Erfolge der Deutschen im Osten auch sie treffen. Der Neuyorker Sender weiß daher auch bereits zu berichten, daß in Großbritannien in der Oeffentlich- feit mehr und mehr gefordert wird, die Sowjetunion durch Schaffung einer neuen britischen F r o n t zu unterstützen, da Materialhilfe hier allein nicht helfen könne. Es fragt sich jetzt, ob die Ge- neräle Zeit und Entfernung nicht stärker sein werden als der Sergeant Bluff.
236 britische Flugzeuge im Oktober vernichtet.
Berlin, 4.Mov. (DNB.) Die Briten verloren bei ihren militärisch wirkungslosen Einflügen über den Kanal und in das Reichsgebiet während des Monats Oktober 236 Flugzeuge. Die Mehrzahl der Abschüsse, allein 82, erfolgten durch deutsche Jäger, dazu kamen weitere 24 Abschüsse durch Nachtjäger. Flakartillerie schoß 69 britische Flugzeuge ab, andere deutsche Kampfflugzeuge 10, Marineartillerie vernichtete 47. 3 Flugzeuge stürzten ab und eines ist notgelandet. Die ganze Ueberlegenheit der deutschen Luftwaffe zeigte sich besonders im Lustkampf der Jäger gegen Jäger. Die Briten verloren in diesem Kampf nämlich 68 Spitfire, während dabei nur 5 deutsche Jagdflugzeuge verlorengingen. Das bedeutet, daß die Briten fast 14 Jagdflugzeuge verloren, ehe ein deutsches Jagdflugzeug abgeschossen wurde.
Aus der Stadt Gießen.
Dom Lachen.
Daß das Lachen dem. Menschen allein gegeben ist und ihn wie die Sprache vom Tier unterscheidet, hat man oft hervorgehoben, um den hohen Wert dieser Fähigkeiten zu bezeichnen. Schon Aristoteles hat beobachtet, daß die Kinder früher weinen als lachen, und daraus geschlossen, daß das Lachen erst mit dem Aufdämmern des Verstandes auftrete.»Ein Gelehrter wollte vom Lachen auf die verschiedenen Temperamente schließen; er meinte, daß die Choleriker „Hahaha", die Phlegmatiker „Hehehe", die Melancholiker „Hihihi" und die Sanguiniker „Ho- hoho" lachten. Karl Julius Weber, der „lachende Philosoph", führt diese Psychologie des Lachens weiter aus: „In der Regel drückt sich das volle laute Lachen durch A aus; das spöttische, grinsende nähert sich dem E; das Kichern der Jugend und des schönen Geschlechtes gleicht dem I; das frohe Lachen der überraschten Freude dem O, und das U scheint
Derdunkelungszeit
5.11. von 17.45 dis 8.23 Uhr.
MeLrnährungwirdingerechlerWeisesichergestM
Oer Sauleiter sprach zu den Leitern der Ernährungsämter.
NSG. Auf einer Tagung des Landesernährungs- amtes Hessen, zu der sich die Leiter der Ernährungs- ämter und die Bezirksbauernführer des Gaues am Dienstagvormittag in der Gauhauvtstadt Frankfurt am Main versammelt hatten, sprach Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger über das oerantwor- tungsvolle Aufgabengebiet der Lebensmittelver- sorgung.
Mit einem politischen Ueberblick über die Kriegsursachen verwies der Gauleiter zunächst auf das vom internationalen Judentum zur Vernichtung des Reiches eingesetzte Mittel der Hungerblockade, um daran die besondere Verpflichtung herauszustellen, mit der sich die Arbeit der Ernährunasämter der erfolgreichen Abwehr dieser teuflischen Absicht widmen muß. „Die jüngsten Ereignisse", so führte der Gauleiter u. a. aus, „lassen erkennen, daß der judi- che Vernichtungswille nicht davor zurückschreckt, nach ;em Falle Stalins einen neuen Messias in der Gestalt Roosevelts als völkerverhetzendes und kriegslüsternes Werkzeug zum Einsatz zu bringen." Die nüchterne Erkenntnis dieser Tatsachen zeige, wie notwendig es war, uns auf einen Kampf von jeder möglichen Dauer einzurichten. Die Sicherstellung
unserer Ernährung sei dabei eine der vordringlich- sten Aufgaben.
