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Wb Jahrgang Nr. 264

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Gespanntes Japan.

Wk.-Berichterstatter.

Von unserem

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Tokio, Anfang November 1941.

Angesichts der Tatsache, daß der japanische Reichstag selten zuaußerordentlichen" Sit­zungen einberufen wird, hat der nachstehende Beitrag als Ueberblick über die aktuellen politischen Probleme Japans besonderes Ge­wicht.

Der Blick der japanischen Qefsentlichkeit ist nach wie vor mit starker Aufmerksamkeit über den Pazi­fik nach den USA. gewandt. In diesem Blick siegt alles andere als Furcht oder Respekt vor dem lau­ten Kriegsgeschrei, das von den amerikanischen Ufern noch'verstärkter herüberschallte, als General To jo in Rekordzeit sein Kabinett bildete. Man würde die japanische Mentalität sehr falsch ein­schätzen, wenn man aus dieser abwartenden Haltung etwas anderes entnehmen würde als den Ausdruck eines sehr konzentrierten, sehr bewußten Willens, der von klugen und das Kräftefpiel durchaus real einschätzenden Männern geleitet oder gezügelt wird. Die reichlich primitive Gut-Böfe-Manier der Nordamerikaner, die aus dem Kabinettswechsel so- fort voreisige Schlüsse zog, daß die japanische Poli­tik einenFrontwechsel" vorgenommen habe, daß Tojo gleichbedeutend sei mit Krieg im Pazifik, rührt nicht an den Ke'rn der Dinge, soweit sie die japa­nische politische Grundhaltung betreffen: sie sind aber insofern interessant, als von den USA. damit selbst zugegeben wird, daß die Einstellung zu den japanisch-nordamerikanischen Problemen von Sei­ten Washingtons so war, daß ein schlechtes Gewissen die zwangsläufige Folge sein mußte. Man weiß sehr wohl in amerikanischen Kreisen, daß K o - n o y e durch Roosevelts persönliches Verhalten ge­stürzt wurde, man weiß aber auch, daß das Ka­binett Tojo zweifellos eine strengere Zusammen­fassung all der Kräfte ist, die eine klare Linie der japanischen Fernostpolitik anstreben, wobei diese Linie das ist inzwischen mehr als einmal ge­sagt worden durch den japanischen Anspruch auf Führung in seinem Lebensraum und durch den Dreimächtepakt bestimmt und fest­gelegt wird. p,.. ,

Von diesem Standpunkt aus ist es verständlich, daß ganz Japan mit größter Spannung auf Die Einberufung des japanischen Reichs­tages flu einer außerordentlichen fünftägigen Sitzung zum 15. November wartet und dieses Er­eignis durchaus im Vordergrund des Interesses steht, um so mehr, als außerordentliche Reichstags- filjungen ziemlich selten sind. Verfassungsmäßig tagt das javanische Parlament alljährlich während der einmaligen Legislaturperiode von Januar bis März. Die letzte außerordentliche Reichstagssitzung fand im Sommer 1937 bei Beginn des Konfliktes mit China statt. Es ist daher verständlich, wenn man in Japan gespannt aus den 15. November wartet, denn man weiß, daß sich das Prädikat '-außer­ordentlich" nicht nur auf die Sitzungen des Reichs­tages bezieht, sondern auch auf die Ereignisse, die diese Sitzungen notwendig machen.

Unter diesem Vorzeichen sammeln sich auch die verschiedensten Steuerungen und Stimmen zur gegenwärtigen pazifischen Lage wie in einem Brennpunkt: Es ist, als ob das gesamte Japan, repräsentiert durch seine militärische und politische Macht, die in der Presse ihren Niederschlag s«det, mit dem Finger aufmerksam die krummen und ge­raden Linien nachzeichnet, die Roosevelt in sei­ner unbezweifelbaren Einkreisungspolitik gegen das fernöstliche Jnfelreich für gut und richtig- hält. Wenn Roosevelt seinen neuen Busenfreund Stalin ermuntert, seine sibirischen Divisionen nach dem Westen zu werfen, so erkennt Japan daraus den völlig verzweifelten Stand der Sow­jets,' vernimmt aber auch mit dem gleichenInter­esse" der Begriff deckt den Zustand gesammelten Ernstes nicht, den man hier beobachten kann!, daß Roosevelt an Stalin eine Mitteilung geschickt habe, in der sich die Wendung von einerU S A - Macht im Fernen Qsten" befunden haben soll. Von hier aus zu der außerordentlich mageren Acht- Wochen-Bilanz, die man zwangsläufig aus den Ver­handlungen zwischen Tokio und Washington zieht, ist nur ein kleiner Schritt. Das Ergebnis darf als negativ angesprochen werden, was auch aus den Reden und Handlungen nordamerikanischer Poli­tiker der letzten Zeit hervorgeht. Es hat den An­schein, als ob es Roosevelt lediglich auf Zeitgewinn angekommen ist, daß Washington ernsthaft an einer Besserung der japanisch-nordamerikanischen Be­ziehungen nichts gelegen ist. Zu dieser Erkenntms trägt selbstverständlich der unmißverständliche Feuereifer bei, mit dem man in Washington Tfchungking zu stützen und zu ermuntern ver­sucht, und weiter vor allem die neue Welle von Sonderbotschaftern, hohen Militärs, Beratern und Agenten, die Roosevelt nnch Hongkong, Batavia, Tfchungking, Manila, Bangkok und überall dorthin, wo ernordamerikanische Interessen" zu wahren muffen glaubt, geschickt hat.

