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Nr. 5 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

Dienstag, 7. Zanuar 194t

Erinnerungen an falle Winter und die Frostriffe

Verdvnkelungszett

in der Woche vom 5. bis 11. Januar: 17.25 Uhr bis 9.25 Uhr.

mern. *

Die Geräusche der Nacht in den abgelegenen frän­kischen Dörfern und Mainorten liebte ich über altes, da rauschte immerfort mit dem glichen eintomgen Wasserschwall der Bach über das Wehr, eine Katze schrie in den Mond hinein, ein gewohnheitsmäßiger Weinsäufer schlürfte langsam über das Pflaster E rülpste stetig, an einem Laden hämmerte em Wind­stoß das Gefchmatz von einer Magd und einem Knecht kam aus der Tormsche, und dre Uhr auf dem Kirchturm seufzte rostig bei jedem Schlag.

Wildwest-Marie, die Heldin eines Indianer- fchmökers, war die Zusammenfassung aller Traume, die meine Jugendtage beu^higten. Retten konnte das stnmengedräunte Mädchen wie der Sturm aus

Wenn ich in der Knabenzeit nach Schulschluß im teerschwarzen Fischerkahn durch die Schilfrohr- ränder der Fränkischen Saale ruderte, um nacy den faustgroßen Nestern des Teichrohrsangers zu suchen, kannte ich alles, Pflanze, Bogel und Fisch, und alles war mir vertraut. Ich kannte das hohe, blasse Wiesenschaumkraut, den Platz der dicken Pfefferminze, das saftige Röhrlein des Sauer­ampfers. Ich kannte die braunen Stecken des Hasel- nußstrauches und die glatten der Uferweide. Ich wußte, der schwarze und kluge Kopf gehört der Wasserratte, und das züngelnde, sich hin- und her- wiegende Häuptlein einer schwimmenden Ringel- natter, die von Ufer zu Ufer sich rollte Da war nrir alles oertraut, wenn ich über dem Kahnrand lag und auf den Flußgrund schaute ich kannte den Barsch, der sich mit Behagen an den Rohr­schäften herumwetzte, und den langen, grauen Speerleib des stehenden und lauernden Hechtes er- spähte ich von weither, und ich hatte nicht die ge­ringste Furcht vor seinem Säbelmaul.

Hundertmal habe ich die Meere in den Geogra- phiebüch.rn und auf den Karten an der Schulwand als große Flächen und blaue Fleckchen gesehen: In- bischer Ozean, Atlantischer Ozean. Weißes Meer,

Wir dürfen jedoch nie vergessen, daß nicht die Ein­zelsubstanz, sondern daß ihre Gesamtheit in naturgebundener Mischung die Schutzstoffe des Or­ganismus bildet, welche ihm die erforderliche Widerstandskraft gegen Krankheiten der verschie­densten Art verleihen. Man hat früher vielfach be­hauptet, die Ausnutzung der Nährstoffe der Voll­kornbrote sei schlechter als die der Weißbrote. Aber auch dies ist nicht richtig. Die Nährstoffe der Ge­treidekeimlinge werden nach eigenen Versuchen recht gut verwertet: selbst aus den dickwandigen Zellen der Aleuronschicht wird durch Magen- und Darm­saft Dreiviertel des Eiweißes verdaut, obwohl dis Zellen zum größten Teil mechanisch uneröffnet sind. Die Bedeutung dieser Frage ergibt sich aus der Tatsache, daß von den drei Millionen Eiweiß, die für die menschliche Ernährung in Deutschland not- wendig sind, das Getreide allein den dritten Teil liefert.

Heute setzen sich in allen zivilisierten Ländern die Vertreter der Ergährungsforschung wegen des gro­ßen gesundheitlichen Wertes für eine größere Verbreitung des Vollkornbrotes ein. Es gibt aber kein Land der Welt, in dem die Ver­breitung und Förderung des Vollkornbrotes irt einem solchen Maße betrieben wird, wie in Deutsch­land, das auch den Hauptbeitrag zur theoretischen Klärung des Problems geliefert hat. Als Vollkorn­brot darf nur das mit der Gütemarke des Reichs­vollkornbrotausschusses versehene Brot bezeichnet werden. Dieses Brot wird heute in den Haushal­tungen der meisten Aerzte verwandt, es hat auch sonst in dem größten Teil des Reiches große Ver­breitung erlangt. So stellen in Hamburg und an­deren Gauen bereits 50 o. H. der Bäcker das Brot her.

