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Marsch Berlin - Moskau.

Weg und Kampf unserer Infanterie.

Von Kriegsberichter Franz Ader.

DNB. - . 1. November. (PK.) Den Marsch

nach Berlin haben nacheinander die Polen, die Franzosen und die Engländer mit ihren Hilfs­völkern, zuletzt schließlich auch die Herren Bol­schewiken antreten wollen. Es ist jedesmal anders gekommen. Auch in dem Riesenreich der UdSSR. Vor wenigen Tagen meldete der Rundfunk das Vordringen unserer Panzer bis zu dem äußeren Festungsgürtel Moskaus. Inzwischen ist -unsere Infanterie, den Panzern dichtauf folgend, dorthin gelangt. Es sind Märsche, wie sie die Welt bisher noch nicht erlebt hat, wie sie sich in ihren Stra­pazen, Schwierigkeiten und erbitterten Kämpfen auch die Heimat 'nicht immer richtig vorstellen kann.

Es hat heute nacht geschneit. Eine dünne Schneedecke liegt über der weiten Steppenland­schaft, die dadurch noch trostloser wirkt. Heftiger, eiskalter Wind fegt den Schnee immer wieder hoch und wirft die feinen weißen Körner den Männern in die frostroten Gesichter. Die Straße ist völlig vereist und glatt. Von Schritt zu Schritt hoffen die Marschierenden auf eine bessere Wegstrecke. Die Füße rutschen hier dauernd ab. Die Ausrü­stung drückt, sogar die Mantelenden werden als hindernd empfunden, wenn sie im Wind immer wieder um die Beine schlagen. Das Rutschen und Gleiten ermüdet früher als sonst. Die Muskeln drohen zu verkrampfen. Aber die Straße will nicht besser werden. Da heißt es. wie schon so vft: Aushalten! Auch dieser Marschtag geht vorüber wie so viele andere. Wir lassen uns durch nichts mehr erschüttern! Und es geht weiter, Kilometer um Kilometer.

Das ist nur ein ganz kleines, einfaches Bei­spiel für die Leistungen unserer Infanterie, das sich zu riesenhafter Größe auswächst, wenn man bedenkt: Diese Männer marschieren Tag für Tag, seit dem Großen An­treten des 2 2. Juni, ihre 30, 40 Kilo­meter, 50 Kilometer und noch mehr! Dabei haben sie oft noch schwere Kämpfe zu be­stehen. Man nimmt in der Heimat diese Taten meist noch als viel zu selbstverständlich hin. Man vergißt nur zu leicht, was das heM: Tag für Tag! Man denkt viel zu sehr an das Heute, als daß die Dauerleistung des Morgen, Uebermorgen und so weiter durch lange Wochen greifbar deutlich zum Bewußtsein kommt. Es fehlt zuhause der Vergleich am eigenen Körper, denn was wollen schon die paar Ürlaubswanderungen besagen, von denen man sich am nächsten Tag so herrlich er­holen konnte! Hier aber wiederholt sich Tag für Tag Marsch und Kampf mit einer Unerbittlichkeit, der keiner ausweichen kann. Die Karabiner drücken, das MG., die Munitionskästen hängen bleischwer in den Händen der MG.-Schützen. Die Hüften sitzen in der Umklammerung des patronen­schweren Koppels, in dem die Handgranate steckt. Spaten und Seitengewehr hängen daran. So ging es Tausende von Kilometern. Manche Divi­sionen sind mit ihren Regimentern und Kompanien schon weit mehr als 2000 Kilometer marschiert. Das ist ungefähr die gleiche Entfernung wie der Marsch von Berlin bis nach Moskau. Die glühende Hitze der Sommermonate hat die Gesichter der In­fanteristen gegerbt. Beißender Staub der endlosen Straßen hat sich als dicke graue Kruste darauf ge­legt und ihre Züge entstellt, wenn die Räder der vorüberbrausenden Mot-Kolonnen und die müden Füße der Marschierenden den weißen Sand auf­wirbelten. In den Regengüssen des Herbstes stapf­ten sie daher auf den völlig verschlammten Straßen. Im zähen Lehmbrei wollten die Knobelbecher bei jedem Schritt steckenbleiben, und die schmutzige Brühe lief manchmal in die Schäfte. Die Füße waren

naß, und die tropfenden Zeltbahnen hingen schlaff von den fröstelnden Schultern der Männer.

