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Nr. 26V Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (Generai-Anzeiger für Gberhesien)

L/2. November W41

Aus der Stadt Gießen.

November.

Wenn der November Einkehr hält, dann ist es aus mit allem, was bisher noch vom Sommer übrig blieb. Er ist der düsterste Monat im Kreislauf des Jahres. Er kommt wie ein melancholischer Wan­derer, der auf die Vergänglichkeit der Dinge deu- tet und zur Einkehr mahnt. Und da alles im Be- reich des Naturgeschehens seinen wohlweislichen Sinn hat, ist er keineswegs fehl am Platze, sondern er erfüllt seine Aufgabe, wenn sie uns auch nicht immer sympathisch erscheinen mag.

Die Tage des November sind meist feucht und still. In den Anlagen ist der letzte Vogelpfiff ver­hallt, auf den Dachrinnen sitzen dick aufgeplusterte Spatzen, während die Passanten eilends ihren Weg suchen. In den Wäldern hat der Feuerzauber, den der Oktober entfachte, sein Ende genommen. Kahl ist das Gezweig derBäume, die Rinden glänzen vor Feuchtigkeit, und selbst die munteren Eichhörnchen, die noch vor kurzem umhertollten, sind nicht mehr sichtbar. Dafür knallen die Büchsen der Jäger, und mancher Hase endet sein Dasein im Kessel der Treib­jagd. Heber die kahlen Felder aber pfeift der Wind, dem nur die Krähen mit ihrem eintönigen Geschrei antworten.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben." Mit diesen Worten drückte der empfindsame Rainer Ma­ria Rilke die Stimmung aus, die uns angesichts des November überkommt. In der Tat scheint es so, als ob der neblige November unter alles Leben einen Strich ziehen wollte. Zum Glück scheint es nur so. Denn alles, was vergänglich ist, muß da­hin, wenn es die Wiedergeburt erleben soll. Tief un­ter dem morschen Laub bergen sich bereits die Keime des neuen Lebens, das uns im Frühling wieder aufs neue beglücken wird. So erfüllt dieser Monat eine- Mission, ohne die alles schal und ohne Inhalt bliebe. Und wie zum Gleichnis dessen ist der letzte Novembertag in diesem Jahre zugleich der erste Advent, der uns hinleitet zu jenen poesievollen Wochen des Dezember. H. W. Sch.

Haushaltsbestandsliffe Mein Hab und 0uf*.

Dieser Vordruck ist im Einvernehmen und mit Unterstützung aller zuständigen Stellen entstanden. Er soll vor allen Dingen den Nachweis der Ein­richtung und Vermögenswerte der Haushaltungen erleichtern in den Fällen, in denen Schäden durch Fliegerangriffe entstanden sind. Dar­über hinaus ist das Formular jedoch geeignet, auch für Schadenfälle allgemeiner Art, insbesondere als Dersicherungsgrundlage, zu dienen. Die Anlegung dieser Bestandslisten von allen Haus­haltungen ist daher im volkswirtschaftlichen Inter- esse und soll weitgehendst gefördert werden. Der Verkauf der Listen (10 Rpf. pro Stück) erfolgt aus­schließlich durch Buch- und Papierwarenhandlungen.

Verdunkelungszell

1.11. von 17.52 bis 8.15 Uhr.

2.11. von 17.50 bis 8.19 Uhr.

Vanillinzutker

Reese-Gesellschaft, Hameln

Man verlang beim Einkauf

Arbeitsmaiden im Kriegshilfsdienst.

Im Kinderhort, auf der Straßenbahn, im Krankenhaus, bei der post ..

Waschgelegenheiten, die Bastelstuben dürfen als vor- bildlich gelten. Hier werden die Kinder, große und ganz kleine schon, zu Ordnuüg, Sauberkeit und gu- ter Führung erzogen; hier wird Gymnastik getrie­ben, hier werden sie auch ärztlich betreut. Die-

Der Presse des Gaues Hessen-Nassau war Gelegenheit gegeben, die vielfältigen Aufga­ben und Leistungen der zum Kriegshilfsdienst verpflichteten Arbeitsmaiden des Bezirks XI Hessen des Reichsarbeitsdienstes an verschiede­nen Einsatzstellen in Frankfurt am Main aus eigener Anschauung kennenzulernen. Unser Schriftleitungs-Mitglied schildert hier seine Beobachtungen und Eindrücke.

