Wir lernen dann Fechten als KdF.-Sport kennen. Sehr mannigfaltig sind die Seiten mit Bildern aus dem Leserkreis. Der regelmäßige Bildbericht behandelt dieses Mal Wiesbaden, von dem wir schöne Aufnahmen sehen. Den Abschluß bilden ein kurzer Abschnitt aus Agnes Miegels „Audhumla", Buchbesprechungen unib Filmschau. Das neue KdF.- Monatsheft wird in seiner Reichhaltigkeit jedem viel zu bieten haben.
Oes Weihnachtsbaumes Ende ...
Die Zeit des Weihnachtsbaumes, des Symbols des verklungenen Weihnachtsfestes, ist um, seine Herrlichkeit ist zu Ende. Nach altem Brauch werden in vielen Familien in diesen Togen die Kerzen des Tannenbaumes zum letztenmal angezündet, aber die
Festliches Variete
Die NS.'Gemeinschaft „Kraft durch Freude" hatte für gestern abend zu einem Darieteprogramm auf der Bühne des Gloria-Palastes einaeladen, das unter dem Kennwort „Triumph der Leistung" erschien und diese Devise auch vollauf verdiente. Das recht ausgedehnte und sehr abwechslungsreiche Programm wurde fast ausnahmslos von den vier Philipps bestritten, einer deutschen Artisten- samilie von internationalem Ruf und Rang, deren vielseitiges Können in der Tat erstaunlich ist und um so mehr Anerkennung verdient, als es gerade auf dem Gebiete des Varietes sehr schwierig ist, wirklich neue Tricks zu finden und noch nicht gHehene oder gehörte Nummern auf» und auszubauen.u^rotz- dem fand der Berichterstatter das Programm der vier Philipps, das er im letzten Sommer als Soldat in Frankreich sah, bereits um einige hübsche Neuigkeiten bereichert.
Der Reigen wurde eröffnet von Max Wendete r, der sich als Ansager betätigte, schnell mit dem Publikum Kontakt fand und mit seinen Plaudereien über Frauen und Mode, über die deutschen Stämme und die Freuden des Paradieses, über die Wehrmacht und die Musterung die Leute zum Lachen brachte. Im gleicben Sinne wirkte Edith mit ihrem Wunderpferoe, welches aus zwei lebendigen Teilen besteht und die komischsten Tänze aufführte. Kita auf dem Drahtseil: eine alte Artistenspezialität, hier in hoher Vollendung wieder ausgenommen, sehr sichere und anmutige Arbeit. Kann
weihnachtliche Stimmung webt' nicht mehr um ihn; viele seiner Nadeln hat er schon zu Boden fallen lassen. Die Sterne und Kugeln, die Schneefäden und der Flitter werden von seinen Zweigen genommen, der Weihnachtsbaum muß die wohnliche Stube verlassen, um nimmermehr dorthin zurückzukehren. Des Weihnachtsbaumes Traum ist ausgeträumt ...
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♦♦ Autozusammenstoß. Am gestrigen Montag, gegen 18 Uhr, ereignete sich in der Kaisstrallee ein Zusammenstoß zwischen einem Lastkraftwagen und einem Personenauto. Beide Fahrzeuge prallten ziemlich kräftig gegeneinander. Zum Glück blieben die Insassen beider Fahrzeuge unverletzt; es entstand nur Sachschaden.
im Gloria-palast. .
Karinowa erfreute die Besucher durch verschiedenartige Tänze. Die Roxy-Radio-Sinfoni- k e r fanden vielen Anklang mit einem kleinen Quartett auf der Mundharmonika. Mit die hübscheste, eleganteste und oriainellste Leistung des Abends zeig- ten Los Toledos, maskierte Blitzjongleure, die eine oft geübte Darietö-Spezialität mit überraschenden Tricks zu artistisch und ästhetisch gleicherweise eindrucksvollen Steigerungen vervollkommnet haben. Nack der Pause erschien „Charlie und ein Fahrrad , eine amerikanisch aufgezogene Groteske von Karl Philipp, welche das Publikum sehr erheiterte. Auch zwei Musik-Clowns fanden mit ihren von allerlei spaßhaften Einlagen aufgelockerten Darbietungen viel Applaus. Die Krone des Programms bildet ein Perche-Balance-Akt, der, wie es im Programm heißt, und wie auch gute Kenner der internationalen Darietös nicht bestreiten werden, „noch unerreicht" ist: eine verblüffende Leistung menschlicher Willenskraft und Körperbeherrschung, stilreine artistische Präzisionsarbeit von hoher Vollendung. Den Beschluß machte eine fernöstlich eingekleidete gemischte Akrobatennummer, in der ein Leitertrick, Fußbalance und Step auf Händen die Pointen bilden. — Am Flügel begleitete Kapellmeister Karl Jung. — Das Haus war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Zuschauer dankten mit reichem Beifall für die ausgezeichnete Unterhaltung. Hans Thyriot.
