bomben ufro. ausgerüstet find'. Ueber diesen Geleitzügen schweben englische Flugzeuge, die bei Tage die lauernden deutschen U-Boote unter Wasser drük- ken, so daß sie in den kurzen Juli- und August- nachten nur schwer die Geleitzüge wieder auffinden konnten. Trotzdem wurden Geleitzüge vernichtet. '
Kapitänleutnant Kell, der selbst 38000 BRT. und einen Zerstörer versenkte, schilderte der Presse den Angriff auf den englischen Geleitzug vor der portugiesischen Küste, bei dem 122 000 BRT. feindlichen Schiffsraums vernichtet worden sind. Ein zweiter
Geleitzug, der von Gibraltar nach England fuhr, geriet ebenfalls in die Fänge unserer U-Boote und verlor 79 000 BRT. Alle Sicherungen nützten den Engländern nichts. Viele Tage und Nächte waren deutsche U-Boote diesen fetten Brocken auf der Spur. In ständigem Angriff sank ein großer englischer Kahn nach dem anderen und alle Abwehr war vergebens. Diese Schläge haben derart gesessen, daß England behauptete, es wären nur einige Schiffe vernichtet worden, um dann sich ganz aus- zuschweigen. Ein sehr verdächtiges Schweigen. E. S.
Generalfeldmarschall Ritter von Leeb 65 Ähre.
Glückwünsche des'Führers an den Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord.
DNB. Aus dem Führerhauptquartier, 4. Sept. Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat aus seinem Hauptquartier dem Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord, Generalfeldmarschall Ritter von Leeb, seine Glückwünsche
ZU seinem 65. Geburtstage mit einem Handschreiben durch seinen Chefadjutanten der Wehrmacht übersandt. Unter anderem würdigt der Führer in dem Handschreiben mit herzlichen Worten die Der- Dienste des Feldmarschalls während des Krieges und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß er sich in 'Gesundheit auch weiterhin der Führung der Heeresgruppe widmen kann.
Generalfeldmarschall Ritter von Leeb begeht seinen 65. Geburtstag am heutigen 5. September in seinem Hauptquartier. Wilhelm von Leeb wurde als Sohn einer alten bayerischen Offiziersfamilie in Landsberg am Lech geboren und trat mit 19 Jahren als Fahnenjunker in das 4. bayer. Artillerie- Regiment in Augsburg ein, in dem er „mit Ausdruck der allerhöchsten Belobigung" Offizier wurde. Seine Feuertaufe erhielt er als junger Offizier im ostasiatischen Feldartillerie-Regiment während des Boxeraufstandes. Nach seiner Rückkehr ging er den Weg des Generalstabsoffiziers. 1914 nahm er im Generalstab des I. bayerischen Armeekorps an den Schlachten in Lothringen und an der Marne teil. Im März 1915 als 1. Generasttabsoffizier zur 11. bayerischen Jnf.-Div. versetzt, erwarb er sich die höchste bayerische Tapferkeitsauszeichnung, den Mi- litär-Max-Joseph-Orden. Als Chef des Generalstabs der Wehrkreis Stettin und München nahm er an der Wiederaufrichtung der Wehrgrundlagen des Deutschen Reiches lebhaft Anteil. Besonderes Augenmerk richtete er auf die Schießausbildung, sowie auf die Förderung der Gebirgstruppe, bei der er sich auch selbst das Heeresbergführer-Abzeichen erwarb. Nach der Machtergreifung 1933 Oberbefehlshaber der Heeresgruppe 2, leitete er im Herbst 1936 die ersten großen Manöver in Anwesenheit des Führers. An der Spitze einer Heeresgruppe im Westen wehrte Generaloberst Ritter von Leeb, während die deutschen Armeen in Polen den Feind zerschlugen, alle Angriffe des überlegenen westlichen Gegners ab. Am 14. Juni 1940 trat auch die Heeres- Sruppe Leeb zur Offensive an und überschritt den berrhein. Die für unüberwindlich gehaltenen Werke der Maginot-Linie wurden genommen und in rastlosen Kämpfen die letzten französischen Armeen in Lothringen zerschlagen. Im Feldzug gegen die Sowjetunion 1941 durchbrach die Heeresgruppe des Generalfeldmavschalls, nachdem die Düna bezwungen und der Gegner aus Lettland vertrieben war, in kühnem Ansturm die Stalin-Wnie. Die in Estland stehenden Kräfte des bolschewistischen Gegners wurden vernichtend geschlagen, Reval erobert.
