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oller Stille geleistete aufopferungsvolle Arbeit immer wieder besonders anerkennt.

Die schwersten, wichtigsten und härtesten Schläge aber führte die deutsche Luftwaffe gegen den Haupt­feind, gegen England. Sie zertrümmerte die Mehrzahl der wichtigsten Einfuhrhäfen der Insel, verminte immer wieder die Fahrwasser in Küsten­nähe, zerschlug Docks, Flugzeug- und Munitions­fabriken, versenkte in engster Zusammenarbeit mit der Kriegsmarine Handelstonnage in einem für England gefahrbringenden Umfang. Sie führt die­sen Krieg um die ganze Insel herum, sie führt ihn 500 und mehr Kilometer westlich der Insel aus dem Ozean, gemeinsam mit Italien im Mittelmeer, in Afrika bis zu einer der wichtigsten Lebensadern Englands, dem Suezkanal. Sie zwang Englands Kriegsschiffe, die Küsten Norwegens zu verlassen und selbst den Angriff auf Narvik auf^zugeben, sie schlug sie schwer bei Calais und Dünkirchen, trieb sie in wenigen Tagen aus der Aegäis und fügte ihr an allen diesen Stellen empfindliche Verluste bei. Sie erbrachte dabei den entscheidenden Beweis, daß keine noch so starke Flotte im nahen Wirkungsbe­reich einer überlegenen feindlichen Luftwaffe auf die Dauer operieren kann. Diese bittere Erkenntnis, der sich Albions stolze Flotte schon mehrfach hat beugen müssen, ist wohl der härteste Schlag, Den England von der deutschen Luftwaffe bisher hat hinnehmen müssen.

Die glänzenden Erfolge der jungen Waffe auf allen Kriegsschauplätzen hätten nicht errungen wer­den können ohne die aufopferungsvolle und uner­müdliche Arbeit aller ihr organisch zugehörenden

Waffenteile und Verbände. Die Luftnachrich­ten t r u p p e hat durch rücksichtslosen Einsatz von Menschen und Material auch im schnell fortschrei­tenden Bewegungskrieg die Verbindung zwischen Führung und Truppe aufrechterhalten und dadurch die Möglichkeit geschaffen für den rechtzeittgen und planvollen Einsatz der fliegenden Verbände. Auch unter schwierigsten Wegeverhältnissen und über weiteste Strecken haben die Nachschubver­bände der Luftwaffe dafür gesorgt, daß die Schlagkraft der Truppe erhalten blieb. Der Flug- rneldedienst hat in der Heimat und an allen Fronten oft dicht hinter der ersten Linie einge­setzt in aller Stille seine verantwortungsvolle Arbeit getan. Tages- und Nachtjagdver- bände schützen in engem Zusammenwirken mit der Flakartillerie, den Scheinwerfer- und Luftsperrabteilungen die Heimat. Wie gründlich und erfolgreich ihre Tätigkeit ist, das ha­ben die hohen Verluste der englischen Angreifer während der letzten Wochen erneut bewiesen. In vorbildlicher Form haben die Führungsstellen der Luftwaffe an allen Fronten ihre schwere Aufgabe gemeistert.

Der dritte Wehrmachtteil, die deutsche Luftwaffe, hat chren Wert und ihre Kampfkraft in den beiden ersten Kriegsjahren unter Beweis gestellt. Mit Heer und Kriegsmarine verbindet sie engste Waffen­brüderschaft, die durch gemeinsame Kämpfe und ge­meinsame Siege vertieft und verstärkt wurde und nicht mehr zu übertreffen ist. Gemeinsam kämpfen sie weiter bis zum Endsieg.

Die Nacht von Reval.

Oer Lohn für harte Arbeit deutscher Minenleger.

Von Kriegsberichter Herbert Wendt.