Die Rede behandelte dann den organisatorischen Aufbau der Landesernährungsämter und Einzel- heiten ihres Aufgabengebietes. Mit besonderem Nachdruck warnte der Gauleiter davor, bei der Verteilung der landwirtschaftlichen Produkte irgendwelche „Kreispolitik" zu treiben. So wie er dafür sorge, daß ein „ernährungswirtschaftlicher Föderalismus" im Gau nicht entstehe, haben auch die Kreise in selbstverständlicher nationalsozialistischer Haltung nur das große Ganze, d. b. die gleichmäßige und gerechte Versorgung des Reiches im Auge zu behalten. Zum Abschluß wies er darauf hin, daß auf dem Arbeitsgebiet des Landesernährungsamtes naturbedingte Schwierigkeiten nicht immer zu vermeiden sind. Zu jeder Stunde aber müßte die Bevölkerung die Gewißheit haben, daß sich ihre Führung die größte Mühe gäbe, die Ernährung in gerechter Weife sicherzustellen.
Der Vertreter des Landesbauernführers, Landesobmann W e i n tz , der den Gauleiter zuvor begrüßt hatte, gab anschließend einen Ueberblick über die Versorgungslage.
die
bri- Be-
Faule Eier gegen den Kriegshetzer Halifax.
Diel häufiger aber hat man die wohltätige Wirkung des Lachens betont und es sogar immer wieder als Heilmittel empfohlen. „Lachen ist gesund", sagt das Sprichwort. Lessings Minna von Barn- he'lm bemerkt: „Lachen erhält uns vernünftiger als Verdruß, weil man die Umstände richtiger beurteilt. Der berühmte holländische Arzt Sydenham behauptete, die Ankunft eines Hanswursts in einem Städtchen sei noch einmal so viel wert wie die Ankunft von zwanzig mit Medikamenten beladenen Eseln, und von den Späßen der Hofnarren bei Tische versprachen sich die hohen Herren eine günstige Einwirkung auf ihre Verdauung.
Dieser heilsame Einfluß des Lachens ist aber früher von vielen Aerzten auch ganz ernsthaft beobachtet worden. Der französische Arzt Tissot schrieb ein Buch, in dem er ausführte, durch Lachen würden gefährliche Geschwüre geöffnet, die englische Krankheit bei Kindern werde behoben, wenn man sie kitzle und dadurch zum Lachen bringe: Lachen heile Magenschmerzen und Milzsucht und fei ein unschuldiges Mittel gegen alle Blähungen und Verhaltungen. Erasmus von Rotterdam berichtet einmal, daß er über die „Dunkelmänner-Briefe" so Hobe lachen müssen, daß ihm dadurch ein Geschwür aufgegangen sei. Als Gleim den verwundeten Dichter des „Frühlings", Ewald von Kleist, besuchte, las er ihm eines seiner lustigen Liedchen vor. Dieser lachte darüber laut auf, eine Pulsader sprang, und der Wundarzt erklärte, das sei ein großes Glück für den Patienten gewesen, der sich damit gleichsam selbst zur Ader gelassen habe.
Der österreichische Staatsmann von Born war von den Aerzten bereits aufgeqeben worden. Da be- tra ein Mohr das Zimmer, der von der Kaiserin Maria Theresia gesandt war, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen. Seine Schwester, die für die Seligkeit des Freigeistes fürchtete, rief aus: ,Herr Jesus, da holt ihn der Teufel!" Darüber lachte er so herzlich, daß er wieder gesund wurde.
B.
Sprechstunde des Kreisleiters.
Die Sprechstunde des Kreisleiters findet am Donnerstag, 6. November 1941, nachmittags von 15 bis 17 Uhr, in Gießen statt.
