Der sich jedoch einmal die Mühe macht, die wirk- liche Arbeit zu sehen und die Menschen in den Männern zu juchen, die hier Dienst tun, der wird mit Staunen feststellen müssen, daß hier nad) pein» lichster, langwieriger und schwieriger Ausoildung weltanschaulich klare Nationalsozialisten stehen, die in einer glücklichen Bereinigung von lebenserfahre- nen Praktikern, peinlich und logisch arbeitenden Wirtschaftlern, kämpferische politische Soldaten und anständige, verstehende Menschen in heißer Liebe au Führer und Deutschland ihre Aufgabe meistern. Und diese Aufgaben wiederum können in ihrer Fülle nur stichwortartig genannt werden mit der klaren Einschränkung, daß es in ihrem Wesen begründet liegt, daß man überhaupt nur über einen geringen Prozentsatz dieser Aufgaben öffentlich sprechen kann. Hier gilt derselbe Grundsatz wie bei vielen operativen militärischen Dingen.
Zur Bekämpfung der allgemeinen Volks- und Staatsfeindlichkeit (wie politische Zerf:tzungsoer- -fuchs alter und vom Ausland gesteuerter, unverbesserlicher politischer Gegner) kommt das unerschöpfliche Vielerlei der Tätigkeit gegen Spionage, Sabotage, aegen die krampfhaften Versuche des Feindes, Deutschland zu erforschen und Verräter zu finden, der Schutz der unendlichen Zahl der Rüstungsbetriebe, die unerhört wichtigen Aufgaben der Grenzpolizei mit der damit verbundenen polizeilichen Führung auch aller anderen, Grenzdienst versehenden Organi- sationen, die schier unermeßliche Vermehrung der Tätigkeit durch die Vielzahl der kriegsmäßig bedingten Gesetze und Verordnungen, die Behandlung der Judenfrage, die Steuerung der JudemiusWanderung, die Ausgabe der sogenannten Einwanderungszentrale, die im Rahmen des Gesamtauftrags des Reichsführer ff als Reichskommissar in einem völlig verwaltungsmäßig neuartigen Erfassungsgang die Einfügung der rückgeführten und rückgewanderten Deutschen bis Aum deutschen Staatsbürger durchführt. Die mosaikartige Berichterstattung aus dem Reich, die nüchtern-objektiv der Führung die Gelegenheit gibt, die Auswirkung der staatlichen Anordnungen zu überprüfen und damit die Abstellung eventueller Fehler zu ermöglichen, und vieles, vieles mehr.
Reben der Abgabe vieler Menschen zum reinen Frontwaffendienst der Wehrmacht kommt dazu der sicherheitspolizeilime Einsatz im Rohmen des Hee- res, sowohl zum kleinen Teil als G e h e i m e Feldpolizei, zum überwiegenden Teil aber als besondere sicherheitspolizeiliche Einsatzkommandos mit dem Ziel der politischen Sicherung der besetzten Gebiete. Hier sind selbstverständlich die gleichen Aufgaben, — um das Vielfache vermehrt. Das bedeutet alles eine unendliche Verminderung der verfügbaren Arbeitskräfte im Reichsgebiet und eine unvorstellbare verstärkte Anforderung' an die Einzelleistung.
Ueberhaupt ist hier die Arbeit, des Mannes der Geheimen Staatspolizei und des Sicherheitsdienstes ein qualitativ bedingter, stetiger, stiller Einzeleinsatz mit einer kaum glaublichen kleinen Zahl hervorragender Männer. Stets auf Einzelposten, wird hier qualitativ Ueberragendes gefordert, aber auch geleistet. Die Wirklichkeit steht hier im krossen Gegensatz zur Meinung „Karlchen Misniks", der glaubt, daß die Aufgabe in kleinlichem, charakterlosen und neugierigen Bespitzeln durch ein Heer von Agenten besteht. Natürlich werden überall da, wo Menschen je am Werke sind, Fehler gemacht, — Fehler, die von fachlichen, charakterlichen und auch kräftemäßigen Mängeln herrühren. Letzten Endes entscheidet aber der Wille, der gute Vorsatz, der Glaube und die Leistung.