Der Einsatz, von dem hier berichtet werden soll, ist bestimmt durch den seinerzeit veröffentlichten Erlaß des Führers vom 29. 7.1941 über die verlän- gerte Dienstzeit der Arbeitsmaiden; durch diesen Erlaß soll der kriegsbedingte Ausfall zahlreicher männlicher Arbeitskräfte auf sinnvolle und zweck­mäßige Weise ausgeglichen werden. Aus dem Be­zirk Hessen sind rund 3000 Arbeitsmaiden für den Kriegshilisdienst verpflichtet worden; etwa 500 von ihnen sind in Frankfurt am Main eingesetzt, wo sie in erster Linie in Parteidienststellen, in Staats- und Wehrmachtsbetrieben, bei der Stadtverwaltung, in Lazaretten, NSV.-Heimen und anderen sozialen Or­ganisationen arbeiten. Unterkunft und Verpflegung erhalten sie in Hotels oder Unterkunftsheimen, die der RAD bereitgestellt hat, z. T. auch unmittelbar der RAD. bereitgestellt hat, z. T. auch bei den Ein­satzstellen selbst die bei der Straßenbahn eingesetzten Mädels werden mit Rücksicht auf ihre wechselnden Dienstzeiten unmittelbar von Hause aus eingesetzt.

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Wir sehen uns in einer Unterkunft im We­sten der Stadt um, wo den Maiden ein geräumiges Haus zur Verfügung steht, das früher privaten Zwecken diente, und das nun von der Unterkunfts­leiterin so zweckmäßig wie wohnlich für seine neue Bestimmung hergerichtet worden ist. Hier wohnen 46 Maiden, hier erhalten sie Wohnung, Essen, nö­tigenfalls ärztliche Betreuung, hier haben sie ihre Freizeit. Neben dem täglichen Einsatz gibt es Schu­lung, Leibesübungen, Singstunden, auch Kurse zur 'beruflichen Fortbildung, lieber Sonntag dürfen sie heimfahren, wenn es der Dienst erlaubt: fünf Tage Urlaub im Halbiahr stehen ihnen zu. Einsatzstellen, leiterin und Kameradichaftssührerinnen betreuen und beaufsichtigen die Maiden, die nun keine RAD.- Tracht mehr tragen, sondern nur durch das KHD- Abzeichen kenntlich sind. Pro Tag bekommen sie 50 Pfennig, dazu eine Mark Bekleidungsgeld. Von der Unterkunft geben sie morgens zum Dienst diese hier hauptsächlich zu Kindertagesstätten und zur Hilfe bei kinderreichen Familien; abends um 22 Uhr muß alles wieder da fein. Wir gehen durch das Haus und sehen uns um: große, helle, freundliche Tagesräume; in den Schlafräumen (mit Betten übereinander) wie früher im Lager alles blitzsauber und ordentlich; Küche und Sveiseraum sind so beschaffen, daß die Mädels sich wohlfühlen müssen.

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Für den Einlaß wurden, wo es sich einrichten ließ, berulliche Vorbildung und persönliche 91 ei nun g berücksichtigt und nutzbar gemacht; für manche- dels bedeutet dieses halbe Jahr KHD. eine regel­rechte Weiterbildung im Beruf; andere lernen ein neues, ihnen zuvor völlig fremdes Lebens- und Ar­beitsgebiet kennen, was ihnen später bestimmt nicht schaden wird. 147 Mädels sind bei den verschieden­sten Parteidienststellen eingesetzt, bei der Kreisamts- [eitung, der Gauleitung, der Kreisleitung auf dem

Büro, andere in Kindertagesstätten, auf Schwestern- stationen, in der Haushaltshilfe; hier soll zugleich tüchtiger Nachwuchs für Parteidienststellen wie für soziale Frauenberufe herangebildet werden.

In einer Kindertages st ätte der NSDAP, werden etwa 60 bis 80 Kinder vom 6. bis 14. Jahr nach der Schulzeit bis zum Abend betreut, beschäf- tigt, bei den Schularbeiten beaufsichtigt. Das Heim ist mustergültig eingerichtet und steht unter der Lei­tung einer Hortnerin. Die Aufenthaltsräume, die

del, die da ihren Kriegshilfsdienst leisten, können ihre mütterlichen und hausfraulichen Gefühle und Talente hier wundervoll entfalten, und die Mütter der Kleinen können tagsüber ruhig und unbelastet ihrer oft schweren Arbeit nachgehen: sie wissen ihr Kind in guter Obhut und sorgsamster Pflege.