DNB. Bei der Kriegsmarine, 1. September. Man­cherlei Nächte haben wir seit Beginn des Ostfeld­zuges im Finnen-Gols erlebt, helle Mitsom­mernächte mit.nichtweichendem Glanz auf dem Wasser, in denen unsere Schiffe und Boote stets der Sicht des Feindes und größter Gefahr ausgesetzt waren, dunkle Sturm nächte, die unseren Bug in die Tiefe rissen und dann wieder in die Höhe schleuderten, die uns mit knapper Not zwi­schen Minen und Riffen hindurch lavieren ließen, Nebelnächte dicht unter der feindlichen Küste mit pausenlosem Artilleriebeschuß und pausenlosen Angriffen zur Luft und zu Wasser. Wir haben er­lebt, wie die Sowjefflieger in der gleißenden Mond­helligkeit sich auf uns gleich Habichten stürzten und das Wasser von diesen Bomben kochen ließen, wie die Leuchtspur der feindlichen Artillerieboote um uns zuckte und tanzte, als wolle es uns zum Emp­fang ein festliches Feuerwerk veranstalten, wir ha­ben die Säulen der Minendetonationen vor uns, neben uns, hinter uns, hochsteigen und in den Him­mel wachsen sehen und sind im Feuer der Küsten­batterien mit unseren Booten vorwärts gesprungen wie die Summier*

Nacht um Nacht waren wir draußen, ein paar Minenschiffe, ein paar Räumboote; ein paar Schnellboote dazu zur Sicherung. Nacht für Nacht haben wir Minen gelegt, Nacht für Nacht wuchsen die verseuchten Quadrate, die auf der gro­ßen Karte im Steuerhaus sorgfältig ausgezeichnet wurden. Manch einer hat sich gefragt: Warum das? Wer soll den ganzen Kram nachher wieder wegräumen? Denn so wichtig auch das einzelne Un­ternehmen war, so sehr es auch den ganzen Mann beanspruchte, wir warteten doch auf das eine, auf das Große, den entscheidenden Schlag. Ja, wir verstanden, daß es im Minenkrieg nicht so war, wie im Krieg der Flotte, der U-Boote, der Schnellboote, daß die Erfolge nicht gleich sichtbar sein konnten. Wir wußten: Arbeit, immerwährende Arbeit, allnächtliche Arbeit nur war unsere Auf­gabe, anpirschen und nochmals anpirschen an die bezeichneten Quadrate, Minen werfen. Und wachen, damit der Feind unsere Sperren nicht räumt und die seinen an unsere Küste und in unseren Straßen legt. Und doch warteten wir auf das eine...

Da war eine Nacht, in der das Not der unter­gehenden Sonne noch am Himmel stand, während es im Osten bereits wieder zu dämmern begann. Die Minenschiffe schoben sich vorwärts, dunkle Silhouet­ten an der Kimm, die Räumboote glitten sichernd über die Wogen, das Heck tief von den übernomme­nen Minen ins Wasser gedrückt. Da tauchten irgend­wo im Gewölk mückengleich dunkle surrende Pünkt­chen auf, wuchsen, tarnen näher.

Fliegeralarm!" Kurze Kommandos, ein paar Sprünge, schon waren die Geschütze, die MG.s be­setzt. Nun waren es keine Pünktchen, keine Mücken mehr am Horizont, man konnte Form und Tiefe ausmachen:Fünf Sowjet-Flugboote an Steuerbord!" Hoch über uns zogen sie dahin, wäh­rend unsere Geschütze brüllten, unsere MG.s bellten und die Leuchtspur wie aüf einer unsichtbaren Leiter emportanzte zum Feind. Und hoch in der Luft klinkten sie ihre Bomben aus. Fünf, zehn, zwanzig Wassersäulen schossen empor.

Da wieder Flieger! Diesmal setzten sie zum Tiefangriff an. MG.-Garben prasselten um unseren Kopf, und bann hatte einer der Sowjets Feuer ge­fangen. Er bäumte sich auf, flog wie eine brennende Fackel eine steile Kurve und schoß bann zischend mit dumpfem Aufschlag ins Meer.

Eine andere Nacht. Finnische Minenleger in unserem Geleit. Die feindliche Küste wuchs uns entgegen, schwarz und schwärzer. In der Ferne glommen Lichter auf, Scheinwerfer umspielten uns, ein Sowjet-Torpedokreuzer brannte, von unseren Kampffliegern getroffen, am Strande lichter­loh. Es galt, die Fahrstraße dicht unter der Küste zu verminen, um dem Feind auch die letzte Möglich­keit zum Entkommen zu nehmen. Bald waren wir so nahe am Festland, daß wir hätten die Stiesel ausziehen und hinüberwerfen können, wenn wir gewollt hätten. Die Minen glitten eine nach der andern ins Wasser, während man uns an der Küste mit Scheinwerfern und Leuchtgranaten und Horch­geräten suchte. Lange Zeit atemlosen Wartens, dann ging es mit äußerster Kraft Richtung Heimat. Und die Küstenbatterien hinter uns schleuderten uns ihren Eisenhagel nach.