Und noch eine wichtige Tatsache erschwert unseren Männern — im Gegensatz zu den Kameraden, die bei der Wehrmacht an der Front stehen — abgesehen von dem Glück, überhaupt Frontdienst an der Waf» f en front machen zu dürfen, die Arbeit: Die fol- oattsche Mannestat des Frontsoldaten kann bei der Schnelligkeit des operativen Geschehens sehr schnell durch öffentliche Anerkennung, Auszeichnung und den Erfolg gekrönt werden. Der politische Soldat der „heimlichen Front" dagegen muß schweigend, unerhört geduldig, oft nur anderen politischen Faktoren dienend, schaffen in der Gewißheit, daß seine Tat sehr spät, oft nie öffentlich gewürdigt werden darf. Blitzlichter wie die nach langjährigem Spiel überlistet-en englischen Nachrichtenoffiziere Best/Ste- vens beleuchten diese Seite.
So stehen Sicherheitspolizei und Sicherheitsdienst ihren Mann nach den Weisungen des Führers, unter dem Kommando ihrers Reichsführers ff. Sie wollen nur eines: schaffen und kämpfen für. Deutschland. Ihr Motor ist ihr unerschütterlicher Glaube, ihr Wertmesser soll ihre Leistung sein.
Das Englandhilfe-Geseh.
Jetzt reden sie anders!
Von innerer Berliner Srbnftlettring.
Antrag auf Begrenzung vom Senat angenommen.
Washington, 6. März. (DNB. Funkspruck.) Der Senat begann am Mittwoch nach einer Rede des Republikaners Tobey, der sich gegen das Englandhilfegesetz aussprach und kurzen Ausführungen des Republikaners White, der das Gesetz unterstützte, mit der Beratung der Zusatzanträge. Der Vorschlag des außenpolitischen Ausschusses, das Englandhil-feaesetz auf den 1. Juli 1943 zu begrenzen oder aus jeden früherenZeitpunkt,dcr von der Mehrheit der beiden Häuser gutgeheißen würde, wurde einstimmig angenommen. Wenn der Kongreß das Gesetz nicht früher beendet, läuft das Programm danach in zwei Jahren ab. Bis 1. Juli 1946 wird der Präsident jedoch alle Aufträge durchführen müssen, die bis 1. Juli 1943 vergeben find. Der Senat nahm einen weiteren Zusatzantrag an, der fordert, daß sämtliche Zahlungen von Nationen, die U8A.-Rüstungen erhalten, dem Schatzamt b is 30. Juli 1 946 z u ge leite t werden müssen.
Aufsehen erregten in der Debatte die Ausführungen des Senators Hol man. Er erklärte, Hitler, habe die Kontrolle der internationalen Bant-n über > den Arbeitsertrag des einfachen Volkes in Deutschland gebrochen. „Es ist meiner Meinung nach vorteilhaft, wenn Aehnliches auch für England oder
USA. erzielt werden könnte." Holman erklärte, er stehe der Vorlage jedoch besonders deswegen ablehnend gegenüber, weil sie Roosevelt unbegrenzte Vollmachten einräume. Der Senator bezichtigte die internationalen Bankiers, die er als „jene Internationalisten, bei denen der Patriotismus für irgendeine Regierung erst an zweiter Stelle kommt", bezeichnete, ats^die Kriegstreiber. Sie feien auch diejenigen, die die Vereinigten Staaten in den Krieg trieben. Senator Nye betonte, die Gesetzesvorlage verlange, daß sich die Vereinigten Staaten mit England „zur Ausrottung von Aggressoren" auf dieser Erde zusammentue. $enn das der Zweck der gegenwärtigen Vorlage sei. so müsse geiagt werden, Daß England zu allen Zeiten der größte Aggressor auf der Erde gewesen ist. England habe die Seiten der Weltgeschichte in allen Jahrhunderten als Aggressor gefüllt. Durch seine Aktionen als Aggressor habe England ein Drittel der Welt und Hunderte von Millionen Menschen unterjocht. , Schritt für Schritt bis in die heutige Zeit habe England seine Souveränität ausgedehnt bis zum Empire, das heute nahezu eine halbe Milliarde Menschen umfaßt. Die Blankovollmacht für den Präsidenten bedeute den nationalen Bankrott.
Llbootsschicksale.
Von Kriegsberichter Dr. Wolfgang Frank.