Detroit, 5. November. (DNB.) Als der tische Botschafter Halifax am Dienstag zur sichtigung der Rüstungsindüstrie m Detroit weilte, wurde er Gegenstand lebhafter antienglischer K u n d g e b u n g e n , die von verschiedenen Frauenverbänden durchgeführt wurden. Dor dem Hotel des Botschafters demonstrierten Frauen mit Plakaten, gegen England und gegen den Kriegseintritt der Vereinigten Staaten gerichtete Schlagzeilen trugen und überschütteten Halifax beim Verlassen mit Zurufen wie „Nieder mit England" usw. Die Demonstrationen erreichten ihren Höhepunkt, als Hali- fax die Residenz des Erzbischofs von Detroit betrat. Er wurde mit einem Hagel von Tomaten und faulen Eiern beworfen, und
für das Weinen gemacht zu sein oder für das Lachen bis zum Ersticken, bei dem man rot und blau wird. In der Regel lachen Männer in A und O, Weiber in E und I".
Daß allzu heftiges Lachen schmerzhaft wirken kann, weiß jeder. Man spricht dann wohl vom „Sich-tot-lachen", und daß das keine bloße Phrase ist, wollte ein Gelehrter des Barock, R. Textor, in einem lateinisch geschriebenen Buch beweisen, in dem er eine große Anzahl berühmter Männer aufführt, die angeblich vor Lachen gestorben sind. Er erwähnt hier den griechischen Maler Zeuxis, der sich über ein von ihm selbst gemaltes altes Weib zu Tode gelacht haben soll, und den berüchtigten Schriftsteller der Renaissance, die „Fürsten-Geißel" Pietro Aretino, der angeblich bei einer Orgie so heftig lachte, daß er ohnmächtig vom Stuhl stürzte und nicht mehr zum Bewußtsein kam.
gen wurden.
Französische Vergeltung für britischen Vertragsbruch.
Dichy, ö.Nov. (DNB. Funkspruch.) Die französische Regierung hat 14 an der Riviera lebende und im wehrfähigen Alter stehende Engländer als Geiseln für sieben in Syrien von den Engländern verhaftete französische Zivilisten festgenommen und interniert. Unter den Festgenom, menen befindet sich Iohn Amery, der Sohn des früheren englischen Ministers Amery und Vetter Antony Edens. Die Festnahme erfolgte als Vergeltungsmaßnahme für einen Bruch des Vertrages von Akka, der dem englisch-französischen Kampf in Syrien ein Ende setzte, durch die Engländer. Auf Grund dieses Vertrages war die französische Regierung verpflichtet, die im Laufe des syrischen Konfliktes gefangen genommenen Gaul- listen auszuliefern, was auch vertragsgemäß erfolgte. Eine Menge der festgenommenen Gaullisten weigerte sich jedoch nach der Freilassung, auf die englische Seite zurückzukehren. Daraufhin nahmen die britischen Besatzungsbehörden in Syrien kurzerhand sieben französische Zivilisten, darunter vier Beamte des französischen Auswärtigen Amtes, fest.
Volksentscheid in Rumänien.
Bukarest, 5. Nov. (DNB. Funkspruch.) Das rumänische Volk wird für Sonntag, 9. November, zu einem Volksentscheid aufgerufen, bei dem es seine Stimme für „die Billigung oder Nicht- billigung der befreienden Staatsführung des Marschalls Antonescu feit dem 6. September 1940" abgeben soll. Es soll damit gleichzeitig Gelegenheit haben, sein Vertrauen zur Staatsform und zur Verteidigung der völkischen Rechte durch den Marschall auszusprechen. Juden sind von der Volksabstimmung ausgeschlossen. Die Volksabstimmung erstreckt sich auch über die vom Bolschewismus befreiten Gebiete Bessarabiens und der N o r d d o k u w i n a.
ehe die Polizei die Demonstranten zerstreuen konnte, war der Botschafter von mehreren Eiern getroffen worden. Auch am Montag war der Botschafter An- laß lebhafter anttenglischer Demonstrationen, bei denen Plakate mit Aufschriften wie „Nieder mit England" und Halifax ist ein Kriegshetzer" getra-
„Flaschen für unsere Wehrmacht."
