Mackensen.
Zum 92. Geburtstag des Generalfetdmarschalls.
Generolfeldmarschall von Mackensen begeht am 6. Dezember seinen 92. Geburtstag. Es ist dem Generalfeldmarschall nicht in der Wiege gesungen ge- wesen, daß er einmal ein berühmter Feldherr werden würde, denn sein Lebensweg nahm zunächst einen ganz anderen Verlauf. Er wurde zunächst Landwirt, bis diese friedliche Arbeit durch den deutsch-französischen Krieg eine jähe Unterbrechung erfuhr. Er zeichnete sich mehrfach aus, so daß sein Divisionskommandeur erklärte: „Sie versprechen, ein so ausgezeichneter Offizier zu werden, daß es ein Unrecht wäre, Ihre Dienste dem Staate zu entziehen. Sie müssen auf alle Fälle Soldat bleiben." Trotzdem studierte Mackensen zunächst in Halle, bis schließlich der Vater in den Berufswechsel ein- willigte. 1873 trat er als Leutnant bei den 2. Leibhusaren ein. Ohne die Kriegsakademie besucht zu haben, wurde er später in den Generalstab berufen. Es würde zu weit führen, Mackensens Der- dienste im Weltkriege in allen Einzelheiten darzu- leaen. Sein hervorragender Anteil an der Befreiung Ostpreußens, an dem Feldzug im Herbst 1914 gegen Warschau, der Siegeszug durch Galizien und Polen 1915, die Niederwerfung der Serben, die Wacht am Balkan, die Eroberung der Dobrudscha, der Feldzug in Rumänien, die Rückführung der Truppen und das ergreifende Finale des Selbstopfers, das Mackensen durch einjährige Internierung franzö- pscher Rachsucht brachte, all' das sind unvergessene Ruhmestaten. Am 6. Januar 1919 schreibt er aus Futak in Ungarn, wo er interniert ist, an seine Gattin: „Mit der Internierung meiner Heeresgruppe können die Franzosen nicht prahlen, denn diese ist ihnen entschlüpft. Aber mit meiner Festhaltung können sie nun sich und die revanchelüsterne, urteilslose Menge in Paris beweihräuchern. Ehre macht ihnen das nicht, und mir selbst können sie weder meine persönliche Ehre noch die Erfolge in Feldzügen nehmen. Vielleicht rechnet mir ein späteres deutsches Geschlecht es auch einmal zur Ehre und als Erfolg an, 200 000 deutsche Soldaten der Internierung entzogen und dafür mich selbst preis- gegeben zu haben. Das Gefühl, meine Schuldigkeit getan und alle mir erteilten Aufträge erfüllt zu haben, ist mein höchster Lohn." Unermüdlich kämpft« der Generalfeldmarschall, in die Heimat zurückgekehrt, für ein neues Deutschland. Tief beglückt dankt er dem Führer für die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht. Bei zahlreichen Anlässen ist er Zeuge feierlicher Akte, die der Heldenehrung, dem Gedächtnis großer Tage, der Weihe von Symbolen der neuen Wehrmacht dienen. Ihren sinnfälligsten Ausdruck fand die durch seine Person verkörperte Verbundenheit zwischen altem und neuem Heer in seiner Ernennung zum Chef des Kavallerieregiments 5 (Stolp), das die Tradition der beiden Leibhusarenregimenter und der Blücherhusaren wahrt. Auch der Dank Preußens bleibt nicht aus. Nachdem Ministerpräsident Göring bereits im Herbst 1933 Mackensen in den Staatsrat berufen hatte, stellte im Sommer 1935 das Staatsministerium dem Führer auf dessen Wpnsch die Domäne Brüssow in der Uckermark zur Ueberreichung an den Feldmarsckall zur Verfügung. Adolf Hitler verlieh mit dieser Dotation dem Dank von Volk und Vaterland sichtbaren Ausdruck. An dem Freiheitskampf des deutschen Volkes nimmt der Generalfeldmarschall mit heißem Herzen Anteil. Möge ihm sein Wunsch, die siegreiche Beendigung dieses Krieges zu erleben, in Erfüllung gehen!
werden. Manche Berufe sind auch in großen Betrieben nur vereinzelt penreien. Andere locenscyen sind in Heineren Betrieben tätig, in denen eigene Berufserziehungsmaynahmen nicht durchgefuhrt werden können. 0'ür diese Volksgenogen steyen die überbetrieblichen Berufscrzieyungswerke der Deutschen Arbeitsfront zur Verfügung.