Sm Rüstungszentrum der Ukraine.
Von Kriegsberichter Dr. Achim Holtz.
DNB. . . ., 4. Sept. (PK.) Dieses ganze Land ist so unendlich! Wogende Kornfelder und riesige Wälder, durchzogen von baumlosen Straßen und breiten Strömen. Seit wir jene schweren Gefechte von Tarascha hinter uns haben, bei denen unsere ^-Division sieben feindliche Divisionen vernichtete, sind wir in eine Gegend gekommen, die uns lieblicher scheint. Hügel und Täler wechseln hier ab. Aber auch sie nehmen dem Land nicht den Stempel des Unbegrenzten. Undenklich weit kann man nach allen Seiten schauen und überall sieht man die fruchtbaren Felder. Herden von Pferden und Kühen werden von jungen Burschen, die ohne Sattel reiten, gehütet. Die Ukraine ist ein Land voller Reize.
40 Kilometer südlich Werchnedjeprowsk tauchen riesige Industrieanlagen mit gewaltigen Schloten auf. Dort liegt Dnjeprodsershinsk, eine Großstadt von 125 000 Einwohnern mit dem größten Jndustriewerk der Ukraine. Es ist ein Hütten-Walz- und Stahlwerk, das in normalen Zeiten 24 000 Arbeiter beschäftigt. Seit 1939 aber hat man die Zahl der Arbeiter hier auf 32 000 erhöht. In diesem gewaltigen Werk, das 12 o. H. der sowjetischen Stahlverarbeitung bewältigt, bereitete man sich beizeiten auf den Krieg gegen Deutschland vor.
Mit mehreren Bataillonen wurden wir gegen die Stadt angesetzt. Ein Sowjetregiment sollte noch die Stadt und Industrieanlagen besetzt halten. Zu
nächst mußten wir ein völlig unübersichtliches Gelände durchkämmen: Hohe Mais- und Sonnenblumenfelder, dazwischen Gestrüpp und dann wieder einzelne Häuser. Allmählich wurden die Lehmhäuser zahlreicher, wir waren in dem Vorort K a m e n s k o j e. Nach unseren Auffassungen sind diese Orte Überhaupt keine Städte: statt Straßen ungepflasterte Lehmwege, grasbewachsene Gräben an den Seiten. Zwischen den Häusern wieder Hecken, Gräben und mannshohe Mais- oder Sonnenblumenfelder.
Unser erstes Angriffsziel war erreicht. Wir warteten, bis die linke Anfchlußkompanie herankam. Unsere Artillerie schickte ihre Granaten über uns hinweg als Vorboten unseres Kommens. Auf dem linken Flügel hörten wir heftiges Gewehr- und Maschinengewehrfeuer. Mit einem Spähtrupp suchten wir Verbindung dorthin aufzunehmen und erfuhren, daß der Bataillonsstab von etwa 150 Zivilisten angegriffen sei. Die ersten waren mit Markttaschen herangekommen, aus denen sie ihre Pistolen und- Handgranaten herausholten. Zwei Tote und mehrere Verwundete hatte es bei uns gegeben. Zwei Fahrzeuge waren durch Handgranaten zerstört. Eine Strafaktion hatte eine Anzahl Zivilisten aufgebracht, die unter ihrem Zivilzeug Uniformen trugen. Bei Hausdurchsuchungen fanden wir in einem Haus eine Anzahl von Zivilisten, die umgeschnallt in den Betten lagen und fehlte en, ihre Gewehre neben sich.
