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Donnerstag, 4. September Ml

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erbitterte Kämpfe im mittleren Teil der Ostfront.

Berlin, 3. Sept. (DNB.) Bei den mit Erbitte­rung fortgesetzten Kämpfen an der mittleren Ost­front wurden in engem Zusammenwirken von In­fanterie und Panzern in einem Korpsabschnitt wei­tere 92 sowjetische Panzerkampfwagen vernichtet Damit hat sich die Zahl der vernichteten oder er­beuteten Sowjetpanzer im Kampfraum dieses Korps vom 30. August bis 1. September auf 187 erhöht. Außer den sehr schweren Verlusten an Gefallenen und Verwundeten büßten die Bolsche­wisten 1400 Gefangene und zahlreiches Kriegsmate­rial ein. 107 Sowjetgeschütze befinden sich bereits in deutscher Hand. An anderer Stelle wurden stär­kere sowjetische Kräfte zersprengt und zurückge­schlagen. Insbesondere die sowjetische Panzerwaffe hatte erneut schwere Verluste. Die deutschen Trup­pen vernichteten 40 sowjetische Panzerkampfwagen, darunter 11 schwerste Panzerkampfwagen und einen Amphibienpanzer von 40 Tonnen Gewicht. Außer­dem wurden 2250 Gefangene eingebracht und zahl­reiches Kriegsgerät erbeutet. Gegen erbitterten sow­jetischen Widerstand eroberten deutsche Jnfanterie- und Panzerverbände ein Waldgebiet im mitt­leren Kampfabschnitt. Die Bolschewisten versuchten

mit allen Mitteln, die deutschen Truppen am weite­ren Vormarsch zu hindern. In gutem Zusammen­wirken der Infanterie mit Panzerkampswagen wur­den die Bolschewisten aus dem Waldgebiet gewor­fen. Die deutschen Truppen machten 2500 Gefangene und erbeuteten öder vernichteten drei sowjetische Panzerkampfwagen, neun Geschütze, 18 Maschinen­gewehre und 250 Fahrzeuge.

Oer Vormarsch an der estnischen Küste.

Berlin, 3. Sept. (DNB.) An der estnischen Küste versuchten die Bolschewisten, den weiteren deutschen Vormarsch aufzuhalten. Zur Abwehr des deutschen Angriffs setzten die Sowjets Batterien der K ü st e n a r t i l l e r i e ein. Von See aus c$rib fen sowjetische Kriegsschiffe mit ihren Schiffs­geschützen in den, Erdkampf ein. Durch einen um­fassenden Angriff'wurde jedoch der sowjetische Widerstand gebrochen. Die Bolschewisten hatten schwere blutige Verluste. Der Vormarsch an der estnischen Küste wird fortgesetzt.

Staudamm am Dnjepr.

Am Dnjepr befanden sich einige der wichtigsten sowjetischen Industrieanlagen, die nun für die sowjetische Produktion ausgefallen sind. Blick über einen 700 Meter langen Staudamm über den Dnjepr. (PK.-Otto-Scherl-M.)

W

A

Der Wehrmachtbericht.

DNB. Aus dem FührerhauplquarNer, 3. Sept Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

An der gesamten Ostfront sind erfolgreiche Kampfhandlungen im Gange.

Die rumänische Luftwaffe hatte an den großen Erfolgen an der Süboff front erheblichen Anteil. Sie vernichtete bis Ende August 4 3 3 sow­jetische Flugzeuge und unterstützte hervor­ragend die Operationen des Heeres.

Kampfflugzeuge bombardierten auf der briti­schen Insel in der vergangenen Rächt Hafen­anlagen an der 0 ft f ü ff e und Flugplätze in den Midlands.

3m Kanal sowie an der niederländischen und norwegisch en Küste schossen am gestrigen Tage leichte Seeslreilkräffe sieben, Jäger und Flak­artillerie vier, Marineartillerie ein britisches Flug­zeug ab.

3n Rordasrika erzielten deutsche und italie­nische Sturzkampfflugzeuge bei einem Angriff auf Tobruk am 1. September Bombenvolltreffer schweren Kalibers in britischen Artilleriestellungen und Truppenlagern.

