Wandervorschläge für den Sonntag
MepreisverieilungimBlumenschmulkwettbewerb
(Nachdruck verboten.)
16. Fortsetzung.
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mann, Kathi allee.
Bei der Stadtverwaltung sind im ganzen 171 Maiden beschäftigt; sie in den Gesamtbetrieb mit seinen rund 15 000 Beschäftigten einzufugen, machte manche Umstellung und die Ueberwindung gewisser psychologischer Schwierigkeiten notwendig. Außer den etwa hundert bei der Straßenbahn und im Krankenhaus sind die Dienstverpflichteten im Büro beschäftigt, in den Gewächshäusern des Palmengartens, in Museen und Bibliotheken, auf dem Ernährungsamt und bei der Ausgabe der neuen Kleiderkarten. In der Kleinarbeit eines großstadtt- scheu Derwaltungsapparates lernen sie, im Dienst am Dolksganzen, ein ganz neues Arbeitsfeld kennen. Zu Gruppen zusammengefaßt, sind sie in vier großen Hotels untergebracht. ■
Dort wohnen auch ihre Kameradinnen, die bei der Feldpostpäckchenstelle der Reichspost eingesetzt sind. 105 Mädels schaffen hier von %8 bis 12 und 13V- bis 18 Uhr; einen freien Nachmittag haben sie in der Woche und alle vierzehn Tage einen freien Sonntag. Alle sind guter Dinge und mit ihrem Dienst zufrieden: das hören wir von ihnen selbst und von dem Beamten, dem die Dienst, stelle untersteht. Uebrigens herrscht eben noch kei-
bestimmt, daß auch während der Kriegsjahre das kulturelle Leben im Volke weitergehen solle. Blumen als Ausdruck der Lebensfreude im Heim wie im Straßenbild seien darum auch in der Gegenwart nützlich und verdienten mehr denn je unsere Be- achtung. Wenn aber der Mann, Vater oder Bruder heimkedre, müßten die Blumen am Fenster, auf dem Balkon und drinnen düsten und blühen, denn Blumen gehörten uns Deutschen zur Heimat. Zum Schluß dankte Beigeordneter Nicolaus allen, die zum Gelingen des Werkes durch ihre De- teiligung in irgendeiner Weise beigetragen haben.
Garteninspektor l.R. Rehnelt betonte dann, die an die feuchte Gewächshauslust gewöhnten Pflanzen nicht zu sehr den Schädlichkeiten der Zim- merpflege in zu trockener Lust, verbunden mit zu hoher Temperatur, auszufetzen. Kühler, Heller Stand- ort, besonders bei blühenden Gewächsen, verlängere
den Flor.
Bei der anschließenden Preisoerteilung dürften alle freudigen Erwartungen ihre Erfüllung gefun-
und sich entschuldigte.
„Haben Sie wenigstens Ihre Motive gefunden?"
Er mußte sich erst auf das besinnen, was sie meinte. Die kleine Notlüge hatte er schon wieder vergessen, und mit einiger Mühe brachte er heraus, daß es ihm allein nicht viel Spaß gemacht hätte. Diel reizender und ergebnisreicher wäre es natürlich gewesen, wenn sie hätte mit dabei sein können. Ob sie vielleicht nachher — man könnte ja eine Stunde oder zwei in einer Eisdiele und — wenn es kühler würde —
„Mein Gott. Herr Bröger, warum reden Sie so viel herum? Sie sind doch sonst ein Mensch, der geradenwegs auf sein Ziel losgeht. Wahrscheinlich haben Sie überhaupt noch nicht gesucht oder, was
hätte sie ganz vergessen, daß Thomas halb und halb böse mit ihr war. Zum mindesten machte er immer noch sein ernstes Gesicht und wühlte mit seinen Händen in den Haaren. Aufatmend, wie von einem Strom hochgetragen, reckte sie die Arme in die Luft.
Fast mit fauler Lässigkeit antwortete Thomas: „Ich habe schon Schöneres gesehen!"
