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Nr. 4 Zweites Blatt__________________Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Montag.b.Zanuar 1941

Aus der Stadt Gießen.

Oie Kunst des Bnefschreiden«.

Ist das Briefschreiben wirklich eine Kunst? Wenn wir einmal die vielen Mahnungen und Kla­gen über Schreibfaulheit zusammenzählen wollten, dann könnten mir wirklich glauben, daß das Brief­schreiben eine Kunst sei, die ziemlich schwer zu er­lernen ist Es ist hierbei ganz nebensächlich, um welche Briefe es sich handelt.

Die erste Forderung für den Brtefschreiber be­steht darin, daß er zunächst den Brief den er be­antworten will, sorgfältig durchlieft, einzelne Fragen herausschreibt und sich die Antworten notiert, sonst muß der Empfänger nachher zu seinem Leidwesen feststellen, daß der Schreiber auf seine Fragen über­haupt nicht eingegangen ist, daß er das meiste über­sehen hat Auf diese Weise ergeben sich mühselige Rückfragen, die sehr leicht hätten vermieden werden können.

Es freut doch immer, wenn wir von Freundes­hand Briefe erhalten. Legen wir sie beiseite und antworten nicht, dann werden sie bald ausbleiben. Wir können es unseren Freunden nicht verübeln, wenn sie dann auch schweigen. Das größte fintier nis beim Briefschreiben ist der Satz:Die Antwort

Verdunkelungszelt

in der Woche vom 5. bis 11. Januar: 17.25 Uhr bis

9.25 Uhr.

hat noch Zeit!" Nichts rächt sich mehr als ein Auf- fchieben beim Schreiben. Wir verlieren dann den verbindenden Faden, besonders dann, wenn Fragen aestellt wurden. Will man also die Kunst des Brief­schreibens voll und ganz ausüben, dann muß es heißen: Ich schreibe noch heute!

Auch wenn wir viel zu tun haben und die Briefe nur schnell durchlesen können, sollen wir bei die­sem Entschluß bleiben. 5n den Abendstunden wird sich schon etwas Zeit finden, in der wir die Briefe noch einmal vornehmen, aufmerksam lesen und dann auch sofort in der Stimmung sind, zu antworten.. Wir meinen hier vor allem die rein persönlichen Briefe. (Geschäftliche Fragen werden meistens schnel­ler und kürzer beantwortet, weil ja da unter Um­ständen größere Nachteile eintreten könnten.)

Biele Menschen haben es freilich verlernt, einen guten Brief zu schreiben. Sie telephonieren lieber. Es fehlt ihnen die Ruhe, sich in einer stillen Stunde auf dem Wege des Briefes zu unterhalten. Das ist schade: denn ein solcher Briefwechsel, in dem wir Ge­danken austauschen, hält die Freundschaft aufrecht. Nur müssen wir bit Sache auch richtig anfassen. Wir sollen uns beim Briefschreiben ganz in den Empfänger hineinversetzen und uns fragen: Was möchte er wohl gern hören?

Menschen, die nur an sich denken, werden kaum gute Briefe schreiben können.. Auch auf die Länge des Briefes kommt es gar nicht an. Seitenlange Er­klärungen, Entschuldigungen über Zeitmangel usw., all das gehört überhaupt nicht in einen guten Brief. Es ist tatsächlich pjel schwerer, einen guten kurzen Brief zu schreiben, als lange Ausführungen zu machen Daß wir in Briefen an Verwandte und Freunde keine Phrasen schreiben, versteht sich von selbst. Die Briefe sollen obwohl wir von der Kunst des Briefschreibens sprechen ganz unge­künstelt und natürlich sein.h.

Eintopfgerichte am 5. Opfersonntag.

Der Leiter der Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe hat für den nächsten Opfer- sonntag a)n 12 Januar für die Zeit von 10 bis 17 Uhr in allen deutschen Gaststätten folgende Ein­topfgerichte zugelassen: 1. Kartoffel- oder Gemüse­suppe mit Fleischeinlage, 2. Kohlrüben, Weiß- oder Wirsingkohl, gedämpft mit Fleischeinlage, 3. Ge­müsetopf nach Wahl.