Der Feind flog in der letzten Rächt nach Rord- und Mitteldeutschland sowie in das Rhein-Main- Gebiet ein. Der Angriff eines Bombenverbk ndes auf die Reichshauptstadl kam infolge starker Flak­abwehr nicht zur vollen Wirkung. Rur wenige Flug­zeuge erreichten das innere Stadtgebiet. Die Zivil­bevölkerung hatte durch Bombenwürfe auf Wohn­viertel geringe Verluste an Toten und Verletzten. Flakartillerie schoß sechs britische Bomber ab.

Lustangriffe

auf sowjetische Eisenbahnlinien.

Berlin, 3. Sept. (DNB.) An der gesamten Ostfront unternahm die Luftwaffe wiederum starke Angriffe gegen sowjetische Verkehrsziele. So wur­den die Eisenbahnlinie KrementschugLubny so­wie die Eisenbahnstrecken KonotopLgow, Wol- chowstroiTischwin und KurskDrei an zahlrei­chen Stellen durch Bombentreffer unter­brochen und mehrere Eisenbahnzüge zum Ent­gleisen gebracht. Heftige Angriffe erfolgten auf bolschewistische Kolonnen und Flak st e l - tun gen ostwärts des Dnjepr sowie auf Trup­pen- und Panzeransammlungen. In den anderen Räumen wurden Batterien und Stel­lungen der Sowjets mit Erfolg bombardiert.

Der 1000. Abschuß im Osten.

Berlin, 3. Sept. (DNB.) Das Jagdge­schwader Lützow unter Führung seines Kom­modore und Eichenlaubträgers Major Lützow er­rang am 30.8. seinen 1000. Abschuß im Osten. Ins­gesamt erzielte das Geschwader vom 10. Mai 1940 bis 1. September 1941 1402 Abschüsse, davon im Westen 386, im Osten 1016. Außerdem wurden 243

sowjetische Flugzeuge am Boden zerstört. Major Lützow hat selbst 56 Luftsiege. In seinem Jagd­geschwader wurden bisher neun Offiziere mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.

Oie Bolschewisten am Unterlauf des Onjepr abgewiesen.

Berlin, 3. Sept. (DNB.) Unter Ausnutzung der Morgendämmerung versuchten die Bolsche­wisten am 2. September am Unterlauf des Dnjepr in Zugstärke über den Fluß zu setzen. Die Wachsamkeit der deutschen Truppen verhin­derte das Vorhaben der Sowjets °durch so­fortiges energisches Eingreifen.

Oas Eichenlaub zum Ritterkreuz überreicht.

DRB. Aus dem Führerhauptquartier, 3. Sept. Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht überreichte Mittwoch den erfolg- reichen Jagdfliegern Hauptmann Hahn, Oberleut­nant Philipp und Oberleutnant Bär persönlich das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.

Oer Führer

verleiht Kriegsverdienstkreuze.

Berlin, 3. Sept. (DNB.) Der Führer hat nach Abschluß des zweiten Kriegsjahres um die Durch­führung von Kriegsaufgaben verdiente Männer aus Wehrmacht, Partei, Staat, Wirtschaft und Wissenschaft durch die Verleihung des Kriegsver­dienstkreuzes ausgezeichnet. Ebenso hat der Führer einer Anzahl von Frauen, die in Nüstungsbetrieben unter besonders schwie­rigen Verhältnissen kriegswichtige Arbeit leisten, die Kriegsmedaille verliehen.

3m Schwarzen Meer sowjetisches Lt-Boot versenkt.

Berlin, 3. Sept. (DNB.) Bei bewaffneter Auf­klärung im Schwarzen Meer versenkte ein deut­sches Kampfflugzeug durch Bombentreffer und durch das Feuer feiner Bordwaffen ein sow­jetisches U-Boot.Etwa 130 Kilometer westlich der Krimküste beobachteten wir plötzlich ein sowjetisches U-Boot", so berichtete der deutsche Flugzeugführer nach der Rückkehr in feinen Heimathafen.Mit mehreren Bomben und unseren Bordwaffen griffen wir die Sowjets im Tiefflug an, unsere Bomben explodierten hart an der Backbordseite des Bootes und rissen ihm die Bordwand auf. Wenige Augen­blicke später legte sich das U-Boot auf die Seite und sank über Backbord ob. Auf drei weiteren An­flügen beschossen wir mit unseren Bordkanonen und Maschinengewehren den noch aus dem Wasser ragenden Turm und Bootskörper des U-Bootes. Bereits vier Minuten nach unserem ersten Angriff war das U-Boot unter der Wasseroberfläche ver­schwunden. Nur eine dicke quellende Oelspur kenn­zeichnete die Untergangsstelle." Das U-Boot ge­hörte zurDeLabrist"-Klasse, die 1930 erbaut wor­den War und getaucht 1318 Tonnen Wasser ver>

drängte. Es war mit zwei Flugabwehrgeschützen und acht Torpedorohren bestückt. Außerdem besaß das U-Boot eine Aufnahmevorrichtung für Minen.

politische Zigaretten.

