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Eichener Anzeiger iSeneral-Anzeiger sür Vbecheffen)

Nr. 154 Zweiter Blatt

Oer heilsame Sport

Nachkriegszeit Mell herangewachsen, so daß er zu

von eine

Dieser Unterstützungserlaß für Frontsoldaten und Kriegsteilnehmer sieht eine einmalige Vergebung von Mitteln vor, die zeitbeschränkt ist und in etwa fünf Jahren beendet sein-wird. Er bringt einen finanziellen Ausgleich für den zeitlichen Verlust von Studienjahren durch den Krieg und tritt automa­tisch auf Grund nachgewiesener Kriegsjahre in Wirksamkeit. Dabei sind zwei große Veraünsti- gungsarten vorgesehen. Die Gebührende üng und der Hnterhalts Zuschuß. Gestaffelt nach der Dauer ihrer Wehrdienstzeit erhalten die zurückkehrenden Kriegsstudenten an den deutschen Hoch- und Fachschulen teilweise oder vollkommene Gebührenbefreiung und darüber hinaus in der Höhe gestaffelte laufende Unterhaltszuschüsse. V er - s ehrte sind überhaupt von der Zahlung der Ge­bühren für die Durchführung ihres Studiums b e -

Das nationalsozialistische Reich nimmt sich aus allen Gebieten und in allen Berufszweigen in be­sonderem Maße seiner Soldaten und Kriegsteil­nehmer an. Diese Fürsorge ist jetzt durch einen Er­laß des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung auch auf die K r i e g s ft u d e n - t e n ausgedehnt worden. Während nach dem Welt­krieg die Novemberrepublik keine Hilfe für die an die deutschen Hochschulen heimkehrenden Frontsol­daten geleistet und auf diesem Gebiet vollkommen versagt hat, bringt der nationalsozialistische Staat bereits jetzt, noch mitten im Kriege, eine groß- tügige Unterstützungsaktion für die studentischen Kriegsteilnehmer heraus.

tun g des studierenden Kriegsteilnehmers müssen den notwendigen Anforderungen entsprechen. Zu dieser Feststellung wird die Stellungnahme der ört­lichen Studentenführung hinsichtlich der persönlichen und politischen Haltung und Bewährung in den Gemeinschaften des Studenientums eingeholt.

lieber diese Mitwirkung bei dem großzügigen Unterstützungserlaß hinaus wird die Reichsstuden­tenführung eine besondere Betreuung für die an die Hochschule zurückgekehrten Kriegsstudenten und für versehrte Studenten einrichten. Diese Betreuung

~ " Soldaten«

hat jetzt Gestalt angenommen dienst der Reichsstudentenführung, der vorn Sozialpolitischen Amt der Reichsstudenten­führung über das Reichsstudentenwerk und seine örtlichen Dienststellen durchgeführt wird. Der Reichs- studentenführer, ^-Brigadeführer Dr. Scheel, hat den Leiter des Reichsstudentenwerkes, Dr. Reise, mit der Leitung des Soldatendienstes, der an allen Hochschulorten als eine besondere Dienststelle der Studentenführung eingerichtet wird,

beauftragt.

Die Aufgaben dieses Soldatendienstes sind grund­sätzlich klar. Es sollen durch den Soldatendienst alle Maßnahmen zur Betreuung der Studenten, die Kriegsteilnehmer und Wehrmachtangehörige sind, geleitet und in Angriff genommen werden, die bei Aufnahme oder Weitersührung des Stu­diums notwendig sind. Die Uebernahme dieser Auf­gabe bedeutet di^ Erfüllung einer selbstverständ­lichen Ehrenpflicht gegenüber allen Soldaten des großdeutschen Freiheitskampfes. Hinzu kommt die Tatsache der allgemeinen Nachwuchslage in allen Berufen, deren Nachwuchs von Studenten gestellt wird. Auch sie erfordern Maßnahmen der Erleich­terung und Vergünstigung in jeder Hinsicht für Kriegsteilnehmer und Wehrmachtangehörige bei Aufnahme und Weiterführung ihres Studiums. Diese Maßnahmen müssen aber zugleich darauf ausgehen, eine Leistungsminderung in Wissenschaft und Technik und den geistig schaffenden Berufen überhaupt auszuschließen.