Anschlag auf die Dardanellen.
USA.-Admiral will England zum Bruch der Meerengenkonvention anstisten.
Ankara, 4. Sept. (DNB.) United Preß veröffentlichte einen Artikel des ehemaligen Generalstabschefs der 08^..-Marine, Admirals Stirling, in dem dieser behauptete, daß die Deutschen auf dem Seewege die Petroleumquellen am Kaukasus angreifen könnten, und daß die Türkei, um dies zu verhindern, den Engländern die Meerengen öffnen müsse; im gegenteiligen Falle würde es notwendig fein, die Meerengen anzugreifen, und England würde damit Erfolg haben, da die jetzige Lage nicht der des vorigen Krieges gleiche. — „Wenn dieser Mann derartig unwissend ist", so erklärt dazu der Sender Ankara, „werden wir ihm kurz und bündig eine Antwort geben, um ihn aufzuwecken. Nach der M e.e r e n g e n f o n o e n t i o n steht die Kontrolle über die Meerengen einzig und allein den Signa-, tarmächten zu. Wenn man heute diese Durchfahrt nicht frei benutzen kann, dann liegt der Grund hierfür in der Unsicherheit der Meere außerhalb der Meerengen. Stirling hat recht, wenn er behauptet, daß die jetzige Lage von der des Weltkrieges verschieden ist. In der Tat vermeidet die britische Flotte den Kampf, da sie nicht die Luftüberlegenheit besitzt.
Nadi schreibt in der Zeitung „Cumhuriyet", daß augenscheinlich dem einstigen Generalstabschef die
elementarsten Kenntnisse fehlten. Um vom Mittelmeer zu den Dardanellen zu gelangen, müsse das Aegäische Meer durchfahren werden, was dec englischen Flotte heute übel bekommen würde. Man müsse dazu die Vorherrschaft in der Luft haben. Zu dieser Erkenntnis brauche man wedec Admiral noch Generalstabschef der Marine zu sein. Die britische Flotte habe dies am eigenen Leib verspürt, als die Deutschen eine griechische Insel nach der anderen besetzt hätten. Die Zeitung ,^Jkdam" drückt ebenfalls die Ueberraschung aus, daß ein Mann, der eine so hohe Stellung als Chef des Generalstabes der Flotte bekleidete, so über dis Meerengen sprechen könne. Das Regime der Meerengen ei in Montreux feftgelegt worden. Dis Meerengen feien für Kriegsschiffe geschlossen, für Handelsschiffe aber offen. „Vakit" schreibt, Stirling begeht ein Attentat, indem er versucht, den Krieg auszudehnen und die Engländer zu veranlassen, Aggressionen zu begehen. „Aksam" meint: „Wir können uns nicht vorstellen, daß eine Person, die einen derartigen hohen Posten in einer so großen Nation einnahm, in solcher Weise herumreden darf. Die verrückte Idee, England zu einer Aktion gegen die ihm verbündete Türkei anzustiften, konnte nur in einem* außerordentlich schwachen Gehirn entstehen.
Immer wieder 'dieser Hinterhalt, diese Heimtücke der Bolschewisten. Aber die eigentliche Zivilbevölkerung hat wohlgemerkt nichts mit diesen bolschewistischen Machenschaften zu tun. Diese Menschen stehen vor ihren Häusern und staunen uns entgegen, sie bringen uns Aepfel ober Tomaten, ein paar Blumen sollen uns erfreuen, und auf jede Frage nach den Bolschewisten geben sie uns bereitwillig mit Zeichensprache und vielen, uns unverständlichen Worten, Auskunft.