Wieder eine Nacht. Bis auf die Knochen durch­näßt standen mit auf der Brücke, auf der Back, auf der Schanz. Die Räumboote nahmen Wasser über, es ging über minenverseuchtes Feindgebiet, und die Minen unter uns tanzten und hüpften wie wir ...

An diese Nächte und die vielen anderen, die ihnen glichen, mußten wir denken, wenn wir nun d i e er ft en Erfolgsmeldungen hörten: Zwei sowjetische Transporter auf deutsche Minen gelaufen! Vier Sowjetdampfer durch Mi­nentreffer gesunken! Eines Tages konnten wir von der finnischen Küste aus deutlich Detona­tionen hören und in der Ferne Rauchwolken auf­steigen und Feuerscheine zucken sehen: fünf große feindliche Transporter waren unserer Sperre zum Opfer gefallen. Und dann kam die Nacht von Reval. Während unsere Truppen noch die letzten Befestigungen nieberrangen, hatten wir im Schutz dunkler regnerischer Stunden nochmals Sperren vor

Das Ritterkreuz für tapferen Einsatz.

Berlin, 1. Sept. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers des Heeres das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an General der Artillerie Hansen, ^-Gruppenführer und Gene­ralleutnant der Waffen-^ h a u s f e r, General­major Hube, Oberst Hartmann, Artillerie­kommandeur, Rlajor Dr. T r e e ck und Oberfeld­webel Gretschmann.

General Hansen stieß mit seinem Armeekorps sehr schnell zum Njemen vor und überschritt schon am zweiten Angriffstag den Fluß unter Abwehr feindlicher Gegenangriffe. Im weiteren schnellen Vorstoß des Korps gelang es General Hansen, nach Durchbruch durch die Stalin-Linie den Feind im Raum nordwestlich Noworshew unter Abwehr star­ker sowjetischer Entlastungsangriffe vom Osten her einzukesseln und die Vernichtung von etwa zwei sowjetischen Divisionen zu erreichen. ^-Grup­penführer Haufser hat in den schweren Kämpfen zwischen Beresina und Dnjepr und weiter vom Dnjepr ostwärts seine Division geführt. General­major Hube, der im Weltkrieg einen Arm ver­lor, tat sich als Kommandeur einer Panzerdivision in den Kämpfen am 6. und 9. 7. besonders hervor. Nachdem am Horyn-Ab schnitt die Sowjetnachhut von der Panzerdivision geworfen war, übernahm er die Führung der Verfolgungsabteilung. Es ge­lang ihm, 60 Kilometer weit vorzustoßen. Die Ver­folgung wurde bis in die Nacht fortgeführt und da­durch die Vorbedingung für den weiteren Angriff

geschaffen. Am 9.7. stand die Panzerdivision im schwersten Kampf um Lubar. Trotz größter Er­müdung der Truppe, trotz Munitions- und Be- triebsstoffmangels verfolgte Generalmajor Hube den Feind bis in die Nacht hinein. Oberst Hart­mann trug als Artilleriekommandeur einer In­fanterie-Division zu dem großen Durchbruchserfolg auf Rawa-Ruska einen wesentlichen Teil bei. Beim Durchbruch durch die Stalin-Linie wurde Oberst Hartmann in vorderster Linie schwer verwundet. Der Angriff führte zu einem tiefen Einbruch in die Bunkerstellung der Stalin-Linie. Schon beim Durchbruch durch die Metaxas-Linie ist das Ba­taillon des Majors Dr. Treeck tief in den feind­lichen Rücken durchgestoßen und hatte damit ent­scheidenden Anteil an der Oeffnuna des Rupel- Pasfes. Auch den schweren Auftrag bei den Kämp­fen auf Kreta, über das weglose Gebirge vorzu­stoßen, hat das Bataillon erfüllt. Ohne Verbindung mit dem Regiment sperrte es die Rückzugsstraße der Engländer und ermöglichte den Vorstoß motori­sierter Kräfte. Oberfeldwebel Gretschmann zeichnete sich während der mehrtägigen Abwehr­kämpfe vom 26.7. bis 30. 7. aus. Der Feind mar beiderseits mit Panzern durchgestoßen. Als auch gegen den Rücken der Kompanie Panzer anfuhren, stürzte Oberfeldwebel Gretschmann gegen die Panzer vor, um sie mit Maschinenwaffen und Leuchtpistolen zu erledigen. Dieses heldenhafte Beispiel wirkte mit* reißend auf die Kompanie, die die Stellung gegen eine Uebermacht ohne allzu große eigene Verluste hielt.