Ortszeit für den 7. Januar.

Sonnenaufgang 9.36 Uhr, Sonnenuntergang 17.28 Uhr. Monduntergang 3.19 Uhr, Mondaufgang 13.33 Uhr.

Getreide- und Futtermittelwirtschaft mit Zustim­mung des Reichsmimsters für Ernährung und Land­wirtschaft anordnet, daß die Ablieferung der sich auf Grund des bestehenden Berfütterungsoerboles ergebenden Brotgetreidemengen für alle landwirt­schaftlichen Erzeugerbetriebe mit dem 1. März 1941 beendet sein muß, so darf von allen Betriebssüh- rern erwartet werden, daß sie alle Kraft daran« setzen, dieser Forderung zu entsprechen. Nur wo es trotz aller Anspannung, auch der letzten Arbeits­kraft und Arbeitsmittel, aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht möglich ist, sieht die Anordnung vor, wenn 90 v. H erfüllt sind, daß der Rest bis zum 15 April 1941 abzuliefern ist. Diese Formu­lierung der Anordnung, die die grundsätzliche Er­wartung der Gesamtlieferung von Brotgetreide vis zum 1. März 1941 in sich schließt, schafft also ledig- lich die gesetzlichen Voraussetzungen für Abliefe­rungsmöglichkeiten in diesen betriebswirtschaftlich besonders gelagerten Fällen, auch nach dem 1. März 1941 bis spätestens zum 15. April 1941.

Richtig verhalten in dunklen Straßen!

Volksgenosse! Gedankenloses und hastiges Heraus- treten aus erleuchteten Räumen in die Dunkelheit ist gefährlicher Leichtsinn. Bleibe darum, wenn du aus einem Hellen Raum auf die Straße treten willst, erst einige Sekunden stehen und schließe die Augen. Du gewöhnst dich so an die Dunkelheit. Aeltere und gebrechliche Leute sollten bei Verdunkelung der Straße möglichst fernbleiben oder sich von rüsttgen Personen begleiten lassen.

Oie Gewichtsfeststellung bei Hausschlachtungen.

Durch einen Runderlaß des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft vom 6.12.1940 sind die Vorschriften über die Gewichtsfeststellung bei .Hausschlachtungen geändert worden. Danach sind, soweit es sich um Hausschlachtungen der Selbstver­sorger der Gruppe a und b handelt, zur Verein­fachung der Verbrauchsregelung bei der Hausschlach­tung von Schweinen bestimmte Anrechnungsgewichte festgesetzt -worden, die grundsätzlich der Anrechnung zugrunde zu legen sind. Nur in begründeten Aus- nohmefällen kann das Ernährungsamt eine amtliche Gewichtsfeststellung zulassen. Bei den Hausschlach­tungen der Selbstversorger der Gruppe c sowie bei allen Hausschlachtungen von Rindern, Kälbern und

TlGKOV.-Arbeit von heute.

Oie Betreuung der Hinterbliebenen und der Versehrten dieses Krieges.

Die Aufgaben, welche die NSKOV. gegen­wärtig zu leisten hat, sind gegenüber der Zeit vor dem Kriege wesentlich erweitert worden. Welche Arbeiten im Vordergrund stehen, berichtet der Leiter eines Amtes für Kriegsopferversorgung bei einer Gauleitung.

richtete Organisation ist, der vom Führer verant­wortungsreiche Aufgaben übertragen roorben sind, gilt es doch, in dieser Gliederung der Bewegung einen anvertrauten Kreis von Menschen bestens zu umsorgen und sich im Rahmen dieser Arbeit um alles zu kümmern

Bis zu Beginn des Krieges bestand die Aufgabe der NSKOV. darin, die Weltkriegsteilnehmer zu betreuen. Mit Ausbruch des Krieges ist dem Amt für Kriegsopfer und damit der NSKOV. durch eine Verfügung des Stellvertreters des Führers, Reichs­minister Rudolf Heß, zusätzlich die Betreuung der Hinterbliebenen und Versehrten dieses Krieges übertragen worden.

