urteilt, acht wegen Mangels an Beweisen freigesprochen.
Wohnhäuser als Prämien für kinderreiche Familien.
Madrid, 4. Sept. (Europapreß.) Der spanische Staatschef Hot für b i e zehn kinderreich st en FamiliendesLandes Prämien in Form von Wohnhäusern ausgesetzt. Außer dem Hous erhält jeder Preisträger auch noch die gesamte Inneneinrichtung. Zu jedem Hause gehört ein Garten. Handwerkern wird noch eine Werkstatt erbaut werden. Bedingung für die Zuerkennung des Preises ist, daß der Preisträger ausschließlich vom Ertrag seiner Arbeit lebt. Der Caudillo hat dem Nationalen Institut für Wohnungsbau den Auftrag erteilt, schon im nächsten Monat mit der Errichtung der ersten zehn Häuser zu beginnen.
Hugo Bruckmann gestorben.
Zn München ist der Verleger Hugo Bruckmann, ein alter Mitkämpfer des Führers, Mitglied des Reichstages und des Reichskultursenats, Senator der Deutschen Akademie, Vorstand des Deutschen Museums infolge Herzschlages im 78. Lebensjahr gestorben. Hugo Bruckmann hat sich um die nationalsozialistische Bewegung, insbesondere in ihren ersten Anfängen, Verdienste erworben. Was er dem Führer gerade in den ersten schweren Zähren bedeutet hat, und was ihm die Bewegung verdankt, können heute nur wenige ermessen. Seine Persönlichkeit wird deshalb für immer in der nationalsozialistischen Bewegung fortleben, als einer ihrer treuesten und hilfsbereiten Männer in schwerster Zeit. Das deutsche Volk verliert in ihm einen Mann, der mit dem Aufstieg der Nation aus tiefstem Verfall zu neuer Größe auf das tiefste verbunden war. Der Führer hot deshalb verfügt, daß die Beisetzuna Hugo Bruck- manns in einem Staatsbegräbnis erfolgt. Deutschland verliert mit Hugo Bruckmann zugleich auch einen um das deutsche Kulturleben hochverdienten Verleger. Der Bruckmannsche Verlag wurde vor ollem durch die Herausgabe von Reproduktionen klassischer Kunstwerke und durch die Selbstbio- graphien bedeutender Künstler bekannt. Auch auf dem Gebiet der Kunstzeitschriften ist Bruckmann bahnbrechend geworden. Sein größtes Verdienst war jedoch die Publikation der Werke Houston Stewart Chamberlains, mit dem ihn durch die Familie Wagner enge Freundschaft verband. Das Werk „Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts" hat der Anregung Bruckmonns seine Entstehung zu verdanken. Durch Chamberlain kam Bruckmann auch 1923 mit dem Führer zusammen, zu dem er sich bald völlig bekannte. Die Mitgliedsnummer 91 der NSDAP, ist äußeres Zeichen dieser treuen Gefolgschaft.
Kleine politische Nachrichten.
Im Kampf gegen den Bolschewismus siel SA.- Gruppenführer Arno M a n t h e y, Führer der SA.-Gruppe Ost in Frankfurt a. d. O. Äm Weltkrieg war er bereits mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse ausgezeichnet. Im September 1939 zog er wieder ins Feld und fand nun im Osten nur wenige Tage vor Vollendung seines 53. Lebensjahres den Soldatentod.
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Als Bataillonskommandeur in einem Infanterie- Regiment hat Major Schwa rting, Inhaber des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes, am 26. August bei Kotly seinen Einsatz für Führer und Vaterland mit dem Tode besiegelt. Major Schwarting war im Zivilberuf Rektor und wurde 1888 in Lintel bei Hude geboren. Dos Ritterkreuz verlieh ihm der Führer für sein besonders tapferes Verhalten in der Schlacht bei Beaumont in Frankreich am 9. 6.1940. Als Kompaniechef stürmte er mit einigen Stoßtrupps die zäh verteidigte Pont Gaubron Ferme. Bei dem Sturm wurde er fünfmal verwundet.
