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Mittwoch, 5 November t94t

|9(. Jahrgang Nr. 265

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Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Der Krieg kommt England wieder näher

Sowj etisch-bntischeForderungen an Iran

im Indischen Ozean darauf verzichtet mürbe, um deren Eisenerzlager nach dem Verlust von Krimi Zeit und Kriegsschiffe zu sparen. Völlige Sicherheit | Rog für die sowiettsche Rustungslndustne an L - «:r.i -- -u tu...a. wiAt* honfnnn nnrh npmnnnen hatten, [änt es sich nur

gibt es nämlich auch jenseits von Kapstadt nicht: der Arm der deutschen Kriegsmarine reicht sehr weit, und mancher britische Handelskapitän, dem auf der Fahrt gen Osten das Kap der Guten Hoff­nung als solches erschien, hat später noch fein Schiff verloren. Zu dem West-Ost-Derkehr, der heute überwiegend der Verstärkung der Ar­meen Wavells und Auchinlecks im Mittleren Osten tient, kommt dann noch der Strom der für die Insel bestimmten Güter aus Indien, Ostasien und pazifischen Dominien. Südafrika liegt wirklich mit einem Male im Mittelpunkt des Empire. Nicht wegen feiner Produkte oder seiner Soldaten, son­dern wegen seiner geographischen Lage ist es vor« übergehend zum wichtigsten Dominion geworden. In London hat man das erkannt und anerkannt: Smuts wurde zum Feldmarschall ernannt. Ein seltener Vorgang, daß ein General, welcher schon seit vierzig Jahren keine Armee mehr geführt hat, den Marschallftab erhält: jedoch erhielt er ihn nicht für militärische Verdienste, sondern für Siege auf dem Schlachtfelde der Parteipolitik.

Es drängt sich hier die Frage auf, was eigentlich ben früheren Burenführer und Freiheitskämpfer

Die rasche Eroberung ber Krim bis zum Nord- ranb bes Jaila-Gebirges unb ber Hauptstadt Sim­feropol sowie ber beutsche Vormarsch auf Se­rn a st o p o l bilben einen weiteren Alpdruck für London. Die Hoffnungen, die man auf die sowje­tische Seeherrschaft im Schwarzen Meer gesetzt hatte, brechen damit ebenfalls zusammen. Welche Bedeu­tung das für die linke Flanke der Kaukasusstellung hat,' zeigt ein Blick auf die Landkarte. Mit dem drohenden Verlust der Halbinsel Kertsch,

deutung noch gewonnen hatten, läßt es sich nun auch in England nicht mehr länger verheimlichen, daß zwei Drittel der kriegswirtschaftlichen Produk­tion der Sowjets bereits in deutsche Hand gefallen sind. Auch die Hoffnungen auf ben General Winter mußte man restlos abschreiben, kurz, alle die Illu­sionen, mit denen man das englische Volk über den schweren Schlag von WjasmaBrjansk hinwegzu- bringen versuchte, erweisen sich wiederum als em Kartenhaus, das allzu schnell zusammenbricht.

Aber nicht nur von dieser Stelle kommt ber Krieg ber britischen Insel roieber näher. Die im OKW.- Bericht vom Sonntag angegebene Dersenkungsziffer von 441 300 BRT. für ben Monat Oktober birgt die bittere Erkenntnis für bie Briten in sich, baß das Deutschlanb Abolf Hillers trotz bes schweren Kampfes im Osten burchaus in ber Lage ist, gleich­zeitig auch bie S ck l a ch t i m A t l a n t i k mit aller Energie weiterzuführen. Die Melbungen über bie letzten U-Boot-Erfolge zeigen am besten, wie ernst bie Situation hier für England geworden ist. Zwar versucht der Präsident der USA. mit großspreche­rischem Mundwerk diesen Sachverhalt zu ver­tuschen, doch es nützt nichts. Wenn man auch tnum»