So wird sich der Soldatendienst der Reichsstuden­tenführung an jedem Hochschulort mit allen Fragen und Sorgen befassen, die bei studentischen Kriegs­teilnehmern auftreten können. Die Frage der Woh­nungsvermittlung, die Frage der Studienberatung, des Anschlusses an eine studentische Gemeinschaft, der wirtschaftlichen Vergünstigung und gewisser fach­licher Erleichterungen, sie alle werden Gegenstand der eingehenden Beratung des Soldatendienstes sein. Jeder Kriegsstudent kann sich daher von letzt ab an den Soldatendienst der Reichsstudentenfüh­rung wenden, der zentral in Berlin-Charlottenburg, HardeNbergstraße 34, und örtlich bei der Studenten­führung an jeder Hochschule eingerichtet ist.

FroheStunden fürunsereDerrvundeten

Dieser Tage war eine große Zahl verwundeter und kranker Soldaten mit ihren Aerzten, Schwestern und dem Sanitätspersonal von der NSV.-Kreis­amtsleitung Wetterau zu einem frohen Nachmittag auf die 'Bergschenke" eingeladen worden. Die Grubenverwaltung Krupp in Weilburg hatte durch ihren Obersteiger Pg. Fritz Appel die Räume zur Verfügung gestellt. Pg. Appel und Frau halfen den Lazarettbetreuerinnen der Frauenschaft unter Führung von NS.-Frauenschaftsleiterin W e m p e r. Die NS.-Frauenschaften Hausen, Steinbach, Leih­gestern, Heuchelheim und Wieseck hatten schöne Kuchen gestiftet. Kaffee, Kuchen und andere Er- frischungen wurden von den Betreuerinnen reichlich serviert. Die Jungmädelgruppe 1/116 unterhielt durch Gesänge, Harmonikaspiel und Trachtentanz in schöner Weise. Der Heimatdichter Georg Heß fand mit seinen heiteren und besinnlichen Mundartvor- trägen großen Beifall. Kreisfrauenschaftsleiterin W r e d e und Pg. Tank von der Ortsgruppe Süd befanden sich im Kreise der Gäste. Allen Teilneh­mern verlief die Zeit viel zu schnell, und die schönen Stunden werden unseren Soldaten noch lange in

Dornotizen.

Tageskalender für Montag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Der Postmeister". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der Kleinstadtpoet".

Bunter Abend mit Kurt Engel.

Kurt Engel, der von vielen Sendungen her be­kannte Xylophon-Virtuose, wird im Rahmen eines großen heiteren Abends am 14. Juli imGloria- Palast" Gießen gastieren. Der bekannte deutsche Meister ^Virtuose aus dem Marimba-Xylophon führt seine Darbietungen zu einem großen Erfolg. Um ihn herum gruppiert sich ein Programm besten kabarettistischen und artistischen Könnens: Da sind Nanina und Joscho, ein artistisches Tanzpaar, das zur Weltklasse gehört. Max Wendeler, der lachende Gesell, Trux und Mackie, eine schöne Zauberin mit ihrem komischen Partner. Zwei Battons, Paro­disten mit seltenem Können und echtem Mutterwitz. Earl Eichheim mit Improvisationen am Flügel, Marja Tamara in ihren eigenen Tanzschöpfungen, Kennt und Paddy, zwei Exzentriker von großem Können. Alle zusammen bringen beste artistische Leistungen. _________

schätzung:Wie wenig Herrscher ohne Juden, und wieviele Juden mit Herrschern."

So stand Christian Dietrich Grabbe zu Reich, Volk und Rasse.Welch ein Dummbart märe ich, wollte ich etwas sein ohne mein Volk", das ist sein oberster Glaubenssatz. Seine Tragik, daß er das Volk, das Volk aber ihn noch nicht wollte. Mit ihm waren nur die Toten des großen Krieges und die Ungeborenen einer völkischen Zukunft. Ihm blieb, namens des unbekannten Soldaten von 1813, nur der Kassandraruf: Statt des großen Tyrannen. Na­poleon werden die Deutschen lauter kleine besitzen, statt einer goldenen Zeit wird eine sehr irdene, ver- bröcklichte kommen, voll Halbheit, albernen Lugs und Tandes. Von gewaltigen Schlachttaten wird man freilich nichts hören, desto mehr aber von diplomatischen Assembleen, Konvemenzbesuchen hoher Häuptel, von Komödianten, Geigenspielern und Opernhuren ... Das Menetekel hat recht be­halten: ein liberalistisches, ästhetisch-individualistisches Jahrhundert war angebrochen. Gültig geblieben ist aber auch das völkische Vermächtnis Grabbes, das den Inbegriff feines Ringens um die sittliche Auf­gabe des'deutschen politischen Menschen folgender­maßen umschrieb:Alle Staatsrevolutionen Helsen nichts, wenn nicht auch jede Person sich selbst revo­lutioniert, das ist: wahr gegen sich und andere wird. Darin steckt alle Tugend und alles Genie/