Eine ganz besondere Aufgabe ist die Berufs- crziehung des Unterführernachwuchses (Jndustriemeifter usw.). Hier handelt es sich um die Menschen, denen die unmittelbare Sorge für die Werktätigen der Betriebe übertragen werden soll. Es ist daher notwendig, daß die Betriebsführer die Wichtigkeit der richtigen Auswahl erkennen und ihr besondere Sorgfalt widmen.
Das Aufgabengebiet der Berufserziehung ist in der kurzen Zeit seit der Machtübernahme so groß geworden, tkiß es in dem Deutschen Berufserziehungs- werk zusammengefaßt werden mußte, dem die verschiedenen Berufserziehungswerke auf einzelnen Berufsabschnitten angeschlossen sind. Hier bestehen die Berufserziehungswerke der Reichsarbeitsgemeinschaft für den Fremdenverkehr, für Kurzschrift und Maschineschreiben (Deutsche Stenographenschast), für das Deutsche Handwerk und für Betriebe der Luftfahrtindustrie. Geplant ist das Berufserziehungswerk stir Ingenieure und Techniker.
Eine gewaltige Arbeit leistet so die Deutsche Arbeitsfront im Auftrag der Partei, um entsprechend unseren weltanschaulichen Forderungen den deutschen Menschen zu höchster Leistung zu befähigen und ihm dadurch die Grundlage zu geben, auf der die soziale Zufriedenheit wächst. Den Nutzen davon haben der deutsche Mensch und das deutsche Volk, das mit den durch das Berufserziehungswerk der Deutschen Arbeitsfront herangebildeten Fachkräften seine Aufgaben erfüllt. Aber auch jeder einzelne Betrieb ist Nutznieße» dieser Arbeit dadurch, daß seine Menschen leistungsfähiger werden. Die Partei fordert daher mit Recht, daß die Wirtschaft diese so wichtige Arbeit mit allen Mitteln unterstützt.
Jeder Betriebsführer hat d-ie Aufgabe, die Menschen an die Berufserziehun"smatzi'"hmen heranzuführen, durch die sie auf ihrem Berufsweg gefördert werden. Er muß stets darauf bedacht sein, geeignete eigene Bsrufserziehungsmaßnabnien durchzuführen. Daneben soll er es als seine Pflicht ansehen, die Gründung und Fortführung der überbetrieblichen Einrichtungen der Deutschen Arbeitsfront nach bestem Können zu unterstützen. Denn aus dieser Arbeit wachsen die leistungsfähigen und zufriedenen Menschen, die unsere deutsche Wirtschaft braucht, um die gewaltigen Zukunftsaufgaben zu meistern.
Es ist die unbedingte Pflicht jedes Betriebsführers, die Gröhe der ihm gestellten Aufgabe zu erkennen: denn es ist eine Frage- des Weiterbestehens jede- Betriebes, ob er diese Forderung der Partei erfüllt oder nicht. Willig wird der größte Teil der deutschen Betriebsführer seinen Beitrag leisten, daß dem deutschen Volk und jedem einzelnen Betrieb der notwendige Nachwuchs sichergestellt ist. Wer abseits steht und das heute noch nicht begreift, wird auf den richtigen Weg geführt werdem Die Deutsche Arbeitsfront als Amt der Partei wird ihre ganze Kraft einsetzen, daß unserem Volk die Fachkräfte zur Verfügung stehen, die es für die Bewältigung der ihm noch gestellten Aufgaben braucht.
Roosevelts Bündnis mit dem Bolschewismus.