Ankara, 4. November. (Europapreß.) Aus po­litischen Kreisen Teherans ist hier einiges über den Inhalt ber Forderungen bekannt geworden, bie Großbritannien unb bie Sowjetunion an Iran für ben Abschluß einer Militärallianz ge­richtet haben. Danach bient bei ben Vertragshand, hingen als Muster der ägyptisch-britische Bündnis­vertrag, dessen Bestimmungen in den brittsch-sow- jetischen Forderungen allerdings beträchtlich über­schritten-worden sind. So soll sich z. B. bie irani­sche Regierung bazu verpflichten, ihre Ar­mee auch außerhalb ber Lanbesgren- zen zur Verfügung zu stellen. Diejenigen Teile ber iranischen Truppen, die nicht eine aktive militärische Verwendung finben, sollen hinter ber Front zu Straßenarbeiten angesetzt werden. Im übrigen ga­rantieren bie Sowjetunion unb Großbritannien bie Integrität bes Irans. Außerbem haben bie Der- tragshanblungen noch folgende Punkte zum Gegen- stand:

Wie bereits durch Sondermeldung bekanntgegeben, haben Kriegsmarine und Luftwaffe der briti­schen Versorgungsschiffahrt wiederum schwere Schlage zugefügt. Unterseeboote versenk­ten im Atlantik elf feindliche Handels­schiffe mit zusammen 53 000 VRT. sowie einen Z e r st ö r e r. Weitere drei Schiffe und ein Zer­störer wurden durch Torpedotreffer schwer beschä­digt.

Kampfflugzeuge vernichteten in der vergangenen Nacht ostwärts Aberdeen drei Handelsschiffe mit zusammen 20 000 BRT. Außer­dem wurde bei den Shetland-Inseln ein Frachter durch Bombenwurf schwer beschädigt.

In Nordafrika bombardierten deutsche Sturz­kampfflugzeuge britische Artillerie- und Vunkerstel- lungen bei T o b r u k. Ein britischer Flugplatz wurde mit Spreng- und Brandbomben angegriffen.

Der Feind flog in der letzten Nacht mit schwachen Kräften nach Nordostdeutschland ein. Bei Einflügen in die besetzten Gebiete wurde ein britischer Bomber abgeschossen.

Hafenstadt Feodosia genommen.

Neue große Erfolge gegen die britische Versorgungsschiffahrt.

Der Wehrmachtbericht.

DNB. Aus dem Führerhauptquartier, 4. November. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Auf der Halbinsel Krim sehen deutsche und rumänische Truppen die Verfolgung fort. Oertlicher Widerstand zersprengter Teile des Gegners wurde gebrochen. An der Küste des Schwarzen Weeres wurde die Hafenstadt F e o d o s i a genommen.

Zwei von Panzern unterstützte Ausbruchsversuche stärkerer feindlicher Kräfte aus Leningrad wur­den unter schweren blutigen Verlusten für den Geg­ner zerschlagen, bevor sie die deutschen Linien er­reichten.

Die Luftwaffe setzte die Angriffe auf Sowjet­schiffe in den Gewässern der Krim fort. Sie ver­nichtete ein Handelsschiff von 1000 BRT. und erzielte Bombentreffer auf fünf großen Trans­portern.

Moskau wurde am Tage bombardiert. Bei Nachtangriffen der Luftwaffe auf Leningrad entstan­den große Brände in mehreren Stadtteilen.

1. Die Sowjetunion unb Großbritannien tragen bie Kosten für alle aus bem Bünbnisvertrag erwach­senden Aktionen;

2. bie Sowjetunion unb England übernehmen bie volle Verantwortung für die Derteibigung bes Irans;

3. bie iranische Regierung wirb, wenn möglich, im voraus unterrichtet werden über alle militärischen Unternehmungen, bie von sowjetisch-britischer Seite für notwendig erachtet werben;

4. sobalb bie militärische Kriegslage es erlaubt werben bie sowjetischen und britischen Truppen aus dem Iran zurückgezogen werben;

5. bie Sowjetunion unb Großbritannien verpflich­ten sich, die Unabhängigkeit bes Irans zu achten unb sich nicht in bie inneren Angelegenheiten ein­zumischen.

Bisher hat bie iranische Regierung noch nicht sämllichen Forderungen zugesttmmt.