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Schwerer haben es die Mädels, die als Schaff­nerinnen bei der Straßenbahn Dienst tun. Man hat nur solche eingesetzt, die in Frankfurt woh­nen; dennoch hat manche von ihnen auf diese Art

Theater -er Universitätsstadt Gießen.

Josef Maria Krank: »Dschungel".

Ein Tropenstück in drei Akten, eine dramatisierte Magazingeschichte, spielend auf einer kleinen west­indischen .Insel, die von der Malaria heimgesucht wird. Es gibt dort ein Hygiene-Institut, aber das ist nur die Etappe, die medizinische Frontlinie ver­liert sich im Dschungel, nvo der Dr. Dos Passos sein Hauptquartier aufgeschlagen hat. An dem Tage, an dem er des Fiebers Herr geworden zu fein glaubt, bricht das Verhängnis über ihn herein: in der zu­nächst harmlos scheinenden Gestalt eines amerika- nischen Reporters. Der interessiert sich anfangs nur für die Malaria, weil er in ihr einen Stoff für sein Sensationsblatt wittert; da er aber außerdem über ein gutes Gedächtnis verfügt, ereignen sich verschiedene unliebsame Ueberraschungen in der ohnehin überhitzten Atmosphäre des unheilschwan­geren Eilandes: eine seit Jahren verschollene Mord- gesch chte wird plötzlich wieder aktuell, als der Re­porter in Dos Passos den Mann zu entdecken glaubt, der damals zum Tode verurteilt wurde und sich der Vollstreckung des Urteils durch die Flucht unter falschem Namen entzog. Dos Passos seiner­seits findet in einer Aerztin der Station höchst un­vermutet seine damalige Geliebte wieder, die Frau seines früheren Assistenten, dessen Ermordung ihm zur Last gelegt wurde. Der Konflikt, der sich aus solchen Enthüllungen ergibt, ist mit Händen zu greifen: wird Dos Passos, wie der sensationswütige Reporter verlangt, der Polizei übergeben, bann bleibt die Insel der Malaria ausgeliefert; die Situa­tion aller Beteiligten, wenn er nicht verhaftet wird, kann sich jeder ausmalen, der nur etwas Theater­phantasie besitzt. Ein Glück, daß es noch eine dritte Möglichkeit gibt; die ist so beschaffen, daß weder die jäh und hitzig wiederaufflackernde Liebesgeschichte noch auch der dringlich und unoerjährt Bereinigung heischende Kriminalfall dabei zu kurz kommen. Hm späteren Besuchern nichts von der Spannung zu nehmen und niemandem das Vergnügen an psycho­logischen Spekulationen und prioatdetektivischen Kombinationen vorzeitig zu verwässern, hüllt sich der Betrachter numyehr, was die Handlung betrifft, in diskretes Schweigen.

Was die Aufführung angeht, so wurde sie von Oberspielleiter W. M. Mund inszeniert: er wit­terte mit sicherem Instinkt die heftigen theatralischen Möglichkeiten eines an Heberraschungen, Effekten und Sensationen reichen Stoffes und der wichtigsten Rollen. Er legte hierin von Herrn Löfflers Bühnenbildentwürfen ausgezeichnet unterstützt besonderen Wert auf Stimmung und eine von

Fieberklima, Whiskyrausch und Negermusik erhitzte Atmosphäre, in der leidenschaftliche Liebesgeftänd- niffe, deutliche Redensarten, gereiztes Geschrei, wild ausbrechende Zweikämpfe und geschwungene Re­volver ganz natürlich wirken. Dagegen wären, be­sonders im ersten und letzten Akt, einige Kürzungen und einige Tempobeschleunigungen der Konzentra­tion des Ablaufs und der mehrfach begründeten Spannung sehr förderlich.