SJ.-fpor/
Wetzlar 05 — 1900 1:1 (1:1).
Die Bemühungen der Blau-Weißen wurden belohnt, denn obwohl es in bezug auf die Mannschaftsaufstellung nicht so klappte, wie es vorgesehen war, darf man wohl sagen, daß das Ergebnis eine Ueberraschung bedeutet. Dies umsomehr, da Wetzlar in der angenehmen Lage war, neben Diddlapp weitere Verstärkungen einzusetzen. Diese veränderte Loge ließ den Blau-Weißen wenig Aussicht auf Erfolg, und man darf ruhig behaupten, daß es kein Fanatismus war, wenn der Wetzlarer Anhang nur über den Torunterschied debattierte. Ein Sieg wurde als selbstverständlich angenommen. Denn mit Koob, Meinhardt, Kromm, Teske, Zidorn, Hahn, Zampedri, Blech, Diddlapp, Möbs, Rohde besaßen die Wetzlarer eine Vertretung, die weit mehr als Friedensformat darstellte. Für die mit Launspach, Pankok, Goß, Jäger, Greven, Erhard, Schmitz, Kraft II., Kraft I., Lutter, Koch antretenden Blau- Weißen gab es daher nur eine Möglichkeit: die Abwehr.
Der Spielverlauf bestätigte dies zur Genüge. Obwohl die Platzbesitzer manche Phase mehr vom Spiel hotten, konnten sie das Bollwerk nicht überwinden. Das Ereignis der beiden Tore fiel nämlich in die Anfangszeit, wo die Spieler ihre Mühe batten sich mit den Bodenverhältnissen aozufinden. Bis dies soweit war, war es auch schon zu den Toren gekommen. In der 8. Minute war es Möbs, der eine „Bombe" losließ. Launspach holte sich aber dos Leder aus der Ecke, durch die Wucht und die kalten Finger entglitt es ihm wieder, und der herbeispurtende Diddlapp beförderte es über die Linie. Dies war das Signol für weitere stürmische Angriffe der Platzbesitzer. Doch Pankok, Greven und Goß riegelten jetzt schon den Strafraum so ab, daß es schwer war, durchzukommen. Und wenn schon, dann trat Launspach in Aktion, und dies mit einer Sicherheit und Ruhe, die sich sichtlich auf die ands-
ren Reihen übertrug. Sofort trat im Sturm eine Lebendigkeit auf, die die Wetzlarer Hintermannschaft ebenfalls hart auf die Probe stellte, und wie die 15. Minute bewies, auch bezwang. Kraft II., der sich im weiteren Verlauf des Spieles als der eifrigste und beste Mann auf dem Platze erwies, hatte Möbs einen Ball abgejagt, fein Zuspiel verlängerte sein Bruder in den freien Roum. Lutter spritzte durch die Verteidigung, und gegen seinen Schuß mit dem rechten Fuß war Koob machtlos. Der weitere Verlauf braHe ein bewegtes Hin und Her; fairer, anständiger und ritterlicher kann man sich kein Fußballspiel denken. Das Auf und Ab des Spieles fesselte stark; eben waren es die Platzbesitzer, die sich strecken mußten, und im nächsten Moment waren es die Blau-Weißen, die alle Füße voll mit der Abwehr zu tun hatten. Neben mancher schönen Einzelleistung bekam man auch gute Mannschaftsarbeit zu sehen.