Gefahr. Smuts, der noch in letzter Zeit die Nord- amerikaner zum Verzicht auf bie Monroe-Doktrin aufgeforbert hat, trägt verschlossen in seinem Her. zen die Devise:Afrika ben S ü b - Asrika . nern! Das mag phantastisch klingen, bas ist phantastisch; aber hätte bie Welt vor 150 Jahren geglaubt, baß aus ber Revolte ber britischen Ko- Ionien in Amerika die nahezu absolute Beherrsche­rin bes amerikanischen Doppelkontinents hervorgehen würbe? So rechnet Smuts, und er steht mit feinen Wünschen und Hoffnungen keineswegs allein. Der südafrikanische Imperialismus ist noch sehr jung, er ist vorläufig geistiges Eigentum kleiner politischer Gruppen, bie vor allem aus dem bri» tischen Lager stammen unb bas weiträumige Denken im Blute haben. Die polittsche Vorstellung ber buri» schen Bevölkerung hat an ber lockenden Flamme der imperialistischen Idee noch nicht Feuer gefangen; so kommt es auch, baß Smuts von ben Buren burch- aus als Renegat empfunden wirb. Sollte sich je­doch ihr gemächlicher Geist einmal vor den Wagen des Imperialismus spannen, so könnte dieser wohl unwiderstehlichen Schwung erhalten unb bie süd­afrikanische Fahne bis weit ins Innere bes dunk-

I len Kontinents hineintragen.

Zwischen Kap und Kairo. $

Von unserem L.-Korrespondenten.

phierenb verkünbet, baß Enbe September 1071 Schiffe mit einem Gesamttonnagegehalt von 6,2 Mil­lionen BRT. im Bau ober in Auftrag gegeben waren, so vermögen biese auf bem Papier stehenben Ziffern nicht barüber hinwegzutäuschen, daß in ben ersten neun Monaten bes Jahres 1941 nur ganze 77 Schiffe mit 613 000 BRT. auf ameri­kanischen Werften vom Stapel gelaufen finb, unb daß bavon erst 65 Schiffe mit 522 000 BRT. enb- gültig fertiggestellt worben finb. Vergleicht man biese in Wirklichkeit allein entscheibende Zahl ber fertig­gestellten Schiffe mit ben monatlichen Versenkungs­ziffern, so muß auch ber größte Optimist erkennen, baß ber Wettlauf ber Werften mit ben Erfolgen ber beutschen U-Boote, ber Luftwaffe und ber Minen zur völligen Aussichtslosigkeit verurteilt ist.

Es ist verstönblich, wenn man in Englanb von biefem Gespenst im eigenen Hause nicht gern spricht. Amtliche Versenkungsziffern werben ja von Chur­chill längst nicht mehr ausgegeben, aber an anberen Zeichen kann man sehr wohl erkennen, wie es in Wirkichkeit steht. Eines bieser Zeichen ist bie Ein­beziehung ber Schweiz in bie englische Blockabe. Wenn es irgenbwo ein Lanb gab, bas sich bemühte, peinlichst jebe Hanblung zum Nachteil Gnglanbs zu oermeiben, so war es bie Schweiz. Trotzbem mußten sich biesegehorsamsten Tra­banten Seiner englischen Majestät" jetzt bie gleiche rücksichtslose Behandlung gefallen lassen wie die Feinde Englands. Unb zwar ohne Angabe stich­haltiger Grünbe. Erst nach mehreren Wochen läßt I sich Lonbon überhaupt auf Auseinanbersetzungen mit ben Schweizern ein, nachbem man nämlich gesehen hatte, was sie sich bieten lassen. Unb was kommt

dabei zum Vorschein? England möchte, natürlich gegen gutes Gelb", bie Schweizer Flotte kaufen! Bei bieser Flotte ber Schweiz hanbelt es sich um insgesamt sage und schreibe 50 000 BRT. So weit ist es also mit England gekommen, baß es ein immerhin boch felbftänbiges unb englanbtreues Lanb so brutal vor ben Kops stoßen muß, um nur 50 000 BRT. Schiffsraum zu ergattern. Dem bemo» kratischen Gedanken ist bas freilich recht abträglich, aber was heißt Demokratie, wenn es um Schiffe geht.

