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höchsten Befehlshabern in den Kreml ein. Hier mußte dann die eine Hälfte der Versammlung die andere als Landesverräter dem "Tode preisgeben. Dieser Aderlaß, dem die besten führenden Kräfte in allen Teilen der Armee und Flotte zum Opfer fielen, hat für die Sowjetmilitärmacht entscheidende Folgen gehabt.
Wohl sind große Anstrengungen gemacht worden, dem Militär einen neuen Geist emzuflößen. Das geschah einerseits, indem Stalin die politische Tarnung der „Demokratisierung" der Sowjet- brttatur auch auf die Armee ausdehnte. Sie wurde Anfang 1939 von neuem vereidigt, wobei der einzelne Soldat nicht mehr als „Sohn des werktätigen Volkes", sondern als „Bürger der UdSSR." seinen Eid ablegte. Auch fehlte jetzt der Hinweis auf „die Befreiung aller Werktätigen in der Welt", und die neuen Begriffe „Volk" und „Heimatland" wurden eingeführt.
Mit der scheinbaren Demokratisierung der Streitmacht zog als Exponent des staatlichen Mißtrauens gegen das Heer der Politruk, der politische bolschewistische Kommissar, als dessen eigentlicher Leiter, ein. Die Soldaten waren ihm ebenso zum Gehorsam verpflichtet wie ihren Offizieren. Neben jedem Kommandeur stand entsprechend seinem Rang der meist jüdische Politruk. Da dieser es immer in der Hand hatte, den Offizier als unzuverlässig oder verdächtig anzugeben, lag die eigentliche Macht beim Kommissar. Obgleich man den unhaltbaren Zuständen, die durch diese jüdische Vorherrschaft in Heer und Flotte entstanden, neuerdings dadurch zu begegnen suchte, daß man die militärische Kom- mandogewalt, als die ausschlaggebende, über die des Politruk stellte, hat sich in Wirklichkeit wenig ge« ändert, weil in der Sowjetunion die GPU. letzten Endes doch die Macht in Händen hat.
Im Mai vorigen Jahres wurden, um die Autorität der höheren Generalität zu stärken, wiederum die alten Rangbezeichnungen eingeführt: Generalmajor, Generalleutnant bis zum Marschall und Admiral hinauf, wobei es gleich fünf Marschälle, Woroschilow, Timoschenko, Budjenny, G. Kulik und Schaposchmkow, gab.
Wie wenig diese Anstrengungen trotz der Lob- gesänge der Presse, daß die Sowjetarmee nun endgültig unbesiegbar sei, gefruchtet hatten, zeigte sich noch im Jahre 1940 während des Krieges zwischen dem Riesenstaat von 180 Millionen und dem Finnland mit 3,5 Millionen Menschen. Moskau hatte es überhaupt nicht für möglich gehalten, daß Finnland Widerstand wagen nnirde. Die Falschmeldung zu Beginn des Krieges, daß die finniscke Regierung das Land verlassen habe, entsprach deshalb vielleicht sogar ihrem tatsächlichen Glauben. Man meinte, daß die Kreatur Kuusinen einen triumphalen Einzug in Helsinki halten werde. Die in vierfacher Macht anrückenden, aus allen Teilen der Sowjetunion zusammengewürfelten Sowjetdivisionen bewiesen nur die Machtlosigkeit der Zahl. Wenn schließlich Finnland doch aus einen Kompro- mißsrieden einging, so geschah es, weil ihm 'einfach die Mittel und physischen Kräfte fehlten. Das Ansehen der Sowjetarmee hatte aber in den Wäldern Ostfinnlands einen schweren Stoß erhalten.
Unzweifelhaft hat Moskau seitdem die größten Anstre«gungen gemacht, um die zutage getretenen Mängel und Schwächen auszuschalten, die Disziplin in der Armee mit der wiedereingeführten Grußpflicht zu bessern und auch das Material mit Aufbietung gigantischer Mittel zu heben. Für Rüstungszwecke waren 1936 14,8 Milliarden Rubel, zwei Jahre später 17,5 Milliarden veranschlagt. Die Kurve ist seinem besttmmt noch stärker angesttegen.
