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Gtehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen)
Nr. 2 Zweiter Blatt
Verdunkelungszeit
in der Woche vom 29. Dezember 1940 bis 4. Januar 1941: 17.15 Uhr bis 9.30 Uhr.
Das neue Jahr bringt in steuerlicher Hinsicht vor allem wieder die Abgabe der Steuererklärungen, insbesondere der Einkommensteuererklärung für das vergangene Jahr, die bis Ende Februar beim Finanzamt einzureichen ist. Der Kriegszuschlag wird zur Eii^ommensteuer 1940 erstmalig in voller Höhe von 50 v. H. der Einkommensteuer berechnet werden; er wird nicht erhoben, soweit dadurch das Einkommen über die kriegszuschlagsfreie Grenze von 2400 RM. jährlich hinaus wegaesteuert würde. Erstmalig wirkt es sich bei der Veranlagung für 1940 aus, daß der Kriegs- Zuschlag nicht mehr als 15 v. H. und zusammen mit der Einkommensteuer nicht mehr als 65 v. 5). des Gesamteinkommens betragen darf, was aber regelmäßig erst bei Einkommen über 18 500 RM. für Steuerpflichtige in Steuergruppe I, bei Einkommen über 28 500 RM. für solche in Steuergruppe H usw. von Bedeutung wird. Von der höheren Einkommensteuer in Steuergruppe II werden bei der Veranlagung für das Fahr 1940 neu nunmehr die Ehegatten betroffen, die seit Ende 1934 verheiratet sind, sofern bis Ende 1940 kein Kind geboren ist. Jedoch kommt die Steuergrupptz II u. a. nicht in Betracht, wenn ein Ehegatte vor dem 1.9.1940 65 Jahre alt geworden ist oder das Jahreseinkommen der Ehegatten 1800 RM. nicht überstiegen hat. Daß M e h r e i n k o m m ensteuer nicht mehr erhoben wird, ist ausdrücklich bestimmt, so daß höhere Einkünfte im Jahre 1940 gegenüber 1939 einer Sondersteuer nicht unterliegen.
Linheilsbewertung und Vermögensteuer 1941.
Damit macht er Schluß. Seine Männer denken: Unser Paule hat doch immer das letzte Wort, aber auch diesmal komischerweise recht.
Maxe geht weiter und freut sich. Dabei ist Paulrg einer seiner jüngsten Korporäle!
Zehn Minuten später steht die 10. Kompanie zum Geldempfang angetreten. Das geht wie das Donnerwetter.
Der „Spieß" ruft auf, der Mann kommt angespritzt und verschwindet wie der Blitz mit 10 Mark, die ihm der Rechnungsführer in die Faust gedrückt hat.
Zum Schluß heißt es:
„Brustbeutel raus" —
120 Mann hantieren eifrig, und nach wenigen Minuten ist der Mammon in den mysteriösen Leder- täschchen verschwunden.
Dann kommt der Hauptmann. Rowohlf meldet.
Mure — zwei Helle blaue Augen im lederfarbe- nen Gesicht — sieht seine Männer an:
„Tag, ihr Kapitalisten!"
Auf den Gruß freut sich die Kompanie schon seit Tagen.
„Tag, Herr Hauptmann!" donnert es zuruck.
„Hat irgend jemand noch Forderungen an Geld ober Verpflegung. Der trete vor."
Pause. Rowohlf nickt zufrieden. Das wäre ja noch schöner.
„Wegtreten!"
In eine Staubwolke gehüllt bleiben „Maxe und sein Oberfeldwebel noch einen Moment stehen.
Der Hauptmann winkt sich Paulig heran, der gerade vorbeikommt.
„Sagen Sie mal, mein Gutes, was machen Ihre Männer, wenn einer vom Fonds überhoben ist?"
Der starrt einen Moment ganz platt seinen Chef an, sagt dann aber rasch gefaßt:.
„Dann wird aus einem in den anderen Fonds umaebudjt, Herr Hauptmann!"
Maxe lacht. „Ra schön!"
Damit geht er auf die Schreibstube, wo die Um terschristen auf ihn warten.