den Hafen gelegt, wieder in Reichweite der feind­lichen Artillerie, der feindlichen Schiffsbestückung. Geschützdonner erschütterte weithin die Luft, wäh­rend wir unseren Bug wieder zum Einsatzhafen richteten. Am nächsten Tage war Reval besetzt, und schon am Spätnachmittag und am Abend ununter­brochen flohen die Sowjettruppen, von den Sowjetkriegsschiffen geleitet, Hals über Kopf auf Transportern aufs Meer hinaus, Hangö, Kronstadt oder Oefel zu. Die erste Detonation rollte über das Wasser. Ein Sowjeffchiff legte sich auf die Seite. Eine zweite, eine dritte Detonation. Flammen erhellten weithin die See. Und während Schiff auf Schiff der Sowjetmarine auf unsere Minen liefen, sanken ober ausbrannten, zeigten sich am Himmel unsere Kampfflugzeuge, wuchsen, kamen näher unb stürzten sich auf bie Reste dieser wohl gewaltigsten Transportflotte, die man seit Dünkirchen und Kreta einem Hasen hatte entfliehen sehen.

Die Nacht von Reval sie war die stolze Krö­nung aller vergangenen Nächte im Finnen-Golf, aller Arbeit, aller Mühe, allen Wachens und aller Wagnisse. Der Himel glühte in dieser Spätsommer- nacht wie in den hellsten Mittsommernächten, das Meer schien zu brennen, und immer noch rissen die Detonationen nicht ab. Vier Zerstörer, 13 weitere Kriegsschiffe und 29 Transportschiffe liefen auf unsere Minen und sanken zum allergrößten Teil. Was zu entkommen versuchte, wurde von den Bomben der Kampfflugzeuge getroffen und ver­senkt. Mit einem Schlage waren die SowjettElite- truppen in Estland, die sich bis zum letzten zäh ver­teidigt hatten, und die Stalin gewiß gern noch an anderen Plätzen eingesetzt hätte, vernichtet. Nacht von Reval viele Nächte unbekannter Arbeit stek- ken in ihr bis sie kommen konnte. Aber daß sie kom­men mußte, dessen waren mir in all diesen Fahrten voller Sttapazen und Gefahren gewiß.

Britisch-sowjetische Ver­bindung in Iran.

Kopenhagen, 1. September. (Europapreß.) In militärischen Kreisen der englischen Hauptstadt wird mitgeteilt, daß die sowjetischen und britischen Stteitkräfte, bie auch die iranischen Grenzbezirke nach der Türkei hin besetzen, am Freitagabend beim Urmisa-See bie Verbindung miteinander aufgenommen haben. Die direkte Landverbin­dung zwischen den Bolschewisten und dem Heer Ge­neral Wavells ist hiermit zustandegebracht. Die sow­jetische Besatzungsarmee hat ihr Hauptquartier i n Täbris errichtet, während das Hauptquartier der britischen Stteitkräfte sich vorläufig noch in Abadan befindet.