Jetzt hat Frost die Nässe erstarren lassen, und die Lust ist schwer von Schnee. Und weiter geht der Marsch. Wieder erhebt sich die Frage, wo werden sie die Nacht verbringen? Im Sommer und Herbst waren die Zelte ein Zuhause oder sogar der freie Himmel, pnier dem die ermüdeten Männer so einschliefen, wie sie sich hatten hinfallen lassen. So lagen sie auch bei mancher Rast in den unbequemsten Stellungen im tiefen Schlaf, und nur wer sie so gesehen und ihre Märsche miterlebt hat, weiß um die tiefe Erschöpfung nach solch harten Marsch- und Kampftagen, die der stählerne Wille trotzdem wieder überwand. Als der Regen kam und die Kälte, suchten sie Scheunen auf und die armen Hütten der zerlumpten Kolchosbauern. Wer an der Spitze des Marsches steht und vor dem Feinde liegt, der kauert auch jetzt noch in den Schützenlöchern wie im Som­mer und Herbst. Er deckt die Zeltbahn drüber gegen Regen, Reif und Schnee. Bald wird die Kälte das Graben dieser Löcher unmöglich machen.

Diese unsere Männer von der Infanterie haben im härtesten Kampf die stärksten Bunkerlinien ge­stürmt und durchschritten, sie haben bi? Nerven be­halten, als schwerste Bolschewikenpanzer über ihre geduckten Leiber in den schmalen Panzerdeckungs­löchern sich hinwegwälzten und haben die nach­folgende Infanterie der Sowjets mit ihren MG.s niedergemäht. Sie haben leichtere Sowjettanks auf kürzeste Entfernung herankommen lassen und kalt­blütig mit ihren Panzerbüchsen erledigt. Sie sind tagelang durch Sumpf und Wald marschiert, wenn das Genie ihrer Führung wieder einen eisernen Ring um mehrere Sowjetdivisionen zum Schluß

Washington, 5. November. (Europapreß.) Die Erklärungen Hulls über die Haltung der U S A.« Regierung gegenüber F innland haben in hiesigen politischen Kreisen nur ein geteiltes Echo gefunden, teils sogar auch in interventionistischen Kreisen starkes Befremden ausgelöst. Auf der Presse-Konferenz wich Außenminister Hüll Fragen über den jüngsten diplomatischen Schritt der USA. aus und erklärte lediglich, daß zur finnischen Frage nichts Neues" zu sagen sei.

Gegen den Versuch, auf Finnland einen Druck auszuüben, nimmt in einer öffentlichen Erklärung auch der frühere USA.-Präsident Hoover Stel­lung. Die Finnen, so erklärte er, waren das einzige Volk Europas, das das Geld zurückzahlte, das wir ihnen geliehen hatten. Erst vor zwei Jahren wurde diese friedliche kleine Nation schmählich von der UdSSR, überfallen. Unser ganzes Land feierte Finnlands Widerstand als heroischsten Kampf der Demokratie seit der Schlacht an den Thermopylen. Um etwas zu retten, lieferten die Finnen ein Drittel ihres Landes an die Sowjet­union aus. Daraufhin vertrieben die Kommunisten 600 000 finnische Männer, Frauen und Kinder aus chrer Heimat, die sie 500 Jahre besessen haben. Dalbei durften sie nicht einmal ihre Bettwäsche mitnehmen, um sich vor der Winterkälte zu schützen. Können die USA. jetzt d i e Finnen schmähen, weil sie die erste Gelegenheit benutz­ten, ihre Heimat wieder aufzurichten und ihre früheren Landsleute zu befreien? Haben die USA. jeden Sinn für menschliche und moralische Zu stände verloren?

Der stets antideutsche Rundfunksprecher G o d -

brachte. Sie haben diese beschwerlichen Märsche üurchgeführt, obwohl ihnen Sinn und Ziel natur­gemäß nicht bekanntgegeben werden konnten. Sie haben ihre Befehle befolgt im Glauben und Ver­trauen auf ihre Führung, die weiß, was sie tut. Sie haben im schwersten Abwehrkampf die sturen Rudel der Bolschewisten zurückgewjesen, die in stundenlangen verzweifelten Angriffen den Durch­bruch durch die tödliche Umklammerung erzwingen wollten. Es sind die gleichen Infanteristen, das muß die Heimat wissen, die in der Morgenfrühe solcher Nächte oder am gleichen Tage als Spähtrupp oft viele Kilometer über das Niemandsland bis weit hinter die Linien der Bolschewiken gehen.