Schließlich zeigt auch bas Mißgeschick besWelt- Präsidenten Roosevelt" wie sehr bie Schiffs- raumfrage ben Englänbern unb ihren ameri­kanischen Freunden auf ben Nägeln brennt. Ist bie- fes Mißgeschick nicht auf bie überstürzte Hast zu- rückzuführen, mit ber Roosevelt ben Eintritt bes amerikanischen Volkes in ben Krieg erzwingen möchte? Nur so erklärt es sich, baß er auch bie allerprimitivste Vorsicht beiseite ließ, so baß er offi­ziell von ber beutschen Regierung als Lügner unb als Angreifer bezeichnet werben konnte. Von ziel­sicherer Planmäßigkeit seiner Politik zeugt bas auf jeben Fall nicht. Genau so wenig läßt sich das von ber japanischen Politik Roosevelts behaupten. Die Einberufung bes japanischen Parlaments zu einer Sonbersitzung bebeutet, baß auch Javan gemißt ist, bem schrankenlosen Angriffsgeist Roosevelts ein Halt zu gebieten. Auch hier ist Roosevelt ber Angreifer, wie bie Lügenhehe mit einem angeblichen Ein- marsch Japans in Thailanb zeigt. Welche Hoffnung auf amerikanischen Schiffsraum aber bleibt ben Englänbern, wenn es nun auch im Pazifik zu einer Zuspitzung ber Lage kommen sollte. V. A.

Tanger, Ende Oktober 1941.

Don Tanger nach Kapstabt scheint ein weiter Weg zu fein, aber er ist nicht weiter als bie Strecke vom Kap nach Suez unb gewiß nicht so weit wie bie Reste von ber Tafelbai noch ben nörblichen Ge­staden bes persischen Meerbusens. Gleichwohl ist K a p st a b t heute bie Versorgungsbasis für bie bri- tischen Streitkräfte im Mittleren Osten, eine be­merkenswerte Tatsache, bie zugleich bie gewaltigen Maßstäbe britischer Strategie unb ihre immanente Schwäche verbeutlicht. Noch bemerkenswerter er­scheint jeboch ber Umftanb, baß bie Sübafrikanische Union, bie vor bem Kriege in Lonbon unb auch anbersmo als bas schwarze Schaf unter ben Tochter- taaten galt, heute einer ber wichtigsten Knoten- »untte im angelsächsischen Kriegsgewebe geworben ft. Das Verbienst sagen bie Englänber ober bie Schulb sagen viele Buren trägt ein ein­zelner Mann: ber Burengeneral und britische Feld- marschall Smuts. Von ber seltsamen Wanblung eines Mannes, beren erste und letzte Station von diesen beiben wiberspruchsvollen Dienstgraben be­zeichnet werben, soll hier im einzelnen nicht bie Rebe fein; Urteil unb Bewertung können bem eigenen Lanbe unb ber Gefchichte überlassen bleiben. Hier interessiert ein anberes mehr: bie Rolle der Südafrikanischen Union im gegenwärtigen Kriege.

Die jüngsten militärischen Erfolge an ber Ost­front haben außergewöhnlich starke Beunruhigung in Englanb hervorgerufen. Die nach der Doppel­schlacht bei WjasmaBrjansk mühsam wieder ausge­baute Hoffnung, baß die Sowjetunion boch noch einen Wiberstand leisten könne, ber die deutsche Wehrmacht für unabsehbare Dauer fessele unb bamit bie unmittelbare Bedrohung Englands verhindere, ist erneut in Gefahr, zusammenzubrechen. Bezeich­nenderweste erscheint ben Englänbern seit einiger Zeit ber südliche Teil der Front als ber entschei­dendste. Man befürchtet bereits ernsthaft, baß nach der Ueberschreittmg des Donez in breiter Front, wie sie der OKW.-Bericht bereits meldete, in abseh­barer Zeit auch ber Don überschritten werben könnte, ber sich an seiner Mündung bereits in ge­fährlicher Nähe ber beutschen Front bei Tagan­rog befindet. Den Don aber sehen bie Engländer als Dorfeldsicherung der K a u k a s u s f r o n t und damit ihrer eigenen Front im Vorderen unb Mittleren Osten an.Der Krieg kommt England wieder näher" bas ist ber beängftigenbe Eindruck, den man in Lonbon aus bem Verlauf ber letzten Kämpfe gewonnen hat.