In diesem Zusammenhang bekommt der für Den Charakter dieser Zeitung ungewöhnliche Artikel m derJapan Times" über England als 4 9. StaatderUSA. einen besonderen Sinn. Es ist kein Geheimnis, daß dieJavan Times" dem Außenministerium in Tokio naheftefft. Wenn die'es Batt in einem großen Leitartikel den Gerüchten über eine mögliche Fusionierung des eng ° lilchen Empire mit den Vereinigten Staaten Roum gibt, dann nur aus dem unaus­gesprochenen Grunde, weil solche Pläne bei ihrer Verwirklichung sehr weitreichende Perspektiven für den ostasiatischen Raum und damit für ^apon er­geben müßten. Man sieht in Hiesigen politischen Kreisen auch in solchen Gerüchten und angeblichen Plänen den Willen, den Druck auf Japan immer mehr zu verstärken, worüber die eilig anberaumten Konferenzen in Holländisch-Jndien, Australien usw. ebenfalls eindeutig Aufschluß geben. Alle diese Vor­gänge werden von der japanischen Prejst mit zu­

nehmender Schärfe der Kritik verzeichnet- In ihrer Gesamtheit besagen sie, daß Japan nicht gewillt ist, auch nur einen Zoll breit dessen zu opfern, was es für die Erreichung feines Ziels für notwendig hält. Wenn in den Blättern dabei zum Ausdruck kommt, daß die amerikanisch-japanischen Beziehun­gen unmöglich so bLeiben können, wie sie augen­blicklich sind, und weiter, daß Japan andere Mittel und Wege finden werde, sollten die USA. die Oel- lieferungen verweigern, so besagt das, daß die zu­gegeben schmerzlichen Verflechtungen der japa­nischen Wirtschaft mit England und Nordamerika bei der Erreichung der gesteckten politischen und lebensnotwendigen Ziele eine sekundäre Rolle spielen. Ein Blatt ging so weit, zu betonen, daß Japan auf jede Gefahr hin und selbst auf unge­wöhnliche Weise sich das Del beschaffen werde, weil eine derartige Handlungsweise für das Bestehen eines modernen Staates notwendig fei.

Damit haben wir genügend Unterlagen gesam­melt, um die Spannung und das Interesse, mit de­nen man hier der außerordentlichen Reichstags­sitzung entgegensieht, verständlich zu machen. Man erwartet in Japan vom Kabinett Tojo mehr als von jedem anderen vorhergehenden die Kundgebung des geschlossenen V o l k s w i 11 e n s. In der

Oer Wehrmachiberichi.

DNB. Aus dem Führerhauptquartier, 5. November. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Auf der Krim wird die Verfolgung sowohl in südlicher wie in o st markiger Richtung fortgesetzt. Trotz schwieriger Geländeverhältnisse ist das Jaila-Gebirge an einer Stelle bereits durchstoßen und die Küste des Schwar­zen Meeres erreicht. Die Luftwaffe bombar­dierte die Krim-Häfen Sewastopol,Jalta und Kertsch und versenkte in diesen Gewässern 2 Transporter mit zusammen 10 000 BRT. sowie ein Bewachungsschiff. Fünf weitere Handelsschiffe und ein kleiner Kreuzer der Sowjets wurden durch Bombenwurf erheblich beschädigt.