Es wäre verfehlt, die Anstrengungen Moskaus zu. unterschätzen. Unzweifelhaft hat man das Volk hungern lassen, um die Armee gut zu nähren, haben die Soldaten verhältnismäßig gute Kleidung und Stiefel erhalten, während sich der gewöhnliche Bürger mit schäbigster Brakware begnügen mußte. Sicherlich sind die Sowjettankwagen, ist die im allgemeinen weit vorgeschrittene Motorisierung der Armee das Höchste, was die Sowjettndustrie zu leisten imstande ist. Die Armee wird in Moskau auf 10 Millionen Mann geschätzt, wobei die Hälfte, die eigentliche sogenannte Kaderarmee, bildet, während die andere Hälfte aus den Territorialarmeen der einzelnen Republiken besteht. Diese Zahlen sind sicher übertrieben — es wurde neuerdings von etwa 240 Divisionen gesprochen, von denen zwei Drittel an der Westftont stehen —, soweit sie noch stehen.
So glaubte die Sowjetunion, ein Instrument ge- schaffen zu haben, das Europa und besonders den stärksten Feind der bolschewistischen Zersetzung und Weltbrandziele, das Deutsche Reich, niederzuwerfen imstande sei. Die deutschen Heere sind nun nach dem Moskauer Verrat am Werk, diese Hoffnungen ein für allemal zu zerstören.
Waizmann als Diktator.
Daß der gegenwärtige Krieg in erster Linie ein Werk bet jüdischen Plutokratie und ihrer Helfershelfer gegen Deutschland und Italien ist, bedarf keines Beweises mehr. Trotzdem hat der Vorsitzende der zionistischen Weltorganisation, Chaim Waizmann, es für notwendig gehalten, der englischen Regierung zu versichern, daß die gesamte jüdische Finanzwelt in USA. England im Kampf gegen die Achsenmächte unterstützen werde, wenn England sich dazu verpflichtet, an die Juden ganz Palästina und den südlichen Teil des Libanon abzutreten. Dazu wird gemeldet, daß die Londoner Regierung diesen „Vorschlag" bereits angenommen habe. Auch der Sohn des amerikanischen Präsidenten, James Roosevelt, hatte kürzlich in Tel Aviv eine Rede gehalten, in der er mitteilte, sein Vater habe ihn beauftragt, bekanntzugeben, daß er alle jüdischen „Wün- s ch e" in P a l ä st i n a unterstützen werde.
Wenn in solcher Weise das Weltjudentum und sein nordamerikanischer Protektor ihre Forderungen erheben, dann mußten in London auch die Bedenken des Kolonialamts und des Jndia Office zurück- gestellt werden, die nicht ohne weiteres von den Aspirationen des Judentums erfreut sind. Die jüdische Weltorganisation hat schon früher das Ziel bekundet, einen jüdischen Palästinastaat zum geistigen und politischen Mittelpunkt der zionistischen Interessen' auszugestalten. Anderseits kennt England die Widerstände der arabischen Völker gegen den Raub ihres Landes durch das jüdische Großkapital. England weiß weiter, daß die jüdischen Ansprüche immer größer werden, je mehr England auf das Wohlwollen der amerikanischen und jüdischen Finanzwelt angewiesen ist. So war es auch schon im Weltkrieg, als die Juden die Balfour-Deklaration durch Geld und schöne Worte für sich herausholten, die dann zur Errichtung des jüdischen Mandats in Palästina geführt hat.
völlig wirkungslosen Angriffsversuchen wurden zwölf Jagd- und drei Kampfflugzeuge im Luftkampf, durch Flakartillerie zwei weitere Jagdflugzeuge a b g e s ch o s s e n. Außerdem stürzten während der Kämpfe 3mei britische Jagdflugzeuge nach Zusammenstoß in der Luft ab, so daß sich die Ge- samtverluste des Gegners auf 19 Flugzeuge erhöhen. Eigene Verluste sind nicht eingetreten.