Reichssammlung am 8. November 1941.
Der millionenfache Einsatz deutscher Soldaten im Osten macht es für die Dauer des Winters notwendig, sie zusätzlich mit wärmenden und stärkenden Getränken aller Art zu versorgen. Trotz der gegenüber dem letzten Friedensjahr um nahezu das Doppelte gesteigerten Produktion der deutschen Flaschenfabriken bedarf es dazu einer zusätzlichen Belieferung der Heeresverpflegungsämter und Großabfüllstellen mit vielen Millionen möglichst geräumiger Flaschen.
Das Oberkommando der Wehrmacht hat daher den Reichskommissar für Altmaterialverwertung und Reichsbeauftragten der NSDAP, für Altmaterialerfassung gebeten, durch eine Sammelaktion die benötigten Mengen an Flaschen zu mobilisieren. Diese Aktion wird gemeinschaftlich von der Wehrmacht und der Partei einheitlich für das gesamte Reichsgebiet am 8. November 1941 durchgeführt. Sie trägt den Namen „Flaschen für unsere Wehrmacht". Reichssammlung am 8. November 1941. Organisiert wird diese Sammlung von den Altmaterialeinsatzstäben bei den Gau-, Kreis- und Ortsgruppenleitungen, die sich mit ihren insgesamt etwa 500 000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern erst jüngst bei der Reichs-Spinnstoffsammlung so außerordentlich gut bewährt haben. In allen Garnisonstädten stellen die Standortältesten Lastkraftwagen und Soldaten für das Zusammentragen der Flaschen, wo nötig, auch für das Sortieren und für die Abfuhr der sortierten Flaschen zu den Groß- abfüllstellen zur Verfügung. In Orten ohne Garnison und in den Landgemeinden Übernehmen die Politischen Leiter das Sammeln der Flaschen, nötigenfalls unterstützt von der Technischen Nothilfe, dem Sicherheits- und Hilfsdienst, dem NS.- Reichskriegerbund usw. Gesammelt werden Flaschen oller Art, insbesondere Weiß- und Rotweinflaschen, Weinbrandflaschen, normale Likörflaschen, Sektflaschen und Saftflaschen. Nicht angenommen werden medizinische oder kosmetische Flaschen, auch nicht Bier- und Selterswasserflaschen, da diese Eigentum der Brauereien und örtlichen Bierver- leger sind.
Der Erfolg einiger Versuchssammlungen in Berlin, wo allein im Kreise III der NSDAP, von rund 120 000 Haushaltungen über eine halbe Million, darunter 420 000 brauchbare Flaschen zur Verfügung gestellt wurden, rechtfertigt die Erwartung, daß durch das Ergebnis dieser Reichssammlung nicht nur die vom OKW. bennötigten Ftaschenmen- gen zusammenkommen, sondern daß sie darüber hinaus eine fühlbare Entlastung für den Flaschenbedarf des zivilen Sektors mit sich bringen wird. Die Erfahrung in den Kreisen I, III und IV der NSDAP, des Gaues Berlin hat bestätigt, daß Hunderte von Millionen Flaschen aller Art in den Kellern der deutschen Haushaltungen nutzlos liegen, die durch diese Sammlung der Wirtschaft wieder nutzbar gemacht werden können. Die abgegebenen
Flaschen werden nicht vergütet, sondern stellen eine Spende des deutschen Volkes für seine Wehrmacht dar.
Vornotizen.
Tageskalender für Mitwoch.
Gießener Dortragsrina: 19.15 Uhr in der Aula der Universität Lichtbiloervortrag „Die politische Karikatur im geistigen Kampf der Gegenwart". — Stadttheater: 19 bis 21.30 Uhr „Dschungel". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Kameraden". — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: ,Hh, diese Männer". — Oberhessifcher Kunstverein: von 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Foyer des Stadttheaters.