Bei Leningrad brach ein nach starker Artil­lerievorbereitung unternommener erneuter Ueber- sehverfuch des Feindes über die Newa unter schweren Verlusten für den Gegner in der deutschen Abwehr zusammen. Von etwa 100 Booten wurde die Hälfte versenkt, der Rest zur Umkehr gezwungen. Wiederholte von panzern unterstützte Ausbruchsversuche des Feindes an der übrigen Lin- fchließungsfront wurden größtenteils schon in der Bereitstellung zerschlagen.

Starke Kampffliegerkräste führten bei Tage schwere Angriffe gegen die für die Kraftwa­gen- und Flugzeugerzeugung bedeutende Industrie­stadt Gorki durch.

Volltreffer schweren Kalibers richteten im Auto­werk Molotow, im Werstgelände an der Wolga

Die zur Halbinsel Krim führende Landenge von Perekop war durch die Sowjets zu einer Verteidi­gungsstellung ausgebaut worden, deren nordsüdliche Ausdehnung von 50 Kilometer die größte Tiefe der Maginotlinie überschritt. Diese mit den modernsten Mitteln ausgebaute Verteidigungsstellung gründete sich auf zwei gewaltige Befestigungssysteme.

Das erste Befestigungssystem lag im Norden der Landenge bei PerekopArmjansk; es schloß den Ta­tarengraben am Südrande von Perekop, wo die Landenge 9 Kilometer breit ist, mit ein. Mit den

-Feldstellungen

-Sperren aller Art

Presse wurde der mutmaßliche Inhalt der Reden be­reits in großen Zügen vorweggenommen, wobei man der Erwartung Ausdruck gibt, daß Tojo, Togo und Fmanzminister Kaya ganz eindeutig Japans Stellung in der gegenwärtigen Situation der Welt­lage festlegen werden.

Es ist in diesem Zusammenhang nicht unerheblich, daß Tojo in diesen Tagen das Hauptquartier der Bewegung für die Unterstützung des Kaiserthrones und die Großjapanische Dstasienliga aufsuchte und im Hauptquartier erklärte, daß diese Bewegung mit frischem, neuen Leben gefüllt werden müsse, um wirkliche Bedeutung zu erlangen und zu politischen Einfluß zu kommen, während er vor der Dstasien- Liga erklärte, daß die völlige Liquidierung des China-Zwischenfalles und die Errichtung des vstasia- tischen Lebensraumes die unabänderlichen Ziele Ja­pans in der gegenwärtigen schwierigen internatio­nalen Situation seien. Japan müsse einig sein, um mit eisernem Willen jedes Hindernis, das ihm in den Weg gelegt werden könnte, zu zerbrechen.

Innenpolitisch hat Tojo bereits mit seinem Amts­eintritt die letzten Beziehungen des Kabinetts zu den alten und abgelebten Parteien durchschnitten, gleich­zeitig aber durch die Einberufung der Sonderses- sion kundgegeben, daß er das verfassungsmäßig ein­gesetzte Parlament als Instrument zur Unterstützung der Regierung und der von ihr vertretenen poli­tischen Auffassung ansieht. Der Unterschied, der hier zum Ausdruck kommt, ist für die straffe und ein­heitliche Auffassung der japanischen Politik durch Tojo bezeichnend.

und in den Bahnanlagen der Stadl große Zerstö­rungen an. Mehrere ausgebreilele Brände entstan­den.

Bei Luftangriffen auf Leningrad konnten kriegswichtige Anlagen in Brand geworfen werden. Auch Moskau wurde in der letzten Nacht bom­bardiert.

Im Seegebiet der Faroers versenkten Kampf­flugzeuge einen Frachter von 5000 BRT. und er­zielten Bombentreffer auf einem weiteren größeren Handelsschiff.

Vorpostenboote wehrten im Kanal wie­derholte Angriffe britischer Schnellboote erfolgreich ab. Im Artilleriegefecht wurden ein feindliches Schnellboot versenkt, zwei andere durch mehrere Treffer beschädigt.

Im Golf von Suez wurde am 3.November ein britisches Torpedoboot durch Bombenwurf eines deutschen Kampfflugzeuges beschädigt.

Britische Bomber unternahmen in der vergange­nen Nacht wirkungslose Angriffe auf West- und Nordwestdeutschland.