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Italienische Bombenflugzeuge trafen mit Bomben schweren Kalibers Hafenanlagen von Tobruk, Befestigungsanlagen, Kraftfahrzeuge und Batterien im Gebiet von Marsa Matruk. Jagdverbände griffen im Tiefflug in der Umgebung von Sidi Barani starke Ansammlungen moto- i risierter Einheiten und Depots an. Auf dem Flugplatz von Sidi Barani haben Jäger zahlreiche Flugzeuge am Boden mit MG.-Feuer belegt und im Kampf mit feindlichen Luftstreitkräften achtzehn feindliche Apparate brennend zum Absturz gebracht. ______________________
Aus der Stadt Gießen.
Das Lebenszeichen.
Jeden Morgen schaut Mutter Schulze in den Briefkasten. Vielleicht hat die Postbotin einen Brief von Erich gebracht, denn es wäre an der Zeit, daß wieder mal ein Lebenszeichen käme. Erich ist der Jüngste in der Familie, er kämpft im Osten. Mutter Schulze denkt immer mit Stolz an ihn und erzählt häufig von der Zeit, wo er noch als kleiner Junge um sie war. „Damals war er auch schon ein sehr aufgewecktes Kerlchen, und Bange kannte er nicht. Aus dem wird mal was, sagten die Nachbarn, die alle ihre Freude an ihm hatten. Ja, er hat mir nie Verdruß bereitet, wenn er auch manchmal mit zerrissenen Hosen ankam. Ein richtiger Junge ist eben kein Duckmäuser. Und nun steckt er schon eine ganze Weile in der Uniform, der Erich. Wo die Zeit nur bleibt. Wenn er nur mal schriebe."
Aber ein Tag nach dem andern.vergeht, und die Postbotin bringt keinen Brief. Mutter Schulze schaut immer wieder in den Briefkasten. Sooft sie an der Tür vorbeikommt, bückt sie sich, um in den Schlitz
Derdunkelungszelt
5. September von 20.01 bis 6.36 Uhr.
des Kastens sehen zu können, es ist schon zur Gewohnheit geworden. „Dem Jungen wird doch nichts passiert sein", denkt sie, beruhigt sich aber gleich wieder mit der Ueberlegung, daß es mit der Post ^ius dem Kampfgebiet nicht immer so schnell gehen kann. Die Nachbarn trösten sie: Stockungen sind unvermeidlich manche Familie hat von ihrem Soldaten zeitweise langer nichts aehört, und dann plötzlich mehrere Briefe fast gleichzeitig bekommen. Natürlich, das ist alles sehr einleuchtend, und Mutter Schulze antwortet auch, daß sie das ganz begreiflich finde, insgeheim quält sie aber doch die Sorge. Schließlich macht sie sich auf und geht mal zu Mutter Lehmann, deren Junge bei demselben Truppenteil steht wie der Erich. „Vierzehn Tage ist es allerdings her, daß unser Wilhelm nicht geschrieben hat", sagt Mutter Lehmann, ,/aber wir werden in den nächsten Tagen schon wieder Post erhalten, das glaube ich ganz gewiß."
Und eines Tages ist es wirklich soweit. Als Mutter Schulze sich wieder einmal bückt, um in den Schlitz zu'sehen, schimmert dort etwas Weißes. Wahrhaftig, es ist ein Brief von Erich. Ihre Hände zittern vor Freude, als sie den Umschlag aufreißt, und sie zittern noch einmal, als sie nach der Brille langt. Es ginge ihm gut, schreibt der Erich. Sorge brauche sich die Mutter nicht zu machen. Zum Schreiben käme er eben nicht häufig, weil jeder Tag angefüllt sei mit immer neuen Geschehnissen, aber ihm fehle nichts» und er fühle sich durchaus wohl. Nächstens mehr. Aufatmend legt Mutter Schulze das Lebenszeichen vor sich hin, und ihre Hände gleiten liebkosend über die Schriftzüge. Es steht nicht viel in dem Brief, aber der Mutter genügt es. Und dann erhebt sie sich und geht- freudig bewegt hinüber zu den Nachbarn, um sie teilnehmen zu lassen an dem Glück dieses Augenblicks. H. W. Sch.