Ob sie nun diese Antwort nicht erwartet oder ob sie gewollt hatte, daß er schwieg, wußte sie nicht, als sie, über so viel überhebliche Gesättigtheit erschreckend, die Arme wieder sinken ließ: „Aber ich nicht, Herr Bröger, und Sie müssen schon mir zugute halten, daß ich mich freue, wann ich will und mit Ihnen oder ohne Sie. Wenn auch unser Meru an die sechstausend Meter hoch ist, wenn wir auch den Urwald sozusagen vor der Tür haben, mit Löwen und Schlangen umgehen wie Sie hier mit Katzen und Eidechsen, so ist das erste Erlebnis Europas für mich so überwältigend und neu, daß ich mich über jeden Ausblick in eine Landschaft freuen muß. Wenn ich zum Beispiel Maler wäre, würde ich den Durchblick durch den Wein auf die weißen Häuser da hinten, mit den kleinen schwimmenden Wolken in dem blauen Himmel malen..."
Thomas sah sich erstaunt um, drehte dann langsam wieder sein Gesicht zum Tisch zurück: „Seien Sie mir nicht böse, Fräulein Grunelius. Ich habe mich wirklich dumm benommen. Vergessen Sie es, bitte. Sie haben ein phantastisches Auge." Er griff nach ihrer Hand un-d preßte seine Lippen auf die schmalen Finger.
„Prego, Signorina!“ rissf da der Wirt unter der Tür und sttirzte mit einer großen Karaffe, gefüllt mit einem blutroten Chiantt, an den Tisch. Mit einem unnachahmlichen Schwung setzte er das Ta- blett zwischen die Gläser, holte mit einer weiten Armbewegung aus und ließ die Flüssigkeit in die hohen Kelche fließen. Es nahm sich wie eine Zere- monie aus, bei der der Wirt, seinen Kopf hin und her wiegend, wie ein Zauberer einige Sprüche vor sich hinmurmelte und zum Schluß eine tiefe Der- beugung machte. Thomas, dem diese sizilianische Art nicht unbekannt war, antwortete mit einer entspre- chenden Geste und summte ebenfalls etwas Gebet- artiges vor sich hin.
(Fortsetzung folgt.)
Kämpfen, arbeiten, siegen!
Unter dieser Parole finden heute und morgen im Kreise Wetterau folgende Dersammlun- gen der NSDAP, statt:
Samstag, 1. November, 20 Uhr: Allen- dorf (Lahn), Burkhardsfelden, Gießen, Großen- Buseck, Grünberg, Grüningen, Holzheim, Hungen, Lauter, Lollar, Londorf, Melbach, Oberhörgern, DU- lingen, Watzenborn-Steinberg, Wölfersheim.
Sonntag, 2. November, 15 Uhr: Bad- Nauheim, Bellersheim, Beltershain, Bersrod, Daub- ringen, Freienseen, Gambach, Geilshausen, Gießen- Wieseck, Harbach, Hausen, Heuchelheim, Pohlgöns, Rockenberg, Rodheim a. d. Horloff.
Sonntag, 2. November, 19.30 Uhr: Bettenhausen, Butzbach, Ettingshausen, Griedel, Großen-Linden, Kirchgöns, Laubach, Leihgestern, Mainzlar, Ostheim, Reichelsheim, Reiskirchen, Steinfurth, Weickartshain, Weitershain.
Deutsche Volksgenossen und deutsche Arauen!
3n diesen Kundgebungen hört Ihr, was unsere Feinde mit dem deutschen Volke vorhaben, welches grauenvolle Schicksal uns und unseren Kindern zugedacht ist. Darum kommt alle und stärkt Eure Kräfte und den Dillen zum Sieg, denn nur unser Sieg kann unsere Zukunft sein. Daher die Parole: Kämpfen — arbeiten — siegen!
den und diese Erfüllung den Vorsatz bestärkt ha^en» im nächsten Jahr die Blumen noch mehr und belfer zu pflegen als seither.
Oie Preisträger.
Karin Grunelius
Roman von Gulöo R,Brand
nesweqs Hochbetrieb: „nur" etwa 3000 große Säckel Ueberall sind die jungen Mädels als Helferinnen mit Feldpostpäckchen werden hier täglich abgefer-1 willkommen und in chrer Arbeit sehr geschätzt.
Am gestrigen Freitagnachmittag konnte man im Straßenbild mancherlei Passanten mit Blumen und frohen Gesichtern bemerken. Sie kamen von der Preisverteilung, die der Fremdenvertehrs- verein Gießen als Krönung des Ausschreibens zum Blumenschmuck-Wettbewerb veranstaltet hatte. In- einem geräumigen Zimmer des Liebigbaues (Alle Klinik) waren die weißged-ckten Gabentische mit einer Fülle von blühenden und Blattpflanzen geschmückt, außerdem mit geschmackvoll gewählten nützlichen Gegenständen aller Art, wie sie für Blumenpflege, Garten und Häuslichkeit jedermann willkommen sind und Freude bereiten.