Die NSKOV. gliedert sich gemäß Aufteilung der Gaue in Kreise in Kreisamtsleitungen. Die Kreise ihrerseits sind in Kameradschaften ausgeteilt, innerhalb deren Ortsbeauftragte und darüber hin­aus Walter tätig sind. Weiter arbeiten ehrenamtlich Kreisbetreuerinnen,Kameradschaftsbetreuerinnen und Helferinnen mit.

Wie wickelt sich die Arbeit der NSKOV. ab? So­fort, nachdem die Nachricht von einem Todesfall eintrifft, macht eine Hinterbliebenenbetreuerin, die im Weltkrieg ihren Mann verloren hat, also eben­falls Kriegerwitwe ist, einen Hausbesuch bei den Hinterbliebenen. Gerade diese seelische Betreuung durch eine Kriegerwitwe hat sich als außerordentlich segensreich erwiesen, da hier die Frau zur Frau spricht. Die Hinterbliebenenbetreuerin vermittelt dann einen Besuch der Hinterbliebenen bei der zu­ständigen Dienststelle der NSKOV., oder einen Be­such eines Amtswalters der NSKOV. bei den Hin­terbliebenen selbst. Dieser Besuch gilt in erster Linie der Besprechung und Vorbereitung des Ver­sorgungsantrags, wobei der Amtswalter bei der Abfassung der Niederschriften behilflich ist. Diese Anträge werden von der Abteilung Betreuung der Gaudienststelle dem zuständigen Wehrmachtsfürsorqe- und Versorgungsamt eingereicht, das auf dem Weg über die Dienststelle der NSKOV. den Hinterblie­benen 'Fcffheih zi'kamm-" föM

Die NSKOV. ist den Hinterbliebenen jedoch nicht nur bei der Stellung der Versorgungsanträge be­hilflich, sondern betreut sie in jeder Weise fürsorge- risch im engsten Emvernehmen mit den zuständigen Fürsorgestellen. Ob es sich nun um einen Antrag auf Niederschlagung von Ehestandsdarlehen oder andere Unterstützung bandelt, all' diese Arbeit hat zum Ziel, die Hinterbliebenen von wirtschaftlichen Sorgen und Nöten die sie vielleicht bedrücken, zu befreien.

Neben der Betreuung der Hinterbliebenen nimmt sich die NSKOV. insbesondere der aus dem Heeres­dienst Entlassenen an und bemüht sich, diesen nicht irgendeinen, sondern einen geeigneten und zweckent­sprechenden Arbeitsplatz zu vermitteln, wobei eng mit dem Wehrmachtsfürsorgeoffizier, der Deutschen Arbeitsfront und den Kreisfürsorgestellen zusammen­gearbeitet wird.

Ganz besondere Beachtung wird der Erbolungs- fürsorqe geschenkt Trotz des Krieges erfährt die Erholung für die Kriegsbeschädiaten und Krieger- Hinterbliebenen keine Unterbrechung. Die Hinter­bliebenen aus dem jetzigen Krieg werden auf An­trag der NSKOV in die Heime der NSV entsandt. Erwähnt zu werden verdient, daß Generalgouver­neur Reichsminister Frank dem Reichskriegsopfer- führer ein Heim in Zakopane zur Verfügung ge­stellt hat, in dem schwer versehrte Polenkämpfer auf vier Wochen kostenfrei untergebracht werden können.

Hingewiesen werden muß auch noch auf die Frontkämpfersiedlunqen der NSKOV., die nach dem Kriege stark ausgebuut werden sollen Die soldatische Haltung der kriegsbeschädigten Frontsoldaten findet ihren Niederschlag in dem Dienst bei den Ehren- und Schießabteilungen der NSKOV., wie überhaupt bervoraehoben w»rden muß, daß die NSKOV nicht eine Sammelstelle für Rentenempfänger, sond-rn eine nach nationalsozialistischen Grundsätzen ausge-

Dornotiren

Tageskalender für Montag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Bismarck", 19.30 Uhr NSGKraft durch Freude":Festliches Va­riete". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße.Der liebe Augustin".

Stadttheater-Spielplan vom 7. bis 12. Januar.

Dienstag, 7. Januar:Der Ahnenpaß" Schwank von Neal und Frank. 15. Dienstag-Miete.