Die am Abend hundemüde zurückkommen, viel­leicht verwundete Kameraden von weit her mit­getragen haben, und nun wieder auf Wache ziehen, weit vorne den Horchposten in den fahlen Nächten übernehmen und in den vorgeschobenen Sicherun- gen wartend hinter dem schußbereiten Maschinenge­wehr liegen. Es sind dieselben Männer, vergeßt das nicht, die solche Strapazen pausenlos ertrugen und ertragen und nur selten einen wirklichen Ruhe­tag haben!

Solche Marsch- und Schlachtentage in den weiten Wäldern und Steppen des Sowjetlandes, die er­bitterten Nahkämpfe Mann gegen Mann, die Ab­wehr heimtückischer Heckenschützen und Banden haben diese Männer hart gemacht. Ueber sich selbst hinausgewachsen ist mancher, der früher solche Lei­stungen bei sich selbst nie gesucht hätte. (Eine rauhe Schale haben sie, die Infanteristen, aber ein gol­denes Herz.

In der erbarmungslosen Schule dieses Krieges, in der sie erfahrene Kämpfer geworden sind, haben sie die Entschlossenheit und die eisernen Nerven be­kommen, die für ihre Führer selbstverständliche Vor­aussetzung sind. Jetzt sind sie ihrem Erfolg nahe. Sie werden ihn sich auch durch letzten verzweifelten Widerstand der Bolschewiken nicht mehr nehmen lassen. Der Weg und Kampf unserer Infanterie, die zu fechten, zu sterben und zu siegen versteht, wird seine Krönung finden.

win bezeichnet Hulls Erklärung als herzlos und weist ebenfalls auf die großen Sympathien bin, die man 1940 hier Finnland gezeigt habe, als die tapfere kleine Demokratie, die als einzige Na­tion stets ihre Schulden an die USA. zahlte, sich des brutalen Angriffs der Sowjets erwehren mußte. Jetzt, so fuhr Godwin fort, habe Finnland das Pech, auf Seiten Deutschlands zu stehen, während derblutige Joseph" (Stalin) im Lager desPacht- leih John Bull" stehe und daher von der USA.» Regierung als befreundet angesehen werde.

Der demokratische Senator Clark nannte die Finnland-Erklärungvöllig schamlos". Der republikanische Senator N y e sieht in der Hull- Warnung einen Reflex der USA.-Diplomatie und amerikanischen Denkens.

Helsinki dementiert dreiste Reuter-Lüge.

Helsinki, 5. Nov. (DNB.) Zu der Behauptung von Reuter, daß in Helsinki anläßlich der nord- amerikanischen Vorstellungen an Finnland wegen Zurückziehung seiner Truppen Straßenkund­gebungen in der Hauptstraße erfolgt seien sowie daß die Polizei Verhaftungen vorgenommen habe, wird von den hiesigen amtlichen Stellen mitgeteilt, daß sämtliche derartigen Gerüchte jeder Grund­lage entbehren.

Wieder Demonstrationen gegen Halifax.

Neuyork, 6. November. (Europapreß.) Zu neuen Demonstrationen gegen den. britischen Bot­

schafter Lord Halifax tarn es am Mittwoch ht Cleoeland (Ohio), wo der Botschafter gelegent­lich eines Besuches beim Bürgermeister der Stadt als Kriegshetzer angepran^ert wurde. Eine größere Gruppe Frauen demonstrierte während des Be­suches vor dem Rathaus mit riesigen Plakaten, auf denen Lord Halifax aufgefordert wurde, nach Eng- land zurückzukehren und dasWeiße Haus zu räumen".

Unruhe in der britischen Kernostpolitik.

Schanghai, 6.November. (DNB.-Funkspruch.) Militärische Konferenzen in den verschie» denen Teilen des britischen Fernostimpe- r i u m 5 folgen einander am laufenden Band, und keine schließt, ohne denErnst der Lage" zu beto­nen. Nachdem General W a v e l l, der Oberbefehls- haber der englischen Truppen in Indien, die Kon- erenz mit dem englischen Befehlshaber in Fern­ost in Singapur Sir Robert Brooks P o p h a m abgebrochen hat und plötzlich nach Indien zu­rückgekehrt ist, erwartet man in Canberra die Rückkehr des australischen Generalstabschefs und Oberbefehlshabers General Sir Thomas Blamey zu Besprechungen mit dem aus Singapur in Sidney eingetroffenen Duff Cooper sowie mit dem au­stralischen Generalstabschef Generalmajor Vernon Sturdee in Sidney. Inzwischen versucht der au­stralische Ministerpräsident C u r t i n die Besorg­nisse zu zerstreuen, die mit den Gerüchten über die Rückberufung der australischenStreit- kräfte vom asiatischen Kontinent zusammenhän­gen.