Die Nordamerikaner haben eine Sensation von besonderem Reiz: Der Erzbischof von Baltimore und Washington, C u r l e y , hat sich in einer Kanzelrede in der schärfsten Weise gegen Roosevelts Kriegspolitik gewandt. Vor allem verurteilt er das Zusammengehen Nordamerikas mit Stalin, dem „blutbesudelten Mörder", der gegrinst habe, während in der Ukraine drei Millionen Menschen Hungers starben. Er erklärte ferner, Amerikas neu gefundener „Freund" sei verantwortlich für die Ermordung von 20 000 Bischöfen, Priestern und Nonnen während des Bürgerkrieges in Spanien. Unter seinem Einfluß seien in Spanien eine Viertelmillion Menschen hingemorder worden. Die amerikanische Presse ist der Auffassung, daß der Angriff des Erzbischofs auf Roosevelts Kriegspolitik in den Vereinigten Staaten weitgehende Folgen haben würde. Die Rede ist deshalb von Bedeutung, weil damit zürn erstenmal ein Kirchenfürst öffentlich und von der Kanzel herab die Kriegspolitik Roosevelts in dieser schroffen Weise und mit Hinweis auf die Verbrechen Stalins und seiner Henker verurteilt. In einem Interview, das der Erzbischof einem Zeitunaskorrespondenten gab, bezeichnete er Stalin als Mörder von Millionen seines eigenen Volkes. Er scheute in seiner Kritik auch nicht davor zurück, ehemalige 08^.-Divlomaten in rücksichtsloser Weise bloßzustellen, weil sie früher
Mozart und tv'r.
Reichsminister Dr. Goebbels auf dem Staatsakt der Wiener Mozartwoche.
Wien, 4. Dez. (DNB.) Reichsminister Dr. Go e b- b e l s hielt auf einem Staatsakt im Rahmen der Mozart-Festwoche in der Wieser Staatsoper eine Ansprache, der zahlreiche Gäste aus dem internationalen Musikleben, Vertreter ausländischer Regierungen, des Diplomatischen Korps und neben vielen Kulturschaffenden des Reiches als Vertreter des deutschen Volkes Verwundete und Rüstungsarbeiter aus allen Gauen beiwohnten. Dr. Goebbels würdigte den musikalischen Genius Wolfgang Amadeus Mozart.als ein Sinnbild für die geistige Zeugungskraft unseres Volkes und pries das beispiellose Schaffen dieses begnadeten Meisters, dessen Ruhm durch eine Fülle unvergänglicher Werke durch Jahrhunderte sich weiter vererbt. Mozarts Musik gehöre mit zu dem, was unsere Soldaten gegen den wilden Ansturm des östlichen Barbarentums verteidigten. Stärker als irgendein anderes künsllerisches Werk sei sie in den Besitz der breitesten Massen unseres Volkes übergegangen. Wie kaum ein anderer erfülle gerade Mozart die große Mission der Kunst, die Herzen der gequälten Menschen zu erheben und sie in eine bessere Welt zu entrücken. Dr. Goebbels beschrieb dann den kometenhaften Aufstieg dieses musikalischen
Genies und die fast unvorstellbare musikalische Konzentrationskraft dieses jugendlichen Genies, das in seinem so kurz bemessenen Leben der Menschheit Meisterwerke von einmaliger Größe schenkte. Mozart als Beherrscher der vollendeten musikalischen Formen habe sich nicht darauf beschränkt, nur für bevorzugte Stände und Kenner artistischer Musik zu schreiben; er ist ein Volkskünstler in des Wortes bester Bedeutung. Wer weiß heute noch, daß beispielsweise die Melodie zu dem Lied „Heb' immer Treu und Redlichkeit" von ihm stammt? Volkstümlicher Geist lebt in seiner ganzen Musik, und viele seiner Arien gingen in den vollen Besitz unseres Volkes über. Mozarts Schaffen falle in eine Zeit politischer und wirtschaftlicher Zerrissenheit des Reiches. So hoch man Mozart manchmal in feinem Leben ehren mochte, er endete fast unbekannt, um durch feine Kunst in das ewige Leben einzugehen. Ihm heute unsere tiefe Verbundenheit und Dankbarkeit zu bekunden, fei uns Freude und Genugtuung, denn er gehöre uns und werde uns ewig gehören. Seinen erhebenden Ausklang fand der Staatsakt mit Regers Variationen über ein Thema von Mozart.
die Blutpolitik Stalins verurteilt haben und ihn heute als großen Staatsmann feiern.