Mittwoch, 8. Jan.:Der Vogelhändler", Operette von Karl Zeller. 15. Mittwoch-Miete.

Freitag, 10. Jan.:Der Vogelhändler", Operette von Karl Zeller. 16. Freitag-Miete.

Samstag, 11. Januar: Gefchl. Veranst. für KdF. 16er Ring, 7. VorstellungDer Dogelhändler", Operette von Karl Zeller.

Sonntag, 12. Januar: Nachmittags-Fremdenvor­stellungDer Ahnenpaß", Schwank von Neal und Frank. Außer Miete. AbendsMadame Butterfly", Oper von Giacomo Puccini. Außer Miete

HS-GlMiuslW A Kraft önrm Stenöe

Das kdF.-Monalsheft

mit feinem reichhaltigen Inhalt ist erschienen. 48D

Brotgetreideablieferung ist nationale pflicht

NSG. Die strikte Beachtung des Verfütterungs- verbotes für Brotgetreide und die fristgerechte Brot­getreideablieferung stellen eine unabdingbare natio­nale Pflicht jedes landwirtschaftlichen Betriebsfüh­rers dar. Wenn die Hauptvereinigung der deutschen

Au« dem neuen Bismarck-Film.

Lil D a g o v e r als Kaiserin Eugenie und Paul Hartmann als Bismarck in der Szene der Kaiserproklamation zu Versailles. (Foto: Tobis-Klagemann.)

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Ein Tobis-Film im (Gloria-Palast.

Wir haben kurz vor Weihnachten das Bismarck- Buch von Rolf L a u ck n e r hier angezeigt: in ihm sind bereits in einer neuen, sozusagen buchfilmischen Form alle Szenen des späteren Drehbuches enthal­ten, das Lauckner gemeinsam mit dem Spielleiter Wolfgang .Liebeneiner geschrieben hat Der Stofs für einen historischen Film, welcher das Genie und das Lebenswerk Bismarcks darstellen will, ist so außerordentlich, daß man auf den ersten Blick einsieht, welche Schwierigkeiten sich der Verwirk­lichung des Planes entgegenstellen schon in dem Umstande, daß mit der Geschichte Bismarcks nicht nur ein gewichtiges Stück preußisch-deutscher, son­dern allgemein europäischer Geschichte im 19. Jahr­hundert heraufbeschworen werden muß.

Selbst wenn man sich auf einen Ausschnitt aus dieser enormen Stoff-Fülle beschränkt, ergibt sich immer noch die Notwendigkeit scharfer Konzentra­tion. Solche Notwendigkeit prägt den eigentümlich impressionistischen Stil, dessen sich Buch und Spiel­führung für diesen Film bedient haben: sie verkürz­ten die vielfältigen Linien des Geschehens auf die Ä Diagonalen, welche auf der europäischen irte und im diplomatischen Spiel der Mächte in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts für die Entwicklung der Geschichte bestimmend waren Sie sahen diese Entwicklung vom preußischen Blick­punkt aus, der sich unter Bismarcks Staatsführung folgerichtig zum allgemeindeutschen ausweitet. Sie fetzten in schnellen Ueberblendungen Bild neben Bild, Grenzen überspringend und oft weit entfernte Schauplätze für das Auge des Beschauers faßbar zusammenrückend In all diesen, meist ganz kurzen Bildern ist die Erscheinung Bismarcks, selbst da, wo sie einmal nicht sichtbar wird, was verhältnis- waßig selten vorkommt, die innere Mitte.

