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leben im europäischen Raum 163 Mill, oder rund 85 d. 5)., während auf den asiatischen Teil nur 25 Mill, oder 15 v. H. entfallen. Im günstigsten Falle könnte es den Sowjets gelingen, einige we- nige Millionen Mann Militär und Zivilbevölkerung aus dem europäischen Raum hinter den Ural zu retten. Selbst dann würden sich bei einer Höchstbe­rechnung von bestenfalls 35 Mill. Menschen nie­mals mehr als 1 bis 2 Einwohner auf den Qua­dratkilometer für den asiatischen Raum der UdSSR, ergeben. Diese Menschendecke ist für einen so rie­sigen Raum, wie ihn Sibirien darstellt, zur Füh­rung eines modernen Krieges besonders gegen einen Gegner wie Deutschland unter allen Um­ständen unzureichend. Hinzu kommt, daß hier dann eine auf niedrigster Stufe der Zivilisation und Kul­tur steheude, durch jahrzehntelangen Terror völlig abgestumpfte Bevölkerung gegen eine Armee kämp­fen muß, die sich aus einer auf höchster Kultur- und Zivilisationsstufe stehenden Bevölkerung rekrutiert.

2. Mit den angegebenen Bevölkerungsziffern wird die Neuaufstellung eines großen, gut geschul­ten Heeres aus dem sibirischen Raum hinfällig, ganz abgesehen davon, daß seine Ausrüstung von den in­dustriellen Kapazitäten des sowjetischen Asiens ab­hängt, denn an eine nennenswerte Zufuhr aus Großbritannien oder den USA. wird in Zukunft genau so wenig zu denken sein wie bisher. Und gerade mit der

3. industriellen Kapazität Sibiriens ist es am schlechtesten bestellt. Zwar sind Kohle und Erze, die wichtigsten Rohstoffe für eine Rüstungsindustrie, in Sowjetasien in genügendem Maße vorhanden. Im sogenannten Kusnetzer Becken liegen sogar Kohlen­vorräte von ausgezeichneter Qualität. Allein diese Rohstoffquellen sind erst zu einem geringen Prozent­satz erschlossen, und für eine gewaltsame Forcierung der Produktion fehlen alle technischen Voraussetzun­gen, wie Facharbeiter, Maschinen- und Förüerungs- anlagen. Selbst im tiefsten Frieden würde der Auf­bau einer hochwertigen Jndustrieregion im sowjeti­schen Asien Jahrzehnte erfordern. Zudem fehlen sämtliche Voraussetzungen zur Verwandlung der Kohle in Koks in größerem Umfang damit also zur Einschmelzung der Erze. Die sibirischen Hütten­werke wären niemals imstande, den Ausfall nur des Donezbeckens auch nur annähernd zu ersetzen, was durch einen Blick auf die folgenden, nach dem Durch­schnitt der letzten Jahre berechneten Durchschnitts­ziffern sofort unter Beweis gestellt wird:

- Roh- Fluß- Walz­

eisen stahl Produkte

Dnjepr- und Donezbecken 65 50 50

Ural 19 20 20

Mittelrußland 16 16

Westsibirien 10 8

Nur 9 v. H. der sowjetischen Martin-

16

8 und Hoch­

öfen liegen im sowjetischen Asien, nur wenig mehr als 6 v. H. aller Elektrokraftwerke liegen hinter dem Ural. Von den Erzreseroen in Sibirien können obendrein nur 25 v. H. als hochwertig angesehen werden. Alles übrige ist stark schwefelversetzt. Das an sich hochwertige Kusnetzer Becken produzierte im Jahre 1938 insgesamt 17,5 Millionen Tonnen Steinkohle, kaum mehr als ein Fünftel der Pro­duktion nur des Donezgebietes. Das Gebiet von Karaganda in Mittel-Asien produzierte zur selben Zeit gar nur 4,43 Millionen Tonnen Steinkohle. Dabei liegen die Industrie-, Kohlen- und Erzgebiete in Sibirien außerordentlich verkehrsungünstig zu­einander. Del fehlt in diesem Gebiet völlig. Noch schlimmer sieht es mit der Konsumgüterindustrie aus. .Sie liegt durchweg zu 94 bis 98 v. H. im europäischen Teile der Sowjetunion, gleichviel, ob es sich nun um die Veredelungsbetriebe der Zell- stoffindustrie oder um Spinnereien für Textilroh­stoffe oder andere Zweige handelt. All das unter dem Druck schwerster militärischer und moralischer Niederlagen neu aufzubauen bzw. auszugleichen, dürfte auch den angespanntesten Terrormethoden der Sowjets völlig unmöglich sein, zumal schon die dünne Menschendecke niemals ausreichen würde, gleichzeitig den militärischen und industriellen Be­darf zu decken.