England finanziert dieNote Hilfe" in Spanien.

Madrid, 3. Sept. (Europapreß.) Seit einigen Tagen werden in Madrid und in den größten Städten der spanischen Provinz in großem Maß­stab Verhaftungen von Tabak- und Zirgaretten-Schwarzhändlern vorge­nommen. Dabei handelt es sich weniger um die Be­kämpfung des Schleichhandels, als vielmehr um dis Aufrollung einer britisch-bolschewistischen Wühl- Organisation. Bereits früher war schon der Verdacht aufgetaucht, daß die bolschewistischeRote Hilfe" in Spanien, die stellenweise im Geheimen ihr Leben fristet, mit britischem Geld u n terstützt wird. Jetzt stellt sich heraus, daß diese Unterstützung in Form eines großangelegten Schmuggels mit britischen und nordamerikanischen Zigaretten vor sich geht. Die Zigaretten werden durch Fischkutter den Agenten der Roten Hilfe an der Küste zugestellt. Von dort aus werden sie ins Land verschickt und züm Schwarzhändlerpreis von durchschnittlich zehn Peseten, d. s. etwa 2,50 RM. für das Paket mit zwanzig Zigaretten, verkauft. Die spanische Polizei hat festgestellt, daß die da­durch eingenommenen Gelder dem spanischen Fonds der Roten Hilfe zufließen.

Zn britischen Diensten versenkt.

Lissabon, 3. Sept. (Europapreß.) 41 Ueber- lebende von drei durch deutsche U-Boote versenkten Schiffen nahm der portugiesische DampferLima" an Bord, der, von den Azoren- kommend, in den Lissaboner Hafen einlief. Die versenkten Schiffe, der holländische DampferSitoebondo" (7049 BRT.), der englische DampferShahristan" (6935 BRT.) und der kanadische FischdampferRobert Max", waren im Juli in einem britischen Geleitzug von einem englischen Hafen ausgelaufen. Nach mehr­tägiger Fahrt löste sich der Geleitzug im Atlanti­schen Ozean auf, und die einzelnen Schiffe nahmen Kurs auf ihre Bestimmungshäfen. Die drei Schisse wurden kurz daraus am 29. Juli von deutschen U- Booten versenkt, teils durch Torpedos, teils durch Geschützfeuer. Don der 60köpfigen Besatzung der Sitoebondo" kamen 17 Mann ums Leben. Die Shahristan", die mit einer Kriegsmaterialladung nach y r a n unterwegs war, hatte außer 73 Mann Besatzung noch 67 englische Offiziere und Soldaten, insgesamt also 140 Mann, an Bord. Da­von werden 71 vermißt. Von der 20 Mann starken Besatzung derRobert Max" kamen sechs Mann ums Leben. Die Ueberlebenden wurden, nachdem sie sieben bis zehn Tage in Rettungsbooten umher- getrieben waren, von dem spanischen Dampfer Campero" ausgenommen und nach den Azoren gebracht. Unter den Geretteten befinden sich zahl­reiche Inder und einige Chinesen.

Die Festung ohne Hinterland.

Der Dollarimperialismus hat einen neuen Vor­wand gefunden, seine Polypenarme nach dem Fer­nen Osten auszustrecken. Hilfe für Moskau nennt er ihn, in Wirklichkeit verbirgt sich darunter die­selbe Erbschleicherei und Leichenfleddermoral, mit der man England zum Auskosten seines Krieges bis zur Neige ermuntert. Daß der Bolschewismus zusammenbrechen wird, weiß man in Washington nur zu gut. Aber gerade deshalb erbietet man sich so eifrig, ihm über feinen Fernofhafen Wladi- wostok angeblich Kriegsmaterial liefern zu wollen.