Gerettete des ȧormoroif*.
Berlin, 4. Dez. (DNB.) Ein leer treibendes Rettungsboot des von der „Cormoran" versenkten australischen Kreuzers „Sydney" wurde in der Nähe der australischen Westküste aufgefischt. Der australische Ministerpräsident C u r t i n sah sich ge- äen, auf Grund vieler Anfragen zu erklären:
L nach der ersten Salve des „Cormoran" wurde bie Brücke der „Sidney" getrogen und die zentrale Feuerleitung zerstört. Die Zahl der Geretteten des „C o r m o r a n" beläuft sich auf 320. Es mühte daher mit dem Verlust von etwa 80 Mann der Besatzung gerechnet werden. Die Liste der Geretteten liegt noch nicht vor.
Neue Regierung in Albanien.
Rom, 4. Dez. (Europapreß.) Das albanische Kabinett Verlaci ist zurückgetreten. Mit der Aufstellung eines neuen Kabinetts ist Senator Mustafa Merlika Kruja betraut worden. Der neue Ministerpräsident erklärte der italienischen Nachrichtenagentur Stefani, daß die Personalunion zwischen dem italienischen und idem albanischen Staat in eine Gemeinschaft Iber b eiben Völker umgewanbelt werden soll. Die neue Regierung werde auch der albanischen Jugend eine besondere Pflege durch die Schule und die | Organisationen der faschistischen Partei Albaniens ! zukommen lassen. Nach dem neuen Regierungspro- I gramm soll die Arbeit auf allen Gebieten gefördert I werden. Ferner ist eine strenge Rechtsprechung vorgesehen.
Die Nationale Legion in Belgien aufgelöst.
Brüssel, 4. Dez. (Europapreß.) In Belgien wurde von der Militärverwaltung die Nationale Legion aufgelöst, deren Tätigkeit stark deutschfeindlich war. Die Nationale Legion war nach dem Weltkrieg gegründet worden. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen hat die Legion ihre Mitglie- bermerbuna fortgesetzt. In einer schlagartig durch- geführten Aktion wurden Schußwaffen und große Bestände illegalen Propaganda- und Hetzmaterials sichergestellt. 61 Personen sehen ihrer kriegsgerichtlichen Bestrafung entgegen.
Meine politische Nachrichten.
Der vom Reichsarbeitsminister bestellte Sonder- treuhänder für das Baugewerbe hat eine Reichstarifordnung erlassen, die eine Neuregelung der allgemeinen Arbeitsbedingungen im Baugewerbe enthält.
General M o s c a r d o , der Verteidiger des Alcazar, der sich auf einer Reise zu der spanischen Division an der Ostfront befindet, wurde vom Oberbefehlshaber des Heeres, Generalfeldmarschall von Brauchitsch, in seinem Hauptquartier empfangen.
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Die in Mexiko ansässigen Japaner verlassen in der nächsten Woche mit dem japanischen Dampfer „Tatuta Maru" über Mazlatan Mexiko.
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In Mexiko lehnte der Sengt einen Antrag ab, der den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit
dem Deutschen Reich und Italien sowie die Ausnahme der diplomatischen Beziehungen zur Sowjetunion und zu de Gaulle forderte.
Reichejugendführer Axmann von schwerer Verwundung genesen.
(Aufnahme: Scherl-Bilderdienst sBauerj.)
Berlin, 4. Dez. (DNB.) Reichsjugendführer Arthur Axmann hat seinen D i e n ft nach Herstellung feiner Gesundheit wieder ausgenommen. Zu Beginn des Feldzuges im Osten wurde Reichsjugendführer Axmann an der Spitze seines Zuges beim Kampf um bolschewistische Bunker schwer verwundet, nachdem er schon im Westen an zahlreichen Spähtruppunternehmungen zwischen Westwall und Maginotlinie teilgenommen hatte.