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Der Ausschnitt, von dem die Rede war, umfaßt die folgenschweren Jahre von 1862 bis 1871, ge­nauer von der Ernennung Bismarcks zum preußi­schen Ministerpräsidenten bis zur Kaiserproklamation in Versailles, eigentlich nur bis zur Entscheidung bei und vor allem nach Königgrätz, mit der Bismarck gegen äußerste Widerstände, selbst des Königs, der ihm bis dahin oft widerstrebend, aber immer wie­der vertrauend und in solchem Vertrauen niemals

enttäuscht, den Weg zur Verwirklichung des zweiten Reiches der Deutschen freimacht. Was zwischen die- en äußersten Polen in der Bilderreihe beschlossen liegt, konnte nur mit jener Verkürzung erreicht werden, von der ebenfalls schon gesprochen wurde, mit der Konzentration auf die Hauptstationen des von Bismarck bestimmten preußischen und deutschen Schicksalsweges. Man hat sich dabei im wesentlichen an Züge und Bilder gehalten, die im Bewußtsein des Publikums als lebendig vorausgesetzt werden konnten und sehr wirksam auch anekdotisch oft wie­derholte Einzelheiten aufgegriffen, wie zum Bei­spiel dar bekannte WortDer Mut ist ganz auf Seiten Eurer Majestät", Bismarck zeitunglesend auf der Rednertribüne des Landtags oder die Zigarre von Königgrätz.

Die Hauptstattonen: Kabinettskrise in Preußen ;m September 1862; Ernennung Bismarcks zum Ministerpräsidenten. Mit dieser Ernennung hatte Bismarck so ziemlich alles gegen sich: den Landtag, die Parteien, die öffentliche Meinung, soweit sie in der Presse zum Ausdruck kam, und vor allem die königliche Familie. Aber er nahm den Kampf auf für den König, der bereits die Abdankungs­urkunde im Schreibtisch liegen bat, für Preußen, und hinter der Großmacht Preußen taucht schon das Bild eines größeren einigen Deutschen Reiches unter Preußens Führung auf. Bismarck schließt den Landtag und setzt die Heeresreform durch, die schon so gut wie abgelehnt schien. Bismarck er­zwingt gegen äußerste Widerstände das Fernbleiben Preußens vom Bundestage in Frankfurt, wo Oester­reich die Initiative der kommenden deutschen Poli- ttk an sich zu bringen hofft. Bismarck besttmmt die Haltung Preußens und Oesterreichs in der wenig später akut werdenden schleswig-holsteinischen Frage, ohne die dort nach 1864 zwischen Preußen und Oesterreich sich herausbildenden Mißstimmigkeiten verhindern zu können aber er hat sich inzwischen für den Fall einer möglichen bewaffneten Ausein­andersetzung in einem gewagten diplomatischen Spiel Frankreichs Neutralität gesichert. Abermals Tumult im Landtag und Schließung des Landtags. Das Revolverattentat Cohen-Blinds. Das Verhältnis zu Oesterreich wird unhaltbar. Königgrätz entscheidet über die Vormachtstellung im kommenden Reiche Nach dem Siege sind noch einmal das ganze Ge­wicht von Bismarcks politischer Autorität und die Vermittlung des inzwischen für Bismarck gewonne­nen Kronprinzen erforderlich, um den König zu einer Haltung zu bestimmen, welche eine der wefent-

lichsten Voraussetzungen des nun folgenden Weges nach Versailles bildete.

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Damit mag der Grundriß eines an Szenen und Figuren überreichen historischen Bilderstreifens auf- aezeichnet fein. Der Regisseur Liebeneiner, der sich seither in manchen großen Filmen künstlerisch auf eine vielfältige und bestechende Weise legiti­miert hat,'fand in Lauckners Szenarium die dankbarsten Anregungen für seine überquellende Bild- und Spielphantasie. Er verstand es, das Ge­schichtliche mit dem Menschlichen, das Politische mit de/u Persönlichen auf eine so notwendige wie an­ziehende Weise zu verschmelzen, ohne dabei vom heutigen Blickpunkt aus unsachliche Korrekturen vor­zunehmen. In seiner Darstellung halten sich das große repräjentatioe Bild und die kammerspiel­mäßig intime Dialogszene (oft von äußerstem diplo­matischem Belang und entscheidendem Schwerge­wicht) gerechterweise die Waage. Infolge der un­vermeidlichen Derkürzuna und Zusammenrückung der Ereignisse erhält der Bildvorgang eine Konzen­tration, eine Tempobelebung und eine innere wie äußere Spannung, welche den Zuschauer bis ganz zuletzt in Atem hält.