Angeblich! Denn in Wahrheit sucht man nur eine Gelegenheit, sich auf dem ostasiatischen Fest­land einen Stützpunkt zu schaffen, dessen Spitze deutlich gegen Japan gerichtet ist. In Tokio hat man dagegen auch sofort eine warnende Stimme erhoben, einmal, weil es der ostasiatischen Neuord­nung widerspricht, einer raumfremden Macht auf dem asiatischen Kontinent Fuß fassen zu lassen, zweitens, weil USA.-Flugzeuge in Wladiwostok eine ständige Bedrohung Japans darstellen wür­den, drittens auch, weil nordamerikanische Kriegs­materialtransporte nach diesem Hafen durch ein Gebiet führen, daß deutlich auf allen Landkarten als Japanisches Meer bezeichnet ist, und viertens, weil juristisch gesehen, ein derartiges Vorgehen der Vereinigten Staaten einen Vorstoß gegen den Geist des von Matsuoka abgeschlossenen Neutralitätspak­tes bedeutete. Gerade die USA. haben auf der Panamakonferenz eine Sicherheitszone deklariert, die viele hundert Seemeilen ins offene Meer, also weit über die völkerrechtliche Dreimeilenzone hin­ausragt. Was dem einen recht ist, ist dem andern billig, um so mehr, als es sich bei dem Japanischen Meer um ein geschlossenes Gebiet handelt, das, wie jeder sich auf der Landkarte überzeugen kann für Japan lebenswichtig ist.

Wladiwostok nun ist an sich schon von sowjeti­scher Seite aus wie ein Dorn im japanischen Körper. Einst war es ein harmloses Küstendorf, dessen erste Siedlungen 1860 entstanden. Das im- perialistisstche Streben des zaristischen Rußland, das eine Einmischung in das fernöstliche Kräfte­spiel verlockend machte, führte dazu, daß Wladi­wostok mit ungewöhnlichem Tempo zur Stadt und 1885 zum Kriegshafen ausgebaut wurde, wobei seine Bedeutung noch durch den Bau der Trans­sibirischen und Ostchinesischen Eisenbahn wuchs. Fast schien es, daß Rußland damals durch den Krieg mit Japan für immer feine fernöstliche Posi­tion verlieren würde, aber nach dem im Jahre 1905 geschlossenen Frieden von Portsmouth verblieb Wladiwostok den Russen als Stützpunkt.

So ist es inzwischen auf fast 250 000 Einwoh­ner angewachsen. AlsHauptstadt der fernöstlichen Sowjetrepublik" stellt es einen Handels- und Jn- dustriemittelpunkt von nicht zu unterschätzender Bedeutung dar. Vor allem sein Schiffsbau ist zu nennen, dazu seine Eignung als Handelshafen und Ankerplatz für größte Schiffe und feine Beherber­gung der sowjetischen Walfangflotte. Durch die

pariser Erinnerungen.

Von unserem Ste.-Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Paris, September 1941.

Sie haben den Krieg durch die Passivität einer Mehrheit und die parteiische Verrücktheit einer Minderheit hervorgerufen und seitdem nichts gelernt; aus der Niederlage Frankreichs haben sie nur ihre persönliche privilegierte Stellung retten wollen." Dieses Motto, einer geläuterten Pariser Zeitung entnommen, kann man einem Rückblick voranstellen, der die wechselseitige.Aktion der Re­gierung Daladier und des Parlamen­te s in den Tagen des Ausbruchs dieses Krieges unter die Lupe nimmt.

Nach einem verlorenen Krieg behaupten die Ver­antwortlichen natürlich, ihn n i ch t g e w o l l t zu haben. Ohne auf diese Entschuldigung einzugehen, die gerade diejenigen französischen Kreise gern gel­tend machen, die mit Freuden einen Krieg gegen Deutschland gewonnen hätten, kann man fest­stellen, daß die Kriegserklärung Frankreichs an Deutschland von einer Vertuschungsatmosphäre umgeben wurde, die an der Tatsache selbst nichts ändert und das französische Volk nicht entlastet, das sich die Vertreter gegeben hat, die es wollte. Aber diese Vertuschungsatmosphäre wirft ein bezeichnen­des Streiflicht auf die parlamentarischen Sitten, die in Paris herrschten.