Paulig sieht ihm noch leicht benommen nach.
,,3d) möchte bloß wissen, was der nicht weiß!" Mit diesem Ausspruch' verschwindet er in Rich ‘ tung Kantine.
! Ein Zahltag ist beendet.
Aus der Stadt Gießen.
Oer letzte festliche Nachhall.
Nicht immer war der Januar der erste Monat des Jahres. Das alte römische Jahr begann mit dem März, woran mir noch eine Erinnerung haben, wenn wir bei der Aufzählung der Tierkreiszeichen mit dem Märzzeichen, dem Widder beginnen. Auch unsere Monatsnamen, September, Oktober, November, Dezember lassen die alte Einteilung erkennen, das heißt wir nennen sie den siebenten, achten, neunten und zehnten Monat, obgleich sie in Wirklichkeit bei uns der neunte, zehnte, elfte und zwölfte sind. Die Verlegung des Jahresanfangs auf den 1. Januar geht in- Rom auf das Jahr 154 vor unserer Zeitrechnung zurück und knüpft sich an ein bestimmtes Ereignis. Am Neujahrstage traten nämlich in Rom die neugewählten Konsuln ihr Amt an. Nun gelangte im Dezember des Jahres 154 nach Rom die Kunde von einem Aufstand in Spanien, der so ernst schien, daß man es für nötig
Zeitschriften.
— Im Januarheft der Monatsschrift „D i e Kunst" (Verlag F. Bruckmann, München) lernt man Gottfried Schadow als Zeichner kennen. Die Kenntnis seines zeichnerischen Schaffens erst ermög. licht es, die ganze KünsUerpersönlichkeit Schadows voll zu würdigen. P. Strache macht mit dem Berliner Bildhauer Joß Römer bekannt. Die Plastiken zeichnen sich besonders durch Grazie und Beschwingtheit aus. Die Aquarelle von Max Kaus zeigen das Erfassen der Atmosphäre und die Verbundenheit mit der Landschaft. Richard Benz gibt eine lieber- sicht über die Versuche, Brentanos Märchen zu illustrieren. Erst jetzt wird man dem Schaffen des Wiener Maler-Schusters Michael Neder gerecht, der in Einsamkeit und Armut Bilder schuf, die an die alten Niederländer gemahnen. Im 2. Teil des Heftes wird ein Einfamilienhaus des Architekten Heinz Thoma, Düsseldorf, gezeigt, das schlicht und einfach der Landschaft angepaßt ist. Die Bremer Architekten Runge und Scotland haben ein helles Haus für alle Anforderungen einer hohen Wohnkultur gebaut E. v. Sichart legt dar, wie der Klassizismus des 18. Jahrhunderts Grundlage unserer Wohnkultur geworden ist. Sodann wird eine überaus sinnreiche Kachelofenanlage von Rudolf Lunghard gezeigt. Dr. H. K. Kiefer erinnert an ein Richtfest vor 100 Jahren und verknüpft damit eine Erzählung von Adalbert Stifter. Ein Jagdhaus des Münchener Architekten Max Wiederanders zeigt, wie Fichtenholz in seiner natürlichen Schönheit wirksam zur Geltung kommen kann. Arbeiten aus der Textil» werkstätte E. Klein-Köppen, deutsche Möbel, auf der Triennale in Mailand, sowie ©Überarbeiten aus der Heilbronner Silberwerkstätte Schober 6- Bruckmann verraten großen Geschmack und Formschön- heit-.
Die Umsatzsteuer im Jahre 1941.
Am 10.1. ist die letzte monatliche oder vierteljährliche Umsatzsteuerrate für 1940 zu entrichten. Im neuen Jahre brauchen nur vierteljährliche Vorauszahlungen und Voranmeldungen zu erfolgen, wenn der Umsatz im Jahre 1940 50 000 RM. nicht überstiegen hat.
5um Jahresabschluß für 1940.