Oie Aerzteschast im Kriegseinsah.
Auf einer Versammlung der Münchener Aerzte- schaft sprach der Stellvertretende Reichsärzteführer, Prof. Dr. Blome, über den Einsatz der Aerzte- schast im Kriege. Er zeigte, daß heute bei der Anspannung aller Kräfte aktuelle ärztliche Fragen auch Fragen sind, die die gesamte Oeffentlichkeit berühren, denn von der Leistungsfähigkeit der deutschen Aerzte hänge der Erfolg der Gesundheitsfuh- rung ab, die sich bisher so günstig gestaltet habe. Niemand denke an eine Versozialisierung des Aerztestandes, denn jeder Eingeweihte wisse, daß die Wurzeln der Kraft dieses Berufes im freien 21 erste tum ruhten. Gesundheitssiche- rung und Krankheitsvorbeugung seien gewisse wichtige Aufgaben, die erst von der nationalsozialistischen Gesundheitsführung in ihrer Bedeutung erkannt und angepackt worden seien. Aber mit ihnen. allein sei das kostbare Gut der Gesundheit des Volkes nicht zu erhalten. Wissenschaft und Forschung dürften daneben nicht vernachlässigt werden, und man nütze der Volksgesundheit zweifHos am meisten, wenn die Freiheit des ärztlichen Berufes und die freie Arztwahl immer wieder betont würden. Natürlich könne auch hier die Freizügigkeit in Kriegszeiten nicht ungejü^elt sein. Denn über allem stehe als oberstes Gebot die Sicherung der ärztlichen Be
treuung unserer verwundeten Soldaten und die Sicherstellnug der ärztlichen Versorgung der schaffenden Zivilbevölkerung. Nach dem Kriege werbe das nationalsozialistische L e i st u n g s p r i n z i p auch im Aerztederuf wieder voll zur Geltung kommen können.
Aus aller Welt.
Brücke über den Connecticut-Fluß zusammengestür'zt.
Associated Preß meldet, daß ein Teil der im Bau befindlichen neuen Brücke über den Connecticut- Fluß zusammenbrach. Zehn bis zwölf Arbeiter sind ertrunken, zwanzig wurden ins Krankenhaus eingeliefert.
Beim Bohnerwachskochen verbrannt.
In Ihringshausen bei Kassel verdünnte eine Frau auf dem Küchenherd Bohnerwachs mit Spiritus. Das Gemenge fing Feuer und steckte sofort die Kleider der Frau und über dem Herd aufgehängte Wäsche in Brand. In ihrer Angst hielt Die Frau ihr noch nicht ein Jahr altes Kind zum Fenster hinaus, bis Hilfe aus der Nachbarschaft kam, die das Kind auffing. Die dreiköpfige Familie mußte in das Krankenhaus gebracht werden, wo die Frau ihren schweren Verletzungen erlag.
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Explosion inRaumS
Roman von H.C. Hansen
Copyright by Prometheus-Verlag Dr.Eldiadcer, Gröbenzell b.München
5. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Bärbel ließ sich nicht verblüffen. „Unter anderen Umständen könnte ich das auch nicht. Aber als ich am Tage nach der Explosion zum Dienst kam, war das Unglück natürlich Tagesgespräch bei uns. Wir Mädel unterhielten uns darüber, wann wir Herrn Wand zuletzt gesehen hatten ftnd dabei sprach ich von dem Verlauf des vergangenen Nachmittags. Ich sagte noch zu meinen Kameradinnen, daß Herr Kaspar erst um halb sieben aus dem Werk gegangen sei, kurz vor mir, und daß zwanzig Minuten später die Explosion erfolgte."
„Sie haben also keinen Zweifel, daß die Zeitangaben richtig sind?"
„Nein, Herr Kriminaldirektor, auf keinen Fall."