Am Abend machen mir vor dem großen Werk halt, und erst am nächsten Morgen fchicken wir unsere Spähtrupps vor, bevor wir das Werk besetzen. Man glaubt sich im Ruhrgebiet zu befinden. Solche grandiosen Werke hab-en wir hier im Osten nicht vermutet. Das Werk wurde von einem deutschen Unternehmer 1898 als privates, kleines Hütten- und Walzwerk gegründet. Bis 1922 ließ man es in feiner alten Form. 1938 hat bann die Regierung mit Hilfe von Zwangsarbeitern hier ein Riesenwerk errichtet. Unmengen von Schrottmaterial liegen herum; Bessemer Birnen.finben wir. Kruppsche Erzeugnisse. Aber nirgends ist ein geordneter Aufbau. Die Abfälle hat man einfach in den Dnjepr geworfen. Wen kümmert das! Der Fluß ist ja breit genug! Um die einzelnen Teile des Werke sind je» meils Stacheldrahtzäune gezogen. Ueheran stehen die Beobachtungstürme der Aufseher. Die Veleg- chaft setzte sich zusammen aus freiwilligen Arbeitern und Zwangsarbeitern. Die Zwangsarbeiter kamen irgendwoher aus dem weiten Sowjetland. Doch konnte auch jeder freiwillige Arbeiter ehr einfach zum Zwangsarbetter degradiert werden. Ls genügte, einige Male zu spät zu kommen oder ein vorgeschriebenes Arbeitspensum nicht voll er- üllt zu haben, so erzählte uns ein Mann, der seit 14 Jahren hier arbeitete. Er war es auch, der uns durch die Arbeitersiedlungen führte. Un= vorstellbar, was wir dort sehen mußten. Langgetreckte Baracken mit einem Mittelgang, von dem links und rechts die Türen zu den „Wohnungen" ab gingen, die alle ohne Ausnahme nur aus einem Raum bestanden. In diesem Raum standen ein ober zwei Betten, ein Herd und ein Tisch, sowie zwei Stühle. Das war das gesamte Eigentum aller Arbeiterfamilien! So ein einziger Barackenraum aber kostete monatlich 28—30 Rubel Miete.
Die meisten Familien kochten draußen vor der Tür. Da es nur wenig Kleidung zu kaufen gab und diese so unerschwinglich teuer war, hatten alle nur schmutzige und zerrissene Sachen an. Ich hörte einen Kameraden, einen Schlosser aus Oberhausen, agen: „Mensch — wenn ich dafür leben und arbeiten sollte, um nur in einer solchen Höhle zu vegetieren, dann würde ich Schluß machen." Wir alle dachten an das Grausame eines solchen Lebens. In eine Art „Volksküche" schauten wir hinein. Unerträglich war der Abfallgeruch in der Küche. Drinnen hockten einige Leute beim Essen. Unser Leiter erzählte uns, daß hier eine Kohlsuppe zwei Rubel und 20 Kopeken kostet. Ein Mittagsmahl aber 10 Rubel! Dabei verdienen sie nur 250 bis 300 Rubel monatlich.
Auf unsere Frage, was sie wohl meinten, wie es dem deutschen Arbeiter erginge, sagten sie: Der muß noch mehr hungern als wir. Ungläubig schauten sie uns an, als wir ihnen zu erklären suchten, daß ein deutscher Arbeiter niemals in solch einem Stall wohnen würde.
Wenn auf uns Soldaten zunächst die Größe des Werkes einen gewaltigen Eindruck gemacht hatte, so hat uns dann bei näherer Besichtigung das Verfallene und Verkommene, die ganze Unordnung und die Aufsehertürme, dazu die ausgemergelten Menschen, die vom 13. Lebensjahr an arbeiten mußten und weder Zukunft noch Aufstieg kannten, ein Bild von der Unfähigkeit sowjetischer Industrie- und Menschenführung vermittelt.
Keine Passagiere für LlSA.-Gchiffe.