Für den Kriegsstudenten.

Großzügige Llnterstützungsaktion für die studentischen Kriegsteilnehmer

Das ist eine so großzügige Hnterstützungsaktlon, wie sie nur der Nationalsozialismus in feiner Sorge für die Volksgemeinschaft und den einzelnen vor­nehmen konnte. Im einzelnen dürfte der Förde­rungserlaß wohl mehr als 50 Millionen Reichs­mark für den Nachwuchs an den deutschen Hoch- und Fachschulen bereitstellen.

Die Reichsstudentenführung und insbesondere das Reichsstudentenwerk arbeiten bei der Durchführung dieses staatlichen Erlasses mit. Wegen der politi­schen Führungsaufgabe, die die Reichsstudenten- führung wahrzunehmen hat, und wegen der wirt­schaftlichem und gesundheitlichen Betreuungsaufgabe, die für das Reichsft udentenwerk durch Reichsgesetz festgelegt ist, sind beide Einrichtungen insbesondere für die Betreuung der Kriegsteilnehmer bei der Durchführung ihres Studiums eingeschaltet. Das Reichsstudentenwerk nimmt darüber hinaus eine bei einzelnen Kriegsteilnehmern noch notwendig werdende, über den Erlaß hinausgehende weitere Förderung vor.

Eines ist gemäß nationalsozialistischem Grund­satz bei der Durchführung des Erlasses jedoch eben­falls notwendig: Die Leistung und die Hal -

Im Volk ist alles Trennende zu überwindey. Im Geiste der Front flucht der kviegsfreiwillige Beamte der Soldatenszenen im Napoleon:Zum Teufel der Regierungsrath! Wer denkt an Rang und Titel, wenn der Feind mit feinen Horden einbricht?!" Grabbe ist lange Überhört worden: das Bürgertum noch unserer Zeit hat anders gedacht. Dem Volke gebührt Freiheit.Sein Wert ist fein Recht." Sem Wert wohlverstanden! Dieser Wert fordert den letzten Einsatz. Von den aufständischen Griechen, die nach Hilfe schreien, meint Grabbe verächtlich: Sie sind Narren, wenn sie sich helfen lassen."

Wer sich selbst nicht befreien kann, verdient keine Freiheit und bewahrt sie nicht." Mit anderen Wor­ten: einziger Träger der Freiheit ist der Wehrwille, die nationale Selbstbehauptung. Das Gesetz der Freiheit heißt Erde. .

Nun leuchtet ein: man hat bisher über sekun­dären Merkmalen das Primäre bei Grabbe über­sehen. Das Ursprüngliche ist sein bodenständiges, blutechtes Niederfachfentum, das Nordische. Es lenkte feinen Blick zwangsläufig auf Erscheinungen wie Heinrich den Löwen und Hermann den Cherusker, und feine Deutung ihrer Schicksale sind nicht zufällig Vorwegnahmen unserer Einsichtigen. Mit Erschüt­terung verfolgen wir, wie ©robbe', nach stürmischen Irrfahrten und Drangsalen, heimkehrt nach Thule. Die westfälischen Bauern derHermannschlacht" sind seine Sippe, die den Müden und Abgehetzten gast­lich aufnehmen: knorrige, spökenkiekerische Kerle, besser denn alle literarischen Hanswürste des neun­zehnten Jahrhunderts. Ihnen wirft er sich in die Arme, indem er schreibt:Die Vorstudien zum Armin ende ich wohl morgen. Teufel, da wachst was! Mein Herz ist grün vor Wold! Ich selbst kenne aus meiner Kindheit ja jeden Baum, jeden Steq dazu. Die Studien zu diesem Nationaldrama haben mich tief erschüttert. Ihretwegen war ich so krank, macht's aber nicht sagen."