Als die französische Regierung, also Daladier, der sich auf England festgelegt hatte, Ende August 1939 hinsichtlich Polens kein zweites München aufkom­men lassen wollte, kam es propagandistisch darauf an, in der Bevölkerung auch nicht den geringsten Zweifel baran bestehen zu lassen, daß etwa noch eine friedliche Lösung möglich wäre. Es kam dar­auf an, den Krieg und die Kriegserklärung als unvermeidlich hinzustellen: durch aktive Pro­paganda und durch Verschweigen etwa vorhandener Friedensmöglichkeiten.

Das Totschweigen mußte sich, vom Standpunkt der kriegslustigen Franzosen/ besonders auf den Vermittlungsoorschlag beziehen, den Italien in letzter Stunde noch einbrachte. Schon am-28. August hatte aber die französische Regierung die Zensur eingeführt und durch sie ließ sie den italienischen Vorschlag, der sonst am Abend des 31. August 1939 öffentlich hätte bekanntgegeben wer­den können, geheimhalten. Erst nachdem die deutschen Kampfhandlungen gegen Polen am 1. Sep­tember begonnen hatten, sickerten ein paar Andeu­tungen über den Vorschlag imPetit Parisien" durch, aus denen man sich aber auch fein rechtes Bild machen konnte. Die Meldung über den ita­lienischen Vorschlag selbst wurde von der französi­schen Zensur erst am 3. September freigegeben, als die Kriegserklärungen Englands und Frankreichs au Deutschland heraus War'er^

Aber nicht nur die breite Öffentlichkeit wurde in Unkenntnis der wahren Lage gehalten, sondern auch die Mitglieder von Kammer und Senat, die sich sonst etwas darauf einbildeten, die Bestunter­richteten zu sein. Am 2. September sand eine Kam­mersitzung statt, in deren Verlauf ein paar Ab­geordnete, die von einem italienischen Konferenz­vorschlag etwas läuten gehört hatten, von der Re­gierung Aufschluß erhalten wollten, was eigentlich daran sei. Der Ministerpräsident Daladier war entschlossen, den Mund nicht aufzutun, denn die Wahrheit hätte ihm die Abwicklung feiner Kriegs­politik erschwert; aber das Parlament als solches tat sich auf feine Redefreiheit etwas zugute, und um die Neugier abzulenken, mußte der Sprecher des Parlaments, .Kammerpräsident Herrio t, der eigentlich die berufliche Wißbegier der Abgeord­neten in eigener Sache hätte unterstützen müssen, der Regierung zur Hilfe kommen. Das geschah auch, denn Herriot, der Mann nicht der Tat, sondern der Rede, erwies sich auch als der Mann der Dis­kretion, die sich mit dem Parlamentarierberuf an sich nicht verträgt. Er tat alles, um peinliche Fragen nach dem Inhalt italienischer Vermittlungs­vorschläge durch die Geschäftsordnung vom Präsi- dentensefsel herunter zu unterdrücken und stützte die Regierung bei ihrer Irreführung* daß die Kammer durch Verabschiedung der neu beantragten Militär­kredite damit nicht etwa auch für eine französische Kriegserklärung stimme.

In einem Sitzungsprotokoll soll ausdrücklich ver­merkt gewesen sein, daß Daladier vor der Abstim­mung beteuert hatte, daß die Regierung aus der Bewilligung der Militärkredite für sich nicht das Recht ableiten würde, nun eine Blankovollmacht zur Kriegserklärung zu haben. Dieses Sitzungs- protokol? existiert aber nicht mehr, man sagt, daß Daladier selbst die erste Fassung des Berichtes ab­geändert und den für fein Gewissen belastenden Passus gestrichen habe. Es kann sein, daß er das getan hat, aber seine Spur läßt sich in der Ge­schichte nicht verwischen. Daladier und Herriot haben nicht nur Frankreich in die Niederlage ge­führt, sondern auch enthüllt, daß das parlamenta­rische Regime in Frankreich, wo es sich als vor­bildlich zu gebärden pflegte, genau so verfault war wie in den anderen Ländern, die unter feiner be­glückenden Herrschaft lebten. Und beide Männer haben ihre Namen als Regierungsmänner wie als Parlamentarier denn man wechselte von einem zum andern und hatte oft beide Eigenschaften zu­gleich in den Sturz der Einrichtungen hinunter- geriffen, die sie vertraten. Einen solchen Krieg, mit aktiver und passiver Lüge gestartet, konnten weder Frankreich noch die parlamentarische Demokratie gewinnen.