N e u n o r f, 4. Sept. (Europapreß.) Das der Export Line gehörende Fahrgastschiff „Excambion" trat mit 72 leeren Kabinen, was einen Ausfall von 20 000 Dollars Pasfagiergeldern gleichkommt, in Neuyork ein. Dazu erklärte der Vizepräsident John F. Gehan, die Entfernung der 08^. - Konsuln aus Europa habe die Schwierigkeiten für die Flüchtlinge, Passage zu erhalten, sehr erschwert. Die iberischen Regierungen gewähren Ausreisevisen lediglich, wenn die Passagen auf iberischen Schiffen gebucht werden.
Botschaster Abetz am Krankenlager Lavals.
Paris, 4. Sept. (Europapreß.) Es ist mit Interesse vermerkt worden, daß unter den Besuchern bei Laval sich auch der deutsche Botschafter Abetz befunden hat. Die Sympathiekundgebungen für Laval sowie für D6at dauern weiter an. Der Gesundheitszustand Lavals bessert sich weiterhin zusehends. — D6at ist außer Gefahr. Botschafter de B r i - non, der Laval besucht hat, erklärte Pressevertretern, die Konstttution Lavals fei geradezu wunder- üar. Laval ist zwar sehr mitgenommen, doch sind die Aerzte voller Hoffnung für ihn.
Oie Sühne für polnische Grausamkeiten
Nach lOtägiger Verhandlung fällte das Posener Sondergericht in dem Verfahren gegen die 28köpsige polnische Polizeibegleitmannschaft des Obomiker Verschlepptenzuges das Urteil. Durch diesen Prozeß wurden die abscheulichen Bluttaten gefühyt, die von ehemaligen polnischen Polizeibeamten und Hilfspolizisten in den ersten Septembertagen 1939 an 672 wehrlosen Volksdeutschen auf dem 250 Kilometer langen Internierungsmarsch von Gnesen bis dicht vor Warschau verübt wurden. — Die beiden Hauptangeklagten wurden des Mordes in je 133 Fällen und der gefährlichen Körperverletzung im Amte in 672 Fällen für schuldig befunden und in jedem der Fälle zum Tode verurteilt. 16 weitere Angeklagte als Gewaltverbrecher zum Tode ver-
Der Glücksballon.
Von Werner Schumann.
Mit einer Geschwindigkeit, die fast an Hexerei grenzt, füllt der fliegende Händler aus seiner Stahlflasche Ballon auf Ballon. Die Enden der Bindfäden zwischen den Lippen, läßt er sie wie bunte Vögel um seinen grauen Kopf flattern: rote, grüne, blaue und kanariengelbe, eine luftige Gesellschaft, eine große Dolde von erträumtem Glück.
So oft ich am Stand des Händlers vorüberkomme, muß ich an jenes kleine, fchwarzgelockte Mädchen vom Oberrhein denken, dem die ältere Schwester, eine Friseuse, auf dem Jahrmarkt außer allerlei Näschereien einen besonders schönen Luftballon schenkte. Dankbar und glücklich trug es ihn heim, denn Claudia wußte, daß auch eine geringe Ausgabe für Agnes, die die vaterlose Familie fast allein zu ernähren hatte, ein Opfer bedeutete. Und so sann Claudio darauf, Liebe mit Liebe zu vergelten. Einer plötzlichen Eingebung folgend, schloß sie sich in ihrem Kämmerchen ein und schrieb einen geheimnisvollen Brief an den „unbekannten Finder", um ihn mit rührend-kindlichen Worten zu überzeugen, ein wie schönes und tugendreiches Mädchen doch ihre liebe Schwester Agnes sei, und daß gerade sie beim Himmel verdiene, einmal von einem reichen Manne heimgeführt zu werden und in einem Schloß zu wohnen ... Claudia vergaß nicht Unterschrift und genaue Adresse, auch die der also gepriesenen, nichtsahnenden Schwester, und schlich sich noch am selben Abend in den Garten, um in froher Erwar- tung ihren Ballon mit so guten Wünschen in den Aether steigen zu lassen.