Der Führer überreicht das Eichenlaub

DNB.Ausdem Führerhauptquartier, 5. November. Der Führer und Oberste Befehls­haber der Wehrmacht überreichte Mittwoch in sei­nem Hauptquartier Hauptmann G o 11 o b, Grup­penkommandeur in einem Jagdgeschwader, und Oberleutnant Graf von Kageneck, Staffel­kapitän in einem Jagdgeschwader, persönlich das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. «

Vorstellungen und Flankierungen umfaßte das Be­festigungssystem hier fünf mit mehrfachen Gräben ausgebaute schwere Stellungen, die mit allen mo­dernen Waffen ausgerüstet waren. Minensperren und Bunker, Geschützstellungen und Maschinenge­wehrnester sicherten das Gelände zwischen den Grabensystemen wie auch an den Flanken nach dem Meer hin. Dieses nördliche Befestigungssystem, das von den Sowjets stark und zäh verteidigt wurde, wurde von den Verbänden der Armee des Generals der Infanterie von Manstein im Zusammenwirken mit dem Fliegerkorps des Generalleutnants Pflug­beil nach hartem Kampf in der Zeit vom 25. bis 29.9. durchbrochen. 12 000 Gefangene, 34 Panzer­kampfwagen, 197 Geschütze und 497 Maschinenge­wehre fielen in deutsche Hand.

20 Kilometer südlich von Perekop hatten die Sow­jets die zweite Befestigungsstellung der Landenge nördlich Juschun aufgebaut. Das Gelände wird hier nicht nur durch die tief einschneidenden Buchten, sondern auch durch einige Seen zusammengedrängt, sodaß es an der breitesten Stelle nur 2,5 Kilometer mißt. Die Sowjets hatten dieses Gelände unter voller Ausnutzung feiner Bodenbeschaffenheit, die Anlaß zu besonders günstigen Flankierungsstellun­gen gab, in mehr als zehn Kilometer Tiefe so meisterhaft ausgebaut, daß eine Einnahme un­möglich schien. Die deutschen Verbände griffen trotz­dem diese südliche Sperre am 17. Oktober an und durchbrachen sie in außerordentlich härtnäckigen Kämpfen innerhalb von zehn Tagen. Jysgesamt 13 000 Minen wurden hier und im Norden von den Pionieren beseitigt. Der Zugang zur Krim war damit frei. Weitere 15700 Gefangene, 13 Panzer, 109 Geschütze, 409 schwere Maschinengewehre und zahlreiches weiteres Kriegsmaterial wurden er­beutet.

Noch eine dritte Stellung hatten die Sowjets, insbesondere zur Sperrung der Straße nach Sim­feropol, angelegt. Fünf Kilometer südlich Juschun lag ein Derteidigungssystem am Fluß Tschetarlyk, und zehn Kilometer weiter südlich ein weiteres Gra- beyWem feßj AhanSstkalPftnatt. Auch diese

Sibirische Wunschiräume.

Die aktiven Mannschaften, wie die langfristig und gut ausgebildeten Reserven der Sowjetarmeen sind heute nahezu vernichtet ober in deutscher Ge­fangenschaft. Mit der Besetzung des Donezbeckens und der Ausschaltung der Industriegebiete von Le­ningrad und. Moskau sind bereits die wesentlichen Produktionsstätten und die Rohstoffgebiete der eu­ropäischen Sowjetunion sowohl als Rüstkammern wie als Menschenreservoire für die Bolschewisten ausgefallen. Die Rückwirkung dieser Tatsachen auf das innere Gefüge der Sowjetunion und auf die Stimmung in Großbritannien entwickelt sich immer katastrophaler. In London und in Samara hält man es daher schon jetzt für zweckdienfich, einen to­talen Verlust der gesamten europäischen Sowjet­union einschließlich des Uralgebietes ins Auge zu fassen. Daß man damit indirekt zugibt, daß der An­sturm der deutschen Armeen nicht mehr aufzuhalten ist, übersieht man völlig. Auf der Suche nach Mög­lichkeiten, die katastrophale Schockwirkung dieser Lage auf den Widerstandswillen der eigenen Massen abzufangen, ist man nunmehr darauf verfallen, propagandistisch mit den ungeheuren Weiten der asiatischen Sowjetunion und ihren angeblich uner­schöpflichen Industrie- und Menschenreserven zu operieren. Die gewaltigen Entfernungen, welche die deutschen Truppen noch vor sich hätten, sollen es, den englischen und sowjetischen Propagandathesen zufolge, den Bolschewisten erlauben, in aller Ruhe jenseits des Ural neue Verteidigungslinien aufzu­richten und zahlenmäßig starke und gut gerüstete Armeen aufzustellen.