Tageskalender für Freitag.
Stadttheater: 19.30 bis 22.30 Uhr: „Zigeuner- liebe". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Mutter". — Lichtspielhaus, Bahnhofstr.: „Die Entführung".
„Zigeunerliebe"-Lrstaufführung.
Das Theater der Universitäts-stadt Gießen hat es sich zur Tradition gemacht, jedes Spieljahr den Reigen der Operettenaufführungen mit einem Werk des Meisters Franz Lehär zu eröffnen. Dadurch soll das 23ert>ienft Lehars um die Fortsetzung einer deutschen Operettenpflege, die ein kulturvolles Niveau besitzt, gewürdigt werden. Wie im vorigen Jahre der „Paganmi", so eröffnet in diesem Jahre die romantische Operette ,Ligeunerliebe" die Operettenspielzeit. In der Erstaufführung sind in den Haupttollen Gabriele Possinke, Annemarie Schwind, Hella Henzky, Walter Ecsy, Hugo Hellmers-Hall- wegh, Eberhard Kratz und Franz Payer zu sehen, Die musikalische Leitung hat Gerhard Hergert, die Inszenierung Max Schwarze, Bühnenbilder Karl Löffler.
üHenieinM M KM W Steuöe
Ab 5. September jeden Freitag von 16 bis 17 Uhr in der Schillerschule, Gießen, Kinberlurnen. 36910
(Nachdruck verboten.)
10. Fortsetzung.
Nie ÜrelHMmg Mön
Vornan von Horst Hiernach
„Du, Kathi, ich hab' vorhin gefragt, ob d' ein Gutti haft für mich ...?"
Kathi drehte sich langsam um, fie maß Lydia mit einem langen Blick von oben bis unten: „Ah so, du Mistfratz, du mistiger, wegen Gutti findst her zu mir ... Geh doch zu euerm Fräulein, wenn d' was zum Schlecken haben willst. Ihr seid's ja schon ganz dick miteinander ..." Die Eifersucht glitzerte nur so aus ihren Augen.
„Ach die ...!" sagte Lydia geringschätzig, „und überhaupt sagt man nicht Fräulein, sondern Fräulein Zögling, hat sie gesagt. Fräulein allein sagt man nur zu Dienstmädchen und Kellnerinnen, aber nicht zu Damen!"
Kathi tat einen Schnaufer, der fie zu sprengen drohte: „Das hat sie gesagt? Zu Dienstmadln und Kellnerinnen? Daß das keine Damen nicht sind, hat sie gesagt?"
„Grad so hat fie’s gesagt", bestätigte Lydia eifrig.
Kathi pfiff durch die Zähne. „Und hat sie vielleicht sonst noch was über mich gesagt?" forschte sie argwöhnisch. .
Lydia ließ sich mit dem Nachdenken Zeit: „Nein, sonst eigentlich nichts mehr. — Aber hast jetzt ein Gutti für mich?"
Kathi griff zerstreut in ihre Schürzentasche und brachte eine fiebrige Tüte zum Vorschein. „Daß ich keine Dame nicht bin", murmelte sie grimmig, und „Dees haut ja!" und nach einer Weile: „Pfüeti Gott, dees geht guet an, sauber geht dees an, bild- sauber ..."
„Krieg ich alle?" fragte Lydia überrascht.
„Jajaja, nimm's nur", sagte Kathi abwesend; doch bann kehrte sie wieder in die Gegenwart zuruck: „Und wenn sie wieder was sagt, hast gehört ..."
„I versteh schon", nickte Lydia, „und ich werd Obacht geben, da kannst dich drauf verlassen!"
Kathi griff wieder nach der Schere, sie rollte den bunten Bogen aus und teilte mit kraftvoll säbelnden
Schnitten die Länae für das nächste Schrankfach ab. Manchmal schnaufte sie grimmig auf oder kicherte böse in sich hinein. Lydia saß auf der Ecke des Küchentisches, ließ die herrlichen Himbeerbonbons genießerisch auf der Zunge zergehen, schlenkerte mit den langen, dünnen Beinen und schaute zu, wie Kathi den Schrank auslegte und das Papier mit Reißstiften befestigte. Auf der Gasflamme begann das Kaffeewasser zu summen.