Und nun lagen täglich Blumen auf dem Tisch! Eins Woche hindurch, zwei Wochen, drei Wochen ... t Die Herren beteuerten einander ihre Unschuld! Man machte mehr oder weniger geschmackvolle Witze dar­über und nahm schließlich die Blumen als gegebene Tatsache hin, ohne sich weiter den Kopf darüber zu zerbrechen. Anders natürlich die Kreutmeier Rest. Es waren nämlich die ersten Blumen, die sie je­mals erhalten hatte. Sie ging im Geiste immer wieder alle Namen durch, die vielleicht m Betracht kommen würden, und sie ertappte sich dabei, daß es ihr Wunsch wäre, die Blumen kämen von dem neuen Buchhalter, von Fritz Wallner. Aber hatte sie nicht selbst gehört, wie gerade er diesen Ver­dacht mit hochrotem Gesicht von sich gewiesen hatte^

Eines Tages fehlten die Blumen! Waren einfach nicht da. War es Zufall, daß an diesem Tage auch gerade Fritz Wallner krank daheim zu Bette lag? Nun war ja das Rätsel gelöst! Er und kein anderer konnte, mußte der Spender sein. Resi Kreutmeier nahm ihren ganzen Mut zusammen. Sie schickte dem kranken Buchhalter ein Fläschchen Wein. Mit ein paar netten Zeilen dazu.

Und Wallner schrieb wieder.

Dann standen wieder Blumen auf dem TischÄ vor der kleinen Kl^utmeier. Da wußte sie, daß heute auch wieder ihr Buchhalter im Büro war. Nun konnte er doch nicht mehr leugnen? Und wenn er es nicht zugeben wollte, mochte er es bleiben lassen. Einmal würde er schon sprechen! Fritz Wallner sprach. Das war an jenem ersten Sonntag, da er sich für die Weinspende erkenntlich zeigen wollte und die kleine Kreutmeier Resi zu einem Theater­besuch einlud. Was die ganze Firma schon von Anfang an gewußt hatte, das erkannten nun auch die beiden: Sie paßten zueinander, wie noch kein Paar besser zusammengepaßt hatte.

Von dieser Erkenntnis war es nicht mehr weit bis zum Weg zum Standesamt.

Am nächsten Tage aber sagte der Bürodiener Max zum alten Möbel, dem Klasner Karl:Eitt Glück, daß der Kerl endlich einmal krank geworden ist! Ich hab schon fast keine Blumen mehr gehabt in meinem Schrebergarten!"

Za bas sagte er. Aber die Kreutmeier Rest, ver­ehelichte Wallner, hat es nie erfahren. Sie glaubt auch heute noch, daß die Blumen von ihrem Fritz waren, und kann über nichts so herzlich lachen, wie wenn er sie fragt:Von wem hast bu* eigentliH damals immer die Blumen bekommen?"*

Ausgewachsen in Franken.

Von Anton Schnack.

Ich lebte eine Jugend lang in abgelegenen frän­kischen Stäbtchen, die nur von den vier Jahres­zeiten, von Winden, von Regenwolken und von Tuch- und Fadennudelreisenden besucht wurden. Ich hatte tiefen Respekt vor dem grauen SchnauMrt des Bürgermeisters und vor dem grünen Rock des Revierförsters. Ich hatte Ehrfurcht vor dem schwär- zen Schlapphut des Gesanglehrers, weil ich glaubte, daß in dem Hute der Geist und die Weihe der Kunst hingen. Manchmal kamen auch nagende Begehrlich- leiten nach Ruhm und öffentlicher Bedeutung in meine Stirne, die ich dann an die rund spiegelnden, wassergrünen Fensterscheiben des alten Fachwerk- Hauses gepreßt hielt, wobei ich Überlegte aus welche Weise ich die Öffentlichkeit auf mich lenken konnte. Durch lautes Klavierspiel in den stillen Sommer­abenden versuchte ich es zuerst. Ich dröhnte^ stun­denlang laute Märsche in die Dämmerung hinein, denen die anspruchslosen Handwerker m der Nach­barschaft, aus den Fenstern lehnend, zunächst lauschten, aber bann, vom Lärm genug habend,