Mit der Sicherheit seiner Deutschhett, von der selbst ein thematisch abliegendes Stück wieDon Juan und Faust" kündet, erkannte er wie wenige die Phraseologie von der Humanität und Zivilisa­tion und die Gefahr der Judenfreundschaft. Sein Instinkt ist in dieser Hinsicht untrüglich. Seme Schriften wimmeln von sehr drastischen, gerade des­halb aber auch unübertrefflichen Kernsprüchen. In Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung", in "Napoleon", inBarbarossa" undAschenbrödel­hat er sich offen gegen die Judenrasse ausgesprochen.

Der Heilsport har in der Nachbehandlung Schwerverletzten, Soldaten wie Handarbeitern, immer wachsende Bedeutung gewonnen. Heber seine Ziele und Wege macht Professor Dr. zur Verth in der Wochenschrift für neue deutsche Heilkunde Hippokrates" bemerkenswerte Ausführungen. Er weift zunächst auf die große psychische Bedeutung des Heilsports hin. In der Zeit, in der die eigent­liche Krankheit überwunden ist, die alte Arbeit aber infolge von Muskelschwäche, Gelenksteife, Beanspru­chungsschmerz am Ort der Verletzung noch Nicht ge­leistet werden kann, beginnt bei dem Genesenden eine Zeit des Grübelns über die Leere seines Da­seins, über seine eigene Zukunft und über das Schick­sal der Seinen, und der Spalt in seinem Leben ist do. Ihm zuvorzukommen, ist gewiß der Sport das geeignetste Mittel. Der Verletztensport ist im wesent-

Erinnerung bleiben. Stabsarzt Dr. Köhler dankte im Namen der Soldaten für die gute Betreuung und allen Spendern und Helfern für den schönen Nachmittag An einem anderen Nachmittag ver­sammelten sich die Insassen eines Lazarettes mit Aerzten und Sanitätspersonal im Garten ihres Hei­mes, um bei Kaffee, Kuchen und Erfrischungen einen frohen Nachmittag zu verbringen, der eben­falls von der NSB.-Kreisamtsleitung gestiftet worden war. Die Jungmädelgruppe 1/116 er­freute auch hier durch Gesänge, Bandomumspiel und Trachtentanz. Mit heiteren und besinnlichen Mundartvorträgen erntete der Heimatdichter Georg Heß hier ebenfalls großen Beifall. Die Lazarett­betreuerinnen der NS.-Frauenschaft stellten ihre Hilfe zur Verfügung. Bei den von der NSG. Kraft durch Freude" im Auftrage des Oberkom­mandos der Wehrmacht durchgeführten Veranstal­tungen erfreute die Schülergruppe Gambach unter Leitung von Lehrer Lahm in einem Lazarett die Soldaten mit einem ausgezeichneten volksmusika­lischen Programm, das größten Beifall fand. Die Bann- und Untergauspielschar des Bannes und Untergaues 116 Gießen bereitete den Verwundeten und den kranken Soldaten unter dem MottoDer Fröhlichkeit die Türen auf" mit abwechslungsreicher Folge eine heitere Stunde. Unter Leitung von Mu­si klehr er Dietrich, Fräulein Stieda und Herrn Braun wurde gesungen und musiziert. Ein Laien­spielSpottvogel gegen Schmierfink" fand starken Beifall. Einer Einladung der Gesangabteilung des Turnvereins Wieseck waren am Sonntag ettva 30 Verwundete gefolgt. Sie verlebten gemeinsam mit den Mitgliedern des Vereins int großen Saale von Gastwirt Broun einige schöne Stunden. Nach einem Begrüßungschor und dem Willkommensgruß durch Vereinsführer Daupert wickelte sich fne reichhaltige Vorführungsfolge ab, an der die Ge­sangabteilung (Leitung Ehrenchormeister Meyer), die Hauskapelle (Gustav Weller, Karl Erb, Otto Seibert, Heinrich Meyer), der auf Urlaub weilende Tenor Ernst Römer, die Pianistin Erna Oßwold und die Turperinnenobteilung (Leitung Turnwort Heller) mitwirkten. Daß es den Sol­daten, die mit Kaffee und Kuchen reichlich bewirtet wurden, sehr gut gefiel, zeigte nicht nur der immer wieder gespendete Beifall, sondern kam auch in den Dankesworten von Unteroffizier P fingst, der für seine Kameraden sprach, zum Ausdruck.