Eingeleitet wurde die schlichte Feier durch eine kurze Ansprache des Vertreters der Stadt, Beigeordneten Nicolaus. Er erinnerte daran, daß wohl mancher sich gefragt habe, ob unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Aufforderung zum Blumenschmuck in unserer Stadt wohl das nötige Echo finden werde, da die Gedanken der Menschen jetzt doch andere Wege gehen. Allein, der Führer habe
Dieder — Dünsbachtal — Frankenbach — Eiserne Hand — Rodenhausen — Erdhausen.
Dom Bahnhof Bieber gehen wir, nachdem wir das Dorf passiert haben, durch das Biebertal bis zur Obermühle. Kurz dahinter verlassen wir die Landstraße, kommen beim Wegweiser in das reizvolle Dünsbachtal zwischen Dünsberg und Helfholz und am Ende desselben auf die hochgelegene Frankenbacher Landstraße. Die Straße, die unterwegs hübsche Ausblicke bietet, führt zunächst nach Frankenbach, hierauf an der einsamen Wirtschaft „Eiserne- Hand", wo wir schwarze Striche antreffen, später an'der Zigeunereiche vorüber nach Rodenhausen. Am Fuße des Hemmerich entlang geleitet uns das Zeichen weiter einen bewaldeten Talweg zwischen Koppe und Treisberg durch Feld und Wald nach Erdhausen. Beim Austritt aus dem Walde genießen wir noch einen prächtigen Blick auf die Hinterländer Berge mit dem Rimberg. Von Erdhaufen benutzen wir zur Heimfahrt die Bahn über Rieder-Walgern. Dauer der Wanderung etwa viereinhalb Stunden.
kommen.
„Und wenn es nicht so sein sollte, dann können wir es ja nachholen — falls Ske wirklich noch nichts gefunden haben. Ich helfe Ihnen gern!" sagte sie, um den Wagen herumgehend, und setzte sich neben ihn.
Das Licht blendete ihn noch, weil er sich zu sehr an die Sonnenbrille gewöhnt hatte. Es war im höchsten Grade unangenehm, Karin in diesem Augenblick nicht ernst anschauen' zu können, um zu ergründen, wie sie ihre Worte wirklich meinte.
„Wie geht es Herrn Merck?" fragte er deshalb ablenkend und brachte den Wagen in Gang. ,Zhrem Herrn ... Günther!"
„Warum fragen Sie so spitz? Eifersüchtig?" ~
Statt aller Antwort ließ Thomas das Auto über den Platz rasen, hog in eine enge Straße ein und fing den Wagen erst wieder ab, als sie vor einer Trattoria, in deren Vorgarten bunte Lampions das dunkle Grün belebten, ankamen.
„Bitte —", sagte er kühl. Er tat beleidigt, wogegen Karin das Spiel belustigend fand und sich sei- nem Wesen anpaßte.
,Lch danke!" antwortete sie und betrat auf eine höflich-einladende Geste den Garten. Ein feines iro- nisches Lächeln umspielte ihre Lippen. Wenn es dar- auf ankam, würde sie es ruhig mit ihm aufnehmen.
„Was wünschen Sie?" fragte er und las ein paar italienische Getränke herunter. Bei einem fügte er hinzu: „Eisgekühlt!" Bisher hatte sie kein Wort verstanden. Jetzt nickte sie, und ohne daß Thomas bestellen konnte, rannte der Wirt mit der Serviette wedelnd davon: „Bene! Bene!“
Wie ein Igel läuft er, dachte Karin, als sie die kurzen Beine in der Tür verschwinden sah.
„Mein Gott, wie schön ist es hier!" sagte sie, als
Gießen — Lollar — Kirchberg — Sichertshausen — Fronhausen.