ihre Fenster schlossen, und mir bereits am dritten oder vierten Abend Psiss- heraufsnndten und sogar kleine Steine ins offene Fenster warfen. Aus lauter Scham klimperte ich noch em paar steife Laufe herunter und schloß meine Abendserenade mit einem dicken und krachenden Akkord, als wäre ich ge­schwellt von Mut und wollte mich nicht im gering- sten um den Steinwurf eines Unverständigen tum«

gilt für den Baum dennoch bas bekannte Gesetz« baß alle Körper burch Kälte sich zusammenziehen, mit Ausnahme bes Wassers, das zu Eis erstarrt sich ausdehnt und dabei nicht nur Bäume, sondern auch Felsen sprengt.

Es war in dem sehr kalten Winter des Kriegs­jahres 1870/71, als in Schlesien die Temperaturen wiederholt bis 30 Grad R., und darunter fielen, wohlverstanden, nach Reaumur, denn die Celsius- grabe waten in Deutschlanb bamals vor 70 Jahren noch nicht eingeführt,, unb ich am Silvester-Spät­abend mit meinem alteren Bruder als 9jährigep Junge zum Gottesdienst nach der 5 Kilometer ent­fernten Kreisstadt ging. Die Gaslaternen brannten bei unserer Ankunft bereits, auf dem Markt taute man die eingefrorenen Gasleitungen mit Feuer auf. Der Heimweg eine Stunde später führte durch Wald mit altem Eichenbestand. Darin hallte es zeit­weilig durch die stille Nacht, als ob eine militärische Schießübung im Gange fei; das waren die platzen­den Eichbäume. Ein andermal ist Vater von drau­ßen gegen Abend in die warme Stube mit den Worten gekommen:Im Walde knallen die Bäume wieder, als ob mit Kanonen geschossen würde." Etwas ähnliches erlebte ich als 18jähriger während des Winters 1879/80, auch damals kam es, wenn auch viel feltener, vor, daß der Knall platzeiÄer Eichen im Park die Nachtruhe störte.

Auch viel jüngere Bäume spalten sich bei Frost. Am Teich des hiesigen Botanischen Gartens hatte ich ein Sortiment Weiden angepflanzt. Da es Sor­ten gab, die durch besonders starken Wuchs die an­deren unterdrückten, wurden sie im Frühjahr 1917 nach dem langen, kalten Winter geschlagen und zn Brennholz aufgearbeitet. Hierbei ergab sich, bah armbitfe Teile ber Länge nach bis aufs Mark auf« gerissen waren.

Frostrisse schließen von selbst. Ueberwallt werben sie zu Frostleisten. Bei Obstbäumen können sie zur Kernfäule sich entwickeln. Man verstreicht gegen bas Einbringen von Nässe mit einem Brei aus Lehm, Zement und Kuhdung. Das hindert aber nicht, baß als verheilt zu betrachtend Frost- risse in kalten Wintern sich abermals öffnen. Gegenmittel finb: Vorbeugenbes Ankalken und Ver­meiden zu später Düngung, namentlich mit Stick- stoss. ___________________________________

Unter allen Fragen der Ernährungsreform ist < die Vollkornbrotfrage die wichtigste. Seit der Zeit i Liebigs find die Stimmen nicht verstummt, welche i die heute am meisten gebräuchlichen Brotsorten be- ! an standen und sie durch Vollkornbrot, burth Brot ' aus ganzem Korp, ersetzt wissen wollen. Diese For­derung wird heute auf Grund unserer zunehmenden wissenschaftlichen Kenntnisse über die Bedeutung ber einzelnen Ernährungsfaktoren von allen Ernäh- rungssorschern vertreten.

Inzwischen hat bas Problem eine solche Bedeu­tung gewonnen, daß es von Staat und Partei auf« gegriffen wurde. Die Erörterung innerhalb der zu­ständigen Kreise führte im Sommer 1939 zur Grün­dung des Reichsvollkornbrotausschusses, der in Zu­sammenarbeit mit allen an der Bollkornbrotfrage interessierten Dienststellen von Partei und Staat so­wie mit den zuständigen Wirtschaftskreisen dem Vollkornbrot einen größeren Anteil in der Ernäh­rung zu sichern sucht. Es müssen also wesent­liche gesundheitliche Gründe für das Vollkornbrot sprechen, und dies ist in der Tat der Fall.