Scheitert der Aufbau eines neuen sowjetischen Widerstandszentrums im sibirischen Raum bereits an den aufgezählten Mängeln und Schwierigkeiten, so sieht das Bild auch auf

4. dem Ernährungssektor keineswegs rosiger aus. Sibirien war von jeher auf Zufuhren aus den an­deren Teilen der Sowjetunion angewiesen und wird es erst recht sein, wenn ein zusätzlicher Flüchtlings­strom aus der europäischen Sowjetunion mit ver­sorgt werden muß. Die Sowjetgebiete im Fernen Osten sind nur zu einem geringen Teil landwirt­schaftlich nutzbar und fallen aus Transportgründen und Mangel an Arbeitskräften sowieso aus. Sie können kaum die dort lebende Bevölkerung versor­

Armeen einwandfrei widerlegt ist.

Krimkrieg 1941.

Deutsche Luftwaffe schlägt zu. Vorbildliche Zusammenarbeit mit dem Heer.

Von Kriegsberichter Ludwig bott Danwitz.

Berlin, 5. November. (DNB.) Wie bereits durch DKW.-Bericht bekanntgegeben wurde, führte die Luftwaffe am 4. November mit stärkeren Ver­bänden von Kampfflugzeugen einen wirkungsvollen Angriff auf Jndustriewerke in Gorki durch. Das große Autowerk, Flugzeugwerke und Werftan­lagen wurden schwer getroffen. Eine Reihe von Werkhallen wurde zerstört und in Brand gesetzt, ein Kesselhaus mit Fabrikschornstein zerstört; der Schorn­stein stürzte ein.

Mit dieser Nachricht wird die Aufmerksamkeit auf eines der großen Industriezentren gelenkt, die von den Sowjets im Hinterland des euro- päischen Gebietes der Sowjetunion angelegt wur­den. Diese Zentren bedeuten jeweils eine ungeheure Konzentration -in sich zusammenhängender Indu­striezweige. Das wichtigste Jndustriewerk ist das sogenannte Molotow-Autowerk. Es gehört zu den ganz großen Fabrikationsanlagen der Sow­jetunion, dem an Umfang und Kapazität nur noch das Autowerk in Moskau gleichkommt. Beide Werke zusammen bilden das Rückgrat der Autoindustrie der S o w j et s und sind für die Kriegführung ausschlaaebend. Neben Transport­fahrzeugen aller Art werden hier auch die Pan- z e r k a m p f w a g e n für die Armee hergestellt.

Wie das Molotowwerk sind auch die anderen In­dustriebetriebe in Gorki ganz auf die Kriegsindustrie abgestellt. Hier liegt auch eine der großen Flug­zeugfabriken zusammen mit sehr bedeutenden metallverarbeitenden Industrien, die alle Arten von Maschinen und Geräten herstellen, die von den

übrigen Industrien in Gorki benötigt werden. Hier­zu gehören sowohl Hütten- und Stahlwerke als auch Werkzeugmaschinenfabriken, Motorenfabriken sowie Fabriken von elektrischem Gerät für Rund­funk, Telephon und militärische Nachrichteneinrich­tungen. In einer der Vorstädte befindet sich ein großes Rüstungswerk, in dem Geschütze, Maschinen, Geräte und sonstige Waffen und Muni­tion jeder Art hergestellt weroen.

Die bedeutsame Lage der Stadt an der Einmün­dung der D k a in die Wolga hat die Sowjets veranlaßt, große Werften in unmittelbarer Verbin­dung mit Stahlwerken, Waffen- und Motorenfa­briken anzulegn. Hier werden nicht nur militärische und Gütertransportschiffe für die Flußschiffahrt, fordern auch U-Boote und kleinere Hilfsschiffe für die Seeschiffahrt gebaut. Zur Versorgung dieser riesigen Werke und ihrer Erzeugnisse mit Benzin verlegten die Sowjets auch Brennstoffraffi­nerien hierher, die aus dem Kaukasus Rohöl erhalten und es weiterverarbeiten.