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Die Tatsache, daß auch nach der Einstellung des Widerstandes auf iranischer Seite die Bombar­dierung unbefestigter Städte durch die sowjetische Luftwaffe fortgesetzt wird, hat tiefe Be­stürzung in Iran hervorgerusen. In Kazvin steht ein derAnglo-Iranian Oil Company" gehörender Benzintank von 2,5 Millionen Ltter in Flam­men. In Babolsar am Kaspischen Meer schlugen in der Umgebung eines unter Schweizer Leitung stehenden bekannten Hotels dreißig Bomben ein. In Te heran hielt am Sonntag bie Panik an. Tau­sende von Einwohnern haben die Stadt verlassen, angesichts des B o l f ch e wi ft e n te r r o r s in den von den Sowjets besetzten Städten. Oft führen die Flüchtenden nur das notwendigste Hab und Gut auf Eselskarren mit sich. Alle ausländischen Kolonien Teherans sind in den Gebäuden ihrer diplomatischen Vertretungen versammelt. Nach den Erfahrungen, die die Kosulate in Täbris gemacht haben, fürchtet man aber, daß auch dort keine Si­cherheit vor den Bolschewisten zu finden sein wird. Sogar die britischen Staatsbürger sind in Sorge vor den Bolschewisten und haben auf dem Sommer­sitz der britischen Botschaft Zuflucht gesucht.

Die Bedingungen, die die Engländer und Bolsche­wiken nach ihrem Heb erfüll an Iran stellen, sind noch nicht veröffentlicht worden. Nach einer Mel­dung des Rundfunksenders Bagdad sollen folgende Forderungen gestellt werden: Besetzung der Petroleumquellen im Südwesten durch die Engländer, Kontrolle der transirani­schen Eisenbahn im Süden durch die Eng­länder und im Norden durch die Sowjets, Kontrolle der Verbindungswege von Teheran und Täbris in den Kaukasus und an die türkische Grenze durch die Sowjets. Schließlich soll sich Iran dem so­genannten Sterling-Block anschließep, was für England mit seiner entwerteten Währung einen handelspolitischen Vorteil bedeutet.

Kleine politische Nachrichten.

An der Spitze seiner Truppe im Verband einer Panzerdivision wurde der Abteilungskommandeur Major Richard Kolb, Universitätsprofessor in Jena, im Osten schwer verwundet. Kolb mar­schierte am 9. November 1923 neben dem Führer in der ersten Reihe des Zuges zur Feldherrnhalie. Im Westfeldzua 1940 drang er als erster in Straß­burg ein und hißte die Hakenkreuzfahne am Mün­ster.

Eine deutsche Schule konnte nach 53jähriger Un­terbrechung wieder in Stockholm den Schulhetrieb eröffnen. Die Schule steht unter der Leitung des Direktors Dr. Dorff, dem 24 Lehrkräfte zur Seite stehen. 172 Schüler wurden ausgenommen.

NeÜreiWMngMöw

Vornan von Horst Hiernach

7. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Kathi hatte eine vertrackte Art, bie Stühle seit­lich zum Tisch auszurichten unb die Kissen auf den Sesseln aufzuschütteln. Alles stand wie in Kom­mandostellung, diese gemütlichen Stücke, die Luisa und ihm wie gute Freunde vertrant waren und fast alle ihre Namen und ihre Geschichte hatten. Der große Ohrensessel Maximilian, der Täbris in Luisas Zimmer, den sie Anna von Cleve getauft hatten, der fahrbare Likörschrank Pork alle be­nannt nach Arbeiten und Aufsätzen Hellwangs, von deren Honoraren immer ein Teil für die Er­füllung eines großen Wunsches angelegt worden war. Ach, Luisas Atem wehte nicht mehr durch die Räume, ihr warmer Atem, der auch den toten Dingen Leben eingehaucht hatte.

Kathis Ordnungsbegriff war für den, der ihn mit voller Wucht zu spüren bekam, eine furchtbare Geißel. Sie feierte mit dem kombinierten Staub­sauger stundenlange Orgien. Einem Versuch Hell­wangs, den teuflischen Apparat heimlich außer Gefecht zu setzen, hatte die außergewöhnlich starke Konstruktion widerstanden. Luisa allein hatte das Kunststück fertiggebracht, Kathis Ordnungsdrang mit Samthandschuhen über Eisengelenken zu zügeln. Ob dieses Fräulein Zögling, das morgen ihren Poften antreten sollte, in der Behandlung Kathis bie gleiche Geschicklichkeit besitzen würde? Er erinnerte sich mit einigem Unbehagen an die Unterredung mit Kathi, an ihre präzisen Fragen über die Stellung der künftigen Hausgenossen ihr gegenüber und an fein nicht gerade mutiges Ausweichen. Aber der Teufel mochte im Angesicht dieser gewaltigen Frauensperson Mut haben! Ihm blieb nichts anderes übrig, als inbrünstig zu hoffen und zu wünschen, daß alles gut ausgehen möge.