Das Getteidekorn bildet eine in sich geschlossene Nahrungseinheit, welche alle Stoffe enthält, aus denen ein neues Leben, die Getreidepflanze, zu entstehen vermag. Jahrtausende hindurch haben die Getreidefrüchte den Grundstoff der Ernährung un­seres Volkes gebildet. Bis xur Einführung der Kar­toffel vor 200 Jahren nahmen sie einen viel grö­ßeren Raum in der Dolksernährung ein, als dies heute der Fall ist. Als Schrot oder Mehl mit ge­ringem Kleieabzug wurden sie zu Herstellung von Brot und zur Bereitung von Breispeisen verwandt. Im Laufe ber letzten hundert Jahre erfuhr unsere Brotnahrung eine große Umstellung, bas Brot wurde in zunehmendem Maße aus immer helleren und weißeren Mehlsorten hergestellt, und ein stets größerer Teil wurde als Kleie abgeschieden und nicht mehr zur Brotbereitung verwandt. Infolgedessen fehlt dem heute üblichen Brot ein Teil der aller« wichtigsten Stoffe, dies gilt vor allem für die D i - t*a m i n e. Der Bedarf an Vitamin B 1 beträgt 1000 bis 2000 Gamma am Tag. An Fleisch und Wurst stehen täglich etwa 150 Gramm zur Verfügung, in 500 Gramm Kartoffeln, als Pellkartoffeln zübe­reilet, sind 350 Gamma enthalten, in 100 Gramm Gemüse finden sich durchschnittlich 60 Gamma. 4 0 0 Gramm Roggenvollkornbrot enthal­ten dagegen 840 Gamma Vitamin Bl, während in den Hellen Brotsorten nur ein Viertel bis ein Sechstel dieser Menge enthalten ist. Eine wirklich ausreichende Versorgung mit Pitarnin B 1 ist daher überhaupt nur möglich, wenn ein beträcht­licher Teil des Brotes in Form von Vollkorn­brot gegessen wird.

Wenn nun ber Gehalt ber einzelnen Brote an Vitamin B 1 so verschieben ist, müssen wir fragen, , worauf dies beruht. Dies hat barin feinen Grund, baß ber Ergangzungsstoff B1 ausschließlich in ben . Getreidekeimen unb in der Aleuronschicht enthalten

Blumen auf dem Tisch.

Von Hans Buresch.

Die ganze Firma war sich darin einig. Der neue Buchhalter, der da seit einer Woche bei ihnen war, und die kleine, aber nicht mehr ganz jugendliche Kreutmeier Resi, die nun bereits seit drei Jahren die Post ablegte, würden ein ganz ausgezeichnetes Paar sein, wenn ...

Die Firma hatte recht! Die beiden hätten wun- derbar zusammengepaßt! Beide nicht mehr ganz jung, Heide arbeitsam und ruhig, mit etwas son­derbarem Gehaben, das an Weltfremdheit unb Men­schenscheu gemahnte, ohne dabei etwa abstoßend oder lächerlich zu wirken! Und beide waren sie ein­same Menschen. Der Buchhalter Fritz Wallner und die kleine, nicht mehr ganz jugendliche Kreutmeier Nesi. .....

Die ganze Firma war sich aber auch bann einig. Die beiden würden nie zusammenkommen! Aus dem einfachen Grunde, weil sie nie den Weg zu­einander finden würden!

Ob man da nicht vielleicht ein bißchen nachhel­fen könnte!" sagte der Bürodiener Max und lächelte vielsagend. Aber es nahm sich niemand Zeit, dar­über weiter nachzudenken. Nur das alte Möbel, der Klasner Karl, sagte so nebenbei:Da werden Sie lange nachhelfen müssen!" Damit war auch für den Klasner Karl der Fall erledigt. .

Eines Tages aber lagen auf dem Tisch ber klei­nen Kreutmeier Blumen. Richtige Blumen! Nie­mand wußte, wer sie hingelegt hatte. Auch die Kreutmeier Resi wußte es nicht, und sie machte sich so verschiedene Gedanken darüber, die sie in ihrer Bescheidenheit aber nicht offen auszusprechen wagte.