Nach einer Meldung des britischen Nachrichten­dienstes gab der australischen Ministerpräsident Curtin am Mittwoch in Camderra bekannt, daß das australische Kabinett angesichts der Lage im Pazifik seinen Entschluß, eine teilweise moto­risierte Division nach Ueberfee zu schicken, erneut überprüfen werde.

Evakuierungsbesprechungen in Kalkutta.

Bangkok, 5. Nov. (DNB.) Einer Meldung aus Kalkutta zufolge fand am 29. Oktober eine Konferenz zwischen Regierungsbeamten und Ver­tretern der indischen Eisenbahnen sowie der Stadt­verwaltung statt, auf der Maßnahmen für eine Evakuierung der Zivilbevölkerung Kalkuttas im Ernstfälle besprochen wurden.

Vier britische Flugzeugs abgeschoffen.

Berlin, 5. Nov. (DNB.) Deutsche Jagdflieger stellten im Laufe des 4. 11. über dem Kanal einige Gruppen britischer Flugzeuge, die gegen die besetzten Gebiete anzusiiegen versuchten. Die deutschen Jäger stießen in die geschlossenen Ver­bände der Priten hinein und zwangen sie zur Auf­lösung. Einzelnen britischen Flugzeugen gelang es, über das Küstengebiet des Kanals zu kommen, wo­bei sie in den starken Feuergürtel der deutschen Bodenabwehr gerieten. Jäger und Flak schossen ins­gesamt vier britische Flugzeuge ab.

Feiertagöschutz für den 9 November.

Berlin, 5. Nov. (DNB.) Durch eine im Reichs­gesetzblatt erscheinende Verordnung erhält der Ge­denktag für die Gefallenen der Bewegung, der 9. November, in diesem Jahre wiederum Feiertagsschutz. Der Schutz erstreckt sich auf die Zeit von Tagesbeginn bis 14 Uhr. In dieser Zeit dürfen über den allgemeinen Sonntagsschutz hinaus der Unterhaltung dienende öffentliche Ver­anstaltungen nicht stattfinden, sofern bei ihnen nicht der dem kämpferischen Dpfergeift dieses Tages ent­sprechende Charakter gewahrt ist.

Hauptschriflleüer: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter t>e« HmHtichristlett-'rs: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und Bilder: Dr. Fr. W. Lange (edranlt), i. V. Ernst Blumschein: für das Feuilleton: Dr. Hans Thyriot: lüt Stadt Gießen, Provinz, Win- ichaft u. Sport: Ernst Blumfchein.

Druck und Verlag: Brühlsche Universitätebruckeret R. Lange K.G Verlagsleiter: Dr.<-Fng. Erich Hamann: Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel Pl.Nr.6.

Herzlos" undvöllig schamlos".

prominente Amerikaner gegen Roosevelts Druck auf Finnland.

was verflecht und fettig war, machte «Mi frifch und klar!

iMi roäfcht stark verschmutzte ßcrufohlclOung ohne Sette und Waschpulver.

Bekanntmachung.

Die Strom- und Gasgelder im Stadt- und lieber- (anbgebiet sind nach den Lieferungsbedingungen grundsätzlich bei der Ablesung an den Erheber zu zahlen. Geschieht dies nicht, dann können die Strom» und Gasaelder noch innerhalb der nächsten acht Tage ohne kosten an die Kasse der Stadtwerke Gießen, Gartenstraße 3, auf Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 277 07, oder auf die auf den Quittungskarten verzeichneten Bankkonten eingezahlt werden. Bei Ueberschreiten des Zahlungstermins müssen die Bei­treibungskosten berechnet und entrichtet werden.

Dom 15. Jlooember 1941 ab wird die Strom- und Gaslieferung bei allen Abnehmern gesperrt, die die Strom- und Gasgelder für den Ulonaf September 1941 einschließlich kosten noch, nicht entrichtet haben. Die Kosten der Strom- und Gassperre gehen zu Lasten der Säumigen. 4548A

Gießen, den 3. November 1941.

Direktion der Stadtwerke Gießen.

Glieder- und Gelenkschmerzen eine Alterskrankheit?

Nein, solche Beschwerden kommen ht jedem Lebensalter vor, wenn auch häufiger bei älteren als bei jüngeren Menschen. Rheuma kann man in den besten Jahren be­kommen, selbst wenn der Mensch im übrigen gesund und leistungsfähig, ist. Daber erfordern Gelenk- und Glieder­schmerzen besondere Aufmerksamkeit und sorgfältige Be­handlung. Man darf ste nie erst chronisch werden lassen.

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