Für den Jahresabschluß ist zu beachten, daß eine steuerfreie Rückstellung für die am 10. Januar fällige letzte Umsatzsteuerrate für 1940 zulässig ist. Die am 15. 2.1941 fällige Gewerbesteuerrate ist dagegen nicht rückstellungsfähig, sondern nur etwaige rückständige Gewerbesteuern für die Zeit bis zum 31.12. 1940. Rückstellungen für künftige Ausgaben, z. B. zur Wiederauffüllung des Warenlagers oder dergl., werden im allgemeinen nicht anerkannt; in besonderen Fällen sind bei größeren Markenfirmen Rückstellungen für Nachkriegswerbung zugelassen.
Soweit notwendige Instandsetzungen ober dergl. nicht vorgenommen werden können, kommt u. U. eine Abschreibung des reparaturbedürftigen Gegenstandes auf einen niedrigen Teilwert (= Wert vom Standpunkt eines Erwerbers des Gesamtunternehmens) in Betracht. Es kann sich empfehlen, den notwendigen Reparcfturbetrag als Passivposten einzufetzen; er kann sodann, falls eine entsprechende Entwertung geltend gemacht werden kann, als Wertberichtigungspoften oder, was jedoch nicht unbestritten ist, als Rückstellung geltend gemacht werden.
Zu den abzugsfähigen Betriebsausgaben ist auf Grund der Rechtsprechung des letzten Jahres darauf hinzuweisen, daß auch Kosten für die Bewirtung von Kunden im eigenen Haushalt als solche geltend gemacht werden können, wenn sie ganz oder einseitig entstehen und im einzelnen, soweit zumutbar, nachgewiesen werden können.
Aufruf!
Durch die Opferwilligkeil und die Einsatzbereit- schuft des gesamten deutschen Volkes hat uns das Jahr 1940 die größten Erfolge gebracht, die alle Erwartungen Übertroffen haben. Im Jahre 1941 wollen wir eine noch größere Opferbereitschaft und Hingabe an den lag legen. Dies wollen wir am 4. und 5. Januar 1941 bei den Straßen-, Vetriebs- und Haussammlungen unter Beweis stellen. Jeder opfere, was in feinen Kräften fleht.
Backhaus, Kreisleiter.
unverkennbarer Abwehrzauber.
Mit dem Dreikönigstag verklingt der letzte festliche Nachhall von Weihnachten. Der nüchterne All- tag tritt wilder voll in seine Rechte. C. K.
Ortszeit für den 4. Januar.
Sonnenaufgang 9.37 Uhr, Sonnenuntergang 17.24 Uhr. — Mondaufgang 12.22 Uhr, Monduntergang 0.13 Uhr. __________
Dornoluen.
Tageskalendec für Freitag.
Stabttyeater: 19 bis 21.30 Uhr „Der Ahnenpaß". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Feinde". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der liebe Augustin".
Stadttheater Gießen.
Arn heutigen Freitag wird zum erstenmal der Siloester-Uraufführungserfolg, der Schwank „Der Ahnenpaß", wiederholt. Spielleitung: Karl Volck, Bühnenbild: Karl Löffler. Mit dieser Vorstellung beginnen wieder die Mietvorstellungen des Stadttheaters, die während der Festtage ausgesetzt waren. 16. Freitag-Miete.
ober bie Schuldverschreibungen eine zusätzliche Verzinsung gewähren, welche sich nach der Höhe ber Gewinnausschüttungen bes Schulbners richtet. Befreit find auch bie Gewinne aus ber Veräußerung von Altbesitzgenußrechtscheinen.