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In der Rolle des Dos Passos stellte sich Inten­dant Hans Walter Klein als Schauspieler vor. Es ist eine dankbare Sache, eine Albers-Rolle sozu­sagen; Intendant Klein spielte sie mit Geschick ohne naheliegende Hebertreibungen, aber so, daß die Figur, auch wo sie nicht agierte, stets im Mittel­punkt der Fabel blieb und auch in kritischen Augen­blicken nichts von den Sympathien einbüßte, die der Autor ihr zugewendet hat. Renate F r e i h e n als Virginia sah sehr vorteilhaft aus, und der all­mähliche Hebergang aus sachlich betonter Kühle zu angstvoller Erregung gelang ihr mit überzeugenden Mitteln. Herr Funke als Reporter Rubber war entschieden die aktuellste Gestalt, ein Repräsentant der 08A.-Revolverpresse, wie wir sie lieben: ziem­lich läppisch, einigermaßen abgekocht und, wenn es darauf ankommt, sogar gefährlich. Herr Mund machte aus dem Halbblut-Assistenten Gomez eine theatralisch wirkungsvoll gesteigerte Charakter­studie. Herr Zeppenfeld, ein derber, lärmender Gouverneur, holte aus der nicht sehr ergiebigen Rolle das Möglichste heraus. Herr Schmidt spielte mit kräftigen Betonungen den Dr. Stijn, Herr B o s n y leicht karikiert den Professor Meyer und Herr Kratz mit saftig ausholendem Humor einen schwarzen Medizinmann im Urroalb.

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Spielleiter und Darsteller durften zuletzt viel Bei­fall und Blumenspenden entgegenehmen.

Hans Thyriot.

Sm*?

Ein unangenehmes Übel, das sich aber leicht und mit Erfolg bekämpfen läßt Pfle­gen Sie Haai und

Kopfhaut regelmäßig so, daß kein Alkali und keine Kalkseife Im Haai verbleiben, also mit

SCHAUMPON

SCHWA R Z KO PFQ

Der Gioß aufs Herz.

Von Otto Brües.

Ein paar junge Leutnants saßen, zu Beginn des vorigen Krieges, an dem damals noch erglühenden Lagerfeuer zusammen, kühne, todestrotzige Burschen, die das Leben in vollen Zügen zu genießen aus den Tagen des Friedens gewohnt waren; und als die Stunde schlug, in der sie sich bewähren mußten, warfen sie alles hinter sich und waren einzig das, was sie fein sollten, nämlich Soldaten von der Art, die nicht rechts und links sieht, wenn es gerade­aus geht, und die den Teufel, den es auch heute noch gibt, stracks aus der Hölle holt.

Diese verwegenen Herren hatten einen unter sich, einen Offizier des Beurlaubtenstandes, der, ohne sich etwas zu vergeben, in feine Bücher versponnen blieb und stets ein paar im Gepäck mit sich führte. Was lag den mitten im Todesgrauen lebensnahen Ge­sellen näher, als öen Kameraden immer wieder mit feiner Vorliebe zu necken? Sie taten es weidlich und um so mehr, als sie bemerkten, daß der Bücherfreund betroffen zu erröten pflegte. Nun als sie jenes Abends ihn am Beiwachtfeuer ertappten, da steiger­ten sie sich in einen rechten Hebermut und spöttelten über den Kameraden, so dreist sie's nur eben ver­mochten.

Doch plötzlich stand der Major unter ihnen, der das Bataillon führte, ein alter, eisgrauer Truppen­offizier; der hörte noch den Spott, ließ sich unter den Aufspringenden auf einem schnell untergeschobe­nen Holzblock nieder und klemmte sich das Einglas ein. Er musterte die Herren, knetete sein spitzes Kinn und begann ohne Umschweife zu erzählen.

Das war im letzten Gefecht damals in Südweft", so begann er,ich war als junger Offizier kaum anders als Sie; liebte den Wein und die Weiber und schätzte von den Büchern nur das Exerzierreglement; übrigens auch das nur fo lange, bis mir fein Inhalt in Fleisch und Blut übergegangen war. Kam einer mir mit den Werken der Wissenschaft oder der Dich­tung, so galt er mir als ein Bücherwurm; ich konnte mir keinen Nutzen davon vorstellen, daß man be­drucktes Papier zusammenband und in einen Ein­band heftete.

Nun hatte mir meine Braut, als wir an der »Alten Siebe' zu Cuxhaven voneinander Abschied nahmen, ein kleines Päckchen in die Hand gedrückt.

Es war in Seidenpapier eingeschlagen und mit bun­ter Schnur umwunden. Ich nahm an, daß ein nütz­licher Gegenstand darin sei. Als ich, am dritten Tage der Seereise, das Paketchen öffnete, lag ein Buch vor mir, die Dünndruckausgabe von einer Lebens­beschreibung, die man, wie es hieß, kennen sollte; mir sagte nur die Widmung etwas, die Schriftzüge des geliebten Mädchens, wenn mich auch das Ge­schenk selbst befremdete.