Weit, sehr weit ging der Zauberflug jenes roten Pünktchens, das ein harmloser Kinderballon war und in einer fernen Großstadt einen ernsten Gelehrten in einen Zustand von unruhiger Erregung versetzte, wie er ihn kaum zuvor gekannt hatte. Ja, lächelt nur ob des unschuldigen Kindertraumes! Einem Archäologen, der mit Freunden auf dem Dachgarten seines Hauses eine Geburtstagsbowle trank, flatterte die Botschaft aus dem All so unzweideutig zu, daß die fröhliche Runde sogleich Überzeugt war: nur für ihn sei sie von der Vor
sehung bestimmt gewesen! Er erbrach den Brief, las, schüttelte erstaunt den Kopf — und lacfjte. ^ad)» dem der Brief von Hand zu Hand gewandert und halb humoristisch, halb philosophisch glossiert worden war, ertappte sich der Gastgeber dabei,- daß sein Herz schon an einen Wink des Schicksals zu glauben geneigt war, während sein Mund noch von „Hirngespinsten" und „Narreteien" sprach. Genug, er entschloß sich, dem Abenteurer in ihm, der leider bislang zu kurz gekommen war, schon anderntags eine Chance zu geben: er setzte sich auf die Bahn und suchte das ahnungslose Fräulein auf ...
Längst sind die beiden ein glückliches Paar. Und der Herr Doktor, bei dem sich Claudia schon als wissenschaftliche Hilfsarbeiterin angemeldet hat, findet es nur recht und in der Ordnung,,weUn Agnes ihn auf jeden Jahrmarkt führt und an die jubelnden Kinder verschwenderisch Luftballons verteilt: rote, grüne, blaue und kanariengelbe, eine luftige Gesellschaft, bunte Sendboten eines erträumten Glücks.
Fledermäuse.
Von Richard Gerlach.
Millionen von Vögeln stellen im Lichte des Tages den Insekten nach. Kommt aber die Dämmerung, w verschwinden sie still auf ihrem Schlafplatz. Nur die Nachtschwalbe jagt auf Heiden und Waldblößen werter. Doch bleibt der Himmel an einem warmen Abend nicht lange leer. Bevor noch die Sonne unter- gegangen sind, schießt die frühfliegende Fledermaus m Wipfelhöhe dahin. Die langen, schmalen Flügel bringen sie-schnell voran und schlagen nur tiefer aus wenn sie sich plötzlich herumreißen. Abendsegler nennt man sie auch, weil sie eine Strecke ohne Flügel- schlag schweben können, wenn sie auch die sichere Eleganz der Mauersegler dabei nicht erreichen. Ihre Gewandtheit muß aber die der Schwalben übertreffen; denn der Baumfalke, der um die Zwielicht- stunde manchmal ebenfalls die Nachtschwärmer jagt, und der die Schwalben einholt, vermag die frühfliegenden Fledermäuse nicht zu schlagen. Diese schnellsten unter unseren Flattertieren kann man auch noch in der Morgendämmerung sehen.
Wenn die Dunkelheit zunimmt, erscheinen die Hufeisennasen, tiefer auf breiten, kurzen Flügeln dahinschwankend. Sie haben nur winzige Augen, die ganz ungeeignet sind, die Finsternis zu durchdringen. Sie fliegen also blind. Trotzdem stoßen sie nirgends an. Die Empfindlichkeit ihrer zarten Flügelhaut und des hufeisenförmigen Nasenaufsatzes ist so groß, daß sie den leisesten Widerstand der Luft wahrnehmen. Wir machten uns als Kinder den Spaß, einen Erdklumpen hochzuwerfen, wenn sie zwischen Stall und Scheune hin und hereilten. Sie stockten bann im Fluge und bogen seitwärts ab, getroffen haben wir nie eine. Auch mahnte uns mein Großvater, die harmlosen Nachtgespenster nicht zu schrecken; denn da sie unter den Käfern, Fliegen und Faltern unersättlich aufräumten, hät- ten wir nur den Schaden davon, wenn wir sie verscheuchten.