DNB. .... 5. März. (PK.) Eine Flasche Bier für denjenigen, der den ersten Dampfer sichtet, sagte der Kommandant am Beginn der Unternehmung. Das war so Satz auf dem Boot, und wer da meint, das fei zu wenig, der weiß nicht, wie hoch der Seltenheitswert eine Flasche Bier auf einem U-Boot im Kurse steigen läßt. Sie gaben sich alle Mühe — mit oder ohne Bier — aber es war wie verhext: Reingefegt lag die See, weit und blank. „Eine Flasche Sekt", versprach schließlich der Kommandant, „eine Flasche Sekt demjenigen, der mir bis Morgen früh 00 Uhr einen Geleitzug nachweist." Der Tag vergeht, die Nacht vergeht, nichts kommt in Sicht. Kurz nach Mitternacht erwacht der Kommandant mit dem Gefühl, daß er wohl gerne mal auf die Brücke gehen sollte. Oben das graue Dunkel einer hellen Nacht.
Die See wie geronnene Tinte, die Kimm ein wenig heller dagegen abgesetzt. Der Kommandant läßt den Blick langsam um das Rund wandern. Plötzlich hastet er an einem Schatten, schaut schärfer, reißt das Glas an die Augen. „Mensch d a i st doch einer! Steuermann guck mal hin!" „Tatsächlich", sagt der Steuermann, ,chaß ich den aber auch nicht gesehen habe". „Zerstörer", stellt der Kommandant fest. Vorsichtig schleicht sich das Boot näher. Da sehen sie die Dampferkolonnen, sieben, acht, neun, vierzehn, sechzehn Dampfer.
Vorsichtig pirscht sich das Boot heran, läuft wieder ab, wenn es sich gesehen glaubt, umschleicht die stetig dahinziehende Dampferherde von allen Seiten und findet plötzlich den Dreh, der es auf Schuß ° entfernung an einen 6000-Tonnen-Frachter her anbringt. In blitzschneller Folge jagen sich die Befehle, und schon verläßt der erste blanke Aal das Boot, läuft und detoniert mit reißendem Knall unter der vorderen Luke. Sofort sackt das Vorderschiff, und während die Schraube hilflos in der leeren Lust dreht, sehen die U-Bootsmänner, wie drüben helle Sterne aufsteigen, den Treffer anzeigen und wie im Scheine huschender Taschenlampenkegel und plötzlich eingeschalteter Decksbeleuchtung die Besatzung in die Boote geht. Eine Regenboe verschleiert den Rest des Dramas.
Das U-Boot indessen setzt zu seinem zweiten A n g r i f f an. Diesmal gilt es einem fetten Tanker. „10 000 Tonnen", schätzt der Wachoffizier. Schußunterlagen werden durchs Boot gegeben. Frage: Ist Rohr fertig? — Nein, verdammt, das Rohr ist noch nicht fertig, irgendeine Kleinigkeit funktioniert nicht wie sie soll, und schon steht das Boot so nahe an Öem plötzlich zudrehenden Riefentanker, daß cs nur noch mit „hart Ruder" knapp und eben hinter dem Heck des Gegners klarkommt, von dem eine großkalibrige Kanone herabdräut. Alle halten beklommen die Luft an, aber nichts geschieht. Da greifen sie zum zweiten Male an, und,obgleich der Tanker hart
abdreht, treffen sie ihn mittschiffs. Riesig erhebt sich die Detonationssäule. Und dann bringt em plötzlicher Schwall bittersüßen, betäubenden Benzingestankes die Lösung des Rätsels: das ganze Benzin der Tankerladung ist mit der Detonationssäule in die Höhe gerissen, ohne zu explodieren.
Wieder sehen die U-Bootsmänner im Abdrehen die Besatzung ihres Opfers die Boote zu Wasser lassen, während das Boot schon auf ein neues Opfer anläuft. Aber hier wird es gesehen. Der Sechstausendtonner dreht hart. Er will das U - Boot rammen, und wie die Sache aussieht, hat er recht gute Chancen, obgleich das Boot mit höchster Fahrt und wirksamster Ruderlage abdreht. Um Haaresbreite kommt das Boot vor dem Damp- fersteven frei, läuft und schießt auf Kartoffelschmeiß- entfernung feinen Torpedo.