»Zigaretten ausverkauft?"

No, da siehst du es einmal selbst, an jeder Tür hängt dos Schild: Zigaretten ausverkaust! Ganz gleich, ob sich der Tabakwarenladen in der Haupt­geschäftsstraße oder ganz weit draußen befindet Es ist nicht zu glauben, was man für Sorgen hat, um ftäglich die paar Zigaretten zu, bekommen." Und damit steckt sich Otto eine neue Zigarette, die er einem prall gefüllten Etui entnahm, an.Du, höre mal", konnte da fein Freund Fritz, der neben ihm ging, nicht anders sagen, als er Ottos ansehn­lichen Vorrat erblickte,Du host doch noch eine ganze Menge Zigaretten, reichen die nicht für heute?" Reichen, reichen, natürlich reichen sie, und morgen vielleicht auch noch, aber wenn man nicht immer vorausdenkt und sich für die ^nächsten Tage ein­deckt, hat man dann doch nichts."

Bloß gut, daß nicht alle so denken wie du, sonst wäre die Sache mit den Zigaretten nämlich noch schlimmer. Natürlich hot der Krieg einen Emstuß auf die Versorgung der Zivilbevölkerung mit Ta­bakwaren gebracht/ denn zuerst kommt doch einmal unsere Wehrmacht dran, das ist doch klar, nicht wahr?"Na, ja, und weil das so ist, und wir nicht immer die gleiche Menge wie früher auf einmal bekommen können, find manche Leute auf alle Fälle bestrebt, ihren Vorrat einzudecken und ren­nen von Geschäft zu Geschäft. So wie du zum Bei­spiel."

Du willst doch nicht etwa sagen, ich fei cm Hamsterer?" entrüstete sich Otto.So etwas ähn­liches", fuhr Fritz fort.Würde sich nämlich jeder bescheiden, beim Einkauf und vielleicht auch beim Rauchen, indem er nämlich mal eine weniger raucht, weil er sich überlegt, der andere will ja auch rau­chen, dann tpäre alles viel besser. Die Verjorgung mit Tabak waren könnte gleichmäßiger vor sich gehen, und du würdest bestimmt nicht so mele Schilder treffen: Zigaretten ausverkauft."Hm,

Christian Dietrich Grabbe.

Von Reichsdramaturg Dr. Rainer Schlösser.

In Bochum findet wieder, wie in früheren Jahren, eine Grabbe-Woche statt.

Der grandiose weltgeschichtliche Anschauungsunter­richt, der dem Knaben Grabbe beschieden war, blieb dem Manne unverlierbarer Besitz. Während sich alles ringsum wieder in Duodez verwandelt, be­hielt er beharrlich der Menschheit große Gegen­stände im Auge. Was Bundesfürsten und Parla­mentarier! Ihn zogen jene großartigen Charaktere an, »church die die Geschichte einen Ruck macht : Marius und Sulla, Napoleon, die Tatmenschen, Hannibal, der Held unter Händlern, die Hohen­staufen und Hermann der Cherusker, unsere großen Führergestalten! Diese stählerne Romantik begriff ganz folgerichtig die Ablehnung alles Mittelmäßigen in sich ein.Scherz, Satire Ironie und tiefere Be­deutung" ist ein Vernichtungsfeldzug wider eng­stirnige Pedanten und Philister, Literaturkonfektw- näre und Blaustrümpfe, Kritikaster und akademische Zöpfe. Betrachtet er diemessieurs par peuple', so entfährt ihm die sarkastische Bemerkung, daß er in mancher Menagerie schon bessere Disagen ge­sehen hätte". Der Reaktion hält er in der Gestalt des Prusias imHannibal" ein wohlgetroffenes Konterfei der Dummheit und des Dünkels vor.