Einmal fanden wir am Morgen eine verunglückte Ohrenfledermaus. Vielleicht hatte sie ein Kauz gegriffen und bann fallengelassen. Als sie nun tot in unserer Hand lag, sahen wir staunend das Körperchen, das nicht größer war als die beiden vorderen Glieder meines kleinen Fingers. Aber fast ebenso groß waren die abenteuerlichen Ohren, die Schallfänger, die den sirrenden Mückenflug erlauschen und, im Fluge nach außen gekrümmt, die Tragfläche vergrößern. So winzig der Rumpf wqr, die Flügel klaffterten weiter, als irgendeiner von uns mit der Hand spannen konnte. Wir maßen nach, es waren vierundzwanzig Zentimeter. Die Hinterbeine und der Schwanz waren in die Flughaut mit eingefpannt. Diese Fledermaus nimmt beim Fluge keine waagerechte Haltung ein, sondern steht dabei schräg aufrecht in der Luft. Dabei verhindern die großen Ohren das Absinken. Auf diese merkwürdige Weise saust die Ohrenfledermaus im Zickzack hin und her, auch in den Gärten der Stadt. Nur sieht sie kaum jemand, weil sie erst bei tiefster Dunkelheit hervorkommt und sich vor dem Morgengrauen in ihre Schlupfwinkel zuruckzieht.
Dort, in einer Baumhöhle ober hinter dem Fensterladen hängt sie sich an den Füßen auf, den n2pLnrad) ""Kn, die Flügel wie einen Mantel um
Wagend.
Wenn die kalte Jahreszeit die Kerfe oertrieben hat, treten die Fledermäuse den Winterschlaf an. Einige Arten suchen auf alten Türmen einen Platz dazu, andere wandern zu Höhlen und Bergwerken. An solchen versteckten Orten überwintern sie zu Scharen, fast ohne Eigenwärme und wie leblos. Erst das Frühjahr weckt sie bann wieder zu neuem Flattern und Jagen.
Zeitschriften.
— Einen zusammenfassenden Bericht über die „Große Deutsche Kunstausstellung 1941" gibt im September-Heft der Monatsschrift „Die Kunst" (Verlag F. Bruckmann K. G., München) Ulrich Chri- staffel. Zahlreiche Ausstellungswerke findet man in den guten Reproduktionen des bekannten Verlages. Weitere Berichte über die Einzelgebiete der Maleret Plastik und Graphik sind für die nächsten Hefte an» gekündigt. Paul Clemen bringt eine Würdigung des Werkes Ludwig von Hofmanns zu feinem 80. Geburtstag. Der zweite der Architektur gewidmete Tell des Hefte- läßt zunächst eine Gartenanlage in Köln- Marienburg von (Bartengeftalter Roland Weber sehen. Das Wesentlichste für die Gestaltung dieser Anlage ist die Weite der Rasenfläche. Die Möbelfabriken Schildknecht und Rall & Gerber, Stuttgart sind mit neuen Raumgestaltungen vertreten, die sich durch eine große Vielfältigkeit des Einrichtungs» gedankens und der Formgebung auszeichnen, wie die betgegebenen Abbildungen erkennen lassen. Zwei Bremer Häuser des Architekten Arthur Bothe, Bremen, sind architektonische Leistungen von großem Reiz. Die Gestaltung von Arbeitsräumen in einer Porzellanfabrik durch Hermann Gretsch, von R. Har- tuna in Zurich entworfene Dekorationsstoffe und handwerkliche Arbeiten aus der Ausstellung Deutscher Handwerkskunst der Gegenwart in der Kunsthalle in Düsseldorf werden ferner gezeigt. Das in- 5^eiche Heft wird eröffnet mit einer farbigen Abbildung von Adolf von Menzel: „Das Tratte Gymnafe'. Unter dem Thema „Dichter über Bildwerke, die sie lieben", hören wir Wilhelm von Scholz zu diesem Menzelschen Werk.