Diese für die jetzige Zeit empfehlenswerte Stra- ßenwanderung beginnt am Walltor. Wir gehen die aussichtsreiche Marburger Straße entlang am Ba- denburger Wäldchen vorbei nach Lollar, das wir durchschreiten, kommen an Kirchberg mit seinem alten, auf steilem Fels über der Lahn liegenden Kirchlein vorüber in ein schönes Waldtal, die sog. Tiefenbach. Dor (Eintritt in den Wald bietet sich uns ein hübscher Blick auf das malerisch gelegene Oden- hausen mit dem Altenberg im Hintergrund und in das sich anschließende Salzbödetal, während wir beim Austritt aus dem Wald eine prächtige Aussicht auf das breite Lahntal mit mehreren Dörfern sowie auf die Marburger und Hinterländer Berge genießen. Der Weg führt uns durch die Orte, Sichertshausen und Bellnhausen, wo wir die Sahn überschreiten, um, unterwegs nochmals reizvolle Blick auf Schloß Friedelhausen, den Altenberg, das Marburger Schloß und die Lahnberge genießend, unser Endziel Fronhausen zu erreichen. Wan- derzeit 3XA Stunden.
Wie in Frankfurt und in anderen Orten sind auch in Gießen und seiner Umgebung Mädels im Kriegshilfsdienst eingesetzt. Insgesamt stellen in unserer engeren Heimat 40 Mädels als Knegshufs- dienstverpflichtete ihre Arbeitskraft zur Verfügung. Ein Teil der Mädels ist in den N S V. - K i n d e r - gärten der Stadt Gießen und in den Orten Wie- seck, Alten-Buseck, Rödgen, Großen-Buseck, Lang- Göns, Garbenteich und Lich tätig. Fünf Kriegshilfs- dienstverpflichtete sind als willkommene Helferinnen in den Lazaretten beschäftigt, sechs arbeiten bei der Reichsbahn in verschiedenen Abteilungen, z. B. an der Fahrkartenausgabe und der Bahn- hofskasse bzw. in der Güter- und Eilgutabfertigung. Weitere arbeiten im Einzel- bzw. Zweiteinsatz bei verschiedenen Dienststellen der Wehrmacht unb bei anderen Behörden auf den Büros, die übrigen sind täglich 8Vi Stunden als Familien- Hilfe in Gießen und Umgebung tätig. Die Kreisamtsleitung der NSV. hat zwei Unterkünfte bereit« gestellt, in denen 24 Mädels wohnen, die übrigen haben ihre Wohnung in Hotels und Privathäusern. Ueberall sind die hingen Mädels als Helferinnen
roärtig 2200 Kranke liegen, und daß hier für rund 3000 Menschen — noch dazu auf die verschiedensten Arten — gekocht wird. (Der Frankfurter Betrieb gehört zu den fünf größten dieser Art in Deutsch- anb.) Wenn man durch die Küchen und die Wa- chereianlagen geht, kann man die Augen aufreißen und staunen. Es ist keine leichte und auch nicht immer angenehme Arbeit, die da getan werden muß, aber sie wird gern getan, und die Mädels lernen auch eine Menge dabei. Es sind ein paar Medizin- tudenttnnen unter ihnen, aber die meisten kommen aus allen möglichen anderen Berufen und den ver, chiedensten Lebenskreisen. Untergebracht, sind sie, hell und wohnlich, im alten Sandhof, einem ehemaligen Ausflugslokal, in dessen oberen Raumen der junge Goethe öfters getanzt hat.
ihre Vaterstadt erst richtig kennengelernt. The kor- perliche Beanspruchung ist nicht genug, die Verant- wortung erheblich, die Arbeit unter den Augen einer oft ziemlich kritischen Oeffentlichkeit für einen MN- gen Menschen zunächst eine gewisse Belastung. Man hat den Maiden übrigens nichts geschenkt: sie haben, ehe sie auf den Wagen kommen, einen normalen Schaffnerinnenlehrgang mit theoretischer und praktischer Ausbildung hinter sich. Die Prusungser- rebniffe waren bei den hier eingesetzten o5 Maiden durchaus erfreulich; die Straßenbahnverwaltung be- cheinigt ihnen und uns, daß sie ihren Dienst tadel- 09 versehen und mit Lust imb Liebe bei der Sache in-b. Der Dienst dauert wie üblich 8'/- Stunden in zwei Schichten), wirb aber für die Maiden mcht vor 5 und nicht nach 22 Uhr angesetzt; auch haben sie den Sonntag frei.