Was er verehrt, sind Führer. Was er liebt, ist das Volk. Und zwar nicht das, was dasJunge Deutschland" darunter versteht, nicht eine besttmmte, wirtschaftlich und bildungsmäßig bürgerliche Schicht, nein, das gemeine Volk. Freilich nicht etwa die Masse, den Pöbel? Schonungslos genug prangert er die Hemmungslosigkeit des großstädtischen Aus­wurfs imNapoleon" an, verdammt er die Dumpf­heit Les Bürgers und die Beschränktheit des Adels. Die Menge ist ein Hund, je mehr Prügel, desto gefolgfamer". Aber die Menge ist nicht das Volk. Das 'Volk nämlich ist nach Grabbeeine wunder­bare Erscheinung". DieIndividuen, aus denen es besteht, sind in der Regel nur mittelmäßig begabt und fassen das ihnen Dargebotene oft sehr früh und einseitig auf.Dennoch pflegt im Volk als Ge­samtheit stets die richtige Ansicht, das wahre Ge­fühl, vorzuherrschen." Mit dieser Erkenntnis stand der Dichter in seiner Zeit allein. Heute ist sie Ge­meingut jedes politisch Wissenden.

Beginn des neuen Ringens besonders bei Kriegs­marine und Heer Beachtung fand. Der Heilsport er­öffnet dem frischgewonnenen Jünger eine neue Welt und nimmt ihn ganz gefangen.

Dieser psychischen Seite steht nicht minder einfluß­reich die rein therapeutische Beeinflussung gegenüber. Sie übertrifft die an sich guten mediko-mechanijchen Hebungen, die Widerstandsgymnastik, und die Ar­beitsbehandlung durch ihre LustbetonthM. Die Lust am Spiel, an der körperlichen Ausarbeitung, oft am Neuen und an der Gemeinsamkeit, am Wetteifer, am augenfälligen täglichen Fortschritt, das sind die großen Vorzüge des Sports. Der Schmerz der ersten ungewohnten Mitbewegung des verletzten Körper­teils oder des versteiften Gelenks, die Stöße und Püffe gegen das verletzte Gebiet werden im Eifer des Sports nicht gefühlt oder schnell überwunden. Die Gewöhnung der Glieder an Leistung und Arbeit geht unmerklich und spielend vonstatten, jeder neu­gewonnene Handgriff oder Kunstgriff oder Leistungs­zentimeter wird als Fortschritt empfunden und be­grübt. Aus dem einsamen Grübler ist das Mitglied der Sportriege geworden.

Von den körperlichen Einwirkungen des Sports hebt Professor zur Verth seinen Wert als Nachbe­handlungsmittel für Knochenbrüche und ernstere Ge­lenk- und Muskelverletzungen hervor. Bei Nerven­verletzungen ist vorsichtige ärztliche Leitung erfor­derlich. Narbenkontrakturen der Haut geben unter der Belastung nach. Besonders erfolgreich ist Sport und Spiel für den Amputierten. Hebung der Stumpfbeweglichkeit, Kräftigung des erhaltenen Beines und Sicherung des Gleichgewichts, besonders für den Doppelamputierten stehen im Vordergrund. Der Sport, der noch während, spätestens nach der Wundheilung einsetzt, zielt zunächst auf die Er­tüchtigung des ganzen geschwächten Körpers. Es folgt die Stumpfausbildung und endlich besonders mit Geschicklichkeits-, Kraft- und Gleichgewichts- Übungen die Arbeit des noch erhaltenen Gliedes.

Der Sport hat sich die chirurgische Nachbehand­lung spielend erobert, aber auch in der Nachbe­handlung nach inneren Krankheiten spielt er eine zunehmende Rolle. Auch in der Psychiatrischen Kl'mk und in der Nervenklinik kommt der Sport als Be­handlungsverfahren vielleicht mit Auswahl in Be­tracht. Die Frauenheilkunde nimmt sich ebenfalls des Sport erfolgreich an. Sportausübung und Sport­verpflichtung, zu diesen Schluß kommt Professor zur Verth, gehören in jedes Krankenhaus. C. K*

Aus -er Stadt Gießen.

Städter beim Heumachen.