Bei Ausbruch bes Krieges hatte Smuts unend­liche Mühe, um zu verhindern, daß die Union neutral blieb. Die Schwierigkeiten beruhten vor ollem auf zwei Umständen: Einmal unb vor allem waren infolge bes übermiegenben burischen Bevölke­rungsanteils bie trabitioneUen unb kulturellen Banbe zum englischen Mutterlanbe sehr viel geringer als in ben anberen Dominien; zum anderen gab man sich in Südafrika zunächst ben gleichen Täuschungen über bie militärische Stärke bes Reiches hin wie anbersmo im Empire unb glaubte, bie Westmächte mürben ben Krieg ohnehin in wenigen Monaten gewinnen. Nachbem Smuts aber am 5. September 1939 mit ber Kriegserklärung ber Union bie erste Runbe gegen feine inneren Gegner gewonnen hatte, machte er sich an bie Arbeit einer planmäßigen Unterbringung jeglicher Opposition. Hanb in Hanb damit ging bie immer stärkere Bete igung ber Union am Kriege. Diese Arbeit machte zunächst sehr lang- fame Fortschritte. Vielleicht ber entscheibenbe Wenbe- punkt war ber Eintritt Italiens in ben Krieg. Jetzt hatte Smuts benschwarzen Mann" gefunben, mit dem er seinen Landsleuten ein sanftes, aber immer spürbares Gruseln einflößen kannte: der Krieg kamnachAfrika! Unb wenn auch von Kopstabt bis Abbis-Abeba immerhin 3000 Kilometer Luft­linie finb, fo war boch ganz unleugbar ber Krieg nach Afrika gekommen. Für Smuts genügte bas. Enblich konnte bie Union, bie bis dahin nur Frei­willige für die britischen Streitkräfte entfanbt hatte, ein eigenes Expeditionskorps aufstellen unb an bie Front schicken, ohne daß Smuts sein Versprechen, keine südafrikanischen Truppen außerhalb bes Kon­tinents zu verwenden, zu brechen brauchte. In bieser Hinsicht ist bie Beteiligung ber Union am Kriege seither langsam, aber stetig gewachsen; heute stehen sübafrikanische Heeres- unb Luftwaffenverbänbe in Aegypten unb in ber Wüste von Sollum. Ziemlich unbeachtlich ist bemgegenüber bie Beteiligung ber Union am Kriege zur See.

Der eigentliche unb wichtige Beitrag ber Union zum Kriege liegt jeboch heute in der Bebeutung ihrer Häfen: Kapstabt, Durban, Port Elizabeth, East Lonbon, unb im früheren Deutschsübwest Wal­fischbucht und Lüberitzbucht. Hier finb bie Umschlag­plätze für bie anglo-norbamerikanischen Lieferun­gen nach bem Mittleren Osten, ber Sowjetunion, Inbien unb Ostasien. Der Weg burchs Mittelmeer ist sehr gefährlich geworben unb wirb nur noch in wenigen Fällen unb selten ohne Opfer gewählt. Die westafrikanischen Häfen kommen nur als Koh­lenstationen ober als Flugstützpunkte in Frage, weil es für große Transporte von bort keine Lanbver- binbung nach Aegypten gibt. So ist es gekommen, daß von Lonbon unb Neuyork ber Weg nach Suez, Basra unb Bombay über Kapstabt führt. So kommt es, baß in ben südafrikanischen Häfen, vor allem in Kapstabt, heute bei Tag unb bei Nacht fieber­hafte Tätigkeit herrscht. Große und kleine Schiffe laufen ben Hafen an, um ihre Brennvorräte zu er­gänzen: oft reichen die Kaianlagen nicht aus, und die Schiffe werben nach Durban weitergeschickt. Flugzeuge aus ben Vereinigten Staaten werben im glühenben Sonnenlicht ober im gleißenben Schein ber Bogenlampen ausgelaben, zusammengebaut unb bann auf bem Luftwege nach Aegypten ge­schickt. Auch im Sübatlantik fahren bie Schiffe wegen ber U-Bootgefahr in Geleitzügen, währenb

Die Mlaniikschlachi.