Soweit hiernach bie Veräußerung von Aktien unb sonstigen nicht ausbrücklich steuerbefreiten Wertpapieren von der Spekulationssteuer betroffen wirb, weil bie Veräußerung innerhalb eines Jahres seit bem Ankauf erfolgt ist, wird ber Unterschied zwischen dem Veräußerungs- unb bem Anschaffungspreis einkommensteuerpflichtig, sobald bie Spekulationsgewinne im Kalenderjahre insgesamt 1000 RM. ober mehr betragen. Zum Anschaffungspreis rechnen die gesamten für den Erwerb des Wertpapiers gemachten Aufwendungen, wie insbesondere die von der Bank berechneten Spesen, während sich ber Veräußerungspreis um diese entsprechend vermindert. Wird Bankkredit zu Deckung der Ausgaben ausgenommen, so sind die Zinsen als Werbungskosten bei der Berechnung des Spekulationsgewinns absetzbar. In anderen Fällen können die zum Zwecke des Erwerbs von Aktien gezahlten Bankzinsen nur bis zur Höhe der erhaltenen Dividenden oder nach Verkauf ber Aktien ober nach end- gültigem Fehlschlag ber Spekulation in Abzug gebracht werben. Im übrigen können bei Spekula- tionsverlusten bie sonstigen EinkünUe nicht ^um bie Bankzinsen gekürzt werben. Die Spekulgtionsver- lufte selbst sind stets nur bis zur Höhe bes im gleichen Kalenderjahr erzielten Spekulationsgewinns abzugs'fähig.
hielt, die Konsuln selbst dorthin zu senden. Da es । sich aller Voraussicht nach um ein langwieriges Unnehmen handelte, schien es geboten, nicht die Konsuln des zu Ende gehenden Amtsjahres w entsenden, sondern schon die neuen, die in diesem Falle darum schon am 1. Januar ihr Amt antraten. Da dieser Amtsantritt ein feierlicher Termin mar, an bem auch bie anberen Behörben wechselten, man das Haus mit grünen Bäumchen schmückte unb gegenseitig Geschenke tauschte, so machte das bürgerliche Jahr bie Verlegung mit. Die am 1. Januar gewählten Konsuln traten nach einem Jahr roieber von ihrem Amt zurück, und so bürgerte der 1. Januar sich als amtliches und bürgerliches Neujahr em.
Auch unsere germanischen Vorfahren feierten den Jahresanfang im Mittpinter, zur Zeit der Sonnen- wende. So war ihnen der Januar als erster Iah- resmonat geläufig, obgleich sie im Mittelalter noch vielfach als eigentlichen Jahresbeginn den Weih- nachtstag rechneten und unser heutiges Neujahr sich nur langsam und gegen allerlei Widerstände durchsetzen konnte. Doch hat die Sitte der Neujahrsgeschenke sich aus der Antike erhalten und ist besonders in Frankreich lebendig geblieben.
Wichtiger als der Neujahrstag war ftüher der Dreikönigstag am 6. Januar, der in manchen Gegenden, zum Beispiel im Salzburgischen, geradezu der „Dritte Heilige Abend" genannt wird. Mit diesem Tage enden die geheimnisvollen „Zwolf- nächte", und so suchen alle die guten und bösen Mächte, denen in dieser Zeit Raum gegeben ist, noch einmal den Menschen heim. Noch einmal tritt daher all der lärmende Abwehrzauber, mit dem sich der Mensch gegen die übersinnlichen Mächte schützt, in Erinnerung. So find die verschiedenen Masken und „Perchten" zu erklären, die an diesem Tage, besonders in den deutschen Alpenländern, ihr Wesep treiben, sowohl die „Schönberchten" des Pongaus, die über der ortsüblichen Tracht die hohe scharlachrote Berchtelkappe mit dem Spiegel in der Mitte tragen, als auch die „schiachen Perchten" mit ihren fratzenhaften Horimasken. Meist den Knaben Vorbehalten ist die Rolle der „Sternsinger", die als „Heilige Drei Könige", Kaspar, Melchior und Balthasar, oft noch in Begleitung eines Sterntragers von Hof zu Hof, von Dorf zu Dorf ziehen und in Liedern die Kunde von Bethlehem und dem König Herodes melden. Ueberall werden sie freundlich ausgenommen und mit Aepseln und Gebäck beschenkt. Wo nicht schon die mit Kreide geschriebenen Anfangsbuchstaben der Drei Könige C. M. B. über der Tür prangen, wird einer der Sternfinger .gebeten, die Buchstaben aufzumalen, auch dies ein