Fräulein Zögling erschien an dem verabredeten Montag um neun Uhr morgens Sie keuchte ein wenig, und auf ihrer Stirn standen kleine Schweiß­perlen, denn sie trug zwei große Koffer mit sich. Sie hatte diese schweren Stücke vom Bahnhof

Greiffing eigenhändig bis zur Haustür geschleppt, da Greiffing weder mit Autotaxen noch mit Ge­päckträgern auf den Verkehr eingestellt war. Und immerhin ging man vom Bahnhof bis zum Hause Gode Wind" gut und gern zehn Minuten.

Oh, das tut mir aber leid", rief Hellwang be­dauernd,ich rechnete bestimmt damit, daß Sie an- läuten würden, ich hätte Sie dann von der Bahn abgeholt." Er wandte sich an Kathi, die ihm die Ankunft von Fräulein Zögling mit einem kurzen sie ist da!" gemeldet hatte, und ersuchte sie, das Gepäck zu nehmen und in Fräulein Zöglings Zimmer zu schaffen. Kathi lupfte die beiden braunen Preßstoffkoffer an, murmelte:Schwer genug fan f", und ließ es offen, zu erraten, im Hinblick worauf die Koffer ihrer Meinung nach schwer genug waren. Söhnchen lugte aus der Tür des Kinderzimmers, aber er kam nicht hervor, son­dern verdrückte sich lautlos. Die beiden Mädel waren in der Schule und wurden erst zum Mittag­essen zurückerwartet. Hellwang führte Fräulein Zögling zu ihrem Zimmer und blieb, nachdem er ihr sozusagen die Schlüssel'überreicht hatte, vor der Schwelle stehen.

Sie werden sich nach dem anstrengenden Wege sicherlich erfrischen wollen. Wenn ich Sie später durch das Haus führen unb Ihnen das Notwen­dige erklären soll, so suchen Sie mich bitte in mei­nem Arbeitszimmer auf es liegt gerade gegen­über."

Nun, das Haus ist ja nicht so groß, daß man sich darin verirren könnte", sagte Fräulein Zög­ling; es war der erste längere Satz, den sie in der neuen Stellung sprach. Vielleicht sollte ihre Fest­stellung heiter klingen, vielleicht aber auch an­deuten, daß sie in größeren Fluchten zu wandeln gewohnt sei. Hellwang verbeugte sich verabschie­dend:Wenn Ihnen Kathi beim Auspacken be­hilflich sein soll, so ... Er kam nicht dazu, die Höflichkeit zu vollenden, denn Kathi bemerkte kühl und bestimmt, daß sie das Essen aufs Feuer ge­stellt habe, und daß das Fräulein sich leider allein werde behelfen müssen. Damit hievte sie die Koffer auf zwei Stühle und entschwand.

Und ich bin es gewohnt, allein fertig zu wer­den!" rief Fräulein Zögling tapfer. Daraufhin ent» schied sich Hellwang zu einer zweiten Verbeugung,

und wortlosem Abgang. Er entfernte sich mit einem Gesicht, als wittere er irgendwo im Hause einen Brandgeruch.

Fräulein Zögling brauchte nicht viel Zeit, um sich zu erfrischen. Das Koffertragen schien ihr sogar gut bekommen zu sein. Ihre blassen Wangen waren zart gerötet, ihre Lippen kräftiger durchblutet, und sie verbreitete einen frischen Duft nach Kölnischwas­ser, als sie im Arbeitszimmer erschien. Sie trug ein kapuzinerbraunes Kleid von streng geschlossenem Schnitt; es war mit einem Krägelchen und 21 ernte!= aufschlägen garniert, die aussahen, als wagten sie es nicht, rosa zu sein, um nicht leichtfertig zu er= scheinen. Hellwang hatte sie bisher nur im Hut ge­sehen, einem schlichten schwarzen Velour mit brei- fingerbreiter Krempe. Jetzt bemerkte er, daß sie blond war und eigentlich recht hübsches, leuchtendes Haar hatte, aber es war glatt aus der Stirn gezo­gen und im Nacken zu einer schmucklosen, purita­nischen Rolle zusammengedreht.