Die Sowjets erbitten LtSA.-Hilfe.
^Washington, 2. Juli. (Europapreß.) Wie Staatssekretär Sumner Welles am Dienstag erklärte, ist der sowjetrusssische Botschafter Sumanski nunmehr an die USA.-Regierung wegen der Durchführung der Kriegsmateriallieferungen von USA. nach Sowjetrußland herangetreten. Sumanski hatte Sumner Welles am Montag besucht, um mit ihm die Einzelheiten für die sowjetrussischen Jndustrie- aufträge in USA. zu besprechen. Welles erklärte, daß er die Aufträge der Sowjetregierung entgegengenommen und an die zuständigen Stellen weittr- geleitet habe.
Dieses offizielle Ersuchen der Sowjetregierung stellt die USÄ. vor die Entscheidung, ob sie direkt an die Sowjets liefern oder die zugesagte Rußland- Hilfe durch eine verstärkte England-Hilfe beweisen sollen, wie es der überwiegende Teil der Internen- tionspresse fordert, oder aber den deutsch-sowjetischen Krieg zum Anlaß nehmen sollen, sich hinsichtlich des europäischen Krieges größere Reserve aufzuerlegen, wie es die im, Wachsen begriffene Kongreß-Minderheit fordert. Roosevelt ist ebenso wie Welles den Fragen nach den Sowjetlieferungen bisher immer mit der Behauptung ausgewichen, ein entsprechendes Ersuchen der Sowjets liege noch nicht vor.
Der Sowietbotfchaster verläßt Vichy.
Vichy, 2. Juli. (Europapreß.) Die Maßnahmen gegen den Kommunismus, zu denen sich die fran« zösische Regierung veranlaßt gesehen hat, nehmen ihren Fortgang. Nachdem seit Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur Sowjetunion eine große Anzahl von Russen verhaftet worden war, hat nunmehr der sowjetrussische Botschafter die Stadt Vichy sehr rasch verlassen müssen. Er wurdö mitsamt dem Botschafterpersonal in nächtlicher Stunde mit einem Sonderzug abtransporttert. Nach den Berichten einiger weniger französischer Augenzeugen, die am Bahnhof anwesend waren, befanden sich der Botschafter Bogomolow und die übrigen sowjetischen Botschaftsmitglieder in sehr nervöser Sttmmung. Ueber den Ort, wohin sich der russische Diplomatenzug begibt, wird von der französischen Regierung zunächst noch Stillschweigen gewahrt.
3m befreiten Riga. Von Kriegsberichter Willi Wrenhöwer^
DNB. ..., 2. Juli. (PK.) Nun ist es so weit, Riga ist frei! Brandrot leuchtet der Himmel vom grellen Feuerschein. Eine große Lederfabrik cknd zahlreiche andere Gebäude stehen in Flammen. Vereinzelt gellen Schüsse durch den warmen Symmerabend. In der westlichen Vorstadt sind unsere Truppen dabei, Ställe und Böden der Häuser nach Hinterhalten und Heckenschützen zu durchsuchen. Hart und rücksichtslos wird oorgegangen.
Einige Kilometer südlich von Riga wird der große Handstreich vorbereitet. In Sturmbooten wird ein Bataillon eines Pionier-Regiments über die Düna gesetzt. Es bildet einen Brückenkopf. Dem Kommandeur werden zur Unterstützung zwei Infanterie-Kompanien und ein schwerer Maschinengewehrzug unterstellt, ein weiteres Pionier-Bataillon baut diesseits des breiten, träge dahinfließen-
Unser Bild zeigt eines der bekanntesten und ältesten deutschen Gebäude, das historische Schwarzhäupterhaus, eine der größten Sehenswürdigketten der Stadt Riga. — (Scherl-Bildarchiv-M.)