„Kannst Bohnen mahlen", brummte Kathi. Lydia hüpfte von ihrem Sitz herab und stelzte zur Wandmühle hinüber.
„Aber net zu knapp!" ordnete Kathi an, „heut brauch ich schon was Starks, was einen aufmun» terf — nach dera G'schicht ... Keine Dame! Kchchchch!"
Das Wasser auf dem Gasherd sprudelte. Kathi ließ es sprudeln. Zunächst mußte der Schrank einmal fertig werden.
„Na, und wie ist fie sonst, die Neue?"
Vielleicht, daß Lydia die vielen braven Kinder auf die Nerven gegangen waren, ober die Strafaufgabe, vielleicht aber auch, baß sie merkte, woher ber Wind wehte und daß Kathi nichts weniger erwünscht gewesen wäre, als jetzt etwa ein Loblied auf das Fräulein zu hören.
„A gräusliche fade Nock'n is es halt", erklärte Lydia mit einem überzeugenden, abfälligen Achselzucken und merkte, daß Kathi von dieser Antwort tief befriedigt war. „Recht spreizen tut sie sich mit ihrem großkopfeten Grafen Jdell-Zdell!"
„Wie schreibt der sich?" fragte Kathi verblüfft.
,Hdell — Strich Jdell", wiederholte Lydia deutlich.
„Sach'n gibt’s!" murmelte Kathi kopfschüttelnd, „als ob ein Jdell nicht vollauf langen töt! Wird schon so a Graf sein, vorn nix, hinten nix, aber Jdell-Jdell, ha!"
Zn diesem Augenblick betrat die „fade Nocken" die Küche. Es war nicht unmöglich, daß sie den letzten Teil von Kathis Monolog gehört hatte. Lydia zog es vor, zu verschwinden. Sie besann sich, baß bie letzten Zeilen ihrer Strafaufgabe noch auf ber Tafel fehlten, und sie tänzelte mit einem Unschuldsblick an Fräulein Zögling vorbei. Die Gutti- tüte war auf geheimnisvolle Weife aus ihren Händen verschwunden nnb stak wohlverwahrt Über dem
Führer und Duce im Osten.
Das große Erlebnis der neuen Wochenschau.
Das ist das Faszinierende jeder Wochenschau, daß sie den Zuschauer jegliches Frontgeschehen miterleben läßt. So darf er diesmal teilnehmen an der Begegnung der beiden führenden Staatsmänner Europas, die in der gesamten Weltpresse größte Beachtung fand. Der Führer und der Duce bei Besprechungen ber militärischen und politischen Lage, beim Besuche des Reichsmarschalls unb des Generalfelbmarschalls von Brauchitfch, umjubelt von den siegreichen deutschen und italienischen Soldaten.
Der Feind verteidigt sich zäh und hartnäckig; seine Rückzugstraßen find gekennzeichnet durch brennende Dörfer und Städte, aber auch durch unabsehbare Mengen von zurückgelassenem Kriegsmaterial. Unaufhaltsam, mit einer unheimlichen Präzision, schiebt sich die deutsche Front immer tiefer nach Rußland hinein. Wessen der deutsche Soldat fähig ist, zeigen in Teilausschnitten die erbitterten Kämpfe um das stark befestigte Luga, wo jedes Dorf, jedes Gehöft,
jeder Bunker genommen werden mußte. Verzweifelt, aber vergeblich versuchten die Bolschewiken diese wichtige Schlüsselstellung vor Petersburg zu halten. Die große Bedeutung des eroberten Nikolajew kommt beim Anblick der riesigen Werft- und Fabrikanlagen erst voll zum Bewußtsein.