Der Steuerzahler im Januar 1941
Von Dr. jur et. rer. pol. K Wutb,Berlin
Eine allgemeine neue E i n h e i t s b e w e r t u n g der Gewerbebetriebe und Grundstücke findet auf den 1.1.1941 nicht statt; das gleiche gilt für die Vermögensteuer. Die Grundstückseinheitswerte vom 1.1.1935 oder einem späteren Fortschreibungszeitpunkt bleiben also auch für die Grundsteuer und Vermögenssteuer 1941 maßgebend. Jedoch ist im einzelnen Falle ein Antrag auf Neufestsetzung (Fort- schreibung) des Einheitswerts auf den 1.1. 1941 zulässig, wenn der Wert des Grundstücks an diesem Zeitpunkt von dem bisher festgesetzten Einheitswert um mehr als Vs, mindestens 10000 RM., oder um mehr als 100 000 RM. abweicht. Handelt es sich um Bestandsveränderungen, wie Grundstücksabtrennung, Gebäudeabbruch, -abbrand oder dergl., so genügt eine Abweichung um mehr als Vsn, mindestens 100 RM. Die Fortschreibung, die von Amts wegen insbesondere bei Reu- und Anbauten vorgenommen wird, setzt in jedem Falle voraus, daß eine Aende- rung im tatsächlichen Zustande des Grundstücks eingetreten ist, da bei der Neubewertung die Wertverhältnisse vom 1.1.1935 maßgebend bleiben. Dies gilt grundsätzlich auch hinsichtlich der Höhe der Mieten. Doch kann eine Aenderung des baulichen Zustandes des Gebäudes, der Verkehrsader Geschäftslage oder dergleichen eine Fortschreibung auf den 1.1.1941 rechtfertigen.
Eine Neuveranlagung zur Vermögen st euer auf den 1.1.1941 erfolgt auf Antrag, wenn sich für diesen Zeitpunkt ein um mehr als Vs oder um mehr als 100 000 RM. von dem bisherigen abwer- chenden Vermögen ergibt. Eine Neuoeranlagung zur Vermögensteuer wird auch vorgenommen, wenn dem Steuerpflichtigen 1940 ein Kind geboren ist. Bei der Neuveranlagung bleiben die Freibeträge vom 1. 1. 1940 maßgebend; jedoch werden am 1.1.1941 haushaltzugehörige Abkömmlinge, bie inzwischen geboren sind, berücksichtigt.
Dom 1. Januar 1941 ab wieder Spekulattonssleuer.
Während die Veräußerung von Wertpapieren aus dem Privatvermögen nach der Verordnung vom 22.7.1939 in den Jahren 1939 und 1940 einkommensteuerfrei war, wird die Spekulationssteuer nach dem Erlaß des Reichsfinanzministers vom 16. 12. 1940 (RStBl. S. 1041) ab 1941 wieder erhoben. Don der Spekulationssteuer werden Verkäufe,oon Wertpapieren betroffen, die innerhalb eines Zeitraums von nicht mehr als einem Jahre seit der Anschaffung der Papiere vorgenommen- werden. Ausgenommen sind u. a. inländische Schuld- und Rentenanleihen, sofern.es sich um Wandelanleihen — die neben der festen Verzinsung ein Recht auf Umtausch in Gesellschaftsanteile geben — handelt.
Zahltag bei den Soldaten.
Von Oberleutnant von dem Knesebeck.
Der Hauptmann geht das Revier ab. Er sieht und hort dabei alles.
Bei der dritten Abteilung beobachtet er durch die halbgeöffnete Tür, wie Unteroffizier Paulig feine Lämmer über Geldwirtschaft belehrt.
„Paßt auf,, ihr Helden — sonst macht ihr nachher doch bloß Unsinn mit eurem Einkommen. Zunächst einmal, wieviel gibt es heute eigentlich? Otto!"
„10 Mark!"
„So — das ist zwar nicht zum Totlachen, aber ich werde euch beibringen, wie man ein Vermögen daraus macht. Heute muß besorgt werden: Zahnputzzeug, Stiefelwichse und Rasierklingen. Nahzeug und Seife habt ihr noch vom letzten Mal. Kosten zusammen 1,50! Wer das Geld noch nicht braucht, macht was? Ehlert!"
„Der tut fein Geld in den Materialfonds!