Eine von ihnen erzählt uns mit Humor und von der Leber weg, wie das mit dem Dienst ist; ungefähr so: am ersten Abend war ich schlagskaputt, noch nie bin ich so lang Trambahn gefahren. Solang der Lehrschaffner, kritisch und immer hilfsbereit, baue- bensteht, kann einem nichts passieren, aber das erste- mal allein, da kann man was erleben mit vollen Wagen, heimtückischen Kurven und meckernden Fahrgästen. Man muß die Haltestellen im Kopf haben, man darf nicht zu früh abschellen, und dann die Sache mit dem Teilstreckenfahrplan, mit dem Geld und der Abrechnung abends. (In der ersten Zeit hab' ich daheim mit meinem kleinen Bruder geübt) Mit Soldaten, die fremd sind, wird man am besten fertig; die glauben alles, was man sagt. Das Schlimmste:'ein Kinderwagen vorn auf ber Platt- iorm. Die Frankfurter neigen zur Kritik, aber sie inb auch wieder nett und helfen einem, wenn sie eben, daß man neu ist. — Mir macht das Spaß.
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Die Frankfurter Sparkasse, der unae- fahr 60 v. H. chrer männlichen Gefolgschaft fehlen, war dankbar, als ihr einige Maiden zugewiesen würben, bie noch dazu übermiegenb kaufmännisch vorgebilbet sind. Die Mädels werben im Hause ver- pflegt und sind auch ba untergebracht: in reifend hergerichteten Dachzimmerchen mit schönem Blick auf bie Anlagen. Sie nehmen am Unterricht teil (Kurse für Steno, Schreibmaschine, Hollerith), haben ein Bab, können Sport treiben, Bibliothek und Radio stehen ihnen zur Verfügung. Sie genießen alle Vorzüge eines RS.-Musterbetriebes und unterstehen einer Kameradschaftsführerin.
Im Städtischen Krankenhaus, drüben Nm andern Ufer, sind einige 40 Mädchen eingesetzt: ln leichter Krankenpflege und allen Zweigen des Wirtschaftsbetriebes. Was das für ein Betrieb ist, wird einem klar, wenn man Höri, daß hier gegen«
„Ja, morgen, Günther!" Schnell entzog sie ihm ; ihre Hand, als fürchtete sie, er könne noch einmal in sie bringen.
„Weitz es dein Vater schon oder meine Eltern? Hast du ihnen telegraphiert oder geschrieben? Uebri- aens — wo bleibt denn die Antwort aus Merckhof?" fiel ihm ein, zu fragen. „Und wie ist es mit dem Geld?"
„Ich habe noch niemand geschrieben. Diese Idee ist mir ja auch ganz plötzlich gekommen und eben aus ber entsetzlichen Langeweile heraus. Das Geld wirb wohl bald kommen — hoffe ich —", fügte fie nachdenklich hinzu, als hinge davon die Verwirklichung ihres Planes ab. Ohne Geld konnte sie diese Reise nicht unternehmen, dazu brauchte es keiner langen Ueberlegung, und sie glaubte in Günthers Blick eine gewisse Genugtuung zu lesen darüber, daß sie in dieser Hinsicht abhängig war von ihm.
„Hoffen wir. Also bis morgen!"
Er sah ihr noch triumphierend nach, mit ber glücklichen Befriedigung, daß er morgen eine Überraschung für sie haben würde. Die Unterhaltung, deren Spitzen und Kanten ihm durchaus bewußt waren, hatte ihn ermüdet. Es war doch nicht fo einfach, nach einem solchen Sturz wieder zu gesunden.
Thomas Bröger wartete schon eine Weile auf dem Marktplatz von Spaccasorno mit dem Wagen des Doktors Schicht auf Karin. Die Sonne brannte heiß auf das holprige Pflaster nieder. Ueber der Motorhaube flimmerte die Hitze, und bie Stabt schien wie ausgestorben. Die grünen unb gelben Fensterläben erhöhten noch das grelle Weih der Häuser. Thomas war froh, daß er eine Sonnenbrille bei sich hatte und die ganze Welt jetzt braungrün vor sich sah.