Er deutete auf einen Sessel in der Plauderecke und bat sie, Platz zu nehmen. Jedoch sie blieb ver­weilend neben dem Sessel stehen und sah sich im Zimmer um. Hellwang ahnte fast, was nun kom­men würde, und spielte nervös mit den Fingern.

,^Hier entstehen also die großen Werke, von denen auch Graf Jdell-Idell nur in Tönen höchster Aner­kennung sprach", stellte Fräulein Zögling mit an­dächtiger Stimme fest; und wie zur Entschuldigung ihrer Ergriffenheit fügte sie hinzu:Ich war näm­lich noch niemals in der wenn man so sagen darf Werkstatt eines Dichters." Ihr Blick ft reifte bie Bücherborde, Holbeins Falkner, bie Masken Friedrichs des Großen und Moltkes und blieb an dem Schreibtisch haften.Ja", seufzte sie,ein stim­mungsvoller Raum; in dieser Atmosphäre müssen kluge Gedanken wachsen."

Gott im Himmel, dachte Hellwang und faltete die Hände, soll das immer so weitergehen? ,Ha, ja, ein ganz hübsches Zimmerchen", murmelte er etwas verstört.

,Öh, auch ich hatte einmal btn Ehrgeiz, mich so­zusagen der Muse der Dichtkunst zu weihen, doch wie es im Leben geht ..."

Hellwang schloß für eine halbe Sekunde die Augen. Als er sie wieder aufriß, schienen sie noch einmal fo hell zu jein wie zuvor.Nun", siel er

mit erhobener Stimme ein,dann werden Sie ja am besten wissen, daß bie schönste Stimmung zum Teufel geht, wenn man nicht in Ruhe arbeiten kann. Bitte, setzen Sie sich jetzt, damit wir über Ihre Aufgaben sprechen können."

Er war im Grunde seines Wesens zart und menschenscheu. Dem glänzenden Schreiber war es unmöglich, vor fremden Gesichtern drei zusammen­hängende Sätze frei zu sprechen. Im Verkehr mit her Umwelt verbarg er seine Unsicherheit hinter dem Panzer schweigsamer Höflichkeit. Zeit seit Lebens mar er Hausierern, Firmenvertretern und Versiche­rungsagenten hilflos ausgeliefert gewesen. Ohne Luisas energisches Dazwischentreten wäre fein Schreibtisch vor Versicherungspolicen aller Art ge­borgten unb das Haus vor Staubsaugern, Klavieren und Radiogeräten zu klein geworden. Es mußte Un­gewöhnliches vorfallen, daß er sich dazu hinreißen ließ, jemanden glatt das Wort abzuschneiden. Auch jetzt überfiel ihn noch nachträglich eine Art von Zittern über die eigene Kühnheit. Es war wie das erste Freibad im Mai. Einmal mußte man ja ins Waffer. Hoppla also! Schlug das Herz noch? Ja, es schlug noch. Er schwamm.

Fräulein Zögling knickte zusammen und nahm gehorsam in dem angebotenen Sessel Platz. Hell­wang schielte nach ihrem Gesicht. War sie gekränkt? Nein, anscheinend nicht, ihre Gedanken hatten die Muse der Dichtkunst verlassen und waren ganz gegenwärtig. Ihre grauen Augen hingen in beflis­sener Dienstbereitschaft an einem imaginären Punkt, drei Finger breit entfernt neben seinem linken Ohr.

Ruhe also", wiederholte er, ,Has ist alles, was ich brauche. Verstehen Sie mich recht, mich stört nicht so sehr bas gelegentliche Lärmen der Kinder ober ein Geräusch im Hause, aber wovon ich unbedingt verschont zu werden wünsche, das ist der tägliche Kleinkram, das sind Rechnungen, Steuertermine und die berühmte Frage, was morgen gekocht wer­den soll. Auch will ich nicht wissen, daß die Kinder neue Schuhe brauchen, und daß der Wasserhahn in der Küche tropft ..." Er schloß mit einer wellen­förmigen Handbewegung, die die Aufzählung solcher Dinge bis ins unendliche fortfetzte und zerbrochenes Geschirr, die Kohlen im Keller und die Anschaffung des Kartoffelvorrats für den Winter in sich schloß.

(Fortsetzung folgt)