Gehorsam trug ich das Buch in der inneren, linken Rocktasche der sandbraunen Feldbluse mit mir herum, ohne jemals darin zu lesen. So den ganzen schweren Krieg hindurch, den die daheim für einen Spaziergang hielten. In jenem letzten Gefecht, als uns der Sieg schon sicher war, traf mich eine Kugel, ich schlug zu Böden und weiß noch gut, daß der kurze Abschied von allem, was ich liebte, der Ab­schied zumal von der Braut mitten in allem Opfer­willen mir das Herz zerriß, eh' ich bewußtlos wurde. Da hatte man den ganzen harten Feldzug bestanden und sollte nun scheiden, als der Sieg schon winkte? Ich biß in das Gras, diesem Schicksal fluchend; ein klägliches Mißgeschick erschien es mir in jener Se­kunde.

Doch schon war ich wieder zum Leben erwacht. Der Arzt kniete über mir, hielt mir ein Buch ent­gegen, mein Buch, das einzige: es war von einem Querschläger zerfleddert. Ein Querschläger hott' ihn die Wand des bedruckten und in einen Einband gehefteten Papiers nicht in feiner Wucht gehemmt, mein Herz hätte nie mehr geschlagen, das nun, durch den Stoß der Kugel, nur für ein paar Sekunden ausgesetzt hatte.

<5ie merken schon, ich begann zu verstehen, was für einen Nutzen ein Buch haben kann!"

Der Major hielt inne, die Herren lächelten und schwiegen, allein der jüngste von ihnen, ein Frech­dachs, glaubte noch etwas sagen zu müssen, weil er sich in dieser Rolle gefiel.

Herr Major wollen damit doch nicht andeuten, daß jeder von uns eine ganze Bibliothek mit in den Krieg schleppen soll!"

Der Kommandeur steckte das Einglas zu sich, blickte den Zwischenredner, als ob er aus einem Traum erwache, verwundert an und sagte mit einer Stimme, die wohl kaum von der Kühle der Nacht so heiser wurde:

Ich erhielt beim Antritt der Heimreise von den Eltern meiner Braut einen Brief, mein Mädchen lag sterbenskrank darnieder. In der Schiffsbibliothek

fand ich ein heiles Stück des Buches, das mir, wenn auch jetzt zerschossen, zum Talisman auf der Brust geworden war, und ich las das Leben eines Men­schen, dem das Schicksal nichts erspart hat ... es war ein einziger Abschied von dem, was er liebte. So durchlitt ich, dem der Stoß auf das Herz dieses Herz für das leise und zarte Geheimnis des Schonen und Wahren eröffnet hatte, auch den Abschied von der Braut ... wäre sie wirklich gestorben, wie ich's fürchtend durchkostete, das Buch hatte mir einen Maßstab für die Hohe, die Tiefe, die Qual des Lebens gegeben, so wie es vorher den Tod von mir abgewehrt hatte. Als ich heimkam, brauchte das Fräulein, das ich liebte, noch mehr als ein Jahr zur Genesung; wir sind dann sehr glücklich ge­worden.

Das wollt' ich Ihnen noch sagen, meine Herren. Und Sie würdigen jetzt wohl auch, daß ich kein Feigling bin, wenn ich jenen Talisman bei mir trage. Ein Buch, das taugt, hat stets etwas von einem Lebensretter!"

Sprach's, der alte, eisgraue Major, und ging, während die Herren salutierten, nach vorn zu den Feldwachen.

Dom Seiffmn.

Es gibt Menschen, denen der Zeitsinn fehlt; sie wissen nie, wie spät es ist, kommen überall hin zu spät und können auch durch beständige Benutzung der Uhr nicht ganz von diesem Mangel geheilt wer­den. Aber auch abgesehen von diesen Ausnahmen ist der Zeitsinn bei den Menschen sehr verschieden ausgebildet und unterliegt den mannigfachsten Irr­tümern. Hüter gewöhnlichen Umftänöen kann uns eine bestimmte Zeit sehr viel kürzer oder auch sehr viel länger erscheinen, als sie wirklich ist. Dabei verkürzen durchaus nicht nur angenehme Eindrücke die Zeit, sondern auch die Erregung und die Kon- zentrieruna der Aufmerksamkeit in einer bestimmten Richtung spielt eine Rolle/Jn Berichten aus dem Kriege wird von Teilnehmern berichtet, daß sie wäh­rend einer heißen Schlacht vollkommen den Zeitsinn verloren und glaubten, es sei erst eine halbe Stunde vergangen, wenn schon Stunden hindurch gekämpft worden war.