Wetzlar konnte sich mit dem Widerstandswillen der Blau-Weißen nicht recht abfinden, und obwohl Möbs im Sturm all sein taktisches und technisches Fußballkönnen in die Waagschale warf, gelang es ihm nicht, irgendwelchen Vorteil zu erzielen. Man ließ ihm eben keine Möglichkeit, sich voll zu entfalten. Auch der gefährliche Rohde auf dem linken Flügel „erfreute" sich besonderer Bewachung. Die übrigen drei konnten keine große Gefährlichkeit mehr entfalten, zumal die Läuferreihe nicht immer zur Unterstützung da fein konnte. Bei 1900 war es Launspach, der nach der angenehmsten Seite überraschte. Heber Pankok und Goß erübrigen sich die Worte. Jäger, der Bewacher Rohdes, löste seine Aufgabe sehr gut, obwohl er am meisten mit dem Boden zu kämpfen hatte. Greven gab einen herrlichen Stopper ab, an dem sich Didolapp vergeblich versuchte. Erhard, erstmals wieder seit seiner Verletzung, fügte sich gut ein, von seiner früheren Form fehlt jedoch noch manches. Schmitz auf Rechtsaußen
SornofUett.
Tageskalender für Dienstag.
Stadttheater: 19 bis 21.15 Uhr „Der Ahnenvah". — Gloria - Palast, Seltersweg: „Bismarck . — Lichtspielhaus, Bahnhofstr.: „Der liebe Augustin".
Stadttheater Gießen.
Am heutigen Dienstag wird der große Schwankerfolg von Real und Frank „Der Ahnenpaß" wie- derholt. Spielleitung: Karl Volck. Bühnenbilder: Karl Löffler. 15. Dienstag-Miete.
Georg Alexander gastiert im Stadttheater.
Der bekannte Filmdarsteller Georg Alexander wird am Mittwoch, 15. Januar, im Stadttheater Gießen in der erfolgreichen Komödie von Corra und Achille „Der Elfte aus der Reihe" gastieren. Mit seinem Berliner Ensemble stellt sich in Georg Alexander einer der populärsten und beliebtesten Darsteller, die wir von der Leinwand her kennen, persönlich vor, um in der ausgezeichneten Komödie der beiden Italiener — deutsch bearbeitet von Roland Schacht — den charmant, elegant-humorvollen Mann zu verkörpern, dessen Grundbegriff er fast schon geworden ist. Das Gastspiel ist außer Miete! Die Mittwoch-Miete wird nachgeholt.
Gießener Dortragsring.
Als ersten Vortragsabend im neuen Jahr führen die Volksbildungsstätte Gießen, der Goethe-Bund und die Kulturelle Vereinigung im Rahmen des Gießener Dortragsringes am Montag, 13. Januar, eine besonders interessante und bedeutsame Veranstaltung durch. Musikschriftsteller Alfred Pellegrini wird mit Erläuterungen am Flügel und zur Violine einen Lichtbildervortrag über das Thema „Richard Wagner, seine deutsch-kulturelle Sendung und sein berühmtes Bayreuther Festspielwerk" halten. Pellegrini bietet ein übersichtliches Entwicklungsbild des genialen Meisters, schildert darin feinen beharrlichen Kampf um das deutsche Kunstideal, der ihn zum Wegbereiter unseres neuen Deutschlands machte, und vermittelt der Zuhörerschaft einen tiefen Einblick in die Tonwelt Richard Wagners. Am Schluß seiner Ausführungen führt der Künstler noch eine Reihe interessanter Original- Lichtbilder der Bayreuther Festspiele vor, die den gewonnenen Eindruck wesentlich verstärken.
Ortszeit für den 8. Januar.
Sonnenaufgang 9.35 Uhr, Sonnenuntergang 17.29 Uhr. — Monduntergang 4.22 Uhr, Mondaufgang 14.02 Uhr.
AS'GMlusM M Kraft öatdj $reoöe
Für jeden etwas
bringt die neue Folge des KdF.-Monatsheftes auf ihren 24 ©eiten für nur 10 Pf. 48D
Ä. d. Sportamt.
Ausschneiden und aufbewahren!
Wiederbeginn unserer Sportturse: 89D
Schwimmen für Männer und Frauen, auch für Anfänger: Dienstags, 19 bis 20 Uhr und 20 bis 21 Uhr: Freitags 20.30 bis 21.30 und 21.30 bis 22.30 Uhr.