Gorki, das frühere Nischni-Nowgorod, zählt heute 650 000 Einwohner und gehört mit Moskau zu den ganz großen Rüstungszentren der sowjetischen Kriegsmaschine. Gleich Moskau liegt es nun auch unter der unmittelbaren Einwir­kung der deutschen Waffen und hat bei dem Angriff am Dienstag große Schäden daoongetragen. Die Ausschaltung dieser beiden Rüstungszentren bedeutet eine katastrophale Verminderung der sow­jetischen Kriegsstärke.

Aber auch das Transportproblem dürfte für einen für die Alliierten ins Gewicht fallenden weiteren Widerstand der Sowjets aus diesem Raum heraus so gut wie unlösbar sein. Im Grunde genommen ist der ganze östliche Sektor nur auf eine einzige Bahn angewiesen, den transsibirischen Strang, der zwar im großen und ganzen wohl ausgebaut ist, jedoch wenn es einmal soweit sein wird in seinen empfindlichsten Punkten durch die Einwirkung von Fernbombern ohne weiteres unterbrochen werden könnte.

gen. Die 25 Millionen Menschen, die in der asiati­schen Sowjetunion zwischen dem Ural und dem Stillen Dzean leben, reichen nicht aus, um eine zusätzliche landwirtschaftliche Produktion zu ermög­lichen. Im ganzen bietet der asiatische Raum fol­gendes Bild: drei Fünftel liegen in der Zone der sogenannten Frostböden, d. h. feuchter, schwammiger Waldböden, die im Untergrund durchweg das ganze Jahr gefroren bleiben. Ein Fünftel wird durch die südlichen Wüstenzonen gestellt und nur ein weiteres Fünftel steht verhältnismäßig sicher als Ernäh­rungsfläche zur Verfügung. Die riesigen mittelasiati­schen Flächen bestehen zur Hälfte aus Sandböden und zu 35 v. H. aus Wüstensteppen. Die frucht­baren Gebiete längs der Flüsse betragen nur 15 v. Bleibt

5. noch zu betrachten das Finanz- und Trans­portwesen. Daß ersteres nach einer einmal voll­zogenen Trennung vom europäischen Rußland in der asiatischen Sowjetunion keine gesunde Basis mehr haben wird, dürfte selbstverständlich fein.

Die Betrachtung dieser nüchternen Wirtschafts­und Zahlenangaben zeigt also, daß die Hoffnung der Alliierten auf Sibirien ein frommer Wunsch­traum bleiben muß. Im Zeitalter des modernen mechanisierten Krieges ist selbst der weiteste sowje­tische Raum keineswegs mehr unergründlich, womit die gegnerische Propagandathese von der Unbeend­barkeit des Krieges im Dsten durch die deutschen ........... V. A.

Gorki unter deutschen Bomben.

Oie Bedeutung der Lustangriffe aus das wichtige sowjetische Büstungszentrum.

DNB......,4. Nov. (PK.) Braungold liegt die

Erde unter uns. Vor wenigen Wochen noch hart umkämpftes Land und endlich der bolschewistischen Herrschaft entrissen. Schon kehrt der Friede ein. Die Menfchen sind wieder an die Arbeit gegangen, aber schwere Wunden sind diesem Land und seinen Städten geschlagen.

Am unteren Rand tiefhängender Wolken fliegen wir. Unser Ziel ist die Krim, in der Geschichte der Neuzeit schon einmal bedeutungsvolles Kampfgebiet. Der Krimkrieg 1941 ist allerdings nur Ausschnitt aus einem gewaltigen Ringen, gewissermaßen eine der vielen Episoden, die sich im Dsten vollziehen. Leningrad und Moskau mögen sichtbarer in den Vordergrund gerückt sein, und doch, der Flug zur Krim hinüber ist ein besonderes Erlebnis. Doch es ist nicht etwa ein einmaliges; denn die Krirn- flüge sind zur Zeit das tägliche Brot des ruhm­vollen Geschwaders, dessen Männer in Polen, in Frankreich und gegen England gekämpft haben. Die Besatzungen kennen sich auf der Krim aus. Der Verlauf der Küste, die verschiedenen Seen, Eisen­bahnlinien und Straßenzüge sind die schon ver­trauten Wegweiser. Ja, gerade heute ist eine Eisenbahn st recke die markante Linie, an die sich unser Beobachter hält.Aha, ,j)ie Eisenbahn", fagt er, und ist zufrieden, weil sie genau zur vor- ausgesagten Minute vor uns aufgetaucht ist.