Als Illustrierung verlogener sowjetrussischer Maximen die elenden Bretterbuden und Erdlöcher, in denen zerlumpte Menschen Hausen, neben protzigen GPU.-Kolossalbauten. Wie viele, die das mächtige Gebäude betraten, sind hier zu Tode gemartert worden. Eines dieser GPU.-Häuser wurde deutsches Lazarett, allerdings erst nach gründlicher Beseitigung der unvorstellbaren Mengen von Schmutz und Gerümpel.
Siegreiche deutsche U-Boote kehren heim von erfolgreicher Feindfahrt. Ihre Kommandanten, meist Ritterkreuzträger, ihre Besatzungen, vielfach ausgezeichnet, werden mit Zubel begrüßt. I. M. J.
Die neuen Mitglieder unseres Stadttheaters.
Sie berichten über ihr bisheriges Wirken.
Andreas Bolpert,
Ballettmeister und Solotänzer.
Erstes Studium in Frankfurt a. M. bet Ballettmeister Julius Senfeier, Sallettmebfterin Minni Milani und Ilse Petersen am Konservatorium. Gleichzeitig Eleve am Frankfurter Opernhaus. Erstes Engagement als 1. Solotänzer mit 19 Jahren am Nationaltheater in Mannheim. Zwischen- sbudium in Paris. Der berühmte Ballettmeister Professor Heinrich Kröller verpflichtete mich dann an die Münchener Staatsoper. 1932/35 wieder in meiner Heimatstadt Frankfurt am Opernhaus als 1. Solotänzer und Ballettmeister für die Römerbergfestspiele und Lehrer für klassischen Tanz an der Labanschule. Gastspiele und Tanzabende in Deutschland, Holland und Belgien. Ballettmeister und 1. Solotänzer in Darmstadt. Solotänzer an der Berliner Staatsoper. Ballettmeister und 1. Solotänzer am Deutschen Nationaltheater in Weimar. Zwischenstudium in Berlin an der Staatlichen Musikhochschule und Mozarteum in Salzburg sowie Gastspiele und Tanzabende. Gastspielvertrag an das Deutsche Opernbaus in Berlin; konnte diese Ser» Stung jedoch nicht erfüllen, da ich eingezogen e. Elf Monate Militärzeit, davon neun Mo
nate als Kradschütze im Westen. Dann verpflichtete mich Intendant Klein nach Gießen.
Carl Willy Hahn,
Solorepefifor.
Geboren bin ich in Bergisch-Gladbach. Mein Säte r, der neben seinem Fabrikationsbettieb auch noch ein Liebhaberorchester leitete, hatte mich zu seinem Nachfolger bestimmt. Die Liebe zur Musik muß ich wohl geerbt haben. Ich erhielt beizeiten Unterricht auf mehreren Instrumenten, so daß ich bald bei den Proben immer da einspringen konnte, wo es notwendig war. 1916 kam ich zum Kölner Konservatorium, wo meine systematische Ausbildung begann. Bis zu meiner Einberufung zum Heeresdienst 1918 hatte ich als Hauptfach Klavier und Trompete belegt, nach dem Weltkrieg nur noch Klavier und die Fächer zur Vorbereitung für die Dirigentenlaufbahn (Prof. A. v. Othegraven). Mit Erfolg habe ich Männer- und gemischte Chore geleitet, mich als Arrangeur und Komponist betätigt und durch Unterricht in Theorie, Klavier und Direktion bei namhaften Künstlern weiter gebildet. Im jetzigen Krieg war ich als Zugmelder in einem Infanterie-Regiment u. a. zu besonderem Einsatz mit an der Oberrheinfront und einige Monate bei einer Wehrmachtsbühne in Frankreich.
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andervorschläge für den Sonntag.
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Gladenbach — Dernbach — Trlngenstein — Eisemroth.