Körperschule und Spiele für Männer und Frauen: Mittwochs, 20.30 bis 21.30 Uhr, Goetheschule, neben Hotel Schütz.
Fröhliche Gymnastik und Spiele für Frauen: Donnerstags, 20 bis 21 Uhr, Schillerschule, Schillerstraße.
Kindergymnastik: Freitags, 16 bis 17 Uhr, Schillerschule.
Anmeldungen in den Kursen.
KdF.-Monatshest Bhein-Main.
NSG. Die erste Folge des KdF.-Monatsheftes im neuen Jahr stellt an die Spitze den Aufruf des Gauleiters zum Jahreswechsel. Ein Bericht über den Jahrestag „Kraft durch Freude" bringt die Ausführung des Gauleiters bet der Festveranstaltung in Frankfurt am Main. „Kraft durch Freude" kann auch in diesem Monat wieder auf em vielfältiges Programm zurückblicken, worüber zahlreiche Bilder berichten. Sehr interessant ist ein Bericht „Kaspar auf Spielreise in Norwegen", der ebenso wie ein schöner Bildbericht aus dem Westen von der Truppenbetreuung in den besetzten Gebieten unterrichtet. Besonders reizvoll ist ein Bildbericht aus dem Betriebskindergarten der Zigarettenfabrik Oleftor Gianaclis in Mainz. „Aus der Werkstatt der Seele" erzählt ein Artikel über das Laienfchaf- fen, dem sehr gute Bilder zur Seite gestellt sind.
ZU Flüchtling auf Korsika
Nomon von fjdnj Lormz-Lambrecht
35. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Er steht auf und geht jnit großen Schritten auf und ab. Im Marschtempo fast. Die Wände wollen ihm zu eng werden. Jetzt in Deutschland fein! In Berlin — Unter den Linden, in Potsdam — in der Garnisonkirche, in München — vor der Feld- herrühalle, überall, wo die Tausende zusammenströ- men, um ihr erlöstes Aufatmen in den Himmel zu jubeln. Viktor fühlt sich jung und voller Schwungkraft. Niemals hat er fein Deutschtum so tief empsungen wie in diesen Tagen.
Er verläßt das Zimmer ohne bestimmte Absicht. Im nächsten sitzt Jänisch, fein Sekretär, ein Deutscher, der zugleich Geschäftsführer des deutschen Klubs ist. Auch er hat eine Zeitung vor sich, auch er kann nicht recht arbeiten. Viktor nickt ihm zu, kameradschaftlich und doch abwesend.
Er geht letzt durch einen größeren Büroraum, in dem Schreibmaschinen rasseln. Dann tritt er in den Hellen weiten Geschäftsraum mit den beiden Schaufenstern nach der Piazza Merediana. Hier werden von geschulten Angestellten die Kunden in allen Sprachen und für Reisen nach allen Himmelsrichtungen hin beraten und bedient.
Plötzlich steht er wie von einem Blitz angenagelt. Was ist das? Ist die Zeit in einer Sekunde um fünfzehn Jahre rückwärts gerast? Steht er wieder im Appellhof der Zitadelle von Bastia? Oder ist das hier eine Wiederholung der Erscheinung von damals, die ihn narren will? Einbildung seiner erregten Sinne, die alle um Deutschland kreisen?
Thea? Beate? Du lieber Gott, was jetzt?!
Da steht ein Mädchen — taubengraues Reise- kostüm, kurzer Rock, kurze Jacke mit Herrenrevers, grüner kleiner Filzhut, helles Gesicht mit saften blauen Augen ...
Das Gesicht ist ihm, sekundenlang mit einem kleinen Lächeln zugewendet.
Doch nun kehrt es sich schon ab, befangen unter seinem Anstarren. Ein Angestellter reicht der Er- scheinung etwas über den Tisch hinweg. Sie geht an die Kasse, zahlt, wendet sich der Tür zu, dreht
sich dort noch einmal, sehr scheu, nach ihm um und verläßt, als sie noch immer den gleichen starren Blick feststellt, hastig den Geschäftsraum.