Diese Farbe besänftigte ihn fast und söhnte ihn damit aus, daß ihn trotz eifrigsten Suchens die Mottve nicht befriedigten. Nachdem er Karin bis ans Krankenhaus gebracht hatte, wollte er wenigstens den guten Willen zeigen, den Grund seiner
Sar keine neuen Motive und haben das nur so als Ausrede benutzt —"
Thomas nahm verwundert die Brille ab und starrte ihr verlegen ins Gesicht. Wenn er in den bisherigen Unterhaltungen schon manche Beweise ihrer beinahe hellsichtigen Fähigkeit, sich einzufühlen, erhalten hatte, so schien ihm der Marktplatz von Spaccasorno nicht gerade die geeignetste Stätte, ihn so zu attackieren. Aufbrausend wollte er erwidern, aber Karin ließ ihn gar nicht erst zu Wort
figt' Die Madels stehen in Reihen nebeneinander und sortieren die Päckchen der Nummer nach in die gehörigen Beutel. Das geht wie das Brezelbacken, aber achtgeben muß man und verwerfen darf man sich nicht, sonst kommt ein Päckchen, das nach Ruh- lanb reisen sollte, womöglich in Afrika wieder zum Vorschein. — *
Von morgens um 10 bis nachmittags um 17 Uhr sind wir kreuz und quer durch die große Stadt gelaufen und gefahren und haben uns die Einsatzstellen und Unterkünfte der zum Kriegshilfsdienst, verpflichteten Maiden angesehen; wir haben überall tüchtige, verantwortungsfreudige Arbeit und fröhliche Gesichter gefunden; wir haben uns auch davon überzeugt, daß die Mädels, die hier mit großem Eifer ihren oft sehr ungewohnten Dienst tun, aufs beste untergebracht sind, verpflegt und betreut werden. —y— Der Einsatz in Gießen und Umgegend
Erste Preise erhielten: Friedr. Bauer, Marburger Straße; Baugenossenschast Liebigstraße und Aulweg, Dietrich Bersch, Aulweg; Bierau-Müller, Hin- denburgwall; Fr. Bomhardt, Hindenburgwall; Phil. Brehm, Am Nahrungsberg; Minna Decker, Kaiserallee; Espenschied, Kaiserallee; Toni Frey, Kaiserallee; A. Fuchs Wwe., Liebigstraße; Helene Gerhard, Am Nahrungsberg: Theodor Gehbauer, Bismarckstraße; H. Haas, Marburger Straße; Marie Heck, Kaiserallee; Marie Hetzel, Ludwigsplatz; Dagmar Hollmann, Leihgesterner Weg; Anna Hopfner, Bückingstraße; Karl Horn, Marktstraße; Louis Jrle, Kaiserallee; H. Jughard, Hindenburgwall; Klinge- Höfer, Kirchstraße; Ida Keil, Ludwigsplatz; Kogel, Goethestraße; Ernst Kohen, Horst-Wessel-Wall; Berta Landmann, Hindenburgwall, Else Lehr, Frankfurter Straße; Lilli Marchand, Bergstraße: Motorwagen-Verkauf, Marburger Straße; Ernst Muhn, Gnauthstraße; Elisab. Neumeier, Ottilie Obermann, Bromberger Straße; Wilh. Peetz, Grün- berger Straße; Anna Reitz, Memeler Straße, Anna Ritter. Bromberger Straße; A. Schäfer, Sonnen- straße; Eberhard Schmidt, Wilhelmstraße, Karl Schmidt, Alter Steinbacher Weg; Karoline Schmidt, Danziger Straße; Schmitt, Schützenstraße; Anna Schrader, Hollerweg; Lotte Schwarz, Stephanstraße; Paula Schwarzlose, Schlesische Straße; Sophie Wallstein, Sonnenstraße. Einen la-Preis für besondere Leistung erhielt Otto Gremm, Henselstraße.
