben ich lieb habe."
Friedrich hört nur das „lieb habe". Er vergißt, daß Martha eine alte Frau ist, unb vergißt, baß er selber graues Haar hat unb baß sie beibe Kinder haben, die sich lieben. Er zieht Martha an sich, daß ihr Kopf an seinem Gesicht liegt und ihr Haar um seine Stirn und seine Augen fächelt. So sitzen sie nebeneinander und fühlen sich ganz nahe uniT lächeln still vor sich hin.
Sie waren ja nur eingeschlafen — damals.
Und sind jetzt wieder aufgewacht.
Und alles dazwischen war Traum.
„Ich war immer bei dir", sagte Martha, „darum konnte ich bas anbere alles ertragen."
„Wir waren immer beieinanber", nickt Frieb- rich. „Darum konnte biese heilige Stunbe über uns kommen. Unsere Sehnsucht hat sie bem Schicksal abgezwungen.
Martha schaut in bie Weite.
„Die Liebe ist stärker als bas Leben — sonst wäre ich längst gestorben", sie lächelt mieber. „Schon damals, als Brigitte noch nicht da war. Nachher habe ich auch um ihretwillen aushalten müssen."
Der Wind zaust bie buschigen Kieferkronen unb zischelt im Weidengebüsch. Am Strande wirft er ben Sand hoch unb treibt ihn in bie Spalten bes Kreide- gesteins. Da reibt er an ben Schrunben unb macht sie um eines Lichtstrahles Breite tiefer. Vielleicht gelingt es feiner Unrast, bie Schätze Godeke Michels freizulegen? Sand unb Regen, Frost unb Hitze finb ihm bereite Helfer. Unb einmal kommt er wohl zu seinem Ziel ...
Wir kommen alle einmal zu unserem Ziel; die einen früher, bie anderen später.
Bloß manchmal ist es zu spät.
Friedrich Dominik reckt sich auf.
„Du kannst natürlich nicht zu Lind zurück, Martha. Jetzt nicht mehr. Auch wenn der Streit
heute früh nicht gewesen wäre, würde ich dich nicht zurücklassen."
Martha hat bas längst vergessen gehabt.
„Was sollen wir tun?" fragt sie.
„Wir finb uns verfallen", sinnt Dominik. „Also müssen wir beisammen bleiben. Die Menschen frei» lief) werden reden. Man wird uns beschimpfen. Fürchtest du dich?"
„Wie soll ich mich fürchten, wenn ich bei dir sein kann! — Wir sind wohl beide auch zu alt ge» worben, um uns noch fürchten zu können."
Sie bleiben lange auf ihrem einsamen Platz. Erst als bie Sonne ins Meer gesunken ist, fahren sie heim.
In ber Diele bes Dominikschen Hauses brennt Lickt. Friebrich geht voraus, um zu sehen, ob etwa Besuch ba sei. Es ist nicht notmenbig, es gleich alle Welt wissen zu lassen, baß Martha zu ihm ge» kommen ist; man wirb es auch so noch zeitig genug erfahren.
Als er ben Raum betritt, strahlt ihm Nissen entgegen.
„Ich habe heute eine neue Direktionsgehilfin ein» gestellt, Vater! Ich hoffe, bu hast nichts bagegen?*
Aus dem Dunkel des Ecktisches löst sich eine schlanke Gestalt unb kommt ein wenig scheu ins Licht.
Martha —? Nein, bas kann ja istcht fein!
„Brigitte Linb?" fragt Dominik erstaunt. Diese große Ähnlichkeit! So hat bie Mutter einmal aus- gesehen — bamals ...
Wie oft hat er heute schon an bieses „Damals" benten müssen!
Brigitte ist dicht herangekommen. Ihre Augen sind gesenkt. Sie hat Angst gehabt vor diesem ersten Zusammentreffen mit Nissens Vater.
Der alte Herr streckt ihr bie Hanb hin.
„Seien Sie mir herzlich willkommen, Fräulein Lind!" Unb er legt seinen Arm um ihre Schultern.
„Dars ich bleiben?" fragt Brigitte leise.
Dominik lächelt.
„Da müssen Sie Ihre Mutter fragen!" Er gehi zur Tür, wo Martha noch immer wartet, und führt sie herein.
Unb als er sieht, daß Muller unb Tochter ein» anber in ben Armen liegen, geht er leise hinüber tit fein Zimmer.
(Fortsetzung folgt.)
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