Viktor atmet tief auf. Er fährt sich über die Augen. Nein, keine Erscheinung. Wirklichkeit. Wahrhaftigste Wirklichkeit! Thea hat ihm zugelächelt, sich bewegt, gesprochen, bezahlt, sich nach ihm um- godreht — vor der Scheibe des einen Schaufensters geht sie eben in der Sonne vorbei, verschwindet.
Thea! Wieso, Thea? Beate muß es gewesen sein. Beate ... Hilf, Himmel, das ist ganz und gar verrückt.
Noch immer steht er an der Tür, die Klinke in der Hand. Ein Angestellter, der augenblicklich nicht beschäftigt ist, wird auf ihn aufmerksam. Zögernd geht er auf ihn zu.
„Fehlt Ihnen etwas, Herr Gienant?:
Viktor nimmt sich zusammen: „Ach wo! Ich überlege mir nur etwas. Ja, richtig, ich muß es in meinem Büro gelassen haben ..."
Er dreht sich rasch um. Nur fort! Nur keine Augen um sich haben jetzt. In seinem Büro sinkt er in den Schreibtischsessel und sitzt eine Weile in tiefer Erschöpfung. Was hat das alles zu bedeuten? War das der Sinn der Erscheinung von damals, daß er fünfzehn Jahre warten sollte, um auf solchem Umweg Thea zu treffen? Beate vielmehr. Thea oder Beate, im Grunde ist es ganz gleichgültig, denn er hat mit keiner von beiden auch nur mehr das geringste zu schaffen.
Uebrigens läßt es sich leicht feststellen, wohin dieses Mädchen gehört. Zum Reisen braucht man einen Paß. Der Angestellte müßte eigentlich wissen, wer, wohin, woher. Der Angestellte . i.
Viktor greift schon nach dem Telephon. Welcher Angestellte hat sie denn bedient? Er hat nicht darauf geachtet. Es war ein großer schwarzhaariger, einer mit einem kleinen Bärtchen ... Richtig, Favero muß es gewesen sein. Favero soll zu ihm kommen, Favero muß es wissen.
Bis Favero eintritt, hat Viktor Zeit sich zu sam- mein und sich zurechtlegen, was er sagen will und sagen darf, ohne sich eine Blöße zu geben. Er ist ja verlobt. Ja, das ist er, und gleich nach Ostern wird er Ancia Maria heiraten. Das ist in vier Wochen.
Der Angestellte tritt ein.
„Herr Favero", sagt Viktor rotzig, „Sie haben
vorhin eine Dame abgefertigt ..." Er beschreibt sie. „War das nicht eine Deutsche? Ich glaube nämlich, sie vor Jahren in Deutschland kennengelernt zu haben."
„Jawohl, es war eine Deutsche, Herr Gienant. Aus Mannheim. Sie hat zwei Billets abgeholt. Die übliche Rundreise bis nach Venedig."
„Aha. Für welches Schiff?"
„Für den ,Cigno Biancos"
„Geht ja heute, nicht wahr?"
„Jawohl, 17.30, Herr Gienant."
„Es ist gut, ich danke Ihnen."
Favero geht wieder. Auf seinem Weg in den vorderen Geschäftsraum, fällt ihm etwas Sonderbares auf. Vor Jahren will Herr Gienant diese Dame aus Deutschland kennengelernt haben? Das klang so, als ob es mindestens ein Dutzend Jahre her wäre, und da mußte diese Kundin noch ein kleines Kind gewesen sein. Es dürfte schwer sein, nacy zwölf Jahren in einer jungen Dame ein Kind wiederzuerkennen — denkt Favero.
Viktor sitzt wieder in Gedanken. Plötzlich erhebt er sich mit einem Ruck und geht rasch, als wolle er einen gegen fein Gewissen gefaßten Entschluß nicht mehr umstoßen, in das Zimmer seines Sekretärs.
„Jänisch", sagte er möglichst gelassen, „ich wollte doch immer schon mal nach Triest fahren. Ich werde es heute tun."
„Soll ich Ihnen ein Schlafwagenabteil bestellen? Sie nehmen doch den Nachtzug?"
Viktor runzelt die Stirn: ,Hch nehme überhaupt keinen Zug. Ich fahre mit dem Schiff. Mit dem „Cigna Bianco".
„Mit dem ,Cigna Bianco'?" Jänisch ist sehr erstaunt. „Ader der braucht bis Triest doch zehn Tage ..."