Erstes Orchesterkonzert
Am Donnerstag, 6. November, findet das erste Orchefterkonzert der Arbeitsgemeinschaft Gießener Konzertverein — Theater — NSG. ,Kraft durch Freude" als erstes Konzert des Gießener Konzert- rinaes 1941/42 statt. Solist ist der bekannte Musik- preisträger der Stadt Wien Professor Franz Bruckbauer (Violine). Das Städtische Orchester spielt unter der Leitung von Otto S ö l l n e r das Brandenburgische Konzert Nr. 4 von Bach, das Violinkonzert von Brahms und die Fünfte Symphonie in C-moll von Ludwig van Beethoven. Das Konzert ist für den KdF.-Konzertring und als Platzmietekonzert die Nr. 1 der Gruppe A.
Noch besser verdunkeln?
Die meisten Volksgenossen erfüllen verständnisvoll, sorgfältig und difzipliniert die Derdunkelunasvor- schriften. Aber immer noch gibt es einzelne Volksgenossen, die sich aus Unkenntnis, Unvermögen, Nachlässigkeit oder Mangel» an Derantwortungs- bewußtjein über die zum Nutzen des ganzen Volkes erlassenen Anordnungen Hinwegsetzen. Für sie be- fonders, aber auch für alle, die mit ihren geaen- roärttgen Verdunkelungsvorrichtungen nicht zufrieden sind, bringt „Die Sirene", die illustrierte Zeit» fchrift des Reichsluftschutzbundes, einen reich bebil- oerten Aufsatz aus berufener Feder, der an einer Reihe praktischer Vorschläge zeigt, wie unter geringstem Kosten- und Zeitaufwand Derdunkelungs- fehler beseitigt werden können. Daneben wird im neuesten Heft der „Sirene" nochmals sachkundig un& erschöpfend die Frage der Kostenverteilung bei
Jüc gecegelten StuhL
Packung (75 St) RM. 145
Karin Grunelius
Roman von Guiüo K.vranü
19. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„9a, warum auch? Meiner Ansicht nach ist es
das Einfachste von der Welt. Ich bin an Ihrer Rettung nicht ganz unbeteiligt, denn schließlich war ich es. Der mit dem Motorboot an die Unglücksstelle hinausgefahren ist und Sie und Fräulein Grunelius auffischte. In der wohl richtigen Annahme, daß mit der Maschine Gepäck, Geld und sonstige Wertgegenstände verlorengegangen sind, glaubte ich, Ihrer Verlobten nur einen Freundschaftsdienst zu erweisen, erstens, wenn ich ihr den Aufenthalt in Sampieri durch meine Dolmetschertätigkeit erleichterte, und zweitens versteht es sich für mich von selbst, jemandem, der vorübergehend in Schwierigkeiten geraten ist, auszuhelfen. Und bei Ihnen lag wohl ein besonderer Fall vor ..."
„Ich habe Geld genug! Ich bin nicht darauf angewiesen!" unterbrach ihn Günther heftig. ,^eute morgen sind über hundert Pfund eingetroffen!"
„Ich weiß es! Ich habe ja mit Fräulein Grunelius das Telegramm an Ihre Eltern beziehungsweise nach Nairobi aufgegeben! Es war ein ganz schönes Stück Arbeit mit Maestro Farinelli!" lachte er. „Arusha, Nairobi, liegen für einen einfachen Postbeamten immerhin etwas außerhalb der Welt!"
Thomas bemerkte an dem nervösen Spiel der Muskeln in Günthers Gesicht, daß sich seine Erregung nur noch steigerte. Gleichzeitig aber befremdete es ihn auch, denn er nahm an, daß Karin all das ihrem Verlobten mitgeteilt hatte. „Ich nehme an, daß Sie doch über all diese Dinge unterrichtet sind, Herr Merck?" wollte er Günther entgegenkommen. Irgendwie hatte er das Gefühl, daß er ohne fein Zutun in eine peinliche Situation hineingeraten war.
„Ich weiß gar nichts. Es interessiert mich auch nicht. Ich finde es nur höchst merkwürdig, daß Sie meiner Verlobten förmlich. zur Flucht verhelfen. Oder wissen Sie nicht, daß Karin auf und davon ist nach München, wie?"