In diesem Augenblick überfliegen wir die F r o n t. Vor uns haben wir den gewaltigen Aufmarsch un­

serer in die Krim vorstoßenden Armee gesehen. Da wimmelte es von Fahrzeugen aller Art, und alle hatten die gleiche Richtung südwärts; denn die Landenge bei P e r e k o p ist durchbrochen, die mächtige Verteidigungslinie, die die Bolschewisten hier errichteten und als den Schlüssel zur Krim verzweifelt verteidigt hatten, ist niedergerissen. In das Herz der Krim geht der deutsche Vorstoß hinein. Er ist unaufhaltsam.

Der Krimkrieg 1941 ist ein im Rahmen des groß­deutschen Freiheitskampfes vielleicht nur kleines, aber sehr instruktives Kapitel Kriegsgeschichte, und wenn unser Staffelführer von den rund dreißig Ein­sätzen erzählt, die er gegen die Krim geflogen hat, kennzeichnet sich darin die Vielseitigkeit der von der Luftwaffe geleisteten Arbeit. Hier zeigt sich sehr deutlich, in welcher Weise unsere Kampfflieger am Vorwärtsdringen unserer Armeen beteiligt sind und wie groß ihr Anteil an diesen gigantischen Erfolgen ist.

Beeinflußt ist die Vielseitigkeit der durch die Krim gestellten Aufgaben vom Charakter der Halbinsel, vor allem von ihrer Bedeutung als Marine- und Küstenstützpunkt. Während der Belagerung von Odessa rückte der bolschewistische Schiffsverkehr von und nach Odessa die Krim ganz besonders in den Vordergrund. Namentlich der an der Nord west- spitze gelegene Hafen A k - M e t s ch e k spielte bei diesen Ein- und Ausschiffungen eine Rolle. Mit

größtem Erfolg ist es von unseren Kampffliegern gestört worden. M ... ,

Glänzende Erfolge hat es bei der Bekämpfung der bolschewistischen Flugplätze auf der Krim gegeben. Wieder und wieder ist es gelungen, vtt Bolschewisten mitten- in der Nacht zu Überraschen. Gemerkt hat der Feind erst, mit wem er es zu tun hatte, als die Bomben fielen, als das furchtbare Nachtgespenst, das in solchen Augenblicken austau­chen kann, plötzlich mit allen seinen Bordwaffen die startenden und rollenden Maschinen beschoß.

Zur Bekämpfung von Schiffen und Flugplätzen des Gegners kommt als wichtigster Auftrag das unmittelbare Eingrei f e n in den Erdkamps hinzu, ein Auftrag, der auch auf unserem heutigen Nachmittagflug zur Krim erfüllt werden muß. Em paar hundert Meter hoch nur sind wir über den bolschewistischen Stellungen. Der Eisenbahndamm liegt hinter uns. Links von uns verrät sich die erste Fläkstellung durch das Aufblitzen ihres Mündungs­feuers. Unser Bordfunker hat einen alten Bekann­ten wieder getroffen, ein einzelnes Flakgeschütz, von dem er behauptet, daß er diesen Burschen schon von Perekop her kenne.Der feuert immer so einzeln und unentwegt und immer ein paar hundert Me­ter hinter uns her" sagt er, der unverkennbare Schwabe,na, den Burschen am Flakgeschütz wird dieses Wiedersehen nicht gerade angenehm sein. Denn jetzt jagen die Leuchtspuren unserer MGs. zu ihm hinüber. Neue Ziele auf der Erde! Neue Trommeln auf die MGs. Ich sehe wie unsere Bom­ben fallen, höre mit, wie Beobachter und Bordwart die Wirkung der Bomben melden:Treffer in einer Artilleriestellung, Treffer in ein Maschinengewehr­nest, Treffer in eine Flakstellung." Aber die Ziele für meine MGs. liegen links und rechts vorn Kurs. Drüben, wo es blitzt, müssen die Garben hinein. Bei einem Blick zum Bordwart, der unter mir in der Wanne liegt, sehe ich plötzlich hinter uns eine kleine rote Kugel und Bruchteile einer Sekunde später ihre Detonation. Ein Sprengstück durchschlägt die Scheibe, hinter der der Bordwart liegt, kratzt unwesentlich dessen Daumen. Schwein gehabt! Fast gleichzeitig fft dicht vor der Führerkanzel ein Flak, geschah detoniert, sah einen Augenblick recht bedroh­lich aus und hat doch keinen Schaden getan. Jetzt aber sind unsere Bomben raus aus den Schächten. Auch der Kettenführer und der linke Ket­tenhund unseres Verbandes sind ihre Lasten los­geworden. Kurs Nordwesten und nach Hause!