Viktor unterbricht etwas unwirsch: „Das weiß ich. Aber ich muß unbedingt einmal ausspannen. Ich habe es wahrhaftig dringend nötig. Vorhin hatte ich wieder einen ganz ... einen ganz benom- menen Kopf. Sie müssen es hier allein schaffen in der Zeit. Es bleiben uns ja noch vier Stunden Zeit, um alles Nötige zu besprechen und vorzuar- betten."
„Jawohl, Herr Gienant. Dann werde ich gleich dem Kapitän sagen lassen, daß er Ihnen eine Sabine reserviert."
hatte keine glückliche Hand. Kraft IL leistete ein ungeheures Stück Arbeit. Nicht nur, daß er in der Abwehr aushalf, sobald der Sturm im Angriff war, war er auch wieder zur Stelle. Kraft I. leistete ebenfalls wertvolle Arbeit, obwohl er in Zidorn einen Gegenspieler hatte, der mit zu den Besten Wetzlars gehört. Lutter „erfreute" sich nach seinem Torschuß einer so aufmerksamen Bewachung durch Teske, daß er nur noch sehr wenig Bewegungsfreiheit besaß. Koch konnte sich gegen den körperlichen Meinhardt nicht immer durchsetzen. Schiri Gerhard (Annerod) hatte kein schweres Amt.
Watzenborn-Steinberg I. —Luftwaffe Gießen 1.6:2.
Die Luftwaffe hatte Platzwahl und wählte gegen den Wind. Mit dem Wind als Bundesgenossen gestalteten die Platzbesitzer das Spiel sofort überlegen. Schon in der ersten Minute kam der einheimische Sturm schön durch, der freistehende Rechtsaußen Brücke! wurde eingesetzt, der den letzten Verteidiger umging und kurz vor dem Tor zum Schuß ansetzte. Doch er trat in den Boden und muhte das Spielfeld für einige Minuten verlassen. Nach 10 Minuten mußte der Torhüter der Gäste zum ersten Male den Ball aus dem Netz holen. Der Linksaußen hatte scharf aufs Tor geschossen, der Torhüter der Gäste, der übrigens der beste Spieler der Mannschaft war, konnte nur zum Eckball abwehren. Den fein -er- eingegebenen Ball konnte Fischer mit dem Kopf an dem Torhüter vorbei einlenken. Brückel war indessen wieder gekommen, und ein harter Schuß von ihm prallte vom Jnnenposten ins Feld zurück. Dann war es aber doch Brückel, der wuchtig zum 2:0 einschoß. "Kurze Zeit darauf hatte sich der Mittelstürmer der „Teutonen" bis kurz vor das Tor durchgespielt, im Moment des Ansetzens zum Schuß wurde er von den beiden gegnerischen Verteidigern so schwer mitgenommen, daß er das Spielfeld verlassen mußte und erst wieder eine Viertelstunde vor Spielende noch als Statist auf Rechtsaußen eingesetzt werden konnte. So mutzten die Platzbesitzer fast eine volle Stunde nur mit 10 Mann spielen. Kurz vor Halbzeit war der Halblinke Fischer zum dritten Male erfolgreich.
Die zweite Spielhälfte begann für die Gäste sehr verheißungsvoll. Mit dem Wind im Rücken schnürten sie die Einheimischen fast 20 Minuten ein. Der Tormann der Watzenborn-Steinberger, der in der ersten Halbzeit nicht einen einzigen Ball zu halten hatte, war nun voll beschäftigt. So konnten die 10 „Teutonen" nicht verhindern, daß Gießen auf 3:2 herankam. Die Aussichten der Luftwaffe schwanden aber in Kürze, als der Sturm der Platzmannschaft nach dem zweiten Erfolg der Gießener mit dem Mittelanstoß gut durchkam und Brückel, der den Mittelstürmerposten eingenommen hatte, zum 4:2 einschoß. Dann waren sich beide Mannschaften im Feldspiel ebenbürtig. Der Sturm der Gäste versuchte nun, den einheimischen Torhüter mit Fern- schlissen zu schlagen, was jedoch nicht gelang. Brückel erhöhte auf feine Vorlage des nun Rechtsaußenspielenden verletzten Mittelstürmers auf 5:2, und wenige Minuten vor Spielende hatte sich Harnisch auf Linksaußen von seiner starken Bewachung freigemacht, und schon stand die Partie 6:2.