den Flusses schwere Lastenfähren, mit denen im Schutz der Dunkelheit einige Sturmpanzer und Panzerspähwagen übergesetzt werden. Dom Feind unbemerkt, erreicht die Spitze des Angriffsverbandes den Stadtrand und legt sich an den Häusern in Bereitschaft. Dann aber scheint eine bolschewistische Batterie von dem kühnen Vorhaben unserer Pioniere Wind bekommen zu haben. Sie legt Störungsfeuer auf die Häuser, dem wir ohne größere Mühe ausweichen können. Auch unsere Artillerie ist nicht müßig, pfeifend surren die schweren Brocken über uns hinweg und zerbersten drüben beim Feind. Dann wird es still. Leichter Nebel legt sich über die Wiesen und Soldaten.
Von der Bereitstellung wird der Angriff in zwei paralleloerlaufenden Marschbewegungen oorgetra- gen. Langsam und stets sichernd dringen wir in das Stadttnnere ün der Richtung der beiden gesprengten Brücken vor. Einige Frühaufsteher treten zögernd auf die Straße, sie sind vor Staunen sprachlos. Die Brücken sind doch gesprengt. Unsere erste Sorge gilt den Kameraden, die am Sonntag- vormittag über die historische Brücke in die Stadt emgedrungen, aber durch die Sprengung von allem Nachschub und aller Unterstützung abgeschnitten waren und als kleines Häuflein sich gegen die mit überlegener Stärke vorgetragenen Angriffe der Bolschewisten heldenhaft wehrten. Was ist aus ihnen geworden?
Um 9 Uhr erreichen wir den Bahnkörper. Wir werden mit Maschinengewehrfeuer empfangen, aber unsere Pak bringt mit mehereren Salven den Gegner zum Schweigen. Wir gehen gegen die Schützenlöcher und Unterstände der Bolschewisten vor. Ein Halbsoldat mit dem Gewehr in der Hand tritt uns entgegen. Er wird tödlich getroffen. Wir werfen Handgranaten in, die Unterstände hinein, es kommt aber niemand zum Vorschein. Wir stehen vor einer bolschewistischen Batterie. Das gesamte Bedienungspersonal ist gefallen. Ueberall, wohin wir schauen, liegen tote Bolschewisten. Wir klettern auf den Damm und stehen nun auf der Brücke, um die so erbittert gekämpft worden ist. Unsere Kameraden der Vorausabteilungsspitze und die, die ihnen helfen wollten, liegen tot da, die Handgranaten in der verkrampften Hand. Im stillen Gedenken gehen wir die Reihen entlang. Da bewegt sich einer, richtet sich auf, sieht uns starr an und sagt: „7. Kompanie". Wir ruftft Sanitäter. Sie bemühen sich um den Verwundeten und völlig Erschöpften. Da bewegt sich wieder einer, ein junger Leutnant. Auch er wird vom Roten Kreuz, das zur Hilfeleistung herbeigeeilt ist, ins Lazarett gebracht. Die Zivilbevölkerung erscheint, zum Teil bewaffnet. Es sind die Letten, die die noch versteckten Bolschewisten aufspüren wollen. Es fallen noch einige Schüsse. Es werden noch einige Gefangene gemacht. Aber wie die Zivilisten erzählen, sind die Bolschewisten in der letzten Nacht in östlicher Richtung abgehauen.
Es ist 10 Uhr. Die Glocken läuten. Das Volk strömt auf die Straße. Wir treten abermals an, um die Stadt gegen Osten zu säubern. Dieser Säuberungsmarsch wird für uns zu einem Jubelzug ohnegleichen. Die Bewohner der lettischen Hauptstadt feiern. Alles hat Festkleider angezogen. Mädchen tragen bunte, wallende Heimattracht. Alles vereinigt sich im Zeichen der rotweißroten Fahnen und der Befreiung Lettlands durch deutsche Truppen. Die Soldaten kommen in den Straßen kaum vorwärts, sie werden mit Rosen und Zigaretten übersät, Mädchen und Frauen reichen ihnen Tomaten, Gurken, Butterbrote, Bier und alles, was irgendwie vorhanden ist. Das Händeklatschen, Sieg- Heil-, Heil-Hitler- und Bravo-Rufen nimmt kein Ende. Ueberall fragt man uns: „Warum sind Sie nicht früher gekommen? Wir haben so lange gewartet. Sie hätten viel Unglück von der lettischen Bevölkerung abwenden können. Tausende von guten Bürgern sind während des einen Jahres bolschewistischer Herrschaft verschleppt und ermordet worden."