Die Anlage des Buches wie auch der Stil der Inszenierung prägen sich auch auf eine merkwür­dig-charakteristische Weise in der Darstellung aus. Der Personenzettel weist (abgesehen von einer recht umfangreichen Statisterie) über 70 Namen auf. Trotzdem hat dieser Film eigentlich nur zwei wirk­lich große und daneben kaum eine Handvoll grö­ßerer Rollen. Daß dennoch das Gesamtbild nicht in vielen (sehr wejentlichen) Teilen zum leeren und gestellten geschichtlichen Kolossalgemälde erstarrt, ist vor allem der klugen und geschickten Führung Lie­beneiners, der entsagungsvollen Beschränkung nam­hafter Darsteller auf wenige kurze Szenen, selbst wenige Worte ... und überdies einer Vollkommen­heit historischer Maskenbildnerei zuzuschreiben, wie sie nicht häufig so individuell und einheitlich er­reicht wird.

Das gilt in erster Linie für Paul Hartmann, der den Bismarck spielt und seinen zahlreichen frühe­ren Filmrollen eine neue, großartige, vielen ge­wiß unvergeßliche Leistung anfügt. Der äußere Eindruck schon ist verblüffend und entspricht voll­kommen der durch zahllose Bilder bekräftigten leben­digen Vorstellung, die sich der Deutsche vom Grün­der des zweiten Reiches macht. (Dis auf den fom»

pctthisch-sonoren Sprachklang; Bismarcks Stimme war nichtmarkig", sondern überraschend hoch und verhältnismäßig leise, ohne oratischen Glanz.) Hart» mann vermittelt über dies Aeußere hinaus ein fo überzeugendes wie gewinnendes, aus vielen Einzcl- zügen sich formendes Bild der überragenden Per­sönlichkeit, des großen Menschen und genialen Poli­tikers Bismarcks, der trotz weitreichenden Vollmach­ten und außerordentlichen Befugnissen auf einem erstaunlich, manchmal erschütternd isolierten Posten steht und kämpft, der jeden seiner Gedanken, jeden innen- und außenpolitischen Erfolg gegen die hef­tigsten und erbittertsten Widerstände verwirklichen muh.

Vielleicht den schwersten Kampf kämpft er gegen den König, dessen Instinkt sich zu Bismarck bekennt, obwohl er ihn keineswegs immer begreift, keines­wegs immer billigt, obwohl der Ministerpräsident ihm manchmalunheimlich" ist, und obwohl alle immer wieder leidenschaftlich gegen denLandjun­ker" sind. Die schlichte Größe, die sich in stillem Vertrauen, in kluger Bescheidung und schwerer Ent­scheidung in Gewissenskonflikten bewährt, kommt wunderbar zum Vorschein in Friedrich K a y ß l e r s Darstellung, der dem königlichen Wort sein Gewicht durch die Haltung eines preußischen Edelmannes in großer, verpflichtender Tradition und Verant­wortung verleiht.

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lieber die übrigen Rollen, soweit sie im Gesamt­gefüge von etlichem Gewicht sind, wurde schon eini­ges bemerkt. Rein bildmäßig am charakteristischsten wirken Walter Franck als Napoleon III., ein kalt- verbindlicherGeschäftsmann auf dem Thron", Werner Hinz als Kronprinz und Lil D a g o v e r als die sehr hübsche, sehr elegante, fast kokett kon- versierende Kaiserin Eugenie. Dann die leidenschaft­lich opponierende Königin Augusta der Frau Kop­pen Höfer, Harald Paulsen als geschmeidiger Diplomat Benedetti, Karl Haubenreißer als Virchow im Landtag, eine (besonders im Vergleich mit der Darstellung von Krauß im Robert Koch- Film) interesjante Leistung. Endlich Otto Gebühr, diesmal nicht Fridericus, sondern König von Sach­sen, und Käthe. Haack als Johanna von Bismarck: die Rolle ist so klein, daß nicht mehr gegeben wer­den konnte als das sympathische und glaubwürdige Bild einer Frau, von der Bismarck einmal gesagt hat, daß er ihr alles verdanke. Der Film erhielt die Prädikatestaatspolitisch wertvoll" und .fünffr lenfch wertvoll", x Hane Thyriot,