Thomas ließ sich Zeit. Hier mußte etwas klar-
gestellt werden, ohne daß er Karin vielleicht preis- gab. Keine Ahnung hatte er davon. Sie müßte dringend etwas anschaffen, und er bekäme sofort die Summe wieder zurück, hatte sie ihm gesagt. Und das sollte alles erfunden gewesen sein? Ein Vorwand für eine Reise, die sie auch vor ihrem Verlobten geheim hielt?
. Mit sehr beherrschter Stimme fing er langsam an: „Ich muß sagen, Herr Merck, daß mich Ihre Eröffnung überrascht! Ich bin ahnungslos — lassen Sie mich ausreden. Schließlich sind wir ja Männer, und ich hoffe, daß Ihr Verhalten nicht von einer grundlosen Eifersucht diktiert ist. Mein Besuch galt allerdings Ihrer Verlobten. Das heißt, ich wollte mich für sie bei Ihnen verwenden ..."
„Na also! Da haben wir es ja!" höhnte Günther. „Wahrscheinlich haben Sie Karin irgendeinen Floh ins Ohr gesetzt. In Sampieri ist es maßlos langweilig; angeblich kann man es in Spaccaforno nicht aushalten. Sie reißt nach Deutschland aus, nach München! Das ist doch Ihr Einfluß! Vom ersten Tag an habe ich das gemerkt!" Wieder sprach Gunther in einer Erregung, die sich immer mehr einer klaren Vernunft entgegenstemmte.
Thomas spürte mit brennender Ungeduld, daß gegen Günthers Hartnäckigkeit nur schwer anzukommen war. Trotzdem wollte er einen letzten 23er- such machen, schon um Näheres über Karins Abreise zu erfahren. Allem Anschein nach hing es mit dem Brief zufammen, der auf dem Tisch lag.
„Selbst auf die Gefahr hin, Herr Merck, daß rotr feine Brücke zueinander finden, wage ich es doch, ein wenig Licht in die Sache zu bringen. Ich weiß nicht das geringste davon, daß Fräulein Grunelius nach München gefahren ist. Sie glauben vielleicht ebenso wie Ihre Verlobte, daß. ich Maler bin — vorausgesetzt, daß Sie sich über mich unterhalten haben. Von Beruf jedoch bin ich Chemiker, auf einem Spezialgebiet tätig, das sich auch Fräulem Grunelius ausgesucht hat. Aber sie hat keine Ahnung davon Ich jedoch weiß, daß sie hochbegabt ist, daß es ein Frevel wäre, sie an der Ausübung ihres Talentes zu hindern." Thomas machte eine Pause.
Und nun zum Zweck meines Besuches. Ich wollte Sie nämlich bitten. Herr Merck, Ihre Verlobte wenigstens eine Zeitlang diesen Beruf ausuben zu lasten. Als Fürsprecher wollte ich mich bei Ihnen einMren, sonst nichts —*
Günther, der mit immer aufgeschlossenerem Gesicht zugehört hatte, unterbrach Thomas schon weniger heftig: „Sie haben also mit ihr darüber gesprochen?"
„Ja und nein. Fräulein Grunelius hat mir von ihrer Leidenschaft erzählt, und ich habe immer so getan, als wäre ich Maler ober verstände von ihrem Gebiet nicht mehr als jeder andere Laie. Aus der Unterhaltung jedoch merkte ich. daß sie beinahe hoffnungslos dieser Wissenschaft verfallen ist. Ich finde das herrlich, so jung und mit solcher Be- geifterung den Geheimnissen des Lebens nachzuspüren ».. lassen Sie ihr ein Jahr Zeit ..."
Die erstaunten Augen Günthers ließen ihn für einen Augenblick in seiner Rede innehalten.
„Und Sie behaupten, daß Sie nicht darüber gesprochen haben?" forschte Günther, nur um überhaupt Gewißheit zu bekommen.
„Kein Wort! Ich versichere es Ihnen, wenn es Sie beruhigt", lächelte Thomas.
„Ich frage nur deshalb, weil Karin den gleichen Vorschlag gemacht hat, und diese Uebereinstimmung schien m r ...", er unterbrach sich, „... es ist ja jetzt gleichgültig. Zu ändern ist nichts jnehr daran!"