Eine Abart des Zeitsinns ist die Fähigkeit man­cher Personen, zu einer bestimmten Stunde von selbst aus dem Schlaf zu erwachen. Viele behaupten, daß sie dazu mit der größten Pünktlichkeit imstande

feien, aber die Versuche haben gezeigt, daß es doch nur wenigen gelingt. Man hat dabei beobachtet, daß Personen, die zu einer bestimmten Zeit auf­wachen wollen, sehr unruhig schlafen, und daß die Zeichen der Hnruhe sich steigern, je näher die Stunde des Erwachens kommt.

Anderseits durchlebt man im Traum Dinge, die viele Stunden zu dauern scheinen, in ein paar Sekunden. So erzählt Laoalette, der während der französischen Schreckenszeit im Oefängnrs lag, er habe einen Traum gehabt in den wenigen Sekun­den, die von dem Moment, in dem es Mitternacht schlug, bis zu dem verstrichen, in dem Wache vor seiner Tür abgelöst wurde.Ich war in der Rue St. Honorö", so schildert er diesen Traum. ,,Es "ar dunkel, die Straßen waren verlassen, aber ich hörte ein dumpfes Gemurmel von fernher. Plötzlich er­schien dann am Ende der langen Straße ein Reiter­trupp, und fünf Stunden lang rasten Reiter in vollem Galopp an mir vorbei; nach ihnen kam eine große Anzahl von Wagen, mit Leichen belaßen. Oefters erlebt man auch im Traum Dinge zu glei­cher Zeit, die an ganz verschiedenen Orte und zu cher Zeit, die an ganz verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten vor sich gehen.

Daß auch die Tiere bis zu einem gewissen Grade den Zeitsinn besitzen, beweisen zahlreiche Beob­achtungen. So wird von einer Ganseherde berichtet, die immer an einem bestimmten Tage in der Woche auf den Markt kam, um die liegengebliebenen Ge­treidekörner aufzupicken. An einem Donnerstag wurde nun der Markt nicht abgehalten, aber die Gänse erschienen wie gewöhnlich an diesem Tage auf dem Marktplatz. Es erhebt sich nun die Frage, ob die Gänse wüßten, daß eine Woche verstrichen war, ober ob sie vielleicht den Donnerstag an irgend welchen besonderen Zeichen erkannten.

Sogar manche Insekten haben einen entwickelten Zeitsinn, wie in letzter Zeit angestellte Versuche ge­zeigt haben. Wenn man Bienen und Ameisen zu bestimmten Stunden füttert, so lernen sie schnell die Stunde und den Ort der Nahrungsgabe und kommen mit größter Pünktlichkeit herbei. Im Zoolo­gischen Garten von Graz hat man Ameisen mit Archer und Chloroform eingeschläfert, so daß sie fast fünf Stunden bewußtlos blieben; sobald sie wieder aufwachten, gingen sie sofort an ihre Arbeit und fanden sich pünktlich zur Fütterung ein. C. K.

SchwesteHidienst - Beruf und Schule fürs Leben

Die NS.-Schwesternscbaft and der Reichsbund der Freien Schwestern und Pflegerinnen e. V. stellen lautend junge Mädel und Frauen im Alter von 18 bis 88 Jahren als Lernschwestern In den staatlich an­erkannten Kranken- und Säuglingspflegeschulen des Gaues ein. Weitere Ansbildungsstättan im übrigen Reichsgebiet werden durch die Eeichsdienststeilen der Schwesternschaften Berlin W 62. Kurfürstenstraße HO. vermittelt

Einsatz der NS.-Schwestert

Krankenhäuser. Kinderkliniken. Gemeinden, SS-Laza­rette. SS-Mütter- und Säuglingsheime, Schulen der NSDAP, und Ordensburgen

Weitere Auskunft durch das

Ausbildung: iVaflOirige Lernzeit» staatliche Prüfung, praktisches Jahr.

Fortbildung: Operations-, Diät- Säuglingsschwester usw.

Aufstiegsmöglichkeiten: Jungschwesternführerin, Oberschwester, Oberin.

Gehalt nach neuem Tarif.

Xmt für Volkswohlfahrt, Gauleitung Hessen-Nassau,

Einsatz der Relchsbund-Sdiwester:

Krankenhäuser, Sanatorien, Kinderkliniken. Mütter-, Säuglings- und Kinderheime und Krippen, vorbeu­gende Familienhilfe auf dem Lande, krankenpflege­rische Tätigkeit im Ausland. Werkschwestern.

Darmstadt, Steubenplatz 17. «63v