„Herrn Crusius gegenüber äußerten Sie, es sei ein Mord geschehen. Wie kommen Sie zu dieser Behauptung?
„Wenn zwei Zeugen vor Gericht unter Eid falsch aussagen, dann müssen sie ein schlechtes Gewissen haben. Es ging in der Verhandlung um das Unglück, bei dem Herr Wand ums Leben kam. Ein schlechtes Gewissen kann in diesem Fall nur jemand haben, der an dem Unglück schuld ist. Wäre er ohne Absicht schuld, könnte er das ruhig gestehen. Lügt er aber, bann ist er beteiligt. Und deshalb gebrauchte ich den Ausdruck Mord."
„Ein bißchen schnell kombiniert", lächelte Ball, „aber immerhin nicht ganz unbegründet, vorausgesetzt, daß alle Ihre Beobachtungen stimmen. Irren kann jeder, und unsere Pflicht ist es, jeden Irrtum nach Möglichkeit auszuschatten."
„Jetzt habe ich eine Frage, die sehr heikel ist, besonders wenn man sie an eine Frau richtet. Wer
ein Verbrechen begeht, tut es nie ohne Grund. Bei einem Mord müssen schon sehr schwerwiegende Gründe vorliegen. Sie bezichtigen nun einen Ihrer Chefs des Mordes, ohne dafür andere Beweise als ziemlich fragliche Indizien zu haben. Ich gehe wohl nicht fehl, wenn ich vermute, daß Sie sich auch schon Gedanken über die Gründe oder den Grund gemacht haben, der Herrn Kaspar, einen bis heute völlig unbescholtenen Mann von bestem Leumund, zu einer derart ungeheuerlichen Tat bewogen haben sollte."
„Weil er immer in Geldverlegenheit ist", sagte Bärbel schnell. Dann sprudelte sie weiter. „Schon seit ' Jahren geht das so. Herr Kodelt, Herr Wand und Herr Kaspar sind mit gleichen Anteilen an der Firma beteiligt, also jeder mit 33% v. H. Es wurde immer so gehandhabt, daß am Jahresschluss die Gewinne gleichmäßig auf die drei Inhaber verteilt wurden. Vor drei Jahren bohrte Herr Kaspar so lange bei den beiden anderen, bis jedem von ihnen ein Gehalt bewilligt wurde, so daß sie nun monatlich wie jeder Angestellte ein Gehalt beziehen. Und von unserem Kassierer weiß ich, daß Herr Kaspar manchmal sein Gehalt sich schon für zwei und drei Monate im voraus geben lässt. Ausserdem soll er feinen Anteil am Werk bei einer Bank verpfändet haben."
„Nanu?!" Ball beugte sich weit vor und sah mit einem schnellen Blick, daß auch Kommissar Kammin aus seiner Ruhe erwachte, die ausgegangene Zigarre neu anzündete und heftig zu paffen begann. „Genaue Einzelheiten können Sie wohl kaum angeben?"
„Nur einiges. Ich war wiederholt Zeuge von Gesprächen, die zwischen den drei Inhabern geführt wurden, bis Herr Kaspar mit seinem Wunsch auf Aussetzung eines Gehaltes durchdrang. Herr Kobelt und Herr Wand wollten zuerst nicht. Dann machte Herr Kaspar ihnen klar, daß diese Gehälter auf Unkostenkonto gingen und sich steuerlich für die Finna besser auswirkten. Ob das stimmt, weiß ich natürlich nicht. Einmal sagte Herr Kaspar auch ziemlich aufgebracht, er sehe nicht em. warum die drei Inhaber als Direktoren kein Gehalt beziehen sollten. Das werde in den meisten Firmen so gehandhabt.
Und er hätte^ keine Lust, immer ein ganzes Jahr.aus neue Einnahmen zu warten."
„Wie hoch sind die Gehälter, die sich die Herren selbst bewilligt haben?" x
„Tausend Mark im Monat."
„Wer ist der Kassierer, der Ihnen von der Bankverschuldung Herrn Kaspars erzählte?"