Auf den nächsten! „Herr Kaleunt, dahinten schert einer aus dem Verband aus!" „Wo?" Das Glas wandert herum. „Herr Kaleunt, Bewacher oder Zerstörer liegt auf uns zu, scheint uns aber noch nicht gesehen zu haben. „Danke. Weiter gut im Auge behalten." „Getroffener Dampfer schießt Sterne, läßt Boote zu Wasser, brennt Flackerseuer ab." „Aha, die steigen also auch aus. Sehr gut! — Backbord fuffzehn — beide große Fahrt voraus. Wir nehmen den Abtrünnigen dahinten."
Ab braust das Boot auf den vierten Dampfer zu. „Wieder ein Sechstausender", gibt der Kommandant ins Boot und erteilt die Befehle für die Torpedowaffe. Aber ehe er noch fein Boot ganz herausgebracht hat, brüllt drüben an der ab gekehrten Seite des Frachters eine Detonation auf, genau mittschiffs steigt die grade Todessäule. Der Dampfer zerbricht buchstäblich in zwei Teile, die sich sofort senkrecht stellen, als wollte das Schiff sich zusammenfalten, und noch ehe der Puloergestank die vor Staunen stummen Männer erreicht, sind beide Schiffshälften verschwunden. Eine niedrige, trag ziehende Wolke, ein Strudel — sechstausend Tonnen sind ausgetilgt. Ein Kamerad hat sie ausgelöscht.
Einige Tage später findet das Boot einen kleineren, offenbar leeren Dampfer, der allein nach England fährt. Ein schulmäßig gefahrener Angriff bringt keinen Erfolg. Der Kommandant flucht und will eben auftauchen, um den Dampfer mit Artillerie anzunehmen, als er ein Flugzeug beobachtet, das auf den Dampfer herabstößt. „Deutscher Bomber greift unseren Dampfer an", gibt er ins Boot, und dann „Schade, er hat ihn nicht getroffen. Na, wir treffen ja auch nicht immer". Stunden um Stunden bleibt das Boot dem ahnungslosen Frachter auf der Fährte. Dann kommt die Nacht) Aber da tut es auf einmal die Kanone nicht; irgend ein Teil ist durch Salzwasser ungängig. Dafür schießt der Dampfer, der das Boot entdeckt, gleich aus zwei
Eine trockene und sachliche Feststellung hat ber englische Großadmiral Lord C h a t f i e l d getroffen und damit die ganze Jllusionskampagne Churchills zerstört. Er sagte, Deutschland sei zur See „gleich «stark". Welch eine Wandlung! Bisher redete Eng- ! land immer von seiner ungebrochenen Beherrschung der Meere. Sie war das Axiom, um das sich alles drehte und aus dieser Beherrschung der Meere leitete die englische Politik arrogant die Beherrschung der Nationen her. Und jetzt? Die Verhältnisse haben sich grundlegend gewandelt. Deutschland greift nicht nur zur See England an, sondern zerstört auch durch U-Boote und Fernbomber seine Verbindungsstraßen, also daß selbst der Ernährungsminister der englischen Insel, Lord W o o l t o n , den Engländern jetzt den Schmachtriemen immer enger ziehen muß. Die deutschen Seekriegserfolge haben eben die letzten britischen Phantastereien zerstört. „Ein deutscher Angriff auf unsere Handels- m e g e", sagte der Großadmiral weiter, „ist in Kürze zu erwarten. Der Feind ist im Vorteil." Kann man in kürzeren Worten den Briten ein furchtbareres Bild ihrer Lage malen, als es durch eine erste militärische Autorität Englands selbst geschieht?
Die englischen Plutokraten haben in den letzten Wochen einen bitteren Wermutstrank nach dem anderen sich einverleiben müssen. Es kam der Beitritt Bulgariens zum Berliner Pakt und damit der Hinauswurf auch des letzten Engländers aus dem Balkan. Vergeblich versuchte Eden, der zu den Leuten gehört, von denen der wieder gestattete Londoner Rundfunksprecher Priestley sagte, sie seien, obgleich jung, doch zynisch, wahrend die sonstigen Führer Englands alt und zynisch wären, in Athen eine neue Balkanfront zustande zu bringen. Es ist aus mit den Briten auf dem Balkan. Es ist aus mit dem irren Traum, England könne wie 1914 vom Balkan aus die Front der Mittelmächte aufrollen. Alle Ablenkungsmanöver nützen nichts mehr. Das Wort „z u spät" beherrscht alle verwirrten englischen Maßnahmen. Selbst Amery, noch im November vorigen Jahres als Jndienminister strotzend vor Illusionen, läßt jetzt den Kopf hängen und malt die Lage der britischen Insel schwarz in schwarz.