„Schade, Herr Merck, daß Sie das so resignierend sagen. An Ihrer Stelle würde ich eg freudig be- grüßt haben. Was Fräulein Grunelius in M'in, chen oder an anderer Stelle lernt, kann sie sicherlich sehr gut in Arusha gebrauchen. Es isi nicht das Schlechteste, Helferin einer Irbenben Menschheit zu sein. Schreiben Sie ihr wenigstens in diesem Sinne. Und jetzt entschuldigen Sie mich, wenn ich jetzt gehe!" v
Günther erschrak fast über die Hast, mit der sich Bröger verabschiedete. Seitdem die Härte in ihm gewichen war und einer langsamen Einsicht Matz zu machen schien, hätte der Maler ruhig sitzenbleiben können. *
„Ich wünsche Ihnen eine baldige und gute Besserung! Und entschuldigen Sie meinen Besuch, der eigentlich schon überholt war. Auf Wiedersehen!" Er verbeugte sich kurz und verließ rasch das Zimmer. „ v ,
Gunther hatte den Eindruck einer unvollendeten Stunde. Es blieb etwas Griffloses zurück, etwas Bohrendes, das immer wiederkam, wenn er es einmal zurückgedrängt hatte. Dieser Thomas Vroger
. wird nach München fahren, ... ja ... wird nach München fahren, hämmerte es in ihm. Alles, was
Bröger ihm gesagt hatte, hielt er für erlogen, für eine Falle, ihn in Sicherheit zu wiegen. Karin war ja noch gar nicht abgefahren; dieser Maler sondierte nur das Gelände. Ja, so war es! Man hinterging ihn. Er ballte die Fäuste und widerrief alle Vorwürfe, die er gegen Karin erhoben hatte. Natürlich war es ein Unsinn, sie so unerhört zu verdächtigen, und Thomas Bröger sah keineswegs so aus, als ob er ihm hätte ins Gesicht lügen können!
Er erinnerte sich eines Sprichwortes, ehe er an dem langen, bestickten Glockenstrang zog ... langsam bis zehn zählen ... bis dahin konnte sich viel geändert haben und man wurde ruhiger dabei.
„Sie müssen das Telegramm fofort aufgeben, Schwester!" bat er mit beinahe geschäftsmäßig klarer Stimme, als er ihr dos Papier zurückreichte. „Einen Augenblick noch! Wie lange glauben Sie, daß es noch dauert, bis ich aufstehen kann?"
Franzeska hatte mit einem raschen Blick die Adresse gelesen und lächelte: „Wenn Sie selbst ein wenig mithelfen, vierzehn Tage vielleicht. Es kommt ganz darauf an, daß Ihre Lunge keine Schwierigkeiten macht."
„Na, ich werde mir Mühe geben. Danke schön! Und besorgen Sie bitte gleich das Telegramm!"
Er fühlte sich erleichtert, nachdem die Schwester das Zimmer verlassen hatte. Es war wenigstens irgend etwas getan worden! Mit dem Maler würde er wohl auch noch zusammenkommen ...
Unterdesten fuhr ebenso nachdenklich Thomas Bröger auf dem vielgewundenen Weg die Küste entlang nach Sampieri. Was er am Vormittag nicht glauben mochte, hatte jetzt alle anderen Gedanken verdrängt. Karin war heimlich geflohen! Es klang so romantisch, daß er sich anstrengen mußte, diesen Zug in ihrem Bild unterzubringen, das in ihm lebendig war. Oder war es vielmehr ihr eiserner Wille, der sie, selbst auf die Gefahr hin, extravagant zu erscheinen, etwas Außergewöhnliches unternehmen ließ? Aus dem Gesichtskreis war sie wohl nicht entschwunden, und es würde ihm ein Leichtes sein, in München ihren Aufenthalt aus- findig zu machen. Ehe er aber abreiste, wollte er das Bild beenden, das er gestern unten an dec Bucht angefangen hatte.
Fortsetzung folgt)