Lande, wo man auf ben Nachbarn mehr achtet, werden es mehr fein; in großen Städten, wo man ausschließlicher für sich lebt, weniger. Ausnahms« weife, für einen Einsiedler ober für einen gesell­schaftlich ungewöhnlich Verpflichteten, mögen fiebri­gere ober höhere Zahlen zutreffen.

Wenn mir annebmen, daß die Erde von ungefähr zwei Milliarben Menschen bewohnt wird, so ken­nen wir also nur zweihundert davon näher, das wäre 0,000 000 1 Prozent. So groß wäre der Wahr« fcheinlichkeitswert, wenn wir ein Urteil, das für un­tere Bekannten zutrifft, auf die ganze Menschheit ausdehnen. Allerdings haben wir im Lause unseres Ledens viele tausend Menschen an uns Vorbeigehen sehen, Millionen vielleicht im Gewühl ber Straßen. Wenn mir dennoch glauben, über mehr als einen so kleinen Prozentsatz etwas zu missen, so darum, weil wir annehmen, daß sich die Menschen ähnlich finb, so steht uns ein Bekannter für zehn Mil­lionen, die mir nicht kennen. Wenn wir ein rich­tiges Urteil über die Menschen haben wollten, mühte die Auswahl unter unseren Bekannten nach der Weisheit höchster Schluß getroffen fein. Wir müssen bescheiden mit denen, die uns nicht fremd sind, an deren Los wir uns beteiligt fühlen, und deren Wohlergehen ober Kummer uns nicht gleich­gültig ist. Und um so aufgeschlossener mir an ihnen festhalten, um so sicherer sind wir durch sie mit allem Menschenschicksal vereinigt.

Das Vollkornbrot.

Von Professor Dr. Heupke, Medizinische Universitäts-Poliklinik, Frankfurt a. M.

Aus -er Stadt Gießen.

Oer Bekanntenkreis.

Von Richard Gerlach.

Wieviel Bekannte haben mir eigentlich? Also Menschen, die uns irgendwann einmal näher stan­den? Bekannte, das heißt, wir haben sie kennen­gelernt, sie sind uns nicht nur über den Weg ge­laufen unb wieder verschwunden. Zur Freund­schaft wurden sie nicht auserwählt, vielleicht aus Mangel an Gelegenheit ober weil bie Teilnahme doch nur begrenzt war, oft nur bloß durch äußere Umstänbe hervorgerufen, zum Beispiel, weil bie Arbeit uns zusammenführte ober weil wir in ber« selben Straße wohnten. Freunde können wir im­mer nur wenige haben, wenn wir barunter bie uns rückhaltlos Verbundenen verstehen, für die wir jeberzeit die Hanb ins Feuer zu legen bereit finb. Es hat Genies ber Freunbschaft gegeben, bie ein Dutzend und mehr wahrhaft oertraute Freunde besaßen; aber wir weniger Glücklichen haben wohl nicht mehr als etwa sechs Mitlebenbe, bie unab­wendbar durch die Jahrzehnte zu uns gehören, unb deren Treue auch in Stürmen unb Anfechtungen nickst schwindet. Wer behauptet, hundert gute Freunde zu haben, verwechselt sie mit guten Be« kannten, mit denen es angenehm imb freunblich

Kleie abgeschieben, dann enthält bie Kleie außer ben äußeren, zellfaserhaltigen (schichten die Aleuron- ober Fermentschicht, den Keimling und auch einen Teil bes inneren Mehlkernes, ba sich bie äußeren Randschichten bes Kornes unb ber Mehlkern in der Mühle nicht scharf trennen lassen. Der Mehlkern enthält etwa 10 v. H. Eiweiß, bie Aleuronschicht 15 bis 20 v. H. und ber Keimling 40 v. H. Eiweiß. Das Eiweiß biefer Bestandteile bes Kornes ist bio­logisch viel wertvoller als bas Eiweiß bes hellen Mehles, ba in ihm verschiebene Bausteine bes Ei­weißes in beträchtlicher Menge enthalten finb, welche im Weißbrot und in ben mittleren Brotforten ehlen.'