Vergeblich ist auch die Hoffnung, an die sich die Engländer wie Ertrinkende an einen Strohhalm klammerten, hie U S A.» S) i I f e würde alles und in letzter Minute retten. Ein amerikanisches Blatt nach dem andern hat festgestellt, die U8A.-Anstren- gungen kämen zu spät. Die Bundesschiffahrtsbe- Hörde hatte erklärt, Amerika habe keinen zusätzlichen Schiffsraum für England zur Verfügung und leide febft an Schiffsraumnot.. Und der neue Mann Roosevelts in London, der Botschafter Wynant, sagte, worüber der Londoner Rundfunk berichtet, er sei nicht der Meinung, daß diese Hilfe zu spät käme, aber er sagte es, wie der Londoner Rundfunk selbst zugibt, „vorsichtig und bedacht- s a m". Allerdings, diese Haupt- und Kernfrage ist nur sehr vorsichtig selbst von Anglophilen zu beantworten. Denn eigentlich ist sie schon beantwortet, obgleich wir Deutschen noch vor dem längst erwarteten Endschlag gegen England stehen. E. S.
Geschützen. „Das wollen wir aber nicht einführen", sagt der Schütze am schweren MG. und ballert dem Frachter eine Serie zwischen die Kanonen, daß das Feuer drüben sofort aübricht. Das Boot beteiligt ablaufend die Geschützhemmung und stützt sofort wieder heran.
Inzwischen ist der Mond untergegangen. Das verschlechtert zwar die Sicht, aber für den Angriff hat man es nicht ganz ungern. So, nun ist die Schußentfernung gut. Die ersten fünf Schuß bringen vier Treffer, obgleich der Dampfer sofort wie wild zackt und wieder schießt. Seine Schüsse liegen gar nicht einmal so schlecht, aber wozu hat das Boot seine Maschinenwaffe? Der Schütze versteht sein Handwerk. Das Feuer des Dampfers fällt aus;' er brennt auch schon. Hell schlagen die Flammen aus seinem Brückenaufbau, aus Türöffnungen und Fenstern, Einschußlöchern und Bulleyes. Ah, er stoppt und bläst Dampf ab. Ein Floß wird zu Wasser gebracht. Hellrot, hebt sich seine Silhouette mit Masten und Gabebäumen und Aufbauten vorn dunklen Nacht- Himmel ab. Nun scheint die Mannschaft von Bord ZU sein, und so heult Granate um Granate hinüber. (Es Ist eine prachtvolle Artillerieübung, das Geschütz hat sich gut eingeschossen: Schuß um Schuß
Gießener Vortragsring.
Hans Carossa lieft
Der Dichter und Goethepreisträger 'Hans C a • rossa, zuletzt vor zwei Jahren zur Gießener Goethe-Festwoche bei uns zu Gast, las gestern abend in der stark besetzten Aula aus seinen Büchern. Er begann mit Gedichten, die mit einer Ausnahme der von ihm selbst besorgten Auswahl in dem Jubi- läums-Jnselbändchen Nr. 500 entnommen waren: zuerst die „Geheimnisse" („Stern muß verbrennen ..."), die klaren, sprachlich geläuterten Vierzeiler, die von einem reifen Lebensgefühl und tiefer Einsicht- in bas Vergängliche wie das Bleibende menschlicher Existenz erfüllt sind; dann das Gedicht „Unzugänglich schien der Gipfel ...", jenem in Melodie und Innerer Haltung benachbart, fast schon zu zart für den großen, menschenerfüllten Raum; wie aus der Goetheschen Alterslyrik genommen klingen die Verse ber Spruchweisheit „Was Einer ist, was Einer war..." zuletzt „Das Mädchen von Dobrolani", ein großes Gedicht in strengen, freien Rhythmen aus ber S<häre des „Tagebuches im Kriege".