Wie steht es nun mit den sibirischen Hilfsquellen zur Verwirklichung dieses Propagandaraumes? Fünf Voraussetzungen müssen gegeben sein, um den Bol­schewisten eine Fortsetzung des Krieges aus dem asiatischen Raum heraus erfolgreich zu gewährleisten:

1. eine breite Bevölkerungsbasis,

2. ein großes, gut ausgerüstetes Heer,

3. eine gesicherte Produktion an Rüftungs- und Konsumgütern,

4. eine ausreichende Ernährungsbasis,

5. alles zusammen gestützt auf ein geordnetes Finanz- und Transportwesen

Auf Grund sorgfältiger Feststellungen ergibt sich für diese fünf Voraussetzungen folgendes Bild:

1. Don den 188 Mill. Einwohnern der UdSSR.

Stellungen wurden von der deutschen Infanterie den Sowjets im Sturm entrissen. (Scherl-M.)

Sowjetschiffe en der Krimküste unter Bomben.

Berlin, 5. Nov. (DNB.) Die deutsche Luft­waffe setzte auch am 4. 11. die Bombardie­rung der Schiffe, mit denen die Sowjets Truppen und Material aus den gefährdeten Krim Häfen abzutransponieren versuchen, mit guter Wirkung fort. In wiederholten Angriffen gegen verschiedene Häfen wurden große Mengen des zur Verladung bestimmten Kriegsgeräts ver­nichtet und den zur Verschiffung bereitgestellten Sowjeteinheiten schwere blutige Verluste beige­bracht. -

Jalta, das von der deutschen Luftwaffe ge­troffen wurde, ist in der ganzen Welt berühmt als ein Badeort, der in der zaristischen Zeit von der großen Gesellschaft aufgesucht wurde. Zwei Kilo­meter von der Stadt, die heute über 20 000 Ein­wohner hat, liegt das bekannte Zarenschloß Liwa- bia, das heute als Sanatorium verwandt wird. Im Kriege hat Jalta feine Bedeutung durch die Hafenanlagen sowie die hier zusammenlau­fenden Straßen - und Eisenbahnverbin­dungen.

Im übrigen Südteil der D ft front bom­bardierte die deutsche Luftwaffe insbesondere Bahn­linien mit gutem Erfolg. Els in Fahrt befindliche Transportzüge, sieben Lokomotiven und über 125 auf Bahnhöfen abgestellte Eisenbahnwagen ver­fielen der Vernichtung. 26 weitere Züge und drei Einzellokvmvtiven wurden von Bomben getroffen und zum Halten gezwungen.

Sowjetflotte sott sich selbst versenken.

Berlin, 5. November. (DNB.) Im britischen Nachrichtendienst jammerte Frazer über den stürmi­schen deutschen Vormarsch auf der Krim, die er noch vor kurzem alsuneinnehmbar" bezeichnet hatte. Seine größt- Sorge galt der bereits stark dezimierten sowjetischen Schwarze-Meer- Flotte, die durch das Vorgehen der Deutschen auf Sewastopol und Kertsch, wie er sagte, aufs äußerste bedroht sei und sich einem großenSee­drama" gegenijbersehe.Wir können aber überzeugt sein", so erklärte er als echter Brite weiter,daß die sowjetische Vernichtungstaktik auch in den Gewässern des Schwarzen Meeres fortge­setzt werden wird, und die Sowjets ihre Schiffe nicht in die Hände der Deutschen fallen lassen werden."

Ein Hinweis, der an Deutlichkeit nichts zu wün­schen übrig läßt: Auf dem Altar der sterbenskran­ken britischen Plutokratie muß auch die Sowjet­flotte als Todesopfer dargebracht werden. Aber wes­halb sollten die Bolschewisten auch billiger davon­kommen, als alle früheren Bundesgenossen der Krä­mer an der Themse?

London staunt. . .

Genf, 6. November. * (DNB. Funkspruch.) Die Berichte der Londoner Blätter von der Ostfront ste­hen fast ausschließlich im Zeichen der militäri­schen Vorgänge auf der Krim. Fast alle Blätter geben mehr ober minber offen zu, daß man in England über die Schnelligkeit des deutschen Vor­marsches und auch darüber erstaunt sei, daß die deutsche Offensive noch immer nicht ihre Kraft verloren hat.

Der Stockholmer Sonderkorrespondent derTi­mes" nennt die, Einnahme der Hauptstadt der Krim eineneindrucksvollen Erfolg".Daily Telegraph" berichtet, trotz kalten Wetters gebe es noch immer kein Zeichen, daß der deutsche Vormarsch irgendwo an Intensität nachlaije oder gujgehaltell werde.

Das Zaila-Srbirge an einer Stelle durchstoßen nnd die Schwarze-Reer-We erreicht.

Das sowjetische Befestigungssystem aus der Landenge zur Krim.