Unsere Kette ist auch heute nachmittag nicht die einzige, die über den sowjetischen Stellungen er­schienen. Mit uns kehren zahlreiche andere Flug­zeuge unseres Geschwaders zurück. Auch Stukas haben fast zu gleicher Zeit wie wir angegriffen. Die Ziele sind andere gewesen, denn der Erdkampf kann in verschiedener Weise durch Bombenangriffe unter- stützt werden. Wie zahlreiche Ziele hat unser Staf­felführer allein schon auf der Krim bekämpft! Da ist er Befestigungsanlagen entlanggeflogen und hat in die bolschewistischen Gräben hineingeworfen, so daß die Gräben zu Gräbern wurden. Wer selbst in den Erdkampf eingesetzt ist, wer mal dabei war wenn die Landser mit glücklich lachenden Augen zu den Kampfflugzeugen mit dem Balkenkreuz aufschauten und jubelnd wahrnahmen, wie es drüben beim Feind vernichtend hmeinhaute, der hat, wenn er dann wieder einmal im Flugzeug einen solchen Angriff mitfliegen darf, das echte Empfinden für die Er- lei^terung, die man den feldgrauen Kameraden ver­schafft hat.

An solchen Einsätzen, die den Feind einige hun- dert Meter vor der deutschen Front treffen, ist nicht nur die kämpferische und fliegerische Leistung be» wunderswert, sondern sie find vor allem auch das Zeugnis einer überlegenen Truppenfüh­rung, die den komplizierten technischen Apparat der modernen Kriegskunst meisterhaft beherrscht. Deutsche Organisation beweist hier Tag für Tag in ständig rollenden Einsätzen, daß ihr alles, was sie will, gelingt. Sie ermöglicht dieses Zusammenspiel von Luftwaffe und Heer, das sich den Schlüssel zur Krim schon erobert hat und so immer tiefer hinein­stößt in die zum zweiten Male zu einem geschicht- liehen Brennpunkt gewordene Halbinsel.

Sämtliche Atlantik-Stützpunkte in Händen der USA.

Washington, 5. Nov. (Europapreß.) Das Ma­rinedepartement teilt mit, daß den USA. nach Jah­resfrist sämtliche Atlantik st ützpunkte zur Verfügung stehen werden. Während es im Jahre 1939 nur sieben gewesen seien, würden heute 30 sowie zahlreiche Hilfspunkte, die bereits den At­lantik-Patrouillen großen Nutzen brächten, verwen­det werden können. Die im nächsten Jahre fertig- gestellten Stützpunkte würden für die geplante Flotte und Luftwaffe mit 15000 Flugzeugen eine Basis fein.

Karin Grunelius

Roman von Guido K.Vranö

20. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Obgleich ihn der Weg nicht an der Stelle vorbei­führte, von der aus er Sampieri als Hintergrund malte, kam er doch mit dem Wagen unwillkürlich in die Nähe, hielt an und stieg die schmale Treppe hinunter an den Strand. In dem weichen Sommer­wind, der ein paar helle Mädchenstimmen aus den dunklen Ruderbooten hinter den Felsen herübertrug, glaubte er die Einsamkeit auf sich zukommen zu hören. Was ihm früher, ehe die beiden jungen Deutschen in diese Abgeschiedenheit eingedrungen waren, wie ein Wunder erschienen war, die Stille und Verloren­heit in einem unendlichen Raum, hatte mit Karins Abreise nichts Geheimnisvolles mehr in sich. Es war mit einemmal alles so durchsichtig, so kristallhart klar daß wohl einige Tage darüber vergehen mußten, bis wieder jener Schleier darüber lag, aus dem immer wieder etwas Neues, Seltsames und Unerwartetes heraustrat.

Erst bann würde er wohl wieder malen können.

9.