Die schöne Gelassenheit und Bedächtigkeit, mit ber Carossa vorträgt, kam auch den beiden folgen- den, überwiegend heiteren Prosakapiteln zustatten, die in dem in einigen Wochen erscheinenden neuen Duche „Das Jahr der schönen Täuschungen" enthalten sind; diese Erzählung schließt innerlich an die „Geschichte einer Jugend" an und beschäftigt sich mit Erlebnissen des jungen Münchener Medizinstudenten Carossa. Das erste der beiden Stücke, „Prüfungen", schildert in liebenswürdiger, leise selbstironischer Weise die mancherlei Fährnisie des Prüflings im Physikum, bas damals noch Tentamen genannt wurde. In dieser Schilderung, rückblickend mit gelassener Ueberlegenbeit von ber Höhe und Neife des Lebens auf die Zeit der Frühe und eines vielfältig tastenden Lebensbeginns, waltet eine stille, distanzierende Heiterkeit; man spürt sehr wohl jene eigentürnlich-überpersönliche Mischung aus Angst, Glück und wunderlichem Zufall, die von jeder Prüfung solcher Art auszugehen pflegt, und auch jene spezifische Besonderheit, die für einen Menschen wie Carossa in solcher Lage bezeichnend erscheint, wenn er etwa dem Physiologen Doit das Prüfungsthema
mit dem beschwörenden Gedanken „Blut" suggeriert, oder in einer anderen Station eines drolligen Schreibfehlers wegen als „Herr von Canossa" geprüft oder vom großen Zoologen Richard von Hert- wig hinterher, als schon alles vorbei ist, über wesentliche Unterschiede des Auges beim Menschen und beim Tintenfisch belehrt wird, dem — ein entscheidendes Merkmal — das Sonnenlicht wie das Seelenlicht mangelt.
Die Ergebnisse dieser Vorprüfung spielen auch in bas baran anschließende Kapitel „Ferientage" (im Juli 1898) hinein. Hier sind, im Umkreise der väterlichen Praxis, auf eine merkwürdig einleuchtende, selbstverständlich zwanglose Weise (Erinnerungen und frühe Eindrücke und Erlebnisse sehr unterschiedlicher Art zu einer ruhig und stetig fließenden Erzählung verbunden. Man hört vom Tode der Hausnatter im väterlichen Garten, einen kleinen Nachruf gleichsam auf das Dasein einer ungiftig-geselligen Schlange, schwarzblau, gelbgekrönt, mit einer Silbermünze bestattet. Mit den Namen Bismarcks, der in pnem Sommer starb, und des Königs Ludwig II. verbinden sich andere, die der ruhigen, ländlichen Welt von Carosfas Heimat angehören, die Gestalt des Vaters vor allem, ber an den ersten Gedichten Carossas Kritik übt und, im Hinblick auf die Ergebnisse des Physikums, dem Sohne die Beschäftigung mit dem Repetitorium der Chemie als heilsam-irdisches. Gegengewicht ans Herz legt. Man vernimmt in diesem Kapitel auch, wie der junge Student schwimmend die Donau überquert und damit einiges Aufsehen erregt; wie er, mit Versen von Goethe und Dehrnel, im väterlichen Garten „Unterricht im Dichten" erteilt: erquickliche Beschreibung einer niederbayerischen Poetikstunde, deren Ergebnisse durch reichlichen Genuß von Most und Eierpflaumen jäh zunichte gemacht werden. — Man kann nur ein paar Andeutungen geben, aber es scheint, als ob auch dieses Buch bald viele Freunde finden werde.
Zum Schluß hörten wir abermals einige Gedichte aus der schon genannten Sammlung: di' „Via Appia" und, zwei der schönsten und vergleichsweise bekanntesten Stücke, „Der alte Brunnen" und „Fahrt", ein wunderbar schüchtes Ostergedicht, das wir vor einigen Jahren auch in unserer Unterhaltungsbeilage abgedruckt haben.
Es war ein Abend voll nachhallender Eindrücke,
für den die Hörer mit reichern Beifall dankten. Es dauerte dann noch eine geraume Zeit, bis Carossa, geduldig und unermüdlich, die ungezählten Bitten um ein Autogramm erfüllt hatte. Hans Thyriot.
Gießener Gtadttheaier.
Paul Helwig: „Götter aus Urlaub".