Noch schwelen in verschiedenen Straßen Brände, noch stehen rauchende bolschewistische Panzerwagen an den Straßenecken, aber die Freude über die Befreiung vom bolschewistischen Terror übertönt alles.
Leutnant Müller.
Berlin, 2. Juli. (DNB,) In, den Kämpfen um die bolschewistischen Grenzbefestigungen bei Mona st y r zeichnete sich der Leutnant Johannes Müller als Führer eines Pionierzuges in einem Infanterie-Regiment .aus. Durch wagemutigen Einsatz gelang es ihm, eine mit MG.° und Gewehrschützen besetzte abwehrbereite Kampfanlage der Sowjets außer Gefecht zu fetzen. Der Erfolg war, daß er den Angriff seines Bataillons, das von der sowjetischen Kampfanlage behindert und flankiert wurde, erneut vorwärts riß. Leutnant Müller wurde bereits während der vorangegangenen Feldzüge dieses Krieges mit dem E. K. I und II für seine tapferen Taten ausgezeichnet und im Wehrmachtbericht vom 1. 7. genannt
Richtkanonier
schießt 14 Gowjetponzer ab.
Berlin, 2. Juli. (DNB.) Im Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht vom 1. Juli ist der hervorragenden Waffentat des Gefreiten in einem Ar
ttllerie-Regiment, Fritz Reifer, besonders gedacht, der als Richtkanonier mit seinem Geschütz in kürzester Zeit 14 feindliche Panzer vernichtete. Sowjetpanzer versuchten mehrfach, ihre Angriffe gegen die deutschen Stellungen vorzutragen. Mit überlegener Ruhe verfolgte Gefreiter Reiser als Richtkanonier durch das Rundblickfernrohr feines Geschützes aufmerksam alle Bewegungen der heranbrausenden Sowjetpanzer. Mit beispielloser Kaltblütigkeit und Umsicht nahm Reiser seine Gegner aufs Korn, und während eines Kampfes von fast l'/rftündiger Dauer gelang es ihm, insgesamt 14 Sowjet-Kampfwagen abzuschießen, obwohl der Feind mit allen Mitteln versuchte, dieses ihm besonders gefährlich werdende Geschütz auszuschalten und zu vernichten.
Britische Lustangriffe an ter Kanalküste erneut zusammengekrochen.
Berlin, 2. Juli. (DNB.) Vorstöße britischer Kampfflugzeuge mit starkem Jagdschutz in den Mittagsstunden des Mittwoch gegen die Kanalküste wurden abermals unterschwerenVerlusten für den Gegner abgeschlagen. Bei diesen
fangen, den Marsch ohne Pause zum zweitenmal spielen. Dann jedoch kann er nicht umhin, die Stirn zu runzeln und dem Trompeter Winkler einen fragenden Blick zuzuwerfen. Der wagt daraufhin noch einmal die Hacken zusammenzuknallen und nunmehr endlich beendet er seinen Satz:
„... aber der Herr General ist nicht zu Hause.-
Oer Radetzkymarsch.
Von Hans Riebau.
Die Division liegt seit langem in Ruhe. Es mitif exerziert und geputzt und gesungen, und überall auf den Plätzen der Stadt geben die Musikkorps Konzerte. Am Sonntagmorgen jedoch zieht der Musikmeister Ploetz nicht wie sonst auf die Place du theätre, sondern in die Rue de la croix, denn der Divisionskommandeur hat Geburtstag und soll mit einem Ständchen bedacht werden.