Nach einer mehr als achtundoierzigstündigen Fahrt kam Karin müde spät nachts in München an. Von dem, was hinter ihr lag, spürte sie nur die Wucht des Angesammelten, nicht mehr die einzelnen Er­lebnisse. Der Weg, den sie genommen hatte, schien eine Sinnlosigkeit zu sein,'denn sie war nur von einem Ziel zum anderen gestürmt, mit der Eisen­bahn, mit dem Flugzeug, wieder mit der Bahn, ohne zu bedenken, ob das Geld reichte.

Die Angst, ihr Brief könnte zu früh in Günthers Hände gelangen, und die Sorge, er würde sie irgend­wo auf einer Station verhaften lassen, trieb sie in Syrakus aus dem Zug.

Irgend jemand half ihr von dem kleinen Bahnhof an den Hafen hinunter, wo sie die großen weißen Leiber der Flugboote liegen sah, bia den Verkehr nach bem Festlanbe vermittelten.

Wie weit?" fragte höflich ein Kapitän.Neapel? Rom? Venebig?"

Sie hatte keine Ahnuna, wie es weitergehen sollte, bamit sie irgenbmo ben Anschluß nach München er­reichen konnte. Es war Jf)r im Grunde gleichgültig. Dann lähmte sie das beklemmende Gefühl, daß bas Gelb nicht reichen könnte, unb sie fragte, wieviel es nach Venedig kostete. Sie beherrschte sich wunderbar, als sie ben Preis hörte unb belegte mit einer groß­zügigen Geste einen Platz. Die Frage nach ihrem Gepäck überhörte sie so lange, bis man sie in Ruhe ließ.

Schlimmer war es nur, als man ihr ben Paß abverlangte, um bie nötigen Eintragungen vorzu­nehmen.

Ich habe keinen!" wollte sie sich Herausreben. Ein Butstrom schoß ihr ins Gesicht. Daran hatte sie nicht gebacht. Ihre Ausweise la6en ja wohl irgenbwo auf bem Meeresgrunb und Günther hatte davon ge­sprochen, daß sie nachbesorgt werden müßten, ehe man die Weiterfahrt antrat.

Eine Zeitlang war sie dann ganz allein geblieben in bem Zimmer unb sah sich hilflos auf ben vielen Karten um, bie an ben Wänben hingen. In ihrer aufgestörten Phantasie sah sie sich schon roieber auf bem Rücktransport nach Spaccaforno, hörte bas ironische Lachen Günthers unb hatte große Lust zu meinen.

Eine überlaute Stimme riß sie aus ihrer Nach- benklichkeit, ein Wortschwall überfiel sie unb ein sehr männlicher Hänbebruck zwang sie, bem Grüßenben ins Gesicht zu sehen. Es war Bontempelli, ber Direktor ber Fluggesellschaft, ber vor einiger Zeit bas Unglück über bet Bucht von Sampieri mit noch zwei anberen untersucht hatte.

Karin entsann sich sogar noch ber Fragen, bie er an sie gerichtet hatte, unb ließ stillschweigenb ben Ansturm über sich ergeben. Bontempelli hörte sich noch einmal ihren Wunsch an unb zog bie Augen­brauen Höch, um bie Angelegenheit wichtiger zu machen, als sie war. Erst nachbem er ein paarmal die Falten zwischen Augenbrauen unb Haaransatz quer unb bann roieber horizontal gelegt hatte, schien ihm ein Einfall gekommen zu sein. Er hob sich auf ben Zehenspitzen, wippte wie eine Bachstelze, lächelte Karin an unb bröhnte bie Lösung des verzwickten Zustandes in die Gesichter von drei Beamten:Na­turalimente! Pregol

Ausnahmsweise und weil bekannt durch ein Pro­tokoll, das die Unterschrift ber Antragstellerin trug unb bezeugt war burch ihren Verlobten sowie ben Maler Thomas Bröaer, könne er es ermöglichen, ihr einen Schein auszustellen, ber so etwas wie einen Personalausweis barstellte unb in Italien Gültigkeit hatte. Darüber hinaus allerbinas Bontempelli lächelte formell reiche seine Macht nicht.

Karin gab sich mit allem zufrieben. Die Flugreise schien wenigstens sichergestellt. Der Direktor wünschte ihr eine gute Fahrt und schätzte sich glücklich, baß er für sie so unerwartet etwas hatte tun können.