Gleich nach Tisch gehts fort zur Erntehilfe. Die Räder stehen schon bereit, und bald sind wir durch die Stadt gefahren und eilen auf schöner, glatter Straße unserem Ziele zu. Jetzt öffnet sich der Wald zur Linken und große Wiesenflächen liegen aus« gebreitet. Da sehen wir schon den Wagen mit den Kühen stehen und die anderen mit ihren Rechen. Schnell sind wir über die Wiese, über zwei kleine Wässerchen müssen die Räder gehoben werden. Nun find wir angelangt und begrüßen die anderen, die seit dem frühen Morgen draußen find und schon das Heu gewendet haben. Jetzt wird zusammenge­recht und mit dem Ausladen begonnen. Die Kühe haben feste Drahtmaulkörbe an, die Aermsten, und um sie herum duftet das Heu so wundervoll! Miß­mutig oder ist es bloß gelangweilt? sehen sie mit ihren hellen Augen vor sich hin.

Wir Neuankömmlinge werden sofort von den Bremsen überfallen, es ist schwül und ein paar Gewitterwolken ziehen am Rande des Himmels, drüben überm Wald, auf. Zuerst wird in Rechen gerecht. Ach, was ist das für eine Arbeit! Bald tut der Rücken weh und dann die Arme. Und eine Blase an der Hand gibtes auch. Aber das macht nichts, es wird fleißig weitergearbeitet. Zwischendurch schweift der Blick schnell einmal über das schone, weite Wiesengelände oder zum Wald, an dessen Rande ein Bächlein über große Steine plätschert. Es ist herrlich! Die Sonne riefelt fo warm vom Himmel und zurbeilen kommt ein kühles Windchen eilig über die Wiese gelaufen. Vor uns fliegt ein großer Mäusebussard auf, wie breit und schön sind feine Schwingen!

Wir rechen und rechen, oh, wie lang ist so eine Reihe! Aber:

Wenn gute Reden sie begleiten, bann fließt die Arbeit munter fort*!"

heißt es auch bei uns. Schließlich sind alle Reihen fertig, und es werden Kegel gesetzt. ,Leget" sind es ja nun gerade nicht, mir streiten uns eine Weile über die wirkliche Form dieser Heuhaufen, die dann von der Gabel gepackt auf den Wagen ge­reicht werden. Dieses Ausladen ist wirklich eine Kunst, i ch brächte nicht den dritten Teil hinauf und bas fiele noch hinunter! Am Rande der Wiese ist eine dicke Hecke: ein Vogelparadies! Ich sehe Rot­schwänzchen und Grünlinge ein- und ausschlüpfen. Wieviel Junge in wieviel Nestern werden wohl darin dem Leben entgegenzwitschern?

Beim Ausladen wird dann noch nachgerecht, lang­sam trotten die Kühe immer ein Stückchen weiter. Schließlich ist der Wagen hochbeladen und wir sind fertig! Nun gibts Kaffee, wir sitzen auf der Wiese den Kaffeebecher in der Hand, und wir meinen, daß es uns an keinem noch so schön gedeckten Tisch je­mals so gut geschmeckt hat wie jetzt hier! Die Kühe haben nun ein duftendes Bündel Heu vor sich. Dann geht's nach Hause Wir fahren mit den Rädern vor­aus, der hochgetürmte Wagen schwankt bedenklich über die Ackerfurchen, bis er auf glatter Straße ist. Auf dem Hose angekommen, wird der Wagen in die Scheuer gefahren, die Kühe werden ausgespannt. Am Brunnen mit dem silberklaren Wasser dürfen sie erst mal trinken. Und nun? Warum wird em Heuwagen mit so vieler Mühe ausgeladen? Die Antwort bekomme ich,jetzt: Um wieder abaeladen zu werden! Dieses Abladen ist keine leichte Arbeit: eins steht auf dem Wagen und reicht mit der Heu­gabel große Ballen Heu zum Heuboden hinauf, während vier andere auf dem Boden das Heu in Empfang nehmen und verstauen. Man bekommt tränende Augen und Halskratzen von dem Staub, und geschwitzt wirb dabei auch nicht schlecht. Aber schließlich ist der Wagen leer, auch dies ist geschasst!

Liebe Hausfrauen, die ihr morgens nur euren Milchtopf vor die Türe zu stellen braucht, um ihn bann gefüllt wieder hereinzuholen: Bedenkt ihr auch, wieviel Arbeit der Bauer und die Bäuerin allein schon mit dem Heu für die Milchkühe haben, bis euer Topf mit der schönen weißen Milch gefüllt ist?