Das Musikkorps tut, was hier zu tun ist. Die „Tannhäuser"-Ouvertüre erklingt, „Alte Kameraden", . der „Grenadiermarsch", „Freischütz" und „Gruß an Kiel", und hin und wieder wirft Ploetz einen erwartungsvollen Blick hinauf auf den Balkon. Aber die Tür bleibt einstweilen geschlossen.
Als das siebente Stück gespielt ist, macht der Musikmeister eine Pause und winkt dem Trompeter Winkler. „Sie kennen doch den Burschen von Herrn General?"
Winkler kennt ihn. Er erhält den Auftrag, »über die Hintertreppe in die Wohnung zu schleichen und den Burschen zu fragen, welches wohl das Lieblingsstück des Divisionskommandeurs sei. Winkler schleicht, indes das Musikkorps den „Hohenfriedberger" ohne die zweite Trompete fchmettext, hinauf, sucht und findet den Burschen, flüstert seine Frage, erhält eine Antwort, schleicht wieder hinunter und meldet dem Musikmeister:
„Das Lieblingsstück ist der »Radetzkymarsch«, aber —
Aber der Musikmeister will kein Aber. Er schüttelt unwillig den Kopf: mehr will er gar nicht wissen, Winkler muß zurücktreten, und alsbald schmettert der „Radetzkymarsch" durch die Straße, so laut und so schneidig wie noch nie.
Das Publikum, das sich inzwischen angesammelt hat, 'st begeistert und klatscht. Oben in der Wohnung rührt sich noch immer nichts. Der Musikmeister laßt — indes die Bläser gewaltig zu schwitzen an
te rs herunter: Hört, ihr Leut, und laßt euch sagen!" So verging die Probezeit in ernster Arbeit und heiterer Erholung."
1903 wurde Mottl als Generalmusikdirektor nach München an die Königliche Oper berufen, deren Direktor er 1907 wurde. Gleichzeitig leitete er die Akademie der Tonkunst. Viele Konzertreisen machten seinen Namen in aller Welt berühmt. Weniger volkstümlich wurde Felix Mottl mit seinen Kompositionen, von denen außer einem früher oft gespielten Streichquartett die Opern „Agnes Ber- rtauer", „Roma" und „Fürst und Sanger", das Singspiel „Pan im Busch" sowie das Festspiel „Eberstein" genannt seien. Zeitweise erfreuten sich seine wagnerisierenden Bearbeitungen von Cornelius' „Barbier von Bagdad", Donizetti- und Bellini-Opern und mehrere Bach-Kantaten der Beliebtheit.
Im Gedenken der Nachwelt lebt Felix Mottl weiter als Dirigent, und unter den großen deutschen Dirigenten des letzten Jahrhunderts nimmt er eine Ausnahmesteilung ein. Einer seiner Biographen sagt von ihm: „Ob man ihn in Bayreuth, Berlin ober München, ob im Konzert oder in der Oper hörte, immer blieb der Eindruck der gleiche erquickliche, immer hatte man das Gefühl, einer innerlich gefestigten, musikalischen Persönlichkeit gegenüber* zustehen, einem Mann, der eine Komposition zwar intellektuell durchdrang, der seine wesentlichsten Impulse aber von seiner Natur, von seinem Herzen uad seinem Jnsttnkt empfing. Alles, was er dar- [teilte, strömte eine wundersame Ruhe aus. Das lag nicht allein an der gemäßigten Ternponahme, sondern mehr noch dargn, daß er es verstand, das melodische Element, wo es mir ivgend vorhanden mar, herauszuholen und in voller Sinnlichkeit wir- $er Gruadzug seines Dirigierens war vollendete Natürlichkeit .. /'
Von beruflicher Ueberanftrengung, gehässigem Ansemdungen und unliebsamen häuslichen Zwistia- ketten ermüdet, erlag Mottl am 2. Juli 1911 einer Krankheit. Jan Stammel.
Oie beste Badestunbe
Das Baden in Meer, Fluß oder See zählt zu den schönsten Freuden des Sommers, und wenn wir uns vergnügt in den kühlen Wellen tummeln, vergessen wir manchmal, daß das Baden auch seine Gefahren hat und jedenfalls mit Vorsicht und Bedacht betrieben werden muß.