Wir fahren über Niederwalgern nach dem an- mutig in einem Talkessel gelegenen Gladenbach. Von hier geben uns schwarze Punkte nahezu auf der ganzen Wanderstrecke das Geleite. An der Ruine Blankenstein vorüber kommen wir über Kehlnbach, später durch Römershausen, mit unterwegs hübschen Blicken, in kräftigem Anstieg nach dem hochgelegenen Dernbach, das von den Resten einer Burgruine bekrönt ist. Der weitere Weg führt durch prächtigen Hochwald und über Heide durch Wallenfels, einem einsamen, aber reizvoll in einer Bergschlucht liegenden Dorfe, und über den Wil- helmstein, einigen mächtigen, mitten im Walde gelegenen Grünsteinfelsen nach dem hoch und malerisch gelegenen Tringenstein. Von der es überragenden Burgruine, wo auch ein Modell der ehemaligen Burg aufgestellt ist, genießt man eine herrliche Aus- und Fernsicht. Nunmehr ohne Zeichen steigen wir abwärts, kommen durch das in eine enge Schlucht eingebettete Oberndorf und erreichen nach insgesamt fünfstündiger Wanderung Eisemroth, von wo wir über Herborn heimfahren. Gießen — Wettenberg — Wißmar — Badenburg — Gießen.
Unsere Wanderung beginnt am Neustädter Tor und führt die Krofdorfer Straße entlang bis zum Wegweiser, wo wir nach rechts abbiegen und bald darauf einen Feldweg aufwärts über eine Eisenbahnbrücke zum Wettenberg gelangen. Hier erfreuen wir uns an dem schonen Ausblick über Gie
ßen und das Lahntal, sowie nach Gleiberg, Vetzberg und Dünsberg. Unterwegs haben wir schon außer schwarzen Punkten den roten Ring der Markierung „Rund um Gießen" angetroffen, der fortan unser Wegzeichen bildet. Am Launsbacher Sportplatz vorbei leitet uns das Zeichen auf einem Höhenweg mit andauernd prächtigen Blicken nach der Waldeckslärche, einem mit Ruhebänken versehenem Plätzchen mit herrlicher Aussicht. Wir steigen nun abwärts nach dem vor uns liegenden Wißmar, umgehen zum größten Teil den Ort, um später bei der Eisenbahnbrücke die Lahn zu erreichen und wandern am jenseitigen Ufer entlang nach der bewirtschafteten Badenburg, in deren altem Gemäuer es sich gut rasten läßt. Zum Heimweg benutzen wir nun blaue Ringe, die uns am Bahnkörper entlang nach Gießen zurückbringen. Wanderzeit vier Stunden.
Gemeinnützige Wohnungsbau GmbH. Gießen.
Unter Leitung des Aufsichtsratsvorsitzenden, Oberbürgermeister Ritter, fand gestern im Stadthaus, Bergstraße, die diesjährige ordentliche Gesellschafter-Versammlung der Gemeinnützigen Wohnungsbau G. m. b. H. Gießen, der Organisa-
ADÖX igü
Gummizug ihrer Schlupfhos?. Kathi ließ sich durch die Anwesenheit von Fräulein Zögling nicht in ihrer Beschäftigung stören. Sie schnitt den letzten Bogen zurecht und legte ihn in das unterste Schrankfach. Fräulein Zögling bemerkte den klappernden Kochtopfdeckel und die zischende, rote Flamme.