Den Briten ist keine Atempause vergönnt. Der letzte Derbünbete auf bem europäischen Festland, ber Bolschewismus, sieht seinem Enbe entgegen. Die südliche Lebenslinie Stalins wirb immer stärker unterbunben. Wie bei Dünkirchen, nach Griechen- lanb unb Kreta arbeiten bie beutschen Bomber baran, bie flüchtenben Bolschewisten, bie sich auf Transportbampfern zu retten versuchen, mitsamt ben Schiffen zu versenken. Ein neues Dünkirchen ist im Schwarzen Meer in Gange. Die Wirksamkeit ber beutschen Lufwasfe kennen bie Englänber aus ihrer Dünkirchener Erfahrung ganz genau.

Wenn zu Beginn bes Ostfeldzuges bie Briten freubestrahlenb verkünbet hatten, bie Schlacht im Atlantik werbe nunmehr an Heftigkeit Nach­lassen unb Churchill, wie gewohnt, leichtfertig auf bieser Annahme seine Luftschlösser baute, bann hat bie Erfahrung ber letzen Zett sie grünblich ad absurdum geführt. Die Schlacht im Atlantik geht mit voller Wucht weiter, unb alle Mittel unb Mit­telchen Churchills und Roosevelts bagegen versagen vollkommen.

Schon bie Bekanntgabe ber Versenkungen im Oktober im OKW.-Bericht vom 2. November war bafür ein sprechenber Beweis. Der beutsche Wehr­machtbericht oerfünbete bie Versenkung von 441 300 BRT. feinblichen Hanbelsschiffsraumes, barunter bie Versenkung von 255 200 BRT. burch U-Boote, 18 000 BRT. durch Ueberwasserstreitkräfte ber Kriegsmarine unb 168100 BRT burch bie Luft­waffe. Es hanbelt sich hier nur um bie Schiffe, beren Versenkung sicher ist, nicht um bie, welche burch bie kriegerischen Aktionen so schwer hava­riert worben finb, baß sie für längere ober kürzere Zeit ausfallen. Die Oktoberziffer von 441 300 BRT. betrifft 48 Schiffe in allen Teilen bes Atlantik, also im nördlichen Eismeer, auf bem bireften Wege von bem USA. nach Englanb, im Blockabegebiet westlich Afrika unb sogar im Raum um bie eng­lische Seefeste Gibraltar.

Aus bem Verhältnis ber-Schiffszahl zu ben ver­senkten Tonnen geht bereits hervor, daß bie Größe ber versenkten Schiffe abgenommen hat, denn bie großen, wie ber Seemann sagt,Pötte", finb zum größten Teil versenkt unb von der Meeresfläche ver­schwunden. England muß also schon kleinere unb kleinste Schiffe einsetzen, die natürlich bedeutend schwerer zu treffen sind als die großen, um seine lebenswichtigen Verbindungen aufrechtzuerhal- ten; aber auch biefes letzte Hilfsmittel nützt nichts. Jedes feinblidje Schiff, bas uns vor bie Torwebo- rohre kommt ober von unseren Fliegern gesichtet wirb, wirb versenkt. Als - letztes Hoffnungsmittel hatten bie Briten sich auf größere unb noch schwerer gesicherte Geleitzüge kapriziert. Der Schutz burch englische Kriegsschiffe hat nichts genutzt. Die Ver-

Smuts zu einem der eifrigsten Verfechter bes Em- pire-Gebankens nicht nur in seinem Lanbe, sonbern im weiten Kreise bes britischen Reiches überhaupt ' gemacht hat. Die Erklärung, baß er es nur aus per­sönlicher Eitelkeit und um seines Namens willen getan habe, ist zu einfache ben Ruhm um des Ruh­mes willen hätte er leichter haben können, wenn er sich zum Vorkämpfer bes südafrikanischen Nationa­lismus gemacht hätte, besten politische Schwäche nicht zuletzt barauf beruht, baß sein Anführer M a. I a n nicht die gleiche romanttsche Zugkraft besitzt, wie die Namen der Burengenerale H e r tz o g unb Smuts. Auch wirtschaftliche Ueberlegungen dürs­ten nicht allein ausschlaggebend gewesen sein, wenn­gleich sie sicherlich sehr stark gegen einen Bruch mit England sprechen. Nein, die Erklärung liegt in ber Seele von Smuts, ber im Verlaufe seiner Wanb­lung vom Burenführer zum britischen Felbmarschall unb Reichspolitiker zugleich vom Nationali-, ft en zum Imperialisten geworden ist und zwar zum Imperialisten auf eigene Rechnung unb I