Paulig holt einen Zettel heraus. „Richtig!"
Er faltet den Zettel auseinander.
„Den Rest teilen wir nach altem und bewährtem System ein. Diesmal folgende Sätze:
3 Mark Verpflegung und Genußmittel,
2 Mart sparen für Weihnachten,
2,50 für persönliche Bedürfnisse,
1 Mark für unvorhergesehene Vorfälle — Capisto?"
„Jawohl, Herr Unteroffizier" antwortet em heiterer Chor. . ■
Maxe wartet noch einen Moment. Er weiß, jetzt kommt' noch ein „goldenes" Wort. Er kennt doch seinen Paulig.
„Und warum predige ich jedesmal deswegen? — Murks!"
„Murks" ist etwas klein geraten. Aber fein Maul- werk gleicht das wieder aus.
„Jeder deutsche Mann ein Kleinsparer sagt er bloß ernsthaft. Die Kameraden grinsen. Da hat er Paulig mal wieder sanft auf die Schippe genommen. Das ist sein Vorrecht.
Paulig duldet das gern. Er weiß, daß die guten Mtze Spaß machen — „und Spaß muß sein . ■—
„®ut, mein Junge. Und sauer verdientes Geld will anständig ausgegeben werden."
liche und Vortragsvirtuosität der Fünf kam in dem abschließenden spanischen Marsch von Rixner bestechend zur Geltung.
Natürlich ging es nicht ohne Zugaben ab, und „Der Onkel Doktor" erweckte immer noch einmal reines Vergnügen. Die Zuhörer konnten sich, wie üblich, nur schwer entschließen, nach Hause zu gehen. Der Beifall brauste. Hans Thyriot.
Gießener Stadttheater.
Gastspiel des Meister-Sextetts.
Das war nun das fünfte Gastspiel des Meister- Sextetts in Gießen. Der Erfolg war der gleiche wie 1932, als sie sich noch Comedian Harmomsts nannten. Diesmal kamen sie mit einem neuen Programm und einer in wesentlichen Teilen neuen Besetzung: an Stelle von Leschnikoff erscheint Will V o s m e n- des als erster Tenor, jenem vor allem im schwebenden Piano der hohen Lage ähnlich. Sehr frisch und hell ein junger lyrischer Tenor, Erwin Sachse-Steuernagel. Eine sympathische Bereicherung ist endlich der weiche, gepflegte Barikon von Bernhard Taverne. Am Flügel wirkt diesmal Willi Herrmann. Vom alten Stamm sind nur noch der Leiter der Gruppe, Roberi B i b e r 11, mit profundem Baß und trockenem Humor, eine der wichtigsten Stützen des Sextetts, und der zweite Tenor Alfred.©runert dabei.
Geblieben ist aber die auf langen Gastspielreisen unverbrauchte Musizierfreudigkeit, die immer wieder bestechende Vokal-Harmonie der fünf Stimmen, die vollkommene Geschlossenheit des kleinen Klangkörpers, das rhythmische Temperament und die saubere Artikulation. Geblieben ist auch die Vorliebe für den leichten Song, das Schlagerlied, für dessen Wiedergabe das Sextett wie geschaffen ist. Das Programm-wies diesmal nur eine einzige klassische Nummer auf (erftaunlidjerroeife die „Träumerei" von Schumann) — und die wurde nicht gesungen.
*
Selbst die berühmtesten Schlager dieser Zeit, wie das Wolga-Lied und „Am Abend auf der Heide", die doch eigentlich schon in Grund und Boden gespielt sind, erhalten ' durch die Vortragskultur der Gruppe einen unwahrscheinlich neuen Klangreiz. Aber auch ganz alte Sachen wie bei> Weibermarsch aus der „Lustigen Witwe" oder das Kollo-Potpourri haben sie sozusagen wiederentdeckt und neu aufgevutzt. Eine der hübschesten Nummern, „Hollah, Lady", stammt aus dem Film „Liebesbriefe aus dem Engadin" und ist eine äußerst luftige Sache. Man kann nicht das ganze Programm abfdjreibenj genannt feien aber noch die beliebte „Rosamunde" imd das Ständchen von Heykens. Die ganze stimm»
BHemetnW M krall önrOenöe
k. d. F.-Sportamt.