Sehr wenig Beachtung hat bisher bie Tatsache gefunben, daß auch die Verteilung ber Mineral- toffe in ben einzelnen Mehlsorten sehr unterschied- lich ist. Das feinste Mehl ist nicht nur fast aller seiner Vitamine beraubt, es enthält auch w enig M i n e r a l s u b st a n z e n , ba sich ber größte Teil ber Phosphorsäure, des Kalkes, bes Magnesiums und Eisens in der Außenschicht des Getreidekorns befindet. Schließlich müssen wir auch berücksichtigen, daß in dem Getreidekorn noch manche für ben Kör­per wichtige, uns heute unbekannte Stoffe enthalten inb. Die Auxine ober Wuchsstoffe zum Beispiel befinben sich in ber Keimblattscheibe, die ebenfalls in bie Kleie wanbert. Wissenschaftlich finb wir zwar genötigt, bie Zusammensetzung ber Nah­rungsmittel analytisch zu betrachteck, um uns bie Wirkung der Stoffe im einzelnen klar zu machen.

zusammenzutreffen ist, die wir schätzen, ohne baß wir sie auf bie Dauer lieben; sie finb uns willkommen, aber wir vermissen sie auch nickst zu sehr, wenn der Zufall sie fernrückt.

Unsere wirklichen Freunde waren alle zuerst gute Bekannte, bis wir oft erst nach Jahren des Um­gangs wußten, daß wir einander nicht mehr ver­loren gehen konnten. Wer einsam lebt, hat nur we­nige, aber meistens um so zuverlässigere Freunde. Wer durch den Beruf mitten unter die Menschen gestellt ist, hat viele Bekannte, aber ob er mehr Freunde als der zurückgezogen Hausende bei sich sieht, ist trotzdem fraglich. Die durchschnittliche Zahl der Bekannten liegt um zweihundert herum, wenn mir bie allzu flüchtigen Gäste nicht mitrechnen. Man braucht sich nur zu überlegen, wievielen Bekannten man etwa mitteilen würde, baß man geheiratet hat, ober baß ein Kind angekommen ist, um diese Zahl im ganzen zu bestätigen. Etwa zwanzig. Briefe wären an Verwandte zu schicken, es können auch nur zehn oder, wo es viele sind, vierzig sein; b«e übrigen hundertsechzig machten demnach den Be­kanntenkreis aus. In kleinen Städten und auf dem

DerGießener Anzeiger" brachte in Nummer 2 vom 3. Januar Erinnerungen aus dem Winter 1879/80, wobei das Platzen von Baumstämmen in­folge Kälte erwähnt wird. Da die Erklärungsver- suche durch Herrn Pfarrer i. R. Schick einer Er­gänzung bedürfen, sei folgendes mitgeteilt:

Zunächst eine kurze Bemerkung über das Ge- unb Erfrieren der Pflanzen. Früher wurde ange­nommen, die waffergefüllten Zellen würden durch Eisbildung in ähnlicher Weise zerstört wie eine Wasser enthaltende Flasche. Das ist aber nicht der Fall. Man hat vielmehr festgestellt, daß die Zellen, schon bevor die Temperatur unter den Gefrier­punkt sinkt, bereits Wasser an die Zellen-Zwischen- räume abgeben. Ein Teil dieses Wassers verdun­stet, ber andere erstarrt zu Eis unb brückt dann auf die Zellwände, so daß unter diesem Druck wei- tere Wassermengen herausgepreßt werden. Die Pflanzen werden hierbei noch nicht geschädigt. Das ist erst ber Fall, wenn die Kälte zunimmt unb länger anbauert. Kommt ber letzte Rest von Lebens­wasser zum Verschwinben, dann stirbt das pul­sierende Leben, d. h. das Protoplasma und die Pflanze ist erfroren. Dies ist bei den verschiedenen Pflanzen durchaus verschieden. Unter ben Obstsor­ten gibt es bekanntlich winterharte und empfind­liche, die dem Frost leicht erliegen. Außerdem spielt dabei die mehr ober weniger gute Ernährung eine Rolle. Erschöpfte Bäume erliegen leichter dem Frost als andere. Kurz gesagt: Jeder lebende Baum enthält in seinem Stamm mehr ober weniger Was- fer. Frisch geschlagenes Holz brennt in grünem Zustande schlecht.