„Oh, Sie bereiten wohl gerade den Kaffee ..." „Vorläufig lege ick einmal den Schrank aus", antwortete Kathi auf Hochdeutsch mit wohllautenden Vokalen, die ans griechische Lautbild erinnerten. Fräulein Zögling befeuchtete sich die Lippen, ihre Nasenflügel zitterten ein wenig, fie holte scharf Luft .Aber nein! Sie wollte und mußte es mit Güte versuchen, mit beschämender Güte! Sie trat zum Gasherd hin und stellte die Flamme auf den Sparbrenner ein. Dann schnippte sie mit den Fingerspitzen ein Stäubchen von ihrem Kleid und hob den Blick freundlich zu Kathi empor. Allerdings senkte sie ihn bald, da sie zwei eiskühlen Augen begegnete, auf Kathis Busen, und von dort, da dessen weiche Fülle sie verwirrte, in tiefere Regionen: „Ich weiß, Kathi, wie sehr Sie an Frau Hell- roang gehangen haben. Sie ist nicht mehr. Aber ihre Aufgaben sind geblieben und auf uns gefallen. Nun, ich glaube, wir werden sie am besten erfüllen und am meisten im Sinne der Ihnen so teuren Entschlafenen handeln, wenn wir in Eintracht und voller Verständnis füreinander zusammenwirken. Ich bin baau gern bereit — und hoffe von Ihnen das gleiche/
Sie nickt Kathi zu und schloß geräuschlos die Tür hinter sich. Kathi atmete auf, als hätte sie während der ganzen Zeit, in der Fräulein Zöglings Worte auf sie einströmten, das Atmen vergessen. Dann saugte sie mit, jenem nervenzermürbenden Geräusch Luft zwischen Schneide- und Eckzahn hinein und murmelte: „ftrampffjenna, falsche ...!" Und das war alles, was sie zu dem Appell von Fräulein Zögling an einträchtiges und verständnisvolles Zusammensein zu bemerken hatte. Und es klang nicht gerade verheißungsvoll für die Hausdame. —
Konrad Hellwang merkte nichts davon, daß in dem Haufe eine Lunte brannte, die von dem Zimmer Fräulein Zöglings über die Treppe zur Küche liej^ eins Lunte, die nach zwei Seitey zu gleicher
Zeit schwelte und an zwei Pulverfässer angeschlossen war. Es fragte sich nur, welches von beiden sie zuerst erreichen und zur Explosion bringen würde. Nein, es wurde nichts aus dem Frieden und aus der Eintracht, wovon Fräulein Zögling so schön gesprochen hatte. Zwar kam es nie zu irgendwelchen lauten Auftritten, aber ständig waren Reibungen vorhanden, die Elektrizität von hoher Spannung erzeugen. Es waren lächerliche Dinge; nur durch die Hartnäckigkeit von Fräulein Zögling, die den Pfad der Güte bald verließ, und durch die Sturheit Kathis, die auf ihre älteren Rechte pochte und sich von der „Neuen" nichts bieten lassen wollte, wuchsen sie und plusterten sich bösartig auf, Kathi ging mit Gas und Licht nicht gerade sparsam um. Es kam ihr mehr als einmal vor, daß sie die Birne im Keller brennen ließ und sich auf diese Weise den mühseligen Handgriff zum Schalter ersparte, wenn fie nach drei Tagen wieder Kartoffeln holen ging. Fräulein Zögling hatte den Ehrgeiz, die erschreckend hohen Gas- und Licht- redjnungen herunterzudrücken. Kathi stellte die Schuhe der Kinder zum Trocknen auf den Ofen. Fräulein Zögling nahm sie herunter, weil sich durch das Dörren die Sohlen lösten und das Oberleder brüchig wurde. Kathi verbrauchte ungeheure Mengen von Hauspuhmitteln, Bohnerwachs und Seife. Fräulein Zögling schränkte den Verbrauch ein. Kathi zerschlug Geschirr. Fräulein Zögling setzte es zur Hälfte am Monatsersten von ihrem Lohn ab. Und das war wohl der schlimmste Tort, den sie Kathi antat. Es war zwar streng gesetzlich, oh, das Fräulein wußte in solchen Sachen Bescheid, aber es verstieß gegen bas Gewohnheitsrecht im Hellwangschen Hause. Nie wäre das Luisa eingefallen, und einen Augenblick lang war Kathi nähe daran, der Neuen den ganzen Krempel vor die Füße zu schmeißen. Einen Augenblick nur, bann verzichtete sie auch auf bie rasch erwogene Be- fchwerbe bei Hellwang unb schluckte die Kränkung wortlos herunter. Es ging noch eine ganze Menge in sie hinein. Vorläufig sammelte sie ein Körnchen Pulver nach dem anderen. Oho, wenn die Neue sich einbilbete, sie auf solche Art zu vergrämen und aus dem Hause zu ekeln, dann täuschte sie sich aber ganz gewaltig. Wer hier hinausgeekelt würde, das sollte mal erst bie Zukunft erweisen!
(Fortsetzung folgt.)