Aus Der engeren Heimat.
Bei -er Arbeit tödlich verunglückt.
* Kinzenbach (Kreis Wetzlar), 6. Jan. Im hiesigen Werk der Firma Berkenhoff & Co. -reignete sich am Samstag ein schwerer Unglücks- fall, dem leider ein braver Arbeiter zum Opfer fiel. Der seit 21 Jahren in dem Betrieb tätige Gießer und Betriebsobmann Philipp Leib aus Kinzenbach wurde infolge eines unglücklichen Zufalles von einer Maschine erfaßt und so heftig zu Boden geworfen, daß er mit einem schweren Schä- delbruch leider tot auf der Stelle liegenblieb.
Landkreis Gießen
<£ Leihgestern, 6. Jan. Der seitherige langjährige Vorsitzende des hiesigen Pferde- und Viehversicherungsoereins, der Landwirt Georg Sern VIII., der über drei Jahrzehnte diesen gemeinnützigen Verein zur vollsten Zusrieden- heit geleitet hat, ist wegen hohen Alters von diesem Amt jurütfgetreten. Zu feinem Nachfolger wurde in der am Samstag bei Gastwirt Dem einberufenen Mitgliederversammlung der Landwirt Karl Jung I. gewählt.
s. Lang-Göns, 7. Jan. Am nächsten Donnerstag, 9. Januar, feiert unser Mitbürger Konrad Spies, Niederhofenstraße, seinen 84. G e b u r t s- t ag. Der alte Herr ist körperlich und geistig noch verhältnismäßig rüstig. Wir wünschen ihm einen sonnigen Lebensabend.
Viktor kehrt in sein Büro zurück. Nur allein fein! Nur keine überflüsüge Fragen und Gedanken! Handeln! Einfach handeln, wie es sein Schicksal verlangt. Sein Schicksal? Sein Gefühl ist sein Schicksal.
Er telephoniert in seine Wohnung. Kürzlich erst hat er das hübsche Landhaus erstanden, in dem er bisher nur zwei Zimmer inne hatte. Er wird mit Ancia Maria darin wohnen. Die Handwerker sind schon dabei, noch dieses und jenes umzuändern. Und heute nachmittag, richttg, hat er Ancia Maria versprochen, sie in ein Möbelgeschäft zu begleiten.
Beppo, fein Diener, meldet sich.
„Beppo, packen Sie sofort einen Koffer für eine Reise von zwei Wochen und bringen sie ihn auf den „Cigno Bianco". Ich muß geschäftlich verreffen."
So, und nun muß er auch Ancia Maria benachrichtigen. Er muß sie belügen, so gut es eben geht. Natürlich wird er zu ihr zurückkehren. Er wird sie heiraten und glücklich sein mit ihr. Aber jetzt muß er diesem Mädchen folgen. Er muß diese Sache hinter sich bringen, ein für allemal, eher wird er keine Ruhe haben.
Ancia Maria ist natürlich erstaunt, als er ihr telephoniert, daß er unerwartet eine Geschäftsreise antreten muß.
„Oh, so plötzlich und gleich für so lange? Das ist aber recht dumm, es gibt doch noch so viel zu erledigen. Kannst du dich denn gar nicht vertreten lassen?"
„Unmöglich, Ancia Maria. Es geht nicht anders. Du muht zusehen, wie du allein mit allem zu Rande kommst. Es tut mir so leib. Aber es ist sehr wichtig. Es ist ..." Was könnte er denn nur für einen Grund angeben? Es fällt ihm ein, daß Enzio augenblicklich auf einem in Triest stationierten Kriegsschiff eine Hebung macht. Er könnte sagen, daß er mit Enzio eine dringende geschäftliche Aussprache hat. Aber das hätte man ja in einem Tag erledigen können.
„Viktor ...? Was hast du denn? Ist etwas passiert? Du bist ja so erregt ..."
So erregt ist er? Das hat er noch gar nicht ge- merkt. „Aber warum sollte ich denn erregt fein? Was soll denn passiert fein, kleines Mädchen?" Er beruhigt sie, so gut es eben geht.
(Fortsetzung folgte