Heute Wiederbeginn der KdF.-Schwlmmkurse.
Jeden Freitag, 20.30 bis 21.30 Uhr und 21.30 bis 22.30 Uhr, und jeden Dienstag, 19 bis 20 Uhr und 20 bis 21 Uhr, für Männer und Frauen, auch für Anfänger.
Das Märchen am Mantelaufschlag.
NSG. Anläßlich unserer Reichsstraßensammlun- gen sind schon mehrfach Märchensiauren aus dem verschiedenartigsten Material zum Verkauf gekommen. Trotzdem sind die WHW.-Märchenabzeichcn der Gaustrahensammlung am 4. und 5. Januar 1941 von bisher unübertroffenem Reiz!
In zierlichen, künstlerisckjen Darstellungen aus Kunstharz geschnitzt, sind äußerst geschmackvolle Broschen entstanden, die zehn verschiedene Motive aus unseren bekanntesten deutschen Märchen bringen. Der gestiefelte Kater begegnet uns da mit Schneewittchen und den sieben Zwergen, der Frosch- fönig mit dem tapferen Schneiderlein, und wo die beiden sind, da dürfen natürlich Rotkäppchen und Rübezahl nicht fehlen! Aber noch manche andere Figur unseres reichen und schönen deutschen Märchenschatzes ist mit in diesem bunten Reigen anzu. treffen. Wer eine dieser geschmackvollen Broschen sieht, wird alle besitzen wollen. Und sie sind in jedem Falle billiger als ihr tatsächlicher Wert.
Politische Leiter, Walter und Helfer der RSV., der HI. und NSKOV. sammeln am kommenden Samstag und Sonntag. Und wir wollen felbftver- ständlich die erste Straßensammlung im Jahre 1941 zum Vorbild unserer Opferbereitschaft werden lassen?
Der Winter 1879/80 in Gießen.
Eine merkwürdige persönliche Jugenderinnerung aus dem Winter 1879/80 schickt mir ein geborener Gießener, Sanitätsrat Dr. Retter, Dillenburg. Er schlief „um Weihnachten" 1879 in seinem Eltern- haus, dem Schulzeschen Eckhaus am Kreuzplatz. Wahrscheinlich hat er, seinen 13 Jahren entsprechend, auch recht fest geschlafen. Da wurde er wie von Kanonenschlägen, die in der ganzen Innenstadt gehört wurden, aufgeweckt. Was war geschehen? An der Auffahrt zur Neustädter Lahnbrücke standen beiderseits zwei riesige deutsche Pappeln. Sie waren mit lautem Knall geplatzt. Er schreibt, um Neujahr sei nach seiner Erinnerung nach dem ersten harten Frost Tauwetter eingetreten. Das stimmt mit den Aufzeichnungen von Pfarrer Weicker im Kirchberger Kirchenbuch, daß um Weihnachten die Kälte etwas nachließ und das Neujahr starkes Tauwetter brachte und am 1. Januar das dicke Eis auf der ^ahn brach.
Ich weiß nicht, ob beim Erfrieren die Bäume auf-- knallen können, jedenfalls ist es begreiflicher beim Auftauen. Bekanntlich dehnt sich das Eis beim Auf- tauen aus. Dasselbe muß auch bei den gefrorenen Zellen der Bäume geschehen. Der Umfang des Stammes reicht nicht aus bei der starken Ausdehnung, er muß sich Luft schaffen und platzt.
Genau damit stimmt ein Erlebnis überein, das ’ ich in dem schon erwähnten März 1917 hatte. Nach ■ einer bitter kalten Nacht ging ich Mitte März mit- , tags um V-2 Uhr von Queckdorn nach Lauter. Plötz- i lief) hörte ich hinter mir einen starken Schuß. Die - Sonne schien schon recht heiß, wie das oft Mitte . März der Fall ist. Als ich nach zwei Stunden zu- rückkam, untersuchte ich in der Gegend des Knalles