Zweite Preise wurden zuerkannt: Elisab. Althaus, Schlesische Straße; I. Althaus, Kaiserallee; Wilh. Baatz, Wilhelmstraße; Antonie Baehr, Frankfurter Straße; Minna Balzer, Kaiserallee, Peter Brinkmann, Ludwigstraße; Edeltraut Büttner, Friedrichsttaße; E. Christel, Friedensstraße; L. Di- doni, Wiesenstraße; Emilie Döring, Friedensstraße; Dresdner Bank, Iohannesstraße; Emil Eidmann, Johannesstraße; Paula Ellrich, Mühlstrahe; Wiegand Engelbach, Liebigstraße; Paul Euler, Ebel- straße; Flimm, Marburger Straße, Emmy Gilbert, Crednerstraße; Rud. Hahn, Liebigstraße; Sophie Hahn, Löberstraße; Ph. Hillenbrand, Feuerbach- straße; Käthe Hofmann, Senckenbergstraße; Hermine Hoos, Walltorstraße; Lina Korell, Kreuzplatz; Hch. Krauskopf, Friedrichstraße; Dina Kuhl, Sonnenstraße; Paul Lasse, Feuerbachstraße; Marg. Leß, Rittergasse; Marie Möll, Liebigstraße; Minna Moos, Günthersgraben; Frieda Müller, Bahnhofstraße; Marie Nolte, Weserstraße; Karl Ott, Frankfurter Straße; Frieda Pfeiffer, Schottstraße; Frau Schuchard, Kaiserallee; Siersleben, Rodgener Str.; Gertrud Spitz, Frankfurter Straße; Peter Stiller, Rittergasse; Marie Traut, Mühlstraße; Lina Weichsel, Wagengasse; Else Winnen, Goethestraße.
Mit dritten Preisen wurden bewertet: Emmy Kauße, Kaiserallee; Emma Lang, Hamm» straße; Kath. Meilus, Liebigstraße; Max Oelber- Roonstraße; Albert Pfeiffer, Bismarckstraße; Schabe, Braugasse, Ursula Waag, Kaiser-
Dornotizen.
Tageskalender für Samstag.
NSDAP.: 20 Uhr in der Aula der Universität öffentliche Versammlung. — Stadttheater: 18.30 bis 22 Uhr „Zauberflöte". — Gloria-Palast, Seltersweg: .Leichte Muse". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „O diese Männer". — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Foyer des Stadttheaters. — Artilleristen-Kameradfchaft: 20.30 Uhr Kameradschaftsabend im »Hessischen Hof".
Tageskalender für Sonntag.
Stadttheater: 17 bis 20 Uhr „Carmen". — Städtische Musik- und Orchesierschule Gießen: 11 Uhr in der Aula der Universität Eröffnungsfeier. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Leichte Muse , — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „O diese Männer". — Oberhessischer Kunstverein: 11 bis 13 Uhr Ausstellung im Foyer des Stadttheaters. — Landes- Pferdeausstellung: Waldsportplatz 9 Uhr und 14 Uhr.
Gießener Vochenniarktprelfe.
* Gießen, 1.Nov. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibistter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8 bis 9, Kartoffeln,
Fahrt hierher zu bewahrheiten. Niemals wäre sie der Wahrheit am nächsten kommt — Sie brauchen damit einverstanden gewesen, daß er sie in die Stadt — ...........fn nfa
brachte, wenn er nicht vorgeschützt hätte, neue Bilderthemen suchen zu müssen. Sie wollte unbedingt mit der Bahn fahren, einen Weg, auf dem die halbe Zeit mit Warten ausgefüllt wäre.
Von Santa Mafalda schlug die Uhr drei mit einem wunderbar tiefen Ton. Thomas lauschte auf diesen Klang wie auf eine Stimme aus der Unendlichkeit. Gleichzeitig mußte er ein wenig lächeln, weil er sich merkwürdig verändert vorkam. Das war doch wirklich komisch, daß er, der sich aus München weggestohlen hatte, der sich in die Einsamkeit verlieren und wiederfinden wollte, wie ein Gymnasiast klopfenden Herzens an Karin dachte und ihr die Schuld an seinem Benehmen gab. Er spielte achtlos am Lenkrad, drückte versehentlich auf die Hupe, die mit einem Aufheulen die unheimlich lastende Stille zerriß, und sagte laut vor sich hin: „Wenn Karin in zehn Minuten nicht da ist, fahre ich ab!"
Trotzdem mußten ihn die Schwüle und das flirrende Licht müde gemacht haben. Er neigte den Kops ein wenig zur Seite unb zurück und schlief bald ein.
So fand ihn Karin, als sie um halb vier Uhr auf den Platz kam. Sie hatte selbst das Gefühl, daß sie jetzt viel beschwingter und freier ging, und redete sich ein, daß sich Günther eigentlich ganz vernünftig benommen hatte. Besonders zum Schluß.
„Hallo! Herr Bröger! Sie bekommen ja einen Hitzschlag!" rief ihn Karin an. Warum sah er wie ein Frosch aus, fragte sie sich, als Thomas schreckhaft erwachend aufschnellte, das Kinn zusammenklappte