Schon im alten Griechenhimmel sollen sich die Götter gelegentlich einen besonderen Spaß gemacht haben, mit den Menschlein unten auf ber Erde ein bißchen Schabernack zu treiben, unb sie gefielen sich dabei noch als Wohltäter, ohne deren wohldurch- dachtes Eingreifen den Irdischen kein Glück zuteil werden könnte. Es gab auch Menschen, die meinten, sie müßten Vorsehung spielen, um ihren lieben Nachbarn und desgleichen den Himmel auf Erden zu bescheren, unb erst zu spät begriffen, daß ohne ihre überschlaue Kartenmischerei die Dinge in ihrem natürlichen Ablauf weit schneller ans Ziel gelangt wären. Diese species humana ber Schmiede fremden Glücks stirbt nicht aus trotz aller Enttäuschungen, und ihr hält Paul Helwig mit seinem netten Lustspiel amüsant unb witzig den Spiegel vors Gesicht.
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Größeren Dorbilbern hat er den Prolog Im Hirn- mel entlehnt, ber zwei so entgegengesetzten Naturen wie einem Künstler und einem Rechtsrnwalt Gelegenheit gibt, trotz ihrer himmlischen Verklärung doch recht irdische Betrachtungen über das wahre ober vermeintliche Glück Der Erbenkinder anzustel» len. Um aus ber bloßen Theorie ber Schicksalsgestaltung, wie sie ihr himmlischer Leitfaden lehrt, in die blutvolle Praxis zu steigen, begeben sich beide auf einen kurzen Urlaub zur alten Mutter Erde zurück. Für ihre Exvcrimente haben sie sich ein junges Menschenpärchen ausgesucht, bas zu arm Zum Heiraten ist unb beshalb grabe beschlossen hat, auf getrennten Pfaben bas Glück zu erjagen. Das ist gerade das richtige Material für die Götterboten, die es unternommen haben, einmal Schicksal zu spielen. Eine amerikanische Erbschaft soll es machen. Aber siehe da: wie die himmlischen Schicksalsge-
ftalter es auch anfangen mögen, sie müssen sehen, daß sie mit ihren ungeschickten Händen nur größte Verwirrung anrichten unb ber alte Spruch „Reich- tum macht nicht glücklich" sich roicbcr einmal vortrefflich bewahrheitet. Der junge Mann will nicht der reichen Erbin einen mühelosen Aufstieg verdanken unb umgekehrt: bas junge Mädchen möchte nicht in den Verdacht kommen, einen Mann seines Geldes wegen zu heiraten. Die Erbschaft steht ihrem Glück im Wege, und erst als die Himmlischen, betrübt über das Desaster, das sie angerichtet haben, sich endgültig aus dem Staude machen, finden auch die beiden Menschenkinder wieder auf die natürlichste Weife zueinander.
Das an luftigen Einfällen reiche, unterhaltsame Spiel, bas durch einige Verlängerungsspritzen zu einem abendfüllenden Dreiakter geworden ist, hatte die Regie Hans Albert S ch e w e s mit gutem Blick für feine Möglichkeiten frisch angepackt. Der flotte Dialog floß munter dahin, die Pointen saßen sicher, man war mit Lust und Liebe bei der Sache unb wahrte durchweg geschmackvoll den Abstand vom Schwank. Karl Löffler hatte einen wölken- reichen Himmel mit allen modernen Requisiten unb für die mehr irdischen Angelegenheiten ein apartes Interieur geschaffen. Hannelore Hinkel geriert sich anfangs gerne als das, was man in Hamburg gboof' nennt, sie fand dann aber bald den rechten Ton unb damit den Zusammenklang mit ihrem ernster gerichteten Partner, als welcher Hans Caninenberg des Spiels „tiefere Bedeutung" mit sympathischer Haltung demonstrierte. Die beiden Himmelsboten waren in bester Laune. Den Rechtsanwatt machte Martin Held vom Hes- fischen Landestheater in Darmstadt als Gast mit heiter dahinplätschernder Redegewandtheit. Walter Erle als Malersmann ein gefühlsseliger Schwerenöter mit recht irdischen Anwandlungen, holte sich mit seinen Improvisationen einen Sonderapplaus bei offener Szene. Karl Dolck machte mit Würbe den bejahrten Diener. — Die mit so viel Temperament bargebotene Neuheit sand bei dem gut besuchten Hause eine sehr sreunbliche Aufnahme. Es gab viel Beifall unb Blumen für ben Regisseur unb fein Ensemble. Dr. Fr. W. Lange.