Die beste Badestunde ist von den Aerzten etwa um 11 Uhr vormittags feftgestellt worden. Dann hat nicht nur die Temperatur des Körpers nach ihrem Fall am frühen Morgen ihre normale Höhe erreicht, sondern auch die Lufttemperatur ist ge- nugend erwärmt, was an kühlen Tagen zu beachten ist, und unser Körper ist durch das Frühstück Hkraftigt, das um diese Zeit vollständig verdaut ist. Vielfach wird die Ansicht geäußert, daß das Baden in den frühen Morgenstunden am gesündesten \ei aber das ist nicht der Fall. Der Badende, der sich gleich aw Morgen noch vor dem Frühstück der kühlen Flut anvertraut, ist in seiner Lebenskraft noch nicht auf die Höhe des Tages gelangt. Außer- dem hat er meist eine Wegstrecke mit leerem Memen Wruckgelegt und ist dadurch geschwächt, und di- Morgenckuhl« der Lust macht sich nur an sehr beiden Tagen nicht unangenehm bemerkbar.
. Wie lange man im Bade bleiben soll, bas wird leber am beften bei sich selbst herausfinden. Hat er die ntätige Zeit einmal erkannt, so sollte er sich D0IL./ra-ti€^€n Geährten, denen es nichts aus« macht, nicht dazu bestimmen lassen, länger im Bade zu bleiben. Fünf Minuten dürften keinem etwas schaden. Der allgemeine Durchschnitt ist mit 15 bis 20 Minuten anzunehmen. 1 £ g*
Felix Moiil.
Zum 3Ü. Todestage des Wagner-Dirigenten.
Felix Mottls Weg lag im breiten Schlagschatten des Wagnerschen Schaffens. Arn 24. August 1856 zu Unter-St.-Veit bei Wien geboren, zeigte der Knabe schon früh eine überdurchschnittliche Begabung und sah sich bald auf die musikalische Laufbahn gewiesen-, denn er besaß eine schöne Sopran- sttmme und war überall beliebt als „kleiner Solist". Seine musikalischen Studien betrieb Mottl am Wiener Konservatorium, wo ihn Joseph H e l l m e s- berger besonders betreute; unter seinen Lehrern mar auch Anton Bruckner, bei dem er Kontrapunktik studierte. Als Dirigent eines studentischen Gesangvereins und künstlerischer Leiter des Wiener Richard-Wagner-Vereins ruhte Mottl in seiner Verehrung für den Meister von Bayreuth nicht, bis er ihm 1875 persönlich nahetreten konnte. Wagners Blick erkannte die hohe Befähigung des jungen Mottl, aber auch dessen „ehrliche Begeisterung"; so übertrug er ihm einen Anteil an der Durchsicht des Notenmaterials für den „Ring der Nibelungen" und wies chm 1876 — dem ersten Festspieljahr — die Stellung eines musikalischen Assi- stertten (Solorepetitors) zu.
1881 übernahm Mottl das Amt des Horkapell- meisters in Karlsruhe und führte für die damalige badische Landeshauptstadt und ihr Musikleben eine glänzende Zett herauf. Seinen Weltruf begründete er als ständiger Dirigent (seit 1886) in Bayreuth, wo er mit Vorliebe „Tristan" und „Par- sifal" dirigierte. Von der Arbeit in Bayreuth erzählt Mottl in seinen „Bayreuther (Erinnerungen": „... er (Wagner) war von einer unaussprechlichen Güte und liebte es, nach der Arbeit mit feinen Künstlern im gemütlichen Gespräch zusammenzusitzen. Als es einmal ziemlich spät geworden war, erschien er plätzlick auf der oberen Galerie. Er hatte ein Bärenfell um seine Schullern gelegt, trug einen Helm auf dem Kopf und einen Spieß in der Hand und sang von oben die Worte des Nachtwäch-