lieber bie Ursachen, bie bei Eichen, Ulmen, Roß­kastanien Pappeln, Weiden, Obstbäumen ufw. zu Froftrissen führen, finb bie Ansichten geteilt. Ge­wöhnlich lieft man in einschlägigen Büchern, biese gewaltsame Sprengung beruhe auf ungleicher Zu­sammenziehung in tangentaler und rabiater Rich­tung, b. h. in Höhe und Breite. Anbere erblicken in einem Baumstamm eine Röhre, bie Wasser ent­hält und bie unter Umftänben genau so gut platzen kann, wie bas Rohr einer eingefrorenen Wasser- leitung, bie gewöhnlich der Länge nach, an ber Stelle des geringsten Wiberstanbes, unbicht wirb. Wenn auch feftgeftellt ist, baß gefrorene Stämme an Umfang währenb ber Frostperiode verlieren, so Rotes Meer, Adriatisches Meer. Ich wußte von stütz auf, was Wald war. Wald war das Rauschen in der Nacht ober die Kühle am Morgen, ©alb war das Gebiet der planlosen Jugendschweifereien unb das Versteck der ersten Liebe. Wald war bie un­zählbare Ansammlung ber Bäume, bie mir ver­traut war, weil sie schon beim ersten erkennenden Kinderblick vor dem Fenster standen. Aber vom Meere hatte ich keine Vorstellung. Meer schien mir kalt und fremd und zu groß meinem Fassungs­vermögen. Im Meere schien mir aller Unrat ber Welt zu sckstafen, die ewige Nacht und der ewige Tod. Das Meer war nickst meine Heimat.

ist, unb daß diese bei der Herstellung der Voll­kornbrote mitverarbeitet werden, wäh« renb sie bei ber Bereitung des Hellen Brotes in die Kleie wandern und ben Tieren zugute kommen.

Außer dem Vitamin B1 enthalten die Gesteide­keimlinge noch andere Ergänzungsstoffe. Sie finb besonders reich an Laktoflavin, einem Vitamin, das erst seit kurzem isoliert ist. In den Getreide« keimen ist außerdem Vitamin A enthalten, dessen Menge zwar nicht groß ist, aber immerhin ins Ge­wicht fällt. Von besonderer Wichtigkeit sind aber Vollkornbrot unb Gesteibekeimlinge für bie Versor­gung mit Vitamin E, ba biese unter allen Nah­rungsmitteln die beste Quelle für ben Ergänzungs­stoff E finb.

Zwischen Vollkornbrot unb Brot aus Hellem Mehl bestehen aber noch andere Unterschiede, so ist der Gehalt an Stärke, an Eiweiß und an Mine­ralstoffen verschieden. Vollkornbrot enthält alle Bestandteile des Getreidekorns, das Helle Mehl dagegen nur einen Teil. Werden 30 v. H. des Korngewichtes als den Dächern. Äugen hatte es wie ein Prärieadler. Sein Gang war die schwebende und nie ermüdende Laufart der Gazelle. Einen Mund hatte Marie, der war blutrot, wie mit Purpursckneckensaft ge­färbt. Für sie wollte der Fünfzehnjährige das Elternhaus um Mitternacht verlassen, wenn nur nicht bie Holztreppe gar so laut gekracht hätte und der Oktoberregen nicht aus dem stockdunklen Him­mel vor bie Tortüre gefallen wäre. Zehn Pfennige hatte ber Schmöker gekostet, seltene zehn Pfennige des Knaben, der dafür der verbotenen Zigaretten und zweier Scheiben gefüllter Himbeerschokolade entbehrte. Als er Wildwest-Marie zum erstenmal, buntgemalt und verwegen angezogen, auf dem Titel­blatt des Jndianerschittökers sah, war er ihr ver­fallen, unb er beschloß, Schule, Elternhaus unb yie Schwärmerei zu ber langbezopften, blonden Hedwig Wagner zu verlassen und aufzugeben, um als Pferdeknecht der Trapperstochter an ben Ufern bes Oberen Missourifluffes und in ben hohen Wel­lenebenen ber nordwestlichen Prärie zu dienen. Doch ber Lächerliche und Feige hat es bamals nickst ge­tan, weil die Holztreppe knarrte und Regen wah­rend der ganzen Nacht auf die Straße fiel.