Neapel Venebig Triest. Im Augenblick ber Erlebnisse waren es brennenbe Feuer, Stunben, in benen sie nur bie gigantischen Silber von Städten unb Lanbschaften in sich aufnehmen konnte, nichts sonst. Nicht bas Wunber bes Golfs von Neapel, nicht bie schimmernbe Schönheit ber Lagunen. In Triest erlöste sie ber beutsche Konsul von ber Sorge ihres Weiterkommens, nachdem fi» zum soundsovielten Male den Absturz geschildert hatte. Wieder schlich die Zeit. Ankunft unb Abfahrt lagen weit ausein= anber, unb boch war sie unfähig, mehr in sich auf­zunehmen, als was im Vorübergleiten in ben Blick kam. Dann bonnerten bie Räber in eine unbezwing­bare Schlafsucht hinein, aus ber sie erst aufwachte, als sie in Wien vom Sübbahnhof aus ben Zug wech­seln mußte.

Der riesige schwarze Bahnhof in München legte sich weniger mit bem unburchbringlichen Lärm ber sauchenben Lokomotiven unb ratternden Räber be­klemmen!) auf ihr Gemüt, als mit ber kaum verstänb- lichen Sprache, bie bie Menschen um sie herum rebe- ten4 Der bayrische Dialekt, von bem wohl eine dunkle und ferne Erinnerung in ihr war, weil Escherichs Vater ihn sich auch drüben in Deutschost bewahrt hatte, hörte sich in dem unbekannten Halbdunkel wie die Sprache einer fremden Welt an.

Eine Dame, die von Salzburg an in ihrem Abteil saß, hatte ihr geraten, in ein Hotel am Bahnhof zu gehen, dessen Name ihr entfallen war. Sie wußte nur noch, daß sie auf der linken Seite hinausgehen sollte. Ob sie jemand um Auskunft fragte? Aus Angst, man könnte sie nicht verstehen, unterlief} sie es unb ging langsam, ben kleinen Koffer, ben sie

sich in Triest gekauft hatte, in ber Hanb, auf den Ausgang zu. Als sie bann im Nachtbunkel bie glühen- ben Buchstaben las, fiel ihr bas Hotel roieber ein. Das holprige Pflaster kam ihr fast heimatlich vor, ba es sie an ben Marktplatz in Arusha erinnerte.

Nun, ba sie am Ziel war in ber Nacht konnte sie nicht gut ihren Onkel wecken unb wenigstens im Hofel eine Stätte fanb, bie biefer Hetzjagb ein Ende machte, brachte sie keine Abwehr mehr auf gegen bie merkwürdig Hingenben Fragen bes Por­tiers. Mein Gott was er alles wissen wollte, um einen großen roten Zettel auszufüllen!

Ja, schreiben Sie ruhig Arusha Deutsch-Ost. afrita!"

Unb Eahrnere Koffer, wo Harns nachher bie?4* Das schien ihn am meisten zu interessieren.

Ich habe keine. Das ist alles!" Sie hob ben kleinen, wie eine Tasche aussehenben Behälter hoch, in bem sie bas Notwenbigste an Wäsche unb Toilette- svchen aufbewahrte.Fragen Sie mich nicht weiter. Ich möchte nur schlafen!" bat sie.

Ja, bitt schön. Wenns nachher bas Zimmer glei zahln!"

Karin würbe rot bis unter bie Haarwurzeln. Sie wußte, baß es nicht mehr reichen würbe, unb hatte sich schon währenb ber Fahrt vorgenommen, sofort am nächsten Morgen zu ihrem Onkel zu gehen, ihm alles zu sagen unb ihn um zwanzig Mark zu bitten.

Zimmer Numero einhunbertunbzwanzig könnt i Eahna gehn!" Er nahm einen Zimmerzettel vom Tisch unb schrieb eine Zahl barauf

Nein, soviel Gelb hatte sie nicht mehr. Es war ihr alles plötzlich entsetzlich peinlich, unb sie wollte mit einer längeren Erklärung ihre augenblicklichen Ver­hältnisse schilbern, als ber Portier mit einem rührend gütigen Blick zu ihr hinübersah unb meinte:Also, nachher gongens in ben brüten Stock hinauf, nach bem mir ben Auszug im Augenblick nicht in Betrieb Ham, bitt schön. Das Weitere besprechen wir morgen! Gute Nacht, Frailein. Schlafens guat!"

Er sah ihr noch nach, bis sie bie paar Stufen hinaufgegangen war unb bann um die Ecke bog.

(Fortsetzung folgt)