„Der zweite Kassierer Kirsch.'' Bärbel wurde rot. Sie sah zu Michel hinüber, der sich auf die Lippen biß. „Sie sollen ganz klar sehen, Herr Kriminaldirektor", fuhr Bärbel hastig fort. „Ich war mit Herrn Kirsch eine Zeitlang befreundet, bis — bis ich Herrn Crusius kennenlernte."
„Ach so." Doktor Ball lachte behaglich. „So lobe ich mir meine Beamten, Sie lassen sich nicht aus dem Felde schlagen. Noch eine Frage, Fräulein Eberhard: Sie sprechen davon, daß es Ihnen unbegreiflich sei, wie wenig sich Herr Kaspar aufgeregt habe, als sich herausstellte, daß bei der Explosion auch die Pläne und Berechnungen der neuen Erfindung zerstört worden waren. Welche Schlüsse ziehen Sie daraus?"
„Herr Kaspar ist gleich oben hinaus, wenn etwas schief geht. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie er bei den geringsten Anlässen lospoltert, besonders dann, wenn er glaubt, das Werk, und damit auch er, fei geschädigt. Von der Erfindung Herrn Wands wußte er. Sie war nach der Ueberzeugung Herrn Wands sehr wichtig, sollte also auch entsprechenden Verdienst bringen. Zwischen der Firma und Herrn Wand als Privatperson bestand ein Vertrag, nach dem dieser für feine Erfindungen einen besonderen Gewinnanteil erhielt, der je nach den Erträgnissen verschieden war. Der größte Tell siel aber der Firma zu. Herr Wand hatte also sein Drittel an den Gesamteinnahmen und eine Sondervergütung.
Nun beruht die Produktion unserer Firma saft zur Hälfte auf den Verbesserungen und Erfindungen, die Herr Wand gemacht hat. Jede neue Konstruktion bedeutete für das ganze Werk einen Fortschrit. Das mußte Herr Kaspar besser wissen als jeder andere im Hause.
Trotzdem war er ganz ruhig und gelassen, als sich nach dem Unglück herausstellte, daß Die neue Erfindung für die Firma verloren blieb. Herr Wand war tot, und die Pläne sind vernichtet. Wir haben uns alle gewundert, daß jetzt kein Krach losging. In jedem anderen Fall, auch wo es sich um viel kleinere Beträge gehandelt hätte, würde Herr Kaspar losgetobt haben und wochenlang keine Ruhe gelassen haben, bis auch der letzte Winkel durchsucht war. Diesmal ordnete er zwar auch genaue Nachforschungen an, blieb aber völlig gelassen, als sie ergebnislos verliefen."
„Haben Sie noch eine Frage an Fräulein Eberhard?" fragte Doktor Ball den Kriminalkommissar Kammin.
„Nein, heute nicht, vielleicht später einmal.* Kammin stand auf. „Aber ein Protokoll will ich aufnehmen. Kommen Sie mit, Fräulein! Er stapfte zu der Tür, die in lein Zimmer führte, machte sie auf und ließ Bärbel an sich vorbei, die nach einem fragenden Blick auf Ball und dessen zustimmendem Oiiden dem hünenhaften Kommissar gefolgt war.
„Haben Sie einen Wunsch?" fragte Ball Michel, als er mit diesem allein war.
„Nein, Herr Kriminaldirektor, warum?" bekundete Michel erstaunt.
„Ich an Ihrer Stelle würde jetzt versuchen, wenigstens für diesen Fall aus dem Bettugsdezernat zum Morddezernat zu kommen."
„Wenn das ginge?!" Michel wurde rot vor Freude.
„Geht. In diesem Ausnahmefall. Sie sind nun einmal an der Klärung des Falles beteiligt. Ich werde das Weitere veranlassen. Morgen melden Sie sich bei Herrn Kommissar Kammin zum Dienst!"
„Ich danke Ihnen, Herr Krimmaldirektor."
„Leisten Sie etwas, das ist der beste Dan*'" Ball reichte dem jungen Beamten bfe" Hand.
(Fortsetzung folgt)


